{"id":6000,"date":"2019-09-07T11:08:59","date_gmt":"2019-09-07T09:08:59","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6000"},"modified":"2019-09-07T11:09:00","modified_gmt":"2019-09-07T09:09:00","slug":"neuausrichtung-der-tuerkei-in-den-imperialistischen-konflikten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6000","title":{"rendered":"Neuausrichtung der T\u00fcrkei in den imperialistischen Konflikten?"},"content":{"rendered":"<p><em>Ulas Atesci. <\/em>Der \u00dcberraschungsbesuch des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdogan in Moskau am 27. August zeigte die wachsende bilaterale milit\u00e4rische Zusammenarbeit zwischen der T\u00fcrkei, einem NATO-Mitgliedstaat, und Russland. In Moskau<!--more--> schlug er vor, russische Flugabwehrraketen und m\u00f6glicherweise Kampfflugzeuge zu kaufen, was zu Spannungen mit den imperialistischen Verb\u00fcndeten der T\u00fcrkei in Washington und Europa f\u00fchrte.<\/p>\n<p>Trotz Erdogans Reise bleiben die t\u00fcrkisch-russischen Beziehungen \u00e4u\u00dferst angespannt. Das ungeplante Treffen zwischen Erdogan und dem russischen Pr\u00e4sidenten Vladimir Putin fand inmitten der Konfrontation zwischen t\u00fcrkischen Armeeeinheiten und den von Russland unterst\u00fctzten Streitkr\u00e4ften der Regierung des syrischen Pr\u00e4sidenten Bashar al-Assad in der syrischen Provinz Idlib statt. Washington und Ankara arbeiten an Pl\u00e4nen, die territoriale Integrit\u00e4t Syriens zu verletzen und in Nordostsyrien einzudringen, um dort eine \u201eSicherheitszone\u201c einzurichten.<\/p>\n<p>Am 19. August wurde ein Milit\u00e4rkonvoi der t\u00fcrkischen Armee von der syrischen Luftwaffe angegriffen, angeblich wegen Unterst\u00fctzung der Islamisten. Zuvor hatte das Assad-Regime die t\u00fcrkische Regierung beschuldigt, sie h\u00e4tte versucht, die mit al-Qaida verbundenen K\u00e4mpfer in der Provinz Idlib zu retten, die nun seit Wochen von Damaskus und Moskau angegriffen werden. W\u00e4hrend syrische Streitkr\u00e4fte die Stadt Khan Sheikhoun von den mit al-Qaida verbundenen Gruppen zur\u00fcckeroberten, war die t\u00fcrkische Milit\u00e4rbasis Morek im S\u00fcden Idlibs von Damaskus-treuen Kr\u00e4ften umzingelt. Berichten zufolge befinden sich etwa 200 t\u00fcrkische Soldaten auf der Basis.<\/p>\n<p>In Moskau versuchten Erdogan und Putin jedoch, diese Konflikte herunterzuspielen. Zum Brennpunkt Idlib sagte Putin: \u201eRussland und die T\u00fcrkei arbeiten im Astana-Prozess eng mit dem Iran zusammen\u2026 Der Pr\u00e4sident der T\u00fcrkei und ich haben weitere gemeinsame Ma\u00dfnahmen zur Neutralisierung terroristischer Brutst\u00e4tten in Idlib und zur Normalisierung der Situation sowohl in dieser Zone als auch im restlichen Syrien ausgearbeitet.\u201c<\/p>\n<p>Die Antwort von Erdogan zeigte, dass die Differenzen zwischen den beiden L\u00e4ndern fortbestehen: \u201eWir k\u00f6nnen unsere Verantwortung f\u00fcr das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2018\/09\/19\/syri-s19.html\"><strong>Sotschi-Abkommen<\/strong><\/a>\u00a0nur dann wahrnehmen, wenn das Regime seine Angriffe einstellt\u2026 Die Provokationen des Regimes haben das Leben unserer Soldaten in der Region gef\u00e4hrdet.\u201c Die syrische staatliche Nachrichtenagentur SANA berichtete jedoch \u00fcber Erdogans Besuch in Moskau, dass \u201eeine milit\u00e4rische Quelle die Annahme eines Waffenstillstands in der Deeskalationszone von Idlib ab Samstagmorgen angek\u00fcndigt hat\u201c.<\/p>\n<p>Dennoch sieht Washington die vertieften Beziehungen Ankaras zu Moskau mit Sorge. Vor Erdogans Besuch in Moskau gab Washington eine offizielle Erkl\u00e4rung ab, in der es sein Angebot, Raketenabwehrsysteme vom Typ Patriot an die T\u00fcrkei zu verkaufen, zur\u00fcckzog, nachdem die T\u00fcrkei russische S-400-Flugabwehrraketen gekauft hatte. \u201eWir haben der T\u00fcrkei immer wieder gesagt, dass unser neuestes PATRIOT-Angebot zur\u00fcckgezogen w\u00fcrde, wenn sie das System S-400 \u00fcbernehmen w\u00fcrde. Unser PATRIOT-Angebot ist abgelaufen\u201c, erkl\u00e4rte ein Beamter des US-Au\u00dfenministeriums am 22. August gegen\u00fcber CNN.<\/p>\n<p>Am 6. Juni schrieb der amtierende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan einen Brief an seinen t\u00fcrkischen Amtskollegen Hulusi Akar, in dem er drohte, die milit\u00e4rische Zusammenarbeit mit der T\u00fcrkei, insbesondere im Zusammenhang mit dem F-35 Kampfflugzeugprogramm, einzustellen und die T\u00fcrkei mit einer Vielzahl von Sanktionen zu belegen.<\/p>\n<p>Nach der Lieferung der ersten Charge russischer S-400-Flugabwehrsysteme an die T\u00fcrkei im Juli, im Rahmen eines im Dezember 2017 unterzeichneten Vertrages, setzte Washington die Teilnahme der T\u00fcrkei am F-35-Programm aus. Am Mittwoch wies US-Verteidigungsminister Mark Esper darauf hin, dass die T\u00fcrkei nur dann F-35 bekommen w\u00fcrde, wenn sie ihr Raketenabwehrsystem S-400 an Russland zur\u00fcckgibt.<\/p>\n<p>Espers Aussage war eine Antwort auf Erdogans Kommentare zu F-35-Kampfjets sowie zu russischen Flugzeugen. Auf dem R\u00fcckweg von Moskau nach Ankara fragte Erdogan, ob die T\u00fcrkei daran interessiert sei, russische Su-35 oder Su-57 Jets zu kaufen, und antwortete: \u201eWarum nicht? Wir sind nicht umsonst hierher gekommen.\u201c<\/p>\n<p>Erdogan und Putin nahmen an der Einweihung des MAKS-2019 International Aviation and Space Salon bei Moskau teil. Am selben Tag, als Erdogan und Putin sich trafen, war eine zweite Ladung S-400 Flugabwehrsysteme zum Luftwaffenst\u00fctzpunkt Murted in Ankara geliefert worden. Erdogan und Putin konzentrierten sich vor allem auf die Festigung der bilateralen milit\u00e4rischen Zusammenarbeit.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang sagte der russische Pr\u00e4sident Putin zu Erdogan: \u201eWir haben Ihnen verschiedene Produkte gezeigt, sowohl milit\u00e4rische als auch zivile. Sie zeigen nicht nur die Leistungsf\u00e4higkeit Russlands in der Luft- und Raumfahrt, sondern bieten auch eine Vielzahl von Kooperationsm\u00f6glichkeiten. Wir kennen die High-Tech-Entwicklungspl\u00e4ne der T\u00fcrkei\u201c, sagte er. Er f\u00fcgte hinzu: \u201eNat\u00fcrlich k\u00f6nnten wir unsere Kr\u00e4fte in den Bereichen b\u00fcndeln, in denen unsere F\u00e4higkeiten besonders stark und gefragt sind.\u201c<\/p>\n<p>Erdogan erwiderte: \u201eHeute haben wir uns die russische Verteidigungsindustrie genauer angesehen. Ich m\u00f6chte meine Genugtuung dar\u00fcber zum Ausdruck bringen, dass wir heute auch russische Triebwerke f\u00fcr Passagierflugzeuge, Kampfflugzeuge, Hubschrauber und andere Flugger\u00e4te gesehen haben. Wir haben auch Demonstrationsfl\u00fcge von Kampfflugzeugen, darunter die Su-34, Su-35 und Su-57, gesehen. Wir wurden auch \u00fcber die russischen Raumfahrtaktivit\u00e4ten und die Ma\u00dfnahmen, die Sie ergreifen, um Ihre Raumfahrtindustrie zu st\u00e4rken, informiert.\u201c<\/p>\n<p>Auf der MAKS-2019 fragte Erdogan Putin, ob die T\u00fcrkei den russischen D\u00fcsenj\u00e4ger Su-57 der f\u00fcnften Generation kaufen k\u00f6nne. \u201eJa, das k\u00f6nnen Sie\u201c, antwortete Putin.<\/p>\n<p>Laut der Website\u00a0<em>Al-Monitor<\/em>\u00a0sagte der Direktor des russischen F\u00f6deralen Dienstes f\u00fcr milit\u00e4risch-technische Zusammenarbeit, Dmitri Shugaev, Reportern auf der MAKS-Luftschau, dass die beiden L\u00e4nder \u00fcber den Verkauf der Su-35 &#8211; einem Konkurrenten der F-35 und der Su-57 &#8211; sowie \u00fcber russische elektronische Kampfsysteme diskutiert h\u00e4tten. In der Sitzung sagte Putin auch, dass Russland &#8222;bereit ist, t\u00fcrkischen Piloten Fl\u00fcge mit Su-30SM-Kampfjets anzubieten&#8220;. Sollte dies eintreten, so soll es sich um die ersten gemeinsamen Trainings von russischen und t\u00fcrkischen Milit\u00e4rpiloten handeln.<\/p>\n<p>Als Zeichen f\u00fcr eine Intensivierung der Beziehungen zwischen ihren beiden Regierungen schlug Putin vor, dass Erdogan 2023, im Jahr des hundertj\u00e4hrigen Bestehens der Republik T\u00fcrkei und einer Neuwahl des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten, einen t\u00fcrkischen Astronauten auf die Internationale Raumstation schickt.<\/p>\n<p>Trotz der anhaltenden Streitigkeiten \u00fcber Syrien zeigen die immer engeren Beziehungen zwischen der T\u00fcrkei einerseits, die seit 1952 Mitglied der NATO ist und ein wichtiger westlicher Verb\u00fcndeter w\u00e4hrend des Kalten Kriege war, und Russland auf der anderen Seite, zusammen mit China das Hauptziel des US-Imperialismus, dass keiner der gro\u00dfen Konflikte zwischen Ankara und seinen westlichen Verb\u00fcndeten, der in einem von Washington und Berlin unterst\u00fctzten, gescheiterten Putschversuch 2016 gegen Erdogan gipfelte, gel\u00f6st ist.<\/p>\n<p>Die westlichen M\u00e4chte, insbesondere die USA, hielten es f\u00fcr v\u00f6llig inakzeptabel, dass sich die T\u00fcrkei angesichts wachsender Konflikte mit den USA und anderen NATO-Verb\u00fcndeten in strategischen Fragen, einschlie\u00dflich ihrer Unterst\u00fctzung f\u00fcr die syrisch-kurdischen Milizen, die kurdisch-nationalistischen Volksschutzeinheiten (YPG), den syrischen Ableger der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), engere Beziehungen zu Russland und China angestrebt hatte.<\/p>\n<p>Der Putsch scheiterte, weil Erdogan, alarmiert von Moskau, rechtzeitig an seine W\u00e4hler appellieren konnte, auf die Stra\u00dfe zu gehen, um ihn zu verteidigen. Erst danach begann die t\u00fcrkische Regierung, \u00fcber den Kauf des Raketensystems S-400 zu diskutieren.<\/p>\n<p>Am 7. August vereinbarten t\u00fcrkische und US-amerikanische Milit\u00e4rbeamte den Bau einer \u201eSicherheitszone\u201c in Nordsyrien, \u00f6stlich des Euphrats, die von der T\u00fcrkei in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten kontrolliert werden soll. Trotz der Unsicherheit \u00fcber die genauen Bedingungen der \u201eSicherheitszone\u201c ist es das Hauptziel Ankaras, den kurdisch dominierten Rumpfstaat dort zu zerschlagen und die YPG-Milizen aus der Region zu vertreiben.<\/p>\n<p>\u201eDie T\u00fcrkei hat keine Zeit und Geduld und will, dass so schnell wie m\u00f6glich eine Sicherheitszone entlang der \u00f6stlichen Euphratlinie, entlang Syrien, errichtet wird\u201c, erkl\u00e4rte Erdogan am Samstag in \u0130stanbul und f\u00fcgte hinzu: \u201eIn drei Wochen gibt es eine letzte Chance, wenn wir in den USA am Rande der Sitzung der UNO-Generalversammlung ein Treffen (mit Pr\u00e4sident Trump) abhalten\u201c.<\/p>\n<p>Obwohl seine Regierung zun\u00e4chst die Vorbereitungen zum Bau einer illegalen \u201eSicherheitszone\u201c in Nordsyrien durch Ankara und Washington verurteilte, versuchte Putin, diese Spannungen zu gl\u00e4tten. W\u00e4hrend des Treffens mit Erdogan sagte er: \u201eDie Schaffung einer Sicherheitszone an den S\u00fcdgrenzen der Republik T\u00fcrkei wird dazu beitragen, die territoriale Integrit\u00e4t Syriens selbst zu gew\u00e4hrleisten\u201c, und f\u00fcgte hinzu: \u201eWir verstehen die Sorge der T\u00fcrkei um die Sicherheit ihrer S\u00fcdgrenzen. Wir glauben, dass dies berechtigte Bedenken sind.\u201c<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/09\/07\/turk-s07.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 7. September 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulas Atesci. Der \u00dcberraschungsbesuch des t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdogan in Moskau am 27. August zeigte die wachsende bilaterale milit\u00e4rische Zusammenarbeit zwischen der T\u00fcrkei, einem NATO-Mitgliedstaat, und Russland. In Moskau<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7],"tags":[18,27,15,54,46],"class_list":["post-6000","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-international","tag-imperialismus","tag-russland","tag-syrien","tag-tuerkei","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6000","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6000"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6000\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6001,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6000\/revisions\/6001"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6000"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6000"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6000"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}