{"id":5909,"date":"2019-08-26T14:52:44","date_gmt":"2019-08-26T12:52:44","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5909"},"modified":"2019-08-26T14:53:59","modified_gmt":"2019-08-26T12:53:59","slug":"neue-klassenpolitik-rein-in-die-praxis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=5909","title":{"rendered":"Neue Klassenpolitik: Rein in die Praxis!"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Torsten Bewernitz hat sich mit seiner neuesten Schrift \u201eSyndikalismus und neue Klassenpolitik\u201c in die Diskussion um genau diese eingebracht. Wie wir bereits im Magazin und auch andere&nbsp;<a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2018\/04\/23\/kongress-der-kommunen\/\">(LCM<\/a>) schon bemerkt haben, bringt die ganze Diskussion nichts, wenn aus ihr heraus keine Praxis entsteht. Mit diesem Buch macht Bewernitz einen Vorschlag, wie die radikale Linke<\/span><!--more--><span style=\"font-family: Arial, sans-serif; font-size: 9pt;\">ihre neue Klassenpolitik praktisch angehen k\u00f6nnte. Eine Pflichtlekt\u00fcre, f\u00fcr alle, die ernsthaft an der Diskussion interessiert und bereit sind, ihren politischen Aktivismus dahingehend zu hinterfragen und neu auszurichten.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Der Autor stellt zun\u00e4chst fest, dass wir uns in einer historischen Defensive befinden. Die ArbeiterInnenklasse habe im Betrieb, sowie in dem Staat in dem sie lebt, so wenig Einflussm\u00f6glichkeiten, wie lange nicht mehr. Sie bef\u00e4nde sich in einer scheinbar ausweglosen Situation, gepr\u00e4gt von Unsicherheit und Angst. Daher w\u00fcrden die Menschen nicht mehr an eine erfolgreiche Revolution glauben. Das Problem seien nicht unsere Utopien, sondern die Tatsache, dass sie den Leuten so unrealistisch erscheinen. Der aufgekommene Rechtspopulismus sei ein direktes Resultat dieser historischen Schw\u00e4che der ArbeiterInnenklasse und der verpassten Chance, das Potential der Krise seit 2007 von links zu nutzen und in die Offensive zu kommen. Ger\u00e4t die Linke aber in einer Krise in die Defensive, verbreitet sich die \u00f6konomische Unsicherheit und die Krise schl\u00e4gt um, von einem revolution\u00e4ren, zu einem regressiven Moment. Dies st\u00e4rkt rechte Kr\u00e4fte, indem sie die Unsicherheit angstpolitisch nutzt um die Privilegien von \u201einnen nach au\u00dfen\u201c hin zu verteidigen.<\/span><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"840\" height=\"525\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/syndikalismus-und-klassenpolitik.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-5910\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/syndikalismus-und-klassenpolitik.jpg 840w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/syndikalismus-und-klassenpolitik-300x188.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/08\/syndikalismus-und-klassenpolitik-768x480.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/figure>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Bewernitz schaut sich als n\u00e4chstes an, wie es aktuell um den Syndikalismus in Deutschland steht. Dabei stellt er den Widerspruch zwischen dem Anspruch der syndikalistischen Gewerkschaften, Massenorganisationen zu sein, und der Realit\u00e4t, tats\u00e4chlich nur eine kleine Gewerkschaft zu sein, heraus. Er betont, dass der Syndikalismus eigentlich keine Ideengemeinschaft sein sollte, sondern vielmehr eine Organisierung von Menschen mit \u00e4hnlichen (klassenpolitischen) Interessen, die auf die Selbstt\u00e4tigkeit der ArbeiterInnen baut. In der FAU sieht er aktuell das komplette Gegenteil davon:&nbsp;<i>\u201eWas nutzen uns, f\u00fcr die lokalen und betrieblichen K\u00e4mpfe, \u201aPrinzipien [\u2026] Gewerkschaftsausweise, eine zentrale bundesweite Zeitung etc., wenn es an K\u00e4mpfen, an Praxis mangelt?\u201c.&nbsp;<\/i>So richtig der Gedanke anf\u00e4nglich erscheint, kann aber bezweifelt werden, ob dies in Zeiten in denen die Menschen nach Orientierung suchen, der richtige Ansatz ist. Sicherlich ben\u00f6tigen wir mehr \u201eRealpolitik\u201c statt revolution\u00e4rer Phrasendrescherei, wenn wir eine andere Gesellschaft auch nur ann\u00e4hernd denkbar machen wollen. Ein konsequente antikapitalistische Position, sollte darf aber nicht versteckt werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Der Autor schl\u00e4gt stattdessen eine neue Strategie vor: Eine Organisationsform, die weder Partei noch Gewerkschaft ist und auch nicht mit ihr konkurriert, wie etwa die kleinen radikalen Gewerkschaften (IWW und FAU) zum DGB. Konkret meint er eine Vernetzung von Worker Centers, die im prek\u00e4ren Bereich agieren, migrantische und geschlechtliche Themen integrieren und Stadtteilarbeit machen. Er stellt sich eine Anlaufstelle f\u00fcr alle Probleme der ArbeiterInnen im prek\u00e4ren Bereich vor, die zudem den fehlenden sozialen Raum, an dem die Klasse zusammenkommt (da es in der Arbeit immer zerstreuter wird und die Eckkneipe auch zunehmend Geschichte ist), ersetzen k\u00f6nnte. Diese Orte sollten aber keine Szene-Treffpunkte sein, da sie so ihren eigentlichen Zweck verlieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Mit der so neu entstehenden Gegenmacht, k\u00f6nne man den DGB auch teilweise unter Zugzwang setzen, ohne seine eigene Radikalit\u00e4t zu verlieren. Viele K\u00e4mpfe sind eben nicht ohne ihn zu gewinnen, wenn man etwa gerichtliche Auseinandersetzungen denkt. Bewernitz pl\u00e4diert daf\u00fcr, die Kr\u00e4fte von Linken innerhalb und au\u00dferhalb des DGB in den genannten&nbsp;<i>Worker Centers<\/i>&nbsp;zu b\u00fcndeln und sinnvoll miteinander zusammenzuarbeiten, um dem Feind etwas entgegensetzen zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Zugegebenerma\u00dfen ist der Vorschlag von Bewernitz keine neue Erfindung und spart eben auch an der spannenden Stelle, wie so ein&nbsp;<i>Worker Center<\/i>&nbsp;denn gemacht werden muss, damit auch Leute kommen und sich beteiligen. Doch er geht deshalb in die richtige Richtung, weil er zur Praxis dr\u00e4ngt. Viele Konzepte der Stadtteilarbeit scheiterten in der Realit\u00e4t und auch dieses Konzept der&nbsp;<i>Worker Centers<\/i>&nbsp;ist nicht davor sicher. V\u00f6llig zurecht bemerkt das auch der Verfasser, demzufolge es auch erst einmal darum geht, herauszufinden, was die ArbeiterInnen denn eigentlich brauchen (evtl. ja gar keine&nbsp;<i>Worker Centers<\/i>). Man br\u00e4uchte zun\u00e4chst einmal ein besseres Bild \u00fcber die Klassenzusammensetzung. Dies kann aber auch erst im Laufe der Praxis entstehen. Denn erst durch die Praxis kann man sein Scheitern erkennen und Korrekturen vornehmen. Funktioniert etwas, wunderbar. Funktioniert es nicht, muss man herausfinden warum und anders vorgehen. So tastet man sich nach und nach an die richtige Strategie heran, die nat\u00fcrlich in jedem Viertel, in jeder Kleinstadt, nicht komplett gleich aussehen wird.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Wir haben also keine Zeit mehr zu verlieren. Die radikale Linke braucht eine Basis, die sie sich hier in der BRD leider nun einmal erst aufbauen muss. Dahingehend sollte man seine Priorit\u00e4ten setzen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Torsten Bewernitz, Syndikalismus und neue Klassenpolitik.<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die Buchmacherei, Berlin Mai 2019, 70 Seiten, 7\u20ac.<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Quelle: <\/span><\/i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\"><a href=\"http:\/\/www.autonomie-magazin.org\/2019\/08\/03\/neue-klassenpolitik-rein-in-die-praxis\/\"><i>autonomie-magazin.org&#8230;<\/i><\/a><i> vom 26. August 2019<\/i><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Torsten Bewernitz hat sich mit seiner neuesten Schrift \u201eSyndikalismus und neue Klassenpolitik\u201c in die Diskussion um genau diese eingebracht. 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