{"id":5834,"date":"2019-08-16T08:31:04","date_gmt":"2019-08-16T06:31:04","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5834"},"modified":"2019-08-16T08:31:06","modified_gmt":"2019-08-16T06:31:06","slug":"ubs-und-cs-seit-2008-der-wind-hat-sich-gedreht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5834","title":{"rendered":"UBS und CS seit 2008: Der Wind hat sich gedreht"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Dario Dietsche. <\/span><\/i><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Mehr als ein Jahrhundert lang waren die Grossbanken zentrale Motoren der Schweizer Wirtschaft. Mit der Krise von 2008 sind sie zu Bremsen verkommen. Was der schleichende Abfall von UBS &amp; CS f\u00fcr den Schweizer Kapitalismus bedeutet.<\/span><\/b><!--more--><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Wer an die Schweiz denkt, denkt schnell mal an Banken. Das kommt nicht von ungef\u00e4hr: Die Grossbanken sind die federf\u00fchrenden Akteure beim Aufstieg des Schweizer Kapitalismus zu einer der zentralen Drehscheiben des internationalen Kapitalverkehrs im 20. Jahrhundert. Z\u00fcrich und Genf geh\u00f6ren heute zu den Top-15 Finanzzentren der Welt. Der Schweizer Finanzplatz ist und bleibt mit neun Prozent Anteil am BIP (nur Luxemburg und Singapur haben mehr) vorerst das Herzst\u00fcck des hiesigen Kapitalismus. Allerdings: Vor dem Ausbruch der Wirtschaftskrise von 2008 lag dieser Anteil noch bei knapp 13 Prozent. Seither erleben wir eine Trendwende \u2013 die Bedeutung des fulminant emporgeschossenen Finanzplatzes nimmt ab. Verantwortlich daf\u00fcr sind haupts\u00e4chlich die Grossbanken (UBS und Cr\u00e9dit Suisse), die von Wirtschaftsmotoren zu Bremsen mutieren. Ihr Anteil an der Gesamtwirtschaftsleistung hat sich im letzten Jahrzehnt nahezu halbiert.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Der riskante Aufstieg an die Weltspitze<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die beiden Grossbanken sind heute Schatten ihrer Vorkrisen-Jahre. So ist der Gewinn der UBS seit 2006 um 70 Prozent eingest\u00fcrzt, der Aktienkurs der CS gar um 90 Prozent. Gr\u00fcnde daf\u00fcr finden sich im unsicheren Fundament des rasanten Aufstiegs zu Top-Weltbanken ab den 1970ern. Mit der damaligen Liberalisierung der globalen Finanzm\u00e4rkte verloren die hiesigen Grossbanken ihren traditionellen Wettbewerbsvorteil als liberale Inseln der Verm\u00f6gensverwaltung. Die zugespitzte Konkurrenz dr\u00e4ngt sie zu einer aggressiven Expansionspolitik, in der das Investment-Banking das \u00fcbliche Kreditgesch\u00e4ft zunehmend verdr\u00e4ngt. Der Plan ging auf \u2013 vor allem weil die privilegierte Stellung in der Verm\u00f6gensverwaltung den Grossbanken Milliardengewinne bescherte. Mittels des Bankgeheimnisses (Schweigepflicht bez\u00fcglich Kundendaten) kumulierten sich die angelegten Gelder kriminellen Ursprungs um die Jahrtausendwende auf 30 bis 80 Prozent. Dadurch befl\u00fcgelt und abgehoben, versuchte vor allem die UBS in den 2000ern ihre Marktanteile insbesondere in den USA weiter zu erh\u00f6hen. Das Motto: Rekordwachstum um jeden Preis dank Spekulationen mit immer riskanteren Wertpapieren oder aktiver Unterst\u00fctzung beim Steuerbetrug im Rennen um die reichsten Kunden.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Mit der Krise kommt die Retourkutsche\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">2008 verkam die Erfolgsstory der Schweizer Grossbanken zum Alptraum. Die fetten Profite durch Investitionen an den US-M\u00e4rkten verkehrten sich in milliardenschwere Verluste. Vor allem die UBS hat s\u00e4mtliche Alarmsignale missachtet \u2013 und geh\u00f6rte dann zu den weltweit am st\u00e4rksten von der Krise betroffenen Instituten. Nur das massive Eingreifen des Staates bewahrte sie vor dem Untergang. Die USA, im Verbund mit der EU, wussten diese Situation der Verwundbarkeit auszunutzen: Unter Androhung einer, in diesem Moment f\u00fcr sie wohl existenzbedrohlichen Strafklage wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zwangen sie die UBS 2008 zur Aush\u00e4ndigung zehntausender Daten von US-Kunden. So verlor die UBS bis Ende 2009 rund 30 Prozent ihrer verwalteten Verm\u00f6gen, nicht zuletzt an die US-Konkurrenz.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">In der krisenbedingt zugespitzten Konkurrenz nahmen die Angriffe auf die Schwarzgeld-Oasen weiter zu; die aufgezwungenen Bussen seit Ausbruch der Krise belaufen sich f\u00fcr UBS und CS zusammen auf rund 25 Milliarden Franken (das F\u00fcnffache des gemeinsamen Jahresgewinns 2018). Der Niederlagen H\u00f6hepunkt? Der 2017 eingef\u00fchrte automatische Informationsaustausch. Mit dem damit besiegelten Ende des Bankgeheimnisses verloren die Grossbanken ihren letzten, jahrzehntelang erfolgreich verteidigten Wettbewerbsvorteil.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Zur\u00fcck zum Paradepferd, das keines mehr ist\u00a0<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Seit nunmehr zehn Jahren versuchen die von der internationalen Konkurrenz (allen voran den USA) zur\u00fcckgestuften UBS und CS wieder Fuss zu fassen. Stabile Verm\u00f6gensverwaltung ausbauen, Investment-Banking abbauen, lautet dabei die Devise. \u00abWeniger risikobehaftet\u00bb seien die Banken dadurch geworden, \u00ababer auch weniger rentabel\u00bb, stellt Ex-UBS- und CS-Chef Oswald Gr\u00fcbel unl\u00e4ngst fest. Das Problem: Der traditionelle Goldesel der Grossbanken bockt. Um gleich viel zu verdienen wie vor einem Jahrzehnt, muss eine Bank heute im Schnitt ein F\u00fcnftel mehr Gelder verwalten. Dies hat zwei Hauptgr\u00fcnde: Erstens forcieren immer mehr Banken den Bereich der Verm\u00f6gensverwaltung, was zu mehr Konkurrenz und damit sinkenden Margen f\u00fchrt. Ohne Bankgeheimnis fehlt den Grossbanken hier der einst ausschlaggebende Vorteil. Zweitens m\u00fcssen UBS und CS, aus Angst vor weiteren schmerzhaften Bussen, vermehrt Investitionen t\u00e4tigen, um die Herkunft der Gelder zu \u00fcberpr\u00fcfen. Die \u00absauberen\u00bb Kunden sind zudem anspruchsvoller bez\u00fcglich Dienstleistungen und wechseln bei M\u00e4ngeln schneller die Bank. Es sind also h\u00f6here Ausgaben n\u00f6tig, um Verm\u00f6gen anzuziehen und zu halten, was ebenfalls die Margen senkt.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Tats\u00e4chlich weniger Risiko?<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Hinsichtlich der tiefen Margen vermag die Hinwendung zur Verm\u00f6gensverwaltung die Investoren nicht zu \u00fcberzeugen \u2013 der Aktienkurs beider Grossbanken hinkt dem Buchwert\u00a0 hinterher. In der Verzweiflung k\u00fcndigen beide unl\u00e4ngst R\u00fcckk\u00e4ufe eigener Aktien in Milliardenh\u00f6he an. Doch auch dieser Versuch zeigt kaum Wirkung.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Weil Wachstum im hart umk\u00e4mpften Bankensektor mit aufstrebenden US-Banken aber keine Wahl, sondern eine Notwendigkeit darstellt, m\u00fcssen UBS und CS andere Wege suchen. Beide haben Asien (vor allem China) als Wachstumsregion auserkoren. Dort versuchen sie, aus dem Gesch\u00e4ft mit Grosskapitalisten dreifach Profit zu schlagen: durch Verm\u00f6gensverwaltung, Anlagemanagement und Kreditvergabe. Eine potentiell riskante Ausrichtung, bedenkt man die vorhandene \u00dcberproduktion Chinas, die sich im abk\u00fchlenden Wachstum widerspiegelt. Der Ausbruch einer Krise in China w\u00fcrde die drei Kernbereiche der hiesigen Grossbanken treffen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Das goldene Bankenland rutscht ab<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">\u00abDie Welt ist weniger berechenbar. Wir m\u00fcssen uns damit anfreunden, dass die n\u00e4chsten Jahre schwieriger werden\u00bb, sagt UBS-CEO Sergio Ermotti. Klarer ausgedr\u00fcckt: Mit den Grossbanken geht es bergab. \u00dcber ein Jahrhundert lang waren sie die Antreiber eines Finanzplatzes, der zum wichtigsten Wirtschaftssektor emporstieg und massgeblich zum internationalen Stellenwert der Schweiz beitrug. Seit 2008 jedoch schw\u00e4chen UBS und CS den Finanzsektor und tragen entscheidend zur quasi-Stagnation der Schweizer Wirtschaft \u2014 und damit auch zur Zunahme der sozialen Spannungen bei. Eine erneute Trendwende ist nicht in Sicht, entpuppen sich doch die angewandten Mittel, um dem Abfall entgegenzuwirken, als wenig effektiv (Hinwendung zur Verm\u00f6gensverwaltung) oder nicht nachhaltig (Fokus auf China).<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Das goldene Land der Banken rutscht unweigerlich zum gew\u00f6hnlichen Land der Dienstleistungen ab. Weil diese nur noch m\u00e4ssig Einnahmen generieren, dr\u00fccken die beiden Banken m\u00e4chtig auf die Sparbremse, womit sie den Klassenkampf auch direkt von oben befeuern. UBS und CS geh\u00f6ren zu den f\u00fchrenden Stellenabbauern des vergangenen Jahrzehnts, von den verbleibenden 35\u2019000 Jobs im Bankensektor sollen in den n\u00e4chsten Jahren weitere 7\u2019000 verschwinden. Gleichzeitig hat sich das Gehalt von UBS-CEO Ermotti seit 2011 auf knapp 15 Millionen Franken verdoppelt. 2013 hat die 1:12-Initiative gezeigt, wie die Linke diese sich versch\u00e4rfende Situation mit korrekten Forderungen zum Aufbau ihrer Kr\u00e4fte nutzen kann.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/deutsch\/c27-schweiz\/ubs-und-cs-seit-2008-der-wind-hat-sich-gedreht\/\">derfunke.ch&#8230;<\/a> vom 16. August 2019<\/span><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dario Dietsche. Mehr als ein Jahrhundert lang waren die Grossbanken zentrale Motoren der Schweizer Wirtschaft. Mit der Krise von 2008 sind sie zu Bremsen verkommen. 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