{"id":6639,"date":"2019-12-16T10:39:12","date_gmt":"2019-12-16T08:39:12","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6639"},"modified":"2019-12-16T10:39:13","modified_gmt":"2019-12-16T08:39:13","slug":"ein-paar-erkenntnisse-zur-31-bilanz-reichenliste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6639","title":{"rendered":"Ein paar Erkenntnisse zur 31. \u00ad\u00abBilanz\u00bb-Reichenliste"},"content":{"rendered":"<p><em>Clemens Studer. <\/em><strong>F\u00fcr Honor\u00e9 de Balzac (1799\u2009\u2013\u20091850), den grossen franz\u00f6sischen Autor des 19.\u2009Jahrhunderts (\u00abDie menschliche Kom\u00f6die\u00bb), war klar: \u00abHinter jedem grossen Verm\u00f6gen steht ein grosses Verbrechen.\u00bb In diesem Sinn hat<!--more--> das Wirtschaftsmagazin \u00abBilanz\u00bb mit seiner aktuellsten Ausgabe die \u00abMeist-Gesuchten-Liste\u00bb 2019 vorgelegt. Die journalistische Fleissarbeit listet die 300 reichsten Menschen der Schweiz auf. Zum 31.\u2009Mal.<\/strong><\/p>\n<p>1989 besassen die aufgelisteten 100 Reichsten zusammen 66 Milliarden Franken. Heute besitzen die 300 Reichsten zusammen 702 Milliarden. Oder anders her\u00adum: Das Durchschnittsverm\u00f6gen der Aufgelisteten betrug damals pro Kopf 1\u2019989\u2019660 Millionen, heute sind es 2,35 Milliarden. Rund 3,5 Mal so viel. Oder noch einmal anders herum: Heute besitzen die Reichsten von Platz 1 und 2 mehr Verm\u00f6gen als alle 100 Reichsten von 1989 zusammen. Und das trotz allen B\u00f6rsencrashs, Immobilien- und Finanzkrisen. Auch der Teufel des Kapitalismus scheisst also immer auf die gleichen Haufen.<\/p>\n<p>Die \u00abBilanz\u00bb-Liste erfasst die Reichsten, die in der Schweiz wohnen oder einen Schweizer Pass haben. Auf Platz eins sind die Ikea-Erben Jona, Mathias und Peter Kamprad. Sie wohnen zwar im Ausland, haben aber den Schweizer Pass. Zusammen sind sie 54\u2009\u2013\u200955 Milliarden schwer. Auf Platz zwei folgen die Familien Hoffmann und Oeri (Pharma-Multi Roche) mit einem Verm\u00f6gen von 27\u2009\u2013\u200928 Milliarden. Mit 23\u2009\u2013\u200924 Milliarden folgt G\u00e9rard Wertheimer, der zusammen mit seinem Bruder den Luxusg\u00fcterkonzern Chanel besitzt.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"482\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/blocher-1024x482.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6640\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/blocher-1024x482.jpg 1024w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/blocher-300x141.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/blocher-768x361.jpg 768w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/blocher.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<p><strong>BLOCHER-CLAN<\/strong><\/p>\n<p>Ganz knapp die Top Ten verpasst hat der Blocher-Clan. Mit dem klassischen Oligarchen-Portfolio aus Chemie, Kunststoff und Medien, erg\u00e4nzt um das Basler \u00abL\u00e4ckerli Huus\u00bb, kommt die SVP-Sippe auf ein gemeinsames Verm\u00f6gen von 11 bis 12 Milliarden. Das ist eine ganze Milliarde mehr als im vergangenen Jahr. Die von SVP-Nationalr\u00e4tin Magdalena Martullo-Blocher geleitete EMS-Chemie sp\u00fcrte zwar in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres die abk\u00fchlende Konjunktur in der Autoindustrie und verlor 5,4 Prozent Umsatz. Aber die Aktien stiegen. 77 Prozent davon besitzen Blocher-T\u00f6chter. Miriam Baumann-Blocher geh\u00f6rt ausserdem das \u00abL\u00e4ckerli Huus\u00bb. Und Rahel Blocher ist Verwaltungsratspr\u00e4sidentin des Medienimperiums von Vater Christoph (Ex-Zehnder-Zeitungen, \u00abTagblatt der Stadt Z\u00fcrich\u00bb, \u00abTele Blocher\u00bb).<\/p>\n<p><strong>ABZOCKER STEIGEN AUF<\/strong><\/p>\n<p>Keine neue Erkenntnis, aber auch eindr\u00fccklich belegt von der neuen Reichsten-Liste: es wird weiter munter abgezockt. W\u00e4hrend 99 Prozent der Menschen in der Schweiz immer weniger im Portemonnaie bleibt, weil die Krankenkassenpr\u00e4mien steigen, die L\u00f6hne stagnieren und die BVG-Renten schmelzen. Doch es gibt eine kleine Anzahl Angestellte, die davon ausgenommen sind: Die sogenannten Top-Manager, besonders von Banken. So hat es jetzt auch UBS-Chef Sergio Ermotti unter die 300 Reichsten geschafft. Die \u00abBilanz\u00bb sch\u00e4tzt sein Verm\u00f6gen auf 100-150 Millionen. Sein Jahreseinkommen 2018 lag bei 14 Millionen Franken. In den acht Jahren, in denen Ermotti bereits an der UBS-Spitze ist, kassierte er nach offiziellen Bankan\u00adgaben fast 90 Millionen Franken. Und das alles f\u00fcr eine Leistung, die selbst in der innerkapitalistischen Logik mehr als durchzogen ist.<\/p>\n<p>Erfolgreicher als Ermotti arbeitete unbestritten Ernst Tanner. Er leitet seit \u00fcber 25 Jahren die Schoggifabrik Lindt&amp; Spr\u00fcngli. Kassierte zuerst als CEO immer wieder kritisierte exorbitante L\u00f6hne \u2013 und gilt heute mit einem Sal\u00e4r von 4 Millionen Franken im Jahr als einer der h\u00f6chstbe\u00adzahlten Verwaltungsratspr\u00e4sidenten der Schweiz. Ergebnis: Er h\u00e4lt sich schon l\u00e4nger als Angestellter unter den Reichsten. Die Bilanz sch\u00e4tzt sein Verm\u00f6gen auf 700-800 Millionen Franken. Ein bisschen weniger als im Vorjahr \u2013 weil der Euro schw\u00e4cher ist und rund die H\u00e4lfte von Tanners Verm\u00f6gen in der Holding des \u00f6sterreichischen Immobilienspekulanten Ren\u00e9 Benko angelegt ist.<\/p>\n<p><strong>WAHNSINNS-ZUWACHS<\/strong><\/p>\n<p>Allein die zehn Personen mit dem gr\u00f6ssten Verm\u00f6genszuwachs im vergangenen Jahr sind 27 Milliarden Franken schwerer geworden. Das sind rund 3 Milliarden Franken mehr, als der Bund 2020 f\u00fcr soziale Wohlfahrt (AHV, IV, Pr\u00e4mienverbilligungen usw.) budgetiert hat.<\/p>\n<p><strong>WAS TUN?<\/strong><\/p>\n<p>Die Reichen werden immer reicher. Global \u2013 und auch in der Schweiz. Die Konzentration der Verm\u00f6gen in immer weniger H\u00e4nden geh\u00f6rt zum Wesen des Kapitalismus. Das wusste schon Karl Marx. Und unterdessen macht das sogar linker Umtriebe unverd\u00e4chtigen Institutionen wie dem Internationalen W\u00e4hrungsfond und der OECD sorgen. Sie f\u00fcrchten um das System und wollen den sozialen Sprengstoff Ungleichheit entsch\u00e4rfen. Ein Weg dazu sind Anpassungen des Steuersystems.<\/p>\n<p>So wie es etwa die eingereichte 99%-Initiative der Juso verlangt. Sie schl\u00e4gt vor, Kapitaleinkommen (Zinsen, Dividenden usw.) ab einem Freibetrag 1,5 Mal so stark zu besteuern wie Einkommen aus Arbeit. Die Mehreinnahmen sollen dazu dienen, die Einkommenssteuern f\u00fcr Personen mit tiefen und mittleren Einkommen zu senken. Ebenfalls k\u00f6nnten die Mehreinnahmen f\u00fcr Leistungen der sozialen Wohlfahrt wie Familienleistungen, Bildung und Gesundheit verwendet werden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.workzeitung.ch\/2019\/12\/die-reichen-in-der-schweiz-werden-immer-reicher\/\"><em>workzeitung.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 16. Dezember 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Clemens Studer. 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