{"id":6750,"date":"2019-12-31T10:38:14","date_gmt":"2019-12-31T08:38:14","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6750"},"modified":"2019-12-31T10:38:16","modified_gmt":"2019-12-31T08:38:16","slug":"lateinamerika-2019-die-massen-gegen-die-neoliberalen-regierungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6750","title":{"rendered":"Lateinamerika 2019: Die Massen gegen die neoliberalen Regierungen"},"content":{"rendered":"<p><em>H\u00e9ctor Mondrag\u00f3n. <\/em><strong>Auf dass der Massenstreik, der uns bis zum Weihnachtsfest 2019 gef\u00fchrt hat, den Weg in ein wahrhaftig neues Jahr 2020 ebnet.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Nur wenige Kolumbianer wussten, was die Wiphala\u00a0ist, aber seitdem die Putschpolizei sie von ihren Uniformen gerissen hat und die bolivianischen Faschisten sie in La Paz und anderen St\u00e4dten verbrannt haben, ist sie zu einem Symbol des lateinamerikanischen Widerstands geworden. Und bei den Massendemonstrationen, die sich seit dem 21. November 2019 in Kolumbien ausbreiten, wehen Tausende von Wiphalas auf den Stra\u00dfen.<\/p>\n<p>Als die ecuadorianische Polizei die Indigenen in ihren Unterk\u00fcnften in Quito einkreiste und die Regierung von Len\u00edn Moreno eine Ausgangssperre verh\u00e4ngte, erhob sich die Stadt mit L\u00e4rmprotesten (cacerolazo) und die Bev\u00f6lkerung der Armenviertel ging auf die Stra\u00dfen. Dies geschah ebenso in Chile, als die Milit\u00e4rpolizei mit massiver Repression in allen Formen auf die Demonstrationen reagierte und die regierung von Sebasti\u00e1n Pi\u00f1era eine Ausgangssperre verh\u00e4ngte.<\/p>\n<p>Der kolumbianische cacerolazo von 2019 begann mit einer Ausgangssperre in Cali nach den riesigen Mobilisierungen zur Unterst\u00fctzung des nationalen Streiks. Vorl\u00e4ufer war der cacerolazo von Tunja im Jahre 2013, als der ehemalige Pr\u00e4sident Juan Manuel Santos erkl\u00e4rte, dass &#8222;der sogenannte nationale Agrarstreik&#8220; gar nicht existiere und die beiden St\u00e4dte, in denen es bereits keine Lebensmittel mehr gab, sich erhoben, gefolgt von weiteren. Dies war ein traditioneller cazerolazo, bei dem es um Lebensmittelmangel ging, w\u00e4hrend die cacerolazos in Ecuador und Chile Ausdruck fehlender Freiheiten waren.<\/p>\n<p>In Bogot\u00e1 sollte die Ausgangssperre am 22. November den cacerolazo stoppen, damit es nicht so l\u00e4uft wie in Quito oder Santiago. Ein Polizeiman\u00f6ver mit vielen Ger\u00fcchten, ein paar verteilte Vandalen und heulende Alarmanlagen in den Wohnanlagen bewirkten, dass die Anwohner nicht auf ihre Kocht\u00f6pfe schlugen, sondern glaubten, sie m\u00fcssten sich vor vermeintlichen Eindringlingen sch\u00fctzen und sogar die Polizei rufen. Als diese Farce aufgedeckt war, verbreitete sich der cacerolazo in ganz Kolumbien und wurde \u2013 ganz ohne Ausgangssperren \u2013 zum allgemeinen Ausdruck des landesweiten Erwachens des Protestes gegen die neoliberale Regierung von Iv\u00e1n Duque, diesem Nest der Korruption, die das Friedensabkommen von Havanna in St\u00fccke rei\u00dfen will.<\/p>\n<p>In Ecuador waren die Indigenen wie bei drei von vier fr\u00fcheren Aufst\u00e4nden die Protagonisten. Indigene, Kleinbauern als auch in die St\u00e4dte Zugezogene in El Alto, Cochabamba oder Oruro waren die Speerspitze des bolivianischen Widerstands gegen den faschistischen Staatsstreich. Mit dem Erwachen in Chile wurden in allen St\u00e4dten die Fahnen der Mapuche-Indigenen zahlreicher, und auch Wiphalas wurden gehisst. In Kolumbien waren viele indigene Wachen mit den rot-gr\u00fcnen Fahnen der Nasa des Cauca und Fahren der anderen indigenen V\u00f6lker bei dem riesigen Marsch des nationalen Generalstreiks am 4. Dezember zu sehen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die lateinamerikanischen Str\u00f6mungen des Widerstand \u00fcber die Telepathie von Facebook, Twitter und WhatsApp miteinander verbunden zu sein scheinen, kommunizert zugleich auch der Status Quo und ist vereint in seinen Zielen und Methoden.<\/p>\n<p>Demonstranten das Augenlicht zu zerst\u00f6ren, ist eine verbreitete Taktik, die von der israelischen Armee gegen die Pal\u00e4stinenser angewendet wird. Die kolumbianische Spezialeinheit der Polizei zur Aufstandsbek\u00e4mpfung (Esmad) setzt sie auch seit zw\u00f6lf Jahren ein, gegen 20 Indigene im Cauca, gegen einen Fischer in El Quimbo und gegen etliche Studierende. Die ecuadorianische Polizei f\u00fcgt Menschen regelm\u00e4\u00dfig Augenverletzungen zu, doch den Rekord halten die chilenischen Carabineros mit mehr als 300 Personen, darunter ein Jugendlicher und eine Frau, die vollst\u00e4ndig erblindet sind, sie \u00fcberholen die Israelis.<\/p>\n<p>Wem die Schuld geben f\u00fcr die Demonstrationen? Einhellige Antwort: Maduro und den Venezolanern, die in Ecuador, Bolivien und Kolumbien festgenommen und deportiert wurden. Den Russen. Dem Forum von S\u00e3o Paulo, so die Version von Ex-Pr\u00e4sident \u00c1lvaro Uribe, \u00fcbernommen von den Anh\u00e4ngern Jair Bolsonaros, die in Brasilien eine Verschw\u00f6rung zur Schaffung der Union der Sozialistischen Republiken von Lateinamerika (Ursal) erfunden haben \u2013 monatelange Stoff f\u00fcr Witze in den sozialen Medien. Die gesamte kolumbianische Rechte gibt [dem linken Politiker und Ex-Guerillero] Gustavo Petro die Schuld und will ihn isolieren. Noch l\u00e4cherlicher wird es, wenn Kolumbiens Ex-Pr\u00e4sident Andr\u00e9s Pastrana einen Staatsstreich von Santos gegen Duque erfindet und die Ehefrau des chilenischen Pr\u00e4sidenten Au\u00dferirdische beschuldigt.<\/p>\n<p>Die starke Beteiligung von Frauen und jungen Menschen ist auff\u00e4llig und hat sich vielf\u00e4ltig ausgedr\u00fcckt. Die chilenische Sch\u00fcler- und Studierendenbewegung f\u00fchrt seit mehr als zehn Jahren den Kampf f\u00fcr die Wiederherstellung eines \u00f6ffentlichen Bildungssystem an. Die Sch\u00fcler, die sogenannten Pinguine, zogen ihren Eltern mit auf die Stra\u00dfe, die ihre eigenen Studienkredit noch nicht ganz zur\u00fcckgezahlt haben. Auch in Kolumbien ging der gro\u00dfen Pr\u00e4senz der Jugend bei den M\u00e4rschen 2019 eine wachsende Mobilisierung von Studierenden zur Verteidigung der \u00f6ffentlichen Bildung voraus.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/ecuador_proteste_gegen_moreno_2019.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6752\" width=\"585\" height=\"328\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/ecuador_proteste_gegen_moreno_2019.jpg 364w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/12\/ecuador_proteste_gegen_moreno_2019-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 585px) 100vw, 585px\" \/><figcaption> Proteste in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito gegen die neoliberale Politik der Regierung Moreno <\/figcaption><\/figure>\n<p>Auf den Fotos von den Oktoberm\u00e4rschen und den Zusammenst\u00f6\u00dfen mit der Polizei aus Ecuador sieht man indigene Frauen jeden Alters mit T\u00fcchern vor dem Mund zum Schutz vor Tr\u00e4nengas, ebenso wie die Frauen in Bolivien in ihren langen R\u00f6cken, die zuerst von der Polizei in Cochabamba angegriffen und dann zum Ziel der verbalen Aggressionen der putschenden Rassisten wurden. Obwohl sie keine Waffen hatten, haben sie ihren Kamfgeist gegen die bewaffneten Kr\u00e4fte der Faschisten bewiesen. Die chilenischen und kolumbianischen Frauen, die zu Tausenden demonstriert haben, sind von Carabineros und Esmad brutal angegriffen worden und ihr Mut ist nicht weniger geworden. Die feministische Performance hat sich von Chile aus in die ganze Welt verbreitet.<\/p>\n<p>Alles fing in der Karibik an. Im Juli erhob sich Puerto Rico und st\u00fcrzte den Gouverneur Ricky Rosell\u00f3, nachdem er homophobe Beleidigungen und Spott ge\u00e4u\u00dfert hatte. Das puerto-ricanische Motto &#8222;Wir haben keine Angst mehr&#8220; wurde zur Losung der lateinamerikanischen Mobilisierungen. Die Unterst\u00fctzung und Teilnahme von K\u00fcnstlern, angefangen bei Residente bis hin zu Ricky Martin, brachte Musik in die Stra\u00dfenproteste. In Chile und Kolumbien wiederholte sich dies mit anderen Namen, es wurde an den von Pinochet ermordeten Victor Jara erinnert, die Hymne der &#8222;\u00dcbriggebliebenen&#8220; (El baile de los que sobran) wurde wiederentdeckt, hinzu kam der entschlossene Aktivismus der jungen K\u00fcnstler.<\/p>\n<p>In Haiti, wo die Menschen nichts mehr zu verlieren haben, ist seit Februar der jahrelange Widerstand wieder erstarkt, und das Volk setzt sich Woche f\u00fcr Woche den Projektilen des Regimes aus, es gibt Dutzende Tote. Ein Heldentum, das auch in Ecuador, Chile und besonders in Bolivien zu sehen ist, besonders in Chapare und in El Alto. Haiti ist Inspiration f\u00fcr die wachsenden Afro-Bewegungen in Honduras und Kolumbien, insbesondere seit den Streiks in Buenaventura und im Choc\u00f3. Dort wurde ein weiteres nationales Motto von 2019 gepr\u00e4gt: &#8222;Das Volk ergibt sich nicht, verdammt nochmal!&#8220;<\/p>\n<p>Die Hinterlassenschaften der Staatsstreiche sind der Gegenstand der Proteste in Argentinien, Chile, Bolivien, Haiti und Honduras. In Argentinien stoppte die Streikwelle erst, als die Wahlniederlage Mauricio Macris und seiner neoliberale Wirtschaftspolitik zu erwarten war. Macri und seine Familie profitierten direkt von der Milit\u00e4rdiktatur und den enormen Subventionen f\u00fcr verschuldete Unternehmen. Am 29. Mai legte ein landesweiter Generalstreik Argentinien lahm. Die leergefegten Stra\u00dfen jenes Maitages waren der Vorbote f\u00fcr die \u00fcbervollen Stra\u00dfen des 10. Dezembers, dem Tag des Abschieds von Macri.<\/p>\n<p>In Chile sprangen Sch\u00fcler \u00fcber die Drehkreuze der U-Bahnh\u00f6fe, um gegen die Fahrpreiserh\u00f6hung zu demonstrieren und die daraufhin von Pi\u00f1era angeordnete brutale Repressionen sorgte lediglich daf\u00fcr, dass das Volk auf die Stra\u00dfe ging und die Massenbewegung dazu \u00fcberging, die verfassungsgebende Versammlung zu fordern, um die Verfassung abzuschaffen, in der Pinochet noch lebt.<\/p>\n<p>In Haiti stehen die Kugeln, die das Volk t\u00f6ten, in der Kontinuit\u00e4t der Kugeln, die seit den Putschen gegen Jean-Bertrand Aristide abgefeuert wurden, und diese stammen aus den Herrschaftszeiten von Papa und Nene Doc und den Invasionen der USA.<\/p>\n<p>Der parlamentarische, juristische und milit\u00e4rische Putsch gegen Manuel Zelaya hat Honduras in einen Albtraum gef\u00fchrt, in dem die Ermordung von F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeiten sozialer Bewegungen, Aktivisten wie der indigenen Bertha C\u00e1ceres, ebenso zum Grundton geh\u00f6rt wie die von Unternehmen und Gro\u00dfgrundbesitzern bezahlten Paramilit\u00e4rs und die Herrschaft des Drogenhandels. All das wurde 2019 massiv infrage gestellt.<\/p>\n<p>In Bolivien agieren wieder die Kr\u00e4fte, die einst\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wikiwand.com\/en\/Juan_Jos%C3%A9_Torres\">Juan Jos\u00e9 Torres<\/a>\u00a0st\u00fcrzten. Damals \u00f6ffneten Paz Estenssoro und seine Nationalistisch-Revolution\u00e4re Bewegung (Movimiento Nacionalista Revolucionario, MNR) in La Paz der Falange aus Santa Cruz und den putschenden Milit\u00e4rs die T\u00fcren, damit\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hugo_Banzer_Su%C3%A1rez\">Hugo Banzer<\/a>\u00a0aus Santa Cruz an die Regierung kam. Er verschlang sp\u00e4ter diejenigen, die ihn ins Pr\u00e4sidentenamt gebracht hatten, die einen zwang er ins Exil und Oberst Andr\u00e9s Salich Chop, den Befehlshaber des putschenden Milit\u00e4rs, lie\u00df er nach Folterungen aus dem Fenster werfen.<\/p>\n<p>2007\/2008 scheiterte der zivil-faschistische Putsch gegen Evo Morales und die neue Verfassung noch, weil das B\u00fcrgertum und das Kleinb\u00fcrgertum von La Paz f\u00fcrchteten, dass die &#8222;Wei\u00dfen&#8220; aus Sucre sich durchsetzen und der Separatismus aus dem Osten des Landes umgesetzt w\u00fcrde, was auch das Milit\u00e4r nicht akzeptieren konnte. Aber im Jahr 2019 stand das gesamte B\u00fcrgertum hinter den Putschisten und schaffte es auch, das mestizische Kleinb\u00fcrgertum von La Paz hinter sich zu bringen. Dieses \u00f6ffnete den zivilen Faschisten die T\u00fcren und auch der Polizei, welche die Wiphalas abriss, indigene Frauen angriff und die Indigenen und den Plurinationalismus verfluchten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Chile sich mobilisiert, um Pinochets Verfassung abzuschaffen, leisten die Indigenen Boliviens Widerstand, um die plurinationale Verfassung gegen die Wiederauferstehung des faschistischen Rassismus zu verteidigen, der wie ein Zombie aus seiner Lethargie erwacht ist und Pompeo, die Bibel, Netanjahu und Trump um Schutz vor &#8222;den Ritualen der Indios&#8220; anruft.<\/p>\n<p>Kolumbien hat seit 1957 keinen Putsch mehr erlebt, aber eine &#8222;eingeschr\u00e4nkte Demokratie&#8220;, die sich gegenw\u00e4rtig auf dem amerikanischen Kontinent ausbreitet. Eine Demokratie des V\u00f6lkermords, in der keine Opposition toleriert und alle 36 Stunden eine soziale F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit ermordet wird. Ein seit 70 Jahren andauernder bewaffneter Konflikt, der mit dem Friedensabkommen von Havanna 2016 ein Ende h\u00e4tte finden k\u00f6nnen. Aber die aktuelle Regierung will es zerfetzen und hat es geschafft, das Land zur Gewalt zur\u00fcckzuf\u00fchren, um die Massenbewegung auszuschalten, die das Regime bedroht, indem sie sich mehr und mehr politisch \u00e4u\u00dfert. Das Erwachen Kolumbiens seit dem 21. November bedeutet, dass die Operation Duque des Mentors Uribe scheitern und es in Kolumbien vielleicht Frieden und soziale Demokratie geben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Es ist klar, dass der Wunsch nach Frieden die Demonstrationen in Kolumbien gepr\u00e4gt hat, sei es bei den Generalstreiks vom 21. und 27. November oder dem 4. Dezember, auf den \u00fcbervollen Stra\u00dfen, wo die Menschen &#8222;keine Gewalt!&#8220; riefen, ebenso angesichts Tr\u00e4nengras und Blendgranaten; oder auf den leergefegten Stra\u00dfen der Stadt Barrancabermeja, die am 4. Dezember komplett lahmgelegt war. Aber nicht wegen fehlenden Mutes, sondern wegen des Mutes, den ein P\u00e4rchen bewies, das eine junge Frau befreite, die von der Polizei entf\u00fchrt wurde; oder die Gro\u00dfm\u00fctter, die von der Polizei verfolgte Jugendliche retteten; oder die Stadtviertel, die Demonstranten in ihre H\u00e4user einlie\u00dfen, die Esmad zerschlug daraufhin ihre Fensterscheiben; oder die indigenen Wachen, die ohne Feuer- oder Stichwaffen auch angesichts bewaffneter Gruppen Widerstand leisteten. Wie in Chile, Bolivien, Ecuador und Haiti ist der Mut in Kolumbien gro\u00df.<\/p>\n<p>Preiserh\u00f6hungen, Verfassungen, Staatsstreiche, Steuerreformen, cacerolazos, M\u00e4rsche, Arbeitsniederlegungen, Blockaden, Konzerte, Performances, Zusammenst\u00f6\u00dfe, \u2026 aufeinanderfolgende \u00f6konomische und politische K\u00e4mpfe, ethnische K\u00e4mpfe und miteinander verschr\u00e4nkte Klassenk\u00e4mpfe, junge Menschen, Frauen, K\u00fcnstler, Genderfragen, Philosophien, \u00dcberzeugungen, Glaube, Hoffnung \u2026 alles kommt getrennt zusammen. Das Nationale mit dem Lokalen und Regionalen und mit dem Lateinamerikanischen. Die Gewerkschaften und die formal etablierten zivilgesellschaftlichen Organisationen die zum Streik aufriefen, mit den Demonstrationen und selbst einberufenen Versammlungen, mit dem Informellen, der Spontaneit\u00e4t, der Diversit\u00e4t, mit dem v\u00f6llig Neuen.<\/p>\n<p>Dieses allgemeine Erwachen des magischen Realismus erinnert uns an Rosa Luxemburgs Theorie des Massenstreiks und das Wissen um das Unerwartete.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Proteste gegen private Rentenfonds in Chile und Kolumbien zunehmen und die x-te Rentenreform durchgesetzt werden soll, findet in Frankreich ein mehrt\u00e4giger Generalstreik gegen die anstehenden Rentenreformen statt, und wir denken daran, dass wir gegen die Interessen des transnationalen Kapitals k\u00e4mpfen, dasselbe, das Ecuador das IWF-Paket aufzwingen wollte (und will)<\/p>\n<p>Der Kampf f\u00fcr den Frieden in Kolumbien und Lateinamerika ruft uns ins Ged\u00e4chtnis, dass der imperialistische Krieg den Irak, Libyen und Syrien bereits zerst\u00f6rt hat und den Jemen zerst\u00f6rt, dass Pal\u00e4stina einen V\u00f6lkermord erleidet, dass in Syrien der Norden von der T\u00fcrkei und der \u00f6lreiche Nordosten von den USA eingenommen wurde.<\/p>\n<p>Wir befinden uns in einem Kampf um die Erde. Diese Mutter Erde, die es erm\u00f6glicht, dass indigene V\u00f6lker mit 500.000 Menschen und Greta Thunberg auf den Stra\u00dfen von Madrid demonstrieren. Die Menschheit entdeckt, dass die Erde weder zum Verkauf noch zum Kauf steht \u2013 und gibt damit den indigenen V\u00f6lkern recht. Dies ist die Revolution von heute: Sie ist plurinational, divers, feministisch, und wenn sie bis zum Ende gef\u00fchrt wird, antikapitalistisch. Vorl\u00e4ufig geht in Chile der Kampf f\u00fcr die souver\u00e4ne Verfassung weiter, Bolivien widersteht und Kolumbien l\u00e4sst nicht locker.<\/p>\n<p>Auf dass der Massenstreik, der uns bis zum Weihnachtsfest 2019 gef\u00fchrt hat, den Weg in ein wahrhaftig neues Jahr 2020 ebnet.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/amerika21.de\/analyse\/235961\/2019-der-streik-der-massen\">amerika21.de&#8230;<\/a> vom 31. Dezember 2019<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00e9ctor Mondrag\u00f3n. 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