{"id":6622,"date":"2019-12-13T16:33:12","date_gmt":"2019-12-13T14:33:12","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6622"},"modified":"2019-12-13T16:33:13","modified_gmt":"2019-12-13T14:33:13","slug":"frankreich-neuer-zentraler-aktionstag-am-17-dezember","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6622","title":{"rendered":"Frankreich: Neuer zentraler Aktionstag am 17. Dezember"},"content":{"rendered":"<p><em>Bernard Schmid. <\/em><strong>Nach den Ank\u00fcndigungen von Premierminister Edouard Philippe am Mittwoch: Ausweitung der Streikfront; doch dass nunmehr die CFDT mit im Boot erscheint, ist unterdessen nicht unproblematisch * Einsetzende Polemik \u00fcber die Einhaltung<!--more--> oder Nichteinhaltung einer \u201eWeihnachtspause\u201c * Regierungs-Sonderbeauftragter zur Rentenpolitik befindet sich aufgrund seiner Interessenverflechtung mit Versicherungskonzernen in Schwierigkeiten * N\u00e4chster H\u00f6hepunkt, nach relativ \u00fcberschaubaren Zwischenmobilisierungen am gestrigen Donnerstag (und bevorstehenden am morgigen Samstag), wird ein zentraler Aktionstag am Dienstag n\u00e4chster Woche, den 17. Dezember 19<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAntifa hei\u00dft Busfahren\u201c, schrieb mal einer. Das war im Jahr 1998 (und vom Journalisten Ivo Bozic), der Ausspruch machte alsbald ziemlich weit die Runde. Heute bedeutet Solidarit\u00e4t fr\u00fches Aufstehen. \u201eZwischen 04.30 und 5 Uhr fr\u00fch\u201c, lautet der Termin, am Busdepot in der rue Belliard, in der N\u00e4he der porte de Clignancourt. Also am n\u00f6rdlichen Ausgang der franz\u00f6sischen Hauptstadt, wo das Pariser Stadtgebiet nahezu nahtlos in die n\u00f6rdliche Banlieue (Trabantenstadtzone) \u00fcbergeht. Streikende aus dem Busdepot hatten andere Berufs- und gesellschaftliche Gruppen zuvor um Unterst\u00fctzung angerufen, wenn es fr\u00fch morgens darum geht, ob Fahrzeuge mit Nichtstreikenden am Steuer aus dem Depot ausr\u00fccken k\u00f6nnen: Hindern sie selbst arbeitswillige, also nichtstreikende Kollegen an ihrer beruflichen T\u00e4tigkeit, stellt dies einen K\u00fcndigungsgrund dar.<\/p>\n<p>Am Vortag war es dabei zu Zusammenst\u00f6\u00dfen mit einer Polizeieinheit, der Brigade anti-criminalit\u00e9 (BAC), gekommen. Im Laufe des Donnertags tags\u00fcber waren streikende Busfahrer dann bei einer Streikversammlung von Lehrkr\u00e4ften an \u00f6ffentlichen Schulen aufgetreten. Rund f\u00fcnfzig Personen sind an diesem Freitag fr\u00fch zusammengekommen, \u00fcberwiegend Lehrkr\u00e4fte an Schulen sowie Studierende. Doch dieses Mal bleibt es ruhig; die streikenden Besch\u00e4ftigten der RATP (d.h. des Pariser Nahverkehrsbetreibers) haben sich dazu entschlossen, heute eine eher symbolische Blockade durchzuf\u00fchren, um ihren Unmut zu bekunden. Die Busse d\u00fcrfen ausfahren. Am kommenden Dienstag, den 17.12.19 ist dann allerdings eine \u201eh\u00e4rtere\u201c Aktion geplant.<\/p>\n<p>Unterdessen wurde ein Teilnehmer an einer anderen (externen) Streikpostenaktion an einem Busdepot vom Vortag am heutigen Freitag in der Pariser Trabantenstadt Bobigny in einem strafrechtlichen (Eil-)Verfahren den Richter\/inne\/n vorgef\u00fchrt. Laut vorliegenden Angaben hatte er einen Stehpfosten zu rollen versucht, um eine T\u00fcr zu blockieren; die eingesetzten Polizeikr\u00e4ften behaupteten jedoch, der Gegenstand sei in gef\u00e4hrlicher Weise auf sie zugerollt worden. Wir werden unsere Leser\/innen diesbez\u00fcglich auf dem Laufenden halten.<\/p>\n<p><strong>Neuer zentraler Aktionstag<\/strong><\/p>\n<p>An jenem Tag (Dienstag, den 17.12.19) wird frankreichweit der n\u00e4chste zentrale Aktionstag der Gewerkschaften mit Stra\u00dfendemonstrationen und Arbeitsniederlegungen auf breiterer Front stattfinden. Es wird erwartet oder jedenfalls erhofft, dass er dann noch gr\u00f6\u00dfer ausf\u00e4llt als der bislang am st\u00e4rksten befolgte Aktionstag, dem zum Auftakt der jetzigen Streikbewegung gegen die n\u00e4chste geplante Renten\u201ereform\u201c in Frankreich; er fand am Donnerstag, den 05. Dezember 19 statt.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich hatte die i<em>ntersyndicale<\/em>, also der Aktions-Zusammenschluss mehrerer Gewerkschaftsverb\u00e4nde und -dachverb\u00e4nde (CGT, FO, Union syndicale Solidaires, FSU..) sowie Jugend- und Studierendenorganisationen (u.a. Unef), f\u00fcr die laufende Woche zu zwei zentralen neuen Aktionstagen aufgerufen: am Dienstag und Donnerstag, 10. und 12. Dezember 19. Nachdem jedoch am Dienstag, den 10.12.19 die Teilnehmer\/innen\/zahl gegen\u00fcber dem 05. Dezember d.J. doch erheblich zur\u00fcckging und nachdem f\u00fcr den kommenden Tag \u2013 diesen Mittwoch, 11.12.19 \u2013 eine Ansprache des Premierministers Edouard Philippe zur Vorstellung n\u00e4herer Inhalte der Renten\u201ereform\u201c angek\u00fcndigt wurde, war der Aktionstag vom Donnerstag erst einmal heruntergestuft worden.<\/p>\n<p>Nunmehr war (f\u00fcr Donnerstag, den 12.12.19) nur noch von regionalen und dezentralen Protesten, \u00fcber die vor Ort entschieden werden solle, die Rede. In Paris fand vor diesem Hintergrund eine relativ mickerige Streikdemonstration statt (aus Veranstalterkreisen hie\u00df es gegen\u00fcber dem Verf. dieser Zeilen: \u201e5.000 bis 8.000\u201c, die Polizeizahl lautet: \u201e3.700\u201c). Veranstalterseitig berief man sich darauf, erst am Nachmittag des Vortags h\u00e4tten Streikende bei SNCF und RATP (Fern- und Nahverkehr) den Termin und die Demoroute festgelegt, und die Information sei nur unzureichend bekannt geworden.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"760\" height=\"348\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191205-manifestation.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6623\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191205-manifestation.jpg 760w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/20191205-manifestation-300x137.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 760px) 100vw, 760px\" \/><\/figure>\n<p>In anderen St\u00e4dten war jedoch erheblich mehr los (wobei es bereits seit den massiven Streiks im Sp\u00e4therbst 1995, mit welchem die inzwischen vor-vor-vor-vorletzte Renten\u201ereform\u201c in Frankreich verhindert werden konnte, zu beobachten gilt, dass die Mobilisierung in der Hauptstadtregion \u2013 gemessen an der Einwohner\/innen\/zahl \u2013 hinter jener in gr\u00f6\u00dferen \u201eProvinz\u201cst\u00e4dten zur\u00fcckbleibt, auch dies ein Gradmesser gesellschaftlicher Ver\u00e4nderung). So waren in Le Havre am \u00c4rmelkanal und in Marseille am Mittelmeer die Handelsh\u00e4fen blockiert. In Rennes kam es zu Vorf\u00e4llen von Polizeigewalt, bei denen ein Rollstuhlfahrer zu Boden gest\u00fcrzt wurde. (Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.patriote.info\/actualite\/des-policiers-en-embuscade-chargent-des-manifestants-et-renversent-un-paraplegique-a-rennes-video\/\">patriote.info&#8230;<\/a>) Anderswo als in Paris fielen die Aktivit\u00e4ten also intensiver aus, als es dieses Mal in der Hauptstadtregion der Fall blieb.<\/p>\n<p>Weitere, mutma\u00dflich ebenfalls bescheidenere (abwarten!), Protestmobilisierungen soll es nun auch am morgigen Samstag, den 14.12.19 geben. Dies wurde durch den Linkspolitiker Jean-Luc M\u00e9lenchon \u00fcberschwenglich begr\u00fc\u00dft, welcher bereits seit den Protesten gegen die Arbeitsrechts\u201ereform\u201c im Fr\u00fchjahr 2016 vehement daf\u00fcr eintritt, es m\u00fcsse Mobilisierungstermine auch am Samstag geben, um auch Anderen als (streikenden) Lohnabh\u00e4ngigen und gewerkschaftlich Organisierten eine Teilnahme zu erm\u00f6glichen; in den letzten zwei bis drei Jahren kam es dabei vor\u00fcbergehend zu wechselseitigen Hegemonie- und Konkurrenz-Vorw\u00fcrfen zwischen M\u00e9lenchons Wahlplattform LFI und den Gewerkschaftsf\u00fchrungen. Es ist wohl zu erwarten, dass unter diesen im Hintergrund anhaltenden Reibereien auch diese Samstagsmobilisierung eher leidet.<\/p>\n<p>Seitdem Premierminister Philippe nun jedoch am Mittwoch, den 11. Dezember 19 im Hinblick auf die Inhalte der \u201eReform\u201c teilweise N\u00e4gel mit K\u00f6pfen machte, ist eher ein erneutes Aufflammen der Protestmobilisierung zu beobachten.<\/p>\n<p>Dieses wird sich durch eine, noch breiter als bisher getragene, Mobilisierung zu einem neuen zentralen Aktionstag am Dienstag, den 17.12.19 manifestieren. Es k\u00f6nnte ein neuer Kristallisationspunkt f\u00fcr den Protest werden.<\/p>\n<p><strong>Inhalte der \u201eReform\u201cpl\u00e4ne<\/strong><\/p>\n<p>Kurz zu den Inhalten von Edouard Philippes Ansprache:<\/p>\n<ul>\n<li>Es wird best\u00e4tigt, dass ein neues \u201eScharnieralter\u201c oder<em>\u00e2ge-pivot<\/em>\u00a0mit 64 Jahren eingef\u00fchrt wird (der Begriff wurde von Regierungsseite bereits seit circa einem Jahr in die Debatte eingef\u00fchrt); es handelt sich um einen Ausdruck, der dazu dienen soll, den Begriff \u201eMindestalter\u201c zu vermeiden und dadurch die Realit\u00e4t ein St\u00fcck weit zu verschleiern; \u2013 das \u201eScharnieralter\u201c soll zwar einen fr\u00fcheren Renteneintritt (derzeit ab dem Mindestalter von 62 m\u00f6glich, bei voller Rentenh\u00f6he, wenn denn derzeit 41,5 Jahre und k\u00fcnftig bis 43 Beitragsjahre geleistet wurden, sonst gibt\u2019s Abz\u00fcge) nicht gesetzlich verbieten, jedoch mit finanziellen Einbu\u00dfen belegen, welche erst ab 64 entfallen werden;<\/li>\n<li>best\u00e4tigt wird auch, dass die Lohnersatzquote bei der Rente k\u00fcnftig nach einem \u201ePunktesystem\u201c auf die volle berufliche Karriere (also in Zukunft: 43 Beitragsjahre, ab 2035 f\u00fcr alle g\u00fcltig, statt derzeit 41,5) berechnet wird, statt bisher auf die besten 25 Einkommensjahre in der Privatwirtschaft respektive die letzten sechs Monate der beruflichen Laufbahn im \u00f6ffentlichen Dienst; dies wird nat\u00fcrlich notwendig eine Absenkung der Rentenh\u00f6he f\u00fcr fast alle Betroffenen zur Auswirkung haben, auch wenn die Regierung dies unter Berufung auf \u201eFairness\u201c und \u201evolle Ber\u00fccksichtigung der Lebensleistung\u201c konsequent zu verschleiern sucht; allerdings soll es laut den j\u00fcngsten Ank\u00fcndigungen (bislang noch nicht n\u00e4her bekannte) \u201eAusgleichselemente\u201c f\u00fcr Gefahrenberufe oder bei bestimmten, besonders erschwerten T\u00e4tigkeitsbedingungen geben;<\/li>\n<li>betroffen werden sollen alle Jahrg\u00e4nge, die 1975 geboren wurden oder j\u00fcnger sind, also die heute h\u00f6chstens 44j\u00e4hrigen, nicht die \u00c4lteren; f\u00fcr diese Jahrg\u00e4nge sollen f\u00fcr alle gearbeiteten Jahrg\u00e4nge ab 2025 die neuen Regeln gelten; jedoch sollen f\u00fcr die Jahrg\u00e4nge ab 2005 (heute 14 Jahre alt und j\u00fcnger) bereits ab 2022 und mit ihrem ab dann zu erwartenden Arbeitsmarkt-Eintritt ausschlie\u00dflich die neuen Regeln Anwendung finden. Dadurch versuchte die Regierung, die Gesellschaft insofern auseinander zu dividieren, als (quasi durch einen Schnitt mitten durch die Alterspyramide auf dem Arbeitsmarkt) eine ausreichende Zahl von Lohnabh\u00e4ngigen sich prinzipiell sagen k\u00f6nnten:\u00a0<em>\u201eBetrifft mich ja nicht!\u201c<\/em>Im urspr\u00fcnglichen Regierungsentwurf, oder was davon bis dato durchgesickert war, hatte man noch eine Anwendung ab dem Jahrgang 1963 und j\u00fcnger ins Auge gefasst.<\/li>\n<li>Den konkreten Gesetzentwurf will die Regierung nun am 22. Januar 2020 pr\u00e4sentieren, und ab Ende Februar kommenden Jahres im Parlament beraten lassen. Urspr\u00fcnglich war eine Streckung bis im Juni n\u00e4chsten Jahres erwogen worden.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Versicherungskonzern in den Startl\u00f6chern<\/strong><\/p>\n<p>Unterdessen steckt \u00fcbrigens der Sonderbeauftragte der amtierenden Regierung f\u00fcr die Renten\u201ereform\u201c \u2013 der fr\u00fchere konservative Spitzenpolitiker Jean-Paul Delevoye \u2013 in besonderen Schwierigkeiten. Es war k\u00fcrzlich ruchbar geworden, dass er seit circa drei Jahren 5.300 Euro monatliche Nebenbez\u00fcge seitens einer Allianz von Versicherungskonzernen bezogen hat (angeblich blo\u00df f\u00fcr einen symbolischen \u201eEhrenvorsitz\u201c eines Instituts f\u00fcr berufliche Fortbildung im Versicherungswesen, IFPASS), und dies neben anderen Eink\u00fcnften und Rentenanspr\u00fcchen, die er aufweist.<\/p>\n<p>Dies ist ihm gesetzlich verboten, da er den Status eines Regierungsmitglieds innehat. Vor allem lenkt es, in politisch wohl inopportuner Weise, das Augenmerk auf die klar definierten Interessen, die hier eindeutig bedient werden. L\u00e4ngst sitzen n\u00e4mlich die Versicherungskonzerne in den Startl\u00f6chern, um endlich, endlich auch in Frankreich einen \u201eMarkt\u201c f\u00fcr private, kapitalgedeckte Rentenversicherungen oder Zusatzabsicherungen zu er\u00f6ffnen\u2026<\/p>\n<p>Am heutigen Freitag mittag verlautbarte, Delevoye habe daraufhin vor\u00fcbergehend an eine R\u00fccktrittserkl\u00e4rung gedacht. (Vgl. bspw.\u00a0<a href=\"https:\/\/actu.orange.fr\/politique\/retraites-jean-paul-delevoye-a-pense-a-demissionner-magic-CNT000001m50zi.html\">orange.fr&#8230;<\/a>) Tut er aber anscheinend nicht mehr. Allerdings m\u00f6chte er nun 140.000 Euro \u2013 stolzes S\u00fcmmchen \u2013 zu Unrecht bezogener Geldleistungen zur\u00fcckzahlen. H\u00f6h\u00f6.<\/p>\n<p><strong>CFDT sauer. Aber\u2026<\/strong><\/p>\n<p>Unmittelbar nach der Ansprache Edouard Philippes erkl\u00e4rte auch der, an der Spitze rechtssozialdemokratisch gef\u00fchrte, Gewerkschaftsdachverband CFDT \u2013 vertreten durch seinen Generalsekret\u00e4r Laurent Berger -, es sei \u201eeine rote Linie \u00fcberschritten\u201c worden. (Vgl. bspw.:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.francetvinfo.fr\/economie\/retraite\/reforme-des-retraites\/reforme-des-retraites-la-ligne-rouge-est-franchie-pour-la-cfdt_3740575.html\">francetvinfo.fr&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p>Auch die nicht eben zum linkeren Fl\u00fcgel der franz\u00f6sischen Gewerkschaftslandschaft z\u00e4hlenden Verb\u00e4nde CFTC (christlicher Gewerkschaftsdachverband) und UNSA (vordergr\u00fcndig \u201eunpolitisch\u201c, nicht staatsoffiziell als Dachverband anerkannt, faktisch oft CFDT-nahe in den Positionen) wollen nun bei den Protesten mitziehen. Ausdr\u00fccklich zufrieden mit den Ank\u00fcndigungen oder jedenfalls ihrer Tendenz zeigte sich vorl\u00e4ufig eigentlich nur ein einziger Verband, und das war der Medef, also der wichtigste Arbeit\u201egeber\u201cdachverband\u2026<\/p>\n<p>Die CGT-Cheminots (CGT bei der Eisenbahn) rief unmittelbar zum \u201eh\u00e4rteren Streik\u201c und zur \u201eVerst\u00e4rkung des Streiks\u201c auf. (Vgl. bspw.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.liberation.fr\/direct\/element\/sncf-la-cgt-cheminots-appelle-a-renforcer-la-greve_106386\/\">liberation.fr&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p>Am kommenden Dienstag, den 17. Dezember d.J. m\u00f6chten nun auch die CFDT und die CFTC mit demonstrieren. Also wollen sie nicht zusammen mit den \u00fcbrigen Protestkr\u00e4ften gemeinsam unter denselben Losungen laufen, sondern (zusammen mit der UNSA sowie der sich weitgehend an der CFDT orientierenden Studierendengewerkschaft FAGE, der \u201ezahmen\u201c Konkurrenz zum Studierendendachverband UNEF) einen gemeinsamen Block auf der Pariser Demonstration bilden.<\/p>\n<p>Inzwischen hat die CFDT-Spitze konkretisiert, dass ein Streitpunkt darin liege, dass sie nicht den R\u00fcckzug des (gesamten) \u201eReform\u201cvorhabens forderte \u2013 dieser soll ihr zufolge nicht vom Tisch, vielmehr gibt sie an, dass sie grunds\u00e4tzlich die \u201eReform\u201c bef\u00fcrworte, jedoch das Alter 64 als DIE \u201erote Linie\u201c betrachte. Die Dachverbandsf\u00fchrung bei der CFDT macht also ihre Opposition offenkundig vor allem an diesem einen Punkt fest. Premierminister Edouard Philippe \u2013 ihm wird nun aus manchen wirtschaftsliberalen und bourgeoisen Kreisen, etwa vom Leitartikler des liberal-konservativen Wochenmagazins\u00a0<em>L\u2019Express<\/em>, \u201eUngeschicklichkeit im Umgang mit der CFDT\u201c vorgeworfen \u2013 beeilte sich daraufhin nun zwischenzeitlich, anzuk\u00fcndigen, seine\u00a0<em>\u201eT\u00fcr\u201c<\/em>\u00a0bliebe\u00a0<em>\u201eoffen<\/em>\u201c, und er wolle die so bezeichneten Sozialpartner\u00a0<em>\u201eso fr\u00fch wie m\u00f6glich in der kommenden Woche\u201c<\/em>\u00a0empfangen. Minister wie der f\u00fcr Haushaltsfragen (neben Wirtschaftsminister Bruno Le Maire, welcher sich ebenfalls zu Wort meldete) G\u00e9rald Darmanin w\u00e4hlten ihrerseits die Metapher von der ausgestreckten Hand respektive von noch vorhandenen Verhandlungsspielr\u00e4umen zu gehen. Dabei scheint es vor allem um Kompensationszahlungen in bestimmten F\u00e4llen und unter bestimmten Vorbedingungen zu gehen.<\/p>\n<p>Man lie\u00df aus desselben Regierungskreisen ebenfalls durchblicken, \u00fcber eine \u00c4nderung an der Zahl \u201e64\u201c (Jahre) sei ebenfalls zu reden\u2026 sofern\u00a0<em>\u201eihre Kritiker einen alternativen Finanzierungsplan vorlegen\u201c<\/em>, also ein Konzept, das ebenso viel Geld bei den Rentenzahlungen einsparen soll wie die bisherigen Pl\u00e4ne (deren Auswirkungen auf 8 bis 15 Milliarden Euro j\u00e4hrlicher Einsparungen beziffert werden). So lautete etwa eine Quintessenz etwa der abendlichen Studiodebatte beim Privatfernsehsender BFM TV am gestrigen Donnerstagabend, bei der mehrere wirtschaftsliberale Journalisten und Leitartikler sich gegenseitig zu \u00fcbertreffen versuchten. Dagegen hielt nur bzw. vor allem die ebenfalls bei BFM TV angestellte Journalistin Catherine TRICOT, die als linke Fl\u00fcgelfrau auftrat und in Aussicht stellte, falls die Mobilisierung am kommenden Dienstag, den 17. Dezember doppelt so stark ausfalle wie am 05. Dezember, dann werde man \u00fcber das Alles noch mal anders reden. (Dazu m\u00fcsste aber auch erst einmal kommen\u2026)<\/p>\n<p><strong>Weihnachtspause oder nicht\u2026?<\/strong><\/p>\n<p>Eine weitere Debatte, in denen die CGT (oder Teile von ihr) auf der einen Seite, mindestens die CFDT-Spitze jedoch auf der anderen Seite positioniert sind, betrifft die Frage eines Abbruchs der Mobilisierung zu Beginn der Weihnachtswoche. Diese k\u00f6nnte sich als bevorstehende Stolperschwelle f\u00fcr die Protestmobilisierung erweisen, falls diese die kommenden Woche \u00fcber noch gut anh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Die CGT-Cheminots (deren F\u00fchrung allerdings oft kraftmeierisch klingende Spr\u00fcche mit einer, auch im Vergleich zu anderen gewerkschaftlichen Akteuren bei der Bahngesellschaft SNCF weniger k\u00e4mpferischen Praxis verk\u00fcndet; ihr Apparat steht innerhalb des Dachverbands CGT nicht sonderlich links, im Unterschied etwa zur Branche \u201e\u00f6ffentliche Dienste\u201c oder zum Kreisverband Paris) spricht bereits \u00f6ffentlich davon, es werde\u00a0<em>\u201ekeinen Weihnachtsfrieden\u201c<\/em>\u00a0im Bahnstreik geben. (Vgl. bspw.:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.20minutes.fr\/societe\/2673159-20191212-greve-treve-noel-retrait-reforme-cgt-cheminots\">20minutes.fr&#8230;<\/a>) Dies k\u00f6nnte allerdings eventuell auch ein taktischer Fehler sein \u2013 die Frage ist, wen die \u00f6ffentliche Meinung (die eine Annullierung des Weihnachtsurlaubs oder der Familienbesuche an den Feiertagen in Teilen wohl weniger goutieren w\u00fcrde) daf\u00fcr verantwortlich macht, falls es denn so kommt. Taktisch ist es unklug, sich dabei selbst den schwarzen Peter zuzuschieben, statt haupts\u00e4chlich oder allein die Regierung daf\u00fcr verantwortlich zu machen. Die Frage w\u00e4re ggf., auf wen eine Beeintr\u00e4chtigung der Weihnachtspause zur\u00fcckf\u00e4llt, und ob diese Seite es sich politisch leisten kann..<\/p>\n<p>Umgekehrt hat die CFDT-Spitze ihrerseits bereits verk\u00fcndet, dass sie daf\u00fcr eintrete, eine Weihnachtspause zu respektieren. Was ihr allerdings wiederum als (willkommenes?) Argument dienen k\u00f6nnte, um irgendwann die Rei\u00dflinie zu ziehen \u2013 und einen Fortgang der Kraftprobe abzublasen\u2026<\/p>\n<p>Ihrerseits raunzte die amtierende Transportministerin Elisabeth Borne jene Gewerkschaften, die ohne Weihnachtspause streiken m\u00fcssen, bereits \u00f6ffentlich als\u00a0<em>\u201everantwortungslos\u201c<\/em>\u00a0an. (Vgl. bspw.\u00a0<a href=\"https:\/\/actu.orange.fr\/politique\/greve-a-la-ratp-et-la-sncf-annoncer-qu-on-veut-gacher-les-vacances-de-noel-des-francais-c-est-irresponsable-persiste-elisabeth-borne-magic-CNT000001m53Eb.html\">orange.fr&#8230;<\/a>) (Auch eine seitens aller Gewerkschaften unerw\u00fcnschte Trittbrettfahrerin, Marine Le Pen, welche sich zumindest verbal zur Unterst\u00fctzerin von Protesten aufschwingt, macht sich nunmehr f\u00fcr einen \u201eWeihnachtsfrieden\u201c stark. Dies steht aber wiederum auf einem ganz anderen Blatt.)<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte also doch noch, bzw. bald wieder, kritisch werden. Zumal das Trommelfeuer der bzw. bestimmter Medien\u00a0<em>gegen \u201edie Geiselnahme der Fahrg\u00e4ste durch Streikende in den Transportdiensten\u201c\u00a0<\/em>derzeit, nach nunmehriger achtt\u00e4giger Dauer des Verkehrsstreiks, erheblich zugenommen hat. Beim b\u00fcrgerlichen Sender BFM TV war dies etwa am gestrigen Donnerstagabend DAS Aufmacherthema.<\/p>\n<p>Und die Tatsache, dass einige Stunden zuvor eine Frau am Bord eines RER D (Pariser Vorortzugs in Richtung S\u00fcden\/S\u00fcdosten) ein Baby zur Welt brachte, liefert dazu nun noch einen menschlich verpackten, besonderen Anlass zum Beklagen des Transportstreilks (vgl. bspw.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.leparisien.fr\/info-paris-ile-de-france-oise\/transports\/en-pleine-greve-une-femme-accouche-dans-le-rer-d-11-12-2019-8215563.php\">leparisien.fr&#8230;<\/a>).(Auch wenn \u00c4hnliches auch sonst passiert \u2013 im Vorjahr 2018 kamen vier Kinder in Pariser Vorortz\u00fcgen zur Welt \u2013 und auch wenn die Berichte dar\u00fcber i.\u00dc. ausdr\u00fccklich pr\u00e4zisieren, die beengten Transportbedingungen in Streikzeiten seien NICHt f\u00fcr die Ausl\u00f6sung dieser Geburt unter besonderen Umst\u00e4nden verantwortlich. Der RER D-Zug, an dessen Bord dies passierte, war n\u00e4mlich \u00fcberhaupt nicht \u00fcberf\u00fcllt. Viele Z\u00fcge sind dies derzeit, aber andere sind wiederum erstaunlich leer, n\u00e4mlich dann, wenn deren potenzielle Passagiere ohnehin nicht auf die Bahnverbindung vertrauten und von dem Transportmittel wegblieben. Von Tag zu Tag und von Ort zu Ort sind dabei \u00fcbrigens \u201eZiehharmonika\u201cbewegungen zu verzeichnen, zwischen \u00dcberf\u00fcllung und \u00fcberdurchschnittlicher Leere. Den Autor dieser Zeilen erinnert dies an eine interessante Diskussion mit einem befreundeten, pensionierten Mathematikprofessor und Statistikexperten beim Transportstreik im Herbst 2007. Solche Hin- und Herbewegungen lassen sich anscheinend hinsichtlich ihrer statistischen wie auch gesellschaftlichen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten untersuchen, was den Mathematiker brennend interessiert\u2026)<\/p>\n<p>Fortsetzung folgt \u2013 in k\u00fcrzester K\u00fcrze\u2026<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/politik-frankreich\/frankreich-in-kenntnis-der-reformplaene-neuer-zentraler-aktionstag-am-17-dezember-weihnachtspause-oder-nicht\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 13. Dezember 2019 <\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernard Schmid. Nach den Ank\u00fcndigungen von Premierminister Edouard Philippe am Mittwoch: Ausweitung der Streikfront; doch dass nunmehr die CFDT mit im Boot erscheint, ist unterdessen nicht unproblematisch * Einsetzende Polemik \u00fcber die Einhaltung<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,5],"tags":[8,25,61,26,45,42,17],"class_list":["post-6622","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-kampagnen","tag-altersvorsorge","tag-arbeiterbewegung","tag-frankreich","tag-gewerkschaften","tag-neoliberalismus","tag-sozialdemokratie","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6622","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6622"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6622\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6624,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6622\/revisions\/6624"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6622"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6622"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6622"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}