{"id":593,"date":"2015-07-06T10:52:56","date_gmt":"2015-07-06T08:52:56","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=593"},"modified":"2015-07-06T10:52:56","modified_gmt":"2015-07-06T08:52:56","slug":"antarsya-eine-andere-antikapitalistische-griechische-linke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=593","title":{"rendered":"Antarsya: Eine andere \u2013 antikapitalistische &#8211; griechische Linke"},"content":{"rendered":"<p><b>Griechenland hat \u2013 vielleicht abgesehen von Argentinien &#8211;\u00a0 die weltweit gr\u00f6sste und vielf\u00e4ltigste antikapitalistische Linke. Diese ist ein Produkt von jahrzehntelangen K\u00e4mpfen und Spaltungen und einer reichen anarchistischen und kommunistischen Tradition. Gegen\u00fcber der Fragmentierung<!--more--> und den inneren K\u00e4mpfen, wie sie sonst beinahe \u00fcberall vorherrschen, gelang es diesen Kr\u00e4ften in Griechenland, als einem der wenigen L\u00e4nder, eine dauerhafte gemeinsame Struktur aufzubauen, in der sie zusammenarbeiten und ihre Aktivit\u00e4ten entwickeln: Die Front der Antikapitalistischen Linken (Antarsya).<\/b><\/p>\n<p><b>Obwohl sie elektoral sehr schwach ist und in diesem Bereich durch Syriza und die Kommunistische Partei KKE vollst\u00e4ndig \u00fcberschattet wird, hat Antarsy eine reale soziale Basis und spielt in den sozialen Mobilisierungen eine wichtige Rolle. Im folgenden Interview mit Sebastien Budgen erl\u00e4utert Panagiotis Sotiris, F\u00fchrungsfigur und Aktivist von Antarsya wichtige Elemente der komplexen politischen Landschaft der griechischen radikalen Linken. Dabei werden entscheidende Fragen \u00fcber die seit Jahrzehnten andauernde Krise der revolution\u00e4ren Linken beleuchtet und anhand der Strategiedebatte in Antarsya auf L\u00f6sungsans\u00e4tze eingegangen. Das Interview erschien Ende April 2015 im online Magazin <\/b><b><i><span style=\"text-decoration: underline;\">The Jacobin<\/span><\/i><\/b><b>. [\u00dcbersetzung durch Redaktion <i>maulwuerfe.ch<\/i>]<\/b><\/p>\n<p><b>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212; <\/b><\/p>\n<p><b>Wir k\u00f6nnen gleich beginnen mit einigen Fragen zu Deiner Person, Deinem Hintergrund und zu Deiner Politisierung.<\/b><\/p>\n<p>Ich wurde 1970 geboren und zuerst in der Studentenbewegung in der zweiten H\u00e4fte der 1980er Jahren politisiert. Ich trat 1987 in die Philosophische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t in Athen ein und studierte Philosophie, Psychologie und P\u00e4dagogik. An den damaligen Mobilisierungen an den Hochschulen wurde ich durch die Aktivit\u00e4ten der \u00abLinken Studentengruppen\u00bb (Aristeres Syspeiroseis Foititon) politisiert . Dies war ein Netzwerk radikaler, antikapitalistischer, unabh\u00e4ngiger linker Gruppen an den Universit\u00e4ten, einem Resultat von Entwicklungen der verschiedenen revolution\u00e4ren Traditionen an den Universit\u00e4ten Griechenlands.<\/p>\n<p>In dieser Periode der zweiten H\u00e4lfte der 1980er Jahre war dies einer der Hauptstr\u00e4nge f\u00fcr politische Interventionen f\u00fcr alle linken revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte Griechenlands. Aus diesen Erfahrungen entwickelte sich in den fr\u00fchen neunziger Jahren eine politische Gruppierung, die ebenfalls \u00abLinke Gruppierungen\u00bb (Aristes Syspeiroseis) hiess, aus der dann sp\u00e4ter der \u00abLinke Neubeginn\u00bb (Aristeri Anasynthesi \u2013 ARAN) hervorging. Als Student beteiligte ich mich an allen grossen Auseinandersetzungen der Studentenbewegung der zweiten H\u00e4lfte der achtziger und dem Beginn der neunziger Jahre. Ich war damals Mitglied des Zentralrates der Nationalen Studentenvereinigung (EFEE).<\/p>\n<p>Im Herbst 1989 kam es als Opposition zu der Rechtswende der Kommunistischen Partei zu einer grossen Spaltung in der Kommunistischen Jugend und der Kommunistischen Partei Griechenlands. Dies f\u00fchrte zur Gr\u00fcndung der Neuen Linken Str\u00f6mung (NAR). Dies gab der antikapitlaistischen Linken in Griechenland neuen Auftrieb, da dadurch Traditionen der revolution\u00e4ren Linken und der kommunistischen Str\u00f6mung\u00a0 zusammengef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>Damit wurden auch neue politische Erfahrungen m\u00f6glich, von denen auch heute noch einige sehr wichtig sind. Von spezieller Bedeutung war die Gr\u00fcndung der EAAK (Vereinigte Unabh\u00e4ngige Linke Bewegung) an den Universit\u00e4ten. EAAK enstand aus der starken Bewegung an den Hochschulen und Universit\u00e4ten vom Winter 1990 \u2013 91 und war \u00fcber die letzten 25 Jahre das R\u00fcckgrat \u2013 oder doch Teil des R\u00fcckgrades \u2013 der griechischen Studentenbewegung.<\/p>\n<p>In den fr\u00fchen neunziger Jahren verhalf der Zustrom von Genossinnen und Genossen aus der kommunistischen Tradition zu wichtigen Initiativen in der Gewerkschaftsbewegung, die ihrerseits dann zu linken Gruppierung und Str\u00f6mungen in den Gewerkschaften und zu Gr\u00fcndungen neuer Gewerkschaften f\u00fchrte. Dies war recht bedeutsam vor allem im \u00f6ffentlichen Sektor und dann, nach dem Ende der neunziger Jahre, in den Initiativen f\u00fcr neue Formen des Basisaktivismus im privaten Sektor, insbesondere in den Bereichen mit flexibler und prek\u00e4rer Besch\u00e4ftigung.<\/p>\n<p>\u00dcberdies sollte die antikapitalistische Linke in jener Periode in wichtigen K\u00e4mpfen eine gr\u00f6ssere Rolle spielen, so etwa in der Massenebwegung von 1998 gegen die Einf\u00fchrung einer neuen Aufnahmepr\u00fcfung f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte der Prim\u00e4r- und Sekundarstufe.<\/p>\n<p>Nach meinem BA-Abschluss von 1993 und dem Doktorat von 1999 war ich Teil dieser Initiativen. Ich war \u00fcber mehrere Jahre in der Gewerkschaft der Lehrkr\u00e4fte von Vorbereitungsschulen in Athen aktiv und amtierte 2005 &#8211; 2007 als deren Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p>Vorbereitungsschulen (frontistiria) sind private Einrichtungen, die die Studentinnen und Studenten f\u00fcr die Aufnahmepr\u00fcfung in die Universit\u00e4t vorbereiten; sie sind ein Resultat der M\u00e4ngel des \u00f6ffentlichen Schulsystems und stellen eine Form der Kommerzialisierung des Bildungswesens dar. Die Lehrkr\u00e4fte sind schlecht bezahlt und arbeiten unter prek\u00e4ren Bedingungen. Demzufolge hatten wir viele Konflikte, um einen Arbeitsvertrag durchzusetzen; gleichzeitig mussten wir unsere W\u00fcrde als Lehrkr\u00e4fte verteidigen.<\/p>\n<p>Nach 2005 begann ich als Hilfsdozent zu arbeiten und wurde sogleich in die Gewerkschaftspolitik einbezogen. Ich war Vizepr\u00e4sident der Gewerkschaft des Lehrpersonals der \u00c4g\u00e4ischen Universit\u00e4t, 2013 \u2013 14 Mitglied des leitenden Ausschusses und einige Zeit Leiter des Bundes der Lehrkr\u00e4fte der Griechischen Universit\u00e4ten. Soweit zu meinem pers\u00f6nlichen Hintergrund.<\/p>\n<p><b>Und was machst Du aus Deinem Doktortitel?<\/b><\/p>\n<p>Ich verfasste meine Doktorarbeit in der zweiten H\u00e4lfte der neunziger Jahre \u00fcber das Werk von Louis Althusser. Sie behandelte haupts\u00e4chlich Althussers Auffassung von Philosophie und die Entwicklung der Definitionen von Philosophie im Werk Althussers. Dies r\u00fchrte von meinem speziellen Interese an der Philosophie Althussers, aber auch zugegebenermassen vom bedeutenden Einfluss von Althusser innerhalb der griechischen Linken.<\/p>\n<p><b>Wir werden gleich darauf zur\u00fcckkommen. Da Deine politischen Urspr\u00fcnge offenbar weder in der Kommunistischen Partei noch in der eurokommunistischen Linken wurzeln, zeichne uns bitte eine kurze Skizze der nicht-kommunistischen und der nicht-eurokommunistischen Linken Griechenlands seit dem Zeiten Weltkrieg.<\/b><\/p>\n<p>Nun, ich betrachte mich als ebenfalls von einer kommunistischen Tradition herkommend, obwohl ich nie Mitglied der Kommunistischen Partei oder der Inneren Kommunistischen Partei gewesen bin.<\/p>\n<p>Die revolution\u00e4re Linke Griechenlands hat eine ziemlich lange Geschichte. Nicht nur hat die trotzkistische Bewegung in Griechenland eine lange Geschichte, die bis in 1920er Jahre zur\u00fcck reicht, auch die maoistischen oder marxistisch-leninistischen Traditionen haben weit zur\u00fcck reichende Wurzeln.<\/p>\n<p>In Griechenland setzten die marxistisch-leninistischen oder maoistischen Str\u00f6mungen nicht wie in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern in den 1960er Jahren sondern 1956 ein. In Griechenland nahm die Wende in der internationalen kommunistischen Bewegung nach dem Tode Stalins die Form einer heftigen rechten Intervention der Sowjetunion und anderer \u00abBruderparteien\u00bb in die griechische Partei KKE an, die zum Ausschluss von derem F\u00fchrer durch die Zeit des B\u00fcrgerkrieges, Nicos Zachariades, und der Einsetzung einer neuen F\u00fchrung f\u00fchrte. Obwohl diese sich dem Prozess der Entstalinisierung verpflichtet f\u00fchlte, wurde diese Ver\u00e4nderung von vielen Aktivistinnen und Aktivisten, insbesondere von den Fl\u00fcchtlingen im Ostblock, ehemaligen K\u00e4mpfern der Demokratischen Armee, als Rechtswende wahrgenommen. Wenngleich ihre Positionen zu Beginn und in ihrem speziellen Zusammenhang als stalinistische Orientierung hinsichtlich ihrer Referenzen erscheinen mochte, so bedeuteten sie doch eine Suche nach einer linkeren Politik der kommunistischen Bewegung.<\/p>\n<p>Dies entsprach auch der Position einiger politischen Gefangenen Griechenlands, einschliesslich derjenigen eines grossen Teils der politischen Gefangenen in A\u00ef Stratis, einer der Inseln, die als Haftanstalten f\u00fcr politische Gefangene benutzt wird.<\/p>\n<p>In den fr\u00fchen sechziger Jahren, im Rahmen einer grossen Welle politischer Mobilisierung und Radikalisierung, die dem Milit\u00e4rputsch von 1967 voranging, inspirierte diese Art von Kritik an der Politik der Kommunistischen Partei Studentinnen, Studenten, politische Aktivistinnen und Aktivisten. In dieser Zeit kam die Bewegung etwa 1960 unter den Einfluss der Kritik der chinesischen Kommunisten am sowjetischen \u00abRevisionismus\u00bb und f\u00fchrte zur Entwicklung der besonderen F\u00e4rbung des griechischen Maoismus. Dabei muss betont werden, dass diese geschichtliche Verwurzelung in der Tradition der griechischen kommunistischen Bewegung der marxistisch-leninistischen oder maoistischen Bewegung Griechenlands eine besondere Identit\u00e4t und einen besondere Auffassung von Massenpolitik verliehen hat.<\/p>\n<p>Die Milit\u00e4rdiktatur 1967 \u2013 74 war f\u00fcr die revolution\u00e4re Linke in Griechenland ein wichtiger Katalysator. Dies war eine Zeit der Radikalisierung, w\u00e4hrend der viele Aktivistinnen und Aktivisten in Griechenland oder im politischen Exil in Westeuropa mit anderen Str\u00f6mungen in Kontakt traten \u2013 Trotzkismus, Maoismus, Guevarismus (diese letztere Position vor allem bei denjenigen, die gegen das Regime in bewaffneten Widerstand traten).<\/p>\n<p>Auch das Zusammentreffen mit der westeurop\u00e4ischen revolution\u00e4ren Linken nach 1968 war entscheidend. Dies war ebenfalls eine Periode, in der die Linie der Kommunistischen Partei hinterfragt wurde und ihre Unf\u00e4higkeit, weniger als zwanzig Jahre nach der Niederlage im B\u00fcrgerkrieg, eine neue Welle der Repression zu verhindern.<\/p>\n<p>Ein symbolisches Ereignis f\u00fcr den Aufstieg der revolution\u00e4ren LInken als eines wichtigen Teils der Linken war die Besetzung des Nationalen Polytechnikums in Athen im November 1973 und der Aufstand der Studentinnen und Studenten gegen die Junta und seine blutige Niederschlagung durch die Diktatur. Die revolution\u00e4re Linke spielte eine wichtige Rolle in diesen Ereignissen; sie trieb die Idee einer Besetzung voran, stand hinter deren Politisierung und Radikalisierung, so dass die Mobilisierungen nicht einfach pro-demokratisch wurden, sondern einen Bruch mit dem ganzen System der Macht seit dem B\u00fcrgerkrieg und mit dem US-Imperialismus forderten.<\/p>\n<p>In dem Aufstand zeigte sich zum ersten Mal in diesem Ausmass eine offensichtliche Differenz in der Taktik gegen\u00fcber eher reformistischen Positionen: Die F\u00fchrungen der Kommunistischen Partei und der Inneren Kommunistischen Partei betrachteten den Aufstand als verfr\u00fcht. Damit soll jedoch der Beitrag und der Heldenmut vieler Aktivistinnen und Aktivisten aus der Kommunistischen Partei und der Inneren Kommunistischen Partei keineswegs herabgesetzt werden.<\/p>\n<p>Nach dem Sturz der Diktatur um 1974 kam es zu einem Aufbl\u00fchen der revolution\u00e4ren Linken, das als solches beeindruckend war. Aber gleichzeitig erstarkte die reformistische Linke in noch gr\u00f6sserem Ausmass, insbesondere die Jugend der Kommunistischen Partei. In dieser Zeit entstand auch die Pasok, welche in mancher Hinsicht eine radikalere Rhetorik verwendete als die kommunistische Linke.<\/p>\n<p>In diesen Jahren kam es in der revolution\u00e4ren Linken zu einer wahren Besessenheit mit der Bildung von neuen Parteien: Es gab zwei maoistische Parteien, andere maoistische Organisationen, mehrere trotzkistische Organisationen. Diese Art traditioneller Parteipolitik und diese Logik des Parteiaufbaus trat gegen Ende der 1970er Jahre aufgrund des Fehlens einer koh\u00e4renten Strategie in eine Krise.<\/p>\n<p>In gewisser Weise war diese Art radikaler Politik seitens der revolution\u00e4ren Linken k\u00e4mpferisch, aber gleichzeitig ideologisch den Verh\u00e4ltnissen nicht sehr angemessen, haupts\u00e4chlich zentriert um einen traditionellen Antiimperialismus. In gewisser Hinsicht \u00e4hnelte sie einer radikalisierten Version der Positionen der Kommunistischen Partei. An sich handelte es sich um einen Teil der breiten Strategiekrise der griechischen kommunistischen Bewegung, die sich ab dem Ende der 1970er Jahre immer klarer darin \u00e4usserte, dass die kommunistische Linke in all ihren Varianten den Kampf um Hegemonie an die Pasok verloren hatte.<\/p>\n<p>Pasok verstand es, diese Logik einer demokratischen, sozialistisch-reformistischen Ver\u00e4nderung genau auszudr\u00fccken und zu vermitteln. \u00abVer\u00e4nderung\u00bb war in der Tat der wichtigste politische Slogan von Pasok bei den Wahlen von 1981. Die kommunistische Linke hatte diese Hegemonie der reformistischen Politik akzeptiert; dies galt sowohl f\u00fcr die KKE wie auch f\u00fcr die Innere Kommunistische Partei, trotz deren Anstrengungen, sich von der Pasok zu distanzieren.<\/p>\n<p>Sie willigten in eine untergeordnete Rolle ein, die durch die Parole der Komunistischen Partei in Wahlen von 1981 symbolisiert wurde: W\u00e4hrend die Pasok auf den Slogan \u00abVer\u00e4nderung\u00bb setzte, lanzierte die KKE die Parole \u00abwirkliche Ver\u00e4nderung\u00bb oder dann \u00abes gibt keine Ver\u00e4nderung ohne die KKE\u00bb, was auf das Eingest\u00e4ndnis hinauslief, dass sie keine strategische Alternative anbieten konnte.<\/p>\n<p>Somit durchliefen die meisten Gruppen der revolution\u00e4ren Linken um das Ende der 1970er Jahre eine Periode der Krise, in der die Genossinnen und Genossen die Ideologie, diese Art des besessenen Aktivismus, die Unf\u00e4higkeit, die neue Realit\u00e4t zu verstehen, hinterfragten.<\/p>\n<p>In diese Periode f\u00e4llt auch ein anderer wichtiger Faktor f\u00fcr die weitere ideologische Entwicklung: Die Spaltung der Jugend der Inneren Kommunistischen Partei.<\/p>\n<p><b>Bevor wir darauf eintreten, lasst uns noch etwas zur\u00fcckgehen. Du hast bislang \u00fcber die Entwicklung der maoistischen Str\u00f6mung gesprochen. Erz\u00e4hle uns ebenfalls noch kurz etwas \u00fcber die Entwicklung des griechischen Trotzkismus.<\/b><\/p>\n<p>Die griechischen Trotzkisten f\u00fchrten \u00fcber viele Jahre nach dem B\u00fcrgerkrieg eine politische Existenz im Untergrund, da sie ebenfalls als subversive Kommunisten betrachtet wurden. Sie standen haupts\u00e4chlich mit dem Sekretariat der Vierten Internationale in Verbindung. Dies war die Hauptstr\u00f6mung nach dem Ende des B\u00fcrgerkrieges, als der sogenannte Archeiomarxismus als Str\u00f6mung zerschlagen worden war.<\/p>\n<p>Der Archeiomarxismus war in seinen Anf\u00e4ngen in den 1920er Jahren ein sehr originelles Ph\u00e4nomen auf der griechischen Linken \u2013 ein seltsames Gemisch aus Leninismus mit einer vorleninistischen Betonung der Bildung. Er forderte die Kommunistische Partei in einigen Gewerkschaften heraus und wurde sp\u00e4ter mit der Linken Opposition in Zusammenhang gebracht. Die Linke Opposition wurde in Griechenland einerseits von Leuten, die aus der Kommunistischen Partei kamen gegr\u00fcndet, darunter Kaderleute mit betr\u00e4chtlichen theoretischen und\u00a0 politischen Leistungen, etwa Pantelis Pouliopoulos und Serapheim Maximos. Andererseits waren eben die Archeiomarxisten beteiligt.<\/p>\n<p>Der Zweite Weltkrieg war f\u00fcr den griechischen Trotzkismus gleichfalls eine Bew\u00e4hrungsprobe. Einige Str\u00f6mungen beteiligten sich am Widerstand gegen die Besatzung, andere nahmen eher eine def\u00e4tistische Position ein, wie etwa die Gruppe um Stinas, der um jene Zeit auch politischer Mentor von Castoriadis war.<\/p>\n<p>In den 1960er Jahren und w\u00e4hrend der Milit\u00e4rdiktatur kam es ebenfalls zu einem Aufbl\u00fchen des griechischen Trotzkismus, obschon nicht in dem Ausmasse, wie dies bei den Maoisten zutraf. In dieser Zeitspanne, gerade in den 1970er Jahren, waren die maoistischen Gruppen viel, viel gr\u00f6sser \u2013 wir reden da \u00fcber Gruppen mit Tausenden von Mitgliedern.<\/p>\n<p>Da war einmal die mit dem Sekretariat der Vierten Internationale verbundene OKDE. Es gab, nach der Milit\u00e4rdiktatur, eine Gruppe, die mit der Tendnez von Healy in Verbindung stand und von Savvas Michail Matsas gef\u00fchrt wurde; er distanzierte sich in den 1980er Jahren von Gerry Healy und hat sich durch seine politische wie auch seine theoretische Arbeit grossen Respekt verschafft.<\/p>\n<p>Genossinnen und Genossen aus der Bewegung gegen die Milit\u00e4rdiktatur bauten w\u00e4hrend der Diktatur die Sozialistische Revolution auf, die sp\u00e4ter in Organisation Sozialistische Revolution (OSE) umbenannt wurde; sie gliederte sich der International Socialist tendency (IST) ein und \u00e4nderte ihren Namen nach 1991 in Sozialistische Arbeiterpartei (SEK).<\/p>\n<p><b>Dies war zu Beginn eine gem\u00e4ssigte maoistische Bewegung, nicht wahr?<\/b><\/p>\n<p>Am Anfang hatte die OSE eine eher hybride From mit starken antiimperialistischen Elementen. Dies war jedoch ein Zug, der der revolution\u00e4ren griechischen Linken zu dieser Zeit gemeinsam war, mit einem vorherrschenden starken Anti-Amerikanismus.<\/p>\n<p>Sie war auch Teil der radikalen Studentenbewegung gegen die Diktatur und, nach der Diktatur, der sp\u00e4teren Bewegungen der Studentinnen und Studenten. In jener Periode war die Studentenbewegung auch das grosse Laboratorium f\u00fcr die griechische Linke. Die f\u00fchrenden Figuren der linken Studentinnen und Studenten pr\u00e4gten die Geschichte der Linken f\u00fcr viele Jahre, sowohl im g\u00fcnstigen wie im ung\u00fcnstigen Sinne.<\/p>\n<p><b>Gut, kehren wir zur\u00fcck in die sp\u00e4ten 1970er und die fr\u00fchen 1980er Jahre mit all diesen maoistischen und trotzkistischen Gruppen\u2026.<\/b><\/p>\n<p>Hier gilt es auf die Bedeutung der Spaltung in der Jugend der Eurokommunisten oder der Inneren Kommunistischen Partei hinzuweisen. Die Innere Kommunistische Partei, einem Produkt der Spaltung von 1968 in der KKE, begann als Ausdruck eines Bed\u00fcrfnisses nach einer wirklichen Erneuerung der kommunistischen Strategie. Sie wurde von vielen Aktivistinnen und Aktivisten unterst\u00fctzt, insbesondere derjenigen innerhalb Griechenlands, gegen die weitgehend sklerotische Linie des Parteiapparates, der damals in Rum\u00e4nien und in der Sowjetunion im politischen Exil lebte.<\/p>\n<p>Wenn die Eurokommunisten auch die besten Elemente an sich zogen, so war deren Linie doch von Anbeginn an eher rechts. Gerade w\u00e4hrend der Diktatur wurden zu bestimmten Zeiten deutliche Bewegungen nach rechts vollzogen.<\/p>\n<p>Nach dem Sturz der Milit\u00e4rdiktatur jedoch stellten sie die Aufforderung nach einer Erneuerung der kommunistischen Strategie dar. Dies zeigte sich besonders deutlich an der Anziehungskraft der Inneren Kommunistischen Partie auf intellektuelle Milieus. Die meisten der in den 1970er Jahren\u00a0 bekannten und anerkannten marxistischen Gelehrten in Griechenland waren auf die eine oder andere Art Mitglieder der Inneren Kommunistischen Partei.<\/p>\n<p>Zu jener Zeit vertrat sie eine noch reformistischere Linie als die KKE. Die Jugend der Inneren Kommunistischen Partei hingegen, die in der Studentenbewegung gegen die Diktatur stark verankert war, war denn auch viel radikaler. Nach dem katastrophalen Wahlergebnis von 1977, als klar wurde, dass die Kommunistische Partei elektoral viel st\u00e4rker war als die Innere Kommunistische Partei, kam es 1978 zu einer Abspaltung der Jugend von der Inneren Kommunistischen Partei. Die Gruppe, die aus dieser Spaltung hervorging, nannte sich EKON \u00abRigas Feraios\u00bb &#8211; B\u2019 Panelladiki, (Zweite pan-griechische Konferenz \u2013 Die Konferenz der Spaltung) oder einfach B\u2019 Panelladiki. Dies war eine bedeutende Gruppierung. Sie war radikal, antikapitalistisch, sie war durch Althusser und Poulantzas beeinflusst; und dies war die erste Gruppe der revolution\u00e4ren Linken, die aus dem traditionnellen \u00f6konomistischen Antiimperialismus der kommunistischen Tradition in Griechenland heraustrat.<\/p>\n<p>Dies fiel mit einer erneuten Radikalisierung der Studentenbewegung in den sp\u00e4ten 1970er Jahren zusammen und dies war wichtig. Viele Leute, die dabei waren, haben sp\u00e4ter eine sehr entscheidende Rolle in verschiedenen linken Str\u00f6mungen gespielt. Beispielsweise war John Milios, ein wohlbekannter marxistischer Gelehrter und ehemaliger Chef\u00f6konom von Syriza (und ein Kritiker der Verhandlungstaktik der gegenw\u00e4rtigen Regierung), F\u00fchrungsmitglied von B\u2019 Panelladiki.<\/p>\n<p><b>Das war also eine wichtige Spaltung? Wieviele Leute waren da ungef\u00e4hr beteiligt?<\/b><\/p>\n<p>Ich kenne die Zahlen nicht. B\u2019 Panelladiki nahm in Wirklichkeit nicht die Form einer klassischen, streng organisierten Partei an. Sie lebte auch nur kurzzeitig und wurde nach den Wahlen von 1981 aufgel\u00f6st. Sie hinterliess aber eine deutliche Pr\u00e4gung der griechischen Linken, gerade der studentischen und der intellektuellen Linken.<\/p>\n<p>1981 wurde Pasok mit einem ziemlich radikalen sozialdemokratischen Programm gew\u00e4hlt. Zu Beginn setzte sie eine Reihe von wichtigen progressiven Reformen durch, aber gleichzeitig war klar, dass diese keine sozialistische Strategie darstellten, sondern eine Strategie f\u00fcr eine kapitalistische Modernisierung. Diese Entwicklung st\u00fcrzte gerade die revolution\u00e4re Linke in eine grosse Krise. Die grossen maoistischen Gruppen l\u00f6sten sich auf; sie alle waren in einer Folge von Spaltungen, Problemen oder offenen Debatten nach den sp\u00e4ten 1970er Jahren aufgerieben worden.<\/p>\n<p><b>War dies den Entwicklungen in China oder internen Problemen geschuldet?<\/b><\/p>\n<p>Nicht so sehr chinazentriert, obwohl die Rechtswende nach dem Tode von Mao sicherlich die Anziehungskarft von China als Alternative zur Sowjetunion verminderte. Die Krise des griechischen Maoismus jedoch war vor allem der Unf\u00e4higkeit geschuldet, eine Strategie zu entwickeln, die f\u00fcr eine ganze Generation von Aktivistinnen und Aktivisten einleuchtend erschienen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Da ihre Hauptlosungen und \u2013forderungen auf mehr Demokratie, demokratische Reformen und auf einen Bruch mit den USA hinausliefen, mussten sie angesichts einer sozialdemokratischen Regierung, die grundlegende demokratische Reformen durchf\u00fchrte und zudem eine kapitalistische Modernisierung betrieb, unweigerlich in eine strategische Sackgasse geraten.<\/p>\n<p>Die Leute waren auch m\u00fcde vom vorhergehenden Aktivismus und sagten nun: \u00abNun gut, warum nicht, sehen wir mal zu\u00bb. Es setzte auch eine Wende vom Politischen ins Private ein, im Sinne dass lange hingezogene Universit\u00e4tsstudien abgeschlossen wurden, Jobs und Aufstiegsm\u00f6glichkeiten gesucht wurden. Pasok baute den Staatsapparat aus und auch im Privatsektor er\u00f6ffneten sich Karrierem\u00f6glichkeiten. Dies hatte eine sehr tiefe Krise zur Folge.<\/p>\n<p><b>Gab es eine Erholung der revolution\u00e4ren Linken wie bespielsweise in Frankreich unter Mitterand?<\/b><\/p>\n<p>Ich denke, da gibt es einige Parallelen. Wenn wir solche Fragen diskutieren, neigen wir normalerweise dazu, in f\u00fchrenden Figuren zu denken, die tats\u00e4chtlich sehr verschiedene Positionen w\u00e4hlten: Leute aus der revolution\u00e4ren Linken wurden sp\u00e4ter sehr zynische Machtpolitiker innerhalb von Pasok, oder Journalisten in den systemtragenden Massenmedien, oder stiegen im Privatsektor auf.<\/p>\n<p>Die meisten Aktivistinnen und Aktivisten der revolution\u00e4ren LInken der 1970er Jahre beendeten ihre Studien, begannen zu arbeiten und trugen \u00fcber viele Jahre die hervorstehenden Merkmale ihres einstigen\u00a0 Engagements. Beispielsweise im Bildungsbereich, wo sie zu wirklich fortschrittlichen Lehrkr\u00e4ften wurden, den Gewerkschaften beitraten, bereit waren, sich an K\u00e4mpfen zu beteiligen, oder dann \u00c4rzte in Spit\u00e4lern, die sich eindeutig auf die Seite ihrer Patientinnen und Patienten stellten. Die meisten von ihnen folgten jedoch keiner Form von organisierter Politik mehr.<\/p>\n<p>Aber dann kann es Leute wie etwa Chrysanthos Lazaridis geben, einer der engsten Mitarbeiter von Samaris, der zuerst eine f\u00fchrende Figur in B\u2019 Panelladiki war, bevor er in den 1980er Jahren eine Wende vollzog und sich den nationalistischen Kreisen anschloss.<\/p>\n<p><b>Also ein Fall wie Lucio Colletti?<\/b><\/p>\n<p>Hier handelt es sich um eine noch eindr\u00fccklichere politische Kehrtwende. Er versuchte sogar zu sagen: \u00abWeil ich damals so war, bin ich heute nun halt ein Rechter\u00bb.<\/p>\n<p>Die revolution\u00e4re Linke war in den 1980er Jahren insgesamt in einer Krise. Die grossen Organisationen waren nicht mehr vorhanden und was immer davon auch \u00fcbrig blieb, waren kleine maoistische oder trotzkistische Gruppen.<\/p>\n<p>Einige andere wandten sich der \u00d6kologie zu. Einige dieser Gruppen waren Teil von linken studentischen Gruppierungen (Aristeres Syspeiroseis Foititon), die sich nach der Studentenbewegung von 1979 zu formieren begannen. \u00dcber einige Jahre war dies der einzige Bezugspunkt f\u00fcr den Austausch von Ideen und der Politisierung auf der revolution\u00e4ren Linken.<\/p>\n<p>Erst nach den fr\u00fchen neunziger Jahren f\u00fchrte die neue Welle studentischer K\u00e4mpfe und der Beginn der Arbeit in den Gewerkschaften von Genossinnen und Genossen, die aus der kommunistischen Tradition herkamen zur Entstehung einer neuen Generation von politischen Aktivistinnen und Aktivisten f\u00fcr die revolution\u00e4re Linke. In den 2000er Jahren kam es gleichfalls zu einem starken Zustrom von Studentinnen und Studenten, vor allem durch die grosse Studentenbewegung der Jahre 2006 und 2007, in der die EAAK eine f\u00fchrend Rolle einnahm. Dies war auch eine erneute katalytische Periode der Massenpolitiserung. Die Massenexplosion der griechischen Jugend vom Dezember 2008 war ebenso ein wichtiges katalytisches Moment \u2013 nicht nur f\u00fcr die antikapitalistische Linke, sondern auch f\u00fcr Syriza und nat\u00fcrlich die anarchistischen\/autonomen Gruppen.<\/p>\n<p><b>Kannst Du noch etwas mehr sagen zu EAAK?<\/b><\/p>\n<p>EAAK ist die Bezeichnung f\u00fcr alle radikalen Gruppen an den Universit\u00e4ten. Sie vereinen einen ziemlich grossen Teil studentischer Stimmen, sagen wir, \u00fcber 10 Prozent bei studentischen Abstimmungen \u2013 so beispielsweise 13 Prozent bei den Studentenwahlen von 2014. Sie erreichen durchwegs h\u00f6here Ergebnisse als die Syriza Jugendorganisation.<\/p>\n<p><b>Geh\u00f6ren alle revolution\u00e4ren Gruppen dazu?<\/b><\/p>\n<p>Nicht alle, aber die meisten unter ihnen. Zum heutigen Zeitpunkt l\u00e4sst sich sagen, das beinahe alle Gruppen, die zu Antarsya geh\u00f6ren, bei EAAK mitmachen. Sie sind ein sehr wichtiger Teil der studentischen Bewegung.<\/p>\n<p><b>Deine wichtige Botschaft ist also, dass die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen revolution\u00e4ren Organisationen bereits bis in die 1990er Jahre zur\u00fcckreicht?<\/b><\/p>\n<p>Ja, und dies war haupts\u00e4chlich eine Erfahrung aus der studentischen Bewegung und aus Initiativen in der Gewerkschaftsbewegung. Es gab sowas wie eine griechische Mentalit\u00e4t der \u00abFront\u00bb &#8211;\u00a0 das heisst, es muss einen Platz geben f\u00fcr politische Koordination und gemeinsame Aktionen und Wege, die Differenzen zu \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\n<p>Dies ist nat\u00fcrlich gleichzeitig ein recht widerspr\u00fcchlicher Prozess, der unter verschiedenen Formen stattfand. Aber es war dieses Element, das f\u00fcr eine politische Kultur wichtig war, die sp\u00e4ter ihren Ausdruck in Initiativen wie Antarsya ihren Ausdruck fand.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich sind nicht alle revolution\u00e4ren Gruppen Teil diese Tradition. So beschritt die Sozialistische Arbeiterpartei (SEK) mit ihren eigenen Initiativen, ihren eigenen Auftritte innerhalb der Studenten- und in der Gewerkschaftsbewegung einen ziemlich einsamen Entwicklungspfad. Unsere Zusammenarbeit mit der SEK begann erst in der zweiten H\u00e4lfte der 2000er Jahre. Einige andere Gruppen, wie beispielsweise einige maoistischen Organisationen, standen abseits von diesem Prozess.<\/p>\n<p><b>Wie erkl\u00e4rst Du das? In anderen L\u00e4ndern gab es starke studentische Bewegungen, die nicht zu einer Zusammenarbeit zwischen verschiedenen linken Organisationen gef\u00fchrt haben. In der Tat gab es oft nur eine verst\u00e4rkte Konkurrenz unter ihnen. Und gerade im Falle Griechenlands w\u00fcrde niemand, aus abstrakter Warte beurteilt, eine Zusammenarbeit anstatt eine Konkurrenz empfehlen, aufgrund der langen und blutigen Geschichte und der tiefen ideologischen Differenzen. Wie erkl\u00e4rst Du, dass gerade in Griechenland diese Ausnahme m\u00f6glich ist? Auf internationaler Ebene ist es m\u00f6glich, selbst in Perioden kleiner Fortschritte, die Zusammenarbeit zu erlernen.<\/b><\/p>\n<p>Dies hat zu tun mit der speziellen Dynamik der Studentenbewegung. Die griechische Studentenbewegung war in beinahe allen K\u00e4mpfen bis zur Memorandum Periode und dar\u00fcber hinaus tats\u00e4chlich siegreich. Sie war immer eine recht politisierte Bewegung. Es bestand immer ein Interesse an den Wahlen in die Studentengewerkschaften, die am selben Tag durchgef\u00fchrt wurden und die immer auch ein Ausdruck f\u00fcr die Legitimit\u00e4t der nationalen Parteien waren. Jede Str\u00f6mung, jede Partei hatte dabei ihren eigenen politischen Ausdruck. Und die Resultate der Studentenwahlen werden in den Massenmedien immer stark beachtet.<\/p>\n<p>Infolgedessen hast du diese Kombination einer starken Studentenbewegung, von wichtigen K\u00e4mpfen, von starken Studentengewerkschaften mit einer Tradition einer radikalen politischen Pr\u00e4senz in vielen von ihnen. Zudem handelte es sich um eine vereinigte Studentenbewegung. Bis zur Mitte der 1990er Jahre gabe es grosse Auseinandersetzungen dar\u00fcber, was an den Kongressen der Nationalen Studentenvereinigung (EFEE) geschehen soll.<\/p>\n<p>In der Geschichte der studentischen Bewegung ist die Bewegung von 1979 f\u00fcr Massenbesetzungen von entscheidender Bedeutung, eine siegreiche Bewegung, die die Regierung zwang, ein Gesetz zur\u00fcckzunehmen, das vor einem Jahr erlassen worden war.<\/p>\n<p>Von da stammt die Idee eines Koordinationskomitees f\u00fcr die studentische Besetzung, aus dem dann eine radikale Studentengruppe erwachsen konnte. In 1980er Jahren blieb diese starke Tradition bestehen, dass auf diese Art die Dinge anzupacken seien, um Gruppen zu schaffen, die eine Einheit verschiedener Tendenzen repr\u00e4sentierten.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich der Spaltung der Kommunistischen Jugend um 1989, die mit der sehr starken studentischen Bewegung von 1991-91 zusammenfiel, war diese Tradition entscheidend f\u00fcr die Gr\u00fcndung der EAAK. Es gab all diese jungen Leute, die bei der Besetzung von Schulen, bei der Schaffung einer gemeinsamen politischen Kultur \u00fcber Monate zusammenarbeiteten. In der Folge wurde dieses Modell eines einheitlichen Netzwerkes von Gruppen an den Universit\u00e4ten, die unterschiedliche Gruppen umfassten, ein definitierendes Element der Kultur der griechischen antikapitalistischen Linken.<\/p>\n<p>Als die Leute dann in den 1990er Jahren begannen, in den Gewerkschaften zu arbeiten, beispielsweise in den Gewerkschaften der Prim\u00e4r- und der Sekund\u00e4rstufe des Schulsystems, oder in den Spitalgewerkschaften, wurde diese gemeinsame Erfahrung sehr wichtig beim Aufbau gemeinsamer Handlungszusammenh\u00e4nge und Initiativen, die verschiedene Str\u00f6mungen umspannten.<\/p>\n<p>Dies mag erkl\u00e4ren, weshalb man in Griechenland, anders als in anderen L\u00e4ndern, so oft den Begriff \u00abunabh\u00e4ngige linke Gruppe\u00bb h\u00f6rt. Dieser Begriff bedeutet in Griechenland gerade die Zusammenarbeit innerhalb einer Gewerkschaft zwischen unterschiedlichen Str\u00f6mungen. Dies war Teil einer ganzen politischen Kultur der antikapitalistischen Linken.<\/p>\n<p>\u00dcberdies betrachteten einige der wichtigen Str\u00f6mungen der griechischen revolution\u00e4ren Linken nach den 1990er Jahren sich selbst eher als vor\u00fcbergehende Str\u00f6mungen \u2013 das heisst, dass sie nicht der Kern einer Partei seien, die einfach nur zu wachsen brauche auf Kosten aller anderen, und dass die\u00a0 kommunistischen Bewegung auf diesem Weg neu aufgebaut w\u00fcrde. Dies gilt nat\u00fcrlich nicht f\u00fcr alle Str\u00f6mungen, doch in einem grossen Teil der griechischen antikapitalistischen Linken herrscht diese Mentalit\u00e4t.<\/p>\n<p><b>Dies ist sehr interessant. So \u00e4usserte sich also mit dieser Praxis eine verschiedene Art von kulturellem Ethos im Umgang der verschiedenen revolution\u00e4ren Organisationen untereinander? Wie Du weisst, sind in anderen L\u00e4ndern die Umgangsformen der revolution\u00e4ren Organisationen untereinander nicht nur oft von Feindschaft, von steriler Polemik gepr\u00e4gt, ja gelegentlich gar von physischer Gewalt zwischen ihnen. W\u00fcrdest Du sagen, dass die revolution\u00e4ren Organisationen eine andere Kultur entwickeln m\u00fcssen im Umgang untereinander?<\/b><\/p>\n<p>Nun, ich m\u00f6chte das griechische Beispiel nicht idealisieren. Man findet immer noch eine Menge steriler Polemik.<\/p>\n<p><b>Aber keine physische Gewalt?<\/b><\/p>\n<p>Nein, keine physische Gewalt. Seit den 1980er Jahren gab es diese Wahrnehmung eines gemeinsamen politischen Raumes, des gleichen politischen Milieus. Dieser metaphorische Gebrauch des Begriffes \u00abRaum\u00bb ist \u00fcbrigens interessant: Er wurde in jenen Jahren oft gebraucht im Hinblick auf ein gewisses politisches Milieu in der Folge eines Fragmentierungsprozesses. Die Leute sagten: \u00abGut, wir sind Teile des gleichen politischen Raumes\u00bb.<\/p>\n<p>Einer der Widerspr\u00fcche der radikalen antikapitalistischen Linken war vermutlich, dass man wohl zur selben Zeit in den verschiedenen Formen der Koordination und Zusammenarbeit die Wahrnehmung \u2013 oder die Verwirklichung \u2013 eines gemeinsamen politischen Raumes erlebte, aber gleichzeitig sterile Polemiken f\u00fchrte und eine Unf\u00e4higkeit bewies, zu verstehen, was Wahlb\u00fcndnisse bedeuten, sehr schematische Oppositionen, die zu tragikomischen oder gar tragischen Ergebnissen f\u00fchren k\u00f6nnen. So erinnere ich mich immer noch an die Wahlen von 2007, als die antikapitalistische Linke versuchte, eine gemeinsame Liste aufzustellen. Es gab hierzu zwei Initiativen, eine vom Linken Neugruppierung (ARAN), SEK und OKDE und anderen Gruppen, und eine andere, genannt Front der Radikalen Linken (MERA), deren wichtigste Gruppe die Neue Linke Str\u00f6mung (NAR) war.<\/p>\n<p>Wir f\u00fchrten grosse Debatten und gut besuchte Versammlungen in den gr\u00f6sseren St\u00e4dten durch. Am Ende jedoch traten wir mit zwei Listen an. Wenn man versucht, da die Differenzen zu identifizieren, wird man keine finden. Acht Jahre sp\u00e4ter scheint diese Art von Debatten fernab jeder Realit\u00e4t, insbesondere wenn man die katastrophalen Wahlresultate beider Initiativen in Betracht zieht. Was wir zu jener Zeit nicht schafften, war eine einheitliche Wahlpr\u00e4senz, was letztendlich nur Syriza half, 2007 ihren ersten elektoralen Durchbruch zu erringen.<\/p>\n<p>Nicht alles ist also gut an der politischen Kulter der griechischen Linken. Wir haben unsere eigenen Pathologien und unser eigenes Sektierertum.<\/p>\n<p><b>Sicher, aber Ihr scheint doch hinsichtlich Zusammenarbeit den anderen L\u00e4ndern weit voraus zu sein. Ich habe zwei Hypothesen: Eine geht dahin, dass der Konkurrenzdruck durch die Kommunistische Partei die revolution\u00e4re Linke dazu zwingt, sich zu verbinden, um ein gewisses Gewicht zu erlangen, w\u00e4hrend in anderen L\u00e4ndern die kommunistischen Parteien nie wirklich existierten oder dann ab den 1980er Jahren rasch an Gewicht verloren. Die zweite Hypothese lautet, dass es in der revolution\u00e4ren LInken nie eine einzige hegemoniale Gruppe gab, was die anderen gezwungen h\u00e4tte, sich entweder als deren Satelliten zu verstehen oder dann als deren Feinde, wie etwa in Grossbritannien.<\/b><\/p>\n<p>Nun, wenn man die Geschichte der revolution\u00e4ren Linken seit den 1990er Jahren betrachtet, so sieht man, dass keine Gruppe oder Tendenz hegemonial war. Die eine oder andere mag in mancher Hinsicht zu verschiedenen Zeiten gewichtiger gewesen sein als andere. Nat\u00fcrlich mag es in verschiedenen Phasen einen Druck gegeben haben, sich gegen\u00fcber der Kommunistischen Partei aber auch gegen\u00fcber anderen Str\u00f6mungen zu behaupten, gegen\u00fcber der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie, gegen\u00fcber der Pasok oder gegen\u00fcber Syriza. In verschiedenen Perioden mussten wir uns gegen\u00fcber unterschiedlichem Druck behaupten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend aber eine Kultur des Dialogs bestand, gab es gleichzeitg ebenfalls eine Unzul\u00e4nglichkeit von wichtigen politischen Initiativen. Es gab eine wichtige Entwicklung in der revolution\u00e4ren Linken in den fr\u00fchen 2000er Jahren, die mit den Gruppen einsetzte, die sich schlussendlich Syriza angeschlossen haben. Dies ist ein anderer wichtiger Aspekt. Denn in dieser Periode der 1990er Jahre bedeutete eine Str\u00f6mung der antikapitalistischen Linken zu sein haupts\u00e4chlich, eine Wende hin zu radikalen Bewegungen zu machen, entsprechende Neugruppierungen anzustreben, aufzustehen und nat\u00fcrlich eine Beteiligung an all den K\u00e4mpfen gegen die spezielle Version des Neoliberalismus, wie er haupts\u00e4chlich mit der Pasok in Verbindung steht.<\/p>\n<p>Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Zeit nach 1995, als sie einen aggressiven Modernisierungskurs begannen, mit einer Beschleunigung der neoliberalen Reformen, der dann ungl\u00fccklicherweise mit dem Eintritt Griechenlands in die Eurozone endete. Jene Zeit fiel mit der Welle der internationalen Antiglobalisierungsbewegung und dem radikalen Anti-Neoliberalismus zusammen, mit einer ganzen Reihe von grossen Mobilisierungen, wie in Seattle, Genua, dem Europ\u00e4ischen Soziaforum in Florenz, usw. In dieser Periode, einer sehr interessanten Periode, fanden Gespr\u00e4che verschiedener Art innerhalb der radikalen oder antikapitalistischen Linken in all ihren Schattierungen statt.<\/p>\n<p>Dann bildete sich eine Tendenz heraus, die der Auffassung war, dass es darum ginge, die gesamte Linke neu aufzubauen und nicht lediglich die radikale oder die antikapitalistische Linke. Dies f\u00fchrte zu Einheitsinititiativen, an denen sich auch reformistische Tendenzen beteiligen konnten, wie etwa das griechische Sozialforum (zu dem Synaspimos geh\u00f6rte), deren gemeinsame Basis der Anti-Neoliberalismus war.<\/p>\n<p>Diese Tendenz war sich auch einig hinsichtlich der Unf\u00e4higkeit der reformistischen Parteien, insbesondere des post-kommunistischen Links-Reformismus, eine Strategie zu entwickeln und der M\u00f6glichkeit der antikapitalistischen Linken, sie zu beeinflussen; darum drehten sich die damaligen Debatten. Dies war beispielsweise in gewisser Weise \u2013 ich versuche hier, ihnen gegen\u00fcber nicht ungerecht zu sein \u2013 die Position der DEA, die kurz nach ihrer Abspaltung von der SEK, gewissermassen in diese Richtung tendierte.<\/p>\n<p>Dies war auch die Position anderer Gruppen, anderer Aktivistinnen und Aktivisten, welche dann durch das Medium des griechischen Sozialforums, welches Teil des euorp\u00e4ischen Sozialforums bildete, 2004 schlussendlich in die Bildung von Syriza m\u00fcndete. Eine andere Organisation, die sich Syriza anschloss, war die KOE (kommunistische Organisation Griechenlands). Es handelte sich um eine maoistische Gruppe, die urspr\u00fcnglich Teil der radikalen studentischen Gruppierungen der 1980er Jahre war und in den 1990er Jahren auf einer eher sektiererischen Linie versuchte, eine Partei aufzubauen, bevor sie in der zweiten H\u00e4lfte der 2000er Jahre Syriza beitrat.<\/p>\n<p>F\u00fcr diese Str\u00f6mungen schien die Entscheidung, Syriza beizutreten gerechtfertigt, gerade nach den sehr guten Wahlresultaten von 2007. In dieser Periode erschien einigen Segmenten der antikapitalistischen Linken ein Beitrit zu Syriza als die bessere Achse. Syriza war ab dieser Periode nicht mehr einfach eine erweiterte Synaspismos, oder eine rechte Weiterentwicklung des Eurokommunismus, sondern war um radikalere Elemente erweitert worden. Einige dieser Elemente sind noch heute sichtbar in Syriza. Diese Periode war, im Lichte des neuen Radikalismus der 2000er Jahre, auch Ausdruck des Unverm\u00f6gens der revolution\u00e4ren Linken, ein wirklich revolution\u00e4res Projekt vorzubringen. Trotzdem muss ich sagen, dass sich dies verbessert hat.<\/p>\n<p>In diesem Sinne k\u00f6nnte man sogar sagen, dass die Gr\u00fcndung von Antarsya im Jahre 2009 ein bisschen zu sp\u00e4t kam. Sicherlich wirkte da die Jugendrebellion von 2008 ein Katalysator, was die Bildung dieser Art von Front erzwungen hat. Dies war so offensichtlich, dass es\u00a0 zu einer gemeinsamen Position der vollumf\u00e4nglichen Anerkennung und Unterst\u00fctzung der Bewegung kam, die sich auch von derjenigen von Syriza unterschied, obwohl Syriza die Bewegung ebenfalls unterst\u00fctzt hat.<\/p>\n<p>Aber man kann sogar sagen, dass dies ein wenig zu sp\u00e4t kam. Denn wenn es bereits zu Beginn der 2000er Jahre zu dieser Art der Vereinigung der Kr\u00e4fte gekommen w\u00e4re, so h\u00e4tte wohl die Landschaft der Linken in einer entscheidenden Periode etwas anders ausgesehen.<\/p>\n<p><b>Wir sollten hier eine Klammer einf\u00fcgen, denn es ist klar, dass Du denkst, dass die Studentenbewegung der Schl\u00fcssel f\u00fcr die Verj\u00fcngung der revolution\u00e4ren Linken \u00fcber mehrere Jahrzehnte darstellt.<\/b><\/p>\n<p>Alles in allem ja, bis in die 2000er Jahre. Ich muss jedoch betonen, dass ab den sp\u00e4ten 1990er Jahren ebenfalls die wichtigen Fortschritte in der Gewerkschaftsbewegung in Betracht gezogen werden m\u00fcssen. Dies war wichtig.<\/p>\n<p><b>Lasst uns nun \u00fcber die Besonderheit der Studentenbewegung in Griechenland sprechen. Insbesondere der Bewegung der Studentengewerkschaft, weil diese vermutlich anders strukturiert ist als im Rest der Welt. Also, vorerst, gibt es einen einzigen Studentengewerkschaftsverband?<\/b><\/p>\n<p>Es gibt eine Gewerkschaft pro Schule oder Abteilung. Aus geschichtlichen Gr\u00fcnden sind einige der Gewerkschaften Schulen, andere Abteilungen \u2013 die meisten aber Abteilungen \u2013 zugeordnet. Alle Studentengewerkschaften an den Universit\u00e4ten sind Teil des gleich Verbandes (und alle Gewerkschaften aus der h\u00f6heren technischen Ausbildung ihrerseits Teile des zugeh\u00f6rigen Verbandes).<\/p>\n<p>Der Verband (EFEE) ist seit 1997, also \u00fcber viele Jahre, nicht mehr aktiv gewesen, die Tendenzen innerhalb der Studentenbewegung sind jedoch national. Das heisst, Nea Demokratia besitzt einen studentischen Fl\u00fcgel, der sich selbst \u00fcberall unter dem selben Namen und mit der selben politischen Linie pr\u00e4sentiert. Das gleich gilt f\u00fcr die Pasok Jugend, die Kommunistische Partei besitzt gleichfalls eine entsprechende studentische Struktur, usw.<\/p>\n<p><b>Es gibt also nichts, das diese Studentengewerkschaften zusammenbindet?<\/b><\/p>\n<p>Nun, sie besitzen keine formale Struktur mehr, wie zu der Zeit, als der Verband immer noch funktionierte, ausser dass die Wahlen am selben Tag durchgef\u00fchrt werden. Es kommt immer zu einem informellen Vereinbarungsprozess \u00fcber den Zeitpunkt der Wahlen.<\/p>\n<p>Ein anderer Aspekt: Obschon ein Leitungsausschuss gew\u00e4hlt wird, so bleibt doch die Generalversammlung weiterhin das wichtigste Entscheidungsgremium. So entscheidet die Versammlung beispielsweise \u00fcber eine Besetzung oder \u00fcber einen Streik. Gerade die solide Tradition der Versammlung als dem wichtigsten Entscheidungstr\u00e4ger in der Studentgewerkschaft erm\u00f6glicht es der radikalen Linken, in wichtigen Studentenbewegungen die Initiative zu ergreifen.<\/p>\n<p>Studentische Wahlen erlauben aufgrund der Massenbeteiligung oft eine Einsch\u00e4tzung \u00fcber die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse; in Studentenversammlungen jedoch, wo die Beteiligung normalerweise recht breit ist, ist es f\u00fcr die revolution\u00e4re Linke in einem kritischen Zeitpunkt oder anl\u00e4sslich eines neuen Gesetzes leichter, zu einer Besetzung oder zu einem l\u00e4ngeren Streik aufzurufen und so in einer Versammlung mit einen Antrag zu gewinnen.<\/p>\n<p><b>Aber alles getrennt nach Schule beziehungsweise nach Universit\u00e4t?<\/b><\/p>\n<p>Ja, beispielsweise bei Besetzungen; in jeder Besetzung k\u00f6nnen wir auch den Begriff \u00abStreik\u00bb benutzen, den wenn die Studierenden in einen Streik treten wollen, so besetzen sie auch die Geb\u00e4ude, um zu gew\u00e4hrleisten, dass wirklich kein Unterricht stattfindet. Da gibt es Formen der Koordination; zum Beispiel haben wir w\u00e4hrend grossen Bewegungen eine nationale Koordination der Besetzungen und der Versammlungen.<\/p>\n<p><b>Und die Versammlungen ernennen F\u00fchrungen auf nationaler Ebene?<\/b><\/p>\n<p>Sie ernennen Koordinationskomitees, die jede Versammlung in der nationalen Koordination repr\u00e4sentieren. Diese Massenversammlungen der nationalen Koordination repr\u00e4sentieren alle Besetzungen, und sie entscheiden dar\u00fcber, wann die n\u00e4chste Massenversammlung stattfindet, oder sie ver\u00f6ffentlichen Stellungnahmen und Erkl\u00e4rungen.<\/p>\n<p>Dies wurde in der Bewegung von 2006-7 offensichtlich, aber dies ist bereits ab 1979 ersichtlich, denn wir hatten 1979, 1987, 1990\u201391, 1992, 1995, 1997-98, 2001, 2006\u20137, 2008, 2011 grosse Bewegungen. Somit wird verst\u00e4ndlich, dass dies eine Notwendigkeit schafft, in jeder Schule und in jeder Abteilung radikale linke Gruppen zu haben.<\/p>\n<p><b>Wenn Du von \u00abGruppen\u00bb sprichst, was verstehst Du darunter?<\/b><\/p>\n<p>Wenn man sich auf diesen Prozess einlassen und in der Lage sein will, in einer Generalversammlung einen Antrag durchzubringen, so ist es notwendig, in jeder Abteilung der Universit\u00e4t, die an den Wahlen f\u00fcr die lokale Studentengewerkschaft teilnimmt, politische und organisatorische Arbeit zu leisten, die Auseinandersetzungen f\u00fcr die n\u00e4chste Versammlung vorzubereiten, usw., um die lokale EAAK Gruppe f\u00fcr sich zu gewinnen; diese hat oft einen anderen Namen, wie etwa radikale linke Initiative oder radikaler linker Zusammenschluss oder \u00e4hnlich. Man kann keinen Erfolg haben, man f\u00e4hrt nicht gut in diesem Umfeld, wenn man lediglich einen Aktivisten pro Abteilung hat.<\/p>\n<p><b>Aber wenn eine Welle von K\u00e4mpfen stattfindet, so wird diese auf nationaler Ebene in ad hoc Manier koordiniert, ist es das, was Du sagst?<\/b><\/p>\n<p>Ja, sie wird von den Versammlungen koordiniert, durch deren Abgeordnete und selbstverst\u00e4ndlich durch die Koordination der politischen Str\u00f6mungen, die in der Bewegung hegemonial sind. Zum Beispiel ist die Rolle des EAAK immer entscheidend gewesen in den meisten neueren Studentenbewegungen, obwohl man in der nationalen<br \/>\nKoordination immer Leute aus anderen Gruppen finden kann \u2013 Anarchisten, Halb-Anarchisten, Studentinnen und Studenten von Syriza. Dies war zumindest die Erfahrung bis 2011, der letzten grossen studentischen Mobilisierung. Demgegen\u00fcber verficht die kommunistische Jugend eine sektiererische Taktik.<\/p>\n<p><b>Die Gewerkschaften selbst spielen also nicht notweendigerweise eine wichtige Rolle in den K\u00e4mpfen, sie sind einfach ein Ausdruck der politischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse?<\/b><\/p>\n<p>Nein, es verh\u00e4lt sich nicht genau so, weil dies im Steuerungsausschuss als gew\u00e4hlter Instanz der Studentngewerkschaft wichtig wird. Dort kann man je nach Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen einen Antrag, eine Stellungnahme, Interventionen durchbringen. Und dies h\u00e4ngt ja ab von den Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen in den einzelnen K\u00f6rperschaften der Universit\u00e4ten, die ihrerseits \u00fcber die Gewerkschaften von den Studentinnen und Studenten gew\u00e4hlt werden.<\/p>\n<p>Somit sind sie wichtig, aber nicht in Zeiten gr\u00f6sserer K\u00e4mpfe. Wenn man beispielsweise einen konservativen Leitungsausschuss hat; so gab es F\u00e4lle wo die Nea Demokratia die kontrollierende Mehrheit innehatte. Dann war es angesichts dieser blockierenden Mehrheit nat\u00fcrlich sehr schwierig, einen Antrag im Steuerungsausschuss durchzubringen. Aber w\u00e4hrend einer gr\u00f6sseren Welle von K\u00e4mpfen kannst Du diesen umgehen und mit dem Antrag direkt \u00fcber die Versammlungen gehen und diesen so gewinnen.<\/p>\n<p><b>Ist die Mitgliedschaft bei den Studentgewerkschaften obligatorisch?<\/b><\/p>\n<p>Nein, als Studentin, als Student ist man automatisch Mitglied bei einer Gewerkschaft und man ist berechtigt, an Versammlungen teilzunehmen und abzustimmen; alle Studentinnen und Studenten k\u00f6nnen an den Versammlungen teilnehmen, ob sie sich nun den Studentenwahlen beteiligt haben oder nicht.<\/p>\n<p><b>Eine Frage zur Organisationskulter der revolution\u00e4ren Linken: Sprechen wir hier \u00fcber Organisationen als relativ kleinen Kaderorganisationen, die sich nicht so sehr auf eine offene Rekrutierung einlassen, sondern grossen Wert auf ideologische Schulung legen, oder reden wir \u00fcber lockere Organisationen mit einer offenen Rekrutierung, die wenig Wert auf ideologische Schulung legen?<\/b><\/p>\n<p>Es gibt f\u00fcr beide Varianten Beispiele, es gibt alle Elemente und wir kennen unterschiedliche Organisationskulturen. Beispielsweise legen die Gruppen, die aus der IST-Tradition herkommen, wie etwa die SEK, grossen Wert auf Rekrutierung und alle damit verbundenen Praktiken, mit einer m\u00f6glichst grossen Pr\u00e4senz an Mobilisierungen, dem Verkauf ihrer Zeitungen, usw.<\/p>\n<p>Wenn wir andere Gruppen betrachten, so pflegen sie, obwohl nicht diese Art von Rekrutierungskampagnen, so doch eine starke Pr\u00e4senz an Studenten- oder Gewerkschaftsversammlungen, um Leute anzuziehen. \u00dcberall wird die Ideologie oder die Debatte aufmerksam gepflegt, obwohl damit nicht notwendigerweise alle Gruppen eine ideologische Indoktrination f\u00fchren. Wiederum m\u00f6chte ich feststellen, dass eher trotzkistische Gruppen dazu neigen.<\/p>\n<p>Aber man kann dies auch bei anderen Gruppen beobachten, etwa der Linken Neugruppierung (ARAN) und den Neuen Linken Str\u00f6mungen (NAR), obgleich die NAR bislang keiner historischen Str\u00f6mung zugeh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der Organisationskultur w\u00fcrde ich sagen, das sie sowohl demokratisch wie auch eher problematisch ist, je nach Gruppe und je nach den Umst\u00e4nden. Von keiner Gruppe l\u00e4sst sich behaupten, sie sei unelastisch. In den meisten Gruppen gibt es unterschiedliche Tendenzen, unterschiedliche Debatten und die verschiedenen Position sind ausserhalb der Gruppe gut bekannt. Diese Art von monolithischen Organisationen gibt es meines Errachtens nicht.<\/p>\n<p><b>Selbst nicht die SEK?<\/b><\/p>\n<p>Gegen aussen vermittelt die SEK den Eindruck von ziemlicher St\u00e4rke, dass sie \u00fcber eine Linie verf\u00fcgt, der alle Mitglieder folgen; aber lass es mich mal so formulieren: Man hat das Gef\u00fchl, dass es selbst in der SEK Debatten gibt. Dies ist einer der guten Aspekte dieser Art von \u00abFrontpolitik\u00bb und einer der Gr\u00fcnde, die wiederholt zu Tendenzen gef\u00fchrt haben, die sich der Bildung von Fronten widersetzt haben.<\/p>\n<p>Die Politik der \u00abFront\u00bb bedeutet notwendigerweise, das die Aktivistinnen und Aktivisten nicht lediglich durch die Gruppe oder durch die Organisation beeinflusst werden, der sie zugeh\u00f6ren, sondern von den Debatten innerhalb der ganzen Front. In Anatarsya kann man eine offenere Diskussion beobachten, Fragen, die quer \u00fcber die Grenzen aller Organisationen gef\u00fchrt werden. Meiner Einsch\u00e4tzung nach ist dies unbedingt etwas Positives; der Versuch, einer Gruppe monolithische Einheit aufzuzwingen, ist ein Fehler. Nur durch die Offenheit gegen\u00fcber Widerspr\u00fcchen kann dieser Prozess der Auseinandersetzung in tats\u00e4chliche Debatten \u00fcberf\u00fchrt werden. Ansonsten geht es lediglich um Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse zwischen verschiedenen Tendenzen.<\/p>\n<p>Dies ist gerade auf strategischer Ebene wichtig, wenn wir an die Prozesse der Neuzusammensetzung der radikalen Linken denken. Die zeitgen\u00f6ssische antikapitalistische Linke ist das Ergebnis verschiedener Formen von Krisen der Arbeiterbewegung und der revolution\u00e4ren Bewegung. Gleichzeitig steht sie f\u00fcr die Herausforderung und die Notwendigkeit einer radikalen Erneuerung der kommunistischen Bewegung.<\/p>\n<p>Entsprechend kann man sich den Prozess der Neuzusammensetzung in Form einer offenen Debatte und einer notwendigerweise widerspr\u00fcchlichen Hegemonie vorstellen, in Form einer Zusammenf\u00fchrung von unterschiedlichen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Positionen. In diesem Sinne braucht es Fronten, genau weil sie die M\u00f6glichkeit bieten, solche Prozesse einzuleiten.<\/p>\n<p>Bereits in den 1980er Jahren nach der sehr heftigen Krise der revolution\u00e4ren Linken der 1970er Jahre, zumindest in einigen Str\u00f6mungen der revolution\u00e4ren Linken \u2013 dies ist die Tradition aus der ich herkomme &#8211;\u00a0 dachten wir gerade, dass Einheitsversuche, wie etwa die linken Neugruppierungen an den Universit\u00e4ten von strategischer Natur seien. Sie k\u00f6nnten dadurch der radikalen Linken bei deren Neugruppierung helfen, um aus den traditonellen Formen des Aufbaus und der Parteibildung herauszukommen.<\/p>\n<p>Damit sage ich nicht, dass wir keine starke Organisationen brauchen, oder dass wir f\u00fcr starke Organisationen k\u00e4mpfen m\u00fcssen. Zum Beispiel ist es meiner Auffassung nach im griechischen Zusammenhang sehr wichtig, einen Prozess der Neuaufstellung der Organisationen einzuleiten, um zu einer viel gr\u00f6sseren Organisation mit einer kommunistischer Orientierung zu gelangen, die dann auch das R\u00fcckgrat von Fronten, von politischen Interventionen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Allerdings muss heute auch an die strategische Dimension von Fronten und ihren politischen Interventionen gedacht werden. Die Politik der Fronten darf heute nicht lediglich als \u00abnotwendig, da wir es alleine nicht schaffen\u00bb gedacht werden. Noch sollten wir sie als Vehikel einer einzigen dominanten Gruppe, der dann alle anderen als Satelliten untergeordnet sind, denken. Fronten sollten ferner nicht als Versuch verstanden werden, die Reformisten zu beeinflussen, oder Formen von taktischen B\u00fcndnissen mit den Reformisten zu erm\u00f6glichen. Was wir ben\u00f6tigen, sind Terrains, um neue politische Synthesen zu erproben.<\/p>\n<p>Fronten sollten als Orte f\u00fcr wirkliche Dialoge verstanden werden, von wirklichen ideologischen Auseinandersetzungen, aber auch von Synthese und von Experimenten. Wir d\u00fcrfen sie nicht verstehen als Orte, wo eine Gruppe das Terrain besetzt, sondern im Sinne eines Dialogs und einer Dialektik der Hegemonie zwischen unterschiedlichen strategischen Positionen.<\/p>\n<p>Dies kann auch ein Zeichen der politischer Entwicklungsf\u00e4higkeit einer Front oder in einem breiteren Sinne einer Einheitsinitiative sein.<\/p>\n<p>Ich sage aber nicht, dass wir in Griechenland so weit sind. Immerhin aber ist Antarsya zumindest in gewissen Momenten diesem Ziel sehr nahe gekommen. Wir m\u00fcssen an diesem Verst\u00e4ndnis von politischen Fronten als Terrain von offenen Dialogen, des Experimentierens, von gemeinsamer Erarbeitung der politischen Linie festhalten. Im europ\u00e4ischen Zusammenhang ist diese Art der Neuausrichtung und Neuzusammensetzung der Kr\u00e4fte dringender denn je.<\/p>\n<p><b>Bevor wir eingehender von Antarsya sprechen, wie w\u00fcrdest Du die politische Praxis der KKE beurteilen?<\/b><\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Strategie der KKE ist ein Gemisch aus Sektierertum und linker Rhetorik. Die KKE hat in den vergangenen Jahren einen Prozess der idelogoischen Ver\u00e4nderung durchlebt. Sie liessen ihre Referenzen zu antiimperialistischen K\u00e4mpfen zugunsten einer Art antikapitalistischer Rhetorik fallen.<\/p>\n<p>Sie haben auch ihre Sicht auf die Geschichte der kommunistischen Bewegung in Griechenland ver\u00e4ndert. Sie haben mittlerweile eine kritischere Einsch\u00e4tzung der Politik der Nationalen Befreiungsfront (EAM) w\u00e4hrend der Deutschen Besetzung (1941 &#8211; 44), die sie nun beschuldigen, eine B\u00fcndnispolitik mit den b\u00fcrgerlichen Parteien praktiziert zu haben.<\/p>\n<p>Ihre zentrale Position zu der aktuellen Krise geht dahin, dass es keine L\u00f6sung geben kann ohne Anwendung der Volksmacht in einer Wirtschaft, die dem Volk geh\u00f6rt. Aus diesem Grunde beschuldigen sie Forderungen nach einem Austritt aus der Eurozone als reformistisch, da diese keinen vollst\u00e4ndigen Bruch mit kapitalistischen Gesellschaftsverh\u00e4ltnissen beinhalten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Syriza ist f\u00fcr sie lediglich eine b\u00fcrgerliche Alternative. Sie neigen dazu, die Breite und die Bedeutung der K\u00e4mpfe seit 2010 zu untersch\u00e4tzen, da sie in ihnen nicht hegemonial waren. Sie neigen auch dazu, die anderen Kr\u00e4fte der Linken mit einer Art Position aus der Dritten Periode zu beurteilen, indem sie alle als opportunistisch beschimpfen. Dies mag radikal klingen, aber in Wirklichkeit ist eseine eher konservative Position, im Sinne, dass eh solange nichts wirklich \u00e4ndern kann, als die KKE nicht die f\u00fchrende Kraft auf der Linken ist.<\/p>\n<p><b>Gut, bevor wir n\u00e4her auf Antarsya eingehen, lass uns kurz die Kartografie der revolution\u00e4ren Linken Griechenlands rekapitulieren. Offensichtilich ist Antarsya die Hauptkomponente darin. Es gibt auch die Gruppen in Syriza, insbesondere DEA und KOE &#8211;<\/b><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde KOE nicht zu der revolution\u00e4ren Linken z\u00e4hlen. Die Kommunistische Organisation Griechenlands ist ein Abk\u00f6mmling der marxistisch-leninistischen Tradition, der maoistischen Bewegung Griechenlands. Urspr\u00fcnglich war sie in den 1980er Jahren Teil der linken Neugruppierungen an den Universit\u00e4ten. Nach den sp\u00e4ten 1990er Jahren began sie mit einem Projekt des Organisationsaufbaus, auf sich selbst gestellt und sogar sektiererisch. Sie trat in der Mitte der 2000er Jahre Syriza als Gruppe bei.<\/p>\n<p>Seit dann vollf\u00fchrte sie eine klare Rechtswende, wie etwa das eher symbolische Fallenlassen der Anti-Euro, Anti-EU Position. Auch wir teilten einst diese Position, aber denken nun anders. Sie durchliefen um 2012 eine Spaltung, wo eine eine linke Gruppe sich in Opposition zur Rechtswende\u00a0 von der KOE l\u00f6ste.<\/p>\n<p><b>Wie stehts in Syriza mit der IMT Gruppe \u2013 Kommunistische Tendenz?<\/b><\/p>\n<p>Dies ist eine sehr kleine Gruppe. Und sie wurde haupts\u00e4chlich gegr\u00fcndet, um als Teil von Syriza zu funktionieren. Sie hatten kaum eine wirkliche Pr\u00e4senz oder \u00fcberhaupt einen Einfluss. Ich weiss nicht einmal, welche Positionen sie, bevor sie zur Kommunistischen Tendenz wurden, verfochten hatten.<\/p>\n<p><b>So gibt es also innerhalb von Syriza unterschiedliche Fragmente der radikalen Linken. Aber es gibt da auch eine Anzahl von Gruppen, abgesehen von den Anarchisten, die weder zu Antarsya noch zu Syriza geh\u00f6ren. Sind all diese Gruppen etwas neben den Schienen, oder gibt es vern\u00fcnftige Argumente, sich weder Antarsya noch Syriza anzuschliessen?<\/b><\/p>\n<p>Nun, da sind zwei maoistische, marxistisch-leninistische Gruppen: die Kommunistische Partei Griechenlands \u2013 (marxistisch-leninistisch) (KKE-(ml)) und die Marxistisch-Leninistische Kommunistische Partei Griechenlands (ML-KKE), die unter sich ebenfalls ein Wahlb\u00fcndnis geschlossen haben. Dies ist ein klassisches Beispiel einer Politik auf Basis einer m-l-Identit\u00e4t, in dem Sinne, dass sie gute politische Aktivistinnen und Aktivisten sind. Wir haben \u00fcber die vergangenen dreissig Jahre mit beiden Gruppen in verschiedenen K\u00e4mpfen zusammengearbeitet. Sie bestehen jedoch darauf, dass sie nicht Teil einer breiteren politischen Bewegung sein k\u00f6nnen, was vielmehr n\u00f6tig sei, sei ein Neuaufbau der Bewegung des Marxismus-Leninismus. Konsequenterweise gestalten sie ihre politischen Interventionen entsprechend. Ich hoffe nur, dass sie eines Tages realisieren, dass dies eine Sackgasse f\u00fcr alle ist.<\/p>\n<p><b>Sind dies also immer noch hartgesottene Maoisten?<\/b><\/p>\n<p>Ja, sie geh\u00f6ren zu dieser Tradition des Maoismus. Dann ist da noch die Revolution\u00e4re Arbeiterpartei (EEK), deren bekannteste Pers\u00f6nlichkeit Savvas Michail ist, mit der wir ebenfalls auf verschiedenen Ebenen in einigen Bewegungen zusammenarbeiten. Aber sie denken, dass das Programm von Antarsya nicht gen\u00fcgend antikapitalistisch und internationalistisch sei. Dann gibt es die OKDE (OKDE-Ergatiki Pali), eine Abspaltung der OKDE, die sich selbst als Teil der Vierten Internationale versteht, mit \u00e4hnlichen Positionen wie Antarsya, aber sie legt die Betonung auf den Parteiaufbau.<\/p>\n<p>Und dann gibt es nat\u00fcrlich noch politische Str\u00f6mungen wie Plan B, gef\u00fchrt durch Alekos Alavanos, den fr\u00fcheren F\u00fchrer von Synaspismos und Syriza mit einer starken Anti-Euro Position. Sie arbeitet mit Antarsya zusammen und beteiligte sich an der Wahlliste Antarsya-MARS f\u00fcr 2015.<\/p>\n<p>Dann die Anarchisten. Es ist wichtig festzuhalten, dass in Griechenland Gruppen mit einer wirklichen anarchistischen Orientierung existieren, aber auch anarchistische oder autonome Gruppen mit einer eher marxistischen Theorie und Analyse vorhanden sind. Sie definieren sich alle als Teile des gleichen anarchistischen \/ autonomen politischen Milieus.<\/p>\n<p><b>Arbeiten die Anarchisten oder diese ausserparlamentarische Linke mit Antarsya zusammen?<\/b><\/p>\n<p>Es gibt eher auf lokaler Ebene, in lokalen Initiative, bei Volksversammlungen in verschiedenen Bereichen, bei antifaschistischen Mobilisierungen Formen von Zusammenarbeit. Oder dann in einigen F\u00e4llen bei k\u00e4mpferischen Basisaktivit\u00e4ten in der Gewerkschaftsbewegung.<\/p>\n<p>Aber sie verfolgen gleichzeitig ihre eigenen Variante eines Sektierertums, das heisst sie denken eher in Form ihrer eigenen Gewerkschaften oder Initiativen. Selbstverst\u00e4ndlich sprechen wir auch \u00fcber die eher politisch ausgerichteten anarchistischen Handlungsformen. Abgesehen davon, gibt es diese spezifische Art des Anarchismus, der sich eher in Strassenk\u00e4mpfen und den Ritualen der Zusammenst\u00f6sse mit der Polizei bet\u00e4tigt.<\/p>\n<p><b>Gut, lasst uns nun eingehender \u00fcber Antarsya sprechen, den Weg auf dem sie entstand und die verschiedenen Elemente darin. Schildere uns bitte von jeder Gruppe etwas \u00fcber ihre Geschichte, ihre relative Gr\u00f6sse und ihre besondere ideologische Kultur.<\/b><\/p>\n<p>Antarsya wurde im fr\u00fchen 2009 gegr\u00fcndet, gleich nach dem Ausbruch der Jugendbewegung vom Dezember 2008. Es war dies eine Periode sehr intensiver Beteiligung der politischen Aktivistinnen und Aktivisten der antikapitalistischen Linken an Demonstrationen, Strassenk\u00e4mpfen, Besetzungen, die zu wichtigen Erfahrungen f\u00fchrte. Dies war eine Periode, in der die ersten Elemente der heraufziehenden wirtschaftlichen und sozialen Krise sp\u00fcrbar waren.<\/p>\n<p>Die Hauptkomponenten von Antarsya sind die Neue Linke Str\u00f6mung (NAR), die relativ st\u00e4rkste Str\u00f6mung von Antarsya darstellt, aber nat\u00fcrlich nicht die Mehrheit. Sie entstand aus der Spaltung von 1989 in der Kommunistischen Jugend und in der Kommunistischen Partei, entwickelte aber ihre eigene besondere Identit\u00e4t als eine linke Version kommunistischer Politik. Sie hat in der Studentenbewegung und in den Gewerkschaften einen grossen Einfluss.<\/p>\n<p><b>Was verstehst du unter \u00ablinker kommunistischer Politik\u00bb? <\/b><\/p>\n<p>Darunter versteht man in Griechenland eine Position, die eine neue kommunistische Entwicklungslinie sucht. Sie ist keiner historischen Str\u00f6mung zugeordnet, es ist nicht leicht, sie aufgrund ihrer Politik einer traditionellen Definition zuzuordnen.<\/p>\n<p><b>Die NAR besteht aus zwei Fl\u00fcgeln, nicht wahr?<\/b><\/p>\n<p>Es gibt tats\u00e4chlich unterschiedliche Positionen darin. Diese stehen meistens im Zusammenhang mit der Frage von B\u00fcndnissen und m\u00f6glicher Zusammenarbeit. Traditionellerweise war sie abgeneigt gegen\u00fcber breiten B\u00fcndnissen. Dies wurde beim Scheitern der Gespr\u00e4che von 2007 \u00fcber eine m\u00f6gliche Front der antikapitalistischen Linken offenkundig; dies war auch der Fall bei den Diskussionen um eine m\u00f6gliche Zusammenarbeit von Antarsya mit anderen Gruppen.<\/p>\n<p>Viele Genossinnen und Genossen in der NAR neigen jedoch zu mehr Offenheit gegen\u00fcber B\u00fcndnissen und einer Massenlinie. Das wichtigste Merkmal der NAR ist gelegentlich eine gewisse Furcht, dass wenn wir uns in eine widerspr\u00fcchliche Front-Politik einlassen, dies die politischen und ideologischen Fortschritte, die wir in einem bestimmten Sinne gemacht haben, gef\u00e4hrden k\u00f6nnte. Das heisst nicht, dass diese Gruppe in irgendeinem Sinne sektiererisch ist. Nichtsdestotrotz hat sie eine sehr lange Geschichte der Zusammenarbeit mit anderen Tendenzen. Was nicht verhindert, dass sie unter bestimmten Umst\u00e4nden eine eher abwehrende Haltung bez\u00fcglich B\u00fcndnissen hat.<\/p>\n<p><b>Halt mal. Ich dachte bislang immer, dass die NAR ideologisch eine Art Version des Stalinismus der Dritten Periode sei; ist dies falsch?<\/b><\/p>\n<p>Nein, ich wollte einfach nicht unfair sein und sie so charakterisieren.<\/p>\n<p><b>Unterst\u00fctzen sie beispielsweise rote Gewerkschaften?<\/b><\/p>\n<p>Nein, sie wollen keine roten Gewerkschaften gr\u00fcnden, im historischen Sinn von roten Gewerkschaften. Sie trugen sich urspr\u00fcnglich in den 1990er und fr\u00fchen 2000er Jahren mit solchen Absichten, um der b\u00fcrokratischen und pro-kapitalistischen Ver\u00e4nderung des Gewerkschaftsapparates etwas entgegenzusetzen; diese Einsch\u00e4tzung entsprach zwar einer guten Beobachtung der tats\u00e4chlichen Ver\u00e4nderungen. Um diesen Tendenzen entgegenzuwirken, wollten sie innerhalb der Gewerkschaftsbewegung auf einen organisatorischen Bruch hin arbeiten und so auf die Entwicklung klassenorientierterer Gewerkschaftung setzen.<\/p>\n<p>Ich bin mit den taktischen Aspekten dieser Positon nicht einverstanden, es geht nicht um eine Frage der Organisation, es geht um eine Frage der Politik und wie eine k\u00e4mpferischerere und radikalere Positon in einer Gewerkschaft hegemonialer werden kann. Wenn man sich von den grossen Gewerkschaften l\u00f6st, so f\u00fchrt das nur zu kleineren Gewerkschaften, was ohne Nutzen ist. In Griechenland kennen wir das katastrophale Beispiel der Kommunistischen Partei und ihrer sektiererischen Auffassung beim Aufbau von PAME als parallelem Gewerkschaftsbund, was die Dinge nicht weiterbrachte oder die Gewerkschaften k\u00e4mpferischer machte. Dies war \u00fcber eine gewisse Zeit einer der Streitpunkte mit der NAR.<\/p>\n<p><b>Wie steht die NAR zu den Erfahrungen in der Sowjetunion und in China?<\/b><\/p>\n<p>Sie stehen sehr kritisch dazu. Sie waren von allem Anfang an sehr kritisch. Dies war ja mit ein Grund f\u00fcr ihren selbstkritischen Bruch mit der Kommunistischen Partei. Sie sehen diese als eine Entwicklung in einem ausbeuterischen und unterdr\u00fcckerischen Staat, \u00e4hnlich einer Analyse des Staatskapitalismus. In dieser Hinsicht vollf\u00fchrten sie einen aufrichtigigen Bruch mit den ideologischen Traditionen der Kommunistischen Partei.<\/p>\n<p><b>Besitzt die NAR eine theoretische Originalit\u00e4t oder ist sie im Wesentlichen eine Organisaiton ohne jedes theoretisches R\u00fcckgrat? <\/b><\/p>\n<p>Obschon die NAR nie mit einer spezifischen theoretischen Tradition verbunden war, so muss doch festgestellt werden, dass sie bez\u00fcglich der Aufwerfung politischer Fragen in ideologischen Debatten eine wichtige Rolle gespielt haben, gerade in den sp\u00e4ten 1990er Jahren, aber auch danach.<\/p>\n<p>Man mag mit ihren Antworten einverstanden sein oder nicht, so war ihr Beitrag immer sehr interessant; so zum Beispiel in der Gewerkschaftsdebatte, wie wir diese angehen sollen angesichts der neuen Periode des Neoliberalismus und der vollst\u00e4ndigen Kapitulation der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie gegen\u00fcber der kapitalistischen Modernisierung. Oder dann in der Frage, wie wir das Verh\u00e4ltnis zwischen Front und Partei denken sollen, wo sie eine wichtige Rolle gespielt haben. Oder ihr Beharren auf einer neuen kommunistischen Perspektive.<\/p>\n<p>In der NAR gibt es ebenfalls eine j\u00fcngere Generation von k\u00e4mpferischen Aktivistinnen und Aktivisten, die ein lebhaftes Interesse an der Weiterf\u00fchrung der theoretischen Debatte haben.<\/p>\n<p><b>Wenn man in Griechenland als junge politische Aktivistin oder Aktivist Marxist wird, so steht man vor dieser unglaublichen Auswahl, dieser Vielzahl von Organisationen. Was w\u00e4re denn je das entscheidende Argument, sich einer dieser Organisationen oder Gruppen, beispielsweise der NAR, anzuschliessen?, Organisationskultur, oder \u2026.<\/b><\/p>\n<p>Ich denke, dies ist eine schwierige Frage. Ich stamme aus einer anderen Tradition. Meiner Ansicht nach pr\u00e4sentieren sie sich als eine Str\u00f6mung, die die Existenz vieler politischen Initiativen garantiert. Dann aber versuchen sie von sich Bild zu geben, dass sie radikaler als andere Gruppen darstellt, mit linkeren Positionen. Gerade in ihrer Jugend geh\u00f6rt dies zu ihrer politischen Kultur: Die radikalsten der radikalen Linken zu sein.<\/p>\n<p><b>Gut, wenden wir uns wieder Antarsya zu.<\/b><\/p>\n<p>Die zweite Komponente von Antarsya ist die SEK.<\/p>\n<p><b>Ist diese nach Deiner Einsch\u00e4tzung ein Abklatsch der britischen SWP oder hat die SEK spezifisch griechische Z\u00fcge?<\/b><\/p>\n<p>Ich denke, die SEK hat einige spezifische Z\u00fcge. Zuerst mal ist sie Teil von Antarsya. Unabh\u00e4ngig von allf\u00e4lligen Kategorisierungen der Fronten auf der Ebene der IST ist Antarsya keine \u00abFront der besonderen Art\u00bb. Das heisst, man kann kaum behaupten, dass die SEK (und sie haben dies auch nie behauptet) denkt, sie seien die Revolution\u00e4re und alle anderen die Reformisten in einem B\u00fcndnis.<\/p>\n<p>Antarsya ist eine Front revolution\u00e4rer Kr\u00e4fte, aus antikapitalistischen Kr\u00e4ften, und sie sind Teil dieser Front, die eine weitgehend demokratische Front ist. Sie haben auch Entscheide akzeptiert, die sie bek\u00e4mpft haben. Soweit ich weiss, unterscheidet sich dies deutlich von der Praxis der IST in anderen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p>So beteiligte sich Antarsya beispielsweise mit einer gegen\u00fcber fr\u00fcher breiteren Wahlliste an den Wahlen, mit anderen Gruppen, was die SEK strikte ablehnte. Es kam zu einem nationalen Entscheidungsverfahren, um diesen Entscheid zu f\u00e4llen. Sie akzeptierten ihn, trotz ihres Widerstandes. Dies muss festgehalten werden. Ich bin nicht in der Lage, die Auswirkungen auf die Organisationskultur oder die Politik der SEK zu beurteilen. Die SEK ist ein wichtiges Element der Erfahrungen von Antarsya.<\/p>\n<p>Sie pflegen auch Positionen aufgrund des Diskussionsprozesses innerhalb von Antarsya anzupassen. Zum Beispiel hat die SEK eine sehr ausgepr\u00e4gte Anti-EU und Anti-Euro Position, etwas, dass in anderen EU-L\u00e4ndern selten ist. Trotz der vielen Differenzen f\u00fchrt die Mitgliedschaft der SEK in Antarsya zu interessanten Erfahrungen.<\/p>\n<p>Beispielsweise \u00fcbt die SEK starken Druck aus, um sich gegen die Syriza Regierung zu stellen. Diese Positon erinnert in etwa an die in den 1970er Jahren durch einige Segmenten der revolution\u00e4ren Linken verfochtenen Positon: \u00abEs ist gut, dass die Arbeiterklasse f\u00fcr die Linke gestimmt hat, aber diese Regierung wird keinen Erfolg haben, da sie reformistisch ist und so wird dann in dieser Situation irgendwie die Arbeiterklasse auftauchen und die Dinge \u00e4ndern.\u00bb<\/p>\n<p>Diese Einsch\u00e4tzung ist doch recht schematisch und nicht dialektisch und l\u00e4uft Gefahr, einerseits gegen\u00fcber der Syriza Regierung zu freundlich und andererseits wiederum zu sektiererisch in dem Sinne zu sein, dass sie f\u00fcr einen konkreten Ausdruck einer Alternative zu Syriza keine Hilfe darstellt, abgesehen zu den allgemeinen Bez\u00fcgen auf die Arbeitermacht.<\/p>\n<p>Ich tendiere jedoch vielleicht auch wieder zu stark auf die andere Seite.<\/p>\n<p><b>Und die SEK hat immer noch sehr schlechtes Verh\u00e4ltnis zur DEA, nicht wahr?<\/b><\/p>\n<p>Soweit ich sehe, ist dieses eher schlecht. Ich m\u00f6chte nicht sagen, dass die DEA nicht deren eigenen Widerspr\u00fcche besitzt. Da sie Teil von Syriza sind, haben sie zu viele Zugest\u00e4ndnisse und Kompromisse gemacht. Gleichzeitig sind sie jedoch eine radikale antikapitalistische Organisation, sie opponieren gegen die zentrale Linie von Syriza, sie dr\u00fccken ihre Opposition deutlicher aus als andere Teile der Linken Plattform. Sie spielen in der antifaschistischen und antirassistischen Bewegung eine Rolle. Ich denke, wir sollten mit Str\u00f6mungen wie der DEA viel enger zusammenarbeiten. Historische Spaltungen sind heute ohne Bedeutung.<\/p>\n<p>Als dritte Komponente von Antarsya haben wir die Linke Neugruppierung (ARAN). Wir entstanden aus einem Fusionsprozess zweier politischen Gruppen in den fr\u00fchen 2000er Jahren. Historisch waren wir stark von der Althusser Tradition beeinflusst, versuchten aber einen Neuansatz in der Tradition von Gramsci. Wir versuchen in dieser besonderen Lage einen Ansatz zu erarbeiten, um durch die Kombination von einem Kampf um Hegemonie und Macht einschliesslich der Regierungsmacht und von Volksmacht von unten Abfolgen von wirklich revolution\u00e4ren Situationen zu entwickeln.<\/p>\n<p>Wir haben innerhalb von Antarsya die Notwendigkeit einer Massenlinie unterst\u00fctzt. Wir beharrten, gerade nach dem Einsetzen der Krise, auf der Notwendigkeit f\u00fcr Antarsya, sich mit anderen linken Anti-Euro Kr\u00e4ften zusammenzutun, selbst wenn diese Kr\u00e4fte nicht notwendigerweise revolution\u00e4r oder antikapitalistisch im historischen Sinne des Begriffes sind. Die Frage des Euro, der Europ\u00e4ischen Union und der Schulden sind Fragen, die die Linke spaltet und gleichzeitig die M\u00f6glichkeit f\u00fcr neue Konvergenzen er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Unter den besonderen Umst\u00e4nden nach den Wahlen von 2015 betonten wir immer wieder die Notwendigkeit einer selbstkritischen Analyse der Ereignisse der vergangenen f\u00fcnf Jahre &#8211; in Antarsya und in der antikapitalstischen Linken im Allgemeinen.<\/p>\n<p>2009 war die Neuausrichtung der antikapitalistischen Kr\u00e4fte wichtig \u2013 es war ein Ziel f\u00fcr sich allein. Nach f\u00fcnf Jahren einer ungeheuren politischen Krise jedoch, von wirklich grossen Br\u00fcchen bez\u00fcglich der politischen Repr\u00e4sentation, die zu massiven Ver\u00e4nderungen in der politischen Landschaft f\u00fchrten, einer beinahe-Krise der Hegemonie, einer einzigartigen Abfolge von K\u00e4mpfen und einer elektoralen Explosion von Syriza, dann der Tatsache, dass Antarsya trotz des starken Engagments in den Bewegungen, der Selbstaufopferung der politischen Aktivistinnen und Aktivisten in den K\u00e4mpfen, trotz der Tatsache, dass Antarsya mit ihrem Programm die erste Tendenz der Linken war, die auf einer Schuldenstreichung, einem Bruch mit der Europ\u00e4ischen Union, Nationalisierungen als dem einzigen Weg aus der Krise bestand. Dass es uns trotz alldem nicht gelungen ist, eine organischere Beziehung zu breiteren Segmenten der unteren Schichten aufzubauen \u2013 das ist das eigentliche Problem.<\/p>\n<p>Es gelang uns nicht, die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse innerhalb der Linken zu ver\u00e4ndern. Dieser Realit\u00e4t m\u00fcssen wir uns stellen und zu einer Einsch\u00e4tzung der besonderen Momente kommen, wo Antarsya keinen Vorteil aus sich bietenden Gelegenheiten gezogen hat. Beispielsweise haben wir die sich aus der Bewegung der Platzbesetzungen ergebenden M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Einleitung eines originellen Aufbauprozesses der Linken als einer Kombination aus einer antikapitalistischen Militanz mit neuen Kr\u00e4ften, die aus der Bewegung ausgenutzt?<\/p>\n<p>Wir legten vor dem Aufstieg von Syriza kaum Gewicht auf die Notwendigkeit einer Neuausrichtung der linken Kr\u00e4fte, indem wir zum Beispiel betont h\u00e4tten, dass ein Anti-Euro B\u00fcndnis nicht notwendigerweise revolution\u00e4r sein sollte, sondern ein Mittel, um die Linke neu aufzustellen? Folgerichtig m\u00fcssen wir auf diese Weise selbstkritisch an die Sache herangehen, um in dieser Periode &#8211; die noch nicht abgeschlossen ist, die Lage ver\u00e4ndert sich in Griechenland sehr schnell \u2013 wir nicht andere Chancen verpassen. Dies ist die dritte Str\u00f6mung in Antarsya.<\/p>\n<p><b>Um die Dinge etwas schematisch darzustellen, die NAR ist links von ARAN und von Antarsya, und ARAN w\u00e4re eher rechts davon? Dabei w\u00e4re rechts und links nicht in einem abf\u00e4lligen Sinne zu verstehen.<\/b><\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte der Charakterisierung von ARAN als rechts widersprechen. Es ist ein wenig komplexer, da die Linke nun im Sinne der Ablehnung von breiten B\u00fcndnissen durch die SEK und auch die OKDE-Spartakos, die griechische Sektion der Vierten Internationale als die kritischste Gruppe von Antarsya,\u00a0 repr\u00e4sentiert wird.<\/p>\n<p><b>Dies ist auch die kleinste Gruppe, oder?<\/b><\/p>\n<p>Nein, nicht die kleinste. Sie bef\u00fcrchten, dass Antarsya in Gefahr ist, den notwendigen antikapitalistischen und internationalistischen Charakter zu verlieren.<\/p>\n<p>Die vierte Komponente von Antarsya ist die Linke Antikapitalistische Gruppierung (ARAS). Wir gehen auf die gleichen politischen Wurzeln zur\u00fcck. Wir waren in den 1990er Jahren Teil der gleichen politischen Gruppe, aber es kam 1997 zu einer Spaltung. Sie haben ebenfalls eine althusserianische Orientierung.<\/p>\n<p>In dieser Phase haben wir recht \u00e4hnliche Positionen, was in der Vergangenheit nicht der Fall war und wir arbeiten beide in Antarsya. Dann sind auch kleinere Gruppen in Antarsya. Etwa die EKKE (Revolution\u00e4re Kommunistische Bewegung Griechenlands), jetzt eine kleine Gruppe, sie war aber in den 1970er Jahren die zweitgr\u00f6sste maoistische Organisation.<\/p>\n<p>Und dann ARIS, was mit Linke Gruppierung \u00fcbersetzt werden kann, die sich von ARAS abspaltete. Zudem ist es eine wichtige Tatsache f\u00fcr Antarsya, dass in ihr Leute mitarbeiten, die keiner bestimmten Gruppe zugeordnet sind. Im vergangenen Jahr haben sich Initiativen oder Tendenzen oder gemeinsame Stellungnahmen oder Plattformen innerhalb von Antarsya herausgebildet, die Leute repr\u00e4sentierten, die zu keiner Organisation geh\u00f6rten. Dies ist meiner Ansicht nach eine interessante Entwicklung.<\/p>\n<p><b>Und wie funktioniert Antarsya? Gibt es eine vereinigte F\u00fchrung, ein Koordiantionskomitee? Und ist Antarsya mehr als ein Wahlb\u00fcndnis, funktioniert sie auch zwischen den Wahlen?<\/b><\/p>\n<p>Ja, Antarsya beruht auf lokalen Komitees und einigen sektoralen Komitees, die meisten von ihnen jedoch sind auf einer lokalen Ebene organisiert. Sie f\u00fchren Versammlungen, Sitzungen durch, sie stimmen ab \u00fcber strittige Fragen. Wir f\u00fchren nationale Konferenzen durch, an denen wir zwei Organe w\u00e4hlen: Das nationale Koordinationsorgan mit 101 Mitgliedern, das sich je nach Situation alle zwei bis drei Monate trifft und ferner das nationale Koordinationskomitee das jede Woche zusammentritt.<\/p>\n<p><b>Und dies in proportionaler Repr\u00e4sentation?<\/b><\/p>\n<p>Nein, wir hatten etwas, das dem nahe kam. Es ist kompliziert zu erkl\u00e4ren. Auf die n\u00e4chste Konferenz hin haben wir jedoch beschlossen, ein proportionaleres System einzuf\u00fchren, das die verschiedenen Plattformen besser repr\u00e4sentiert, und zwar proportional und nicht, dass der Gewinner alles bekommt.<\/p>\n<p>Bislang hatten wir in System, in dem alle gew\u00e4hlten Vertreter an der Konferenz \u2013 und unsere Konferenzen umfassten achthundert bis tausend Delegierte, die etwa dreitausend Mitglieder repr\u00e4sentieren \u2013 die M\u00f6glichkeit besassen, f\u00fcr eine Minderheit in den gew\u00e4hlten Organen zu stimmen. Dies war in gewisser Weise proportional, aber es konnte zu manipulativen Praktiken f\u00fchren, da gr\u00f6ssere Gruppen die Abstimmungen kontrollieren konnten. Deshalb haben wir uns f\u00fcr Proporzwahlen entschieden.<\/p>\n<p>Was nicht heissen will, dass wir heute die Repr\u00e4sentation nicht weitgehend proportional ist. Wir entschieden uns nach langen Diskussionen f\u00fcr ein proportionales System bez\u00fcglich Plattformen. Obwohl diesbez\u00fcglich weiterhin starke Uneinigkeit besteht, den einige bef\u00fcrchten, dass dadurch die Gefahr einer \u00abF\u00f6deralisierung\u00bb von Antarsya verst\u00e4rkt wird.<\/p>\n<p>Dies ist, alles in allem, eine interessante Debatte. Wir w\u00e4hlen Delegierte an die Konferenzen, die Konferenzen w\u00e4hlen den nationalen Koordinationsausschus und auch das zentrale Leitungskomitee. Und wir stimmen auch ab. In den ersten Jahren ging es mehr darum, eine gemeinsame Grundlage zu finden, aber ich denke, es war ein Fortschritt, abzustimmen. Beispielsweise wurde die Entscheidung f\u00fcr ein breites B\u00fcndnis in den Wahlen in einer Abstimmung getroffen. Dies ist ein demokratischer Fortschritt<\/p>\n<p><b>Und wie geht ihr um mit all den Parasiten, die sich um die Gruppen der revolution\u00e4ren Linken herum ansammeln und nur an Pl\u00fcnderung interessiert sind, die Front nicht als ganze aufbauen wollen, sondern nur einige Mitglieder abwerben wollen, um sich dann wieder abzuspalten \u2013 werden sie einfach ausgeschlossen?<\/b><\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach gibt es in Antarsya keine Gruppe, die so charakterisiert werden kann.<\/p>\n<p><b>Ich denke, es w\u00e4re bemerkenswert, wenn Griechenland das einzige Land auf der Welt w\u00e4re, das keine solchen Parasiten anziehen w\u00fcrde!<\/b><\/p>\n<p>Ich denke nicht. Die anderen Gruppen der antikapitalistischen Linken geh\u00f6ren nicht zu Antarsya, beispielsweise die Arbeiter Revolution\u00e4re Partei oder die maoistischen Gruppen; wir m\u00f6chten, dass sie sich gleichfalls Antarsya anschliessen, obwohl sie diese als Rekrutierungsfeld benutzen. Wenn man eine Front mit einer wirklichen Funktion hat, jeden Tag eingreift, mit einer demokratischen Kultur und Praxis, so w\u00fcrde meiner Ansicht nach eine interessante Wechselwirkung entstehen, wenn eine Gruppe dies als Rekrutierungsfeld benutzen w\u00fcrde; sie w\u00fcrde n\u00e4mlich schlussendlich selbst ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p><b>Lasst uns nun kurz auf den Althusserianismus eingehen, da Du ja \u00fcber die zwei drei Gruppen in Antarsya gesprochen hast, die eine althusserianische Orientierung haben. Und dass dies etws ist, das f\u00fcr kaum jemanden ausserhalb Griechenlands Sinn machen w\u00fcrde, erstens da es viele Fehleinsch\u00e4tzungen \u00fcber die eigene Politik Althussers und sein Verh\u00e4ltnis zur Kommunistischen Partei gibt und, zweitens, weil die Leute nicht verstehen, was denn eine politische Orientierung an Poulantzas sein k\u00f6nnte.<\/b><\/p>\n<p><b>Sie k\u00f6nnen zwar mehr oder weniger verstehen, was eine Orientierung an Gramsci, Trotzki, dem Eurokommunismus sein k\u00f6nnte, eine spezifisch althusserianische Form von Politik, als einer Philosophie der Wissenschaften oder einer Konzeption \u00fcber die Rolle von Philosophie gegen\u00fcberstehend scheint nicht auf der Hand zu liegen. Was ist denn eine spezifische althusserianische Form von Politik \u00fcberhaupt?<\/b><\/p>\n<p>Ich weiss nicht, ob man von einer spezifischen althusserianischen Politik sprechen kann. Wenn ich von Gruppen mit althusserianischen Tendenzen spreche, so meine ich deren spezifischen theoretischen Anleihen bei Althusser, eine besondere Analyse des Staates und der ideologischen Staatsapparate, eine Konzeption der Betonung der Umst\u00e4nde. Es ist eine offene Debatte, ob es sowas wie eine althusserianische Politik geben kann.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde vorschlagen, dass diese Gruppen oder k\u00e4mpferischen Elemente versuchen, marxistisch oder kommunistisch zu sein, dass sie sich auf die M\u00f6glichkeit einer Erneuerung der kommunistischen Strategie hin orientieren.<\/p>\n<p>Es ist interessant zu beobachten, dass, wenn wir \u00fcber Griechenland sprechen, wir \u00fcber ein Land sprechen, wo Altusser und Poulantzas die gesamte Linke beeinflusst haben. Zumindest eine gewisse Variante von Althusser beeinflusste die Innere Kommunistische Partei, gerade ihre Intellektuellen. Dieser Einfluss spielte in der oben erw\u00e4hnten Abspaltung der Jugend von der Inneren Kommunistischen Partei eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Der Einfluss von Altusser ist in wichtigen theoretischen und politischen Zeitschriften sichtbar, wie etwa Politis in den 1970er und 1980er Jahren, oder sp\u00e4ter in Theseis, der theoretischen Zeitschrift, die von\u00a0 John Milios herausgegeben wurde. Das bedeutet, dass dieser Einfluss auf die Jugend in einem spezifischen\u00a0 Vokabular in vielen Str\u00f6mungen der Linken schnell ersichtlich wird.<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte \u2013 als ein ein wenig \u00fcbertriebener Witz \u2013 sagen, dass Althusser in der griechischen Linken in etwa das ist, was Hegel im Deutschland von 1840 war. Es gibt Links-Althusserianer und Rechts-Althusserianer. Zum Beispiel ist Aristide Baltas, der gegenw\u00e4rtige Minister f\u00fcr Bildung und Kultur und traditionell mit Politis und der Universit\u00e4tsbewegung liiert, ein international anerkannter Sch\u00fcler Althussers.<\/p>\n<p><b>So lasst uns jetzt \u00fcber eher unangenehme Themen reden. Von ausserhalb Griechenlands gewinnt man den Eindruck, dass die Wahlresultate von Antarsya beinahe unsichtbar sind, und dass es kaum wirkliche Anzeichen einer substantiellen Verbeserung daf\u00fcr gibt. Was zudem viele Leute der antikapitalistischen Linken aussserhalb Griechenlands beunruhigt, ist nicht so sehr die Existenz von Antarsya oder die Notweendigkeit der Neugruppierung der Linken ausserhalb von Syriza, sondern, erstens, die Weigerung, positiv auf einen Aufruf zur Bildung einer Regierung der Anti-Austerit\u00e4tslinken zu antworten und, spezifischer, das absolute Beharren auf der Notwendigkeit einer permantenten unabh\u00e4ngigen elektoralen Pr\u00e4senz. Und dies trotz der ungeheuren Energie die darauf verwandt wurde, wurden sehr schwache Resultate erzielt. Was ist Deine Antwort auf diese Frage?<\/b><\/p>\n<p>Wie ich bereits oben ausgef\u00fchrt habe, ist es notwendig, durch einen Prozess der Selbstkritik zu gehen. Wenn man allerdings lediglich die Wahlresultate anschaut, so kann man den tats\u00e4chlcihen Einfluss von Antarsya nicht verstehen, ihre Rolle in sozialen Bewegungen, in den Debatten in der Linken, ihren wirklichen politischen Einfluss. Es ist offensichtlich, dass Antarsya und ihre politischen Positionen eine weitaus gr\u00f6ssere Anziehungskraft aus\u00fcben, als in den Wahlresultaten ersichtlich; diese kamen unter einem enormen Druck zustande, so dass wir nicht besser abschneiden konnten.<\/p>\n<p><b>Aber liegt das Problem nicht gerade dort? Alle k\u00f6nnen sehen, dass Antarsya nicht einfach eine kleine unbedeutende Gruppe ist, aber dann ist da der Kontrast zwischen den Wahlresultaten \u2013 diese sind vernichtend \u2013 und dem breiteren Einfluss.<\/b><\/p>\n<p>Diese Problem verweist auch auf den Widerspruch in der Strategie von Antarsya. Wie bereits erw\u00e4hnt, betrachtete man zu Beginn der Krise bis 2009 und 2010 die Neugruppierung und Neuausrichtung der Kr\u00e4fte der antikapitalistischen Linken als ein Ziel an sich. Es war notwendig, die antikapitalistische Linke in einen einheitlicheren Horizont der Erfahrungen und der Praxis zu bringen, mit einer mehr auf die Massen ausgerichteten Linie, ohne dass besonders auf Wahlen geachtet wurde.<\/p>\n<p>Das Problem war nun, dass die radikale Linke nach der Krise offensichtlich ihre Anziehungskraft verbreitern und eine wichtigere Rolle einnehmen sollte. Ich denke, dass unsere Hauptprobleme gerade dort zum Vorschein kamen.<\/p>\n<p>Diese Formulierung muss in der ersten Person plural verstanden werden \u2013 ich m\u00f6chte nicht, dass dies als eine pers\u00f6nliche Kritik an anderen Str\u00f6mungen daherkommt. Wir alle tragen Spuren oder Narben einer ganzen Periode von Krisen der revolution\u00e4ren Linken. Denn, was war die antikapitalistische Linke bis zu jener Periode? Was war die antikapitalistische Linke in den 1990er und 2000er Jahren?<\/p>\n<p>Wie man erkennt, war es eine Linke des Widerstandes, des k\u00e4mpferischen Engagements in den Bewegungen und einer allgemeinen ethischen und ideologischen Verteidigung einer revolution\u00e4ren Perspektive. Sie besass keine koh\u00e4rente Strategie, es handelte sich nicht um eine Linke, die auf die Macht\u00fcbernahme oder auf Hegemonie abzielen konnte und ihr fehlte eine revolution\u00e4re Strategie. Trotz einiger dringender Appelle auf internationaler Ebene \u2013 ich erinnere mich immer noch an den Aufruf vom sp\u00e4ten Daniel Bensaid, die Strategiedebatte zu er\u00f6ffnen \u2013 wurde diese Debatte nie er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>In gewisser Weise kann man sogar behaupten, dass dies das Problem von Syriza war; sie repr\u00e4sentiert ebenfalls eine Linke, obwohl nicht einer antikapitalistischen, an Widerstand und Bewegungen gebundenen und einer generellen ideologischen Verteidigung einer sozialistischen Perspektive. Und innerhalb der Konfrontation von Syriza mit der politischen Macht kommen alle Probleme der rechten Tradition des Eurokommunismus erneut an die Oberfl\u00e4che, seine Perspektive einer fortschrittlichen Regierung und sind nicht in der Lage, sich der Wirklichkeit des Staates zu stellen, ganz zu schweigen von der Problematik der Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde behaupten, dass sich die antikapitalistische Linke in dieser Periode immer noch in einer strategischen Krise befand; dadurch wurden wichtige politische Momente verpasst, entscheidende Momente, als diese Art der Unf\u00e4higkeit, eine Antwort auf die aktuellen Herausforderungen zu haben, im Falle von Antarsya offenkundig wurde. Beispielsweise waren wir die erste Str\u00f6mung in der Linken, die realisierte, dass man ein konkretes Programm der \u00dcbergangsforderungen besitzen m\u00fcsste, das eine Antwort auf die Krise darstellen k\u00f6nnte; radikal und antikapitalistisch zu sein und gleichzeitig ein Gesp\u00fcr f\u00fcr die Unmittelbarkeit zu haben und den Leuten sehr leicht zu vermitteln ist.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6rte die Kombination der sofortigen Einstellung der Zahlungen und der Schuldenannulierung, der Austritt aus der Eurozone, der Bruch mit der Europ\u00e4ischen Union, weitr\u00e4umige Nationalisierungen als Teil eines produktiven Aufbauprojektes. Das waren Dinge, \u00fcber die man mit den Leuten sprechen konnte und sie konnten sich bewusst werden, dass dies gute Einstiegspunkte w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Unterdessen wurde klar, dass ein wichtiger Prozess der Neuausrichtung der Kr\u00e4fte in der Linken aber auch neuer Spaltungen in Gang gekommen war, gerade in der Frage des Euro. Gleichzeitig fehlte uns jede Art von notwendiger K\u00fchnheit f\u00fcr einen offenen Aufruf zur Bildung einer breiteren Koalition, die auf der Annulierung der Schulden, dem Austritt aus dem Euro, Nationalisierungen und einigen allgemeinen Hinweien auf eine sozialistische Perspektive basiert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>In jener Periode w\u00e4re dies m\u00f6glich gewesen. Sofern sich ein solcher Prozess gebildet h\u00e4tte \u2013 und ich sage nicht, dass dies nur unsere Verantwortung war, man k\u00f6nnte die selbe<br \/>\nFrage nach den Optionen der linken Str\u00f6mungen ebenso an die Linken in Syriza stellen \u2013 so h\u00e4tten wir beim Einsetzen der Bewegung eine ganz andere Landschaft in der Linken gehabt, vermutlich ein ganz anderes Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis.<\/p>\n<p>Und dann hatten wir die Bewegung der Besetzung der Pl\u00e4tze. Wir waren daran beteiligt, wir waren jeden Tag auf den Pl\u00e4tzen. Aber wir \u00fcberlegten uns nicht, was wir damit anfangen sollen. Es handelte sich weder um ein simples \u00absoziologisches Ph\u00e4nomen\u00bb, noch war dies einfach jene beeindruckende Konvergenz von politischen Aktivistinnen und Aktivisten mit Leuten, die sich noch nie an einer Bewegung beteiligt hatten. Dies war gleichzeitig ein entscheidender Zeitpunkt der Repolitisierung der Gesellschaft durch diese Inbesitznahme des \u00f6ffentlichen Raumes, wo die Leute nach neuen Formen der Politik suchten.<\/p>\n<p>Wir dachten jedoch nie dar\u00fcber nach, wie wir dies in einen Aufbauprozess f\u00fcr eine neue Linke verwandeln sollten. Wir dachten nie daran. Erst sp\u00e4ter. Zum Beispiel h\u00f6re ich viele Leute, die beeindruckt sind vom Aufstieg von Podemos, und ich denke in einer selbstkritischen Art und Weise dar\u00fcber nach, da bei uns die Bewegung der Platzbesetzungen von 2011 viel gr\u00f6sser war als diejenige der Indignad@s, und sie umfasste die gesamte Linke.<\/p>\n<p>Und nat\u00fcrlich haben wir nicht begriffen, dass es damals um die Frage der Macht ging. Wir begriffen das nicht. Wir traten in die Wahlperiode von 2012 und dachten, wir w\u00e4ren damals die beste Opposition gegen die systemischen Parteien. Tats\u00e4chlich war die politische Krise so tief, und die Leute hatten nach zwei Jahren intensiver K\u00e4mpfe \u2013 bei denen wir alle traditionellen und nicht-traditionellen Druckmittel auf die Regierung eingesetzt hatten &#8211;\u00a0 begriffen, dass nur ein politischer Bruch \u00fcberhaupt ein Ende der Austerit\u00e4t herbeif\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Jemand h\u00e4tte f\u00fcr sie eine entsprechende Strategie des Bruchs anbieten m\u00fcssen, im Namen eines Anspruchs auf Regierungsmacht. Zu jenem Zeitpunkt verf\u00fcgten wir nicht \u00fcber diese Position, im Gegensatz zu Syriza. Ich weiss nicht, ob Syriza \u00fcber eine Art Einsicht dazu kam oder durch eine Art opportunistischem elektoralem Maximalismus, um den Druck von anderen Tendenzen zu \u00fcberleben. Und sie passte hinein, sie war die fehlende Referenz in der politischen Krise.<\/p>\n<p>Ja, es ging um die Machtfrage, und dadurch wurde eine neue politische Entwicklung eingeleitet. Die antikapitalistische Linke stellte sich dieser Herausforderung nicht, da sie \u00fcber keine eigentliche revolution\u00e4re Strategie verf\u00fcgte. Und dies, weil wir nie eine ernsthafte Diskussion dar\u00fcber f\u00fchrten, wie in einer fortgeschrittenen kapitalistischen Gesellschaft die Regierungsgewalt mit Formen der Macht des Volkes von unten kombiniert werden kann; dies dann w\u00e4re Teil einer sehr entwickelten und originellen Version der Doppelmachtstrategie. Wir dachten einfach nicht \u00fcber diese Fragen nach.<\/p>\n<p>Selbst nach 2012 nach dem Wahlschock, sowohl in seinen positiven wie in seinen negative Aspekten, vermieden wir weiterhin die Ausarbeitung einer Strategie. Wie kann man eine n\u00fctzliche Stimme abgeben, wenn bei der Er\u00f6ffnung eines Wahlzyklus bereits eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass daraus eine Syriza Regierung hervorgehen k\u00f6nnte? Keine Stimme der ideologischen Bindung, sondern eine Stimme, die im parlamentarischen System von Nutzen ist?<\/p>\n<p>Sofern man eine eigene originelle Position hinsichtlich einer Links-Regierung h\u00e4tte, in der Art eines Programmes und einer Politik, die daf\u00fcr erforderlich w\u00e4ren, dann w\u00e4re man in der Lage, zu sagen: \u00abGut, wir stimmen f\u00fcr euch, denn wenn wir das entscheidende Element im Parlament sind, so k\u00f6nnen wir in diese Richtung dr\u00e4ngen oder wir k\u00f6nnen andernfalls die n\u00fctzliche Opposition im Parlament sein\u00bb.<\/p>\n<p>Doch wir entwickelten keine Interpretation der Lage. Selbst die Frage, ob Antarsya sich mit anderen Kr\u00e4ften verb\u00fcnden sollte, die nahe zu Antarsya stehen \u2013 Anti-Euro Sozialisten oder Kommunisten, andere Kr\u00e4fte \u2013 so brauchten wir zu lange, um zu entscheiden. Es gab eine sehr schicksalshafte Verschleuderung von politischer Zeit und von politischem Kapital in diesen Fragen, bis wir es schafften, zu einem einheitlicheren Auftreten zu kommen.<\/p>\n<p>Somit haben die Leute sich nicht abgewendet, da sie dachten, wir seien paranoide Linke oder Klassenverr\u00e4ter. Sie taten dies, weil sie sich sagten: \u00abJa, ihr sagt Dinge, die korrekter oder zutreffender sind. Aber hier geht es um eine Wahlfrage, wir brauchen eine n\u00fctzliche Stimme\u00bb.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen all dies ber\u00fccksichtigen, dar\u00fcber nachdenken und zu \u00e4ndern versuchen. Es geht nicht darum, ob man Fehler macht, sondern darum, aufzuh\u00f6ren, immer die selben Fehler zu machen \u2013 darum geht es auch im Leben, nicht nur in der Politik. In Griechenland stehen wir an einem entscheidenden Punkt, im Sinne, dass das Spiel noch nicht aus ist.<\/p>\n<p>Wir befinden uns nicht im Jahre 1981. Damals war die Pasok hegemonial. Sie setzte ein Programm der reformistischen Linken in die Praxis um, ein Programm des Wohlfahrtsstaates mit kapitalistischer Modernisierung. Niemand konnte eine Alternative anbieten. Deshalb konnte Pasok die Linke verk\u00f6rpern und korrumpieren. Heute ist es anders. Die neue Regierung steht unter ungeheurem Druck seitens der Europ\u00e4ischen Union und wir sind einem andauernden zynischen Staatsstreich gegen den souver\u00e4nen Willen des griechischen Volkes ausgesetzt.<\/p>\n<p>Selbst heute jedoch, in dieser Periode der Verhandlungen, ob sie nun bis Juni oder l\u00e4nger dauert, gibt es einen Raum f\u00fcr Alternativen. Eine Alternative, die eine Antwort auf diese Widerspr\u00fcche darstellt, kein Ausdruck theoretischer und politischer Tr\u00e4gheit, wie sie die sehr einfache linke Kritik darstellt, im Tonfall: \u00abDas sind ja doch nur Verr\u00e4ter, sie werden scheitern\u00bb, da dies nur eine Ausrede sein kann, um nichts zu tun.<\/p>\n<p>Ich spreche \u00fcber eine wirkliche Anstrengung, eine Alternative darzustellen, im Sinne, was es heute in Griechenland bedeuten w\u00fcrde, wenn die Dinge einen anderen Verlauf n\u00e4hmen, um diese geschichtliche Chance nicht zu verfehlen, um nicht durch die Europ\u00e4ische Union und das internationale Kapital geschlagen zu werden.<\/p>\n<p>Wir brauchen konkrete Vorschl\u00e4ge daf\u00fcr, was eine wirkliche Links-Regierung in der Schuldenfrage tun soll, mit dem Euro, mit Nationalisierungen, usw. Wir brauchen einen Vorgehensplan f\u00fcr den Austritt aus dem Euro, dar\u00fcber, wie wir gegen\u00fcber der Europ\u00e4ischen Union den Gehorsam verweigern, in sehr spezifischer und praktischer Ausmalung, f\u00fcr die Nationalisierungen, usw. Wir brauchen konkrete Vorschl\u00e4ge f\u00fcr eine Verfassungsreform und wie die grundlegenden Reformen der Institutionen kombiniert werden k\u00f6nnen mit neuen Formen der Interventionen der sozialen Bewegungen.<\/p>\n<p>Diese Art von politischer Arbeit ist heute notwendig. Wir brauchen keine Politik der theoretischen und politischen Tr\u00e4gheit und einer simplen Kritik der M\u00e4ngel der Regierung. Die Kritik an Syriza ist nat\u00fcrlich notwendig und das Beharren auf dieser Kritik, aber wir m\u00fcssen auch eine Alternative entwickeln.<\/p>\n<p>Dies steht auf dem Spiel, wenn wir ein Teil der L\u00f6sung des Problems sein wollen. Denn wenn dieser historische Zyklus in einer vollen Wiederherstellung der kapitalistischen Herrschaft im politischen Sinne endet, dann werden wir alle an der Niederlage teilhaben. Das Volk wird uns alle gleichermassen f\u00fcr verantwortlich daf\u00fcr halten, dass wir die Chance verpasst haben, Griechenland in das schw\u00e4chste Glied der europ\u00e4ischen Kette verwandelt zu haben.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich gibt es eine breitere historische Dimension in diesem Problem. Dies ist die Herausforderung f\u00fcr Antarsya, f\u00fcr die Anti-EU Kr\u00e4fte im Allgemeinen, und in einer gewissen unterschiedlichen Art f\u00fcr die linken, antikapitalistischen Kr\u00e4fte innerhalb von Syriza. Wir m\u00fcssen Wege finden, die Alternative zu entwickeln, so lautet aus meiner Sicht die Herausforderung.<\/p>\n<p><b>Weshalb habt ihr nicht mit Syriza zusammengearbeitet? H\u00e4tte dies nicht als eine Taktik der \u00abEinheitsfront\u00bb verstanden werden k\u00f6nnen?<\/b><\/p>\n<p>Der Grund daf\u00fcr liegt gerade in der Frage der Strategie. Die wichtigste Trennlinie in der heutigen griechischen Gesellschaft geht nicht einfach um die Frage der Austerit\u00e4t. Es geht eher darum, ob es zu einem Bruch mit der f\u00fcnfzigj\u00e4hrigen Meistererz\u00e4hlung der griechischen Bourgeoisie kommt, n\u00e4mlich mit der Zugeh\u00f6rigkeit zum \u00abEurop\u00e4ischen Integrationsprozess\u00bb.<\/p>\n<p>Heute w\u00fcrde der Austritt aus dem Teufelskreis von Austerit\u00e4t, Rezession und Schulden vor allem auf einen Bruch mit dem eingebauten Neoliberalismus und der neoliberalen Natur der EU und der Eurozone hinauslaufen. Und dort werden auch die M\u00e4ngel des Eurozentrismus der F\u00fchrungsgruppe von Syriza sichtbar.<\/p>\n<p>Wir pochen darauf, dass eine fortschrittliche und demokratische L\u00f6sung der griechischen Krise in erster Linie ein Programm der Br\u00fcche erfordert, und dass diese notwendige Strategie der Br\u00fcche durch einen autonomen politischen Pol der radikalen Anti-EU Linken ausgearbeitet und repr\u00e4sentiert werden muss.<\/p>\n<p>Dies bedeutet jedoch keinerlei traditionelles Sektiertum. Wir wissen auch sehr gut, dass viele politische Aktivistinnen und Aktivisten in der Linken Plattform von Syriza auf \u00e4hnlichen Positionen sind. Wir arbeiten auf einen Dialog und eine Koordination mit ihnen hin, und wir sind selbstverst\u00e4ndlich sehr an den Debatten nicht nur in Syriza, sondern auch in dem breiten sozialen B\u00fcndnis, das Syriza elektoral repr\u00e4sentiert, interessiert. Wir haben uns seit je f\u00fcr eine Zusammenarbeit innerhalb der Bewegung entschieden. Dies erfordert jedoch die notwendige politische Autonomie dieser radikalen Alternative, damit die Debatten und ganz allgemein das politische und ideologische Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis in der gesamten griechischen Linken beeinflusst werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bedeutet dies, dass wir der Einheitsfrontpolitik absagen? Nein, aber eine Einheitsfront kann nicht ohne programmatische Grundlage und ohne eine zusammenf\u00fchrende Erz\u00e4hlung, die sich auf die grundlegenden Differenzen in allen wichtigen historischen Etappen bezieht, aufgebaut werden. Im\u00a0 Falle Griechenlands schliesst dies die Frage der Beziehung Griechenlands zur Europ\u00e4ischen Union ein, die Problematik einer Alternative zum \u00abeurop\u00e4ischen Weg\u00bb.<\/p>\n<p>Ich nehme nicht an, dass wir heute einfach eine Front der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte ben\u00f6tigen. Dies gilt gerade in der Situation, in der sich Griechenland befindet. Diesbez\u00fcglich mag ich anderer Auffassung sein, als einige Genossinnen und Genossen in Antarsya. Wir ben\u00f6tigen eine Front der radikalen Linken, die auf einer notwendigen Strategie der Br\u00fcche beruht, eine Front, die notwendigerweise in sich widerspr\u00fcchlich ist und in der die antikapitalistischen Kr\u00e4fte um die Hegemonie k\u00e4mpfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Eine solche Front, die versuchen w\u00fcrde, zur f\u00fchrenden Kraft einer breiten gesellschaftlichen Allianz zu werden, einem \u00abhistorischen Block\u00bb, ist unverzichtbar, wenn wir die historische Chance, die sich in Griechenland er\u00f6ffnet hat, tats\u00e4chlich nutzen wollen. Syriza ist jedoch bei weitem keine solche Front; von daher ist f\u00fcr die Linke ein alternative Projekt erforderlich, weder in Richtung\u00a0 \u00abRealismus\u00bb noch in die Richtung Sektierertum.<\/p>\n<p><b>Wie sch\u00e4tzt Du die aktuelle Lage und die Syriza-ANEL-Regierung ein? Welche Position sollte Antarsya einnehmen?<\/b><\/p>\n<p>Nun, in den ersten Monaten wurde klar, welchem Druck die Syriza-ANEL Regierung seitens der Gl\u00e4ubiger Griechenands hinsichtlich mehr Austerit\u00e4t und neoliberale Reformen ausgesetzt ist. Die EU und der IWF verweigern der griechischen Regierung die M\u00f6glichkeiten, ihr sehr bescheidenes und nicht sehr radikales Programm umzusetzen. Sie benutzen die Finanzspritzen der EZB als Mittel, die neue Regierung zu erpressen, damit sie die gleiche Politik der sozialen Zerst\u00f6rung fortf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Das Kalk\u00fcl hinter diesem Druck ist nicht technischer sondern politischer Art: Die Botschaft zu vermitteln, dass niemand dem extrem strengen Neoliberalismus ausweichen kann, den die f\u00fchrenden Kr\u00e4fte in der EU heute als Normalit\u00e4t ansehen. Das Problem mit der gegenw\u00e4rtigen griechischen Regierung ist ihr Beharren darauf, dass es m\u00f6glich sei, mit der EU und dem IWF einen Weg aus der Austerit\u00e4t zu verhandeln, ohne dabei die Eurozone verlassen zu m\u00fcssen und dabei trotzdem den Schuldverpflichtungen nachzukommen.<\/p>\n<p>Dies hat zu eher qu\u00e4lenden Anstrengungen gef\u00fchrt, die n\u00f6tigen Summen aufzutreiben, um die Anleihen zur\u00fcckzuzahlen und zu einer Serie von Verhandlungen mit den Repr\u00e4sentanten der \u00abInstitutionen\u00bb gef\u00fchrt &#8211; der ber\u00fcchtigten Troika -, die nur zu einem anhaltenden Druck f\u00fcr weitere Zugest\u00e4ndnisse und Kompromisse und zu einem Aufschub bei der Umsetzung von wichtigen Wahlversprechen von Syriza gef\u00fchrt haben. In diesem Sinne wird jedes neue Abkommen mit der EU und dem IWF und jedes neue Anleiheprogramm von Verpflichtungen zu noch mehr Austerit\u00e4t und noch mehr neoliberalen Reformen begleitet sein.<\/p>\n<p>Dies ist nicht einfach ein grosses Kr\u00e4ftemessen mit unseren Gl\u00e4ubigern, wo die Regierung die Wahl zwischen Kapitulation und heroischem Ausstieg hat. Es besteht durchaus die M\u00f6glichkeit endloser Verhandlungen, die in eine Sackgasse f\u00fchren; die andauernde Gefahr der Zahlungsunf\u00e4higkeit wird durch eine weitere tempor\u00e4re L\u00f6sung in letzter Minute hingehalten, nacdem die griechische Regierung weitere Zugest\u00e4ndnisse gemacht hat. Und es dreht sich die Spirale in die n\u00e4chste Sackgasse, mit weiteren Zugest\u00e4ndnissen usw.<\/p>\n<p>Wir brauchen gegen\u00fcber der Regierung eine konstruktive linke Opposition, eine Kritik ihrer Strategie und ihren taktischen Z\u00fcgen im Namen der sich er\u00f6ffnenden historischen M\u00f6glichkeiten, letztendich einer noch die dagewesenen Welle von sozialen K\u00e4mpfen. Dies erfordert einen systematischen Versuch, konkrete Alternativen vorzuschlagen, die einen anderen Verlauf der Dinge erm\u00f6glichen w\u00fcrden, von den wichtigen Fragen des Verh\u00e4ltnisses zur EU bis zu den Herausforderungen, die sich im allt\u00e4glichen Leben stellen.<\/p>\n<p>Diese Art einer konstruktiven Opposition unterscheidet sich grunds\u00e4tzlich von der Taktik der Kommunistischen Partei, die Syriza nicht nur als b\u00fcrgerliche Alternative darstellt und dabei die vergangenen f\u00fcnf Jahre sehr def\u00e4tistisch interpretiert; sie untersch\u00e4tzt damit die Wichtigkeit der Massenk\u00e4mpfe und der massenweisen Verschiebungen bez\u00fcglich der politischen Repr\u00e4sentation. Dies stellt ein extremes Beispiel von \u00abpolitischem Subjektivismus\u00bb dar, indem die Kommunistische Partei eine spezifische historische Situation allein aufgrund ihres eigenen Einflusses beurteilt!<\/p>\n<p>In einigen Segmenten der antikapitalistischen Linken besteht auch die Gefahr, Syriza einfach nur anzuprangern und die Regierung als eine potientiell sozialliberale Regierung zu behandeln. Nach meiner Auffassung w\u00e4re dies ein Fehler, denn sie untersch\u00e4tzt das Ausmass, in dem die neue Situation sich durch die Erwartungen und Forderungen der unteren Klassen weiterentwickeln kann. Schlussendlich stellt sich dann die Niederlage und die Kapitulation der Regierung als eine sich selbst bewahrheitende Voraussage ein. Man k\u00f6nnte zur Ansicht gelangen, dass da eine gewisse theoretische und politische Faulheit besteht, \u00fcber die Situation nachzudenken, ohne konkrete Alternativen zur Orientierung auf Europa auszuarbeiten, jenseits einer simplen antikapitalistischen Phrasendrescherei, einer Faulheit, die Trost sucht, indem sie einfach nur anprangert und auf die unvermeidliche Niederlage wartet.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber der simplen Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Regierung und deren eindimensionalen Anprangerung ist deshalb ein Versuch erforderlich, \u00fcber eine Strategie der Br\u00fcche als einer Strategie des Aufbaus eines \u00abhistorischen Blockes\u00bb zu arbeiten. Das Auftauchen von breiten B\u00fcndnissen im Kampf der Arbeiterklasse, der Kulter und der Wissenschaft, der neuen Politisierung der griechischen Gesellschaft, der verschiedenen Formen des Experimentierens mit neuen gesellschaftlichen Praktiken \u2013 all dies best\u00e4tigt die M\u00f6glichkeit eines neuen historischen Blocks, der die f\u00fchrende Rolle in der griechischen Gesellschaft einnehmen, und ein neues Narrativ jenseits des aktuell existierenden Neoliberalismus und in Richtung einer neuen sozialistischen Perspektive ausdr\u00fccken kann.<\/p>\n<p>Es liegt auf der Hand, dass die Strategie der Verhandlungen, wie sie von der F\u00fchrungsgruppe von Syriza eingeschlagen wurde und die gesamte programmatische Orientierung auf eine Lockerung der Austerit\u00e4t (mit der Schaffung eines sozialen Auffangnetzes als Grundlage eines neuen Zyklus von Investition und Wachstum) innerhalb der Eurozone dieser Herausforderung nicht gewachsen ist. Dasselbe gilt jedoch ebenfalls f\u00fcr die simple antikapitalistische Rhetorik.<\/p>\n<p>Wir ben\u00f6tigen eine programmatische Arbeit an einem Plan f\u00fcr den Bruch mit dem Euro und der EU, und \u00fcber die Frage, wie eine linke Regierung an eine starke Bewegung gebunden werden soll, \u00fcber die Formen der Macht des Volkes von unten in einer zeitgem\u00e4ssen Auspr\u00e4gung einer Strategie der Doppelmacht, dar\u00fcber, wie ein grunds\u00e4tzlicher, demokratischer Umbau der Institutionen anzugehen ist, wie und was von den gegenw\u00e4rtigen Erfahrungen in der Selbstverwaltung und der gesellschaftlichen Solidarit\u00e4t zu lernen ist.<\/p>\n<p><b>Weshalb beharrst Du so auf dem Bruch mit dem Euro und der EU?<\/b><\/p>\n<p>Das Ausmass und die Tiefe der griechischen Krise kann nicht unter Ausklammerung der \u00abEurop\u00e4ischen Integration\u00bb verstanden werden. Die griechische Krise und die soziale Zerst\u00f6rung aufgrund der Sparpakete sind ein Ausdruck des zutiefst undemokratischen Charakters und des inh\u00e4renten Neoliberalismus des Prozesses der europ\u00e4ischen Integration. Griechenland ist seit 2010 ein riesiges Versuchslabor f\u00fcr die europ\u00e4ischen Institutionen, die M\u00f6glichkeiten eines gewaltsamen sozialen Paradigmenwechsel auszutesten. Dies ist nicht die Ausnahme; es wird im Rahmen der EU zum Normalfall werden. Der Euro und die europ\u00e4ischen Vertr\u00e4ge sind weder einfach technische noch monet\u00e4re Angelegenheiten. Sie f\u00fchren in Verh\u00e4ltnisse von begrenzter Souver\u00e4nit\u00e4t, die die aggressivsten Formen kapitalistischer Strategien beg\u00fcnstigen sollen.<\/p>\n<p>In dieem Sinne ist der Kampf gegen den Euro und die EU auch ein Kampf zur Wiederherstellung der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t. Dieser antidemokratische und disziplinierende Aspekt der europ\u00e4ischen Integration wird in den Vertr\u00e4gen und den Mechanismen in der Eurozone offenkundig, mit ihren Strafmechanismen bei grossen Haushaltsdefiziten und auch in der Logik dieses gewaltt\u00e4tigen Vorgehens beim Aufbau des Nationalstaates (Griechenland wurde als eine Art gescheiterter Staat behandelt).<\/p>\n<p>In diesem Sinne kann gesagt werden, dass die Frage der Volkssouver\u00e4nit\u00e4t eine Klassenfrage wird. Wir brauchen eine demokratische Volkssouver\u00e4nit\u00e4t, im Sinne einer demokratischen Kontrolle gegen\u00fcber der systemischen Gewalt des internationalisierten Kapitals.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist uns die Problematik des Begriffs Volkssouver\u00e4nit\u00e4t bewusst, gerade in ihrer Verbindung mit Nationalismus, Rassismus, Kolonialismus. Ich spreche hier jedoch \u00fcber eine Volkssouver\u00e4nit\u00e4r, die auf einem gesellschaftlichen B\u00fcndnis beruht, im Unterschied von b\u00fcrgerlichen Vorstellungen davon. Einem B\u00fcndnis von breiten Kr\u00e4ften, die Lebensbedingungen, die Solidarit\u00e4t und den gemeinsamen Kampf der unteren Klassen teilen, eine Neuerfindung des \u00abVolkes\u00bb (oder gar der \u00abNation\u00bb) als einem kollektiven Subjekt des Kampfes und der Befreiung.<\/p>\n<p><b>Wie ist das Verh\u00e4ltnis von Antarsya zu den sozialen Bewegungen?<\/b><\/p>\n<p>Antarsya ist in den meisten sozialen Bewegungen aktiv gewesen. Abgesehen von unserer Basis in der Studentenbewegung haben wir eine starke Pr\u00e4senz in der Gewerkschaftsbewegung, in der antifaschistischen Bewegung, wie auch in lokalen Bewegungen und Initiativen, deshalb wohl das relaiv gute Wahlresultat von Antarsya in Regional- und Gemeindewahlen. Wir haben ja eine starke Kultur des Aktivismus in Antarsya, und man k\u00f6nnte sagen, dass einer der Gr\u00fcnde, dass wir als Tendenz innerhalb der Linken respektiert werden, der Qualit\u00e4t und dem Dynamismus dieses Aktivismus zuzuschreiben sind.<\/p>\n<p>Dies hat auch zu tun mit der unsektiererischen Haltung der politischen Aktivistinnen und Aktivisten von Antarsya in den Bewegungen und in den Gewerkschaften. Ihre Achtung vor der notwendigen Autonomie und Demokratie in den Bewegungen und ihre Betonung der Einheit im Kampfe steht im Gegensatz zu dem Sektierertum der Kommunistischen Partei, mit deren Beharren auf getrennten \u00abKlassengewerkschaften\u00bb, getrennten Massenversammlungen, getrennten Aktionstagen, was lediglich zu unn\u00f6tigen Spaltungen gef\u00fchrt hat und zu einer Unf\u00e4higkeit, die Kr\u00e4fte in entscheidenden Momenten zu koordinieren.<\/p>\n<p>Das heisst, dass unser wichtigstes Ziel darin besteht, auf die eine oder andere Weise zuerst mal \u00fcberhaupt eine Bewegung zu haben, Massenbeteiligung und Massenmobilisierung, eine Ausweitung der K\u00e4mpfe und auf diesem Weg die politischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndern zu k\u00f6nnen. Und nicht umgekehrt. Dieses Beharren auf der Notwendigkeit von siegreichen Bewegungen bedeutet selbstverst\u00e4ndlich, dass wir uns wirklich mit all der entsprechenden Verantwortung engagieren, und in den Bewegungen nicht einfach nur als aussenstehende Agitatoren oder Unterst\u00fctzer mitarbeiten, oder sie nur als Rekrutierungsfeld benutzen.<\/p>\n<p><b>Welche Lehren k\u00f6nnen wir angesichts der Krise der antikapitalistischen Linken und deren m\u00f6glichen Neuzusammensetzung aus der griechischen Erfahrung ziehen?<\/b><\/p>\n<p>Es gibt wichtige Lehren aus der griechischen Erfahrung. Ich weise hin auf die M\u00f6glichkeit, dass spezifische Situationen eintreten k\u00f6nnen, in denen soziale und wirtschaftliche Krisen zusammen mit wichtigen Abfolgen von K\u00e4mpfen und Protest in eine Krise der Hegemonie f\u00fchren k\u00f6nnen, die ihrerseits die f\u00fcr die Interventionen der Linken wichtige Herausforderungen und Chancen bieten.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wurde auch offensichtlich, ausser wenn die antikapitalistische Linke sich den Herausforderungen stellt, eine Situation entstehen kann, wo die reformistische Linke die Initiative ergreifen kann. In solchen Momenten ist der politische Aktivismus in den Bewegungen nicht genug. Dann wird die politische Strategie und ein Programm zum entscheidenden Angelpunkt, sich \u00fcber das Potential jedes geschichtlichen Wendepunktes Klarheit zu verschaffen.<\/p>\n<p>Man kann sagen, dass die griechische Krise auch als Lakmustest f\u00fcr die M\u00e4ngel einer bestimmten Art von antikapitalistischer Politik diente, die auf einer Kombination von anti-neoliberalem Widerstand und einer generellen ideologischen Verteidigung des Sozialismus beruhte. Was wir ben\u00f6tigen, ist eine antikapitalistische Linke, die sich der Herausforderung von Hegemonie und Macht stellt und versucht, in Begriffen von potentiellen historischen Bl\u00f6cken zu denken.<\/p>\n<p>Nur schon die Tatsache, dass vor dem Hintergrund einer tiefen Krise des Neoliberalismus und dem erneuten weltweiten Aufkommen von Massenbewegungen die meisten Str\u00f6mungen der antikapitalistischen Linken, zumindest in Europa, sich selbst in einer strategischen und ideologischen Krise befinden, sich in verschiedenen Formen des internen Streits verfangen und an die Grenzen ihrer organisatorischen Krise gelangt sind, dies alles macht einen Prozess der kollektiven Selbstkritik extrem dringlich, wie auch Versuche, auf unterschiedlichem Wege Politik zu machen, zu denken und zu erproben.<\/p>\n<p>Ein wichtiger Aspekt dieses Prozess der Selbstkritik muss darin bestehen, dass wir in der aktuellen Situation nicht in Begriffen von historischen Str\u00f6mungen denken und nicht an traditionellen Versionen des Aufbaus von Organisationen als embrionaler Form der Partei festhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wir brauchen stattdessen einen neuen konstituierenden Prozess f\u00fcr eine antikapitalistische Linke, die sich abst\u00fctzt auf eine n\u00fcchterne Analyse der Situation, eine Selbstkritik hinsichtlich unserer fr\u00fcheren Politisierung, eine politische und theoretische Konfrontierung mit den offenen Fragen der Strategie und insbesondere die Dialektik zwischen \u00dcbergangsprogramm, linker Regierung und Massenbewegung als Teil einer revolution\u00e4ren Strategie.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen dringend die Strategiedebatte er\u00f6ffnen, ausgehend von einer wirklichen Konfrontation mit den dringenden Tagesfragen; einer Ablehnung einer simplen R\u00fcckkehr zur Autorit\u00e4t der Klassiker; einem Versuch, Begriffe wie \u00abArbeiterkontrolle\u00bb von Schlagw\u00f6rtern in politische Prozesse und sorgf\u00e4ltige konkrete Ausarbeitungen zu \u00fcberf\u00fchren; dem Festhalten an der Erarbeitung von Einsch\u00e4tzungen der Erfahrungen der Bewegungen und der widerspr\u00fcchlichen Erfahrungen der linken Regierungen in Lateinamerika; und einem Nachdenken \u00fcber die notweendige Dialektik zwischen \u00abStellungskrieg\u00bb \u00abBewegungskrieg\u00bb im Zusammenhang mit der neoliberalen \u00abpassiven Revolution\u00bb und der Krise des neoliberalen Paradigmas.<\/p>\n<p>Bei alldem muss die Tatsache akzeptiert werden, dass alle gegenw\u00e4rtigen Organisationen der antikapitalistischen Linken lediglich Bruchst\u00fccke einer langen Geschichte der Krise der revolution\u00e4ren Bewegung sind, und nicht als die einzigen Tr\u00e4ger der politischen Wahrheit gelten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund nimmt die Form der Front eine strategische Rolle ein in diesem Prozess der notwendigen Neuzusammensetzung der revolution\u00e4ren Linken. Wir ben\u00f6tigen demokratische Fronten, die verschiedene Str\u00f6mungen, Gruppen, Empfindlichkeiten, Erfahrungen der antikapitalistischen Linken anziehen und eingliedern und die helfen kann, neue politische Synthesen herauszubilden, die der neuen Situation eher gewachsen sind.<\/p>\n<p>Diese Konzeption der demokratischen Front als einem Laboratorium f\u00fcr die kollektive Ausarbeitung einer Strategie und f\u00fcr die \u00dcbersetzung der Erfahrungen der Bewegungen in Praktiken einer Massenpolitik ist in der Tat etwas sehr Wichtiges. Die Geschichte von Antarsya als einer demokratischen Front kann, trotz ihrer vielen M\u00e4ngel, viel zu dieser Debatte beitragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Griechenland hat \u2013 vielleicht abgesehen von Argentinien &#8211;\u00a0 die weltweit gr\u00f6sste und vielf\u00e4ltigste antikapitalistische Linke. Diese ist ein Produkt von jahrzehntelangen K\u00e4mpfen und Spaltungen und einer reichen anarchistischen und kommunistischen Tradition. Gegen\u00fcber der Fragmentierung<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[7,5],"tags":[25,10,43,4],"class_list":["post-593","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-international","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-breite-parteien","tag-griechenland","tag-strategie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=593"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/593\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":594,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/593\/revisions\/594"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}