{"id":6090,"date":"2019-10-03T17:03:56","date_gmt":"2019-10-03T15:03:56","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6090"},"modified":"2019-10-03T17:03:58","modified_gmt":"2019-10-03T15:03:58","slug":"kapitalismus-und-klimakatastrophe-klippen-fuer-die-klimabewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6090","title":{"rendered":"Kapitalismus und Klimakatastrophe: Klippen f\u00fcr die Klimabewegung"},"content":{"rendered":"<p><em>Bryan Dyne. <\/em><strong>Am 20. und 27. September beteiligten sich weltweit mehr als 7,6 Millionen Menschen an den Klimastreiks. Die Proteste zeigten die ungeheure Bereitschaft der jungen Generation, f\u00fcr ihre Zukunft, die der Erde und der gesamten Menschheit zu k\u00e4mpfen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Es fanden auf allen sieben Kontinenten \u2013 einschlie\u00dflich der Antarktis \u2013 insgesamt 6.135 Protestveranstaltungen in mehr als 185 L\u00e4ndern statt. Jugendliche, Studierende und Unterst\u00fctzer machten ihrer Wut \u00fcber die multinationalen Konzerne Luft, die die Erde verschmutzen, niederbrennen und vergiften. Sie brachten ihre Emp\u00f6rung \u00fcber alle Regierungen weltweit zum Ausdruck, die unf\u00e4hig sind, die sich rasant versch\u00e4rfende Umweltkrise aufzuhalten. Einer ganzen Generation wird immer mehr bewusst, dass der steigende Meeresspiegel, extremes Wetter, die Zerst\u00f6rung von Korallenriffen und der Verlust der Artenvielfalt auf den Kapitalismus zur\u00fcckgehen, der sich als ein Wirtschaftssystem erwiesen hat, das die Gesellschaft und die Umwelt zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Diese Gefahren wurden vom \u201eUN-Sonderbericht \u00fcber die Ozeane und die Kryosph\u00e4re in einem sich wandelnden Klima\u201c erneut verdeutlicht. Er best\u00e4tigte nochmals, dass die Ozeane, Polarkappen und Gletscher zu den \u00d6kosystemen geh\u00f6ren, die am meisten vom Klimawandel betroffen sind \u2013 und dass die Existenz von Millionen Menschen gef\u00e4hrdet ist. Das Abschmelzen der Eiskappen, Gletscher und Permafrostb\u00f6den droht, die sozialen Kosten der Erderw\u00e4rmung um ein Vielfaches zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Vielen jungen Menschen wird auch zunehmend bewusst, dass die Klimakrise eine internationale L\u00f6sung erfordert, in der die Ressourcen der Welt auf rationale und wissenschaftliche Weise eingesetzt werden, um die jahrzehntelange Umweltzerst\u00f6rung zu stoppen und umzukehren. Jeder echte Kampf gegen den Klimawandel setzt sich unweigerlich \u00fcber nationale Grenzen, Unternehmensprofite und die Interessen von Milit\u00e4rs und Geheimdiensten hinweg.<\/p>\n<p>Deshalb m\u00fcssen alle, die an den Klimaprotesten teilgenommen haben oder dies in Zukunft tun wollen, gewarnt sein. Dass so viele internationale Staatschefs und Konzernbosse \u2013 zusammen mit diversen Prominenten und f\u00fchrenden Akademikern \u2013 den globalen Klimastreik unterst\u00fctzen, bedeutet nicht, dass diese Schichten dem \u201eDruck\u201c der Stra\u00dfe nachgeben und beginnen werden, die Klimakrise zu l\u00f6sen. Vielmehr zeigt sich darin, dass die Proteste trotz der Ansichten der breiten Masse der Teilnehmer in Kan\u00e4le gelenkt werden, die f\u00fcr die herrschende Klasse politisch annehmbar sind.<\/p>\n<p>Beispielhaft f\u00fcr diese Gefahr ist die 16-j\u00e4hrige Schwedin Greta Thunberg, die ihre aufrichtige Leidenschaft f\u00fcr den Kampf gegen den Klimawandel letzten Montag in ihrer Rede vor dem UN-Klimagipfel zeigte. Gleichzeitig traf sie sich w\u00e4hrend ihrer Reise in den USA und Kanada mit Barack Obama und Justin Trudeau, die beide erprobte Diener des Kapitalismus und, nach jeder vern\u00fcnftigen Definition des Begriffs, Kriegsverbrecher sind. Sie sind verantwortlich f\u00fcr den Tod, die Verst\u00fcmmelung und erzwungene Flucht von Millionen Menschen im Nahen Osten, in Zentralasien und Nordafrika.<\/p>\n<p>Die politische Sackgasse der Klimaproteste offenbart sich auch in der Unterst\u00fctzung f\u00fcr die derzeitigen \u201eStreiks\u201c durch 3.024 Unternehmen. Auf tats\u00e4chliche Streiks der Arbeiter reagieren die gleichen Unternehmen mit einstweiligen Verf\u00fcgungen, Massenentlassungen und brutaler Gewalt. In den \u201eKlimastreiks\u201c hingegen wollen sie sich eine \u201egr\u00fcne\u201c Fassade zulegen und hoffen so, die Demonstrationen zu beschwichtigen und Millionen Jugendlichen und Arbeiter von einem Kampf gegen den Kapitalismus abzubringen.<\/p>\n<p>Diese Unternehmen lehnen jedes effektive Vorgehen gegen den Klimawandel genauso ab wie die fossilen Brennstoffkonzerne, die die Klimaproteste offen verurteilen. Denn ein tats\u00e4chlicher Kampf gegen den Klimawandel w\u00fcrde die Grundlage des gesamten Profitsystems gef\u00e4hrden: das Privateigentum an den Produktionsmitteln.<\/p>\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr diese Haltung ist Rory Kennedy, der j\u00fcngste Sohn von Robert Kennedy und Direktor der Climate Emergency Fund (CEF). Die Organisation bezeichnet den \u201eKlimanotstand\u201c als \u201eexistenzielle Krise\u201c und hat Millionen Dollar an verschiedene Umweltschutz- und Klimaaktivistengruppen gespendet, u. a. 350.org und Extinction Rebellion.<\/p>\n<p>Allerdings ist die CEF kein wohlt\u00e4tiger Spender, wie die\u00a0<em>New York Times<\/em>\u00a0in ihrem Artikel \u201eDie Million\u00e4re, die die Klimaproteste mitfinanzieren\u201c ihren Lesern weismachen will. Die Bewegungen, die sie finanziert, sollen sich ausdr\u00fccklich auf \u201elegale Aktivit\u00e4ten\u201c beschr\u00e4nken, die \u201eauf konstruktive Weise Bewusstsein schaffen und sofortige Aktionen\u201c gegen die anhaltende Zerst\u00f6rung der Umwelt fordern.<\/p>\n<p>Das l\u00e4uft bestenfalls auf einen Appell an die Vereinten Nationen und die diversen \u201egr\u00fcnen\u201c und \u201elinken\u201c Parteien hinaus, die sich seit dem ersten gro\u00dfen internationalen Bericht \u00fcber die Gefahr der Erderw\u00e4rmung 1992 den fossilen Brennstoffindustrien unterworfen und daf\u00fcr gesorgt haben, dass kein globales Klimaschutzabkommen \u2013 vom Kyoto-Protokoll 1997 bis zum Pariser Klimaschutzabkommen 2015 \u2013 echte Grenzen f\u00fcr die Emission von Treibhausgasen festlegt. Stattdessen haben sie neue Schutzmechanismen f\u00fcr die Energiekonzerne \u201eihrer\u201c L\u00e4nder durchgesetzt.<\/p>\n<p>Noch unheilvoller ist, dass die CEF die von ihr finanzierten Organisationen dem unterwirft, was von Politikern wie dem faschistischen US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump und seinem brasilianischen Amtskollegen Jair Bolsonaro als \u201elegal\u201c erachtet wird. Beide leugnen den Klimawandel und unterdr\u00fccken aktiv die wissenschaftliche Forschung. Ihre Regierungen schrecken nicht davor zur\u00fcck, die Polizeistaatsma\u00dfnahmen, die sie gegen Immigranten und Fl\u00fcchtlinge entwickelt haben, auch gegen sozialen Widerstand im Inland und die Klimaproteste zu richten.<\/p>\n<p>Generell spricht die Tatsache, dass so viele Umweltschutzorganisationen von Million\u00e4ren oder sogar Milliard\u00e4ren finanziert werden, B\u00e4nde \u00fcber die Sackgassee \u201egr\u00fcner\u201c Politik. Aufrufe an die Weltbev\u00f6lkerung, ihren \u201eLebensstil\u201c oder ihre \u201eErn\u00e4hrung\u201c zu \u00e4ndern, sprechen die Kapitalistenklasse von jeder Verantwortung f\u00fcr die Krise frei und schieben der internationalen Arbeiterklasse die Schuld zu, weil sie an einem Wirtschaftssystem teilnimmt, \u00fcber das sie keine Kontrolle hat. Das ist zum Markenzeichen \u201egr\u00fcner\u201c Parteien auf der ganzen Welt geworden, w\u00e4hrend sie gleichzeitig imperialistische Kriege unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Noch schlimmer sind die Behauptungen, die einzige L\u00f6sung f\u00fcr die Klimakrise liege in einer starken Verringerung der Weltbev\u00f6lkerung. Diese reaktion\u00e4re Perspektive stammt von einer Schicht von Akademikern und Kleinb\u00fcrgern, die seit der Aufl\u00f6sung der UdSSR v\u00f6llig demoralisiert sind und keinerlei Vertrauen mehr haben, dass die Arbeiterklasse in der Lage ist, eine bessere Zukunft zu schaffen. Die Bef\u00fcrworter dieser Politik sollten gefragt werden, ob sie bereit sind, ihre eigene privilegierte Existenz zu opfern, wenn sie als Teil der \u201e\u00fcberfl\u00fcssigen Bev\u00f6lkerung\u201c eingestuft werden.<\/p>\n<p>Die Teilnehmer der Klimaproteste m\u00fcssen solche malthusianischen Ansichten zur\u00fcckweisen. Nicht die \u201eMenschheit\u201c hat die ganze Biosph\u00e4re der Erde an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, sondern die Kapitalistenklasse, gest\u00fctzt auf das Privateigentum einiger tausend Milliard\u00e4re und Gro\u00dfkonzerne, und die Spaltung der Welt in rivalisierende Nationalstaaten. Der Kapitalismus und das Nationalstaatensystem sind die Hindernisse f\u00fcr einen ernsthaften Kampf gegen die Erderw\u00e4rmung.<\/p>\n<p>Sch\u00fcler und Jugendliche m\u00fcssen sich der internationalen Arbeiterklasse zuwenden. Millionen Menschen werden im Kampf gegen wachsende soziale Ungleichheit, Angriffe auf demokratische Rechte und die Gefahr imperialistischer Kriege mobilisiert. Die Klimakrise ist ein weiterer Grund, warum die Produktivkr\u00e4fte unter die demokratische Kontrolle der Arbeiterklasse gestellt werden m\u00fcssen. Sie ist die einzige gesellschaftliche Kraft, die in der Lage ist, den Kapitalismus und das Nationalstaatensystem abzuschaffen und eine globale Gesellschaft zu errichten, in der die sozialen Bed\u00fcrfnisse und nicht das private Profitstreben an erster Stelle stehen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/10\/03\/pers-o03.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 3. Oktober 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bryan Dyne. Am 20. und 27. September beteiligten sich weltweit mehr als 7,6 Millionen Menschen an den Klimastreiks. 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