{"id":6031,"date":"2019-09-12T10:09:18","date_gmt":"2019-09-12T08:09:18","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6031"},"modified":"2019-09-12T10:09:19","modified_gmt":"2019-09-12T08:09:19","slug":"einheit-der-arbeiterinnenklasse-vs-buendnis-von-volksklassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6031","title":{"rendered":"Einheit der Arbeiter*innenklasse vs. B\u00fcndnis von \u201eVolksklassen\u201c"},"content":{"rendered":"<p><em>Lutz Getzschmann. <\/em><strong>Die Buchver\u00f6ffentlichung von Violetta Bock und Thomas Goes \u201eEin unanst\u00e4ndiges Angebot? Mit linkem Populismus gegen Eliten und Rechte\u201c hat eine kontroverse Debatte ausgel\u00f6st. Diese dreht sich<\/strong><!--more--><strong style=\"font-size: inherit;\">sowohl um den strategischen Ansatz von Bock\/Goes, also um einen Linkspopulismus, der auf einem \u201eUnten-Mitte-B\u00fcndnis\u201c basiert, als auch um die zugrundeliegenden klassentheoretischen Fragestellungen.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>In einem im Dezember 2017 im Internet und im Januar 2018 in der letzten Ausgabe der \u201eInternationale\u201c ver\u00f6ffentlichten Text reagierten die Autor*innen auf einige aufgeworfene Kritikpunkte und konkretisierten einige ihrer, im Buch noch recht schwammig formulierten, Postulate. Auch und gerade nach diesem zweiten Beitrag sehe ich die Notwendigkeit, meine Kritikpunkte an dem Band zu formulieren, um den strategischen Dissens mit den Autoren zu verdeutlichen. Es ist aus meiner Sicht tats\u00e4chlich nicht so, wie Thies Gleiss dies in einer Rezension in der\u00a0<em>SoZ<\/em>\u00a0(Juli\/August 2017, S. 20) formuliert hatte, dass die Inhalte des Buches schon in Ordnung gehen, nur der Begriff \u201ePopulismus\u201c eigentlich \u00fcberfl\u00fcssig sei. Vielmehr ist die strategische Orientierung, die hier vorgeschlagen wird, sehr kritikw\u00fcrdig. Ja, ich f\u00fcrchte, sie stellt auch grundlegend die Zielsetzung infrage, die Arbeiter*innenbewegung und ihren revolution\u00e4ren Fl\u00fcgel durch St\u00e4rkung und Verbreiterung der Arbeiter*innen-Avantgarde und des Massenbewusstseins wiederaufzubauen.<\/p>\n<p>Die Basis dieses politischen Paradigmenwechsels ist eine Klassenanalyse, die m. E. produktivistisch verengt und holzschnittartig verk\u00fcrzt ist. Sie nimmt eine Abgrenzung vor zwischen der vermeintlich durch die Produktion von Mehrwert f\u00fcr das Kapital charakterisierten Arbeiterklasse und einem nicht mehrwertproduzierenden \u201elohnabh\u00e4ngigen Kleinb\u00fcrgertum\u201c. Zwischen diesen beiden Klassen m\u00fcsse ein B\u00fcndnis geschmiedet werden, das selbstredend angef\u00fchrt wird durch \u201eaktive k\u00e4mpferische Teile der Arbeiterklasse\u201c. Ohne den Beweis der Koh\u00e4renz dieser, von den Autor*innen bei Nicos Poulantzas entlehnten, haupts\u00e4chlich allerdings ansonsten in stalinistischen und poststalinistischen Denktraditionen beheimateten klassenanalytischen Ansatzes f\u00e4llt ihre gesamte \u201elinkspopulistische Strategie des Klassenb\u00fcndnisses in sich zusammen wie ein Kartenhaus. Und da ich diese Klassenzuordnung f\u00fcr h\u00f6chst problematisch halte, werde ich mich im zweiten Teil des vorliegenden Textes haupts\u00e4chlich mit ihr auseinandersetzen.<\/p>\n<p>Mit dieser Dimension vor Augen wird auch deutlich, dass es hier nicht nur um eine Kontroverse um die gewagten Thesen zweier Buchautor*innen geht, sondern um einen Aspekt einer \u00fcbergreifenden Strategiedebatte, die auch auf der Ebene der Vierten Internationale und in einigen ihrer Sektionen in Gang gekommen ist.<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Historische und zeitgen\u00f6ssische Erscheinungsformen des \u201eLinkspopulismus\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Auf der Oberfl\u00e4chenebene k\u00f6nnte man kritisieren, dass die Autor*innen sich ihren Linkspopulismus so zusammenbacken, wie sie ihn eben haben wollen, ohne sich l\u00e4nger mit der Geschichte populistischer Bewegungen und Ideologien aufzuhalten. Dabei w\u00e4re diese ja in mancherlei Hinsicht lehrreich: Angefangen bei der Populist Party in den USA des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts \u00fcber die populistischen Bewegungen in Lateinamerika, u.a. den Peronismus und die APRA in Peru, lie\u00dfe sich die ganze Ambivalenz der Anrufung des Volkes in dieser Form nachvollziehen, die Klassenbasis dieser Bewegungen und ihre Zeitbedingtheit. Neuere Beispiele f\u00fcr explizit linkspopulistische Bewegungen k\u00f6nnten wom\u00f6glich dieses Bild noch etwas pr\u00e4zisieren, auch wenn die Diagnose dabei vermutlich uneinheitlich ausfallen d\u00fcrfte: Chavez in Venezuela, die populistischen Elemente in der Kampagne des Linkssozialdemokraten Bernie Sanders in den USA oder die populistische Wendung des Jean-Luc M\u00e9lenchon, wobei letzterer ja der Einzige ist, der explizit eine populistische Strategie entworfen hat, die als solche auch nachlesbar ist. Auf\u00a0<em>Podemos<\/em>\u00a0in Spanien und die Bewegung um Sanders in den USA beziehen sich die Autor*innen durchaus. Nur nehmen sie sich nicht die Zeit, die grundlegenden Widerspr\u00fcche ihrer Beispiele kritisch zu diskutieren.<\/p>\n<p>Bei einer historisch gr\u00fcndlicheren Gesamtdarstellung dieses Ideen- und Organisationskomplexes w\u00e4re wom\u00f6glich deutlich geworden, dass keine populistische Bewegung in Wirklichkeit auf drei Dinge verzichten kann, die Bock\/Goes mit Sicherheit nicht im Sinn hatten:<\/p>\n<ol>\n<li>eine charismatische F\u00fchrerpers\u00f6nlichkeit als Kristallisationspunkt und Projektionsfl\u00e4che;<\/li>\n<li>eine Klassenstruktur, die noch mitten im Prozess der krisenhaften Modernisierung und der Herausbildung entwickelter industrieller Klassenstrukturen ist, die also noch im Fluss befindlich ist, teils noch agrarisch gepr\u00e4gt ist, von vielf\u00e4ltigen Formen echter Kleinselbst\u00e4ndigkeit, von Handwerker- und Kleinh\u00e4ndlersubjektivit\u00e4ten durchzogen (das zumindest war der Hintergrund, vor dem die alten populistischen Bewegungen vom sp\u00e4ten 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden, die in der Lage waren, die quasi vormodernen Sozialrebellentypen genauso wie den charismatischen Anf\u00fchrer hervorzubringen);<\/li>\n<\/ol>\n<p>und 3. eine Ambivalenz in ihrem Volk-versus-Eliten-Diskurs, die darin besteht, den Volksbegriff zwar vordergr\u00fcndig mit dem sozialen Inhalt der ausgebeuteten Volksmassen zu f\u00fcllen, semantisch aber das Volk als National- und Staatsvolk immer auch mit zu bedienen. Dass M\u00e9lenchon in seiner Wahlkampagne statt der roten Fahne der Arbeiter*innenbewegung stets die Trikolore von seinen Unterst\u00fctzer*innen wehen lie\u00df, ist nicht nur eine drollige Besonderheit des politischen Diskurses in Frankreich und des in \u00fcber 200 Jahren aus der franz\u00f6sischen Revolution heraus erwachsenen Nationalgef\u00fchls. Es ist eben auch ein bewusster Bruch mit der franz\u00f6sischen Arbeiter*innenbewegung und ihrer Linken, die er 2017 nicht mehr \u2013 wie noch 2012 \u2012 einen, sondern ersetzen will. Pierre Rousset schreibt dazu in einem seiner beiden, in der SoZ (Juli\/August 2017, S. 19) erschienenen Artikel:<\/p>\n<p><em>\u201eDas Netzwerk der organisierten Linken ersetzen, ist ein zentrales Thema bei M\u00e9lenchon. Die Zeit der Parteien ist vorbei, ein Hoch auf die Bewegungen! Er begn\u00fcgt sich nicht damit, den Niedergang der linken Parteien zu konstatieren, er tr\u00e4gt aktiv zu ihrer Marginalisierung bei. Daf\u00fcr bietet die Gemengelage in Frankreich einen guten Resonanzboden, das hat ja auch Macron mit gro\u00dfem Erfolg betrieben.<\/em><\/p>\n<p><em>Das ist eine Entscheidung, die angesichts der bestehenden politischen Konjunktur folgenreich sein kann. Mit wem will man gegen Macron eine soziale und demokratische Front des Widerstands aufbauen, wenn man den Ehrgeiz hat, alle m\u00f6glichen in Parteien organisierten Verb\u00fcndeten zu \u00abersetzen\u00bb? Nachdem er zuerst s\u00e4uberlich das Terrain der Wahlen (Sache der Politik) und vom Terrain des Sozialen (Sache der Gewerkschaften) voneinander geschieden hat, scheint sich M\u00e9lenchon nun mit seiner Parlamentsfraktion als nat\u00fcrlichen parlamentarischen B\u00fcndnispartner der K\u00e4mpfe anzubieten, die von den Gewerkschaften zu f\u00fchren sein werden. Doch die Ersetzung linker Parteien ist das Gegenteil von ihrer Zusammenf\u00fchrung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nun sind die real waltenden Kr\u00e4fte in\u00a0<em>La France Insoumise<\/em>\u00a0m\u00f6glicherweise hartn\u00e4ckiger und beharrlicher, vor allem st\u00e4rker als organisierte Gruppen der radikalen Linken formiert, als M\u00e9lenchon das gerne h\u00e4tte. Der Parlamentsfraktion von\u00a0<em>La France Insoumise<\/em>\u00a0geh\u00f6ren etwa auch zwei Mitglieder von \u201e<em>Ensemble<\/em>\u201c und auch Leute wie Fran\u00e7ois Ruffin an, deren Diskurs zweifellos in Wirklichkeit nicht um \u201edas Volk\u201c sondern um Klassen zentriert ist. Aber mit dem Versuch, die alte Linke zu ersetzen, geht seitens M\u00e9lenchons und seines Kampagnenstabes eben auch der Versuch einher, den gesellschaftlichen Diskurs und die symbolpolitischen Codes der Widerstandsbewegung gegen die autorit\u00e4r-neoliberalen Umstrukturierungen von Staat und Akkumulationsregime von ihrem klassenpolitischen Inhalt zu entkernen und diesen durch einen \u201eVolk-versus-Eliten\u201c-Diskurs zu ersetzen. Gel\u00e4nge dies auf einer realen Massenebene, w\u00e4re es allerdings eine gef\u00e4hrliche Entwicklung, die einen Substanzverlust f\u00fcr die franz\u00f6sische Arbeiter*innenbewegung zur Folge h\u00e4tte, von dem sie sich nur schwer wieder erholen k\u00f6nnte. Zurzeit versuchen viele Kr\u00e4fte, der franz\u00f6sischen Linken und der von ihr mitgepr\u00e4gten Gewerkschaftsbewegung das Genick zu brechen \u2013 von Macron bis M\u00e9lenchon, wobei letzterer bisher noch angewiesen ist auf seine linke Basis. Zu hoffen ist, dass keine davon sich durchsetzt. Pierre Rousset zitiert in seinem Text Juan Carlos Monederos, ein Gr\u00fcndungsmitglied der von Goes\/Bock als Referenz f\u00fcr eine linkspopulistische Strategie herangezogenen spanischen Wahlformation\u00a0<em>Podemos<\/em>. Und ich f\u00fcrchte, was er kritisiert, l\u00e4sst sich als eines der Grundprobleme linkspopulistischer Kampagnen generalisieren:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Verteidiger der \u2039populistischen Hypothese\u203a, allen voran \u00cd\u00f1igo Errej\u00f3n, dachten, man m\u00fcsse nur die Elemente mobilisieren, die uns siegen helfen, und wir sollten nicht Themen ansprechen, mit denen wir Stimmen verlieren. Also sollten wir nur \u00fcber abstrakte Dinge reden, um so viel Unterst\u00fctzung zu bekommen wie m\u00f6glich: das Vaterland, die Kaste, die Korruption. So wird Bedeutung entsorgt, werden die M\u00f6glichkeiten der Ver\u00e4nderung letztlich beseitigt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nun werden die Autor*innen sicherlich argumentieren, diese historische Herleitung und die daraus folgende, den Rahmen des vorliegenden Bandes sicherlich sprengende, Gesamtdarstellung linkspopulistischer Bewegungen h\u00e4tten sie ja auch gar nicht beabsichtigt, und so sei es irgendwie an der Sache vorbei, ihnen deren Fehlen vorhalten zu wollen. Aber in der hier vorliegenden Form wird der Bezug auf die genannten Beispiele eben mehr oder weniger zum blo\u00dfen Name-Dropping. Dieser Eindruck verst\u00e4rkt sich noch, wenn man feststellt, dass zus\u00e4tzlich zu den mehr oder weniger \u201eechten\u201c linkspopulistischen Kampagnen auch noch in einem Satz ohne weitere Erl\u00e4uterung mal eben ein paar unechte Linkspopulismen als Kronzeugen angef\u00fchrt werden \u2013 n\u00e4mlich die eurokommunistische PCI der 1960er bis 1980er Jahre und die chilenische\u00a0<em>Unidad Popular<\/em>\u00a0der fr\u00fchen siebziger Jahre bis zum Pinochet-Putsch. Und hier wird es dann wirklich abenteuerlich, denn nat\u00fcrlich sind diese Parteien keine Beispiele f\u00fcr im eigentlichen Sinne linkspopulistische Bewegungen, sondern auf je unterschiedliche Weise gescheiterte reformistische Projekte, deren Kritik seitens der revolution\u00e4ren Linken seit Jahrzehnten vorliegt bzw. in den B\u00fccherregalen verstaubt. Zur Kritik der Volksfrontpolitik Allendes ist ja gerade aus der Vierten Internationale theoretisch wie praktisch einiges Zeitgen\u00f6ssisches und m.\u00a0E. im Kern Richtiges \u00fcberliefert. Und auch zur Kritik des Eurokommunismus und seiner \u00fcberlebenden Sprengsel und der historischen B\u00fcrde, die er f\u00fcr die west- und vor allem s\u00fcdeurop\u00e4ische Linke bedeutet, lie\u00dfe sich viel analysieren und diskutieren. Nur hat das eben eher wenig mit dem Komplex des Populismus bzw. Linkspopulismus zu tun, es sei denn, man hebt ausschlie\u00dflich auf die klassenpolitische Strategie ab, die da jeweils verfolgt wurde, und hierbei landet man dann letztlich in ganz anderen Gefilden.<\/p>\n<p>Aber letztlich dr\u00e4ngt sich der Eindruck auf, dass all diese Beispiele, historische wie aktuelle, letztlich nur der Legitimation des eigenen Ansatzes dienen und schon deshalb nicht weiter kritisch diskutiert werden. Wesentlicher ist da schon die kritische Abarbeitung am vermeintlichen Linkspopulismus Sahra Wagenknechts, denn diese zielt offenbar genau auf die Zielgruppe des Buches. Das ist die Schicht von Aktivist*innen und kleineren bis mittleren Funktion\u00e4r*innen der deutschen Linkspartei, die einerseits von Wagenknechts Rhetorik begeistert, andererseits ratlos und teilweise entsetzt sind. Begeistert, weil sie feststellen, dass die Rhetorik Wagenknechts offenbar Ankn\u00fcpfungspunkte ans Massenbewusstsein bietet, an die angekn\u00fcpft werden kann und muss. Ratlos und teilweise entsetzt, weil sie die blinden Flecke von Wagenknechts \u2013 so Bock\/Goes \u2013 \u201escheiterndem Linkspopulismus\u201c sehen, n\u00e4mlich vor allem die antirassistischen und internationalistischen Komponenten.<\/p>\n<p>Ginge es wirklich nur darum, dann w\u00e4re der kleine Band vor allem verdienstvoll. In der Kritik an Wagenknecht und den aufgezeigten Alternativen finde ich viel Richtiges und Unterst\u00fctzenswertes. Aber dabei finde ich den Populismus-Begriff eher hinderlich, weil er auf der vulg\u00e4ren Ebene der b\u00fcrgerlichen Medien und der Argumentation der politischen Gegner v\u00f6llig schwammig ist, wo er doch eigentlich jede zuspitzende, Verantwortliche benennende und personalisierende (statt strukturalistisch verschleiernde) linke Kritik an den Verh\u00e4ltnissen meint. All das zu ignorieren und sich darauf zu konzentrieren, dem Rechtspopulismus der AfD einen quasi geschichtslosen Linkspopulismus entgegenzuhalten, der dann als strategisches Konzept der Linkspartei angedient wird und in den dann Versatzst\u00fccke wie \u201eSozialismus von unten\u201c, \u201eorganisierende Linke\u201c und ein paar Vorstellungen f\u00fcr \u00dcbergangsforderungen eingewoben werden, halte ich f\u00fcr etwas fragw\u00fcrdig.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Den Wald vor lauter B\u00e4umen?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Dass es sich aber offenbar tats\u00e4chlich um einen Paradigmenwechsel handelt, wurde mir klar, als ich im Buch schon ziemlich am Anfang \u00fcber den Begriff der Volksklassen und im Glossar dann \u00fcber die eher d\u00fcrre Erl\u00e4uterung stolperte. Und hier scheint wohl der eigentliche Dissens zu liegen \u2013 in einem Klassenbegriff, den ich f\u00fcr verengt, tendenziell produktivistisch und, gemessen an sowohl Marx\u2019schen als auch marxistischen Kategorien, f\u00fcr schlicht falsch halte. Dieser Klassenbegriff z\u00e4hlt verschwommen zur Arbeiterklasse \u201edie an Mehrwertsch\u00f6pfung mittel- und unmittelbar beteiligten Industrie- und Dienstleistungsbesch\u00e4ftigten\u201c; er sondert aber solche Besch\u00e4ftigtengruppen wie Pfleger*innen, Sozialarbeiter*innen, Erzieher*innen, Lehrer*innen, Verwaltungsangestellte oder gar die Erwerbslosen als \u201eandere lohnabh\u00e4ngige Schichten\u201c aus ihr aus, gemeinsam mit kleinen Selbst\u00e4ndigen, Handwerkern etc. Das erkl\u00e4rt zwar, warum man meint, ein klassen\u00fcbergreifendes B\u00fcndnis der Volksklassen gegen die Eliten zu brauchen. Aber mit der eigentlichen Aufgabe, die revolution\u00e4re Marxist*innen m. E. heute zu bew\u00e4ltigen haben, hat das \u2013 mindestens begrifflich \u2013 allerdings nur noch wenig zu tun: n\u00e4mlich die fragmentierten, buntscheckigen, teils bewusstseinsm\u00e4\u00dfig atomisierten und in Konkurrenz zueinander gesetzten Teile der Lohnarbeiter*innenklasse in echte Solidarisierungsprozesse einzubinden, dar\u00fcber Klassenbewusstsein und Selbstt\u00e4tigkeit zu st\u00e4rken und die schon immer tief gespaltene und fraktionierte Klasse der Lohnarbeiter*innen als Subjekt wenigstens punktuell einiger und handlungsf\u00e4higer zu machen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist anzumerken, dass \u2013 eigentlich eine Binsenweisheit \u2013 die Arbeiter*innenklasse nie ein homogener monolithischer Block war, und zwar weder politisch noch soziologisch. Sie ist vielmehr \u00fcber weite Strecken der Geschichte der letzten 200 Jahre tiefgreifend fragmentiert, besteht aus unterschiedlichsten, im Aufstieg oder Niedergang befindlichen Arbeiter*innengruppen und ist teilweise von noch vorindustriellen handwerklichen Traditionen und Bewusstseinsformen durchsetzt, und teilweise von ausgegrenzten und entrechteten deklassierten Elementen des Pauperismus und der Gelegenheitsarbeit durchsetzt. Und immer gab es privilegierte und unterprivilegierte Arbeiter*innengruppen, berufsst\u00e4ndische und industrielle Bewusstseinslagen und Organisationsformen.<\/p>\n<p>Der Fordismus und die von ihm mitgepr\u00e4gte Sichtweise auf Klassen und Arbeiterbewegung haben das mitunter vergessen lassen. Der wichtigste Grund, sich einen umfassenderen Blick auf die Geschichte proletarischer Lebens\u00e4u\u00dferungen und Widerstandsformen anzueignen, ist vor allem der Notwendigkeit geschuldet, Klassenkampf und Klassenbewusstsein von einem anderen Blickwinkel aus zu betrachten, als der Marxismus des fordistischen Zeitalters dies konnte. Sie sind n\u00e4mlich nicht als rein soziologische Gr\u00f6\u00dfen zu betrachten, sondern auch als Orientierungspunkte f\u00fcr eine widerst\u00e4ndige politische Praxis. Die Arbeitergeschichtsschreibung und politische Wertung der Linken des gerade untergegangen kapitalistischen Entwicklungsstadiums waren zu sehr fixiert auf Erscheinungs- und Bewusstseinsformen der Arbeiter*innenklasse jenes Stadiums. Sie verga\u00dfen oftmals, dass sich proletarische Regungen und K\u00e4mpfe nicht geschichtslos aus den puren \u00f6konomischen Prozessen heraus entwickeln, sondern eine Vorgeschichte in den K\u00e4mpfen der sozialen Unterklassen des ausgehenden Feudalismus und ihres \u00dcbergangs zu kapitalistischen Produktionsweisen haben und eine kulturelle Dimension, die wesentlich vielschichtiger ist als das, was in g\u00e4ngigen Darstellungen mit dem Begriff \u201eArbeiterkultur\u201c identifiziert wird. Sie haben, in bisweilen blindem Geschichtsoptimismus, nur zu oft \u00fcber die historische Mission der Arbeiterklasse orakelt und dabei den vorw\u00e4rtsweisenden Charakter der proletarischen Klassenk\u00e4mpfe so einseitig \u00fcberbetont, dass die Anl\u00e4sse, Kampfformen und Bewusstseinslagen der realen Klasse, die oftmals eher r\u00fcckw\u00e4rtsgewandt sich an verlorengegangenen Rechten, Standards und moralischen Anforderungen orientierte und gerade dort besonders k\u00e4mpferisch war, ausgeblendet wurden. Sie haben die Spaltungslinien innerhalb der Klassen, die Fragmentierungen, die immer da waren (und meistens st\u00e4rker waren als ein wie auch immer geartetes einheitliches \u201eKlasseninteresse\u201c) \u00fcbersehen, was heute dazu f\u00fchrt, dass etliche von ihnen den Wald vor lauter B\u00e4umen, d. h. im Gewimmel der verschiedenen fragmentierten Lebenslagen, Arbeitsverh\u00e4ltnissen, Sonderinteressen, kulturellen Aufsplitterungen und Individualisierungsprozesse die Lohnarbeiter*innenklasse als solche nicht mehr erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Daraus ergeben sich allerdings verschiedene Reflexe: Zum einen die von der b\u00fcrgerlichen Sozialwissenschaft, zumal in Deutschland, betriebene Negierung der Klassen, zum anderen die Relativierung des Klassenparadigmas durch modische Denkstr\u00f6mungen der akademischen Linken. Diese modischen Denkstr\u00f6mungen haben in den 1990er Jahren in ihrer weit \u00fcberwiegenden Mehrheit den \u201eAbschied vom Proletariat\u201c eingel\u00e4utet und mit der empirisch nachweisbaren Aufl\u00f6sung tradierter Arbeitermilieus zugleich auch die Bedeutung von Klassenzugeh\u00f6rigkeiten f\u00fcr politische Bewusstseinslagen insgesamt als stark r\u00fcckl\u00e4ufig diagnostiziert. Diese kulturalistische und von allerlei (teils f\u00fcr detailliertere Klassenanalysen durchaus brauchbaren, teils aber auch regelrecht regressiven) Milieu- und Lebensstilanalysen begleitete Wendung wurde zwar in den wirtschafts- und sozialpolitisch dann raueren 2000er Jahren von manchen kritischen Geistern ansatzweise wieder hinterfragt, produzierte jedoch wiederum ihre Reflexe \u2013 n\u00e4mlich die Hinwendung zu scheinbar politisch-praxisf\u00e4higen, neo-leninistisch andockf\u00e4higen Begr\u00fcndungszusammenh\u00e4ngen von kommunistischer Klassenpolitik, die jedoch letztlich in eine Sackgasse f\u00fchren. Dieser Versuchung scheinen auch Bock\/Goes erlegen zu sein, indem sie sich zur Legitimation ihres klassenpolitischen Ansatzes samt den entsprechenden Mutma\u00dfungen \u00fcber B\u00fcndnisperspektiven und proletarisches vs. kleinb\u00fcrgerliches Bewusstsein in der Mottenkiste der Modediskurse der 1970er Jahre bedienen.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Nicos Poulantzas, das \u201eneue Kleinb\u00fcrgertum\u201c und die \u201eVolksklassen\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Soziologe Nicos Poulantzas, neben Althussser einer der strukturmarxistischen Stichwortgeber der sp\u00e4ter entstandenen Regulationstheorie, ver\u00f6ffentlichte 1972 sein Buch \u201eKlassen im Kapitalismus \u2013 heute\u201c (ein Jahr sp\u00e4ter in deutscher \u00dcbersetzung), auf das \u2013 bzw. auf einige Versatzst\u00fccke daraus \u2013 sich Bock\/Goes in ihrer Klassenanalyse berufen. Es liegt schon eine gewisse Ironie darin, einen vor 45 Jahren erschienenen Text, dessen empirische Annahmen u.a. auf der kritischen Diskussion von Strukturanalysen des franz\u00f6sischen Bildungs- und Ausbildungssystems der 1960er Jahre basiert, als letzten Schrei zu verkaufen. Vor allem aber: Sein klassentheoretischer Ansatz hat einige grundlegende Schw\u00e4chen, die bereits in der Debatte der 1970er Jahre von seinen Kritikern erbarmungslos offengelegt wurden. Damals allerdings war der antihegelianische strukturalistische Marxismus von Autoren wie Althusser, Poulantzas, Balibar etc. vor allem in Kreisen der akademischen Linken en vogue. Mit ein paar Jahrzehnten Abstand k\u00f6nnen, nachdem die damals bestehenden Konjunkturen sich deutlich abgeflacht haben, ihre Ans\u00e4tze vielleicht auch etwas kaltbl\u00fctiger diskutiert werden, wobei die verdienstvolleren Aspekte ihres Diskurses, wie etwa bestimmte Diskussionsbeitr\u00e4ge zur Funktionsweise des b\u00fcrgerlichen Staates hier weitgehend unber\u00fccksichtigt bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Andere Ans\u00e4tze, wie etwa die im R\u00fcckblick etwas hysterisch anmutende Behauptung eines Bruchs zwischen dem angeblich noch in dem dialektischen Idealismus Hegels befangenen jungen Marx und seinem \u2013 ebenso angeblich von diesen hegelianischen Eierschalen befreiten \u2013 Sp\u00e4twerk, das eigentlich erst die H\u00f6hen der Kritik der politischen \u00d6konomie erklommen h\u00e4tte, k\u00f6nnen wir getrost als erledigt betrachten.<\/p>\n<p>Poulantzas\u2019 Klassenanalyse, mit der Bock\/Goes ihre Thesen legitimieren, geh\u00f6rt m. E. zu jenen Aspekten seines theoretischen Werks, die heute als \u00fcberwunden gelten k\u00f6nnen und die bereits in den 1970er Jahren eher als etwas skurril angesehen wurden. So reduziert er die Arbeiter*innenklasse auf die mehrwertproduzierenden Lohnarbeiter*innen, w\u00e4hrend er jene Lohnarbeiter*innen, die der Zirkulationssph\u00e4re und der Realisierung des Mehrwerts zuzuordnen sind, d.h. dem Handelskapital und dem Bankkapital, anderen Klassen zuordnet, \u201edenn diese Kapitale und die Arbeit, die ihnen zugeh\u00f6rt, erzeugen keinen Mehrwert.\u201c Er bedient sich hier also eines etwas merkw\u00fcrdigen Kunstgriffs, indem er \u2012 als Beleg f\u00fcr seine These \u2012 schlicht auf seine eigene Behauptung verweist, deren objektive G\u00fcltigkeit er voraussetzt (eine Form der \u201eArgumentation\u201c, die auch Goes\/Bock beherrschen). Die Bourgeoisie gliedert Poulantzas in industrielles, Bank- und Handelskapital sowie Gro\u00dfgrundeigent\u00fcmer, neben denen zunehmend \u201emonopolistische Kapitale\u201c auftreten, die (so Poulantzas im Anschluss an Lenin) aus einer Verschmelzung dieser Klassenfraktionen zum Monopol entst\u00fcnden.<\/p>\n<p>Um jene nichtproduktiven Arbeiter*innen der Zirkulationssph\u00e4re und des staatlichen Sektors klassentheoretisch einzuordnen, erfindet Poulantzas den Begriff des \u201eNeuen Kleinb\u00fcrgertums\u201c, bei Bock\/Goes in ihrem Buch verschwommen als \u201esonstige lohnabh\u00e4ngige Schichten\u201c bezeichnet und in ihrem Diskussionsbeitrag 2018 in\u00a0<em>die Internationale<\/em>\u00a0(1\/2018, S. 6) zur Verteidigung ihres Ansatzes dann etwas konkreter mit dem Begriff des \u201elohnabh\u00e4ngigen Kleinb\u00fcrgertums\u201c belegt. Ingenieure und Techniker als \u201egeistige Arbeiter\u201c weist Poulantzas ebenfalls dem \u201eneuen Kleinb\u00fcrgertum\u201c zu und begrenzt den Sektor der Arbeiter*innenklasse damit noch weiter auf die mehrwertproduzierenden \u201emanuellen Arbeiter\u201c, da die Erstgenannten Machtbefugnisse des Kapitals aus\u00fcbten und ihre Klassenzuordnung somit durch die \u201eHerrschaft der politischen Verh\u00e4ltnisse gekennzeichnet\u201c sei.<\/p>\n<p>Die drei von Poulantzas identifizierten wesentlichen Fraktionen des neuen Kleinb\u00fcrgertums betrachtet er vor allem in Hinsicht auf ein potentielles B\u00fcndnis mit der Arbeiter*innenklasse:<\/p>\n<p>die Fraktion der einfachen Angestellten im Handel und in den Dienstleistungsbereichen (die, gemessen an der von Poulantzas konstruierten Klassenschranke, der Arbeiter*innenklasse am n\u00e4chsten stehen);<\/p>\n<p>die Fraktion der \u201esubalternen Agenten der b\u00fcrokratisierten staatlichen und privaten Sektoren\u201c (B\u00fcroangestellte, kleine Beamte)<\/p>\n<p>und schlie\u00dflich die Fraktion der \u201esubalternen Techniker und Ingenieure, die unmittelbar in die produktive Arbeit einbezogen sind\u201c, die als Machtapparat des Kapitals in den Unternehmen charakterisiert werden.<\/p>\n<p>Die wesentlichen Vertreter*innen der (immerhin auf Poulantzas fu\u00dfenden) Regulationstheorie haben im Gro\u00dfen und Ganzen als einzigen bewahrenswerten Aspekt seiner Klassentheorie den \u201eBruch mit \u00f6konomistischen Fassungen von Klasse\u201c hervorgehoben \u2012 seine teils impliziten, teils expliziten Verweise auf kulturelle Faktoren und Macht. Max Koch, der vor einem entsprechenden theoretischen Hintergrund in einem 1998 erschienenen Band verschiedene klassentheoretische Ans\u00e4tze einer kritischen Sichtung unterzog, urteilte dazu:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Schluss, alle unproduktiven Arbeiter von der Arbeiterklasse auszuschlie\u00dfen, ist nun keineswegs zwingend und f\u00e4llt hinter den von uns bereits zur Kenntnis genommenen Forschungsstand in Deutschland zur\u00fcck. Etwa bei H\u00fcbner u.a. 1970 findet sich schon der Hinweis, dass die nichtproduktiven Arbeiter genauso ausgebeutet werden wie die produktiven, auch wenn sie \u201enur\u201c an der Realisierung des Mehrwerts beteiligt sind. Wenn man also die \u00f6konomischen Formbestimmungen als Einteilungskriterien heranzieht, sollte, wie im PKA [Projekt Klassenanalyse, d. A.] eher von Fraktionen der Arbeiterklasse gesprochen werden, die sich aus der Unterscheidung von produktiver und unproduktiver Arbeit ergeben. Aber Poulantzas\u2019 Gebrauch des Begriffspaars \u201eProduktive und unproduktive Arbeit\u201c ist in einem noch umfassenderen Sinne inkonsistent, denn im Falle der Ingenieure und Techniker soll auf einmal nicht mehr ihre produktive Arbeit die entscheidende Kategorie f\u00fcr ihre Klassenstellung sein, sondern ihre Position in den \u201eMachtbefugnissen des Kapitals\u201c, die ihrerseits eng mit der leitenden Funktion im Arbeitsprozess verkn\u00fcpft ist.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Auch Poulantzas\u2019 Versuche, sein Theorem empirisch mit verschiedenen Studien zum franz\u00f6sischen Schul- und Ausbildungssystem der 1960er Jahre zu belegen, bleiben eher erfolglos. Sie k\u00f6nnen keine zwingende Beweisf\u00fchrung schaffen, vor allem in Bezug auf die von ihm konstruierten Formen kleinb\u00fcrgerlichen Bewusstseins, die sich aus der spezifischen Klassenlage etwa der Lehrkr\u00e4fte und Sch\u00fcler*innen unterschiedlicher Teilbereiche des Schulsystems ergeben sollen.<\/p>\n<p>Es war vor allem die Regulationstheorie im Gefolge der Abarbeitung an Althusser und Poulantzas die eine starke Neigung entwickelte, die politische und sozio\u00f6konomische Bedeutung von Klassenzugeh\u00f6rigkeit weitgehend zu negieren. Goes\/Bock aber haben durchaus den Anspruch, im Rahmen des von ihnen postulierten \u201eB\u00fcndnisses der Volksklassen\u201c bzw. \u201eUnten-Mitte-B\u00fcndnisses\u201c sozialistische Klassenpolitik gegen den (begrifflich von Poulantzas \u00fcbernommenen) \u201eBlock an der Macht\u201c entwickeln zu wollen. Da stellt sich schon die Frage, was sie dazu bewogen hat, gerade diesen Theorieansatz auszugraben und als Referenz f\u00fcr ihre Thesen zu w\u00e4hlen. Hier ist der kritische Leser auf Vermutungen angewiesen, weil Goes\/Bock ihre Postulate nicht weiter klassentheoretisch er\u00f6rtern. Kurz gesagt, halte ich die folgenden Gr\u00fcnde f\u00fcr naheliegend:<\/p>\n<ol>\n<li>Poulantzas bietet ein scheinbar weitgehend l\u00fcckenloses, wenn auch bei n\u00e4herer Betrachtung inkonsistentes Modell an.<\/li>\n<li>Aus diesem Modell ergeben sich R\u00fcckschl\u00fcsse auf handhabbare, wenn auch bei genauerem Blick auf die Empirie weitgehend haltlose R\u00fcckschl\u00fcsse auf die daraus abgeleiteten Bewusstseinslagen der unterschiedlichen Klassen, speziell auf das vermeintlich \u201ekleinb\u00fcrgerliche Bewusstsein\u201c (eine Kategorie, die sehr brauchbar ist, wenn es darum geht, politische F\u00fchrungsanspr\u00fcche zu untermauern).<\/li>\n<li>Es hat den unbestreitbaren Reiz der scheinbaren Hegemonief\u00e4higkeit von Klassenb\u00fcndnissen, die am gr\u00fcnen Tisch als Tr\u00e4ger des historischen Fortschritts dienen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><strong> Produktive und unproduktive Arbeit und die Lohnarbeiter*innenklasse<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Marx hat zwar keine ausgearbeitete Klassentheorie hinterlassen, aber in den diversen Schriften, in denen Ans\u00e4tze einer Theorie sozialer Klassen erkennbar sind, taucht der Begriff der \u201eArbeiterklasse\u201c in der sp\u00e4ter \u00fcblichen aufgeladenen und gedanklich mit einem k\u00e4mpfenden Industrieproletariat verkn\u00fcpften Form kaum auf. Stattdessen spricht er in der Regel von der \u201eLohnarbeiterklasse\u201c, mitunter auch quasi synonym damit vom Proletariat, wobei dieser Begriff zumeist eher schon die wahrnehmbaren politischen Regungen der Klasse meint. Wal Buchenberg schreibt in seiner Zusammenstellung der entsprechenden \u00fcberlieferten Textstellen:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Kriterien, nach denen Marx diese gesellschaftlichen Klassen einteilt, sind nichts weiter als ihre jeweiligen Eigentumsverh\u00e4ltnisse und die daraus abgeleiteten Einkommensquellen.<\/em><\/p>\n<p><em>Nach dieser rein \u00f6konomischen Bestimmung geh\u00f6ren zun\u00e4chst alle zur Lohnarbeiterklasse, die keine Existenzmittel (Produktionsmittel) besitzen au\u00dfer ihrer Arbeitskraft und daher von ihrer Arbeit leben m\u00fcssen. Es sind Menschen, die\u00a0\u201enur so lange leben, als sie Arbeit finden, und die nur so lange Arbeit finden, als ihre Arbeit das Kapital vermehrt.\u201c (Kommunistisches Manifest, MEW Bd.4, 468)<\/em><\/p>\n<p>Von dieser Lohnarbeiterklasse unterscheidet Marx an verschiedenen Stellen die selbstarbeitenden Eigent\u00fcmer \u2012 auch als kleine Meister bezeichnet \u2012 und eine im h\u00e4uslichen Umfeld der Bourgeoisie anzutreffende Bedienstetenklasse. Staatsbedienstete werden bei ihm in der Regel aus der Lohnarbeiterklasse herausgerechnet (\u201eRegierung, Pfaffen, Juristen, Milit\u00e4r usw.\u201c), nicht jedoch die unteren Chargen etwa bei der damals staatlich organisierten Post, Eisenbahn etc. Davon, dass durchg\u00e4ngig etwa die Produktion von Mehrwert ein Kriterium f\u00fcr die Zugeh\u00f6rigkeit der Lohnarbeiterklasse sei, ist bei Marx keine Rede \u2013 im Gegenteil. Gegen Ende seines Lebens schrieb er an einer Stelle:<\/p>\n<p><em>\u201eEndlich erlaubt die au\u00dferordentlich erh\u00f6hte Produktivkraft in den Sph\u00e4ren der gro\u00dfen Industrie, begleitet, wie sie ist, von intensiv und extensiv gesteigerter Ausbeutung der Arbeitskraft in allen \u00fcbrigen Produktionssph\u00e4ren, einen stets gr\u00f6\u00dferen Teil der Arbeiterklasse unproduktiv zu verwenden \u2026\u201c<\/em><\/p>\n<p>An dieser Stelle kommt man allerdings nicht umhin, die Klassen in ihrem Verh\u00e4ltnis zur Gesamtheit der Produktions- und Reproduktionsverh\u00e4ltnisse des Kapitals zu betrachten. Denn Marx analysiert, wie Altvater und Huisken betonen, die Klassen nicht als selbst\u00e4ndige Einheiten, die sich bek\u00e4mpfen oder auch zeitweise sich friedlich gegen\u00fcberstehen; sie sind auch keine blo\u00df politischen und sozialen Gebilde, also Gegenst\u00e4nde soziologischer Forschung, Objekte von Schichtenmodellen usw., sondern sie werden analysiert als Ausfluss des Kapitalverh\u00e4ltnisses. Dies ist, Altvater\/Huisken zufolge, der Grund daf\u00fcr, dass Marx die Klassen erst im letzten (unvollendeten) Kapitel des dritten Bandes des Kapital systematisch zu behandeln beginnt, nachdem die Kategorien des Kapitals im Allgemeinen und seiner Erscheinungsformen bis hin zu den Distributionsverh\u00e4ltnissen entwickelt worden sind. Die Analyse von Marx beschreibt demnach einen Zirkel: von der begrifflich-historischen Genesis des Kapitalverh\u00e4ltnisses als des Widerspruchs von Lohnarbeit und Kapital \u00fcber die Produktion der Formen, in denen das Kapital sich in seinem Gesamtprozess entfaltet, bis hin zu den verschiedenen Formen, in denen sich das Wertprodukt in Revenue aufteilt, zur Darlegung des im Kapitalismus grundlegenden Klassenwiderspruchs von Lohnarbeit und Kapital. Dieser Zirkel ist nun, wiederum Altvater\/Huisken zufolge, nicht etwa nur von der Darstellung des Stoffs her begr\u00fcndet, sondern von der Struktur des Gegenstandes \u2012 der kapitalistischen Gesellschaft selbst. Erst aus der Verfolgung der Reproduktionsbedingungen der kapitalistischen Gesellschaft k\u00f6nne die Reproduktion der Klassenverh\u00e4ltnisse und all der Formen, die die Konstituierung der Arbeiterklasse als Klasse f\u00fcr sich behindern und auch erm\u00f6glichen, nachvollzogen werden.<\/p>\n<p>Auf den Punkt gebracht, hei\u00dft dies, dass eine Herleitung der Arbeiter*innenklasse ausschlie\u00dflich aus der Ausbeutung durch die Produktion von Mehrwert f\u00fcr das Kapital unzureichend ist, weil die Reproduktionsverh\u00e4ltnisse au\u00dfer Acht gelassen werden und erst die Gesamtheit der Produktions- und Reproduktionsverh\u00e4ltnisse im Kapitalismus den Blick auf die Klassenverh\u00e4ltnisse freigibt. Und daraus folgt u.a. die unbestreitbare Tatsache, dass unproduktive Arbeiter*innen, etwa in der Reproduktionssph\u00e4re, nicht sinnvoll aus der Arbeiter*innenklasse herausdefiniert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Michael Mauke spitzt es in seiner Darstellung der Klassentheorie von Marx und Engels dergestalt zu:<\/p>\n<p><em>\u201eMit dem Fortschritt der kapitalistischen Akkumulation w\u00e4chst die Zahl der unproduktiven Arbeiter absolut und relativ bis an den Punkt, wo die steigende organische Zusammensetzung des Kapitals die Arbeiter vollends durch Maschinen ersetzt. Auf dieser Entwicklungsstufe wird auch der an die Mehrwertproduktion gebundene Begriff \u2018produktive\u2019 Arbeit hinf\u00e4llig.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Zwar ist davon auszugehen, dass dieses den Marx\u2019schen Theorien \u00fcber den Mehrwert (MEW Bd. 26) entnommene Szenario vor dem Hintergrund der Entwicklungen, die mit dem Schlagwort Industrie 4.0 verbunden sind, eher gewagte Spekulationen sind als valide Prognosen zur Entwicklung der kapitalistischen Warenproduktion. Aber sie unterstreichen doch die historische Ver\u00e4nderlichkeit nicht nur der kapitalistischen Produktionsverh\u00e4ltnisse, sondern auch der Ware Arbeitskraft. Dass die Arbeiter*innenklasse im \u00f6konomischen Sinne eben nicht nur Produzent*innen von Mehrwert, sondern auch unproduktive Arbeiter*innen umfasst, ist nicht nur eine ziemlich wahrscheinliche Schlussfolgerung aus den \u00c4u\u00dferungen von Marx und Engels, sondern, Ernest Mandel zufolge, Gemeinplatz aller \u2018orthodoxen\u2019 Nachfolger und deren Auffassungen, von Kautsky, Plechanow, Lenin bis Luxemburg und Trotzki. Mandel schreibt dazu:<\/p>\n<p><em>\u201eDie bestimmende strukturelle Charakteristik in Marx\u2019 Analyse des Kapitalismus ist der sozial\u00f6konomische Zwang, seine Arbeitskraft zu verkaufen. Damit sind in das Proletariat nicht nur die industriellen Handarbeiter eingeschlossen, sondern auch alle unproduktiven Lohnarbeiter, die Objekt der gleichen fundamentalen Zw\u00e4nge sind: Nichteigentum an Produktionsmitteln; Fehlen des direkten Zugangs zu der Produktion von Lebensmitteln; ungen\u00fcgender Geldbesitz, um die Mittel des Lebensunterhalts ohne den mehr oder weniger st\u00e4ndigen Verkauf der Arbeitskraft kaufen zu k\u00f6nnen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Mandel hebt ausdr\u00fccklich das Wachstum der unproduktiven Arbeit als bedeutenden Faktor der kapitalistischen Entwicklung und des quantitativen Wachstums der Arbeiter*innenklasse hervor. Abgegrenzt hiervon sind jene formal lohnabh\u00e4ngigen Schichten, deren Einkommensniveau es ihnen gestattet, Kapital zu akkumulieren \u2012 vor allem Angeh\u00f6rige des gehobenen Managements, aber auch h\u00f6here Staatsbedienstete. Mandel kommt hier zu einem Klassenbegriff, der ziemlich genau dem entspricht, was Michael Mauke unter R\u00fcckgriff auf Marx als die \u201eallgemeine Lohnarbeiterklasse\u201c bezeichnet. Dieser sachliche, an der Kritik der politischen \u00d6konomie angedockte Begriff ist m.\u00a0E. geeignet, Verwendung zu finden in bewusster Abgrenzung zu einem vor allem von stalinistischen und poststalinistischen Str\u00f6mungen historisch und bis heute gepr\u00e4gten Begriff von \u201eArbeiterklasse\u201c. Zumal dieser nicht nur eine kategoriale oder soziologische Tatsache bezeichnen soll, sondern hochgradig emphatisch-identit\u00e4r aufgeladen ist und eigentlich eher eine kulturell-politische imagin\u00e4re Einheit meint, das Salz der Erde, diejenigen mit der historischen Mission, selbstredend unter F\u00fchrung der (jeweils eigenen) kommunistischen Partei.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li><strong> Unproduktive Arbeiter*innen im \u00f6ffentlichen Dienst: lohnabh\u00e4ngiges Kleinb\u00fcrgertum?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Nun hat die st\u00fcrmische Entwicklung der Produktivit\u00e4t wie auch die Ausweitung und Umstrukturierung des Staates und der diversen Dienstleistungs- und Reproduktionsformen der Klasse und der Produktionsverh\u00e4ltnisse daf\u00fcr gesorgt, dass in der Tat ein erheblicher Teil der Lohnarbeiter*innenklasse nicht mehr unmittelbar an der Mehrwerterzeugung beteiligt ist, daf\u00fcr aber ist dieser Teil der Arbeiterklasse daran beteiligt, die Reproduktion der Ware Arbeitskraft zu gew\u00e4hrleisten, namentlich im Erziehungs-, Bildungs- und Sozialbereich sowie in den Gesundheitsberufen. Und selbstverst\u00e4ndlich geh\u00f6ren, allen Illusionen der Betroffenen zum Trotz, auch diese Gruppen, wie Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen, Lehrer*innen, zwar nicht zum unmittelbar mehrwerterzeugenden Kern der Lohnarbeiter*innenklasse, aber durchaus zur Lohnarbeiter*innenklasse als solcher.<\/p>\n<p>Die Bedingungen, unter denen sie an der Reproduktion der Ware Arbeitskraft arbeiten, unterscheiden sich sicherlich von Land zu Land. Anders als in Deutschland sind etwa die Lehrer*innen in den meisten L\u00e4ndern weder verbeamtet noch besonders gut bezahlt und stellen in den Arbeiter*innenbewegungen dort h\u00e4ufig einen recht militanten und organisierten Teil der Klassenavantgarde dar. Dass dies in Deutschland (zurzeit noch) \u00fcberwiegend anders ist, hat mit einer spezifischen Geschichte von nachholender kapitalistischer Entwicklung, Obrigkeitsstaat und dem Bed\u00fcrfnis des Staates nach einem Heer loyaler Staatsdiener zu tun \u2012 einem Modell, das auch in Deutschland seit den 1970er Jahren im Niedergang ist und mittlerweile nur noch in Restbest\u00e4nden existiert.<\/p>\n<p>Wenn Bock\/Goes neben der Tatsache der nur mittelbaren Beteiligung an der Produktion von Mehrwert vor allem die Besch\u00e4ftigung durch den Staat als zentrales Kriterium f\u00fcr die Nichtzugeh\u00f6rigkeit zur Arbeiter*innenklasse festhalten, \u00fcbersehen sie zwei wichtige Aspekte: Zum einen ist da die Bedeutung des (in Deutschland immer noch \u00fcberwiegend der \u00f6ffentlichen Hand unterliegenden) Gesundheits- und Bildungssektors f\u00fcr die Reproduktion der Ware Arbeitskraft zu nennen. Das Spektrum reicht von Erzieher*innen und Lehrer*innen, deren Arbeit vor allem darin besteht, diese besondere Ware \u00fcberhaupt erst heranzubilden, mit sozialen Kompetenzen und fachlichen F\u00e4higkeiten und Qualifikationen auszustatten, die sie f\u00fcr das Kapital verwertbar machen (wobei die Tatsache, dass im bundesweiten Schnitt heute weit \u00fcber 40 Prozent der Sch\u00fcler*innen ein Gymnasium besuchen, vor allem ein Ausdruck der enormen Produktivit\u00e4tssteigerungen durch u.\u00a0a. Verwissenschaftlichung der Produktion ist).<\/p>\n<p>Dies Spektrum umfasst ferner das Krankenpflegepersonal und das regul\u00e4re \u00e4rztliche Personal in den Krankenh\u00e4usern, die f\u00fcr die gesundheitliche Wiederherstellung der Arbeitskraft zust\u00e4ndig sind. Und es reicht bis hin zu Sozialarbeiter*innen, deren Aufgabe um die soziale und psychologische Einhegung der aus dem teilweise oder ganz, tempor\u00e4r oder dauerhaft, aus dem Verwertungsprozess f\u00fcr das Kapital herausgefallenen Lohnarbeiter*innen kreist. Deren T\u00e4tigkeitsfeld zielt zum Teil auf die Wiedereingliederung der Betroffenen in den Arbeitsprozess ab und teilweise auf die Verminderung der sozialen Folgekosten f\u00fcr Staat und Kapital. All diese Besch\u00e4ftigten sind \u2013 mit h\u00f6chst unterschiedlichen Arbeitsverh\u00e4ltnissen, Qualifikationsprofilen und Arbeitsbedingungen\u00a0\u2013 als unproduktive Arbeiter*innen anzusehen, deren Kosten f\u00fcr Arbeitsmittel, L\u00f6hne und ben\u00f6tigte Infrastruktur \u00fcber Steuern, Abgaben und Sozialversicherungsbeitr\u00e4ge in die Gesamtrechnung des Werts der Ware Arbeitskraft eingehen. In Teilen ist es dem Kapital gelungen \u2013 im Rahmen der Entwicklung des b\u00fcrgerlichen Staates \u2013, diese \u201eFaux Frais\u201c \u00fcber den Staat als ideellen Gesamtkapitalisten zu vergesellschaften und damit indirekt den Lohnabh\u00e4ngigen selbst aufzub\u00fcrden. Als Lohnnebenkosten, Steuern und Ausbildungskosten betreffen sie allerdings zu anderen Teilen auch relativ direkt die Profitraten der Unternehmen.<\/p>\n<p>Freerk Huisken versuchte in seiner Studie \u201eZur Kritik b\u00fcrgerlicher Didaktik und Bildungs\u00f6konomie\u201c u.a. die Rolle von Lehrer*innen genauer nach den Kategorien der Kritik der politischen \u00d6konomie zu untersuchen. Zur grunds\u00e4tzlichen Bestimmung schreibt er:<\/p>\n<p><em>\u201eDer Wert der Ware Arbeitskraft wird \u2013 dies wurde bereits gezeigt \u2013 nicht allein bestimmt durch das zur Reproduktion der Arbeitskraft notwendige Quantum Lebensmittel, sondern zugleich durch die zur Erziehung und Ausbildung notwendigen Bildungskosten. (\u2026) Bildungskosten gehen in den Wert der Ware Arbeitskraft ein und bestimmen die Gr\u00f6\u00dfe ihres Tauschwerts mit.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Als Lohnteile stellen demnach die Bildungskosten Abz\u00fcge von der potentiellen Konsumtionskraft dar. Als vorzuschie\u00dfendes variables Kapital schm\u00e4lern sie den Akkumulationsfonds des Kapitals. Verzichtbar sind sie f\u00fcr das Kapital jedoch noch lange nicht, auch wenn, gerade in Krisenperioden, immer wieder versucht wird, diese Kosten zu verringern und wenn dabei auch langfristige Folgekosten eines Zerfalls des Bildungssystems in Kauf genommen werden.<\/p>\n<p>Zum anderen ignorieren Bock\/Goes die bereits von ihrem Stichwortgeber Poulantzas betonte Rolle des Staates als Verdichtung gesellschaftlicher Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse \u2013 eine Formulierung, die von den sich auf Poulantzas beziehenden Regulationstheoretiker*innen aufgegriffen wurde. Sie beinhaltet letztlich, dass der b\u00fcrgerliche Staat eben nicht nur einfach ein Herrschaftsinstrument der ausbeutenden Klasse ist, sondern eine umk\u00e4mpfte Sph\u00e4re, in der sich wesentliche gesellschaftliche Auseinandersetzungen um die Regulationsweise des Kapitalismus abspielen und eben auch widerspiegeln. Daraus erfolgt aber auch: Es gibt nicht nur Klassenk\u00e4mpfe innerhalb der Sph\u00e4re des Staates, sondern es existiert im Rahmen des Funktionswandels des b\u00fcrgerlichen Staates der Gegenwart zum \u201enationalen Wettbewerbsstaat\u201c (Joachim Hirsch) kaum noch eine Ebene von Klassenauseinandersetzungen, die nicht in irgendeiner Weise direkt oder indirekt die Sph\u00e4re des Staates ber\u00fchren. Und selbstverst\u00e4ndlich sind damit Staatsbedienstete (ob Lehrer*innen, Krankenpflegepersonal, M\u00fcllwerker*innen, Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen, Verwaltungsbedienstete) als unproduktive Arbeiter*innen f\u00fcr den ideellen Gesamtkapitalisten Akteure in Klassenk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich sieht das u.a. auch Chris Harman, der darauf verweist, dass die Ausdehnung des Bildungssystems historisch mit dem Anstieg der Arbeitsproduktivit\u00e4t einhergeht, was nach seiner Lesart neben einer sp\u00fcrbaren Arbeitsverdichtung vor allem der verbesserten Ausbildung der Arbeitskr\u00e4fte geschuldet ist. Die kapitalistische Klasse k\u00f6nne ohne wachsenden Bildungssektor nicht sicherstellen, dass ausreichend flexible und anpassungsf\u00e4hige Arbeitskr\u00e4fte zur Verf\u00fcgung stehen. Insgesamt wachse die Produktivit\u00e4t der Arbeiter*innen, die unmittelbar Wert produzieren, rasch und habe den Anteil der produktiven Arbeiter*innen an der Gesamtarbeiterklasse der hochindustrialisierten L\u00e4nder stetig verringert.<\/p>\n<p>Aber dieses Produktivit\u00e4tswachstum h\u00e4nge zum Teil von einer wachsenden Anzahl von Arbeiter*innen ab, deren Arbeit die Produktivit\u00e4t jener warenproduzierenden Arbeiter*innen erh\u00f6ht. Waren in Deutschland 1991 noch 12 Prozent der Arbeiter*innen im Bildungs- und Gesundheitssektor besch\u00e4ftigt, waren es 1999 bereits 15 Prozent. Auf der anderen Seite versucht das Kapital, die Bildungs- und Gesundheitskosten unter dem Druck von Konkurrenz und Standortwettbewerb soweit wie m\u00f6glich zu verringern. Deswegen werden diese Besch\u00e4ftigten immer st\u00e4rker in Arbeitsbedingungen gezw\u00e4ngt, die man aus der Industrie oder standardisierter B\u00fcroarbeit kenne: Ressourcenverknappung, rigide Arbeitszeitmessung, Ergebnisorientierung (im deutschen Schulsektor ausgedr\u00fcckt durch den Paradigmenwechsel von der Input- zur Outputsteuerung), verst\u00e4rkte Leistungskontrollen und Evaluierungen. Zusammenfassend schreibt Harman:<\/p>\n<p><em>\u201eTats\u00e4chlich gibt es zwei zusammenh\u00e4ngende Entwicklungen in allen entwickelten Volkswirtschaften und in vielen \u2018Entwicklungsl\u00e4ndern\u2019: Die herk\u00f6mmliche gewerbliche Arbeiterklasse unterliegt einem immer st\u00e4rkeren Druck in dem Ma\u00dfe, wie das Kapital versucht, ihre Arbeitskraft direkt auszubeuten, um mehr Profit aus ihr zu schlagen. Gleichzeitig unterliegt die neue \u2018nicht warenproduzierende\u2019 Arbeiterklasse im \u2018Dienstleistungsbereich\u2019 der Proletarisierung in dem Ma\u00dfe, wie das Kapital bem\u00fcht ist, die Kosten einer wachsenden Masse von \u2018mittelbarer\u2019 Arbeit zu senken.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich gibt es auch f\u00fcr Harman eine \u201eneue Mittelklasse\u201c, da auch Schulen, Krankenh\u00e4user und Universit\u00e4ten hierarchisch gegliedert sind. Zu ihr rechnet er das Leitungspersonal dieser Institutionen, was er allerdings etwas schwammig zum einen mit den Kontroll- und Disziplinarfunktionen, \u00fcber die sie verf\u00fcgt, zum anderen mit den Geh\u00e4ltern dieser Leitungspersonen begr\u00fcndet. Der Gro\u00dfteil der Besch\u00e4ftigten dieser Institutionen jedoch wird von ihm als \u00fcberwiegend unproduktive Arbeiter*innen zur Weltarbeiterklasse gez\u00e4hlt.<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li><strong>Das Beispiel der Lehrkr\u00e4fte an \u00f6ffentlichen Schulen<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Zweifellos bringt die Situation von Lohnabh\u00e4ngigen in der Sph\u00e4re des Staates allerlei Widerspr\u00fcche mit sich, besonders, wenn sie den ideologischen Staatsapparaten zugeh\u00f6rig sind. Lehrer*innen etwa sind in Deutschland einerseits lohnabh\u00e4ngig, teilweise heute auch nicht mehr verbeamtet, von Dequalifizierung, in Teilen auch von Prekarisierung betroffen; andererseits sind sie Teil einer anachronistischen aus dem Sp\u00e4tfeudalismus \u00fcbriggebliebenen Dienst- und Verpflichtungsstruktur. Und sie tragen nicht nur zur Reproduktion der Arbeiter*innenklasse bei, entsprechend den Qualifikationsanforderungen des Kapitals, sondern auch zur Verinnerlichung der \u00f6konomischen Zw\u00e4nge des Kapitalismus.<\/p>\n<p>Dennoch sind sie nicht ohne Weiteres aus der Lohnarbeiter*innenklasse herauszurechnen, ebenso wenig wie Sozialarbeiter*innen (Reparaturwerkstatt des Systems), Erzieher*innen, st\u00e4dtische Reinigungskr\u00e4fte und M\u00fcllwerker etc. Zumal sie Teil eines Modernisierungsprozesses sind, in dem der nationale Wettbewerbsstaat l\u00e4ngst immer mehr Bereiche der kapitalistischen Verwertung und Konkurrenz ge\u00f6ffnet hat (Post, Telekomunikation, Eisenbahn) und auch die Teilprivatisierung des Schulsystems deutlich voranschreitet. So sind etwa im rot-rot regierten Brandenburg inzwischen ca. 25% aller Schulen, vor allem in strukturschwachen Gebieten, Privatschulen. Und damit sind nicht etwa gro\u00dfb\u00fcrgerliche Edelinternate gemeint, sondern Schulen, die dort in staatlichem Auftrag, aber zu privatwirtschaftlichen Konditionen die Unterrichtsversorgung sicherstellen, wo sich der Staat in der Fl\u00e4che l\u00e4ngst zur\u00fcckgezogen hat. Oder um ein anderes Beispiel zu nennen: Die Besch\u00e4ftigten in einem privatisierten Krankenhaus, etwa des Asklepius-Konzerns, mit deren Arbeit Mehrwert erzeugt wird und die der direkten Marktkonkurrenz unterworfen sind, sind in keiner anderen Weise lohnabh\u00e4ngig als die Besch\u00e4ftigten eines \u00f6ffentlich-rechtlichen Kreiskrankenhauses und auch klassenm\u00e4\u00dfig nicht anders zu fassen. Alles andere w\u00e4re absurd.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit ist es doch so, dass es von relativ kurzfristigen Konjunkturen in der Entwicklung des Bildungssektors abh\u00e4ngt, ob Lehrer*innen heute in Deutschland verbeamtet oder als Angestellte besch\u00e4ftigt werden, ob letztere unbefristete Vertr\u00e4ge haben oder befristet und prek\u00e4r besch\u00e4ftigt sind. Vor wenigen Jahren noch gab es die Tendenz in immer mehr Bundesl\u00e4ndern, den Beamtenstatus von Lehrkr\u00e4ften infrage zu stellen bzw. diese einfach gar nicht mehr zu verbeamten, vor allem in Ostdeutschland. Die \u00fcberraschende Erkenntnis, dass Migration und h\u00f6here Geburtenraten zur Folge haben, dass in den n\u00e4chsten Jahren \u00fcber eine Million Sch\u00fcler*innen mehr als geplant das deutsche Bildungssystem durchlaufen werden und, wie eine neue Studie ergab, und dass demn\u00e4chst allein etwa 35\u00a0000 Grundschullehrer*innen fehlen, hat diesen Trend anscheinend erstmal gestoppt. Sie f\u00fchrt aber zu zwei gegenl\u00e4ufigen Tendenzen: Einerseits gibt es einen verst\u00e4rkten Wettbewerb der Bundesl\u00e4nder um die fertig ausgebildeten, qualifizierten und examinierten Lehrkr\u00e4fte, der dazu f\u00fchrt, dass Arbeitskr\u00e4fte z.B. durch das hessische Kultusministerium u.a. mit der Aussicht auf Verbeamtung (und damit auf einen sicheren und gut bezahlten Arbeitsplatz) angelockt werden, wobei dann Bundesl\u00e4nder, die nicht verbeamten (z.B. Sachsen oder Berlin), das Nachsehen haben. Andererseits werden jedoch immer mehr Quereinsteiger ohne Staatsexamen \u00fcber Schmalspurfortbildungen (oder teilweise gar v\u00f6llig unvorbereitet) an die Schulen geworfen; sie sind \u00fcberwiegend mit befristeten Angestelltenvertr\u00e4gen besch\u00e4ftigt und haben aufgrund ihrer unzureichenden formalen Qualifikation keinerlei Chance, jemals verbeamtet zu werden. Diese Tendenz zur Dequalifizierung und Entrechtung der Arbeitskr\u00e4fte im Schulsystem (hier kommt inzwischen das didaktisch weitgehend durchgesetzte Dogma der Kompetenzorientierung zum Ausdruck) k\u00f6nnte sich als die langfristigere und durchgreifendere erweisen. In jedem Fall erh\u00f6ht die zunehmende Spaltung der Kollegien den Druck, irgendwann den Beamtenstatus f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte ganz abzuschaffen.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund m\u00fcssen sich Bock\/Goes (die sich in ihrem Erwiderungspapier zu den Kritiken an ihren Thesen besonders auf die verbeamteten Lehrer*innen als lohnabh\u00e4ngige Kleinb\u00fcrger*innen kapriziert haben) fragen lassen: Worin soll eigentlich \u2013 hinsichtlich des Arbeitsinhaltes und ihrer Funktion f\u00fcr das Kapital und den ideellen Gesamtkapitalisten \u2013 der Unterschied zwischen einer verbeamteten und einer angestellten Lehrkraft, einer prek\u00e4ren Honorarlehrkraft des Staates und einer solchen bei einem privaten Bildungstr\u00e4ger bestehen? In den meisten F\u00e4llen werden sie eingestehen m\u00fcssen, dass es schlicht keinen gibt. Die Frage, ob man in theoretischer Hinsicht von Ausbeutung sprechen kann, wenn es um den Arbeitsprozess unproduktiver Arbeiter*innen geht \u2013 und solche sind Lehrkr\u00e4fte zweifellos \u2012, ist unter Marxist*innen grunds\u00e4tzlich umstritten, zumal die betreffenden Lohnarbeiter*innen nur mittelbar an der Mehrwertproduktion beteiligt sind. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen: Die chronische Unterfinanzierung des Bildungssystems in Deutschland ist ein Teil des Versuchs, die \u201eFaux Frais\u201c f\u00fcr das Kapital soweit wie m\u00f6glich herunterzufahren \u2012 auch im Bestreben, den tendenziellen Fall der Profitrate im Sp\u00e4tkapitalismus zu verlangsamen und die Ausbeutungsrate zu erh\u00f6hen. Diese \u201eFaux Frais\u201c sind aber im Kern unvermeidlich, weil die damit bezahlten Funktionen bei der Reproduktion der Ware Arbeitskraft unverzichtbar sind.<\/p>\n<p>Die Konsequenzen, die dieser Ressourcenmangel f\u00fcr die Besch\u00e4ftigten des Bildungssektors hat (zerfallende Schulgeb\u00e4ude, \u00fcbergro\u00dfe Klassen, unbrauchbare Arbeitsmittel, entgrenzte Arbeitszeiten) \u00e4hneln sehr stark denen einer Krankenschwester im Nachtdienst, die alleine 30 Patienten zu versorgen hat, oder vergleichbaren Symptomen des Pflegenotstandes. Dass die Lehrkraft wie die Krankenschwester ihre Arbeitssituation durchaus als Ausbeutung empfinden kann und nicht selten auch empfindet, auch wenn beide h\u00e4ufig noch f\u00fcr staatliche Tr\u00e4ger arbeiten, ist, keine v\u00f6llig subjektiv aus der Luft gegriffene Gef\u00fchlsaufwallung, sondern hat einen realen Kern, der in eben diesem Prozess wurzelt. Wir d\u00fcrfen nur die kapitalistischen Produktions- und Reproduktionsverh\u00e4ltnisse nicht voneinander getrennt betrachten, sondern als sich wechselseitig bedingende Teile eines Gesamtprozesses.<\/p>\n<ol start=\"7\">\n<li><strong> Die Schim\u00e4re des \u201ekleinb\u00fcrgerlichen Bewusstseins\u201c<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Zuschreibung \u201ekleinb\u00fcrgerlich\u201c ist in marxistischen Diskursen nicht als moralische, sondern als klassenanalytische Kategorie gemeint. Allerdings wurde damit in der Geschichte der Arbeiter*innenbewegung und ihrer Theoriebildung ziemlich viel Schindluder getrieben. Gerade in stalinistischen und poststalinistischen Denktraditionen findet sich in aller Regel die theoretische Konstruktion eines emphatisch-identit\u00e4r aufgeladenen Begriffs von \u201eArbeiterklasse\u201c. Diese Arbeiterklasse hat durch ihre (nicht selten auf die materielle Produktion fokussierte) Ausbeutung durch die kapitalistische Mehrwertproduktion eine Schl\u00fcsselrolle bei der m\u00f6glichen revolution\u00e4ren \u00dcberwindung des Kapitalismus inne und hat eine historische Mission zu erf\u00fcllen .Und ihr wird \u2013 resultierend aus den spezifischen Ausbeutungserfahrungen als Klasse \u2013 idealtypisch eine besondere Form von Klassenbewusstsein quasi-naturgesetzlich zugeschrieben. Als organisierte Avantgarde der bewusstesten Teile dieser \u201eArbeiterklasse\u201c r\u00fcckt sodann die Kommunistische Partei ins Zentrum, deren f\u00fchrende Rolle im revolution\u00e4ren Prozess als Voraussetzung der gesellschaftlichen Umw\u00e4lzung und des sozialistischen Aufbaus angesehen wird.<\/p>\n<p>Abgegrenzt hiervon findet sich in aller Regel ein Kleinb\u00fcrgertum, das sich in seinen verschiedenen Segmenten aus aufgestiegenen Elementen der Arbeiterklasse (vor allem der Arbeiteraristokratie) wie auch aus im Niedergang begriffenen Elementen der Bourgeoisie zusammensetzt. Bei diesem Kleinb\u00fcrgertum handelt es sich um ein Konglomerat von Zwischenschichten. Diese Zwischenschichten sind \u2013 je nach politischer Konjunktur und strategischer Ausrichtung \u2012 von der \u201eArbeiterklasse\u201c und ihrer imagin\u00e4ren politischen F\u00fchrung in Gestalt der jeweiligen kommunistischen Partei entweder im Rahmen eines historischen Fortschrittsblocks zu gewinnen oder sie sind \u2013 sofern ihr sch\u00e4dlicher ideologischer Einfluss in der Partei deren politische Klarheit zu tr\u00fcben droht \u2012 aus dem Kaderkern der kommunistischen Partei zu entfernen. Denn so wie die \u201eArbeiterklasse\u201c \u2013 gespeist aus der Verbindung von elementarem Klassenbewusstsein und wissenschaftlichem Sozialismus \u2013 ein proletarisches Bewusstsein entwickelt, ist in dieser Lesart das Bewusstsein des Kleinb\u00fcrgertums naturgem\u00e4\u00df schwankend, def\u00e4tistisch, von Illusionen und falschen Aufstiegserwartungen gepr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Diese idealtypischen Annahmen einer bestimmten, sich aus ihrer vermeintlichen Klassenposition ergebenden Bewusstseinsentwicklung (basierend auf einem produktivistisch verengten, holzschnittartigen und exklusiven Klassenbegriff) sind- gemessen an der Klassenwirklichkeit und den ernsthafteren marxistischen Versuchen ihrer theoretisch-politischen Erfassung \u2013 nichts weiter als Esoterik. Insbesondere gilt dies f\u00fcr die MLPD, die die Lehre vom Kampf zwischen der proletarischen und der kleinb\u00fcrgerlichen Denkweise zu einem der Grundpfeiler ihres organisationspolitischen Katechismus gemacht hat. Aber auch die DKP ist \u2013 wenn auch meist weniger explizit \u2012 traditionell in der einen oder anderen Form von Versatzst\u00fccken dieser Sektenideologie erfasst, und das umso mehr, seit eine neostalinistische Fraktion in dieser Partei das Ruder \u00fcbernommen hat.<\/p>\n<p>Organisationspolitisch hat dies gravierende Konsequenzen. Denn die Lehre von der Klassengrenze zwischen der \u201eArbeiterklasse\u201c und dem (neuen) Kleinb\u00fcrgertum und den daraus resultierenden idealtypischen Zuschreibungen von Klassenbewusstsein war schon immer ein beliebtes Legitimationsinstrument f\u00fcr F\u00fchrungsanspr\u00fcche vermeintlich \u201eproletarischer\u201c und besonders prinzipienfester Fraktionen und Gruppen innerhalb der kommunistischen Partei; und sie war zugleich eine beliebtes Legitimationsinstrument f\u00fcr S\u00e4uberungen, Degradierungen und Ausschlusswellen von vermeintlich \u201ekleinb\u00fcrgerlich\u201c schwankenden Elementen. Noch relativ verklausuliert deutet sich eine solche Sto\u00dfrichtung z.B. in einem Papier der neuen DKP-Mehrheit an, in dem zuvor ein \u201eEindringen kleinb\u00fcrgerlichen Einflusses in unsere Partei\u201c konstatiert wurde:<\/p>\n<p><em>\u201eF\u00fcr die Wiedergewinnung einer eigenst\u00e4ndigen politischen Rolle der Arbeiterklasse und die Auspr\u00e4gung eines klaren Klassenbewusstseins ist der kleinb\u00fcrgerliche Einfluss ein erhebliches Hindernis. Eine ihrer selbst bewusste Arbeiterklasse kann es nicht geben ohne die Zur\u00fcckdr\u00e4ngung dieses Einflusses.\u201c<\/em><\/p>\n<p>In den von Bock\/Goes vorgetragenen klassenpolitischen Thesen findet sich im Kern \u2013 wenn auch verschwommen formuliert \u2013 genau dieser holzschnittartige, produktivistisch verengte und exklusive Klassenbegriff: Neben dem (inzwischen recht marginalen) traditionellen Kleinb\u00fcrgertum wird in Abgrenzung zur Arbeiterklasse ein \u201elohnabh\u00e4ngiges Kleinb\u00fcrgertum\u201c konstruiert, das zum einen aus Staatsbediensteten (also demnach Lehrer*innen, Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen, Besch\u00e4ftigten kommunaler Unternehmen etc.) und zum anderen aus dem unteren Management in Betrieben sowie aus Meistern, Technikern und Ingenieuren besteht. Wozu dient diese klassenpolitische Abgrenzung? Zur differenzierteren Analyse? Wohl kaum, das d\u00fcrfte aus der simplen Aufz\u00e4hlung der verschiedenen Berufsgruppen im \u00f6ffentlichen Dienst hervorgehen. N\u00e4her kommen wir der Sache, wenn wir versuchen, die sp\u00e4rlichen und \u00e4u\u00dferst vagen Andeutungen hinsichtlich der bewusstseinsm\u00e4\u00dfigen Konsequenzen zu interpretieren. Denn diese Andeutungen implizieren letztlich tats\u00e4chlich eine entsprechende Zuschreibung von Bewusstseinsformen. So hei\u00dft es in ihrem Erwiderungspapier gro\u00dfz\u00fcgig:<\/p>\n<p><em>\u201eVerbeamtete Lehrer*innen etwa werden nicht ausgebeutet, sie stehen dem Kapital auch nicht antagonistisch gegen\u00fcber \u2013 k\u00f6nnen aber im Rahmen gesellschaftlicher Auseinandersetzungen ein kapitalismuskritisches oder gar sozialistisches und damit antikapitalistisches Bewusstsein entwickeln. Das beruht aber nicht auf einer Ausbeutungserfahrung und speist sich nicht aus Gegenwehr gegen die Erscheinungsformen dieser Ausbeutung.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Von den \u2013 bereits benannten \u2013 Ambivalenzen des Ausbeutungsbegriffs abgesehen, kann diese Passage entweder bedeuten, dass es bestimmte Bedingungen gibt, unter denen sogar lohnabh\u00e4ngige Kleinb\u00fcrger ein proletarisches Klassenbewusstsein entwickeln k\u00f6nnen und damit ihre gegebene ideologische Beherrschtheit durch die Ideologie der Bourgeoisie \u00fcberwinden. Oder sie bedeutet schlicht gar nichts, weil z.B. die \u2013 durchaus relativ privilegierten \u2012 Besch\u00e4ftigten im Facharbeiterkern des VW-Konzerns zwar im engeren Sinne ausgebeutet werden und dementsprechend in der Theorie dem Kapital antagonistisch gegen\u00fcberstehen, in ihrer \u00fcbergro\u00dfen Mehrheit jedoch in der Praxis meist kein kapitalismuskritisches oder gar sozialistisches Bewusstsein aufweisen.<\/p>\n<p>Die reale Entwicklung von Klassenbewusstsein bei unterschiedlichen Besch\u00e4ftigtengruppen ist ein wesentlich komplexerer Prozess und die unterschiedlichen Reaktionsmuster verlaufen empirisch nachweisbar nicht entlang einer Grenze zwischen manueller\/nichtmanueller oder produktiver\/unproduktiver Arbeit. Sowohl die Sozialgeschichte rebellischer Klassenbewegungen auf verschiedenen Kontinenten als auch diverse vorliegende empirische Untersuchungen zeigen vielmehr, dass in bestimmten historischen Situationen gerade bestimmte vermeintlich oder real privilegierte Besch\u00e4ftigtengruppen unproduktiver Arbeiter*innen eine hervorgehobene Rolle innerhalb der Arbeiter*innen-Avantgarde spielten. Welche Muster sich hier herauslesen lassen, w\u00e4re eine spannende Frage, die aber von der Annahme einer quasi-nat\u00fcrlichen Bewusstseinsentwicklung bei mehrwertproduzierenden Arbeiter*innen wie auch vermeintlich nat\u00fcrlicher Bewusstseinsschranken bei den angeblichen lohnabh\u00e4ngigen Kleinb\u00fcrger*innen verstellt und ausgeblendet wird.<\/p>\n<ol start=\"8\">\n<li><strong> Klassenzusammensetzung und politische Organisation der Arbeiter*innenklasse<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Zusammensetzung der Lohnarbeiter*innenklasse ver\u00e4ndert sich aufgrund von Wandlungen der Produktionsstrukturen des Kapitals, im Rahmen von Qualifizierungs- und Dequalifizierungsprozessen, technologischen Ver\u00e4nderungen usw. Die innere Struktur der Lohnarbeiterklasse gleicht einem Flickenteppich. Das Gesamtinteresse der Lohnarbeiterklasse an der Aufhebung des Kapitalverh\u00e4ltnisses und der \u00dcberwindung der Warenproduktion (und damit nicht nur Sprengung der b\u00fcrgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsformation als solcher, sondern speziell auch der \u00dcberwindung ihres eigenen prek\u00e4ren Status als Lohnarbeiter*innenklasse) wird in der Regel \u00fcberlagert durch die Widerspr\u00fcche innerhalb der eigenen Klasse \u2013 durch das Konkurrenzverh\u00e4ltnis, in das die einzelnen Lohnarbeiter*innen zueinander gesetzt sind, und durch die verschiedenen Handlungsformen der Klassensegmente. In verschiedenen Phasen der Entwicklung der Arbeiterbewegung spielten die klasseninternen Auseinandersetzungen zwischen qualifizierten Facharbeitern und ungelernten Massenarbeitern ohne nennenswerte gewerkschaftliche Interessenvertretung eine nicht unwichtige Rolle. Denn diese verschiedenen Klassensegmente entwickelten eben unterschiedliche Bewusstseins- und Organisationsformen, sie waren unterschiedlich politisch eingebunden und waren in ihren Kampfformen zeitweilig kaum miteinander vermittelbar. Beispiele hierf\u00fcr g\u00e4be es viele. An dieser Stelle d\u00fcrfte es gen\u00fcgen, an den Ford-Streik von 1973 zu erinnern, der als \u201ewilder\u201c Arbeitskampf in erster Linie von den \u201eausl\u00e4ndischen\u201c Massenarbeitern gef\u00fchrt wurde und von einer breiten Koalition aus Werkschutz, Staatsapparat und IG-Metall mit Unterst\u00fctzung durch die Mehrheit der \u00bbdeutschen\u00ab Facharbeiter mit brutaler Gewalt niedergeschlagen wurde.<\/p>\n<p>Wer aber vertritt das oben genannte Gesamtinteresse der Lohnarbeiterklasse? Der ideelle Gesamtkapitalist ist der b\u00fcrgerliche Staat, der als Staat der herrschenden Klasse die sozialen Auseinandersetzungen bis zu einem gewissen Grad regulieren und integrieren kann und den gesellschaftlichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen ihren Ausdruck verleiht. Sein Charakter war historisch auch von der Funktion gepr\u00e4gt, jenes Gesamtinteresse an der Reproduktion der Verwertungsbedingungen des Kapitals auch gegen die Einzelkapitale durchzusetzen. Denn deren despotische und destruktive Exzesse von \u00dcberausbeutung und gnadenloser Konkurrenz h\u00e4tten ansonsten der kapitalistischen \u00d6konomie innerhalb von weniger als zwei Generationen die Grundlagen entzogen. Aber welche Instanz ist in der Lage, \u00fcber die teils zersplitterten, teils auch (etwa bei Facharbeitersegmenten die gegen ihren sozialen Abstieg k\u00e4mpfen) chauvinistischen und rassistischen Einzelinteressen hinaus \u2013 und im Zweifelsfall auch gegen sie\u00a0\u2013 die gemeinsamen Interessen des Proletariats als Klasse zum Ausdruck zu bringen? Wenn man Marx und Engels im\u00a0<em>Kommunistischen Manifest<\/em>\u00a0folgen mag, so ist es die kommunistische Partei das ist hier kein blo\u00dfer Name, sondern eine inhaltliche Kennzeichnung, deshalb klein geschrieben, die das elementare Klassenbewusstsein aufnimmt und aufhebt, die auch den wissenschaftlichen Kommunismus in seiner reinen Gestalt als Theorie aufhebt und aus der Verschmelzung von beidem einen revolution\u00e4ren Ansatz von Theorie und Praxis schafft. Aber dieser Ansatz kann niemals widerspruchslos und konfliktfrei sein, weil Widerspr\u00fcche nun einmal nicht miteinander vers\u00f6hnbar, sondern allenfalls dialektisch aufhebbar sind. Der Idealtypus vom Proletariat als einheitlich k\u00e4mpfender Klasse, der im Vulg\u00e4rmarxismus f\u00fcr bare M\u00fcnze genommen und kurzerhand zum h\u00f6chst imagin\u00e4ren \u201erevolution\u00e4ren Subjekt\u201c als quasi \u00fcberhistorischem Tr\u00e4ger des gesellschaftlichen Fortschritts erkl\u00e4rt wurde, \u00fcbersetzt sich nicht eins zu eins in die Realit\u00e4t der Klassenk\u00e4mpfe.<\/p>\n<p>Das Proletariat als Klasse hat nie als solches einheitlich gek\u00e4mpft und der Prozess der politischen Konstituierung des Proletariats als Klasse umfasste auch nie mehr als eine Minderheit der Lohnarbeiter*innen. Wie auch mit der kommunistischen Partei bei Marx nicht eine historisch-konkrete, auf die \u201ewissenschaftliche Weltanschauung\u201c eingeschworene homogene Organisation \u2012 weder von Arbeiterfunktion\u00e4ren noch von Berufsrevolution\u00e4ren \u2012 gemeint ist, sondern ein imagin\u00e4res \u201eKraftzentrum\u201c der Klasse, das, wenn \u00fcberhaupt, in sehr unterschiedlichen historisch-konkreten Formen als reale Organisationsstruktur entsteht und nicht daran erkennbar ist, dass es eine bestimmte politische Form aufweist oder bestimmte Slogans verwendet. Die erste Organisation, die in diesem Sinne kommunistische Partei war, war der\u00a0<em>Bund der Kommunisten<\/em>, in dem neben der Str\u00f6mung um Marx und Engels noch recht viele \u00dcberbleibsel seiner Vorl\u00e4uferorganisation, des\u00a0<em>Bundes der Gerechten<\/em>\u00a0fortexistierten. In ihm tummelten sich auch \u201ewahre\u201c Sozialisten wie Moses He\u00df, utopische und \u201eArbeiterkommunisten\u201c. Davon, dass der wissenschaftliche Sozialismus die einheitliche Grundlage der Organisation gewesen sei, wie etwa viele DDR-Historiker behaupteten, kann kaum die Rede sein. Eine ausschlie\u00dflich auf den Marx\u2019schen und Engels\u2019schen Theorien basierende Organisation w\u00e4re zu dieser Zeit nur als kleiner Intellektuellenzirkel mit Einfluss auf bestimmte Br\u00fcsseler und Berliner Salons, aber kaum mit nennenswerter Resonanz innerhalb der eigentlichen elementaren Arbeiterbewegung denkbar gewesen. Was es aber gab, waren bestimmte \u00dcbereink\u00fcnfte \u00fcber die Organisationsform, eine von Marx und Engels ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gte Zielbestimmung und Aufgabenstellung des\u00a0<em>Bundes der Kommunisten<\/em>.<\/p>\n<p>Eines unser wichtigsten Ziele in der gegenw\u00e4rtigen Situation ist es, Strukturen zu entwickeln, in denen es, auch aus der Defensive heraus, m\u00f6glich ist, einen Beitrag zum ideologischen Klassenkampf zu leisten. Das bedeutet auch, uns auf den gegenw\u00e4rtigen Stand kapitalistischer Vergesellschaftung zu stellen, uns als Bestandteil und Objekt der Proletarisierungstendenzen zu begreifen, alte, unbrauchbare und entleerte Formen proletarischer Bewusstseins\u00e4u\u00dferungen abzustreifen und nach neuen, zeitgem\u00e4\u00dfen Formen zu suchen, in denen sich elementares Klassenbewusstsein artikulieren kann. Und selbstverst\u00e4ndlich hei\u00dft dies auch, auf der Ebene, die uns zur Zeit erm\u00f6glicht ist, sofern wir uns als Kommunist*innen im Marx\u2019schen Sinne verstehen, theoretisch wie auch in verschiedenen Praxisformen das Gesamtinteresse des Proletariats zu formulieren und damit einen Beitrag zur \u00dcberwindung der Zersplitterung, der Ohnmacht und der Orientierungslosigkeit innerhalb der Lohnarbeiter*innenklasse zu leisten. Dies kann wohl als ein wesentlicher Bestandteil dessen verstanden werden, was Marx als revolution\u00e4ren Parteibildungsprozess des Proletariats \u2013 fern jeglicher Satzungsdiskussion, konkreten Parteiform oder des b\u00fcrgerlichen Parteienstatus \u2013 verstand.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang kann man innerhalb der fragmentierten und fraktionierten Lohnarbeiter*innenklasse zwar durchaus einen mehrwertproduzierenden Kern der Klasse ausmachen und diesem eine bestimmte strategische Relevanz zuweisen. Das entbindet die Kommunist*innen allerdings nicht von der Aufgabe, eine verbindende- Solidarit\u00e4t innerhalb der Gesamtarbeiter*innenklasse schaffende, die Fraktionierungen und Konkurrenzverh\u00e4ltnisse, kulturellen Distinktionen und identit\u00e4ren Abgrenzungen \u00fcberwindende \u2013 Klassenpolitik zu entwickeln. Bock\/Goes leisten mit ihren klassenpolitischen Annahmen und der darauf aufgebauten \u201elinkspopulistischen\u201c Konzeption dieser Aufgabe \u2013 zumindest in theoretischer Hinsicht \u2013 einen B\u00e4rendienst. Sie sitzen einem halbesoterischen poststalinistischen Klassenbegriff auf, der die Komplexit\u00e4t der sozialen und politischen Beziehungen sowohl innerhalb der Lohnarbeiter*innenklasse als auch gegen\u00fcber Staat und Kapital radikal vereinfacht. Ein solcher Klassenbegriff schafft Einfallstore sowohl f\u00fcr eine \u201earbeiteristische\u201c Verk\u00fcrzung als auch f\u00fcr eine linkspopulistisch bem\u00e4ntelte Wiederauflage gescheiterter und politisch im Sumpf des Reformismus und der Negierung von Klasseninteressen gelandeter Volksfrontstrategien.<\/p>\n<p>Als strategisch bedeutendste Aufgabe revolution\u00e4rer Marxist*innen verstehe ich es immer noch, die Einheit der Lohnarbeiter*innenklasse zu schaffen, also die verschiedenen fragmentierten, in Konkurrenz zueinander gesetzten Teile der Klasse \u00fcber soziale Erfahrungen in K\u00e4mpfen, \u00fcber politische Positionsbildungen und \u00fcber die vielen kleinen Schritte, die zur Bildung von Klassenbewusstsein f\u00fchren k\u00f6nnen, miteinander zu verbinden. Das ist etwas v\u00f6llig anderes, als die Formierung eines \u201ebreiten B\u00fcndnisses\u201c von \u201eVolksklassen\u201c. Und dahinter steht ein anderes Verst\u00e4ndnis von Klassen und Klassenpolitik als der von Bock\/Goes entwickelte Ansatz. Einige praktische Aspekte in den letzten Kapiteln kann ich durchaus teilen, aber durch den ihnen zugrundeliegenden strategischen und klassenpolitischen Ansatz werden diese m.\u00a0E. leider \u2012 zumindest in diesem Kontext \u2012 weitgehend entwertet.<\/p>\n<p><strong><em>Literatur<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Aigner, Sepp:<\/strong>\u00a0DKP und Kleinb\u00fcrgertum. Onlinequelle; URL:\u00a0<a href=\"https:\/\/theoriepraxis.wordpress.com\/2011\/11\/02\/dkp-und-kleinburgertum\/\">https:\/\/theoriepraxis.wordpress.com\/2011\/11\/02\/dkp-und-kleinburgertum\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Altvater, Elmar u. Freerk Huisken:\u00a0<\/strong>Produktive und unproduktive Arbeit als Kampfbegriffe, als Kategorien zur Analyse der Klassenverh\u00e4ltnisse und der Reproduktionsbedingungen des Kapitals; in: Sozialistische Politik, 1970, S. 47-92<\/p>\n<p><strong>Bock, Violetta u. Thomas Goes:\u00a0<\/strong>Ein unanst\u00e4ndiges Angebot? Mit linkem Populismus gegen Eliten und Rechte; K\u00f6ln 2017<\/p>\n<p><strong>Bock, Violetta u. Thomas Goes:\u00a0<\/strong>Links und popular. Eine Erwiderung der Autor*innen auf die Besprechung ihres Buches \u201eEin unanst\u00e4ndiges Angebot? Mit linkem Populismus gegen Eliten und Rechte; in: Die Internationale Nr. 1\/2018<\/p>\n<p><strong>Buchenberg, Wal:\u00a0<\/strong>Die Klassentheorie von Karl Marx; Online-Quelle, URL:\u00a0<a href=\"http:\/\/theoriepraxislokal.org\/kdpoe\/buchen-b.php\">http:\/\/theoriepraxislokal.org\/kdpoe\/buchen-b.php<\/a><\/p>\n<p><strong>Harman, Chris:\u00a0<\/strong>Workers of the World. Die Arbeiterklasse im 21. Jahrhundert; Frankfurt\/M 2003<\/p>\n<p><strong>Huisken: Freerk:<\/strong>\u00a0Zur Kritik b\u00fcrgerlicher Didaktik und Bildungs\u00f6konomie; M\u00fcnchen 1972<\/p>\n<p><strong>Koch, Max:\u00a0<\/strong>Vom Strukturwandel einer Klassengesellschaft. Theoretische Diskussion und empirische Analyse; M\u00fcnster 1998<\/p>\n<p><strong>Mandel, Ernest:\u00a0<\/strong>Kontroversen um \u201eDas Kapital\u201c; Berlin 1991<\/p>\n<p><strong>Marx, Karl:\u00a0<\/strong>Das Kapital; MEW Bd. 25<\/p>\n<p><strong>Mauke, Michael:\u00a0<\/strong>Die Klassentheorie von Marx und Engels; Frankfurt\/M 1973<\/p>\n<p><strong>Poulantzas, Nicos:<\/strong>\u00a0Klassen im Kapitalismus \u2013 heute; Westberlin 1975<\/p>\n<p><strong>Rousset, Pierre:\u00a0<\/strong>Die Linke zum Sieg f\u00fchren auf den Tr\u00fcmmern der Parteien? Theorie und Praxis des Linkspopulismus; Sozialistische Zeitung Nr. 7\/2017, Online-Quelle, URL:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.sozonline.de\/2017\/07\/die-linke-zum-sieg-fuehren-auf-den-truemmern-der-parteien\/\">http:\/\/www.sozonline.de\/2017\/07\/die-linke-zum-sieg-fuehren-auf-den-truemmern-der-parteien\/<\/a><\/p>\n<p><strong>Rousset, Pierre:<\/strong>\u00a0M\u00e9lenchon, France Insoumise, Populismus. Erschienen in: Die Internationale Nr. 5\/2017 S. 5\u201312<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/intersoz.org\/einheit-der-arbeiterinnenklasse-vs-buendnis-von-volksklassen\/\"><em>intersoz.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 12. September 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lutz Getzschmann. Die Buchver\u00f6ffentlichung von Violetta Bock und Thomas Goes \u201eEin unanst\u00e4ndiges Angebot? Mit linkem Populismus gegen Eliten und Rechte\u201c hat eine kontroverse Debatte ausgel\u00f6st. Diese dreht sich<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[25,10,4],"class_list":["post-6031","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-arbeiterbewegung","tag-breite-parteien","tag-strategie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6031","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6031"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6031\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6032,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6031\/revisions\/6032"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6031"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6031"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6031"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}