{"id":608,"date":"2015-07-27T11:46:30","date_gmt":"2015-07-27T09:46:30","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=608"},"modified":"2015-07-28T09:30:01","modified_gmt":"2015-07-28T07:30:01","slug":"die-griechische-tragoedie-und-das-scheitern-des-reformismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=608","title":{"rendered":"Die griechische Trag\u00f6die und das Scheitern des Reformismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Reformismus ist die hegemoniale Orientierung der Arbeiterbewegung seit dem Zeitalter des Imperialismus. Sein historisches Scheitern wurde zwar schon mehrmals diagnostiziert. Am eindruckvollsten sicher durch Lenin <\/strong><strong>und die Bolschewisten<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> unmittelbar nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, indem sie die revolution\u00e4ren Bewegungen in Russland in die bislang gr\u00f6sste Revolution der Weltgeschichte f\u00fchrten und damit zeigten, dass es einen politischen Weg der Zerschlagung der b\u00fcrgerlichen Herrschaft gibt. Die aktuelle\u00a0tragische Entwicklung in Griechenland zeigt insbesondere erneut auf die Dringlichkeit einer konkreten politisch-organisatorischen Alternative jenseits des Reformismus.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die kurzen Episoden revolution\u00e4rer Vorst\u00f6sse \u2013 Russland ab 1917 bis in die erste H\u00e4lfte der zwanziger Jahre, Deutschland 1918 bis 1923, Italien und Ungarn nach dem ersten Weltkrieg bis Anfang 1920er Jahre, Spanien Mitte der 1930er Jahre, die antikolonialen Aufst\u00e4nde in den drei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg, der Zyklus der Arbeiterk\u00e4mpfe vor allem in Europa und den USA im Jahrzehnt nach der Mitte der 1960er Jahre &#8211; m\u00fcndeten allesamt in einer St\u00e4rkung von Orientierungen, die den Status quo der Herrschaftsverh\u00e4ltnisse, deren Ausdruck die Festigung der Warenform als Knotenpunkt der Strukturierung des Alltagslebens der Arbeiterklasse ist, nicht weiter herausforderte, sondern vielmehr best\u00e4rkte.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Diese etwas abstrakte Formulierung der Grundpfeiler des Reformismus findet ihren konkreten Ausdruck immer wieder an historischen Schnittstellen, wie etwa im halben Jahr nach dem Regierungsantritt des breiten griechischen Linksb\u00fcndnisses Syriza. Einerseits herrschen dort \u00dcberzeugung vor, dass nur im Einvernehmen mit der einheimischen und internationalen \u2013 insbesondere der europ\u00e4ischen &#8211; Bourgeoisie, f\u00fcr die Arbeiterklasse Verbesserungen herausgeholt (klassischer Reformismus) bzw. das Schlimmste verhindert werden k\u00f6nne (Sozialliberalismus). Dabei wird, zweitens, eine \u00dcbernahme bzw. eine Beteiligung an der Macht im b\u00fcrgerlichen Staat als zentrale Strategie mit einer\u00a0absoluten Priorisierung des Elektoralismus\u00a0\u00a0angesehen. Die tragende Illusion dabei ist, dass die Bourgeoisie sich dadurch von harten Klassenkampfmethoden abbringen und auf Politiken der nationalen Einheit festlegen lasse; dieser Illusion entsprechen die historisch vielf\u00e4ltigen Ans\u00e4tze, wo die linken Str\u00f6mungen innerhalb der reformistischen Parteien an der \u00dcberzeugung festhalten, ihre eher rechten, kompromissbereiten F\u00fchrungen etwas nach links dr\u00e4ngen zu k\u00f6nnten. Die soziale und politische Grundlage f\u00fcr den Reformismus ist eine bis in die unteren Segmente der Gesellschaft hinabreichende Bereitschaft, die L\u00f6sung der politischen Probleme nach oben zu delegieren.<\/strong><\/p>\n<p><strong>All diese reformistischen Ingredienzien sind in Syriza vorhanden. Deren rechte, aus der eurokommunistischen Tradition (Synaspimos) stammende F\u00fchrung, die in dem B\u00fcndnis \u00fcber eine starke Mehrheit verf\u00fcgt, hat sich im Verlauf des vergangenen halben Jahres in eine sozialliberale Formation verwandelt, mit allem Zubeh\u00f6r der Bel\u00fcgung der Massen, dem Kniefall vor der nationalen und internationalen, insbesondere der europ\u00e4ischen Bourgeoisie und dem Einsatz der staatlichen Repression gegen\u00fcber den ansetzenden Radikaliserungen. Die Linke Plattform innerhalb von Syriza hat es nicht geschafft, diesem erstaunlich schnellen Wandlungsprozess der Syriza-Regierung durch eine Nutzung ihrer Verankerung in den sozialen Bewegungen und den Gewerkschaften eine Gegenbewegung entgegenzusetzen \u2013 sei es weil sie zu schwach ist, sei es weil sie Angst vor einer Spaltung von Syriza oder vor Neuwahlen\u00a0hat.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Im nachfolgen Videoclip wird eine l\u00e4ngere Diskussion im Rahmen einer Veranstaltung der britischen Socialist Workers Party (SWP) von Mitte Juli 2015 wiedergegeben, wo einige der obigen Punkte angeschnitten werden. Die Hauptinterventionen stamen von Stathis Kouvelakis, einem F\u00fchrer von Syriza und von deren Linken Plattform und von Alex Callinicos, dem F\u00fchrer der SWP. Im Publikum treten unter anderem zwei Vertreter\u00a0des antikapitalistischen Linksb\u00fcndnisses\u00a0<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=593\">Antarsya<\/a> \u00a0auf. \u00a0Das Video findet sich hier: <\/strong><a href=\"http:\/\/youtu.be\/1paxMRddO0M\">Syriza in the dead end of Reformism?<\/a>\u00a0<strong><em>(<\/em>Redaktion<em> maulwuerfe.ch)<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Reformismus ist die hegemoniale Orientierung der Arbeiterbewegung seit dem Zeitalter des Imperialismus. Sein historisches Scheitern wurde zwar schon mehrmals diagnostiziert. 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