{"id":6264,"date":"2019-10-25T09:23:57","date_gmt":"2019-10-25T07:23:57","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6264"},"modified":"2019-10-25T09:23:58","modified_gmt":"2019-10-25T07:23:58","slug":"gegen-die-imperialistischen-aufteilungsplaene-in-rojava","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6264","title":{"rendered":"Gegen die imperialistischen Aufteilungspl\u00e4ne in Rojava!"},"content":{"rendered":"<p><em>BFS Z\u00fcrich und BFS Jugend Z\u00fcrich.<\/em><strong> Mit dem Abzug der US-amerikanischen Truppen hat Trump seinem NATO-Partner Erdogan den Weg f\u00fcr die lang ersehnte Invasion in Nordsyrien geebnet. Seither f\u00fchrt Erdogan, unbehelligt von der sogenannten<\/strong><!--more--><strong style=\"font-size: inherit;\">internationalen Gemeinschaft, einen blutigen Vernichtungskrieg gegen<\/strong><span style=\"font-size: inherit;\">\u00a0<\/span><strong style=\"font-size: inherit;\">das selbstverwaltete kurdische Gesellschaftsprojekt in Rojava. Die EU greift nicht ein, um die wirtschaftliche Partnerschaft mit der T\u00fcrkei und den \u00abFl\u00fcchtlingsdeal\u00bb nicht zu gef\u00e4hrden. Sie nimmt damit in Kauf, dass tausende Menschen sterben und hunderttausende vertrieben werden. Und nun wurde bekannt, dass Erdogan und Putin vereinbart haben, Nordsyrien unter sich, Assad und den USA aufzuteilen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erdogans nationalistische Pl\u00e4ne helfen dem IS<\/strong><\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei pochte seit Monaten darauf, in der Grenzregion eine \u00abSicherheitszone\u00bb einzurichten. Das Sicherheits-Argument ist aber nur vorgeschoben, denn eigentlich geht es um die Zerst\u00f6rung der kurdischen Autonomie. Erdogan steht innenpolitisch unter Druck und sieht im Krieg gegen Rojava unter anderem ein Mittel, um seine Macht zu sichern. Mit einem t\u00fcrkisch besetzten Korridor in Syrien treibt er einerseits die kurdische Bev\u00f6lkerung Syriens und der T\u00fcrkei geografisch auseinander. So behindert er die st\u00e4rkere Ann\u00e4herung der kurdischen Bewegungen, die nach jahrzehntelanger Unterdr\u00fcckung ein unabh\u00e4ngiges, freies Kurdistan aufbauen wollen. Andererseits sch\u00fcrt Erdogan damit die antikurdischen Ressentiments in der T\u00fcrkei. Dies sichert ihm l\u00e4ngerfristig die Unterst\u00fctzung der nationalistischen Kr\u00e4fte in der T\u00fcrkei.<\/p>\n<p>Bis anfangs Oktober 2019 haben die USA dieses Vorhaben verhindert. Zu gross waren die Bedenken, dass der Einmarsch der T\u00fcrkei zum Wiedererstarken des IS f\u00fchren w\u00fcrde. Mittlerweile hat sich gezeigt, dass diese Bedenken nicht unbegr\u00fcndet waren. Seit Kriegsbeginn sind hunderte inhaftierte IS-K\u00e4mpfer aus den Gef\u00e4ngnissen und Gefl\u00fcchtetenlagern geflohen, die die kurdischen Kr\u00e4fte nicht mehr bewachen konnten. Zudem hat die T\u00fcrkei verschiedene dschihadistische Milizen rekrutiert, um die Region zu destabilisieren und die kurdischen Kr\u00e4fte zus\u00e4tzlich zu schw\u00e4chen. Bereits kam es zu islamistischen Anschl\u00e4gen und einige D\u00f6rfer in Nordsyrien sind wieder unter Kontrolle des IS.<\/p>\n<p><strong>Imperialistische Aufteilungspl\u00e4ne<\/strong><\/p>\n<p>Nach den v\u00f6lkerrechtswidrigen Einm\u00e4rschen der T\u00fcrkei in der Region rund um Al-Bab 2016 und Afrin 2018 im Nordwesten Syriens, die ebenfalls von kurdischen Kr\u00e4ften kontrolliert wurden, geht die T\u00fcrkei nun also noch weiter. Dieser von der T\u00fcrkei gef\u00fchrte Krieg ist verheerend f\u00fcr die Region, die sich nach der Zeit der islamistischen Terrorherrschaft noch im Wiederaufbau befindet. Hunderttausende Menschen sind zur Flucht gezwungen. Die Bem\u00fchungen zur Zerschlagung des IS, welche zehntausende Tote gekostet haben, werden zunichte gemacht.<\/p>\n<p>Mittlerweile ist bekannt geworden, dass Putin und Erdogan eine Vereinbarung zur Aufteilung Nordsyriens getroffen haben: Die T\u00fcrkei annektiert de facto Afrin und die Gebiete um die St\u00e4dte Azaz, Mare und Jarabulus im Nordosten, die Gebiete um Tal Abayd\/Gire Spi und Ras al-Ain\/Serekaniye im mittleren Norden. Das Assad-Regime \u00fcbernimmt die dicht besiedelten Gebiete um Kobane und Qamishlo\/Qamishli sowie Derik\/Al-Malikiyah ganz im Nordosten.<\/p>\n<p>Diese Gebiete sind von Kurd*innen, Araber*innen, Assyrer*innen und weiteren Volksgruppen besiedelt. In den Grenzgebieten im Norden bis 10km von der Grenze entfernt sollen t\u00fcrkische und russische Truppen stationiert sein. Die S<em>yrian<\/em>\u00a0Democratic Forces (SDF, kurdisch dominiertes Milit\u00e4r- und Verteidigungsb\u00fcndnis) und die Kr\u00e4fte der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG\/YPJ m\u00fcssen sich hinter eine Zone von 30km von der t\u00fcrkischen Grenze zur\u00fcckziehen. In einigen Gebieten weiter s\u00fcdlich sind noch lokale Milit\u00e4rr\u00e4te der \u00f6rtlichen Bev\u00f6lkerung zugelassen. Die SDF w\u00fcrden demnach nur noch d\u00fcnn besiedelte und sehr trockene Gebiete kontrollieren. In diesen Gebieten sind aber die wichtigsten \u00d6lquellen und hier wollen US-Truppen weiterhin stationiert bleiben.<\/p>\n<p><strong>Folgen der Aufteilungspl\u00e4ne<\/strong><\/p>\n<p>\u27a1\ufe0f Die demokratische Selbstverwaltung verliert die milit\u00e4rische Kontrolle \u00fcber alle dicht besiedelten Gebiete.<\/p>\n<p>\u27a1\ufe0f Die imperialistischen M\u00e4chte der USA, Russland und in Europa sowie ihre (wechselnden) Partner der autorit\u00e4ren Regimes in der T\u00fcrkei, Syrien und Iran sind sich einig: Sie wollen keine demokratische Selbstbestimmung der Menschen vor Ort. Sie wollen Kontrolle und Herrschaft.<\/p>\n<p>\u27a1\ufe0f Die gesamte Operation wird eine riesige Fluchtbewegung ausl\u00f6sen. Fl\u00fcchtende Menschen \u00abst\u00f6ren\u00bb in den Augen der M\u00e4chtigen allerdings nur, wenn sie in die imperialistischen L\u00e4nder wollen.<\/p>\n<p>\u27a1\ufe0f Da das Projekt der demokratischen Selbstverwaltung aber vor allem ein zivilgesellschaftliches ist, werden ihre Strukturen in den Gebieten im Norden weiterhin existieren. Es ist allerdings absehbar, dass sie vom syrischen Regime stark bedroht werden.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"502\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bild1-4-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6265\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bild1-4-1.jpg 800w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bild1-4-1-300x188.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Bild1-4-1-768x482.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n<p><strong>Unsere Pflicht: Gegen den Krieg!<\/strong><\/p>\n<p>In ganz Europa und dar\u00fcber hinaus gibt es seit Wochen Demonstrationen und Aktionen gegen die Invasion der t\u00fcrkischen Regierung, die Passivit\u00e4t der internationalen Gemeinschaft und die imperialistischen Aufteilungspl\u00e4ne der Grossm\u00e4chte. Die internationale Solidarit\u00e4tsbewegung muss sich auf eine lange Auseinandersetzung einstellen und die demokratische Selbstverwaltung der Kurd*innen, Assyrer*innen und Ararber*innen weiterhin unterst\u00fctzen. Hierbei gilt es die \u00f6konomischen Interessen der gro\u00dfen t\u00fcrkischen und europ\u00e4ischen Konzerne direkt anzuprangern. Der Aufbau einer gezielten Boykottbewegung gegen den t\u00fcrkischen Staat und ebensolche gro\u00dfen Konzerne, die mit dem t\u00fcrkischen Staat Gesch\u00e4fte machen oder mit ihm verbunden sind, kann langfristig wirksam sein. Erinnern wir uns an den Boykott gegen das Apartheid-Regime in S\u00fcdafrika in den 1980er Jahren.<\/p>\n<p>Der Krieg gegen Rojava ist ein Krieg gegen die Idee der demokratischen Selbstbestimmung, gegen die Freiheit und gegen die Befreiung der Frauen*. Wehren wir uns gegen den sogenannten \u00abFl\u00fcchtlingsdeal\u00bb zwischen Erdogan und der EU. Bek\u00e4mpfen wir das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und der T\u00fcrkei. Zeigen wir den europ\u00e4ischen Regierungen und Konzernen, dass wir nicht einverstanden sind, wenn sie aus reiner Profitgier R\u00fcstungsg\u00fcter an mordende Staaten liefern. Zeigen wir den kurdischen Aktivist*innen und K\u00e4mpfer*innen, dass sie nicht alleine sind \u2013 denn \u00fcberall ist Rojava, \u00fcberall ist Widerstand!<\/p>\n<p><strong>Stoppen wir Erdogans Angriffskrieg auf Rojava!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nein zu den imperialistischen Aufteilungspl\u00e4nen!<\/strong><\/p>\n<p><strong>Solidarit\u00e4t mit der betroffenen Bev\u00f6lkerung und ihren Verteidigungseinheiten!<\/strong><\/p>\n<p><em>Flyertext f\u00fcr die\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/event\/schweizweite-demo-gegen-den-angriffskrieg-der-tuerkei-in-nordsyrien\/\"><em>schweizweite Demonstration gegen den Krieg in Rojava<\/em><\/a><em>\u00a0am Samstag, 26. Oktober 2019<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2019\/rojava-imperialistische-aufteilungsplaene-gegen-die-selbstverwaltung\/\"><em>sozialismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 25. Oktober 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>BFS Z\u00fcrich und BFS Jugend Z\u00fcrich. Mit dem Abzug der US-amerikanischen Truppen hat Trump seinem NATO-Partner Erdogan den Weg f\u00fcr die lang ersehnte Invasion in Nordsyrien geebnet. 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