{"id":6029,"date":"2019-09-12T09:56:14","date_gmt":"2019-09-12T07:56:14","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6029"},"modified":"2019-09-12T09:56:15","modified_gmt":"2019-09-12T07:56:15","slug":"tausende-british-airways-piloten-zwei-tage-im-streik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6029","title":{"rendered":"Tausende British-Airways-Piloten zwei Tage im Streik"},"content":{"rendered":"<p><em>Richard Tyler. <\/em><strong>Die British-Airways-Halle im Terminal 5 des Londoner Flughafens Heathrow war am Montagmorgen wie ausgestorben, als rund 4.000 Piloten von British Airways (BA) einen zweit\u00e4gigen Streik begannen. Es ist der erste Streik von Piloten<!--more--> der BA und der gr\u00f6\u00dfte Streik in der Geschichte des Unternehmens \u00fcberhaupt.<\/strong><\/p>\n<p>Die Unternehmensleitung war am Montag gezwungen, fast alle 800 geplanten Fl\u00fcge zu stornieren, was bis zu 145.000 Passagiere betraf. Weltweit wurden w\u00e4hrend des zweit\u00e4gigen Streiks sch\u00e4tzungsweise 1.700 British Airways-Fl\u00fcge mit rund 300.000 Passagieren gestrichen. Nur f\u00fcnf BA-Flugzeuge starteten, von denen zwei von einem anderen Betreiber geleast waren und drei von Piloten geflogen wurden, die nicht der British Airline Pilots&#8216; Association (BALPA) angeh\u00f6ren. BALPA repr\u00e4sentiert mehr als 10.000 Piloten, d.h. \u00fcber 85 Prozent aller Berufspiloten, die in Gro\u00dfbritannien fliegen.<\/p>\n<p>Die wichtigsten betroffenen Flugh\u00e4fen waren Heathrow, wo 93 Prozent der BA-Piloten ihre Basis haben, und Gatwick. Wie Sky News berichtete, waren die Beeintr\u00e4chtigungen so stark, dass sie sich noch auf den Mittwoch auswirkten. \u201eEs kann zu Folgest\u00f6rungen f\u00fcr Personen kommen, die am Mittwoch eine Reise geplant haben. Denn Flugzeuge und Piloten werden wahrscheinlich zus\u00e4tzliche Zeit brauchen, um sich wieder in den normalen Betrieb einzufinden.\u201c<\/p>\n<p>Bei einer 90-prozentigen Beteiligung an der Abstimmung hatten 93 Prozent der zur BALPA geh\u00f6renden BA-Piloten f\u00fcr den Arbeitskampf gestimmt. Mit ihrem Streik wollen sie Verbesserungen bei den L\u00f6hnen und Sozialleistungen erreichen. Die Besatzungen sind jahrelang gezwungen worden, Lohneinbu\u00dfen hinzunehmen. Immer wieder wurden vom Unternehmen und den Gewerkschaften solche Vereinbarungen in die Tarifvertr\u00e4ge aufgenommen, um die Gewinne der nationalen Fluggesellschaft zu steigern.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzungen zufolge wird der Fluggesellschaft durch den Streik ein Verlust von 80 Mio. \u00a3 entstehen. Das liegt weit \u00fcber den Kosten f\u00fcr eine Beilegung des Arbeitskampfs, die BALPA auf 5 Mio. \u00a3 sch\u00e4tzt. Die Vergleichszahl ist ein Tropfen auf den hei\u00dfen Stein im Vergleich zu den massiven Gewinnen, die BA f\u00fcr ihre Muttergesellschaft, die International Consolidated Airlines Group (IAG), in den letzten Jahren erzielt hat.<\/p>\n<p>Der Finanznachrichtendienst Bloomberg nannte BA ein gutes Beispiel daf\u00fcr, wie die Branche \u201emit ihrer d\u00fcsteren Gewinnentwicklung gebrochen\u201c habe. Die Gewinne von BA waren in den letzten f\u00fcnf Jahren stetig gestiegen, von rund 1 Milliarde Euro im Jahr 2014 auf fast 3 Milliarden Euro im Jahr 2018, was im selben Jahr zu massiven Gewinnen von rund 2,6 Milliarden Euro f\u00fcr die Muttergesellschaft f\u00fchrte. Mit einer Verzinsung des investierten Kapitals von 16,6 Prozent habe die IAG \u201eim vergangenen Jahr 1,3 Milliarden Euro an Dividenden an die Aktion\u00e4re aussch\u00fctten k\u00f6nnen\u201c, so Bloomberg.<\/p>\n<p>Der BA-Vorstandschef Alex Cruz, der selbst mehr als 1,3 Mio. \u00a3 an Jahresverg\u00fctung kassiert, nannte die Aktion der Piloten \u201ezynisch\u201c und behauptete, dass die angebotene Gehaltserh\u00f6hung von 11,5 Prozent, \u00fcber drei Jahre verteilt, dem \u201edurchschnittlichen Kapit\u00e4n\u201c ein Gehalt von mehr als 200.000 Pfund pro Jahr einbringen werde.<\/p>\n<p>Die rechten Medien sch\u00e4umten \u00fcber den Streik, und die\u00a0<em>Daily Mail<\/em>\u00a0verurteilte die \u201egierigen BA-Piloten\u201c, die den Leuten \u201eden Urlaub vermasseln\u201c.<\/p>\n<p>Ein streikender Pilot, der unter der Bedingung der Anonymit\u00e4t mit den Medien sprach, sagte: \u201eEs geht eigentlich nicht um Geld, es geht um Respekt. Wir wurden effektiv angelogen. Wir haben auf ein seri\u00f6ses Rentensystem, Lohn- und Gehaltserh\u00f6hungen verzichtet, als das Unternehmen Probleme hatte, weil uns versprochen wurde, dass auch wir profitieren w\u00fcrden, wenn es dem Unternehmen wieder besser ginge, und es seinen Investoren angemessene Renditen abwerfen werde.\u201c<\/p>\n<p>Er bestritt die von Cruz zitierte Zahl und sagte, dass viele Piloten k\u00e4mpfen m\u00fcssten, um jemals eine so hohe Entlohnung zu erreichen. \u201eViele Piloten arbeiten unter Hochdruck, sie werden wahrscheinlich keine angemessene Rente bekommen. Die Gehaltstafel ist viel zu sehr gestreckt, um ein solches Gehalt zu erreichen.\u201c Kurzstreckenpiloten verdienten deutlich weniger. \u201eDas Anfangsgehalt eines Jungpiloten betr\u00e4gt im Jahr ungef\u00e4hr \u00a327,000 und das eines ersten Offiziers \u00a359,000, w\u00e4hrend der Lohn f\u00fcr Kapit\u00e4ne bei \u00a378,000 beginnt und \u00a3100,000 einen eher typischen Durchschnittslohn bildet\u201c, sagte der Pilot.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Ma\u00dfnahmen der Piloten zur Verteidigung ihrer L\u00f6hne und Bedingungen gerechtfertigt sind, unternimmt ihre Gewerkschaft alles, was sie kann, um den Streit beizulegen. BALPA-Generalsekret\u00e4r Brian Strutton schlug eine Schlichtung vor. Er bot Gespr\u00e4che bei der staatlich gelenkten Schlichterstelle Arbitration and Conciliation Service (ACAS) an und flehte das Management an, \u201ean den Verhandlungstisch zur\u00fcckzukehren\u201c.<\/p>\n<p>Vor dem Streik unternahm die krisengesch\u00fcttelte Regierung von Boris Johnson mehrere Versuche, den Streit beizulegen. Eine Regierungssprecherin sagte: \u201eDie Gewerkschaften und BA m\u00fcssen an einen Tisch kommen und das kl\u00e4ren. Nichts anderes erwartet die \u00d6ffentlichkeit.\u201c<\/p>\n<p>Strutton antwortete: \u201eWir haben angeboten, wieder an den Tisch zur\u00fcckzukehren, und wurden zur\u00fcckgewiesen. R\u00e4ume sind heute bei der Schlichtungsstelle ACAS gebucht, und BALPA ist bereit zu reden \u2013 aber wo ist BA?\u201c Er forderte eine enge Zusammenarbeit mit der am meisten rechtsgerichteten Regierung seit Jahrzehnten, die sich f\u00fcr die Vollendung der \u201eThatcher-Revolution\u201c einsetzt, und bekr\u00e4ftigte: \u201eDa sie Gespr\u00e4che angeboten haben, k\u00f6nnten vielleicht Downing Street oder der Staatssekret\u00e4r f\u00fcr Verkehr dazu beitragen, beide Seiten zu Gespr\u00e4chen aufzurufen. BALPA w\u00e4re jedenfalls zur Stelle.\u201c<\/p>\n<p>Davor hatte die Gewerkschaft mehrmals die Zustimmung der Piloten zur Durchf\u00fchrung von \u201ekostensparenden\u201c Ma\u00dfnahmen eingeholt. Infolgedessen mussten die Piloten nicht nur Lohnerh\u00f6hungen unterhalb der Inflationsrate hinnehmen. Dar\u00fcber hinaus brachte die Schlie\u00dfung der fr\u00fcheren Pensionskasse BA zudem sch\u00e4tzungsweise 800 Millionen Pfund ein. Das Unternehmen ist aber nicht bereit, die gro\u00dfen Zugest\u00e4ndnisse r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen, von denen es profitiert hat. Es orientiert sich am Vorbild des Billigfliegers Ryanair und droht damit, allen Streikenden die verbilligten Tickets zu entziehen. Normalerweise k\u00f6nnen BA-Mitarbeiter, die l\u00e4nger als drei Monate besch\u00e4ftigt sind, Tickets f\u00fcr sich selbst und bis zu drei Familienmitgliedern f\u00fcr nur 10 Prozent ihres Nennwerts buchen.<\/p>\n<p>BA-Piloten, wie auch andere Arbeiter f\u00fchren immer h\u00e4ufiger internationale K\u00e4mpfe au\u00dferhalb der Gewerkschaften, wie z.B. die Lehrerstreiks in den USA oder die massenweisen Arbeitsniederlegungen von Matamoros-Arbeitern in Mexiko. \u00dcberall fungieren die gewerkschaftlichen Organisationen als eine Art Betriebspolizei, und als solche setzen sie die von den Unternehmen geforderten Zugest\u00e4ndnisse zur Erhaltung und Verbesserung der Gewinne durch.<\/p>\n<p>BA-Piloten d\u00fcrfen kein Vertrauen in BALPA setzen, sondern m\u00fcssen sich an ihre Kollegen in Europa und international wenden, die mit \u00e4hnlichen Angriffen auf ihre Bezahlung und Arbeitsbedingungen konfrontiert sind.<\/p>\n<p>Das bedeutet, sich mit den Piloten von Ryanair zu verb\u00fcnden, die letzte Woche einen 72-st\u00fcndigen Streik durchf\u00fchrten, um eine Gehaltserh\u00f6hung und verbesserte Leistungen zu erreichen und die gestrichene Lizenzversicherung wieder herzustellen. Weitere Streiks bei Ryanair sind f\u00fcr den Zeitraum vom 18. bis 29. September an sieben Tagen geplant. Gleichzeitig planen Piloten, die f\u00fcr Ryanair in Spanien arbeiten, f\u00fcnf Tage lang Streiks am 19., 20., 22., 27. und 29. September. Die 900 Piloten k\u00e4mpfen gegen die Schlie\u00dfung von vier Hubs durch den spanischen Ableger von Ryanair, durch die 500 Arbeitspl\u00e4tze zerst\u00f6rt werden sollen.<\/p>\n<p>BA- und Ryanair-Mitarbeiter k\u00f6nnen keinen einzigen Schritt vorw\u00e4rts machen, wenn sie weiter von den Gewerkschaften abh\u00e4ngig bleiben. Sie m\u00fcssen Aktionskomitees gr\u00fcnden, die v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von den Gewerkschaften sind. Sie m\u00fcssen den Kampf aller Besch\u00e4ftigten und Besoldungsgruppen der Fluggesellschaften in allen nationalen Abteilungen miteinander verkn\u00fcpfen und gleichzeitig die Unterst\u00fctzung durch Mitarbeiter aller Fluggesellschaften, der Transportindustrie und der Zusteller auf der ganzen Welt einfordern. Im Mittelpunkt steht der Kampf f\u00fcr eine sozialistische, internationalistische Perspektive, die die Interessen der Arbeiter vor die Profitinteressen der Fluggesellschaften stellt.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/09\/12\/brit-s12.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 12. September 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Richard Tyler. Die British-Airways-Halle im Terminal 5 des Londoner Flughafens Heathrow war am Montagmorgen wie ausgestorben, als rund 4.000 Piloten von British Airways (BA) einen zweit\u00e4gigen Streik begannen. Es ist der erste Streik von Piloten<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[25,29,87,26,56,17],"class_list":["post-6029","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kampagnen","tag-arbeiterbewegung","tag-arbeitskaempfe","tag-arbeitswelt","tag-gewerkschaften","tag-grossbritannien","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6029","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6029"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6029\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6030,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6029\/revisions\/6030"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6029"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6029"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6029"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}