{"id":6715,"date":"2019-12-26T15:53:15","date_gmt":"2019-12-26T13:53:15","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6715"},"modified":"2019-12-26T15:53:16","modified_gmt":"2019-12-26T13:53:16","slug":"britisches-wahlergebnis-bestaetigt-schleichenden-tod-der-labour-party","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6715","title":{"rendered":"Britisches Wahlergebnis best\u00e4tigt schleichenden Tod der Labour Party"},"content":{"rendered":"<p><em>Chris Marsden. <\/em><strong>Viele Analysten haben sich mit den Ergebnissen der britischen Parlamentswahl am 12. Dezember besch\u00e4ftigt, um die Ursachen f\u00fcr den Sieg von Boris Johnsons Tories und die massiven Verluste von Jeremy Corbyns Labour Party zu ergr\u00fcnden.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Etwa 32 Millionen Stimmen wurden abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag damit bei 67,3 Prozent, das sind 1,5 Prozent weniger als bei der Wahl 2017. Die Tories gewannen 365 Sitze und 45 Prozent, d.h. 13,9 Millionen Stimmen. Die Labour Party erhielt nur 203 Sitze. Sie verlor 60 Sitze und erhielt 32,2 Prozent oder 10,3 Millionen Stimmen. Dies ist das schlechteste Ergebnis f\u00fcr Labour seit 1935.<\/p>\n<p>Alle Analysten entdeckten \u00fcbereinstimmend das Besondere, dass Johnson zahlreiche traditionelle Labour-Sitze in Nordengland, den West Midlands und Wales f\u00fcr die Tories erobern konnte. Dies bedeutet den Zusammenbruch von Labours \u201eRoter Mauer\u201c.<\/p>\n<p>Dieser Zusammenbruch im Norden war wohl das au\u00dfergew\u00f6hnlichste Einzelergebnis der Wahl. Im Nordosten, Nordwesten, Yorkshire und Humber gingen 26 Sitze von Labour an die Tories \u00fcber, viele davon in den Bergbauregionen. Neun der verlorenen Sitze hatte Labour seit dem Zweiten Weltkrieg ohne Unterbrechung inne. Die Partei verlor au\u00dferdem den Sitz f\u00fcr Bolsover, den der \u00fcber 80-j\u00e4hrige Dennis Skinner 49 Jahre lang innehatte.<\/p>\n<p>Die Stimmengewinne der Tories waren dort am gr\u00f6\u00dften, wo beim Referendum 2016 die meisten W\u00e4hler f\u00fcr den Brexit gestimmt hatten. Sie reichten von zwei Prozent in Gebieten mit weniger als 45 Prozent pro-Brexit-Stimmen bis zu acht Prozent in Gebieten, in denen \u00fcber 60 Prozent f\u00fcr den Brexit gewesen waren. Der Tory-Brexit-Bef\u00fcrworter Michael Gove konnte sich also damit br\u00fcsten, dass sowohl die Durham Miners\u2018 Gala, als auch der Notting Hill Carnival (zwei traditionelle Arbeiter-Events) k\u00fcnftig in Gebieten stattfinden w\u00fcrden, die von den Tories kontrolliert werden.<\/p>\n<p>Ihre erste Niederlage erlitt Labour in Blyth Valley, wo die Tories letztmalig 1935 an der Macht gewesen waren. Zu den Sitzen von Brexit-Bef\u00fcrwortern, die Labour verloren hat, geh\u00f6ren Don Valley (seit 1922 von Labour gehalten), Redcar (nie von Tories regiert), Rother Valley (Labour seit 1918), Stoke-on-Trent Central und Stoke-on-Trent North (beide seit 1935), Leigh in Greater Manchester (Labour seit 1922), Bassetlaw, Bishop Auckland (seit 134 Jahren nie von Tories regiert), Great Grimsby, Workington, Darlington und Tony Blairs ehemaliger Wahlkreis Sedgefield in County Durham, den Labour seit 1931 innehatte.<\/p>\n<p>In London konnte sich Labour behaupten, indem sie ihren einzigen Sieg \u00fcber die Tories in Putney erzielten. Daf\u00fcr verloren sie jedoch Kensington, wo sich der Grenfell Tower befindet. In Wales ist Labour zwar weiterhin st\u00e4rkste Kraft, hat aber sechs Sitze verloren \u2013 allesamt an die Tories. In Schottland verlor Labour sechs von sieben Sitzen und erhielt nur 18,5 Prozent der Stimmen. Die schottischen Tories verloren mehr als die H\u00e4lfte der Sitze, die sie 2017 gewonnen hatten, sodass die Scottish National Party 48 von 59 Sitzen gewinnen konnte.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Corbyn-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6716\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Corbyn-1.jpg 640w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/Corbyn-1-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Jeremy Corbyn in Liverpool in 2018 [Credit: Kevin Walsh<\/figcaption><\/figure>\n<p>Am wichtigsten ist jedoch, dass Labour in allen Teilen der Arbeiterklasse \u2013 bei Alten und Jungen, im Norden und S\u00fcden, unter Brexit-Bef\u00fcrwortern wie \u2013Gegnern \u2013 massiv an R\u00fcckhalt verloren hat.<\/p>\n<p>Laut mehreren Analysten schlugen die Tories die Labour Party in jeder Gesellschaftsschicht. In der Arbeiterklasse erhielt Labour 30 Prozent der Stimmen in der Gruppe C2 (ausgebildete Facharbeiter), die Tories 50 Prozent. In der Gruppe DE (halb- und ungelernte Arbeiter, Arbeitslose) erhielt Labour 37 Prozent, die Tories 43 Prozent. Im Jahr 2017 hatte Labour in der Kategorie DE noch eine Mehrheit (46 gegen 34 Prozent) vor den Tories gehabt, in der Kategorie C1 (Unteres Management, Verwaltungs- und Fachkr\u00e4fte) erhielt Labour, genau wie die Tories, 41 Prozent. In einer andern W\u00e4hlerbefragung verf\u00fcgte Labour in der Kategorie DE noch \u00fcber einen mageren Vorsprung von drei Punkten vor den Tories.<\/p>\n<p>Diese vernichtende Niederlage kann nur als Absage an Corbyns erkl\u00e4rte Absicht verstanden werden, die Labour Party \u201enach links zu r\u00fccken\u201c. Corbyn hatte versprochen, Labour zur politischen Alternative zu Austerit\u00e4t, Militarismus und Krieg zu machen. Seine Schlappe enth\u00fcllt die tiefe Entfremdung Labour gegen\u00fcber, die sich in der Arbeiterklasse seit Jahrzehnten ausbreitet.<\/p>\n<p>Pseudolinke britische Gruppen wie die Socialist Workers Party und Teile der Labour- und Gewerkschaftsb\u00fcrokratie hatten Corbyn als Beweis daf\u00fcr dargestellt, dass der Rechtsruck der Labour Party r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden k\u00f6nne. Der Rechtsruck begann in den 1970ern, umfasste u.a. Neil Kinnocks Verrat am Bergarbeiterstreik von 1984 bis 1985 und endete mit der New-Labour-Regierung von Tony Blair und Gordon Brown.<\/p>\n<p>Corbyn versprach ein Ende der Sparma\u00dfnahmen, der marktliberalen Allheilmittel der Thatcher-Regierung und der Kriegsverbrechen, wie sie im Irakkrieg von 2003 zur Anwendung kamen. Damit l\u00f6ste er anfangs eine Begeisterung f\u00fcr Labour aus, sodass die Partei in der Wahl 2017 einige der f\u00fcnf Millionen Stimmen wiedergewinnen konnte, die sie unter Blair und Brown von 1997 bis 2010 verloren hatte. Doch diese Erholung brach rasch wieder in sich zusammen. Corbyns Anh\u00e4nger sind tief entt\u00e4uscht, und viele Arbeiter enthalten sich oder wenden sich anderen Parteien zu, da sie keinen Grund mehr sehen, loyal zur Labour Party zu stehen.<\/p>\n<p>Landesweit hat Labour ganze acht Punkte verloren, in den Brexit-Gebieten mehr als zehn Prozent. Das bedeutet, dass ein Viertel oder 700.000 aller Labour-w\u00e4hlenden Brexit-Anh\u00e4nger f\u00fcr die Tories gestimmt haben, w\u00e4hrend Hunderttausende gar nicht zur Wahl gingen.<\/p>\n<p>Der ehemalige stellvertretende Vorsitzende der Tories, Lord Ashcroft, lie\u00df am Wahltag mehr als 13.000 Menschen befragen, die bereits gew\u00e4hlt hatten. Er kam zu folgenden Ergebnissen:<\/p>\n<ul>\n<li>Unter den 18- bis 24-J\u00e4hrigen erhielt Labour mehr als die H\u00e4lfte der Stimmen (57 Prozent), ebenso bei den 25- bis 34-J\u00e4hrigen (55 Prozent). Die Tories lagen jedoch bei 45- bis 54-J\u00e4hrigen mit 43 Prozent in F\u00fchrung, bei den 55- bis 64-J\u00e4hrigen mit 49 Prozent und bei den \u00fcber 65-J\u00e4hrigen mit 62 Prozent.<\/li>\n<li>Die Tories gewannen in allen sozio\u00f6konomischen Gruppen mit Abst\u00e4nden zwischen sechs (DE) und 20 Punkten (C2).<\/li>\n<li>Labour verlor neun Prozent seiner Stimmen an die Tories, sieben Prozent an die Liberaldemokraten, zwei Prozent an die Gr\u00fcnen und ein Prozent an die Brexit Party.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der bemerkenswerteste Verlust von Labour, und zwar zehn Prozent landesweit, ist der Verlust an Stimmen bei Jugendlichen, der auf dem Niveau der Verluste in den n\u00f6rdlichen Wahlkreisen liegt. Der Stimmenanteil f\u00fcr Corbyn bei den 18- bis 24-J\u00e4hrigen ist von 67 Prozent im Jahr 2017 auf 57 gesunken. Die meisten Stimmen von Labour gingen an die Liberaldemokraten, deren Anteil unter Jugendlichen um fast das Doppelte auf 12 Prozent stieg, und an die Gr\u00fcnen.<\/p>\n<p>Dr. Stuart Fox, Dozent f\u00fcr Sozial- und Politikwissenschaft an der Brunel University, wies darauf hin, dass die Zahl der registrierten W\u00e4hler unter 35 zwischen Oktober und Dezember dieses Jahres zwar um 2,8 Millionen gestiegen sei, dass jedoch viele nicht gew\u00e4hlt h\u00e4tten. Die Wahlbeteiligung von 67 Prozent war fast zwei Punkte niedriger als 2017. Die meisten Stimmenthaltungen gab es bei jungen W\u00e4hlern. In den zwanzig Wahlkreisen mit dem h\u00f6chsten Anteil an 18- bis 35-J\u00e4hrigen lag die durchschnittliche Wahlbeteiligung bei 63 Prozent, in den zwanzig Wahlkreisen mit den wenigsten 18- bis 35-J\u00e4hrigen lag sie bei 72 Prozent.<\/p>\n<p>Das Unternehmen Datapraxis wies au\u00dferdem darauf hin, dass Labour im ganzen Land 1,1 Millionen Stimmen an die Tories verloren hatte, jedoch 1,3 Millionen an die Liberaldemokraten und die Gr\u00fcnen. Fast die H\u00e4lfte der Sitzverluste f\u00fcr Labour geht darauf zur\u00fcck, dass Brexit-Bef\u00fcrworter f\u00fcr andere Parteien gestimmt haben.<\/p>\n<p>In Anlehnung an ein altes Sprichwort k\u00f6nnte man sagen, es gibt L\u00fcgen, verdammte L\u00fcgen und Statistiken. Dass diese au\u00dfergew\u00f6hnlichen Verschiebungen so stark hervorgehoben werden, und auch die Schl\u00fcsse, die in offiziellen Kreisen daraus gezogen werden, all das h\u00e4ngt mit dem Versuch zusammen, die Niederlage von Labour f\u00fcr einen weiteren Rechtsruck der britischen Politik zu nutzen.<\/p>\n<p>Die Tories haben f\u00fcr den \u00e4lteren wei\u00dfen W\u00e4hler aus dem Norden, der den Brexit bef\u00fcrwortet, den Begriff \u201eWorkington Man\u201c gepr\u00e4gt, nach der ehemaligen Bergarbeiterstadt. Diese Sch\u00f6pfung der Denkfabrik Onward wird jetzt allgemein als Begriff f\u00fcr die W\u00e4hler aus der Arbeiterklasse benutzt, welche die Labour Party angeblich deshalb verloren habe, weil Corbyn \u201ezu links\u201c sei, Zuwanderung nicht ablehne und zu wenig Begeisterung f\u00fcr Recht und Ordnung aufbringe.<\/p>\n<p>Diese verleumderische Karikatur wird jetzt von einem Gro\u00dfteil der nur dem Namen nach linken und rechten Fl\u00fcgel von Labour \u00fcbernommen, und die Medien unterst\u00fctzen das. Die\u00a0<em>New York Times<\/em>\u00a0beispielsweise schickte Reporter in den Norden Englands, wie christliche Missionare, die ins \u201edunkelste Afrika\u201c geschickt wurden. Sie schrieb, die \u201eMenschen in Bolsover\u201c s\u00e4hen Corbyn als \u201eMarxisten\u201c und \u201eTerrorsympathisanten\u201c. Deshalb, so die Zeitung, h\u00e4tten die Tories \u201eden Erfolg von Pr\u00e4sident Trump bei der Zerst\u00f6rung der so genannten Blauen Mauer in Staaten wie Michigan und Wisconsin im Jahr 2016 imitiert, als Trump immigrantenfeindliche Botschaften mit den schwindenden Klassenbindungen kombinierte und dies nutzte, um Sitze zu gewinnen, die bis dahin den Demokraten geh\u00f6rt hatten.\u201c<\/p>\n<p>Das ist eine L\u00fcge. Corbyns Verrat an der Arbeiterklasse bestand keineswegs darin, dass er sich nicht hinter die rechte, immigrantenfeindliche und nationalistische Kampagne der Tory-Rechten und von Nigel Farage zum Brexit gestellt h\u00e4tte. Vielmehr hat er die Arbeiter verraten, indem er sich bei seinem Kurswechsel ins Lager der EU-freundlichen Brexit-Gegner auf die Seite des dominanten Gro\u00dfkapitals stellte. Damit hat er gleichzeitig die Mehrheit der jungen Menschen, oft das am meisten ausgebeuteten \u201ePrekariat\u201c, und gro\u00dfe Teile der Arbeiter verloren, die gegen den EU-Austritt waren, weil sie den beschr\u00e4nkten Nationalismus des Brexit ablehnten.<\/p>\n<p>Corbyn h\u00e4tte einen Verrat an der Arbeiterklasse nur verhindern k\u00f6nnen, wenn er beide reaktion\u00e4ren Fraktionen der herrschenden Klasse abgelehnt und die Arbeiterklasse zur Einheit im Kampf gegen das Gro\u00dfkapital in Gro\u00dfbritannien und auf dem ganzen Kontinent f\u00fcr ein sozialistisches Europa aufgerufen h\u00e4tte. Das h\u00e4tte Corbyn jedoch nie tun k\u00f6nnen, weil er sich damit gegen den rechten Blair-Fl\u00fcgel seiner eigenen Partei und seine politischen Herren in der City of London h\u00e4tte stellen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Die Tories konnten die tiefen Spaltungen wegen des Brexit nur sch\u00fcren und ausnutzen, weil Corbyn seit seiner Amts\u00fcbernahme 2015 best\u00e4tigt hat, dass die Labour-\u201eLinke\u201c der Arbeiterklasse genauso feindselig gegen\u00fcbersteht wie der rechte Blair-Fl\u00fcgel. Der Brexit hat eine Rolle bei dem Debakel von Labour im Norden gespielt, doch die Grundlage daf\u00fcr haben die Partei und die Gewerkschaften durch ihre Verantwortung f\u00fcr die jahrzehntelange Auszehrung der St\u00e4dte im Norden und ihre Verwandlung in eine industrielle W\u00fcste gelegt.<\/p>\n<p>Generationen von Arbeitern erwarteten von Labour und den Gewerkschaften, dass sie Widerstand gegen die Zerst\u00f6rung von Bergwerken, Stahlwerken und Fabriken durch die Thatcher-Regierung leisten w\u00fcrden. Stattdessen wurden sie ihrem Schicksal \u00fcberlassen. 1997 kam Blair an die Macht und setzte Thatchers Kurs von Privatisierungen, Steuersenkungen f\u00fcr Unternehmen und der Deindustrialisierung fort. Millionen wurden arbeits- und mittellos, viele Besch\u00e4ftigte m\u00fcssen f\u00fcr Armutsl\u00f6hne oder mit Nullstundenvertr\u00e4gen arbeiten. Es gibt kein soziales Netzwerk, das sich um die Opfer der unabl\u00e4ssigen sozialen Kriegsf\u00fchrung k\u00fcmmert.<\/p>\n<p>Unter Corbyn hat sich daran nichts ge\u00e4ndert. Er wies die Labour-Stadtr\u00e4te an, alle von den Tories geforderten K\u00fcrzungen umzusetzen, und lehnte alle Bestrebungen ab, die Blairisten aus der Partei auszuschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Labours Feindschaft gegen\u00fcber den fundamentalen Interessen der Arbeiterklasse \u2013 das ist der wirkliche Zusammenhang, der zwischen dem Einsturz von Labours \u201eRoter Mauer\u201c, Johnson gegen\u00fcber, und dem Zusammenbruch der \u201eBlauen Mauer\u201c der US-Demokraten, Trump gegen\u00fcber, existiert. Auf diese Weise konnten die Tories die soziale Unzufriedenheit und das Gef\u00fchl des Im-Stich-gelassen-Seins ausnutzen, obwohl sie allgemein verhasst sind, und obwohl der Widerstand gegen die vorherrschende soziale Ungleichheit eine weltweite Streik- und Protestwelle ausgel\u00f6st hat.<\/p>\n<p>Aus den gleichen Gr\u00fcnden hat Labour im S\u00fcden Englands und den gro\u00dfen urbanen Zentren an Unterst\u00fctzung verloren. Die Jugendlichen, die einmal Corbyns Namen skandierten und eine sozialistische Alternative erwarteten, bekamen stattdessen einen politischen R\u00fcckzug nach dem anderen in jeder Frage, die ihnen wichtig war.<\/p>\n<p>Labour hat schon seit Langem aufgeh\u00f6rt, die Interessen der Arbeiterklasse zu verteidigen. Die Wahl 2019 verdeutlicht, dass breite Teile der Arbeiterklasse Corbyns Heuchelei durchschaut haben. Statt Labour eine neue Agenda zu diktieren, bot er der Partei, die weiterhin eine rechte Partei des Gro\u00dfkapitals und des imperialistischen Militarismus ist, ein rhetorisches Feigenblatt. F\u00fcr die Gewerkschaften war Corbyn ein Argument von unsch\u00e4tzbarem Wert, um ihre Unterdr\u00fcckung des Klassenkampfs mit der Aussicht auf eine linke Regierung zu rechtfertigen. Noch w\u00e4hrend des Wahlkampfs wurden Streiks der Post- und Bahnarbeiter und der Besch\u00e4ftigten im h\u00f6heren Bildungswesen mit mehr als 140.000 Teilnehmern ausverkauft oder abgew\u00fcrgt.<\/p>\n<p>Johnsons Wahlsieg ist der hohe Preis, den die Arbeiterklasse f\u00fcr die intellektuelle und politische Scharlatanerie unter Corbyn der letzten vier Jahre zahlen muss.<\/p>\n<p>Arbeiter und Jugendliche m\u00fcssen jetzt die grundlegenden Lehren aus dem politischen Scheitern der Labour Party ziehen, wenn sie erfolgreich gegen eine Tory-Regierung k\u00e4mpfen wollen, deren Ziel es ist, auf Kosten von Arbeitspl\u00e4tzen, L\u00f6hnen und wichtigen Sozialleistungen die \u201eThatcher-Revolution\u201c zu vollenden.<\/p>\n<p>Die Socialist Equality Party hatte bereits 2015, als sich Corbyn um den Parteivorsitz bewarb,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2015\/09\/15\/pers-s15.html\"><strong>gewarnt<\/strong><\/a>: \u201eDiese Partei gleicht in ihrer Politik, ihrer Organisation und der sozialen Zusammensetzung ihres Apparats den Tories, nur im Namen unterscheidet sie sich. Niemand kann ernsthaft glauben, man k\u00f6nne Labour in ein Kampfinstrument der Arbeiterklasse verwandeln. Die Geschichte der britischen Labour Party begann nicht mit Blair. Sie ist seit mehr als einem Jahrhundert eine b\u00fcrgerliche Partei und erwiesenerma\u00dfen ein Instrument des britischen Imperialismus und seines Staatsapparats. Ob unter Clement Attlee, James Callaghan oder Jeremy Corbyn: ihr wesentlicher Charakter hat sich nicht ge\u00e4ndert.\u201c<\/p>\n<p>Die Behauptung von Organisationen wie der Socialist Party und anderen, Corbyns Sieg sei ein Schritt zur Neugr\u00fcndung von Labour als \u201edemokratische, sozialistische Anti-Austerit\u00e4tspartei\u201c, wurde auf vernichtende Weise widerlegt. Noch am Wahltag\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/12\/12\/ukel-d12.html\"><strong>erkl\u00e4rte die SEP<\/strong><\/a>:<\/p>\n<p>\u201eUnsere Kritik an Corbyn und seinen G\u00f6nnern basiert auf den Realit\u00e4ten des Kapitalismus, wie er heute ist. Die Fortschritte in Wissenschaft und Technologie haben die Entwicklung einer globalisierten Produktion erm\u00f6glicht und den veralteten, nationalen Arbeiterorganisationen und ihrem Programm f\u00fcr eine Regulierung der Wirtschaft, um die Klassengegens\u00e4tze zu unterdr\u00fccken, den Boden entzogen. Dies \u2013 und nicht die Verdienste dieses oder jenes Parteif\u00fchrers \u2013 hat dazu gef\u00fchrt, dass sich sozialdemokratische Parteien und Gewerkschaften in die direkten Instrumente ihrer eigenen herrschenden Klasse verwandelt haben, um der Arbeiterklasse eine brutale Ausbeutung aufzuzwingen und so die globale Wettbewerbsf\u00e4higkeit abzusichern.&#8220;<\/p>\n<p>Wir schlussfolgerten: \u201eUnabh\u00e4ngig davon, welche Partei am 12. Dezember die Mehrheit erh\u00e4lt, wird sich die Wahl als Zwischenetappe in einem eskalierenden Klassenkampf erweisen.\u201c Die Labour Party und die Arbeiterklasse stehen sich als feindliche Kr\u00e4fte gegen\u00fcber. Die SEP muss jetzt aufgebaut werden, um die britische, europ\u00e4ische und internationale Arbeiterklasse im Kampf f\u00fcr den Sozialismus zu vereinen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2019\/12\/23\/poll-d23.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 26. Dezember 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chris Marsden. Viele Analysten haben sich mit den Ergebnissen der britischen Parlamentswahl am 12. 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