{"id":6072,"date":"2019-10-01T15:35:01","date_gmt":"2019-10-01T13:35:01","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6072"},"modified":"2019-10-01T15:35:02","modified_gmt":"2019-10-01T13:35:02","slug":"zuerich-ein-strafbefehl-fuer-die-credit-suisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6072","title":{"rendered":"Z\u00fcrich: Ein Strafbefehl f\u00fcr die Credit Suisse"},"content":{"rendered":"<p><em>AG \u00d6kologie (BFS Z\u00fcrich). <\/em><strong>An der \u2026 Klimastreik-Demonstration [vom vergangenen Freitag] in Z\u00fcrich haben Aktivist*innen einen symbolischen Strafbefehl f\u00fcr die Credit Suisse verteilt. Hintergrund ist die Rolle der Grossbank<\/strong><!--more--><strong style=\"font-size: inherit;\">bei der Finanzierung der Klimakatastrophe und das Vorgehen der Polizei und der Staatsanwaltschaft gegen Klimaaktivist*innen, die im Juli 2019 in Z\u00fcrich und Basel die Sitze der Banken UBS und Credit Suisse blockiert haben.<\/strong><\/p>\n<p>In den f\u00fcr die Klimabewegung mittlerweile schon ikonisch gewordenen weissen Schutzanz\u00fcgen und mit Kabelbindern gefesselt stellten sich heute im Zuge des Klimastreiks mehrere Klimaaktivist*innen bei der Uraniastrasse vor die Filiale der Credit Suisse (CS). Gleichzeitig verteilten sie folgendes Flugblatt:<\/p>\n<p><strong>Die Rolle des Schweizer Finanzplatzes in der Klimakatastrophe<\/strong><\/p>\n<p>Mit diesem Flugblatt weisen die Aktivist*innen einmal mehr darauf hin, welche bedeutende Rolle der Schweizer Finanzplatz bei der Finanzierung klimasch\u00e4dlicher Industrien spielt. Als zweitgr\u00f6sste Bank auf dem Schweizer Finanzplatz geh\u00f6rt die Credit Suisse zur K\u00f6nigsklasse des internationalen Finanzwesens. Zahlreiche namhafte Akteure der Weltwirtschaft werden von der CS mit frischem Kapital versorgt.<\/p>\n<p>Ob ihre Kund*innen f\u00fcr gravierende Umweltsch\u00e4den oder Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind, spielt f\u00fcr das Z\u00fcrcher Finanzhaus dabei keine Rolle; Hauptsache das Investment verspricht viel Gewinn. Und weil wir in einer Welt leben, in der das r\u00fccksichtslose Ausbeuten der nat\u00fcrlichen Ressourcen sehr viel Gewinn abwirft, liest sich das Kundenverzeichnis der CS wie ein Stelldichein der weltgr\u00f6ssten Klimaverschmutzer*innen. Daraus ergibt sich, dass eine einzige Bank wie die Credit Suisse mit ihren Investitionen heute mehr CO<sub>2<\/sub>-Emissionen verursacht als alle Haushalte und Unternehmen innerhalb der Schweizer Landesgrenzen zusammen.<\/p>\n<p><strong>Die Credit Suisse und die Br\u00e4nde im Amazonas-Gebiet<\/strong><\/p>\n<p>Es erstaunt daher wenig, dass die CS auch bei der gegenw\u00e4rtigen\u00a0<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2019\/brasilien-der-amazonas-brennt\/\">Brandkatastrophe im Amazonas-Gebiet<\/a>\u00a0ihre Finger im Spiel hat. Zum Beispiel ist der Agrarmulti \u00abCargill\u00bb eine langj\u00e4hrige Gesch\u00e4ftspartnerin der Schweizer Grossbank. Cargill ist die gr\u00f6sste Abnehmerin von Soja aus illegal gerodeten Gebieten im Amazonas. Zudem finanziert die f\u00fchrende brasilianische Rindfleischproduzentin den Farmer*innen mitten im Urwald neue Strassen und Speichersilos. Damit gilt Cargill als wichtigste Treiberin von Brandrodungen in ganz S\u00fcdamerika. Die Credit Suisse hat diesem verbrecherischen Agrarkonzern zwischen 2013 und 2018 Kredite \u00fcber 274 Mio. Dollar gew\u00e4hrt. Die Schweizer Grossbank macht sich dadurch zur Komplizin bei der rasant voranschreitende Regenwaldzerst\u00f6rung im Amazonas und stellt einmal mehr ihre unr\u00fchmliche Rolle als Klimakillerin unter Beweis.<\/p>\n<p>Dass die Gesch\u00e4fte mit Cargill kein Ausrutscher sind, zeigen die weiteren Kreditfl\u00fcsse der Bank in den von wenigen Agrarmultis dominierten brasilianischen Landwirtschaftssektor. Mit der \u00abLouis Dreyfuss Company\u00bb, \u00abBunge\u00bb und \u00abArcher Daniels Midland\u00bb erhielten im Zeitraum von 2013 bis 2018 drei weitere Player des s\u00fcdamerikanischen Soja-Handels Kredite zwischen 60 und 345 Mio. Dollar. Wie folgenschwer diese Investitionen sind, zeigt\u00a0<a href=\"https:\/\/stories.mightyearth.org\/amazonfires\/index.html\">ein Bericht von amerikanischen Umweltorganisationen<\/a>. Daraus geht hervor, dass die aktuellen Waldbr\u00e4nde in Brasilien genau dort auftreten, wo die vorhin genannten Getreideh\u00e4ndler ihr Soja einkaufen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Download.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6073\" width=\"580\" height=\"819\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Download.png 620w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Download-212x300.png 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 580px) 100vw, 580px\" \/><\/figure>\n<p><strong>Proteste gegen Banken<\/strong><\/p>\n<p>Gegen die Investitionspraxis der Grossbanken\u00a0<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2019\/klimabewegung-klima-schuetzen-ist-kein-verbrechen\/\">hatten am 8. Juli\u00a02019\u00a0in Z\u00fcrich und Basel Aktivist*innen des\u00a0<em>Collective Climate Justice<\/em>\u00a0protestiert<\/a>. Sie hatten sich in die Eing\u00e4nge der Bankfilialen gesetzt und sich teilweise festgekettet. Die Polizei reagierte mit\u00a0<a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2019\/klimaproteste-erfahrungsberichte-aus-zuerich-zur-massiven-repression\/\">massiver Repression<\/a>\u00a0und die an der Blockade Beteiligten wurden f\u00fcr zwei ganze Tage in Gewahrsam genommen. Resultat waren in vielen F\u00e4llen Strafbefehle mit saftigen Bussen und Verfahrenskosten in der H\u00f6he von mehreren hundert Franken pro Person.<\/p>\n<p>Eine besonders unr\u00fchmliche Rolle spielte dabei der Staatsanwalt Edwin L\u00fcscher, Leiter der sogenannten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/-66e7\">\u00abKrawallgruppe\u00bb der Staatsanwaltschaft<\/a>. Er war es, der die lange Ingewahrsamnahme sowie die Abnahme von DNA-Proben bei allen Aktivist*innen angeordnet hat \u2013 und das auf aussergew\u00f6hnlich schludrige Art und Weise. Die Verf\u00fcgungen und Strafbefehle waren voll mit Fl\u00fcchtigkeits-, Sach- und Schreibfehlern. Was L\u00fcscher will, scheint klar: Die Klimabewegung mit massenhaften Urteilen in einen \u00ablegitimen\u00bb und einen \u00abillegitimen\u00bb Teil spalten. Und alle, die weisse Schutzanz\u00fcge tragen und nicht nur Forderungen an die Politik stellen, sondern in wichtigen, konkreten Aktionen auf die Verantwortlichen der Klimakatastrophe aufmerksam machen, sind in seiner Logik Verbrecher*innen und Gewaltt\u00e4ter*innen.<\/p>\n<p>Doch statt derjenigen Menschen, die f\u00fcr eine lebenswerte Zukunft einstehen, w\u00e4re es an der Zeit, dass endlich die Verantwortlichen der drohenden Katastrophe zur Rechenschaft gezogen werden. Die Klimaaktivist*innen heute vor der CS haben dies nun f\u00fcr einmal selbst in die Hand genommen und den entsprechenden Strafbefehl gegen\u00fcber der Credit Suisse bereits ausgestellt.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2019\/zuerich-ein-strafbefehl-fuer-die-credit-suisse\/\"><em>sozialismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 1. Oktober 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AG \u00d6kologie (BFS Z\u00fcrich). An der \u2026 Klimastreik-Demonstration [vom vergangenen Freitag] in Z\u00fcrich haben Aktivist*innen einen symbolischen Strafbefehl f\u00fcr die Credit Suisse verteilt. 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