{"id":6312,"date":"2019-11-01T09:42:33","date_gmt":"2019-11-01T07:42:33","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6312"},"modified":"2019-11-01T09:42:35","modified_gmt":"2019-11-01T07:42:35","slug":"schweizer-pharmaindustrie-von-konkurrenz-zu-monopolen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6312","title":{"rendered":"Schweizer Pharmaindustrie: Von Konkurrenz zu Monopolen"},"content":{"rendered":"<p><em>Jan F. <\/em><strong>Zwei Megakonzerne, Novartis und Roche, sind f\u00fcr 40% der Schweizer Exporte verantwortlich. Wie konnten in Basel zwei Konzerne mit derartiger Marktmacht entstehen? Ihre Geschichte ist ein besonders perverses Beispiel<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> daf\u00fcr, dass Profite im Kapitalismus \u00fcber menschlichen Bed\u00fcrfnissen stehen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die Anf\u00e4nge<\/strong><\/p>\n<p>Die Chemie in Basel war bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts ein starker Industriezweig der Schweizer Wirtschaft. Neben geographischen Standortvorteilen war vor allem der unregulierte Markt eine Voraussetzung f\u00fcr ihre Entstehung. Die Schweizer Patentgesetze regulierten die Chemieindustrie erst 63 Jahre sp\u00e4ter als beispielsweise Frankreich. Viele Chemiker emigrierten daher aus Frankreich nach Basel, wo sie ohne gesetzliche Schranken Verfahren kopieren und weiterentwickeln konnten.<\/p>\n<p>Erst als sich die Chemiefirmen in Basel etabliert hatten, entwickelten sie ein Interesse am Patentschutz. Daraufhin wurden chemische Herstellungsprozesse 1907 in die Schweizer Patentgesetzgebung aufgenommen. Die Firmen spezialisierten sich und stellten eigene Produkte her, die sie nun vor Kopien sch\u00fctzen wollten. War vorher der fehlende Patentschutz die Grundlage ihres Erfolges, bildeten Patente nun die Basis ihres Gesch\u00e4ftsmodells. Die Interessen der Pharma und Chemie verkehrten sich dialektisch in ihr Gegenteil. Der Staat verteidigte ihre Interessen damals genauso wie heute.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"564\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/ETH-BIB-Basel_Sandoz-LBS_H1-022556-1180x650-1024x564.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6313\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/ETH-BIB-Basel_Sandoz-LBS_H1-022556-1180x650-1024x564.jpg 1024w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/ETH-BIB-Basel_Sandoz-LBS_H1-022556-1180x650-300x165.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/ETH-BIB-Basel_Sandoz-LBS_H1-022556-1180x650-768x423.jpg 768w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/ETH-BIB-Basel_Sandoz-LBS_H1-022556-1180x650.jpg 1180w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<p><strong>Aufstieg an die Weltspitze<\/strong><\/p>\n<p>Im 19. Jahrhundert war die Basler Chemie gekennzeichnet von \u201eUnstetigkeit, wechselnden Kooperationen, Neugr\u00fcndungen, Schliessungen und \u00dcbernahmen\u201c (Zeller). Es setzten sich mit Hoffman-La Roche, CIBA, J.R. Geigy und Sandoz die vier Gr\u00f6ssten durch. Die Konkurrenz auf dem Weltmarkt versch\u00e4rfte sich und nur die Gr\u00f6ssten und St\u00e4rksten konnten bestehen. Das f\u00fchrte zu Kartellbildungen: 1918 schlossen sich die Vorg\u00e4ngerfirmen der Novartis zur Basler \u2018IG Chemie\u2019 zusammen, um der m\u00e4chtigen Deutschen \u2018IG Farben\u2019 einen Block entgegenzustellen.<\/p>\n<p>Die Schl\u00e4chtereien der imperialistischen Weltkriege erwiesen sich f\u00fcr die Basler Chemie als Goldgrube. Die Nachfrage stieg, die Preise vervielfachten sich. Zudem wurde der Weltmarktf\u00fchrer Deutschland w\u00e4hrend dem Zweiten Weltkrieg mit einer Blockade belegt. Das liess die Exportprofite in die H\u00f6he schiessen und sicherte der Basler Chemie ihre Weltmarktstellung. Mit den Fusionen von CIBA und Geigy 1970 und CIBA-Geigy mit Sandoz 1996 entstand schliesslich mit der Novartis ein Konzern an der Weltspitze. Auch Roche wuchs mit einer Reihe von gewichtigen \u00dcbernahmen.<\/p>\n<p><strong>Parasit\u00e4re Megakonzerne<\/strong><\/p>\n<p>Die Entwicklung neuer Medikamente ben\u00f6tigt gigantische Forschungsinvestitionen, welche nur die Gr\u00f6ssten stemmen k\u00f6nnen. Die kleineren Unternehmen konnten sich diese nicht mehr leisten und wurden von den St\u00e4rkeren geschluckt. Es entstanden m\u00e4chtige Konzerne mit Monopolstellungen in ihren Kernbereichen, was ihnen erlaubt, die Preise relativ frei festzusetzen. Die Preise werden mit Patenten gesichert, welche auf dasselbe Produkt teils mehrfach beantragt werden. So kostet beispielsweise Novartis neue Gentherapie zwei Millionen Dollar. Durch ihre m\u00e4chtige Lobby verhindert die Pharma zudem den Import von billigeren Produkten aus dem Ausland. So kosten Generika in der Schweiz bis zu 50% mehr als in den Nachbarl\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Auch die Forschung der Pharma ist vollkommen dem Profitmotiv unterworfen: Es wird nicht nach Medikamenten geforscht, die m\u00f6glichst vielen helfen k\u00f6nnten. Die Kosten lohnen sich f\u00fcr die Kapitalisten nur, wenn sie die \u201aLeiden\u2018 zahlungskr\u00e4ftiger Schichten lindern \u2013 darunter fallen auch immer mehr Lifestyle- und Kosmetikprodukte.<\/p>\n<p>Mit der enormen Konzentration und Zentralisation des Kapitals zu Monopolen verkehrte sich die kapitalistische Konkurrenz ins Gegenteil. Neue Erkenntnisse werden geheim gehalten, anstatt den menschlichen Fortschritt voranzutreiben. Das Privateigentum an Produktionsmitteln hemmt heute die weitere Entwicklung. Diese gigantischen Konzerne m\u00fcssen enteignet und unter gesellschaftliche Kontrolle gestellt werden. Nur im Rahmen einer sozialistischen Planwirtschaft k\u00f6nnen wir ihr Potential\u00a0zum Wohle der Gesellschaft aussch\u00f6pfen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/deutsch\/c27-schweiz\/pharmaindustrie-von-konkurrenz-zu-monopolen\/\"><em>derfunke.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 1. November 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan F. Zwei Megakonzerne, Novartis und Roche, sind f\u00fcr 40% der Schweizer Exporte verantwortlich. Wie konnten in Basel zwei Konzerne mit derartiger Marktmacht entstehen? 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