{"id":6271,"date":"2019-10-25T13:48:52","date_gmt":"2019-10-25T11:48:52","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6271"},"modified":"2019-10-31T12:50:04","modified_gmt":"2019-10-31T10:50:04","slug":"honduras-was-ist-eigentlich-eine-banenrepublik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6271","title":{"rendered":"Honduras: Was ist eigentlich eine Bananenrepublik?"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Amelie Lanier. <\/span><\/i><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Honduras h\u00e4tte eigentlich alles, um seine Bewohner zu versorgen: Berge und fruchtbare Ebenen, und K\u00fcsten an zwei Weltmeeren, die Fischfang und Handel erm\u00f6glichen.<\/span><\/b><!--more--><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Und vor der Ankunft der Spanier funktionierte das auch so, wie die Schriften des Chronisten der Conquista, Bartolom\u00e9 de Las Casas, bezeugen. Denen zufolge lebten in Mittelamerika damals \u00e4hnlich viele Leute wie in den 50-er Jahren des 20. Jahrhunderts, und lebten mehr oder weniger friedlich vor sich hin.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Dennoch ist Honduras heute eines der \u00e4rmsten L\u00e4nder Lateinamerikas. Die reichlich gebende Natur wird offenbar vor allem f\u00fcr den Anbau der sattsam bekannten Bananen in Anspruch genommen, neben einigen anderen Cash Crops. F\u00fcr die Grundnahrungsmittel bleibt deshalb zu wenig Anbaufl\u00e4che \u00fcbrig.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die Geschichte Honduras\u2019 vor der Banane<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Im Unterschied zu anderen Staaten Mittelamerikas wurden in Honduras in der Kolonialzeit Gold und Silber abgebaut. Zu diesem Zweck wurden auch schwarze Sklaven importiert, da die einheimische Bev\u00f6lkerung den Strapazen des Bergbau nicht gewachsen war und sich durch den Arbeitszwang rapide verringerte.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Im Laufe der folgenden Jahrhunderte ersch\u00f6pften sich diese Vorkommen und bis ins 19. Jahrhundert war die Gegend \u00f6konomisch bedeutungslos f\u00fcr das Spanische Kolonialreich geworden. Die Unabh\u00e4ngigkeitskriege in Mittelamerika spielten sich daher im Schlepptau der wirklich grossen Auseinandersetzungen mit den spanischen Heeren im heutigen Mexiko und S\u00fcdamerika ab, und waren vor allem Schlachten und Kriege der verschiedenen lokalen Feudalherren und Milit\u00e4rs gegeneinander.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Nach verschiedenen Versuchen, einen mittelamerikanischen Gesamtstaat zu schaffen, der vor allem von Grossgrundbesitzern aus dem Territorium des heutigen Guatemala hintertrieben wurde, konstituierte sich Honduras als selbst\u00e4ndiger Staat. Es folgten Jahrzehnte des Kampfes der st\u00e4dtisch-b\u00fcrgerlichen Schichten gegen Grossgrundbesitz und Kirche. Der \u201ePfaffenkrieg\u201c f\u00fchrte zur Ermordung des antiklerikalen Pr\u00e4sidenten Santos Guardiola im Jahr 1862.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Erst unter diesem Pr\u00e4sidenten kam jedoch die heutige territoriale Einheit von Honduras zustande, als mit Hilfe der USA die Karibikk\u00fcste und die Inseln der Bahia von britischen Okkupanten und Abenteurern ges\u00e4ubert und der honduranischen Oberhoheit unterstellt wurden. Noch bis weit ins 20. Jahrhundert versuchten die englischsprechenden Bewohner dieser Gegenden, sich dem Schutz der britischen Krone zu unterstellen, erhoben Spezialsteuern auf honduranische Produkte usw. Die Bah\u00eda-Inseln waren insofern bedeutend f\u00fcr die Entwicklung von Honduras, als sich hier die ersten Bananenplantagen entwickelten und der Bananenhandel mit den USA begann, \u00fcber eine Firma aus New Orleans.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Bananen, Eisenbahn und Schulden<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die Ausweitung der Bananenproduktion ist eng verbunden mit dem Eisenbahnbau in Honduras. Im 19. Jahrhundert gab es mehrmals Anl\u00e4ufe verschiedener Regierungen zur Erschliessung des nationalen Territoriums mittels einer Eisenbahnverbindung von Nord nach S\u00fcd, von der Karibikk\u00fcste zum Golf von Fonseca.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Mittels Aufnahme von Krediten bei franz\u00f6sischen und britischen Bankh\u00e4usern, \u00fcber dunkle Mittelsm\u00e4nner, die teilweise in ebenso dunklen Kan\u00e4len versickerten, wurden von 19867 bis 1870 einige Eisenbahnkilometer gebaut und Lokomotiven angeschafft, eine notwendige Br\u00fccke kam nicht zustande und die ganze Unternehmung krachte bald.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Zur\u00fcck blieb ein Haufen Schulden unklarer Herkunft, deren Handhabung den Ruf von Honduras auf dem internationalen Kreditmarkt besch\u00e4digte, sodass seine Regierungen von da ab nicht kreditw\u00fcrdig waren. China plant in neuerer Zeit abermals eine interozeanische Eisenbahnlinie in Honduras, als Alternative zum Panamakanal, aber sehr weit ist dieses Projekt derzeit noch nicht gediehen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Der Bananenanbau- und Export entwickelte sich zun\u00e4chst klein-klein \u2013 viele kleine und mittlere Landbesitzer kultivierten die Bananen und brachten sie irgendwie mit Last- und Zugtieren und \u00fcber Fl\u00fcsse an die H\u00e4fen der Atlantikk\u00fcste, wo sie auf Schiffe geladen wurden, die Richtung USA, genau: nach New Orleans fuhren.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die Zentralisierung kam zun\u00e4chst \u00fcber den Handel. Ausgehend vom Eisenbahnbau und der Not, die Eisenbahn auszulasten, entstand 1899 die United Fruit Company und der Vorl\u00e4ufer der Standard Fruit Company, beide in New Orleans. Um den Transport voranzubringen und so die Lieferwege schneller und sicherer zu machen, setzten sie auf die Eisenbahn. Die beiden Handelsgesellschaften finanzierten den Eisenbahnbau entlang der Karibikk\u00fcste. Da Honduras nichts zahlen konnte, erhielten die Obstexport-Firmen grosse Territorien zum Gebrauch unentgeltlich \u00fcberlassen, auch wenn es dort bereits Bananenpflanzer gab. Die konnten gehen. Ebenso erhielten die US-Firmen Steuer- und Abgabenfreiheit.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">F\u00fcr entsprechende Zahlungen verzichteten also verschiedene honduranische Pr\u00e4sidenten ab 1900 praktisch auf Teile ihres Territoriums. Daf\u00fcr stellten gewisse Zahlungen der Obstfirmen eine Konstante f\u00fcr die Alimentierung diverser Regierungen dar, die Kooperation florierte.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Damals entstand, zun\u00e4chst nur f\u00fcr Honduras, der Begriff der Bananenrepublik: Damit werden Staaten bezeichnet, deren Regierungen Land und Leute an Privatunternehmen verkaufen und daraus ihre Eink\u00fcnfte beziehen. Die Souver\u00e4nit\u00e4t dieser Staaten gleicht also der eines Art Hausmeisters, oder Forstverwalters, der die ausl\u00e4ndischen Unternehmen in sein Haus oder auf sein Jagdgebiet l\u00e4sst und daf\u00fcr entlohnt wird.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Auch der Gewaltapparat solcher Staaten ist auf die Sicherung dieses Gesch\u00e4ftsmodells abgestellt. Den Bananenarbeitern gelang es im Verlaufe eines 1954 durchgef\u00fchrten Streiks nur deshalb, den Obstfirmen einige Zugest\u00e4ndnisse abzuringen, weil das honduranische Milit\u00e4r damals damit besch\u00e4ftigt war, beim Sturz des Pr\u00e4sidenten des Nachbarlandes mitzuhelfen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Diese Harmonie zwischen ausl\u00e4ndischen Gesellschaften, Milit\u00e4r und Regierung ist sehr br\u00fcchig, weil es immer sehr viele Aspiranten auf den doch relativ lukrativen Hausmeisterposten gibt, und auch hin und wieder Milit\u00e4rs und Politiker auftreten, denen dieses Modell nicht zusagt. Die USA mussten daher in Honduras \u00f6fter eingreifen, mit Kriegsschiffen, Bodentruppen und Diplomatie, um die US-Interessen zu sch\u00fctzen und f\u00fcr eine funktionierende Staatsgewalt vor Ort zu sorgen.<\/span><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"912\" height=\"340\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Small_Convenience_Store_in_Tegucigalpa_Honduras_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6272\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Small_Convenience_Store_in_Tegucigalpa_Honduras_1.jpg 912w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Small_Convenience_Store_in_Tegucigalpa_Honduras_1-300x112.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Small_Convenience_Store_in_Tegucigalpa_Honduras_1-768x286.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 912px) 100vw, 912px\" \/><figcaption>Lebensmittelladen in der Hauptstadt Tegucigalpa. \/&nbsp;<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Small_Convenience_Store_in_Tegucigalpa,_Honduras.jpg\">Nan Palmero<\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/2.0\/deed.en\">(CC BY 2.0 cropped)<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Das Milit\u00e4r<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Zum oben beschriebenen Modell der Bananenrepublik geh\u00f6rt ein gut funktionierendes Milit\u00e4r. Die Eliten von Honduras achteten darauf, dass da nichts anbrannte. Zun\u00e4chst ben\u00f6tigte Honduras sein Milit\u00e4r f\u00fcr die Unabh\u00e4ngigkeits- Separations- und Einmischungskriege gegen\u00fcber seinen Nachbarstaaten.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Dann wurde das Milit\u00e4r zu einem Element der Kontinuit\u00e4t der Staatsgewalt und einem Instrument der Sicherung des sozialen Friedens. Um diese Funktion auch erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen, wurde erstens das Milit\u00e4r an staatlichen Versorgungsunternehmen beteiligt, um eine gesicherte Einnahmequelle unabh\u00e4ngig von der zeitweise leeren Staatskasse zu haben.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Ausserdem war der Wehrdienst jahrzehntelang verpflichtend. Das sah so aus, dass die Rekrutierungs-Kommissionen in die Schulen gingen und dort die Halbw\u00fcchsigen mitnahmen. Viele der Rekruten waren also minderj\u00e4hrig, Kindersoldaten, und besonders abh\u00e4ngig und formbar durch die Offiziere.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Dass es f\u00fcr wirkliche Kriegshandlungen gegen\u00fcber einem gleichermassen bewaffneten Gegner wenig taugt, erwies der Krieg der 100 Stunden gegen das weitaus kleinere El Salvador. Nur mit grosser M\u00fche und der Vermittlung anderer lateinamerikanischer Staaten gelang es Honduras, die salvadorianische Invasion zu stoppen und die Truppen zum Verlassen honduranischen Territoriums zu veranlassen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">M\u00f6glicherweise durch diese ern\u00fcchternde Erfahrung wurde das honduranische Milit\u00e4r in der Folge zum engsten Verb\u00fcndeten der USA in Mittelamerika. Schon beim Sturz von Arbenz in Guatemala hatte sich Honduras als Hinterland f\u00fcr US-Operationen angedient. In den 80-er Jahren, nach dem Sieg der Sandinisten in Nicaragua, wurde Honduras zu einer Basis f\u00fcr die Contra-Ausbildung und deren Ausr\u00fcstung und Einsatz zur Terrorisierung der grenznahen Bev\u00f6lkerung Nicaraguas.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Heute hat Honduras ein Berufsheer, mehrere US-St\u00fctzpunkte und das gesamte Territorium von Honduras ist f\u00fcr das US-Milit\u00e4r mehr oder weniger der Ersatz f\u00fcr die Panamakanalzone, die es um 2000 endg\u00fcltig r\u00e4umen musste. Das war auch der Hauptgrund f\u00fcr den Putsch gegen Zelaya 2009 \u2013 die USA wollten diese grosse Milit\u00e4rbasis nicht verlieren.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Das zivile Leben<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Das Bananengesch\u00e4ft hat seinen Zenit in Honduras schon lange \u00fcberschritten. Der Hurrikan Mitch reduzierte 1998 die Bananenplantagen gewaltig, und bis sich die Pflanzungen etwas erholt hatten, war die Bananenindustrie weitergezogen und hatte sich andere Anbaugebiete erschlossen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Hier kam auch die einseitige agrarische Entwicklung ins Spiel: Honduras hatte seine ganze Infrastruktur rund um den Bananentransport aufgebaut. Die Nordwestk\u00fcste, die H\u00e4fen von Puerto Cort\u00e9s und Ceiba, das Hinterland um San Pedro Sula und noch einige Gegenden waren durch Strassen und Eisenbahnen miteinander verbunden, um die Bananen abtransportieren zu k\u00f6nnen. Verwendbares Land f\u00fcr Anbau h\u00e4tte es zwar woanders auch gegeben, aber die Transportm\u00f6glichkeiten fehlten.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Obwohl Honduras \u00fcber grosse unerschlossene Gebiete verf\u00fcgt, sind die weder f\u00fcr die Agrarwirtschaft noch f\u00fcr die Subsistenzbauern zug\u00e4nglich und liegen weiter brach. Sie lassen sich nicht milit\u00e4risch kontrollieren, ihre Nutzung ist daher auch von der Obrigkeit her nicht vorgesehen und wird nicht gef\u00f6rdert.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Honduras hat daher eine relativ grosse Bev\u00f6lkerung von Landlosen, die in den Armenvierteln der beiden grossen St\u00e4dte San Pedro Sula und der Hauptstadt Tegucigalpa vor sich hingammeln und von Gelegenheitsarbeiten und Kriminalit\u00e4t leben, und auf der anderen Seite grosse leere Gebiete, die aus den oben beschriebenen Gr\u00fcnden nicht zueinander kommen (k\u00f6nnen).<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Das letzte Mal, als Teile dieser Urw\u00e4lder &amp; S\u00fcmpfe irgendwie ben\u00fctzt wurden, war f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung der sandinistischen Revolution.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die Contras<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Den Kern der Contras, also nicaraguanischen Konterrevolution\u00e4re, bildeten die nach Honduras gefl\u00fcchteten Mitglieder der Nationalgarde, der mehr oder weniger pers\u00f6nlichen Schl\u00e4gertruppe der Familie Somoza, die von den USA auch seinerzeit gut ausger\u00fcstet worden waren, um die Herrschaft in der Bananenrepublik Nicaragua aufrechtzuerhalten.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Als Garanten des Systems Somoza waren sie Mitglied der Elite und gut bezahlt, der Sieg des Sandinismus stellte daher einen betr\u00e4chtlichen Statusverlust dar. Sie waren zu allem bereit, um wieder in ihre vorherige beherrschende Stellung zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen. Zu diesen Mitgliedern der Nationalgarde geh\u00f6rten auch diejenigen Leute, die das Privat-KZ der Somozas neben dem Pr\u00e4sidentenpalast betrieben hatten und dort Oppositionelle gefoltert und zu Tode gebracht hatten. Es waren, mit einem Wort, ziemlich schwere Burschen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Nachdem Ronald Reagan Pr\u00e4sident geworden war, nahmen er und die CIA-Spitze sofort Kontakt mit deren Anf\u00fchrern auf und sagten ihnen alle n\u00f6tige Unterst\u00fctzung zu, um die Sandinisten wieder zu vertreiben. Dies bezog sich auf milit\u00e4risches Ger\u00e4t, Geld, Propaganda und auch milit\u00e4rischen Beistand: So besetzten wiederholt US-Kriegsschiffe nicaraguanische Hafeneinfahrten, um das Land am Import dringend ben\u00f6tigter G\u00fcter \u2013 Lebensmittel, Medizin und Waffen \u2013 oder Export zwecks Devisenbeschaffung zu hindern. Ausserdem wurden Werbekampagnen gestartet, um die Sandinisten zu einer Gefahr f\u00fcr die USA zu stilisieren, und die Contras zu Helden, die die USA vor ihnen besch\u00fctzten.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Das Geld war ebenfalls wichtig, weil so konnten die Contras nicaraguanische Fl\u00fcchtlinge oder auch honduranische Elendsgestalten rekrutieren, die zwar keine Ahnung davon hatten, was die Sandinisten vorhatten, und warum sie sie bek\u00e4mpfen sollten, aber f\u00fcr die eine Versorgung und Sold eine willkommene Einkommensquelle darstellten. Die Contra-Armee wuchs dadurch betr\u00e4chtlich an.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die honduranischen Pr\u00e4sidenten Policarpo Paz Garc\u00eda und Roberto Suazo C\u00f3rdova stellten gerne honduranisches Gebiet und Milit\u00e4rinstallationen f\u00fcr diese \u201eMission\u201c zur Verf\u00fcgung, da f\u00fcr die Staatskasse und auch einige private Kassen dabei einiges abfiel, und im Vor\u00fcbergehen auch etwaige einheimische Subversion erledigt wurde. Da der US-Kongress die Unterst\u00fctzung dieser M\u00f6rder- und Foltertruppe, die in Nicaragua eine Politik der verbrannten Erde betrieben, einstellte, boten der CIA und die US-Regierung einiges an Einfallsreichtum auf, um diese Henker weiter zu finanzieren, was sp\u00e4ter als Iran-Contras-Skandal die \u00d6ffentlichkeit und die Gerichte besch\u00e4ftigte.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die Enth\u00fcllungen um die illegale Finanzierung und der Wahlsieg der antisandinistischen Partei UNO und die Amtseinf\u00fchrung der Pr\u00e4sidentin Violeta Chamorro f\u00fchrten zur schrittweisen Einstellung der Unterst\u00fctzung, der Entwaffnung und der Integration in die Streitkr\u00e4fte Nicaraguas. Diese \u201eVers\u00f6hnung\u201c wurde auch mit viel Pomp und Glorie \u00f6ffentlich-wirksam gefeiert, mit einer \u201eFriedenshauptstadt\u201c und Waffenabgaben im Blitzlichtgewitter. F\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit war also alles in Butter.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Es ist allerdings naiv, anzunehmen, dass Leute, die nachweislich ganze D\u00f6rfer niedergebrannt und ihre Einwohner allen Alters und Geschlechts in St\u00fccke gehaut hatten, sich ohne weitere Reibungen in das Milit\u00e4r und die Gesellschaft einreihen w\u00fcrden, die sie bisher mit dergleichen Methoden bek\u00e4mpft hatten.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die meisten \u201eContras\u201c konnten bzw. wollten daher nicht nach Nicaragua zur\u00fcckkehren. Das Risiko war gross, dass jemand mit ihnen \u00e4hnlich verfahren w\u00fcrde, wie sie seinerzeit mit ihren Gegnern. Sie gaben auch ihre Waffen nicht ab, oder sie besorgten sich schnell neue. Sie blieben in Honduras und bildeten Banden, dienten sich als Drogentransporteure an und hoben dort das Kriminalit\u00e4tsniveau an. Sp\u00e4ter schlossen sie sich mit Kriminellen aus El Salvador zusammen, und langsam versank ganz Honduras, zumindest die dichter besiedelten und erschlossenen Teile davon, in dieser Bandenkriminalit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Ende Juli beschimpfte Trump den schwarzen demokratischen B\u00fcrgermeister der Stadt Baltimore mit den Worten, seine Stadt sei schlimmer als Honduras.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Dazu ver\u00f6ffentlichte der Standard am 31.7. 2019 folgende Zahlen:<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">\u201eNach Angaben der US-Bundespolizei FBI lag die Mordrate in Baltimore im Jahr 2017 bei 55,8 pro 100.000 Einwohner und damit hinter jener von St. Louis im Bundesstaat Missouri. Baltimore hat rund 600.000 Einwohner.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Im Neunmillionenland Honduras wurden 2018 insgesamt 41,2 Morde pro 100.000 Einwohner verzeichnet. Das honduranische San Pedro Sula ist einem Bericht der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) vom November zufolge eine der gewaltt\u00e4tigsten St\u00e4dte der Welt. Die Mordrate lag dort demnach bei \u00fcber 80 pro 100.000 Einwohner.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Quelle: <\/span><\/i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\"><a href=\"https:\/\/www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch\/politik\/lateinamerika\/honduras_bananen_eisenbahn_schulden_5729.html\"><i>untergrund-bl\u00e4ttle.ch&#8230;<\/i><\/a><i> vom 25. Oktober 2019<\/i><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Amelie Lanier. Honduras h\u00e4tte eigentlich alles, um seine Bewohner zu versorgen: Berge und fruchtbare Ebenen, und K\u00fcsten an zwei Weltmeeren, die Fischfang und Handel erm\u00f6glichen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6],"tags":[109,18,71,110,49,46],"class_list":["post-6271","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","tag-honduras","tag-imperialismus","tag-lateinamerika","tag-nicaragua","tag-repression","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6271","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6271"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6271\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6305,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6271\/revisions\/6305"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6271"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6271"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6271"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}