{"id":6671,"date":"2019-12-20T15:50:16","date_gmt":"2019-12-20T13:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6671"},"modified":"2019-12-20T15:50:17","modified_gmt":"2019-12-20T13:50:17","slug":"frankreich-vor-weihnachten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6671","title":{"rendered":"Frankreich vor Weihnachten"},"content":{"rendered":"<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Bernard Schmid.<\/span><\/i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\"> Mit Streikkassen gegen die Renten\u201ereform\u201c zum n\u00e4chsten zentralen Aktionstag am 09. Januar.\u00a0<\/span><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Organisationsunabh\u00e4ngige Streikkassen gewinnen zunehmend an Bedeutung \u2013 Als erste Gewerkschaftsvereinigung steigt die UNSA offiziell in die \u201eWeihnachtspause\u201c ein \u2013 Die CGT ergreift die Initiative zu einem neuen zentralen Aktionstag am 09. Januar 20 \u2013 Eigenst\u00e4ndige feministische Kampagne gegen die Renten\u201ereform\u201c<\/span><!--more--><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Inzwischen haben auch b\u00fcrgerliche Medien das Thema entdeckt: Ja, es gibt Streikkassen in Frankreich, um den Teilnehmer\/inne\/n an den aktuellen Arbeitsk\u00e4mpfen zu erm\u00f6glichen, \u00f6konomisch \u00fcber die Runden und in die bzw. \u00fcber die Feiertage (ggf. mit ihren Familien) zu kommen. Inzwischen sogar mehrere Dutzende von ihnen, in welche man zum Gutteil auch on-line einspenden kann.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Historisch ist das Ph\u00e4nomen in Frankreich relativ neu; denn in der Vergangenheit verhielt es sich so, dass die Teilnehmenden an Arbeitsk\u00e4mpfen entweder stolz darauf waren, ihren Arbeitskampf auf eigener Tasche zu bezahlen \u2013 in den 1970er Jahren war dies unzweifelhaft so, doch damals stand den Lohnabh\u00e4ngigen das Wasser i.d.R. nicht derart bis zum Hals wie mitunter heutzutage \u2013 oder aber in einem \u201eNachstreik\u201c um die Bezahlung eines Teils der Streiktage durch den Arbeitgeber k\u00e4mpften. Beides ist heute wesentlich schwieriger geworden als fr\u00fcher. Gewerkschafliche Streikgelder gibt es in Frankreich in aller Regel nicht, denn Erstens sind die Mehrzahl der Gewerkschaften dazu materiell zu arm, und zum Zweiten kontrollieren franz\u00f6sische (anders als deutsche) Gewerkschaftsapparate die Aus\u00fcbung des Streikrechts durch Lohnabh\u00e4ngige nicht:. Letztere ist auch unabh\u00e4ngig von jeglicher gewerkschaftlicher Unterst\u00fctzung legal m\u00f6glich.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die [an der Spitze rechtssozialdemokratisch gef\u00fchrte] CFDT \u2013 derzeit zweitst\u00e4rkster Gewerkschaftsdachverband in Frankreich von den Mitgliederzahlen, doch st\u00e4rkster von den betrieblichen Wahlergebnissen [zuletzt landesweit f\u00fcr die Periode 2013 bis 2017 amtlich gemessen] her \u2013 hat ihrerseits freilich eigene Streikkassen f\u00fcr ihre Mitglieder eingerichtet. Dar\u00fcber war auf ihrem Kongress in Lille im Dezember 1998 diskutiert worden, was aber damals zugleich mit \u00dcberlegungen \u00fcber eine st\u00e4rkere Kontrolle und Einschr\u00e4nkung seiner Aus\u00fcbung einherging. (Vgl. vom Autor dieser Zeilen dazu:\u00a0<a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/1998\/51\/sind-streiks-archaisch\">jungle.world&#8230;<\/a>)<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Heute befinden sich in den Kassen der CFDT daf\u00fcr 132 Millionen Euro (vgl.<a href=\"https:\/\/www.nouvelobs.com\/social\/20191218.OBS22478\/la-cfdt-a-une-cagnotte-de-132-millions-d-euros.html\">nouvelobs.com&#8230;<\/a>). Allerdings sind ihre Mitgliedsgewerkschaften nicht eben als die streikfreundlichsten oder -freudigsten bekannt, von einigen Basisverb\u00e4nden in ihrem lokalen Kontext sicherlich abgesehen. Derzeit nimmt die CFDT (auf nationaler Ebene) nur bei der franz\u00f6sischen Eisenbahngesellschaft SNCF am Streik teil, bei dem sie keine herausragende Rolle spielt. Und zahlt ihren Mitgliedern ab dem zweiten Streiktag 7,32 Euro pro Stunde aus.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die meisten streikenden Lohnabh\u00e4ngigen werden sicherlich keine Streikgelder just von der CFDT bekommen, sind aber oft \u2013 mit zunehmender Streikdauer verst\u00e4rkt \u2013 auf eine gewisse materielle Unterst\u00fctzung angewiesen. Daf\u00fcr gibt es nun inzwischen eine Reihe von Streikkassen, die auch organisationsunabh\u00e4ngig an Teilnehmer\/innen am Arbeitskampf Mittel aussch\u00fctten, und die durch Spendensammlungen am Rande von Protestz\u00fcgen oder auch [verst\u00e4rkt] im Internet aufgef\u00fcllt werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Dies haben inzwischen auch die b\u00fcrgerlichen Medien, mehr oder minder fasziniert davon, mitbekommen. Am Abend des gestrigen Donnerstag, den 19. Dezember 19 wurde dazu etwa ein Beitrag bei dem \u2013 im Kern wirtschaftsliberalen \u2013 Privatfernsehsender BFM TV ausgestrahlt, mitsamt Interview mit Romain Altmann (vgl. \u00fcber ihn und die Streikkassen auch:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.liberation.fr\/checknews\/2019\/12\/11\/comment-seront-redistribues-aux-grevistes-les-dons-collectes-par-la-caisse-de-solidarite-cgt-info-co_1768340\">liberation.fr&#8230;<\/a>) von der besonders aktiven Mediengewerkschaft\u00a0<i>CGT Info\u2019Com<\/i>. Also von jener Gewerkschaft, welche 2016 anl\u00e4sslich der K\u00e4mpfe gegen die damalige Arbeitsrechts\u201ereform\u201c eine Schl\u00fcsselrolle bei der Einf\u00fchrung von Streikkassen in Frankreich \u2013 die Teilnehmer\/innen unabh\u00e4ngig von ihrer Gewerkschaftszugeh\u00f6rigkeit unterst\u00fctzten \u2013 spielte, unterst\u00fctzt \u00fcbrigens u.a. auch aus der GEW in Hessen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Inzwischen berichteten bereits mehrere b\u00fcrgerliche Medien dar\u00fcber (vgl. u.a. <a href=\"http:\/\/www.leparisien.fr\/economie\/ces-cagnottes-solidaires-censees-aider-les-grevistes-a-passer-les-fetes-18-12-2019-8220417.php\">leparisien.fr&#8230;<\/a> und <a href=\"https:\/\/rmc.bfmtv.com\/mediaplayer\/video\/cagnottes-de-greve-on-a-meme-eu-un-don-de-2-250-euros-1209459.html\">bfmtv.com&#8230;<\/a> oder <a href=\"https:\/\/www.bfmtv.com\/mediaplayer\/video\/cagnottes-le-nerf-de-la-greve-1210220.html\">bfmtv.com&#8230;<\/a> sowie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bfmtv.com\/mediaplayer\/video\/les-greviste-ont-recu-les-premiers-versements-des-cagnottes-en-ligne-1210248.html\">bfmtv.com&#8230;<\/a>). Und f\u00fcr basisn\u00e4here Informationen aus einer linken\/linksradikalen, mit den aktuellen Sozialk\u00e4mpfen verbundenen Quelle sowie mit einer Auflistung der bestehenden Streikkassen mitsamt Internetadressen, vgl. bitte:\u00a0<a href=\"https:\/\/paris-luttes.info\/ancrer-la-lutte-dans-la-duree-13089\">paris-luttes.info&#8230;<\/a><\/span><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fr171219bs5.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6672\" width=\"582\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fr171219bs5.jpg 397w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/fr171219bs5-300x151.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 582px) 100vw, 582px\" \/><\/figure>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Aktionstage usw.: Fortgang der Ereignisse<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Unterdessen hat als erste, an den derzeitigen Arbeitsk\u00e4mpfen beteiligte Gewerkschaft die UNSA (offiziell \u201eunpolitische und unabh\u00e4ngige\u201c Gewerkschaftsvereinigung, seit 1996 durch die Krise des Dachverbands FO erstarkt, oft CFDT-nahe in seinen Positionen) am gestrigen Tag ihren Einstieg in eine \u201eWeihnachtspause\u201c im Transportstreik angek\u00fcndigt. (Vgl. bspw.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.france24.com\/fr\/20191220-retraite-reforme-greve-transport-ameliorations-treve-noel\">france24.com&#8230;<\/a>)<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die \u00fcbrigen Gewerkschaften, vor allem die in der\u00a0<i>inter-syndicale<\/i>\u00a0zusammengeschlossenen (das sind v.a. CGT, Union syndicale Solidaires, FO sowie die Bildungsgewerkschaften des Zusammenschlusses FSU plus Studierenden- und Jugendverb\u00e4nde) haben bislang keine solche Ank\u00fcndigung get\u00e4tigt. Ihnen ist einerseits bewusst, dass ein Hineinragen der Streiks in die Feiertagsperiode ein reales Popularit\u00e4tshemmnis werden k\u00f6nnte, andererseits die Regierung jedoch nur begierig darauf wartet, dass die Dynamik in sich zusammenf\u00e4llt. Seit dem gestrigen, schwach befolgten \u201edezentralen Aktionstag\u201c vom 19. Dezember mit nur lokal beschlossenen und durchgef\u00fchrten Aktivit\u00e4ten wurde vorl\u00e4ufig kein weiterer zentraler Aktionstag bis zum Jahresende 2019 anberaumt.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Nun ergriff allerdings die CGT (ihr Dachverband) die Initiative dazu, zu einem neuen zentralen Aktionstag am 09. Januar 20 aufzurufen (vgl. bspw.:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.nouvelobs.com\/social\/20191219.OBS22534\/retraites-la-cgt-appelle-a-une-nouvelle-journee-de-mobilisation-le-9-janvier.html\">nouvelobs.com&#8230;<\/a>) Daf\u00fcr hat sich nun auch die\u00a0<i>intersyndicale<\/i>, also das Aktionsb\u00fcndnis mehrerer Gewerkschaftsverb\u00e4nde und -zusammenschl\u00fcsse, gewinnen lassen (vgl. bspw.:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.challenges.fr\/economie\/retraites-grande-reunion-a-matignon-au-15e-jour-de-greve-treve-incertaine_690366\">challenges.fr&#8230;<\/a>).<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Dieser Aufruf betrifft nicht die CFDT, deren Spitze nach den Gespr\u00e4chen bzw. Verhandlungsrunden mit der Regierung vom Mittwoch, den 18.12.19 (in Einzelrunden mit den unterschiedlichen Organisationen: zwanzig Minuten mit der CGT, doch eine Stunde und zwanzig Minuten mit der CFDT) sowie vom Donnerstag, den 19.12.19 (in gemeinsamer Runde) eine\u00a0<i>\u201ekonstruktive (Gespr\u00e4chs-)Atmosph\u00e4re\u201c\u00a0<\/i>begr\u00fc\u00dft.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Die Regierung ihrerseits scheint zugleich fest entschlossen bzw. dazu bereit, den Massenprotest auszusitzen, um auf die Weihnachtspause zu warten. Nachdem mehrere Gewerkschafter wie etwa die Eisenbahner-Branche der CGT klar zu erkennen gaben, dass sie notfalls \u201ekeinen Weihnachtsfrieden einhalten\u201c w\u00fcrde, versucht nun die Regierung, daran zu appellieren, dass relevante Teile der Gesellschaft mit einem Ausfall des Familienreiseverkehrs um die Feierwege unzufrieden k\u00f6nnten. In dieser Perspektive riefen etwa Premierminister Edouard Philippe und Transportministerin Elisabeth Borne, taktisch nicht ungeschickt zu einer Streikpause auf \u2013 im Januar 20 k\u00f6nnten die Beteiligten ja weiterstreiken, f\u00fcgten sie in vertrauenseinfl\u00f6\u00dfendem Tonfall hinzu. Nat\u00fcrlich auch in der Hoffnung auf ein Einschl\u00e4fern bzw. einen Einbruch der Mobilisierungsdynamik.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Vielleicht war es ja ein Timingfehler, dass die Gewerkschaften \u2013 die Initiative dazu war seit Ende September 19 von ihrer Basis in den Transportbetrieben ausgegangen \u2013 ihren ersten Streiktag auf den 05. Dezember dieses Jahres terminierten. Das Datum war symbolisch gew\u00e4hlt worden. Im Streikherbst 1995, mit dem die inzwischen vor-, vor-, vor-vorletzten Renten\u201ereform\u201c in Frankreich durch Massenproteste verhindert werden konnte (die jetzige \u201eReform\u201c versucht viele ihrer Inhalte nachzuholen), hatten Demonstrationen und Streiks am 24. November j.J. begonnen. Erstmals wurde damals auf den Stra\u00dfe die Millionengrenze am 05. Dezember 95 \u00fcberschritten. Ein absolut positives Symbol und ein Tag, an welchen sich der Verfasser dieser Zeilen \u2013 damals genau halb so alt wie heute \u2013 erinnert, als sei es gestern gewesen. Nur, vielleicht fiel das Datum ein wenig sp\u00e4t im diesj\u00e4hrigen Kalender: Nun wird die Auseinandersetzung in die Weihnachtsferienzeit hineinragen. Die Regierung versucht, dies zu nutzen, um den Streik unpopul\u00e4r werden zu lassen, und setzt auf sein Abbr\u00f6ckeln. Die n\u00e4chste Zukunft wird weisen, ob sie mit dieser Rechnung durchkommt oder nicht.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Hoffen wir auf den n\u00e4chsten zentralen Aktionstag im Januar 2020, welcher dann auch zeitlich an die offizielle Vorstellung des Gesetzentwurfs zur \u201eReform\u201c (nun auf den 22. Januar 20 terminiert) heranr\u00fcckt.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Zur feministischen Kampagne gegen die Renten\u201ereform\u201c<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Zu den Hauptverliererinnen der \u201eReform\u201c werden die weiblichen Besch\u00e4ftigten z\u00e4hlen. Deswegen gibt es auch aktuell eine gemeinsame Kampagne von Frauenrechtsgruppen zu den geschlechtsspezifischen Auswirkungen der regressiven \u201eReform\u201c. (Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/politique\/article\/2019\/12\/17\/les-feministes-s-affichent-ensemble-pour-dire-non-a-une-reforme-des-retraites-sexiste_6023118_823448.html\">lemonde.fr&#8230;<\/a>)<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Aufgrund von gr\u00f6\u00dferen \u201eL\u00fccken\u201c in den Erwerbsbiographien durch Kinderziehungs-, Aus- und Untebrechungszeiten sowie schlechter entlohnter Teilzeitarbeit werden die Frauen besonders benachteiligt. Nun man kann sich auf eine Berufung auf eine abstrakte Rechtsgleichheit zwischen Frauen und M\u00e4nnern zur\u00fcckziehen, w\u00fcrde sich dabei jedoch offenkundig in die Tasche l\u00fcgen, da die derzeitige gesellschaftliche Realit\u00e4t bekanntlich anders aussieht, als die offiziellen Beschw\u00f6rungen betreffend Rechts- und Lohngleichheit er ausmalen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Bislang erhielten weibliche Besch\u00e4ftigte zwei Beitragsjahre pro Kind angerechnet, eine Regelung, die mit der \u201eReform\u201c verschwinden wird; ab drei Kindern wurde die Rente sowohl beim Vater als auch bei der Mutter um zehn Prozent angehoben. Diese Regeln werden nun voraussichtlich beseitigt. Stattdessen soll es eine neue Kompensationsregel geben, aufgrund derer die Regierung f\u00e4lschlich behauptet, Frauen z\u00e4hlten zu den \u201eGewinnerinnen der Reform\u201c: K\u00fcnftig wird es den vorliegenden Pl\u00e4nen zufolge eine Erh\u00f6hung der zu erwartenden Rente pro Kind um 5 %, ab dem dritten Kind um je 7 % geben. (Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lesinrocks.com\/2019\/12\/17\/actualite\/societe\/pourquoi-les-femmes-sont-les-grandes-perdantes-de-la-reforme-des-retraites\/\">lesinrocks.com&#8230;<\/a>) Allerdings nur entweder beim Vater oder f\u00fcr die Mutter. Beide m\u00fcssen sich bis zum vierten Lebensjahr des Kindes daf\u00fcr entscheiden, wem die k\u00fcnftigen Rentenpunkte angerechnet werden. Viele Beobachter\/innen rechnen damit, dies k\u00f6nne h\u00e4ufiger dem Vater zugutekommen (jedenfalls bei gemeinsam lebenden Eltern), da in der sozialen Realit\u00e4t die Einkommen der M\u00e4nner zwar nicht immer, doch oft h\u00f6her ausfallen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Und was, wenn sp\u00e4ter eine Trennung der Eltern oder ihre Scheidung erfolgt und also keine gemeinsame Einkommensverwaltung mehr besteht? Pech f\u00fcr die M\u00fctter?<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><b><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Delevoyes Nachfolger hat auch bereits wieder Problemchen<\/span><\/b><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Auch Emmanuel Macrons Neuer hat schon wieder Probleme. Soeben erst wurde der Sonderbeauftragte der amtierenden Regierung f\u00fcr die Renten\u201ereform\u201c \u2013 der fr\u00fchere konservative Spitzenpolitiker Jean-Paul Delevoye \u2013 am Montag dieser Woche geschasst. Am Mittwoch fr\u00fch war er durch seinen Nachfolger ersetzt worden. (Wir berichteten an dieser Stelle)<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Zun\u00e4chst war ruchbar geworden, dass Delevoye seit circa drei Jahren 5.300 Euro monatliche Nebenbez\u00fcge seitens einer Allianz von Versicherungskonzernen bezogen hat \u2013 angeblich blo\u00df f\u00fcr einen symbolischen \u201eEhrenvorsitz\u201c eines Instituts f\u00fcr berufliche Fortbildung im Versicherungswesen, IFPASS -, und dies neben anderen Eink\u00fcnften und Rentenanspr\u00fcchen, die er aufweist. Da Delevoye den Status eines Regierungsmitglieds innehatte, war ihm dies verboten, und er verstie\u00df \u00fcberdies gegen eine gesetzliche Offenlegungspflicht. Inzwischen wurde deswegen auch die Justiz eingeschaltet. (Vgl. dazu bspw.\u00a0<a href=\"https:\/\/france3-regions.francetvinfo.fr\/centre-val-de-loire\/eure-et-loir\/reforme-retraites-depute-eure-loir-saisit-hatvp-examiner-influence-societe-blackrock-1763697.html\">francetvinfo.fr&#8230;<\/a>)<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Gro\u00dfz\u00fcgig erkl\u00e4rte der Mann sich daraufhin bereit, 140.000 Euro unerlaubter Nebeneink\u00fcnfte aus dieser Quelle mal eben zur\u00fcckzuzahlen. Dies ging freilich am tats\u00e4chlichen Problem vorbei, denn die Aff\u00e4re machte ungewollt darauf aufmerksam, welche Interessen durch die \u201eReform\u201cpl\u00e4ne bedient werden. Im Laufe des vorigen Wochenendes kamen dann \u00fcberdies noch weitere unerkl\u00e4rte Nebeneink\u00fcnfte ans Licht. Delevoye bezog solche aus insgesamt dreizehn Quellen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Am Mittwoch wurde sein Nachfolger ins Amt eingef\u00fchrt, der Abgeordnete der Regierungspartei LREM Laurent Pietraszewksi (vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/actu.orange.fr\/politique\/qui-est-laurent-pietraszewski-le-nouveau-m-retraites-du-gouvernement-magic-CNT000001mc9ce.html\">orange.fr&#8230;<\/a>). Anders als der Sonderbeauftragte Delevoye, der den offiziellen Titel eines \u201eHochkommissars\u201c trug, bekleidet Pietraszewski nunmehr den Posten eines Staatssekret\u00e4rs. Er war ein Macron-Mann der ersten Stunde, der dessen neugegr\u00fcndeter Partei LREM \u2013 damals noch lediglich EM, wie \u201eEn marche\u201c (oder wie die Initialien Emmanuel Macrons) bereits am ersten Tag ihres Bestehens im April 2016 beitrat. Der neue Mann Macrons f\u00fcr die Renten\u201ereform\u201c war in seinem vorherigen Berufsleben Leiter der Personalabteilung der Supermarktkette Auchan, ihm unterstanden 46.000 Lohnabh\u00e4ngige, also ein hoher Kapitalfunktion\u00e4r. Er war aber auch parlamentarischer\u00a0<i>rapporteur<\/i>\u00a0(\u201eBerichterstatter\u201c, also jener Abgeordneter des Regierungslagers, der einen Gesetzentwurf im Namen der Mehrheitsfraktion ins Plenum einbrachte und in den Debatten verteidigte) bei der, inhaltlich aus Lohnabh\u00e4ngigensicht katrastrophalen, Arbeitsrechts\u201ereform\u201c 2016\/17. Also ein vielversprechendes Profil\u2026 in den Augen des organisierten Kapitals.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Allerneuersten Informationen zufolge hat aber auch er bereits ein Problem mit au\u00dferordentlich stattlichen Nebeneink\u00fcnften als Politiker, von seinem ehemaligen Arbeitgeber\u2026 (Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ladepeche.fr\/2019\/12\/18\/laurent-pietraszewski-nouveau-m-retraites-deja-rattrape-par-un-cheque-mirobolant-dauchan,8612519.php\">ladepeche.fr&#8230;<\/a>) \u00dcberdies stellte sich heraus, dass er als Leiter der Personalabteilung bei Auchan \u2013 zun\u00e4chst auf lokaler, sp\u00e4ter auf zentraler Ebene \u2013 teilweise wie ein Psychopath agierte. Bei der Supermarktkette hinterlie\u00df er jedenfalls laut Presseberichten \u201eschlechte Erinnerungen\u201c. So veranlasste er zu Anfang der 2000er Jahre, dass eine gewerkschaftliche Vertrauensfrau in \u201eseiner\u201c damaligen Filiale in Polizeigewahrsam genommen wurde, weil sie ein zu stark gebackenes und unverk\u00e4ufliches Croissant einer hungrigen Kollegin zum Essen gegeben hatte. Nur mit M\u00fche und Not konnten die gewerkschaftlich organisierten Kolleginnen und Kollegen ihre K\u00fcndigung verhindern. Ferner wird ihm eine \u201eHexenjagd\u201c auf Gewerkschaftsmitglieder im Laufe seiner dortigen Karriere vorgeworfen. (Vgl. etwa\u00a0<a href=\"https:\/\/actu.orange.fr\/politique\/retraites-ancien-directeur-rh-d-auchan-laurent-pietraszewski-a-laisse-de-mauvais-souvenirs-magic-CNT000001mcmMg.html\">orange.fr&#8230;<\/a>)<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Pietrazewski erkl\u00e4rte bei der Amtseinf\u00fchrung am Mittwoch ausdr\u00fccklich, inhaltliche Kontinuit\u00e4t zu seinem Vorg\u00e4nger wahren zu wollen. Jener war\u2019s zufrieden: Seine politische Linie in Sachen \u201eReform\u201c wird unangetastet bleiben. Nur er selbst war im Angesicht des Skandals politisch untragbar geworden.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Auf politisch unerw\u00fcnschte Weise hatte Delevoyes Agieren ein Augenmerk auf die Interesselage hinter den Regierungspl\u00e4nen gelenkt.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">L\u00e4ngst sitzen n\u00e4mlich just die Versicherungskonzerne und andere finanzkapitalistische Akteure in den Startl\u00f6chern, um endlich, endlich auch in Frankreich einen \u201eMarkt\u201c f\u00fcr private, kapitalgedeckte Rentenversicherungen oder Zusatzabsicherungen zu er\u00f6ffnen. Bereits bislang sind laut einer gewerkschaftlichen Quelle am Pariser Ostbahnhof dort 14,2 Milliarden Euro in privaten Rentenfonds angelegt, dies entspricht jedoch \u201enur\u201c 0,2 Prozent des BIP. Andere Quellen, die etwas umfassender zu rechnen scheinen, sprechen hingegen von 0,7 Prozent (vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bastamag.net\/Reforme-des-retraites-regimes-speciaux-baisse-des-pensions-marches-financiers-speculation\">bastamag.net&#8230;<\/a>). Das ist aus Sicht fnanzkapitalistischer Akteure in jedem Falle absolut ausbaubar, im Vergleich zur Entwicklung in den USA, den Niederlanden oder auch Deutschland. Mit allen Risiken, die dies beinhaltet, wenn die k\u00fcnftigen Renten dann an den Finanzm\u00e4rkten, auf einen Gewinn spekulierend, angelegt werden \u2013 aber eben auch Verluste verzeichnen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Unterdessen wurde auch bekannt, dass einer der gr\u00f6ssten Kapitalmarktakteure des Planeten, das US-Unternehmen Blackrock (vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.mediapart.fr\/journal\/france\/091219\/retraites-blackrock-souffle-ses-conseils-pour-la-capitalisation-l-oreille-du-pouvoir?onglet=full\">mediapart.fr&#8230;<\/a>), die franz\u00f6sische Regierung im Vorfeld betreffend \u201eReform\u201cpl\u00e4ne f\u00fcr die Rentensystem \u201eberiet\u201c \u2013 und zu den zu erwartenden Gewinnern der \u201eReform\u201c z\u00e4hlt. (Vgl. bspw. auch\u00a0<a href=\"https:\/\/bfmbusiness.bfmtv.com\/france\/le-fonds-blackrock-accuse-d-etre-le-grand-gagnant-de-la-reforme-des-retraites-1823178.html\">bfmtv.com&#8230;<\/a>) Aus dem Regierungslager wird dies, man m\u00f6chte sagen: wie \u00fcblich, als\u00a0<i>\u201everschw\u00f6rungstheoretische Kasperei\u201c<\/i>\u00a0abgetan (Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.capital.fr\/economie-politique\/la-societe-blackrock-a-t-elle-eu-une-influence-dans-la-reforme-des-retraites-1358080\">capital.fr&#8230;<\/a>) Im Unterschied zu diversen Verschw\u00f6rungstheorien fu\u00dft der Hinweis auf die Gewinnaussichten von Blackrock und \u00e4hnlich gelagerte Interessen jedoch auf einer rational begr\u00fcndbaren, aus materiellen Fakten hergeleiteten Realit\u00e4t.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Delevoye, so lange er als Sonderbeauftragter der Regierung im Amt war, hatte eine Werbegraphik f\u00fcr die Renten\u201ereform\u201c enth\u00fcllt. Anhand von neun Beispielf\u00e4llen wird darin geschildert, dass es bei dieser \u2013 erstaunlich, erstaunlich \u2013 nur \u201eGewinner\u201c gebe. Nun, wenn in einem abgekarteten Spiel alle zu gewinnen glauben, dann ist mindestens ein\/e Teilnehmer\/in angeschmiert worden.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Delevoyes Kalk\u00fcl hatte nat\u00fcrlich die Profile sorgsam, jedoch auf unrepr\u00e4sentative Art und Weise ausgew\u00e4hlt. \u00dcberdies legte er ihnen eine Beitragsdauer von 44,3 Jahren zur Rentenkasse zugrunde. Heute erfordert das Gesetz (seit der vorletzten Renten\u201ereform\u201c von 2010, die seit 2017 voll in Kraft getreten ist) mindestens 41,5 Beitragsjahre f\u00fcr eine Rente ohne Abz\u00fcge, infolge der bisher letzten \u201eReform\u201c \u2013 jener von 2013\/14 unter dem Sozialdemokraten Fran\u00e7ois Hollande \u2013 werden es bis in f\u00fcnfzehn Jahren, nach sukzessiver Steigerung ab dem kommenden Jahr, dann 43 Beitragsjahre sein.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Andere Berechnungen (vgl. anschaulich:\u00a0<a href=\"http:\/\/www.leparisien.fr\/economie\/retraites\/reforme-des-retraites-pour-un-collectif-d-experts-tout-le-monde-sera-perdant-04-09-2019-8145708.php\">leparisien.fr&#8230;<\/a>) kommen da zu ziemlich anderen Schl\u00fcssen. Demnach kann \u201eMathieu\u201c, Jahrgang 1961, im derzeitigen System mit einer Rente (berufsgruppenbezogene Zusatzpensionen eingerechnet) in H\u00f6he von 72,5 % seines letzten Einkommens aufs Altenteil gehen; sein Sohn \u201eMathias\u201c, geboren 1980, wird dies nach den k\u00fcnftigen Regeln jedoch nur noch mit 55,8 % des letzten Einkommens k\u00f6nnen. Und bei der Staatsbediensteten \u201eMarie\u201c, Jahrgang 1961, sind es derzeit 64,1 %; f\u00fcr ihre Tochter \u201eMaryam\u201c; Jahrgang 1990, werden es nur noch 54,4 % sein.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Diese Absenkung ist mathematisch zwingend, aufgrund der neuen Kalkulationsregeln. Bislang wurde eine gewisse Anzahl von Berufsjahren zur Bemessungsgrundlage genommen, um die Rentenh\u00f6he zu errechnen. In der Privatwirtschaft waren dies vor der \u201eBalladur-Reform\u201c vom Hochsommer 1993 \u2013 damals unter einer seit erst drei Monaten amtierenden Rechtsregierung mitten im Sommerloch verabschiedet, um nur ja nichts anbrennen zu lassen \u2013 in der Privatwirtschaft die zehn besten Berufsjahre. Historisch war dies so vereinbart und damit begr\u00fcndet worden, dass (a.) der Verdienst in aller Regel am Ende eines Erwerbslebens h\u00f6her ausf\u00e4llt als beim Berufseinstieg, und (b.) ein zu brutaler Abfall des Lebensstandards mit der Pensionierung vermieden werden solle.<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Infolge der \u201eBalladur-Reform\u201c von 1993 wurde dieser Zeitraum auf 25 Jahre, statt auf zehn, als Bemessungsgrundlage gestreckt. In den \u00f6ffentlichen Diensten, wo die Einkommen in Frankreich durchschnittlich niedriger liegen als in der Privatwirtschaft (und auch als in Deutschland: Lehrergeh\u00e4lter sind in Frankreich circa halb so hoch wie in der Bundesrepublik), wird die Rente auf der Basis der letzten sechs Monate in der beruflichen Laufbahn angerechnet. In beiden F\u00e4llen wird diese Bemessungsgrundlage k\u00fcnftig durch eine Kalkulation auf der Basis des gesamten Berufslebens, also k\u00fcnftig gesetzlich vorgesehenen 43 Jahren, erfolgen. Dies kann nur mit einer Absenkung einhergehen. Was die Regierung auch kaum leugnen kann, auch wenn sie es durch positiv klingende Formulierungen wie \u201eHonorierung der Lebensleistung\u201c zu verschleiern versucht. Auf eine gezielte journalistische Nachfrage in einem Interview an die Arbeits- und Sozialministerin Murielle P\u00e9nicaud, wie eine solche Streckung der Bemessungsgrundlage etwas Anderes als eine Senkung zur Auswirkung haben k\u00f6nne, kam als Antwort denn auch wirklich nur wirres Gestammel. (Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/lavraiedemocratie\/videos\/420311245518853\/?v=420311245518853\">facebook.com&#8230;<\/a>)<\/span><\/p>\n<p style=\"margin: 0cm 0cm 6.0pt 0cm;\"><i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\">Quelle: <\/span><\/i><span style=\"font-size: 9.0pt; font-family: 'Arial',sans-serif;\"><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/politik-frankreich\/frankreich-vor-weihnachten-mit-streikkassen-gegen-die-rentenreform-zum-naechsten-zentralen-aktionstag-am-09-januar\/\"><i>labournet.de&#8230;<\/i><\/a><i> vom 20. Dezember 2019<\/i><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernard Schmid. 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