{"id":6348,"date":"2019-11-06T09:12:36","date_gmt":"2019-11-06T07:12:36","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6348"},"modified":"2019-11-06T09:12:38","modified_gmt":"2019-11-06T07:12:38","slug":"von-hongkong-bis-chile-eine-welt-in-aufruhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6348","title":{"rendered":"Von Hongkong bis Chile: Eine Welt in Aufruhr"},"content":{"rendered":"<p><em>Jakob Zelger. <\/em><strong>Eine Welle an inspirierenden Protestbewegungen fordert momentan die kapitalistische Weltordnung heraus. Sie zeigen einmal mehr, dass wir das System ernsthaft in Bedr\u00e4ngnis bringen k\u00f6nnen. In den vergangenen Wochen haben massenhafte<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> Proteste im Libanon, Chile, Hongkong, Haiti, Ecuador, Irak, Sudan, Katalonien die herrschenden Eliten ins Schwitzen gebracht. (Am 1. November reihte sich Pakistan in die Protestwelle ein.)<\/strong><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em>In jeder dieser Bewegungen gab es einen Funken, der zur Explosion f\u00fchrte. In Chile war es die Anhebung der Ticket-Preise f\u00fcr die U-Bahn, in Haiti waren es der Mangel an Lebensmitteln und der korrupte Machthaber. Protestierende in Ecuador bek\u00e4mpfen Sparma\u00dfnahmen, w\u00e4hrend im Irak die Menschen gegen Armut und Korruption auf die Stra\u00dfen gehen.<\/p>\n<p>An vielen Orten sind die explosionsartigen Aufst\u00e4nde die j\u00fcngste Phase langj\u00e4hriger K\u00e4mpfe. Sie brechen immer wieder aus, weil das System keine befriedigenden L\u00f6sungen bieten kann. Bewundernswert ist, dass sich die Menschen nicht nach dem Erreichen der urspr\u00fcnglichen Forderungen von den Protesten zur\u00fcckziehen, sondern f\u00fcr neue Ziele weiterk\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>Arbeiterklasse<\/strong><\/p>\n<p>Ein paar F\u00fchrungsfiguren zu wechseln, reicht nicht aus, um den gesellschaftlichen Wandel durchzuf\u00fchren. Es braucht eine direkte Auseinandersetzung mit der herrschenden Klasse und dem Staat, der sie besch\u00fctzt. Das haben viele der Aufst\u00e4ndischen aus den Revolutionen von 2011 gelernt.<\/p>\n<p>Die gewaltsamen Konterrevolutionen gegen den Arabischen Fr\u00fchling, unterst\u00fctzt von arabischen und westlichen L\u00e4ndern, haben gezeigt, wie weit die Herrscher gehen, um Widerstand zu zerschlagen.<\/p>\n<p>Die Konterrevolutionen haben aber nicht die Erinnerung daran beseitigen k\u00f6nnen, wie m\u00e4chtig die aufst\u00e4ndischen Bewegungen waren und wie schnell sie Langzeitdiktatoren gest\u00fcrzt haben. Revolutionen k\u00f6nnen gewinnen, wenn die organisierte Arbeiterklasse eine zentrale Rolle einnimmt und wenn sie eine durchg\u00e4ngig revolution\u00e4re Politik verfolgen. Es kann nicht verwundern, dass das beim ersten Anlauf nicht alles schon vorhanden ist. Jetzt m\u00fcssen sich die Arbeiter_innen in revolution\u00e4ren Parteien organisieren und den Kampf wieder aufnehmen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"445\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Ein-Welt-in-AufruhrcFotocollage-Linkswende-jetzt.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6350\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Ein-Welt-in-AufruhrcFotocollage-Linkswende-jetzt.jpg 800w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Ein-Welt-in-AufruhrcFotocollage-Linkswende-jetzt-300x167.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/Ein-Welt-in-AufruhrcFotocollage-Linkswende-jetzt-768x427.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption>Fotocollage Linkswende jetzt!<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Haiti<\/strong><\/p>\n<p>In Haiti gab es seit dem Antritt des von den USA unterst\u00fctzten Pr\u00e4sidenten Jovenel Mo\u00efse 2017 mehrere Protestwellen. Zu Beginn war die Forderung noch, er solle die Dinge wieder in Ordnung bringen \u2013 inzwischen ist es sein R\u00fccktritt.<\/p>\n<p>Die aktuellen Proteste haben bereits Ausma\u00dfe eines Aufstandes angenommen. Polizeistationen wurden gezielt gepl\u00fcndert und angez\u00fcndet. Die Hauptstadt Port-au-Prince ist momentan vom Rest des Landes abgeschnitten und die Polizei versucht mit massiver Gewalt wieder die Kontrolle zu gewinnen. Besonders bemerkenswert ist die Beteiligung ansonsten eher passiver Gruppen.<\/p>\n<p>Tausende Katholiken hielten am 22. Oktober eine friedliche Demonstration in Port-au-Prince ab. Ein Sprecher der haitianischen Konferenz der Religi\u00f6sen sagte: \u201eK\u00f6nnen wir mit dem derzeitigen politischen Regime und diesem System vorankommen? Wir sollten es neu aufbauen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Ecuador<\/strong><\/p>\n<p>In Ecuador verhinderten Protestierende ein Sparma\u00dfnahmen-Paket der Regierung (ausf\u00fchrlicher Artikel\u00a0<a href=\"http:\/\/linkswende.org\/ecuador-neoliberaler-rammbock-iwf-prallt-an-arbeiterklasse-ab\/\">hier<\/a>). Innerhalb der zwei Wochen des Aufstandes wurden \u00fcber 1.100 Menschen verhaftet und sieben Personen get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Auf dem H\u00f6hepunkt der Proteste musste Ecuadors Regierung unter Pr\u00e4sident Lenin Moreno die Hauptstadt Quito verlassen. Ausschlaggebend f\u00fcr den Erfolg der Bewegung ist die Beteiligung der Indigenen, die in manchen Regionen die Kontrolle \u00fcbernahmen und 50 Polizisten verhafteten.<\/p>\n<p><strong>Libanon<\/strong><\/p>\n<p>Im Libanon begannen riesige Demonstrationen nach der Ank\u00fcndigung, WhatsApp-Anrufe zu besteuern. Nach nur wenigen Tagen riefen die Protestierenden \u201eRevolution, Revolution!\u201c (ausf\u00fchrlicher Artikel\u00a0<a href=\"http:\/\/linkswende.org\/erster-sieg-im-libanon-premier-muss-zuruecktreten\/\">hier<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Irak<\/strong><\/p>\n<p>Die Protestwelle, die Anfang Oktober in der irakischen Hauptstadt Bagdad begann, verwandelt sich immer mehr in eine umfassende Revolte (ausf\u00fchrlicher Artikel\u00a0<a href=\"http:\/\/linkswende.org\/irak-hunderttausende-trotzen-dem-staatsterror\/\">hier<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Hongkong<\/strong><\/p>\n<p>In Hongkong z\u00fcndete die j\u00fcngste Protestwelle im Juni. Der Ausl\u00f6ser war ein Gesetz, das die Auslieferung von Menschen an China erm\u00f6glichen w\u00fcrde. Inzwischen verlangen die Menschen den Sturz der Regierung, mehr Demokratie und die Aufl\u00f6sung der Polizei. Der letzte gro\u00dfe Protest mit mehreren zehntausend Beteiligten richtete sich gegen das Verbot, Masken zu tragen.<\/p>\n<p>Die Forderungen nach mehr Demokratie sind in Hongkong keine Neuheit. Bereits 2014 ging die \u201eRegenschirm-Bewegung\u201c daf\u00fcr auf die Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Die Proteste sind l\u00e4ngst auch auf China \u00fcbergeschwappt. Seit dem Beginn der Proteste hat die NGO China Labour Bulletin \u00fcber 1.100 Arbeitsk\u00e4mpfe registriert. Studierende von mehr als 20 Universit\u00e4ten auf dem chinesischen Festland protestierten zur Unterst\u00fctzung der Besch\u00e4ftigten eines VW-Werkes, nachdem 29 Streikende und ihre Anh\u00e4nger_innen, die sich f\u00fcr die Gr\u00fcndung einer Gewerkschaft eingesetzt hatten, verhaftet wurden.<\/p>\n<p><strong>Chile<\/strong><\/p>\n<p>In Chile haben gewaltige Massenproteste der Regierung die Macht bereits streitig gemacht. Trotz Einsatz von Polizei und Milit\u00e4r haben sich die Menschen unter dem Slogan \u201eEs geht uns nicht um 30 Pesos, es geht um die letzten 30 Jahre\u201c versammelt. Die Revolte ist in vollem Gange (ausf\u00fchrlicher Artikel\u00a0<a href=\"http:\/\/linkswende.org\/wir-erleben-einen-aufstand-gegen-30-jahre-neoliberalismus-in-chile\/\">hier<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Algerien<\/strong><\/p>\n<p>In Algerien gab es seit Anfang des Jahres jeden Freitag Proteste, nachdem der amtierende Pr\u00e4sident Abd al-Aziz Bouteflika entschieden hatte, f\u00fcr eine f\u00fcnfte Amtszeit zu kandidieren. Nur kurze Zeit sp\u00e4ter im April wurde er von der Bewegung abgesetzt. Seitdem kam es zu mehreren Wellen an Massenprotesten und Streiks, die sich gegen den von Bouteflika eingesetzten \u00dcbergangspr\u00e4sidenten Abdelkader Bensalah richten.<\/p>\n<p>F\u00fcr den 12. Dezember sind nun Neuwahlen angek\u00fcndigt, doch die Demonstrant_innen lehnen diese Wahl ab, da sie unter der derzeitigen Regierung nicht frei und fair ablaufen werden.<\/p>\n<p><strong>Sudan<\/strong><\/p>\n<p>Monatelange Massenproteste und Streiks st\u00fcrzten im April, nach drei Jahrzehnten, Diktator Umar al-Baschir. Seine Offiziere opferten ihn und klammern sich nun mit Gewalt an die Macht. Doch jetzt, drei Monate nach einem Abkommen mit den Milit\u00e4rs im August, sind die Menschen wieder auf der Stra\u00dfe. Sie verlangen die komplette Aufl\u00f6sung des vorherigen Regimes. Die Diskussionen darum, welche Strategien erfolgreich die Gesellschaft ver\u00e4ndern k\u00f6nnen, sind noch nicht zu Ende. Die n\u00e4chste Phase der Revolution im Sudan k\u00f6nnte bevorstehen.<\/p>\n<p><strong>Katalonien<\/strong><\/p>\n<p>Ein Generalstreik und Massen-Demonstrationen mit mehr als 500.000 Protestierenden in Barcelona blockierten am 18. Oktober das Zentrum der Stadt. Es war die Antwort auf die \u00f6ffentlich inszenierte Verurteilung des ehemaligen Vizepr\u00e4sidenten Oriol Jonqueras und acht weiteren Unabh\u00e4ngigkeits-Aktivisten zu insgesamt 100 Jahren Haft.<\/p>\n<p>Protestierende nahmen sich ein Beispiel an den Aufst\u00e4nden in Hongkong, zogen zum El Prat-Flughafen, besetzten ihn und sorgten damit f\u00fcr den Ausfall von mehreren tausend Fl\u00fcgen. Die Regierung reagierte mit Angriffen durch spanische und katalanische Polizeieinheiten mit Gummigeschossen und Wasserwerfer.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/linkswende.org\/von-hongkong-bis-chile-eine-welt-in-aufruhr\/\"><em>linkswende.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. November 2019<\/em><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img decoding=\"async\" src=\"blob:https:\/\/maulwuerfe.ch\/7d6dda6f-6438-48d2-aa7f-ee133d34e6d8\" alt=\"\"\/><\/figure>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jakob Zelger. 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