{"id":5814,"date":"2019-08-13T14:01:38","date_gmt":"2019-08-13T12:01:38","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5814"},"modified":"2019-08-13T14:01:39","modified_gmt":"2019-08-13T12:01:39","slug":"trump-erpresst-afghanistan-veraergert-indien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5814","title":{"rendered":"Trump erpresst Afghanistan, ver\u00e4rgert Indien"},"content":{"rendered":"<p><em>Edgar Benkwitz. <\/em>Am 22. Juli hatte Indien seinen gro\u00dfen Tag. Das ganze Land verfolgte den erfolgreichen Start der Mondrakete und hofft nun, dass ihr weiterer Flug g\u00fcnstig verlaufen wird. Gl\u00fcckw\u00fcnsche aus aller Welt liefen ein, auch von der US-Raumfahrtbeh\u00f6rde<!--more--> NASA. Sie ist an der Mission besonders interessiert, da das indische Mondfahrzeug in der N\u00e4he des Mond-S\u00fcdpols seine Forschungsarbeit aufnehmen soll. Hier werden voraussichtlich 2021 amerikanische Astronauten bei ihrer n\u00e4chsten Reise zum Mond landen.<\/p>\n<p>Am gleichen Tag, an dem indischen Wissenschaftlern und Politikern vor Stolz fast die Brust platzte, \u00e4u\u00dferte sich Pr\u00e4sident Trump in Anwesenheit des pakistanischen Premierministers in Washington zu S\u00fcdasien. Dabei lie\u00df er in seiner gewohnten prahlerischen und menschenverachtenden Art S\u00e4tze fallen, die in Afghanistan und Indien nicht nur Verwunderung, sondern auch ein ger\u00fcttelt Ma\u00df an Erschrecken hervorriefen.<\/p>\n<p>Bekanntlich verfolgt der US-Pr\u00e4sident beharrlich einen fr\u00fchestm\u00f6glichen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan. Doch daf\u00fcr ist eine Vereinbarung mit den Taliban notwendig. Wiederholte Treffen von US-Beauftragten und der Taliban-F\u00fchrung haben diese bisher nicht zustande gebracht. Die Taliban beherrschen die H\u00e4lfte des Landes und unternehmen immer wieder bewaffnete Aktionen gegen die Regierung und das ausl\u00e4ndische Milit\u00e4r. Und ihr Ziel ist klar, sie wollen wieder an die Macht gelangen. Die gegenw\u00e4rtige afghanische Regierung soll dann keine Rolle mehr spielen. Die USA lavieren in dieser Frage, das zeigen ihre bisher gef\u00fchrten Gespr\u00e4che. Oberste Priorit\u00e4t hat f\u00fcr Trump ein schneller Abzug der US-Truppen. Alles andere ist untergeordnet, jede Hilfe und Unterst\u00fctzung daf\u00fcr willkommen. Das passt in die langfristige Strategie der pakistanischen F\u00fchrung, deren Trumpfkarte \u2013 die enge Verbindung zu den afghanischen Taliban \u2013 jetzt ausgespielt werden soll. Und der Zeitpunkt ist g\u00fcnstig: In den USA hat faktisch der Vorwahlkampf f\u00fcr die n\u00e4chsten Pr\u00e4sidentschaftswahlen begonnen, und das von Trump abgegebene Versprechen nach z\u00fcgigem R\u00fcckzug der Truppen, kommt nicht voran.<\/p>\n<p>Nun hat sich Donald Trump den pakistanischen Premierminister Imran Khan \u2013 in seinem Land \u201eTaliban-Khan\u201c genannt \u2013 ins Boot geholt. Nach den Gespr\u00e4chen mit ihm in Washington war der US-Pr\u00e4sident voll des Lobes und lie\u00df S\u00e4tze fallen wie \u201ePakistan wird uns bei dem R\u00fcckzug helfen\u201c sowie \u201ePakistan hilft uns im Moment enorm\u201c. Konkretere Angaben gab es nicht. Aber auf der Tagesordnung steht, die Taliban zu bewegen, ihre Kampfhandlungen gegen ausl\u00e4ndische Truppen einzustellen und irgendeiner Form einer \u201eZusammenarbeit\u201c mit der afghanischen Regierung zuzustimmen. Das versprach der pakistanische Premier zu bewerkstelligen. \u201ePakistan wird die Taliban dr\u00e4ngen, mit der afghanischen Regierung zu sprechen und damit zu einer Vereinbarung zu kommen\u201c, so Imran Khan.<\/p>\n<p>Mit dem von Trump verk\u00fcndeten Herangehen wird eine Kehrtwende in den Beziehungen zu Pakistan eingeleitet. Noch im Vorjahr twitterte Trump: \u201eDie USA haben in den letzten 15 Jahren Pakistan mehr als 33 Milliarden Dollar als Hilfeleistung gegeben, und sie haben uns nichts weiter gegeben als L\u00fcgen &amp; Betrug, haben unsere F\u00fchrer als Dummk\u00f6pfe betrachtet. Den Terroristen, die wir mit wenig Erfolg in Afghanistan gejagt haben, haben sie Unterschlupf gew\u00e4hrt. Nicht l\u00e4nger!\u201c W\u00e4hrend jahrelang Pakistan als das \u00dcbel angesehen wurde, das eine Befriedung der Lage in S\u00fcdasien nicht zulie\u00df, das zudem Usama bin Laden Unterschlupf gew\u00e4hrte, muss nun das leidgepr\u00fcfte Afghanistan als S\u00fcndenbock herhalten. \u201eWenn ich den Krieg in Afghanistan gewinnen wollte, dann habe ich dazu Pl\u00e4ne. Afghanistan w\u00fcrde dann von der Erdoberfl\u00e4che getilgt werden. Es w\u00fcrde verschwinden. Es w\u00e4re in zehn Tagen vorbei \u2013 doch ich m\u00f6chte diesen Weg nicht gehen\u201c, erkl\u00e4rte er auf der Pressekonferenz den erstaunten Journalisten. Eine \u00e4hnliche, an Wahn grenzende Rhetorik kennt die Welt\u00f6ffentlichkeit bereits von seinem Herangehen gegen\u00fcber Nordkorea und dem Iran. In Afghanistan sind jedoch die USA, ihre Politik und milit\u00e4rischen Aktionen ma\u00dfgeblich f\u00fcr den gegenw\u00e4rtigen Zustand mit verantwortlich.<\/p>\n<p>Die Nachrichten aus Washington f\u00fchrten in Afghanistan zu einem Aufschrei. Insbesondere das Spiel mit einem Genozid besch\u00e4ftigt die ohnehin traumatisierte \u00d6ffentlichkeit. Pr\u00e4sident Ghani verlangte von den USA Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Bemerkungen Donald Trumps zu Afghanistan, einschlie\u00dflich seiner Behauptung, \u201edass er leicht den Krieg gewinnen kann, aber nicht w\u00fcnsche 10 Millionen Menschen zu t\u00f6ten\u201c. In einer Erkl\u00e4rung des Pr\u00e4sidialamtes hei\u00dft es: \u201eDie afghanische Nation hat nicht und wird niemals ausl\u00e4ndischen M\u00e4chten erlauben, ihr Schicksal zu bestimmen [\u2026] Die Regierung unterstreicht, dass fremde Staatsoberh\u00e4upter in Abwesenheit der afghanischen F\u00fchrung nicht \u00fcber das Schicksal Afghanistans bestimmen k\u00f6nnen.\u201c Klare Worte, die aber bei dem gegenw\u00e4rtigen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis wenig Aussichten auf Realisierung haben.<\/p>\n<p>Etwas anders d\u00fcrfte es allerdings zwischen den USA und Indien ausgehen. Auch hier lie\u00df sich Donald Trump zu Bemerkungen hinrei\u00dfen, die die indischen Politiker emp\u00f6rten. Er behauptete, dass w\u00e4hrend des G20-Gipfels in Osaka der indische Premierminister Modi ihn gebeten habe, im Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan zu vermitteln. \u201eIch war mit Premier Modi vor zwei Wochen zusammen [\u2026] und er fragte, ob ich ein Vermittler sein m\u00f6chte. Als ich ihn fragte wo, sagte er Kaschmir. Ich sagte ihm, wenn ich vermitteln soll, dann werde ich helfen.\u201c \u2013 Das ist der Wortlaut seiner \u00c4u\u00dferungen, auf die die indische Regierung sofort und ungew\u00f6hnlich stark reagierte. Der Au\u00dfenminister pers\u00f6nlich erkl\u00e4rte, dass Premier Modi im Gespr\u00e4ch mit Pr\u00e4sident Trump niemals um eine Vermittlerrolle gebeten habe: \u201eKaschmir wurde zwischen den beiden Politikern \u00fcberhaupt nicht er\u00f6rtert.\u201c<\/p>\n<p>Und in der Tat schlie\u00dft Indien seit Bestehen des Kaschmirkonflikts jegliche Vermittlerrolle aus. Das ist Staatsr\u00e4son, ein Abweichen davon undenkbar. Das viel st\u00e4rkere und sich historisch im Recht f\u00fchlende Indien will eine bilaterale L\u00f6sung mit Pakistan. Dieses hingegen setzt seit jeher auf eine Beteiligung dritter Staaten oder der UNO. Die USA und viele L\u00e4nder dieser Welt unterst\u00fctzen das indische Herangehen. Und nun die davon v\u00f6llig abweichenden \u00c4u\u00dferungen eines Donald Trump.<\/p>\n<p>Auch die US-Administration erkannte, dass Trump plump in eine Falle der Pakistanis getappt war. So gab es sofort den Versuch einer Schadensbegrenzung. Ohne den Pr\u00e4sidenten offen zu desavouieren, hie\u00df es offiziell in einer verschroben Erkl\u00e4rung: \u201eDa Kaschmir eine bilaterale Frage f\u00fcr Gespr\u00e4che beider Seiten ist, begr\u00fc\u00dft die Trump-Administration solche Gespr\u00e4che, und die USA stehen bereit zu helfen.\u201c Fakt ist allerdings, dass es seit Jahren zwischen beiden Seiten keine Gespr\u00e4che gibt. Indien verlangt von Pakistan kategorisch, dass es als Vorbedingung seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr terroristische Aktivit\u00e4ten aufgibt und wirksame Schritte gegen den grenz\u00fcberschreitenden Terrorismus unternimmt. Gerade der indische Premierminister Narendra Modi hat diesen Kurs versch\u00e4rft und die Beziehungen zu Pakistan auf Eis gelegt.<\/p>\n<p>Indien wird die Aff\u00e4re klein halten, es ist jedoch aufgeschreckt. Es muss zusehen, wie die Rolle seines Erzrivalen Pakistan enorm aufgewertet wird, pakistanische Positionen von den USA \u00fcbernommen werden. Auch in Afghanistan schwimmen Indien die Felle davon. Pr\u00e4sident Ghani, mit seiner Regierung Indien freundlich gesonnen, wird an den Rand gedr\u00fcckt. Und die Taliban, seit jeher gegen\u00fcber Indien militant eingestellt, werden unter Umst\u00e4nden in Afghanistan bald das Sagen haben. Die indische Au\u00dfenpolitik steht vor einem Dilemma. Sie hat in den letzten Jahren in vielen Bereichen sehr stark auf die USA gesetzt; und nun die Kehrtwende eines Donald Trump in f\u00fcr Indien wichtigen Fragen seiner Sicherheit. Indien ist gewarnt, ist sich jedoch seines enormen geostrategischen Wertes f\u00fcr die USA bewusst.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/das-blaettchen.de\/2019\/08\/trump-erpresst-afghanistan-veraergert-indien-49156.html\"><em>das-blaettchen.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 13. August 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Edgar Benkwitz. Am 22. Juli hatte Indien seinen gro\u00dfen Tag. Das ganze Land verfolgte den erfolgreichen Start der Mondrakete und hofft nun, dass ihr weiterer Flug g\u00fcnstig verlaufen wird. 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