{"id":5901,"date":"2019-08-26T10:21:12","date_gmt":"2019-08-26T08:21:12","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5901"},"modified":"2019-08-26T10:21:13","modified_gmt":"2019-08-26T08:21:13","slug":"usa-urabstimmungen-ueber-streik-bei-gm-ford-und-chrysler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5901","title":{"rendered":"USA: Urabstimmungen \u00fcber Streik bei GM, Ford und Chrysler"},"content":{"rendered":"<p><em>Autoarbeiter.info. <\/em><strong>Die Autoarbeiter bei GM, Ford und Fiat Chrysler (FCA) stimmen noch bis Mittwoch \u00fcber einen Streik ab. Die offiziellen Ergebnisse werden vermutlich am Donnerstag bekanntgegeben.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) ist weitgehend diskreditiert, weil sie in den letzten 30 Jahren die Arbeiter allen Tarifrunden ausverkauft hat. Zudem hat ein ausufernder Korruptionsskandal enth\u00fcllt, dass f\u00fchrende Gewerkschaftsfunktion\u00e4re bei FCA und GM Millionen Dollar an Bestechungs- und Schmiergeldern von den Unternehmen angenommen haben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Arbeiter entschlossen sind, die Zugest\u00e4ndnisse der letzten Jahrzehnte r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, hat die UAW kein Interesse an einem echten Kampf. Es ist jedoch m\u00f6glich, dass sie angesichts des \u00fcberw\u00e4ltigenden Widerstands der Autoarbeiter isolierte \u201eHollywood-Streiks\u201c in ein oder zwei Werken veranstaltet, die nur ein paar Tage oder Stunden dauern. Durch dieses Man\u00f6ver, das auch in der Wirtschaftspresse diskutiert wurde, sollen die Arbeiter Dampf ablassen und der Gewerkschaft soll ein Ausverkauf erleichtert werden.<\/p>\n<p>Die Arbeiter des Autozulieferers Faurecia in Saline (Michigan) haben im Juni einen Vorgeschmack auf diese sch\u00e4bige Taktik bekommen. Die lokale Gewerkschaft hatte einen Streik ab Mitternacht ausgerufen und ihn am n\u00e4chsten Morgen bereits wieder beendet. Dann hat die UAW einen Tarifvertrag mit Verschlechterungen durchgesetzt und die Arbeiter abstimmen lassen, ohne dass sie den Vertrag vollst\u00e4ndig lesen konnten.<\/p>\n<p>Melvin, ein ehemaliger Arbeiter des Autozulieferers Faurecia in Saline (Michigan), berichtete vor Kurzem mit dem\u00a0<em>Autoworker Newsletter<\/em>\u00a0der\u00a0<em>World Socialist Web Site<\/em>, wie die Gewerkschaft seine Entlassung erm\u00f6glichte: \u201eIch wurde wegen zu h\u00e4ufiger unentschuldigter Abwesenheit entlassen, aber ich glaube, sie wollten mich einfach loswerden. Die Firma hat ein Acht-Punkte-System: acht Fehler und man wird entlassen. Man darf pro Jahr drei- oder viermal aus pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden fehlen, aber das ist ein Witz. Als ich vor Gericht erscheinen oder ins Krankenhaus gehen musste, wurde das nicht als Begr\u00fcndung f\u00fcr meine Abwesenheit akzeptiert. Und die Gewerkschaft hat absolut nichts getan.\u201c<\/p>\n<p>\u201eVerhandlungen\u201c zwischen den Unternehmen und ihren bezahlten Agenten in der UAW k\u00f6nnen mit nichts anderem als weiteren Zugest\u00e4ndnissen enden. Deshalb ruft der\u00a0<em>Autoworker Newsletter<\/em>\u00a0der\u00a0<em>WSWS<\/em>\u00a0alle Autoarbeiter dazu auf, den Verhandlungsausschuss der UAW hinauszuwerfen und durch gew\u00e4hlte Vertreter der Belegschaft zu ersetzen. Um Hinterzimmerabsprachen zu verhindern, m\u00fcssen alle Verhandlungen live \u00fcbertragen werden. Dies muss verbunden werden mit dem Aufbau von Aktionskomitees in allen Fabriken, um der UAW die Kontrolle \u00fcber den Kampf zu entrei\u00dfen, damit die Autoarbeiter in den USA und weltweit unabh\u00e4ngig von der Gewerkschaft einen Kampf aufnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aktivisten des\u00a0<em>Autoworker Newsletter<\/em>\u00a0sprachen am Freitag mit Arbeitern im FCA-Fertigungswerk Sterling Heights in einem Vorort von Detroit, w\u00e4hrend dort die Urabstimmung lief.<\/p>\n<p>Jason erkl\u00e4rte: \u201eWir reden jeden Tag dar\u00fcber [die Korruption der UAW]. Gerade erst beim Essen haben wir dar\u00fcber geredet. Wenn alle ihre hohen Tiere angeklagt und vor Gericht gestellt werden, ist es schwer, diesen Leuten zu trauen. Wir sind diejenigen, denen das Geld aus der Tasche gezogen wird. Wir sind diejenigen, die sich ein Bein ausrei\u00dfen und nichts bekommen.\u201c<\/p>\n<p>Ein j\u00fcngerer Arbeiter stellte die rhetorische Frage: \u201eWie soll man mit diesen Gewerkschaften f\u00fcr seine Rechte k\u00e4mpfen und einen besseren Tarifvertrag fordern, wenn sie Schmiergelder vom Unternehmen annehmen?\u201c Er f\u00fcgte hinzu: \u201eUnd warum reden wir nicht \u00fcber einen gemeinsamen Streik mit Arbeitern in anderen L\u00e4ndern? Man wei\u00df ja, dass die meisten Autoteile, die sie in die Fabrik bringen, aus Mexiko kommen. Und die haben es dort wahrscheinlich nicht besser als wir hier.\u201c<\/p>\n<p>Ein Vertreter des\u00a0<em>Autoworker Newsletter<\/em>\u00a0erkl\u00e4rte, dass die Arbeiter in der Autozulieferindustrie im mexikanischen Matamoros Anfang des Jahres gegen den Willen der Gewerkschaft gestreikt hatten. Die US-Medien hatten diesen Streik wochenlang totgeschwiegen, bis in den USA die Autoproduktion wegen Teilemangels ins Stocken geriet. Darauf antwortete der Arbeiter: \u201eJa, die Medien hier wollen nicht, dass wir etwas davon wissen, weil sie nicht wollen, dass wir gemeinsam streiken. Aber wir m\u00fcssen \u00fcber die K\u00e4mpfe der jeweils anderen informiert sein.\u201c<\/p>\n<p>\u00dcberall in den USA \u00e4u\u00dferten sich Autoarbeiter gegen\u00fcber der\u00a0<em>Autoworker Newsletter<\/em>\u00a0zu den Tarifverhandlungen.<\/p>\n<p>Ein Arbeiter aus dem Ford-Werk in Louisville erkl\u00e4rte: \u201eGleich und gleich gesellt sich gern. Ich finde, sie sollten die Tarifrunde verschieben, bis alle korrupten Leute raus sind. Sie haben kein Recht, irgendetwas zu verhandeln, vor allem nicht [die UAW-Chrysler-Vizepr\u00e4sidentin Cindy] Estrada.<\/p>\n<p>Sicherheit m\u00fcsste [im Tarifvertrag] das wichtigste Thema sein. Es ist ein gro\u00dfes Problem, dass es in Louisville den ganzen Sommer \u00fcber durchschnittlich etwa 38 Grad hei\u00df ist. Der Gewerkschaft ist das total egal. Zwei Getr\u00e4nke, das war\u2018s, und dann wird die gleiche Produktivit\u00e4tsrate erwartet. Mein anderes Anliegen ist die Rente. Diese Kasper haben keine Ahnung, wie man verhandelt. Fast die H\u00e4lfte aller Arbeiter sind in Teilzeit oder befristet besch\u00e4ftigt, deshalb zahlt niemand in die Rentenkasse ein.<\/p>\n<p>Sie haben auf Facebook geschrieben, dass sie gerade vier Millionen Dollar in [das private Urlaubszentrum der UAW] Black Lake gesteckt haben, weil es ,nicht gro\u00df genug f\u00fcr die Ford-Leute oder zus\u00e4tzliche G\u00e4ste ist. Es gibt nur Platz f\u00fcr 395 Menschen.\u2018 Deshalb ,m\u00fcssen\u2018 sie zu ihrer Tagung nach Florida, behaupten sie &#8230; [und jetzt], wo ein [potenzieller] Streik droht, sagen sie uns, wir sollen unser Geld zusammenhalten und Lebensmittelkonserven horten &#8230; Diese faulen Ratten tun f\u00fcr niemanden etwas au\u00dfer f\u00fcr sich selbst.<\/p>\n<p>[Die Massendemonstrationen] in Puerto Rico haben gezeigt, wie man sich am besten wehrt. Das ganze Problem beim Streiken ist, ob man den Anf\u00fchrern vertrauen kann.\u201c<\/p>\n<p>Ein Autoarbeiter aus dem FCA-Fertigungswerk in Jefferson bei Detroit erkl\u00e4rte: \u201eMomentan ist die Krankenversicherung das wichtigste. Ich habe geh\u00f6rt, sie wollen im n\u00e4chsten Tarifvertrag den Eigenanteil zur Krankenversicherung erh\u00f6hen. Ich bin Diabetiker und meine Frau hat ernsthafte gesundheitliche Probleme, also brauchen wir die Gesundheitsversorgung.<\/p>\n<p>Es passt mir nicht, dass die Bosse so viel Geld bekommen. Sie sitzen nur am Schreibtisch, w\u00e4hrend wir hier ackern. Es macht mich fertig. Aber was k\u00f6nnen wir dagegen tun? Wir haben keine Kontrolle dar\u00fcber, was das Unternehmen mit dem Geld macht. Und die UAW unternimmt nichts dagegen. Um die Dinge zu \u00e4ndern, br\u00e4uchten wir irgendeine neue Organisation, die unabh\u00e4ngig von der UAW und dem Unternehmen ist.\u201c<\/p>\n<p>Als er h\u00f6rte, dass der WSWS\u00a0<em>Autoworker Newsletter<\/em>\u00a0genau daf\u00fcr k\u00e4mpft, zeigte er sich begeistert: \u201eDann packen wir&#8217;s an!\u201c<\/p>\n<p>\u201eWir haben immer gewitzelt, dass sie direkt auf der Gehaltsliste des Unternehmens stehen\u201c, erkl\u00e4rte ein Arbeiter bei American Axle, das im Jahr 2012 mit Unterst\u00fctzung der UAW seine Fabrik in Detroit geschlossen hat. \u201eUnd damit hatten wir schon vor 15 Jahren absolut recht. Wir wussten alle, dass sie bis auf die Knochen korrupt waren.<\/p>\n<p>Jemand hat mich gefragt, wie es bei den Verhandlungen zwischen der UAW und GM steht, weil ich immer alles erkl\u00e4re, was ich im\u00a0<em>Autoworker Newsletter<\/em>lese. Aber die UAW l\u00e4sst kein Sterbensw\u00f6rtchen raus.<\/p>\n<p>Die Unternehmen behaupten, sie k\u00f6nnten in diesem Tarifvertrag keine Zugest\u00e4ndnisse machen, weil sie so viel Geld in k\u00fcnstliche Intelligenz und selbst fahrende Autos investieren m\u00fcssen. Aber sie haben Rekordprofite gemacht.\u201c<\/p>\n<p>Zum Schluss erkl\u00e4rte er: \u201eIch bin einer Meinung mit dem\u00a0<em>Newsletter<\/em>. Wir brauchen eine neue Strategie, und wir m\u00fcssen uns mit den Arbeitern in anderen L\u00e4ndern und anderen Branchen verb\u00fcnden.\u201c<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/08\/26\/auto-a26.html\"><em>autoarbeiter.info&#8230;<\/em><\/a><em> vom 26. August 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autoarbeiter.info. Die Autoarbeiter bei GM, Ford und Fiat Chrysler (FCA) stimmen noch bis Mittwoch \u00fcber einen Streik ab. 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