{"id":6519,"date":"2019-12-01T15:40:47","date_gmt":"2019-12-01T13:40:47","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6519"},"modified":"2019-12-01T15:40:48","modified_gmt":"2019-12-01T13:40:48","slug":"kolumbien-proteste-und-streiks-im-ganzen-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6519","title":{"rendered":"Kolumbien: Proteste und Streiks im ganzen Land"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Yara Notz. <\/span><\/i><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Am Donnerstag, dem 21. November 2019, streikte und demonstrierte die kolumbianische Bev\u00f6lkerung. Am diesem Tag haben landesweit \u00fcber 450\u2019000 Menschen am sogenannten\u00a0<i>\u00abparo nacional\u00bb\u00a0<\/i>teilgenommen. Der Protest steht in Zusammenhang mit den anderen Aufst\u00e4nden in Lateinamerika wie beispielsweise in Chile und Ecuador.<\/span><\/b><!--more--><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\"> Auch dort geht die lohnabh\u00e4ngige Bev\u00f6lkerung auf die Strasse um gegen Armut, schlechte Arbeitsbedingungen, \u00d6V-Preis- und Bezinpreiserh\u00f6hungen und vieles mehr zu protestieren. Die Wut richtet sich vor allem gegen die bourgeoise, ausbeuterische Elite, welche sich durch ihre neoliberale Austerit\u00e4tspolitik und durch Komplizenschaft mit dem Imperialismus bereichert. Und nun erheben sich auch die Menschen in Kolumbien.<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Vorgeschichte<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Anfang 2019 trat Ivan Duque sein Amt an. Gerade f\u00fcr viele junge Menschen war diese Wahl ern\u00fcchternd. Zwar war sie nach den ebenfalls rechten Regierungen von \u00c1lvaro Uribe und Juan Manuel Santos (in dessen Tradition auch Duque steht) nichts Neues. <\/span><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"558\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/cali.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6520\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/cali.jpg 800w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/cali-300x209.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/cali-768x536.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption> Strassenschlachtszene in der Stadt Cali. <\/figcaption><\/figure>\n<p>Duques Wahlsieg war jedoch besonders entt\u00e4uschend, da dieses Mal erstmals ein linker Pr\u00e4sidentschaftskandidat und ehemaliger Guerillero der M19<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, Gustavo Petro, ernsthafte Chancen auf den Sieg hatte.<\/p>\n<p>Kurz nach Duques Amtsantritt kam es zu einer neuen Welle des rechten Terrors. Unz\u00e4hlige\u00a0<em>\u2018l\u00edderes sociales\u2019<\/em>\u00a0(Anf\u00fchrer*innen sozialer Bewegungen) wurden ermordet. Durch eine Streikwelle und fehlende Budgets wurden die \u00f6ffentlichen Unis einiger St\u00e4dte w\u00e4hrend mehreren Monaten lahmgelegt. Ein Teil der eigentlich demobilisierten Guerilla FARC (<em>Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia<\/em>) k\u00fcndigte an, erneut zu den Waffen zu greifen. Ihr Sprecher argumentierte, die Regierung w\u00fcrde sich nicht an den unter Santos 2016\/17 ausgehandelten Friedensvertrag halten. Duque drohte zudem an, das ganze Abkommen f\u00fcr nichtig zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>In l\u00e4ndlichen Gebieten sind brachiale Gewalt und die Herrschaft von rechten Paramilit\u00e4rs oder Drogenkartellen immer noch bittere Realit\u00e4t. Die Regierung h\u00e4lt ihre Versprechen aus dem Friedensabkommen mit der FARC bez\u00fcglich Schutz, Bildung und medizinischer Versorgung nicht ein. Multinationale Konzerne zerst\u00f6ren ganze Landstriche und D\u00f6rfer und schlagen den Widerstand der ans\u00e4ssigen Bev\u00f6lkerung brutal nieder. Wieso sich Teile der FARC gezwungen sehen, erneut zu den Waffen zu greifen und die Guerilla ELN<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>\u00a0weiterhin aktiv sind, liegt in obenerw\u00e4hnten Gr\u00fcnden.<\/p>\n<p><strong>Die Gewaltfrage<\/strong><\/p>\n<p>Durch Kolumbiens extrem gewaltt\u00e4tige Vergangenheit und dem lang ersehnten Waffenstillstand zwischen FARC und Regierung ist die Diskussion rund um Guerillas und die Proteste sehr heikel. Trotz der Notwendigkeit sozialer K\u00e4mpfe von unten, sei es durch Guerillas<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0oder militante Proteste, lehnen grosse Teile der Bev\u00f6lkerung Gewalt generell ab. Sie w\u00fcrden eine neue Eskalation als R\u00fcckschritt sehen. Auch vor den Protesten verbreitete sich \u00fcber Social Media ein Aufruf, alle maskierten Demonstrant*innen kollektiv aufzufordern, sich zu enth\u00fcllen, was \u00fcbrigens tats\u00e4chlich auch passierte. Die Stadt mit der friedlichsten Demonstration wurde gar ger\u00fchmt.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist diese Diskussion kulturell und historisch-partikular<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>\u00a0verankert und deswegen nachvollziehbar. Gleichzeitig trafen die Demonstrant*innen bei den aktuellen Protesten jedoch auf heftige Repression. Nachdem mehrere Todesf\u00e4lle bekannt wurden und vermutlich bereits weitere Demonstrant*innen starben, wurde der Streik weitergef\u00fchrt. An manchen Orten radikalisierte sich die Bewegung und wurde militanter. Der Startschuss f\u00fcr eine neue Widerstandsbewegung von unten ist also trotz den damit verbundenen, kontroversen Diskussionen gegeben.<\/p>\n<p>Es bleibt abzuwarten, wie sich der Protest entwickelt und welche Schlagkraft daraus entsteht. Fakt ist jedoch, dass schon lange kein derart breit verankerter, landesweiter Protest mehr stattfand, wo Student*innen, Feminist*innen, Arbeiter*innen, indigene Gemeinschaften, queere Menschen und Migrant*innen zusammen dem Status Quo trotzen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2019\/kolumbien-proteste-und-streiks-im-ganzen-land\/\"><em>sozialismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 1. Dezember 2019<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die ehemalige Guerilla Movimiento 19 de Abril ist seit 1990 eine Partei.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Das Ej\u00e9rcito de Liberac\u00f3n Nacional ist letzte aktive Guerilla in Kolumbien.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Dies soll ausdr\u00fccken, dass die Selbstbewaffnung der Bev\u00f6lkerung legitim ist, um beispielsweise zu verhindern von Paramilit\u00e4rs massakriert oder von Bergbaukonzernen vertrieben zu werden. Dabei geht es nicht darum, das teilweise menschenverachtende Vorgehen der FARC und anderer Organisationen in der Vergangenheit gutzuheissen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Historisch-partikular bedeutet, die individuelle Geschichte und Entwicklung eines kulturellen Kontextes anzuerkennen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Yara Notz. Am Donnerstag, dem 21. November 2019, streikte und demonstrierte die kolumbianische Bev\u00f6lkerung. Am diesem Tag haben landesweit \u00fcber 450\u2019000 Menschen am sogenannten\u00a0\u00abparo nacional\u00bb\u00a0teilgenommen. 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