{"id":6051,"date":"2019-09-14T10:55:08","date_gmt":"2019-09-14T08:55:08","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6051"},"modified":"2019-09-14T10:55:09","modified_gmt":"2019-09-14T08:55:09","slug":"elektro-gav-gewerkschaften-unter-spannung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6051","title":{"rendered":"Elektro-GAV: Gewerkschaften unter Spannung"},"content":{"rendered":"<p><em>Beat Schenk.<\/em> Beim neuen Elektro-GAV wird das zwiesp\u00e4ltige Verh\u00e4ltnis der Gewerkschaften zur eigenen Basis besonders deutlich. Die Verhandlungen wirbelten Staub auf. Erstmals gab es sogar eine Mobilisierung auf der Strasse. Welches Fazit<!--more--> kann man aus dem Resultat und aus der Verhandlungsstrategie der Gewerkschaft Unia ziehen?<\/p>\n<p>Mit der heutigen Zustimmung von EIT.swiss, dem Verband der Patrons der Elektrobranche, enden die Verhandlungen f\u00fcr einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) f\u00fcr das Elektrogewerbe. Die GAV-Kampagne zeigte das grosse Potenzial, welches in der Radikalisierung und Mobilisierung der ArbeiterInnen im Gewerbe steckt. Die Gewerkschaften, allen voran die Unia wollten ernst machen. Doch steht die B\u00fcrokratie nicht nur sich selbst sondern auch den Werkt\u00e4tigen im Weg.<\/p>\n<p><strong>Es herrscht ein rauer Wind<\/strong><\/p>\n<p>Der steigende Zeit- und Leistungsdruck, die schlechten L\u00f6hne und der chronische Mangel an gut ausgebildeten Arbeitskr\u00e4ften, kombiniert mit einer Berufslehre, welche in den 70er-Jahren stecken geblieben ist, f\u00fchrten in den vergangen Jahren zu wachsendem Unmut unter den ElektrikerInnen. Der Neuabschluss des LMV im Bauhauptgewerbe hinterliess auch seine Spuren in den K\u00f6pfen der ArbeiterInnen im Handwerk.&nbsp;<\/p>\n<p>Das Aufgleisen einer GAV-Kampagne mit der Neuschaffung von Branchen- und Betriebsgruppen, dem Sammeln von Forderungen und Petitionen konnten verliehen diesem Unmut einen Ausdruck. So erkl\u00e4rt sich der Erfolg der allerersten Demonstration der ElektrikerInnen im Fr\u00fchling 2018 mit \u00fcber 400 ElektrikerInnen auf der Strasse. Das zeigt, wie ernst es den Belegschaften ist und wie schnell sich eine Berufsgruppe aus der Passivit\u00e4t in den Klassenkampf bewegen kann. Infolgedessen waren die ersten Verhandlungserfolge wohl gerade der \u00dcberraschung der Bosse geschuldet: Der Verband der Schweizer Elektro-Installationsfirmen rechnete wohl nicht damit, dass der Ruf der Gewerkschaften auf ein so grosses Echo st\u00f6sst, gerade in einer Branche ohne nennenswerte Gewerkschaftstradition.&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"960\" height=\"720\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Electros.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6052\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Electros.jpg 960w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Electros-300x225.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/Electros-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><figcaption> Maurer \u2013 Elektriker: der gleiche Kampf! \u2013 Elektriker aus der Romandie. Foto: RM<\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">H\u00f6here L\u00f6hne bei steigendem Druck<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die Verhandlungsdelegation erreichte eine generelle Lohnerh\u00f6hung und eine stattliche Anhebung der Mindestl\u00f6hne. Ausserdem sind ab 2021 endlich auch die Lernenden dem GAV unterstellt, regionale Mindestl\u00f6hne und der Zugang zu den Berufsschulen f\u00fcr die Gewerkschaften sind der erste Ausdruck dieses Erfolgs.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die Fortschritte sind beachtlich, gleichzeitig zeigt sich in den Verhandlungsresultaten aber auch, wie eng der Spielraum f\u00fcr Verbesserungen auf Basis der Sozialpartnerschaft ist. W\u00e4hrend die L\u00f6hne zwar steigen, nimmt der Druck auf die ArbeiterInnen weiter zu. Die Zahl der m\u00f6glichen \u00dcberstunden wird hochgeschraubt, die Spesenregelung verw\u00e4ssert und ein Karenztag soll die Angestellten bei Krankheit daran hindern, allzu schnell der Arbeit fernzubleiben. Hier zeigt sich: Auch in einer Branche die sich weitgehend von der Konkurrenz ausl\u00e4ndischer Firmen abriegelt, muss die Produktivit\u00e4t gesteigert werden, um der fallenden Profitrate bei stetiger Konkurrenz und Preisdruck entgegenzuwirken. Die Bosse zahlen also zwar bald mehr Lohn, erhalten im gleichen Moment aber auch kr\u00e4ftige Hebel, um die Ausbeutung der Angestellten zu steigern.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Bilanz und Perspektiven<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Was den GewerkschafterInnen unter dem Strich bleibt, ist ein Zuwachs an eigener Organisationsst\u00e4rke und ein gesteigertes Selbstbewusstsein. Doch gerade hier macht die B\u00fcrokratie der Basis einen Strich durch die Rechnung. Im Kanton Waadt, wie auch in der Ostschweiz, sorgten die Auseinandersetzungen zwischen Branchengruppen und B\u00fcrokratie zum Ausscheiden der jeweiligen Sekret\u00e4re. Die Gewerkschaftsf\u00fchrung will unter keinen Umst\u00e4nden die Kontrolle abgeben. In der Angst die eigene Stellung zu verschlechtern, greift der Apparat immer dann ein, wenn die neu aktivierte Basis spontane Initiative zeigt und sich nicht an Konventionen halten will. Firmenbosse \u00f6ffentlich an den Pranger zu stellen oder die Sozialpartnerschaft an sich zu hinterfragen passt nicht in den Kampagnenplan und wird unterbunden.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Obwohl st\u00e4ndig von der St\u00e4rkung und dem Einbezug der Basis gesprochen wird, setzt die Unia voll und ganz auf Stellvertreterpolitik. Die Basis soll beim Aufbau der Organisation helfen, die Mitbestimmung bleibt aber weitgehend auf der Strecke und zeigt sich bestenfalls in vorgespurten Diskussionen und symbolischen Abstimmungen. Dabei bleiben die F\u00e4higkeiten, das Potenzial und der Enthusiasmus der frisch gewonnenen KollegInnen weitgehend auf der Strecke. Wenn die Gewerkschaften aber kein Vertrauen in ihre Basis haben, k\u00e4mpfen sie unter ihrer Gewichtsklasse. Es bleibt bei Gesten ohne wahre Auseinandersetzungen. Wenn man aber die ArbeiterInnen ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen l\u00e4sst, entsteht daraus nicht nur ein ganz neues Potenzial der Radikalisierung und Organisation, es erw\u00e4chst dar\u00fcber hinaus eine wirklich revolution\u00e4re Perspektive.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Quelle: <\/span><\/i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\"><a href=\"https:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/deutsch\/arbeiterinnenbewegung\/gewerkschaften\/elektro-gav-gewerkschaften-unter-spannung\/#more-11291\"><i>derfunke.ch&#8230;<\/i><\/a><i> vom 14. September 2019<\/i><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beat Schenk. 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