{"id":6646,"date":"2019-12-16T18:15:36","date_gmt":"2019-12-16T16:15:36","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6646"},"modified":"2019-12-16T18:15:37","modified_gmt":"2019-12-16T16:15:37","slug":"der-beginn-der-bewegung-der-k-gruppen-in-der-brd","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6646","title":{"rendered":"Der Beginn der Bewegung der K-Gruppen in der BRD"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/https\/www.mao-projekt.de\/\"><em>&#8222;MAO-Archiv&#8220;<\/em><\/a><em>. <\/em>Die RPK-Arbeitskonferenz mit den zu ihr vorgelegten Hauptpapieren der Fraktionen war die zentrale Debatte zwischen schlie\u00dflich drei Gruppen, die auch schnell in der Bundesrepublik Deutschland Freunde fanden, da die<!--more--> dortige Diskussion eifrig nachge\u00fcbt wurde (vgl. Bonn). Nicht zuletzt ging es bei dem Streit (man beachte auch die Auseinandersetzungen um die Ver\u00f6ffentlichung von Artikeln) um das damals wichtigste linksradikale Presseorgan, welches w\u00f6chentlich mit einer Auflage von 10 000 Exemplaren in fast jede noch so entlegene Gegend der Republik drang, von den \u00f6rtlichen Revolution\u00e4ren in ihren eigenen Zeitungen begeistert abgetippt bzw. nachgebetet wurde. Die RPK besa\u00df unzweifelhaft den Nimbus der Hauptstadt der Revolte, das Frankfurter &#8218;SC-Info&#8216; des Sozialistischen Clubs bzw. die &#8218;Sozialistische Correspondenz Frankfurt&#8216; hatte da eher zweitrangige Bedeutung.<\/p>\n<p>Es geht also nicht nur um blo\u00dfe Theorie, sondern auch um handfesten politischen Einfluss mittels Kontrolle \u00fcber die RPK. Die ML stellt sich dabei, zumindest in der Arbeiterkonferenz, die einen kaum zu untersch\u00e4tzenden Stellenwert hatte angesichts der Septemberstreiks und der allgemein vollzogenen &#8218;proletarischen Wende&#8216;, vor als Opposition gegen die studentischen Genossen, die vermutlich beim INFI bzw. den Thesenverfassern und der ihnen befreundeten Rotzeg verortet werden d\u00fcrfen. W\u00e4hrend die revolution\u00e4re Berufspraxis der Lehrer aber Mitte 1969 noch anziehend erschien (vgl. 5.7.1969), vor allem f\u00fcr die teils mit weit \u00fcberwiegender Mehrheit revolution\u00e4r organisierten Studierenden einschl\u00e4giger FU-Institute, er\u00f6ffnete sie doch Perspektiven auf die Beeinflussung von Obersch\u00fclern, auch wenn proletarische Kinder durch die Sexpol-Kampagne kaum zu gewinnen waren (vgl. Aug.1969), war bei der RPK-Arbeitskonferenz der Mythos des &#8218;proletarischen Riesen&#8216; aufgrund der Septemberstreiks 1969 l\u00e4ngst erwacht. Nun galt es, bolschewistische Betriebsarbeit zu machen oder wenigstens zu unterst\u00fctzen (vgl. Sept. 1969, 1.11.1969).<\/p>\n<p>Die ML Westberlin machten mutma\u00dflich eine kurze theoretische Pause (vgl. Okt. 1969), um danach umso lauter f\u00fcr ihre dabei einstudierten Mao Tse-Tung Zitate trommeln zu k\u00f6nnen und sich auch in der RPK-Redaktion fraktionell zu etablieren (vgl. 14.11.1969). Sie bieten damit das Vorbild f\u00fcr die bundesdeutschen Gruppen, die sich sp\u00e4ter zu ABG, KABD, KB und KBW zusammenschlie\u00dfen, aber auch teils f\u00fcr die KPD\/ML, ist doch die Ruhrkampagne im engen B\u00fcndnis mit den ML und sp\u00e4ter nicht unwesentlich and er\u00a0<a href=\"https:\/\/www.mao-projekt.de\/BRD\/ORG\/ZB\/ZB-Geschichte.shtml\">KPD\/ML-ZB<\/a>\u00a0beteiligt.<\/p>\n<p>In der Betriebsarbeit ist aber auch eine maoistisch-spontaneistische Tendenz t\u00e4tig, die sich sp\u00e4ter als Proletarische Linke\/Parteiinitiative (PL\/PI) bzw. als Proletarische Linke (<a href=\"https:\/\/www.mao-projekt.de\/BRD\/BER\/ORG\/PLPI_Linkliste.shtml\">PL<\/a>) organisiert und neben den ML und der KPD-Aufbauorganisation (KPD\/AO) eine dritte bundesweite Linie von eher spontaneistischer als operaistischer, aber auf jeden Fall antiautorit\u00e4r-maoistischer bis auch einmal terroristischer Ausrichtung in Anlehnung an die franz\u00f6sische Gauche Proletarienne mitpr\u00e4gt, zu der wir keinen eigenen Artikel verfassen, ihre Darstellung ist in\u00a0<a href=\"https:\/\/www.mao-projekt.de\/INT\/EU\/F\/Frankreich.shtml\">Frankreich<\/a>\u00a0enthalten.<\/p>\n<p>Die Fraktionierung seitens der ML bzw. der ihren Artikel zun\u00e4chst zensierenden RPK-Redaktionsmehrheit scheint Anlass zur Ausrufung der RPK-Arbeitskonferenz zu sein (vgl. 23.11.1969), auch wenn zun\u00e4chst nur der Beirat einberufen wird (vgl. 21.11.1969, 29.11.1969), der sich aber gerade zwei Tage sp\u00e4ter, die Westberliner hatten ja im Gegensatz zu den \u00f6stlichen K(l)assenbr\u00fcdern schon Telefon, umgehend z\u00f6gerlich betreffs demokratischer Beratungen zeigte, die Arbeitskonferenz wird auf den 6.12.1969 verschoben, und nur bei der Zensur sofort entschieden zuschlug (vgl. 23.11.1969), auch wenn dies durchaus nicht nachhaltige Wirkung zeitigte (vgl. 28.11.1969). Der RPK-Beirat wird zum t\u00e4glich tagenden Gremium angesichts des antiautorit\u00e4ren Aufstandes der Redaktion, sowie scheinbar schlicht voreilig vorpreschender ML-Parteigr\u00fcnder (vgl. 24.11.1969). Angesichts des damaligen Wertes der nahezu heilig hoch gehandelten Handelsmarke Marxismus-Leninismus (ML) verwundert es nicht, dass der RPK-Beirat darauf mehrheitlich leichtfertig h\u00e4tte verzichten m\u00f6gen. Lieber wird die eigene Position als die ML-Position betont.<\/p>\n<p>Die Theoriefraktion aber erkennt perfekt p\u00e4dagogisch, dass die Anderen sowieso unbelehrbar sind, besetzt mit akademischer Entschiedenheit zentrale Produktionsst\u00e4tten des damals ma\u00dfgeblichen linken Organs. Nicht nur h\u00f6here Deutschlehrer sind hier mutma\u00dflich beteiligt, sondern auch eine offenbar breite Koalition von sp\u00e4terer Rote Armee Fraktion (RAF) in Gestalt von Horst Mahler bis KPD\/Aufbauorganisation (KPD\/AO) in Gestalt von Wolfgang Schwiedrzik.<\/p>\n<p>Zumindest die Berliner Studierenden in Gestalt der Rotzeg (<a href=\"https:\/\/www.mao-projekt.de\/BRD\/BER\/RC\/Berlin_FU_Rote_Zelle_Germanistik.shtml\">Rote Zelle Germanistik<\/a>) an der FU Berlin bleiben flei\u00dfige Sch\u00fcler, ach nein, sogar richtig linke Lehrer der Revolution (vgl. 26.11.1969), die das Volk v\u00f6llig bedienen w\u00fcrden, wenn es nur die Macht bereitwillig bolschewistisch an sie \u00fcberg\u00e4be.<\/p>\n<p>Unter dem Eindruck des massenhaften Ausbruchs der klassenk\u00e4mpferischen Kriminalit\u00e4t in Gestalt der Septemberstreiks 1969 \u00fcberzeugte aber vermutlich auf der RPK-Arbeitskonferenz eher die ML-Fraktion im Verein mit der sp\u00e4teren PL\/PI, schien doch die Abkehr von der Hochschularbeit angesagt, zumindest dort, wo sowieso ca. 80% der Studierenden in den verschiedenen Gruppen organisiert waren und trotzdem noch jede Demonstration eher m\u00fchelos von der Polizei verpr\u00fcgelt werden konnte &#8230; Die Septemberstreiks 1969 hatten da ganz andere Zeichen gesetzt. Massenhafter &#8211; hunderttausendfacher! &#8211; und v\u00f6llig offensichtlicher gewaltt\u00e4tiger Gesetzesbruch wurde mit Lohnerh\u00f6hungen geh\u00e4tschelt statt niedergekn\u00fcppelt, auch wenn einige der Vertreter des Kapitals schie\u00dfen wollten wie auf Rudi Dutschke, aber: sie trauten sich einfach nicht!<\/p>\n<p>Unter dem \u00fcberw\u00e4ltigenden Eindruck dieser Streikwelle vermochte die revolution\u00e4re Berufsperspektive der Lehrer nur noch eine untergeordnete Rolle einzunehmen. Die Rotzeg, deren einschl\u00e4gige Fraktion neben dem Infi als wesentliches Hauptquartier der Semler\/Horlemann-KPD zu verorten ist, musste sich hier erst der hinreichenden Anzahl proletarischer Kader, u.a. aus dem Sozialistischen Arbeiter- und Lehrlingszentrum Westberlin (SALZ) versichern, um entsprechend auftrumpfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"775\" height=\"383\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/K-Gruppen.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-6647\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/K-Gruppen.png 775w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/K-Gruppen-300x148.png 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/K-Gruppen-768x380.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 775px) 100vw, 775px\" \/><\/figure>\n<p>Interessant an den Marxisten-Leninisten Westberlin (vgl. 26.11.1969) erscheint dabei vor allem, dass eine Selbstorganisation der Arbeiter angestrebt wird, zu der die Arbeiterkonferenz werden sollte. Die bolschewistische Partei als autoritativer Ratgeber in allen Fragen des proletarischen Alltags scheint hier noch sehr fern. Es ist mehr die Auflehnung gegen oben, was auch immer das gerade hei\u00dfen mag. BRD, NS, SDS, der ML kommen damals alle F\u00fchrer fast gleich, Hauptsache Aufstand gegen sie und nicht so arg viel Gerede dabei&#8230; Nat\u00fcrlich wird doch arg viel geredet (vgl. 28.11.1969), aber die ML stellt sich damals eher hemds\u00e4rmelig praktisch dar, proletarisch sowieso. Einige bisher zusammenarbeitende Gruppen weisen mittlerweile offensichtlich ML-Fraktionen auf. Dies gilt auch f\u00fcr das Proletarierinnenzentrum (PROZ &#8211; vgl. Dez. 1969), welches als eines der Verbindungsglieder zwischen der ersten Welle der bundesdeutschen autonomen Frauenbewegung 1968 und der weiteren gro\u00dfen Welle ab 1974 wichtig ist. Im PROZ sowie den sich daran in Gefolge der RPK-Arbeitskonferenz orientierenden Gruppen wird vor allem Betriebsarbeit in typischen Frauenbetrieben, vor allem in der Elektroindustrie betrieben, z. b. bei\u00a0<a href=\"https:\/\/www.mao-projekt.de\/BRD\/BW\/FRE\/Freiburg_ITT-Intermetall.shtml\">ITT-Intermetall Freiburg<\/a>, aber auch in anderen typischen Frauenarbeitsbereichen wie z.B. im HBV-Bereich im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.mao-projekt.de\/BRD\/NRW\/ARN\/Bochum_Rote_Ruhrpark-Gruppe.shtml\">Ruhrpark Bochum<\/a>.<\/p>\n<p>Die Trotzkisten, in Gestalt der damals in Westberlin weitaus f\u00fchrenden Spartacisten des Spartacus &#8211; IAfeKJO (vgl. Dez. 1969), bleiben auch auf der RPK-Arbeitskonferenz bzw. den Auseinandersetzungen um die RPK trotz \u00f6rtlicher prima proletarischer Praxis eher farblos, vermutlich waren sie intellektuell einfach zu eigensinnig f\u00fcr solcherlei Massenauftriebe.<\/p>\n<p>Erfolgreicher zeigt sich da die allerdings erst sp\u00e4ter (vgl. Dez. 1969) so hei\u00dfende\u00a0<a href=\"https:\/\/www.mao-projekt.de\/BRD\/BER\/ORG\/PLPI_Linkliste.shtml\">PL\/PI<\/a>.<\/p>\n<p>Allein der Aufschub der Ver\u00f6ffentlichung eines Artikel aber gereicht angesichts der allt\u00e4glich andauernden Anforderungen des Klassenkampfes zum Anlass einer erbitterten Auseinandersetzung, die zur mehr oder minder konsequent regional bzw. \u00f6rtlich durchgef\u00fchrten Dreiteilung der damaligen radikalen Linken der Bundesrepublik Deutschland f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die sog. Harzer Gruppen teilen sich dabei sp\u00e4ter noch weiter auf in PEI bzw. PL, bzw. AO und ML andererseits (vgl. Jan. 1970).<\/p>\n<p>Die PEI analysiert sich r\u00fcckblickend selbstkritisch als alleinig antiautorit\u00e4r ausgerichtet (vgl. 1.3.1970), was angesichts des antiautorit\u00e4ren Anspruchs der au\u00dferparlamentarischen Opposition nicht wirklich verwundern sollte.<\/p>\n<p><em>[Weiteres &#8211; insbesondere zu den Zeitangaben &#8211; siehe die Ausz\u00fcge aus der\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.mao-projekt.de\/BRD\/BER\/RC\/RPK-Arbeitskonferenz_1969.shtml\"><em>MAO-Datenbank<\/em><\/a><em>]<\/em><\/p>\n<p><strong>Der Konferenzbericht der Redaktionsmehrheit<\/strong><\/p>\n<p>Geht man\u00a0<em>vom\u00a0<\/em>Abstimmungsergebnis der Arbeitskonferenz zur RPK-Frage aus, die Redaktion (nach dem Proporz (3 :3 : 3 :2) aus Mitgliedern der Roten Zellen, der &#8222;Harzer Front&#8220;, der &#8222;ML&#8220; incl. Ruhrkampagne und den beiden Genossen von Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und Vertrieb zusammenzusetzen, liegt der Schlu\u00df nahe, sei nur der alte Zustand wiederhergestellt worden. Die Vorbereitung von der RPK als einem organisationsstiftenden Organ hat sich nicht durchsetzen k\u00f6nnen\u00bb Dennoch wurden in den Diskussionen w\u00e4hrend der zwei Tage Ans\u00e4tze und Perspektiven gefunden, die die Grundprinzipien einer revolution\u00e4ren Organisation konkretisieren k\u00f6nnen und bald ihren Ausdruck in einer endg\u00fcltigen Reorganisation der RPK finden werden.<\/p>\n<p>Der Verlauf der AK war wesentlich durch die widerspr\u00fcchlichen Ansichten bestimmt, die die teilnehmenden Gruppen \u00fcber die Aufgabenstellung der AK hatten. F\u00fcr die &#8222;ML&#8220;-Fraktion und die mit ihr verb\u00fcndete Ruhrkampagne stand von vornherein fest, I daS der RPK-Beirat &#8222;kein eigenst\u00e4ndiges politisches Gremium, I bzw, die RPK nur eine pluralistisch zusammengesetzte Plattform f\u00fcr die ideologische Auseinandersetzung sein k\u00f6nne. Diese Einsch\u00e4tzung hatte die Haltung der &#8222;ML&#8220; und Ruhrkampagne schon in den Auseinandersetzungen um den Abdruck des &#8222;ML&#8220;-Artikels zur Organisation- bzw. Schulungsfrage bestimmt, als sie dem Beirat das Recht zu mehrheitlich gefa\u00dften Beschl\u00fcssen absprachen und ihn mit Hilfe der Redaktion &#8211; unter dem Vorwand, er sei paralysiert &#8211; abzusetzen versuchten, als er dennoch abstimmte.<\/p>\n<p>Die im Beirat vertretenen Roten Zellen und die auf der Grundlage des &#8222;Harzer Papiers* zusammengeschlossenen Betriebsgruppen erwarteten dagegen von der AK die Kl\u00e4rung inhaltlicher Fragen (wie die Bestimmung der Rolle der revolution\u00e4ren Intelligenz bei der Entfaltung des proletarischen Klassenkampfes, die Analyse der Bedingungen und der Schwerpunkte der Klassenk\u00e4mpfe in der n\u00e4chsten Etappe, die Voraussetzungen der zentralen Organisierung der Betriebs\u00ab, Hochschul- und internationalistischen Praxis), um die Fraktionierung nicht scheinhaft \u00fcber Schulung, sondern \u00fcber diese inhaltlichen Fragen voranzutreiben und schlie\u00dflich aus diesem Zusammenhang heraus die Funktion der RPK neu zu bestimmen und sie &#8211; wenn m\u00f6glich &#8211; als politisches Organ ihrer Fraktion zu instrumentalisieren.<\/p>\n<p>Die quantitativ \u00fcberwiegende Mehrheit der Versammlung schwankte zwischen Organisationsfeindlich keit und abstrakter Bereitschaft zu organisatorischer Ver\u00e4nderung, Sie sah die Notwendigkeit der \u00dcberwindung des alten Pluralismus ein, wollte sich aber auf keine der bestehenden Fraktionierungen festlegen lassen. Zum Richter \u00fcber die Rolle der RPK gemacht, ( w\u00e4hlte sie das, was ihr als kleinstes \u00dcbel erschien: eine drittelparit\u00e4tisch besetzte Redaktion, in der sie zwar selbst nicht mehr vertreten ist, in der aber zumindest daf\u00fcr gesorgt sein sollte, da\u00df keine der bestehenden Fraktionen die RPK als &#8222;Manipulationsinstrument &#8220; in die H\u00e4nde bek\u00e4me.<\/p>\n<p>Um die Zusammensetzung der AK zu dokumentieren, geben wir zun\u00e4chst die Teilnehmerliste wieder (Zahl der Delegierten in Klammern): Aktionsrat zur Befreiung der Frauen, Gruppe Dernburgstr. (4); Aktionsrat zur Befreiung der Frauen, Mehrheitsfraktion (4); Sozialistisches Arbeitskollektiv OSI (4); Sozialistische Assistentenzelle am OSI (4); ad-hoc-Physik TU (4); ad-hoc-Chemie TU (4); ad-hoc-Maschinenbau TU (4); ad-hoc-Wirtschaftswissenschaften TU (4); SALZ-Fraktion (4); SALZ-ML-Fraktion (4); Arbeiterkonferenz Mehrheitsfraktion (2); Arbeiterkonferenz-ML-Fraktion (2); PROZ-ML (4); Druck-ML (4); Ruhrkampagne (4); Kommunistische Zelle Historiker (4); Institutsgruppe Rote Publizistik (4); ad-hoc Biologie FU (4); 883-Redaktion (3); Rotzeg (4); Rotzmath (4), Rotz\u00f6k (4); Rotz-Psych (4); Rotzjur (4); Rotzing (4); Rotzmed (4); Projektgruppe Elektroindustrie (4); Basisgruppe Moabit (4); Betriebsgruppe NCR (4); Betriebsgruppe Neckermann (4); Sektion Produktion der Soziologen (4); Infi-Projektgruppe Afrika (4); Italien-Arbeitskreis (3); Vietnam-Komitee (4); Pal\u00e4stinaKomitee (4); RPK-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung und Vertrieb (2).<\/p>\n<p>Als nicht stimmberechtigte G\u00e4ste waren u. a.\u00a0anwesend: BG\u00a0Schering, BG Telefunken, Sozialarbeitergruppe, Arbeitsgruppe Revolution\u00e4re Erziehung, Rote Zelle PH, ad-hoc Gruppe Soziologie FU, TU-Politreferat, Medizinerladen, Sozialistisches Anwaltskollektiv, Unione Emigrati Italiani Progressisti, Konf\u00f6deration Iranischer Studenten, Rote Garde, SDS-T\u00fcbingen, SDS Gie\u00dfen, SDS Hamburg, SIZ M\u00fcnchen, SDS-BV.<\/p>\n<p>Dieses Spektrum &#8222;arbeitender Gruppen&#8220; ging nun daran, nach dem Zerbrechen der organisatorischen Einheit SDS zum ersten Mal eine gemeinsame &#8222;Landesvollversammlung&#8220; in Form einer Arbeitskonferenz der RPK zu veranstalten. Der Doppelcharakter der Arbeitskonferenz: Landeskonferenz verschiedener, in keinem organisatorischen Zusammenhang stehender Gruppen und zugleich speziell Arbeitskonferenz der RPK zu sein, bezeichnet genau die Umbruchstelle, an der die &#8222;Studenten-, Sch\u00fcler- und Arbeiterbewegung&#8220;, als deren Organ die RPK sich bislang verstand, angelangt ist. War die RPK bislang die einzige Ebene der Kommunikation der unorganisiert &#8222;arbeitenden Gruppen&#8220; und damit auch als Veranstalter einer Arbeitskonferenz noch denkbar, mu\u00dfte sie selbst zum Gegenstand der Auseinandersetzung werden, sobald die &#8222;Bewegung&#8220; \u00fcber ihren Pluralismus hinausdr\u00e4ngte und per Fraktionierung versucht, verbindliche Organisationsformen herzustellen.<\/p>\n<p>Im Verlauf der Arbeitskonferenz zeigte sich, welche Gruppen die notwendige Fraktionierung vorantreiben und diese Fraktionierung auch als F\u00fchrungsanspruch im Hinblick auf die RPK formulieren wollten. Die langwierige Gesch\u00e4ftsordnungsdebatte, mit der die Konferenz begann, war insofern eine politische Debatte, als in ihr bereits der Anspruch der verschiedenen Fraktionen an die Arbeitskonferenz und an die RPK deutlich hervortrat Die &#8222;ML&#8220; setzte ihre schon vor der AK begonnene Politik, in der RPK die friedliche Koexistenz aller Fraktionen zu etablieren, fort, indem sie ihr RPK-8-Punkte-Programm (vgl. S. 3) zur Grundlage der Diskussion zu machen versuchte, Sie warf damit den auf der Konferenz anwesenden organisationsfeindlichen Gruppen den K\u00f6der hin, da\u00df die RPK auch weiter ein Blatt der &#8222;antirevisionistischen Gruppen in ihrer diffusen Pluralit\u00e4t bleiben d\u00fcrfe. Der bescheidene Platz, den die &#8222;ML&#8220; in der RPK f\u00fcr sich forderte, die Bescheidenheit, mit der sie die RPK als blo\u00dfes &#8222;Intellektuellen-Blatt&#8220; als blo\u00dfes Diskussionsforum der Fraktionen bestimmt, die Anspruchslosigkeit, mit der sie &#8222;gleiches Recht f\u00fcr alle&#8220; forderte, appellierte genau an die Gruppen, die sich der politischen Verantwortung stets entziehen und doch bei allen wichtigen Fragen mitber\u00fccksichtigt sein wollen. Gegen\u00fcber dem Versuch, die Diskussion auf der Arbeitskonferenz von vornherein auf die Frage der RPK und die Diskussion der RPK von Anbeginn auf ihre formalen Aspekte zu reduzieren, setzte sich der Gegenvorschlag durch, die fraktionelle Auseinandersetzung \u00fcber inhaltliche Fragen voranzutreiben und erst aus diesem Zusammenhang die Funktion der RPK zu bestimmen. Die Mehrheit der Versammelten stimmte daf\u00fcr, die Debatte mit der Diskussion eines von der provisorischen Redaktion in Auftrag gegebenen und von den Genossen Semler, Neitzke, Hartung, Jasper, Horlemann, Heinrich u.a. verfa\u00dften Thesenpapiers zu er\u00f6ffnen (vgl. S. 8).<\/p>\n<p>Vorgelesen und diskutiert wurden die ersten vier Punkte dieses Papiers: \u00fcber das richtige Verh\u00e4ltnis von Theorie und Praxis im Marxismus-Leninismus, \u00fcber die Beziehung von Praxis und Organisation, \u00fcber die Partei und die erste Etappe des Aufbaus, welche Stellung nimmt das Initiativ- und Kontrollaktiv der RPK ein und welche Aufgaben hat es zu \u00fcbernehmen?<\/p>\n<p>In diesen vier Punkten des Papiers wird der Versuch gemacht, die Kritik an der sektiererischen Position der &#8222;ML&#8220;in der Organisationsfrage noch einmal zu erh\u00e4rten, zugleich aber einen Schlag gegen die rechtsopportunistischen und organisationsfeindlichen Fraktionen innerhalb der Studentenbewegung and Basisgruppen zu f\u00fchren. Herausgefordert f\u00fchlen mu\u00dfte sich nicht nur die &#8222;ML&#8220;, die ihre vagen Vorstellungen von demokratischem Zentralismus und Kaderpartei hinter dem ebenso vagen Begriff von \u00dcbergangsoragnisation verbirgt: provoziert wurden auch diejenigen, f\u00fcr die Organisation nichts anderes bedeutet, als das organische Zusammenwachsen der partikularisierten Praxisbereiche. Die &#8222;ML&#8220; sagte nichts. Ihre Kritik beschr\u00e4nkte sich auf den Vorwurf der Praxislosigkeit und des Infi-Hinterm\u00e4nnertums der Verfasser. Anders die Spontaneistengruppen. Sie reagierten heftig darauf, da\u00df \u00fcberhaupt von Partei gesprochen wurde. Mit der Geb\u00e4rde intellektueller Redlichkeit warnten sie &#8222;vor einer \u00dcberidentifikation mit historisch\u00bb Organisationsmodellen&#8220;, zweifelten sie daran, ob man &#8222;au\u00dfer von studentischen Massen \u00fcberhaupt von Massen reden k\u00f6nnte&#8220; und lehnten es ab, &#8222;sich durch formale Zw\u00e4nge eine Verbindlichkeit auferlegen zu lassen&#8220;. Sie riefen im Chor: Zentralisierung ja, demokratischer Zentralismus nein, oder schoben dem vorgeschlagenen Organisationstypus ihre proze\u00dfhaften Organisationsvorstellungen unter. Wogegen das Thesenpapier sich gewandt hatte, wurde durch die Antworten aufs Thesenpapier erst deutlicht gegen das Fortschleppen radikaldemokratischer, antiau-torit\u00e4ter Ideologie als Rationalisierung f\u00fcr das Festhalten an bornierter kleinb\u00fcrgerlicher Praxis, die sich zugleich anma\u00dft, \u00fcber Mittel und Ziele des proletarischen Klassenkampfes Aussagen zu treffen. Seinen theoretischen Ausdruck findet das in Konzepten von f\u00f6derativen Zusammenschl\u00fcssen sich selbst organisierender Zellen in den bestehenden Praxisbereichen. F\u00fcr die Kl\u00e4rung der n\u00e4chsten Schritte in Richtung auf verbindliche Organisation war weder die Kritik der &#8222;ML&#8220; noch der Rechtsopportunisten relevant. Die wichtigen Fragen wurden fast ausschlie\u00dflich diskutiert in der Polemik zwischen Thesenverfassern und den Genossen um das &#8222;Harzer&#8220;-Papier.<\/p>\n<p><strong>DAS THESENPAPIER<\/strong><\/p>\n<p>Das Thesenpapier steht sowohl der Form als auch dem Inhalt nach in engem Verh\u00e4ltnis zum &#8222;ML&#8220;-Organisationspapier: formal insofern, als es in Form einer Kritik des &#8222;ML&#8220;-Papiers aufgebaut ist und inhaltlich, als es &#8211; wie das &#8222;ML&#8220;-Papier &#8211; die Einsicht in die Schaffung einer proletarischen Organisation als n\u00e4chsten Schritt angibt. Der Unterschied liegt darin, da\u00df im Thesenpapier a priori die bolschewistische Partei als &#8222;die einzige Organisation, die die Leitung des Kampfes des Proletariats in die H\u00e4nde nehmen, zentralisieren und die Arbeiterklasse siegreich zur Diktatur des Proletariats f\u00fchren kann&#8220;, angenommen wird und dementsprechend in der Phase des Aufbaus der Partei die ersten organisatorischen Grundeinheiten &#8222;schon alle Merkmale der entwickelten Organisation enthalten&#8220; sollen, w\u00e4hrend die &#8222;ML&#8220; im vagen Begriff der \u00dcbergangsorganisation keine bestimmten Vorstellung von Form und Inhalt der zu schaffenden proletarischen Organisation zu erkennen gibt. Vom Prinzip der dialektischen Einheit von Theorie und Praxis ausgehend, f\u00fchrt das Thesenpapier die im Pamphlet &#8222;Den Kampf gegen die schwarze Linie f\u00fchren&#8220; begonnene Kritik an der &#8222;ML&#8220;-Organisations- bzw. Schulungskonzeption fort. Den Anspruch, Ans\u00e4tze einer praktischen Kritik des &#8222;ML&#8220;-Konzepts zu entwickeln, erf\u00fcllt es aber nur unzureichend. Zwar geht es von richtigen Prinzipien aus (wie dem Prinzip des demokratischen Zentralismus und dem Prinzip der Verbundenheit mit den K\u00e4mpfenden und dem Prinzip der Massenkritik), kl\u00e4rt aber gerade nicht, wie der demokratische Zentralismus zum bestimmenden Prinzip gemacht werden kann, und wie die Prinzipien der Verbundenheit mit den K\u00e4mpfenden und der Massenkritik in der n\u00e4chsten Etappe schon praktisch werden. Zwar behauptet es gegen\u00fcber der schwammigen \u00dcbergangsformel der &#8222;ML&#8220; die Notwendigkeit des Aufbaus der Partei des Proletariats und entwickelt als ersten Aufbauschritt das Programm einer organisierten, praktischen Klassenanalyse (Untersuchungstrupps), geht aber nicht auf die Frage ein, auf welche praktischen Ans\u00e4tze man sich jetzt schon st\u00fctzen kann, um diesen ersten Schritt zu vollziehen. Da sich das Thesenpapier gegen\u00fcber der Studentenbewegung einer liquidatorischen Argumentation bedient, verbaut es sich selbst die M\u00f6glichkeit, die Dialektik von Bruch und Kontinuit\u00e4t dieser<\/p>\n<p>Bewegung genauer zu bestimmen. Dieser Versto\u00df gegen das Prinzip der Verbundenheit mit den K\u00e4mpfenden, d. tu hier: mit den k\u00e4mpfenden Fraktionen der sozialistischen Studentenbewegung f\u00fchrte dazu, da\u00df gerade die Gruppe gegen das Thesenpapier aufstand, die als einziger, durch Praxis ausgewiesener Tr\u00e4ger des vorgeschlagenen Initiativ- und Konzrollaktivs von den Verfassern des Thesenpapiers angesprochen war: die Projektgruppe Elektroindustrie und die mit ihr auf der Grundlage des &#8222;Harzer&#8220; Papiers verb\u00fcndeten Fraktionen anderer Betriebsgruppen.<\/p>\n<p><strong>&#8222;HARZER PAPIER&#8220;&#8218;<\/strong><\/p>\n<p>Im Harzer Papier wird in systematischer Weise versucht, einen Arbeitsansatz im Produktionsbereich zu entwickeln, der implizit auch die Kritik an den bisherigen Experimenten in der Betriebs- und Basisarbeit enth\u00e4lt. Es wurde versucht, von einem sehr stark praxisbezogenen Ansatz her, das richtige Verh\u00e4ltnis von F\u00fchrung und Massen zu entwickeln. Nach einer ungef\u00e4hren Einsch\u00e4tzung der Entwicklung des Monopolkapitals hat der Gro\u00dfkonzern wesentliche Bedeutung f\u00fcr den umfassenden Klassenkampf des Proletariats: allein hier kann das Verh\u00e4ltnis von F\u00fchrung und Massen, durch die \u00e4u\u00dferen Bedingungen erzwungen, in der Praxis richtig entwickelt werden. Hier, wie sonst nirgend, mu\u00df ein Kader seine F\u00e4higkeiten, die Massen zu mobilisieren, immer wieder unter Beweis stellen.<\/p>\n<p>Bei dieser, aus den praktisch anstehenden Fragen sich ergebenden Problematisierung beschr\u00e4nkten sich die Genossen der PEI auf ihren Praxisansatz und waren nicht in der Lage, klare Kriterien f\u00fcr eine proletarische Kampforganisation anzugeben. Dazu h\u00e4tte geh\u00f6rt, pr\u00e4zise zu bestimmen, in welchem Verh\u00e4ltnis \u00f6konomischer und politischer Kampf zueinander stehen. Die Trennung von \u00f6konomischem und politischem Kampf, wie sie im Leninschen Parteitypus impliziert ist, kann nicht einfach \u00fcbernommen werden. Gerade durch die richtige Einsch\u00e4tzung der Rolle der Gro\u00dfkonzerne im Sp\u00e4tkapitalismus, wie sie im Harzer Papier angegeben ist, besteht die M\u00f6glichkeit, jene Trennung, die sich als schwarzer Faden fast durch die ganze Geschichte der Arbeiterbewegung zieht, aufzuheben und damit eine entscheidende Korrektur anzubringen am bolschewistischen Kaderkonzept. Gerade in einer Anfangsphase der Klassenk\u00e4mpfe wird der Gro\u00dfbetrieb die Konfliktebene sein, auf der die ersten gr\u00f6\u00dferen nicht blo\u00df \u00f6konomisch interpretierbaren Mobilisierungen stattfinden werden.<\/p>\n<p>Jedoch in der Vagheit der Antwort der &#8222;Harzer&#8220; Genossen auf diese Fragen deutet sich eine Gefahr des Papiers an: Wenn diese Probleme ungekl\u00e4rt bleiben, so wird der ganze Ansatz sehr schnell in \u00f6konomistischer Handwerkelei steckenbleiben. Die Kritik der Thesengenossen und Peter Schneider machte eine offensichtliche Schw\u00e4che des Papiers deutlich. Der strategische Ansatz wurde nur aus dem beschr\u00e4nkten Praxisansatz entwickelt, ohne die Erfahrungen der Arbeiterbewegung und die gegenw\u00e4rtigen Bedingungen des Kampfes gegen den Staatsapparat zu ber\u00fccksichtigen. Nur wenn das im Harzer Papier besser geleistet worden w\u00e4re, h\u00e4tte auch in der Diskussion eine richtige Alternative zur abstrakten Adaption des bolschewistischen Parteikonzepts im Thesenpapier entwickelt werden k\u00f6nnen, diese in der Diskussion aufbrechenden Widerspr\u00fcche zwischen dem Organisationskonzept des Thesenpapiers und den Vorstellungen der &#8222;Harzer Gruppe&#8220; erwiesen sich bald als auf der Arbeitskonferenz selbst nicht l\u00f6sbar. Da\u00df beide Gruppen unter dem Druck, zu einer L\u00f6sung der RPK-Frage zu kommen, den Versuch machten, trotz unausdiskutierter Positionen als gemeinsame Fraktion aufzutreten, f\u00fchrte nur zu einer Verundeutlichung des Konflikts, zu taktischen Absicherungen, die die theoretische Diskussion immer wieder durchkreuzten. Das Zur\u00fcckziehen des Thesenpapiers zu Gunsten des Harzer Papiers war ein Symptom f\u00fcr dieses Dilemma. Dennoch waren diese Widerspr\u00fcche, aus denen Ruhrkampagne und &#8222;ML&#8220; , ohne ein einziges Mal die Diskussion zu ihrer eigenen Sache zu machen, st\u00e4ndig taktische Vorteile zu ziehen versuchten, die wirklich produktiven Widerspr\u00fcche auf dieser Konferenz. Das zeigte sich besonders deutlich in dem Unterschied zu der Kontroverse, die zwischen der Ruhrkampagne und den Genossen Huffschmid und Str\u00f6hle in der \u00f6konomischen Analyse entstanden und die den Rahmen der akademischen Er\u00f6rterung nicht verlie\u00df.<\/p>\n<p><strong>KRISENDISKUSSION<\/strong><\/p>\n<p>Dias Papier der Genossen Huffschmid und Str\u00f6hle enth\u00e4lt die zentrale These, da\u00df der objektive Krisenzusammenhang des Kapitals durch subventionistische Ma\u00dfnahmen des Staates steuerbar sei. Eine revolution\u00e4re Strategie habe also auszugehen von der Wirkung des Kapitals auf die Arbeiterklasse, n\u00e4mlich der sich immer mehr versch\u00e4rfenden Notwendigkeit, die Mehrwertrate durch Intensivierung der Ausbeutung zu erh\u00f6hen. In diesem Zusammenhang sei die Analyse der Gro\u00dfkonzerne von immer st\u00e4rkerer Bedeutung. Der prinzipielle Fehler dieses Papiers liegt jedoch darin, da\u00df nur das Einzelkapital betrachtet und unzul\u00e4ssig zum Gesamtkapital verallgemeinert wird, nicht aber die Beziehung der vielen Einzelkapitalien zueinander untersucht wird. Wenn die Konkurrenz aufgehoben w\u00e4re, g\u00e4be es kein Motiv zur Steigerung der Mehrwertrate mehr. V\u00f6llig losgel\u00f6st vom Proletariat als der gr\u00f6\u00dften Produktivkraft im Kapitalismus wird zum Teil mit Kategorien der b\u00fcrgerlichen \u00d6konomie die objektive Bewegung des Kapitals als in sich v\u00f6llig abgeschlossen behandelt. Nur die Auswirkung dieses objektiven Entwicklungsganges, nicht aber die Entwicklung selbst, tritt in Widerspruch zum Proletariat. Die Arbeiterklasse ist hier nicht als Subjekt, sondern nur leidend als Objekt der Mehrwertsch\u00f6pfung begriffen. Die andere, dogmatische Seite dieser akademischen Position ist die Ruhrkampagne. Die Dialektik des Grund Widerspruchs von Kapital und Arbeit, die in den Thesen von Huffschmid und Str\u00f6hle v\u00f6llig verloren ist, gerinnt hier zum starren Schema. Hier wird zwar die Konkurrenz als noch vorhanden konstatiert und damit auch die Krise, aber die Genossen der Ruhrkampagne machen dabei den Fehler, die Krise selbst als die konkrete und unmittelbare Bedingung zur revolution\u00e4ren Massenaktivit\u00e4t zu setzen. Die nur theoretische Feststellung, da\u00df Krisen zu erwarten sind, wird selbst schon gleichgesetzt mit einer Wirklichkeit, die revolution\u00e4r sein wird. Es kommt aber darauf an, in der praktischen Anwendung historischer und analytischer Erkenntnisse die Voraussetzung zu schaffen, damit die Krise eine wirklich revolution\u00e4re Situation wird. Der Genosse Rabehl begreift die Krise nicht als machbare, sondern ordnet die subjektiven Faktoren der v\u00f6llig formalisierten Krisendialektik des Kapitals unter, als ob nicht die fortschreitende Mobilisierung und Organisierung der Arbeiterklasse selbst schon Schritte auf dem Weg zur bewu\u00dften Gestaltung ihres Schicksals w\u00e4ren.<\/p>\n<p>So hat die Ruhrkampagne ihren praktischen Ansatz in der Diskussion v\u00f6llig verschwiegen, da\u00df n\u00e4mlich W\u00fchlarbeit im Betrieb nur dann lohnend sei, wenn der jeweilige Konzern schon von Strukturkrisen angeknackst sei. V\u00f6llig abstrakt und mechanisch wird der Gesamtzusammenhang der Krise auf den Einzelbetrieb \u00fcbertragen. Von dieser Warte aus wird jede Betriebsarbeit in Berlin sinnlos, da nach ihrer eigenen Argumentation hier die Krise ziemlich sicher wird subventionistisch aufgefangen werden k\u00f6nnen. Wie unverbindlich die eigene praktische Perspektive der Ruhrkampagne, im Ruhrgebiet Betriebsarbeit zu leisten ist, zeigt sich daran, da\u00df kein Genosse aus dieser Gruppe offen propagiert, organisiert aus Berlin auszuschw\u00e4rmen in die westdeutschen Krisengebiete und die Betriebsarbeit als perspektivlos aufzugeben. Die Ruhrkampagne selbst hat noch nicht einen einzigen Schritt in diese Richtung getan &#8211; abgesehen von einigen Reisen zwecks Anreicherung von empirischen Material. Stattdessen tauchten diese Zentristen unter, um am Ende der Arbeitskonferenz von der Warte des Weltgeistes her, alle in der Diskussion aufgetauchten Positionen fein s\u00e4uberlich in die verschiedenen Schubladen zu ordnen und ein akademisches Seminarprogramm zur L\u00f6sung der anstehenden Fragen anzubieten.<\/p>\n<p>Die Aufl\u00f6sung dieser unverbindlichen und rein akademischen Diskussionen stellt trotz aller beschriebenen M\u00e4ngel das Harzer Papier dar. Es ist der einzige Ansatz, der aufzeigt, wie die Klassenanalyse gem\u00e4\u00df dem Prinzip der Untersuchung und dem Prinzip der Verbundenheit mit den K\u00e4mpfenden praktisch und organisatorisch in Angriff genommen werden kann. Nur die zentrale Ausbildung und die einheitliche Organisation der Untersuchungsgruppen gew\u00e4hrleisten, da\u00df die Ergebnisse ihrer Betriebsarbeit zu einer Klassenanalyse verarbeitet werden, die Auskunft \u00fcber Fraktionen der Arbeiterklasse und die praktischen Bedingungen des Kampfes gibt. Nur auf diese Weise wird die objektivistische Betrachtung des Proletariats in \u00f6konomischen Kategorien gesprengt werden.<\/p>\n<p>Die ersten richtigen Schritte, um eine Klassenanalyse zu erstellen und damit auch die Voraussetzung zur Konstitution der revolution\u00e4ren Organisation des Proletariats zu kl\u00e4ren, werden bereits in Angriff genommen:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Korrektur der Lehrg\u00e4nge f\u00fcr die Untersuchungsgruppen unter Einbeziehung der berechtigten Kritik am Harzer Papier und die organisierte Fortf\u00fchrung der praktischen Klassenanalyse.<\/li>\n<li>Die genauere Bestimmung der Prinzipien, die jetzt schon f\u00fcr eine revolution\u00e4re Organisation angegeben werden k\u00f6nnen. Im Anschlu\u00df an die Diskussion auf der AK m\u00fcssen besonders zwei Fragen im Vordergrund stehen: die Beziehung von politischem und \u00f6konomischem Kampf und das Verh\u00e4ltnis von Kadern und Massen.<\/li>\n<li>Erstellung einer Industriekarte von Westberlin.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Organisation wird in verbindlichem und solidarischem Zusammenhang von Kritik und Selbstkritik unter einer zentralen Leitung die n\u00e4chsten Schritte in Angriff nehmen und die Diskussion um die richtige Strategie und Organisation im Produktionsbereich so in die Gruppen tragen, da\u00df auf dem Wege der Fraktionierung die korrekte Linie durchgesetzt werden kann.<\/p>\n<p><strong>Quelle:\u00a0<\/strong>Rote Pressekorrespondenz, Nr. 43\/44\/45 vom 19.12. 1969, S. 1-3 und S. 32\/33<\/p>\n<p><em>OCR-Scan red. trend 2019<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.trend.infopartisan.net\/trd1219\/t291219.html\">trend.infopartisan&#8230;<\/a> vom 16. Dezember 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;MAO-Archiv&#8220;. 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