{"id":6309,"date":"2019-11-01T09:21:43","date_gmt":"2019-11-01T07:21:43","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6309"},"modified":"2019-11-01T09:21:44","modified_gmt":"2019-11-01T07:21:44","slug":"thueringen-nach-der-wahl-was-nun-linkspartei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6309","title":{"rendered":"Th\u00fcringen nach der Wahl: Was nun Linkspartei?"},"content":{"rendered":"<p><em>Tobi Hansen. <\/em>Th\u00fcringen bildete den Abschluss der ostdeutschen Landtagswahlen. Wenn auch in der Tendenz \u2013 Wachstum der AfD, Best\u00e4tigung der Partei des Ministerpr\u00e4sidenten als st\u00e4rkster Kraft \u2013 \u00e4hnlich, entscheidet sich das Ergebnis doch in einem<!--more--> wesentlichen Punkt. W\u00e4hrend in den Landtagen von Brandenburg und Sachsen die \u201eParteien der Mitte\u201c (noch) \u00fcber eine absolute Mehrheit verf\u00fcgen, stellen in Th\u00fcringen Union, SPD, Gr\u00fcne und FDP gemeinsam weniger als die H\u00e4lfte der Abgeordneten.<\/p>\n<p>Die beiden stimmenst\u00e4rksten Parteien und Siegerinnen der Wahlen vom 27. Oktober, Linkspartei und AfD, vereinen mehr als die H\u00e4lfte der ParlamentarierInnen auf sich. Die b\u00fcrgerliche \u201eMitte\u201c reagiert \u201egeschockt\u201c und verst\u00f6rt. In der \u201eMitte\u201c, zwischen den beiden \u201eExtremen\u201c AfD und Linkspartei, lie\u00dfe sich keine Regierung bilden.<\/p>\n<p>Der Schock sitzt tief \u2013 diesmal vor allem bei der CDU. Dass SPD und Gr\u00fcne verloren, \u00fcberrascht nach den Umfragen der letzten Wochen nicht wirklich. Allein die Linkspartei vermochte diesmal die \u201eArbeit der rot-rot-gr\u00fcnen Landesregierung\u201c und den Ministerpr\u00e4sidentenbonus f\u00fcr sich zu verbuchen, so dass sie an Stimmen und Abgeordneten sogar weiter zulegen konnte, w\u00e4hrend ihre Koalitionspartnerinnen verloren. Sie erzielte 31\u00a0% (plus 2,8\u00a0%) und damit 29 Sitze im Landtag.<\/p>\n<p>Die FDP schaffte mit 5\u00a0% knapp den Einzug in den Landtag, was mit dazu beitrug, dass Rot-Rot-Gr\u00fcn \u00fcber keine Mehrheit im Landtag verf\u00fcgt. Die Liberalen feierten diesen \u201eSieg\u201c, als h\u00e4tten sie ein politisches Wunder vollbracht \u2013 ein Zeichen daf\u00fcr, wie gering mancherorts die politischen Erwartungen geworden sind.<\/p>\n<p>Dramatisch sind die Ergebnisse der Parteien der Gro\u00dfen Koalition. Die CDU verlor 11,7\u00a0% und sackte hinter Linkspartei und AfD mit 21,8\u00a0% auf Platz 3 ab. Die SPD fuhr eine weitere Schlappe ein und erreicht gerade 8,2\u00a0%, ein Minus von 4,2% gegen\u00fcber dem letzten Urnengang.<\/p>\n<p>Die Berliner Regierungsparteien kommen so auf 30 %, das schlechteste Ergebnis der ehemaligen \u201eVolksparteien\u201c. Auch die Gr\u00fcnen schafften nur 5,2\u00a0%.<\/p>\n<p>Die AfD beendete die ostdeutschen Landtagswahlen erwartungsgem\u00e4\u00df. Wie in Brandenburg gelang es ihr, vor der CDU zu landen und mit 23,4\u00a0% sich klar \u00fcber der 20\u00a0%-Marke zu etablieren. Auch wenn f\u00fcr Spitzenkandidat H\u00f6cke selbst die b\u00fcrgerlichen Medien keinen Nazi-Vergleich scheuten, gab sich dieser nach den Wahlen biederm\u00e4nnisch-brav und offen f\u00fcr \u201eb\u00fcrgerliche\u201c Koalitionen mit der CDU. Im Wahlkampf vermied er weder Hinweise auf Machtergreifung noch NS-Rhetorik, nach der Wahl gibt H\u00f6cke eher den \u201eWolf im Schafspelz\u201c.<\/p>\n<p><strong>Katastrophe f\u00fcr die Union<\/strong><\/p>\n<p>Bis 2014 regierte die CDU in Th\u00fcringen meist alleine, manchmal in Koalition. Als Rot-Rot-Gr\u00fcn siegte, beschwor die Union den Wiedereinzug von SED und Staatssicherheit in die Erfurter Staatskanzlei. Der aktuelle CDU-Spitzenmann, Mohring, unterst\u00fctzt auch die damalige rechten \u201eFackelm\u00e4rsche\u201c.<\/p>\n<p>Nach der Wahl und vor allem nach einer relativ st\u00f6rungsfreien Regierung unter Bodo Ramelow in Th\u00fcringen, die nicht den Verfassungsschutz abschaffte, sondern diesem neue Stellen zusicherte, ruderte Mohring zur\u00fcck. F\u00fcr ihn scheint jetzt auch eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei denkbar, wenn auch nicht f\u00fcr seine Bundespartei. Dass gleichzeitig der CDU-Fraktionsvize Heym eine Koalition mit AfD und FDP ins Spiel bringt, die ebenfalls \u00fcber eine Mehrheit im Landtag verf\u00fcgen w\u00fcrde, verdeutlicht die tiefe Krise der Union, die vor allem in den ostdeutschen L\u00e4ndern von der AfD als f\u00fchrende b\u00fcrgerliche Kraft massiv herausgefordert wird. W\u00e4hrend Mohring ganz den Landespolitiker gibt, nach dem Motto: \u201eWas hat Berlin uns schon gebracht?\u201c, z.\u00a0B. beim Wahlkampf, beharrt der Bundesvorstand auf den geltenden Beschl\u00fcssen, n\u00e4mlich dass es weder mit der Linkspartei noch mit der AfD Koalitionen geben d\u00fcrfe.<\/p>\n<p>Bundesvize Kl\u00f6ckner sieht gleich die CDU in der Bedeutungslosigkeit versinken, sollten diese \u201eTabus\u201c gebrochen werden, wie auch Carsten Linnemann die \u201eBeliebigkeit\u201c verhindern will. Auch hier wird der nahende Untergang bef\u00fcrchtet, zumindest das \u201eEnde als Volkspartei\u201c.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die \u00c4u\u00dferungen f\u00fchrender VertreterInnen der Linkspartei bef\u00fcrchten lassen, dass diese derzeit wahrscheinlich sogar opportunistisch genug w\u00e4re, um mit der Union zu koalieren, zeigt die aufkommende Debatte die unsichere F\u00fchrungslage in der herrschenden b\u00fcrgerlichen Partei offen auf. Parteichefin und Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer ist umstritten, ihre m\u00f6gliche KanzlerInnenkandidatur wird st\u00e4ndig angezweifelt, wie auch die m\u00f6gliche Urwahl des\/r KandidatIn ihre Rolle schw\u00e4cht. Der gescheiterte Kandidat Merz holte via Springer-Presse vor allem gegen Kanzlerin Merkel aus. Diese f\u00fchre zu wenig, die Gro\u00dfe Koalition ruiniere das Land und er k\u00f6nne sich schwer vorstellen, dass das noch 2 Jahre so weitergehen k\u00f6nne. Sicher kennt er jemanden, der besser KanzlerIn kann, auch wenn ihm inzwischen mit dem nordrhein-westf\u00e4lischen Ministerpr\u00e4sidenten Laschet ein wichtiger Konkurrent erw\u00e4chst. Dies zeigt, dass der Fortbestand der \u201eGro\u00dfen Koalition\u201c eben nicht allein von der Entscheidung der SPD im Dezember abh\u00e4ngt, sondern dass auch in der Union weitere Krisen und Br\u00fcche zu erwarten sind.<\/p>\n<p>Dabei wird die Frage einer Koalition mit der AfD nur solange ein Tabu bleiben, wie die Europastrategie des deutschen Kapitals und ihrer wichtigsten Partei, der CDU\/CSU, auf die Formierung der EU zu einem imperialistischen Block zielt, der weltmachtf\u00e4hig ist. Je mehr dieses Ziel jedoch in die Ferne r\u00fcckt, je mehr die EU und damit Deutschland hinter ihren RivalInnen im Kampf um die Neuaufteilung der Welt zur\u00fcckfallen, desto mehr werden Teile des deutschen Kapitals auf eine aggressiv-nationalistische L\u00f6sung, auf eine Alternative zur EU-Strategie dr\u00e4ngen. Dann k\u00f6nnte die Stunde einer Koalition mit der AfD als extrem nationalistischer, rechtspopulistischer Kraft schlagen.<\/p>\n<p>Die AfD hat in Th\u00fcringen nicht nur ihre Wahlerfolge konsolidiert. Zweifellos verschoben sich die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse in der Partei auch weiter nach rechts, zugunsten des Fl\u00fcgels um ihren Spitzenkandidaten H\u00f6cke und den \u201eFl\u00fcgel\u201c, das lose Netzwerk extrem nationalistischer, v\u00f6lkischer bis faschistischer Kr\u00e4fte in der Partei. Am Parteitag in Braunschweig Ende November\/Anfang Dezember ist eine weitere St\u00e4rkung dieser, von AfD-Fraktions- und Parteivorsitzendem Gauland politisch gedeckter Kr\u00e4fte zu erwarten. Die Frage ist zur Zeit nicht, ob der \u201eFl\u00fcgel\u201c st\u00e4rker wird, sondern nur wie viel und in welcher Form.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/klassenkampf.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6310\" width=\"558\" height=\"335\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/klassenkampf.jpg 333w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/klassenkampf-300x180.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 558px) 100vw, 558px\" \/><\/figure>\n<p><strong>Letzter Ausweg Regierungsauftrag?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Linkspartei dient ihr Spitzenergebnis gleich f\u00fcr mehrere Unterfangen. Erstmal sonnt sich die aktuelle Spitze im Ergebnis \u201eihres\u201c Spitzenkandidaten und Ministerpr\u00e4sidenten Ramelow. Damit w\u00e4re der Beweis f\u00fcr die Regierungstauglichkeit der Partei auch praktisch erbracht. Sie leitet davon gem\u00e4\u00df den parlamentarischen Gepflogenheiten auch den Anspruch aufs Weiterregieren ab. Gegen die verlogene Rhetorik der \u201egeschrumpften Mitte\u201c setzt die Linkspartei auch ihr Wahlergebnis ein. Sie will anhand ihrer Regierungspolitik der letzten f\u00fcnf Jahre \u2013 nicht ganz zu Unrecht \u2013 auch als Teil der \u201eMitte der Gesellschaft\u201c anerkannt werden. Sie reklamiert f\u00fcr sich, dass sie st\u00e4rkste Kraft der \u201eDemokratie\u201c w\u00e4re, die mit allen \u201eDemokratInnen\u201c \u2013 also allen au\u00dfer der AfD \u2013 \u00fcber Regierung, Koalition und Duldung sprechen will.<\/p>\n<p>Wir wollen hier keine Kaffeesatzleserei betreiben. Aber die Tatsache, dass sich die Linkspartei auch \u201eoffen\u201c f\u00fcr ein B\u00fcndnis, eine Kooperation, eine Tolerierung mit und durch die CDU gibt, l\u00e4sst Schlimmes bef\u00fcrchten. Zwar hat Fraktionschef Bartsch erkl\u00e4rt, dass es entscheidende Unterschiede zur Union gebe. Aber \u201eL\u00f6sungen\u201c m\u00fcssten auf Landesebene gefunden werden \u2013 und daf\u00fcr m\u00fcsse die Linkspartei vor Ort \u201efreie\u201c Hand haben. Schlie\u00dflich funktioniere eine Zusammenarbeit mit der CDU ohnedies schon lange auf kommunaler Ebene.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Diskussion dar\u00fcber die CDU in eine tiefe Krise st\u00fcrzt, freut sich die Linkspartei als st\u00e4rkste Kraft dar\u00fcber, dass alle mit ihr reden m\u00fcssen, dass eine Koalition gegen die Partei kaum m\u00f6glich ist. Dass die CDU mit der Linkspartei sprechen wird, verbucht sie als \u201eErfolg\u201c.<\/p>\n<p>Hinsichtlich der vergangenen Legislaturperiode von 2014\u20132019 r\u00fchmt sich die Linkspartei, viele sozialpolitische Themen umgesetzt bzw. auf den Weg gebracht zu haben. Sie habe versucht, eine Abkehr von der neoliberalen Verwaltungspolitik auf L\u00e4nderebene durchzusetzen. Dummerweise\u00a0 war sie aber auch an die Durchf\u00fchrung der \u00fcbergeordneten Bundesgesetze gebunden, so dass der gro\u00dfe Bruch mit der restriktiven Budgetpolitik bislang ausblieb. Ein wie auch immer geartetes B\u00fcndnis oder die Zusammenarbeit mit der Union w\u00fcrde auch die letzte Hoffnung auf dieses Unterfangen begraben, vor allem bei einer Koalition zwischen den beiden Parteien.<\/p>\n<p>Eine rot-rot-gr\u00fcne Minderheitsregierung, Weiterf\u00fchrung der alten Koalition, die von Union und\/oder FDP toleriert w\u00fcrde, w\u00e4re praktisch gel\u00e4hmt. Selbst noch so geringf\u00fcgige soziale Vorhaben k\u00f6nnten einfach blockiert werden.<\/p>\n<p>Der einzige Ausweg, dass sich eine Linkspartei gef\u00fchrte Minderheitsregierung nicht auf Gedeih und Verderb an CDU, FDP oder auch die Gr\u00fcnen bindet, best\u00fcnde darin, dass sie mit ihrer Parlamentsfixiertheit bricht, auch wenn ein \u201eLandesvater\u201c Bodo Ramelow als auf der Stra\u00dfe\u00a0 k\u00e4mpfender Ministerpr\u00e4sident schwer vorstellbar w\u00e4re. In jedem Fall m\u00fcsste sich eine solche Minderheitsregierung, die ohne Koalitionen mit offen b\u00fcrgerlichen Parteien auskommen will, auf die Mobilisierung der W\u00e4hlerInnen und Anh\u00e4ngerInnen der Partei st\u00fctzen, vor allem auf die sozialen Bewegungen wie Fridays for Future, auf antirassistische und antifaschistische Kr\u00e4fte und auf die Gewerkschaften. Immerhin haben lt. einer Umfrage des DGB \u00fcberdurchschnittlich viele Gewerkschaftsmitglieder (36,5\u00a0%) Linkspartei gew\u00e4hlt, ein Zeichen daf\u00fcr, dass die organisierte ArbeiterInnenklasse von dieser Wahl durchaus reale Verbesserungen erwartet.<\/p>\n<p>In jedem Fall w\u00fcrde eine solche Politik einen Bruch mit der bisherigen Strategie und Programmatik der Linkspartei erfordern. Eine Minderheitsregierung der Linkspartei w\u00e4re zwar selbst noch im Falle einer Alleinregierung dieser Partei eine b\u00fcrgerliche Regierung \u2013 aber die Mobilisierung um konkrete Forderungen auf der Stra\u00dfe und in den Betrieben k\u00f6nnte eine neue, fortschrittliche Dynamik in die Situation bringen.<\/p>\n<p>Zweifellos ist diese Variante angesichts der Ausrichtung der Linkspartei extrem unwahrscheinlich. Eine solche Politik h\u00e4tte aber enorme Vorteile, auch f\u00fcr den Fall, dass Ramelow und seine Partei von einer parlamentarischen Mehrheit gest\u00fcrzt w\u00fcrden. F\u00fcr diese w\u00e4re es \u00fcberaus schwierig, selbst eine Regierung zu bilden. Genau diese instabile Situation, die der Linkspartei als gr\u00f6\u00dftes aller \u00dcbel erscheint, k\u00f6nnte durch eine massive Mobilisierung auf der Stra\u00dfe und in den Betrieben zu einer Chance werden, Gegenmachtstrukturen aufzubauen, die anderen Parteien durch die ArbeiterInnenklasse herauszufordern.<\/p>\n<p><strong>Wie gegen rechts?<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr die Linkspartei und ihre F\u00fchrung ist es jedoch bezeichnend, dass sich ihre Vorstellungen einzig auf das Feld parlamentarischer Kombinationen beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>In den \u201eliberalen\u201c b\u00fcrgerlichen Medien wie SPIEGEL, S\u00fcddeutsche Zeitung oder Die Zeit wird die CDU ziemlich direkt aufgefordert, ihre Hemmnisse gegen\u00fcber der Linkspartei abzulegen und irgendwie den Ministerpr\u00e4sidenten Ramelow zu halten. Anders die konservativen Medien wie die Springer-Presse, die die \u201eRadikalen\u201c als WahlsiegerInnen sehen, quasi Th\u00fcringen verloren zwischen SozialistInnen und Nazis. Auch die ber\u00fcchtigten \u201eWeimarer Verh\u00e4ltnisse\u201c werden bem\u00fcht. Eine Koalition mit den Linken wird als \u201eTabubruch\u201c betrachtet. Den liberalen Medien geht es praktisch um stabile Verh\u00e4ltnisse, notfalls auch mit der Linkspartei. Schlie\u00dflich weisen sie zu Recht darauf hin, dass die Linkspartei l\u00e4ngst nicht so \u201eextrem\u201c ist, wie von FDP und CDU beschworen, und fest auf dem Boden der b\u00fcrgerlich-demokratischen Verh\u00e4ltnisse, von Parlamentarismus und \u201esozialer\u201c Marktwirtschaft steht. Als eigentliche Gefahr und die einzigen \u201eExtremistInnen\u201c gelten ihr \u2013 nicht so viel anders als der Linkspartei und der gesamten demokratischen \u00d6ffentlichkeit \u2013 die B\u00f6sewichte von der AfD.<\/p>\n<p>Im Kampf gegen rechts stellt die Bindung an b\u00fcrgerliche Parteien f\u00fcr die ArbeiterInnenklasse ein strategisches Hindernis dar. Ohne eine politische Anerkennung der b\u00fcrgerlichen Ordnung, des Privateigentums sind solche B\u00fcndnisse und erst recht Regierungskoalitionen oder Duldungen nie zu haben. D.\u00a0h. sie kommen praktisch einer offenen Unterordnung unter die Interessen der herrschenden Klasse gleich. Auch wenn das \u201eB\u00fcndnis der Demokratie\u201c in Regierungsform auf den ersten Blick als eine St\u00e4rkung im Kampf gegen die AfD und ihre faschistischen Verb\u00fcndeten erscheint, weil es noch mehr gesellschaftliche Kr\u00e4fte und Klassen umfasst, so stellt es in Wirklichkeit eine Schw\u00e4chung des Kampfes dar. St\u00e4rkung tr\u00e4te nur ein, wenn die Kr\u00e4fte eines solchen B\u00fcndnisses in eine Richtung ziehen w\u00fcrden. Im besten Fall ziehen aber ArbeiterInnenklasse und Kapital in entgegengesetzte Richtungen, paralysieren sich also und entfalten daher keine Kraft im Kampf gegen rechts. Im schlimmsten Fall \u2013 und so l\u00e4uft es bei Koalitionsregierungen von offen b\u00fcrgerlichen und reformistischen Parteien immer \u2013 ordnen sich die VertreterInnen der Linken den b\u00fcrgerlichen unter, st\u00e4rken also nur deren gesellschaftliche Position und schw\u00e4chen damit die ArbeiterInnenklasse. Dass 22 % der Gewerkschaftsmitglieder in Th\u00fcringen AfD gew\u00e4hlt haben, verdeutlicht das Problem und die Gefahr, dass sich noch mehr Lohnabh\u00e4ngigen dem Rechtspopulismus zuwenden, wenn Linkspartei, SPD und Gewerkschaften auch noch gemeinsame Sache mit CDU und\/oder FPD machen.<\/p>\n<p>Das wird in Krisensituation, bei scharfen sozialen Konflikten, drohenden Massenentlassungen besonders fatal. V\u00f6lkisch-nationalistische und populistische Kr\u00e4fte wie die AfD k\u00f6nnen sich umso besser als VertreterInnen \u201edes Volkes\u201c gegen die \u201edemokratische\u201c Elite inszenieren, wom\u00f6glich garniert mit Rassismus, Antisemitismus und demagogischem Anti-Kapitalismus.<\/p>\n<p>Daher gilt es, an die Linkspartei in Th\u00fcringen die Forderung zu stellen: Keine Koalition mit CDU, FDP und Gr\u00fcnen! Schluss mit der Parlamentsfixiertheit! Mobilisierung f\u00fcr die Forderungen von Fridays for Future, f\u00fcr die sozialen Versprechungen der Partei wie kostenlose Kita-Pl\u00e4tze, f\u00fcr Mindestlohn, gegen rassistische und faschistische Aufm\u00e4rsche, f\u00fcr den Stopp aller Abschiebungen!<\/p>\n<p>Dieser Forderungen sollten Anti-KapitalistInnen in Th\u00fcringen an die Linkspartei (wie auch an die Gewerkschaften und die Restbest\u00e4nde der SPD) richten. Zugleich gilt aber auch f\u00fcr dieses Land: Der Reformismus \u2013 ob nun mit Ramelow als Ministerpr\u00e4sident, ob in der Opposition \u2013 selbst vermag keine \u00fcberzeugende, tragf\u00e4hige Antwort auf die aktuelle politische Krise zu geben. Die versch\u00e4rfte gesellschaftliche Konfliktlage, die das Wahlergebnis auch zum Ausdruck bringt, will er umschiffen, sich ihr zu stellen vermag er nicht. Dazu bedarf es einer politischen Neuformierung, einer neuen revolution\u00e4ren ArbeiterInnenpartei.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2019\/10\/31\/thueringen-nach-der-wahl-was-nun-linkspartei\/\"><em>Neue Internationale 242&#8230;<\/em><\/a><em> vom 1. November 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tobi Hansen. Th\u00fcringen bildete den Abschluss der ostdeutschen Landtagswahlen. 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