{"id":6763,"date":"2020-01-06T09:32:23","date_gmt":"2020-01-06T07:32:23","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6763"},"modified":"2020-01-06T09:32:24","modified_gmt":"2020-01-06T07:32:24","slug":"strategische-ueberlegungen-zur-globalisierung-des-klassenkampfes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6763","title":{"rendered":"Strategische \u00dcberlegungen zur Globalisierung des Klassenkampfes"},"content":{"rendered":"<p><em>Matias Maiello.<\/em> In vorherigen Artikeln haben wir im Rahmen der aktuellen Prozesse die Beziehung zwischen Revolte und Revolution aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Im vorliegenden Artikel werden wir uns dem Verh\u00e4ltnis zwischen<!--more--> den verschiedenen nationalen Prozessen aus internationaler Sicht n\u00e4hern, um uns auf die Bedeutung zu konzentrieren, die dem internationalistischen Kampf heute zukommt.<\/p>\n<p>Die neue Welle des Klassenkampfes, die heute die Welt erfasst, ist besonders durch ihre gro\u00dfe geografische Ausdehnung zu unterscheiden. Sie umfasst L\u00e4nder in Nordafrika, im Nahen Osten und Hongkong sowie in Europa und Lateinamerika. Die heutigen Medien, soziale Netzwerke und die Unmittelbarkeit von Information tragen in gewisser Weise zur Verbreitung von Prozessen bei, aber die Erkl\u00e4rung f\u00fcr dieses Ph\u00e4nomen liegt viel tiefer.<\/p>\n<p>Was gemeinhin als \u201eGlobalisierung\u201c bezeichnet wird, waren Jahrzehnte imperialistischer Offensive \u2013 seit dem Ende des letzten Jahrhunderts bis heute \u2013, die durch Pl\u00fcnderungen und gr\u00f6\u00dfere Ausbeutungsraten einen Sprung in der Internationalisierung des Kapitals mittels eines Prozesses ungleichm\u00e4\u00dfiger und kombinierter Entwicklung erm\u00f6glichten, der eine Minderheit von \u201eGewinner*innen\u201c und eine gro\u00dfe Mehrheit von \u201eVerlierer*innen\u201c hinterlie\u00df.<\/p>\n<p>Die historische Krise des Kapitalismus, die 2008 ausbrach, hat dieses Szenario noch verst\u00e4rkt. Sie verdeutlichte den Niedergang eines Kapitalismus, der nicht dazu in der Lage ist, der Weltwirtschaft neue Motoren zu geben. Weder ein dekadenter US-amerikanischer Imperialismus, noch die einzige neue Wirtschaftsmacht und Pumpe der letzten Periode, China, das sein heutiges Bestehen der effektiven Vereinigung des Landes mittels der Revolution von 1949 verdankt, die die Bourgeoisie enteignete und in der (b\u00fcrokratischen) Planung der Wirtschaft voranschritt. Die B\u00fcrokratie der KP China unterst\u00fctzte zun\u00e4chst das Programm des \u201eSozialismus in einem Land\u201c, um daraufhin den Kapitalismus wiederzuerrichten und dabei die erreichten Errungenschaften zu nutzen, um gemeinsam mit dem internationalen Kapital eine \u201eModernisierung\u201c anzustreben. So hat die imperialistische Bourgeoisie erst durch die kapitalistische Restauration in China die Hauptquelle ihrer gegenw\u00e4rtigen Entwicklung gefunden. Das hei\u00dft, dank dessen, was im Kampf gegen sie errichtet wurde. Sie tat dies basierend auf einem gewaltigen Ma\u00df an Ausbeutung und Prekarisierung, die den Bedingungen von vor zwei Jahrhunderten kaum nachsteht. Aber China hat nicht die historische Konsistenz, um als neuer weltweiter Hegemon zu fungieren, ohne zuvor neue Kriege in gro\u00dfem Ma\u00dfstab anzuzetteln.<\/p>\n<p>Die vergangenen Wahlen in Gro\u00dfbritannien haben eindrucksvoll bewiesen, wie orientierungslos der Kapitalismus vorgeht. Die britischen Gro\u00dfkapitalist*innen, die sich einst dem Brexit widersetzten, versammeln sich nun hinter dem britischen Trump Boris Johnson. Die Bourgeoisie segelt ziellos, mit dem Wind der Brutalit\u00e4t gegen Migrant*innen, des Nationalismus und der Fakenews im R\u00fccken.<\/p>\n<p>In Lateinamerika, wie auch in den anderen abh\u00e4ngigen und halbkolonialen L\u00e4ndern, hat die Bourgeoisie l\u00e4ngst jeden Anspruch auf nationale Emanzipation aufgegeben. Vor den F\u00fc\u00dfen des Imperialismus kniend suchen sie h\u00f6chstens eine Rolle als Akteure der Verteilung zu spielen. Weder der extreme Neoliberalismus wie der von Bolsonaro\/Guedes in Brasilien noch der \u201ePostneoliberalismus\u201c wie der von Alberto und Cristina Fern\u00e1ndez in Argentinien bieten einen unabh\u00e4ngigen Entwicklungsplan an. F\u00fcr die Ersteren geht es einfach darum, dem Imperialismus alles M\u00f6gliche mittels Pl\u00fcnderungen zu \u00fcberlassen, und gegen die Lebensbedingungen der Werkt\u00e4tigen vorzugehen. F\u00fcr die Letzteren geht es h\u00f6chstens darum, bestimmte Auswirkungen einer dem Imperialismus v\u00f6llig untergeordneten sozio\u00f6konomischen Struktur abzumildern, die nicht in Frage gestellt wird und die die Mehrheiten dazu verurteilt, regelm\u00e4\u00dfig soziale Katastrophen zu erleiden. Selbst in den radikalsten Versionen des \u201ePostneoliberalismus\u201c, wie dem Chavismus, war er nicht in der Lage, die abh\u00e4ngige Struktur zu \u00e4ndern, die mit den Schwankungen der \u00d6lpreise verbunden ist.<\/p>\n<p>Lediglich die Einheit der Arbeiter*innenklasse mit den ausgebeuteten und unterdr\u00fcckten V\u00f6lkern der lateinamerikanischen L\u00e4nder, in Verbindung mit dem Kampf der Arbeiter*innenklasse der zentralen L\u00e4nder, kann eine echte Alternative aufbauen. Sie muss ihre eigene Macht erobern, um die demokratischen Ziele und die nationale Emanzipation gegen den Imperialismus und seine lokalen Partner*innen vollst\u00e4ndig und effektiv zu erk\u00e4mpfen und eine neue Gesellschaftsordnung zu errichten. Die strategische Frage ist, wie die Ausbr\u00fcche des Klassenkampfes, die heute die Region und die Welt ersch\u00fcttern, sich nicht in der Aus\u00fcbung von Druck ersch\u00f6pfen (sogar wenn er extrem ist), sondern die zuvor aufgezeichnete Perspektive er\u00f6ffnen, die notwendigerweise international sein muss.<\/p>\n<p>Gegen die weit verbreitete Utopie, dass es m\u00f6glich ist, eine (wirklich) revolution\u00e4re Partei \u201ein einem Land\u201c aufzubauen, wirft dieser Kampf ein Schl\u00fcsselproblem auf: die Notwendigkeit einer internationalen revolution\u00e4ren Partei. Nun, was impliziert und woraus besteht der Kampf um eine solche Partei heute?<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"890\" height=\"550\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/arton145308-890x550.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6764\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/arton145308-890x550.jpg 890w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/arton145308-890x550-300x185.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/arton145308-890x550-768x475.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 890px) 100vw, 890px\" \/><\/figure>\n<p><strong>Ein der Form nach nationaler und dem Inhalt nach internationaler Kampf<\/strong><\/p>\n<p>Was die aktuellen Prozesse des Klassenkampfes mit ihren Besonderheiten und Eigendynamiken zeigen, ist, dass es keinen automatischen \u00dcbergang\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/revolte-und-revolution-im-21-jahrhundert\/\"><strong>von der Revolte zur Revolution<\/strong><\/a>\u00a0gibt. In diesem Sinne ist der Kampf um die Hegemonie der Arbeiter*innen ein wichtiger Punkt, ebenso wie der politische Kampf gegen den F\u00fchrungen des b\u00fcrgerlichen Nationalismus, des Reformismus und der B\u00fcrokratie.<\/p>\n<p>Wie Marx und Engels im Kommunistischen Manifest sagten, sind diese K\u00e4mpfe der Form nach zwar national, aber ihrem Inhalt nach international. Trotzki weist\u00a0<a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/sozialistischeklassiker2punkt0\/trotzki\/1920\/leo-trotzki-das-nationale-in-lenins\"><strong>in Bezug auf das Denken Lenins<\/strong><\/a>\u00a0darauf hin, dass Internationalismus \u201ekeine Formel einer Ineinklangbringung des Nationalen und Internationalen in Worten, sondern die Formel eines internationalen revolution\u00e4ren Handelns\u201c ist. Dem f\u00fcgt er hinzu, dass in dieser Konzeption die Welt \u201eals ein einziges zusammenh\u00e4ngendes Kampffeld betrachtet [wird], auf dem die einzelnen V\u00f6lker und deren Klassen einen gigantischen Kampf miteinander f\u00fchren.\u201c<\/p>\n<p>Aus diesem Blickwinkel ist der internationalistische Kampf \u2013 und der Kampf um den Aufbau von Parteien in jedem Land \u2013 untrennbar mit dem Versuch verbunden, die Aktion einer internationalen revolution\u00e4ren Partei im Ma\u00dfstab unserer Kr\u00e4fte vorzubereiten und zu proben. Denn eine solche Organisation wird erst aus der Hitze des Gefechts hervorgehen, die dieser neue Zyklus des Klassenkampfes auf die Tagesordnung zu setzen beginnt. Hierf\u00fcr k\u00e4mpfen wir von der FT-CI \u2013 der internationalen Organisation, der die PTS (und RIO in Deutschland) angeh\u00f6rt \u2013 in den 14 L\u00e4ndern, in denen wir politisch aktiv sind<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, sowie mit dem Internationalen Zeitungsnetzwerk\u00a0<em>La Izquierda Diario<\/em>.<\/p>\n<p>Jene Auffassung von Internationalismus als \u201eein einziges Schlachtfeld\u201c f\u00fchrt dazu, bestimmte Schwerpunkte der Aktion einer internationalen Str\u00f6mung festzulegen, in der die Arbeiter*innen ihren h\u00e4rtesten und fortschrittlichsten Kampf f\u00fchren. Aber gleichzeitig impliziert es die gleichzeitige Intervention in sehr unterschiedlichen nationalen Szenarien, mit unterschiedlichen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen, politischen Prozessen usw., die Teil derselben B\u00fchne des internationalen Kampfes sind.<\/p>\n<p><strong>Frankreich und Chile als Schwerpunkte im heutigen Klassenkampf<\/strong><\/p>\n<p>Die Hauptachse der Intervention der FT befindet sich derzeit in Frankreich, wo die bedeutendste Konfrontation des internationalen Klassenkampfes stattfindet, der, wenn er sich entfaltet und die R\u00fccknahme der Rentenreform erk\u00e4mpft, eine neue Situation mit Auswirkungen weit \u00fcber die Landesgrenzen hinaus er\u00f6ffnen k\u00f6nnte, sowie in Chile, dem wichtigsten Prozess auf lateinamerikanischer Ebene.<\/p>\n<p>Die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-konkrete-perspektive-des-generalstreiks-in-frankreich-und-seine-gegnerinnen\/\"><strong>gro\u00dfe Kraftdemonstration<\/strong><\/a>, die die franz\u00f6sische Arbeiter*innenklasse seit Wochen im Herzen Europas<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>\u00a0mit ihren Methoden des Streiks, der Streikposten und wichtigen Demonstrationen leistet, zeigt ihre Macht, wenn sie \u2013 anstatt verw\u00e4ssert als \u201eB\u00fcrger*innen\u201c einzugreifen \u2013 die Kontrolle \u00fcber ihre \u201e<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/bolivien-klassenkampf-und-strategische-positionen\/\"><strong>strategischen Positionen<\/strong><\/a>\u201c ins Spiel bringt und so Busse, U\u2011Bahn, Z\u00fcge, H\u00e4fen, Raffinerien, Flugzeuge, Schulen usw. zum Stillstand bringt. Die Ank\u00fcndigungen zur Rentenreform der Macron-Regierung hatten keinen anderen Effekt als die Vertiefung und Ausbreitung des Streiks, der bei den Arbeiter*innen an der Basis einen gro\u00dfen Auftrieb hat, insbesondere in Sektoren wie der RATP (\u00d6ffentliche Verkehrsbetriebe von Paris). Dies weist, wie unser Genosse Juan Chingo in seinem Buch\u00a0<a href=\"https:\/\/www.laizquierdadiario.com\/Los-Chalecos-Amarillos-y-la-izquierda-en-Francia\"><strong>Gilets jaunes. Le soul\u00e8vement (quand le tr\u00f4ne a vacill\u00e9)<\/strong><\/a><a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0analysiert, auf einen Prozess der \u201eVergelbwestlichung\u201c von Sektoren der Arbeiter*innenbewegung hin.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich schloss die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie in ihren verschiedenen Varianten \u2013 die f\u00fcr die Trennung der Gewerkschaften von den Gelbwesten sorgte \u2013 nicht aus, sich erneut an den Verhandlungstisch zu setzen, anstatt den unbefristeten Streik bis zur Niederlage der Reform vorzuschlagen. Der Erfolg des Streiks und des Massenkampfes h\u00e4ngt davon ab, ob er sich als Ganzes als \u201cechte Volksbewegung\u201d (Rosa Luxemburg) entfaltet und durch Versammlungen, Streikkommissionen und Koordinationen in den H\u00e4nden der Streikenden selbst bleibt, die wiederum den Streik garantieren und die Selbstverteidigung organisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In diesem Sinne k\u00e4mpfen unsere Genoss*innen der Revolution\u00e4ren Kommunistischen Str\u00f6mung (CCR) \u2013 eine revolution\u00e4re Str\u00f6mung innerhalb der Neuen Antikapitalistischen Partei NPA \u2013 daf\u00fcr, Instanzen echter Selbstorganisation und Koordination aufzubauen. Wie das Treffen in Saint-Lazare (Paris), das von den Arbeiter*innen von RAPT und der SNCF (Bahngesellschaft) einberufen wurde, mit Arbeiter*innen von Buslinien, U\u2011Bahn, Eisenbahner*innen, Lehrer*innen, Studierenden, Gelbwesten, etc. Dies sind Instanzen, die f\u00fcr die Organisation von z.B. Streikposten zur Gew\u00e4hrleistung des Streiks bisher entscheidend waren. Es ist Teil einer Politik der F\u00f6rderung der Perspektive eines unbefristeten Streik bis zur Niederlage der Reform durch die Zusammenf\u00fchrung mehrerer Sektoren der Gewerkschaften CGT und SUD, der Studierendenorganisationen, der Linken usw., wie in der Erkl\u00e4rung, die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.liberation.fr\/debats\/2019\/12\/02\/en-decembre-c-est-tous-ensemble_1766763\"><strong>in der Zeitung Lib\u00e9ration<\/strong><\/a>\u00a0ver\u00f6ffentlicht wurde, zum Ausdruck kommt. In diesen K\u00e4mpfen war Anasse Kazib, Anf\u00fchrer der Bahnarbeiter*innen und Mitglied der CCR, einer der Hauptsprecher des Streiks, der k\u00fcrzlich in einer popul\u00e4ren Fernsehsendung im Rededuell mit dem Verkehrsminister die Heuchelei der Regierung enth\u00fcllte. Gleichzeitig spielt die Zeitung\u00a0<a href=\"https:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/\"><strong>R\u00e9volution Permanente<\/strong><\/a>, die bereits 2018 \u2013 mit mehr als 2 Millionen Besucher*innen im Monat \u2013 zu einem Bezugspunkt rund um die Gelbwestenbewegung wurde, wieder eine wichtige Rolle in der aktuellen Bewegung.<\/p>\n<p>Der wichtigste Kampf bleibt jedoch die Notwendigkeit, eine revolution\u00e4re Partei in Frankreich aufzubauen. Der vorherige Prozess der Gelben Westen zeigte bereits das Scheitern sowohl einer syndikalistischen Ausrichtung au\u00dferhalb der Bewegung (Lutte Ouvri\u00e8re \u2014 LO) als auch des Aufbaus \u201ebreiter Parteien\u201c ohne ein revolution\u00e4res Programm oder eine revolution\u00e4re Strategie, um oberfl\u00e4chlich in \u201eden Bewegungen\u201c teilzunehmen, so wie sie sind. Die CCR k\u00e4mpft innerhalb der NPA offen gegen diese \u201ePolitik der breiten Partei\u201c (deshalb hat sie nie f\u00fcr die \u201eGr\u00fcndungsprinzipien\u201c der NPA gestimmt) und f\u00fcr eine einheitliche revolution\u00e4re Partei der radikalen Linken (LO und NPA), die sich den Kampf um die Zusammenf\u00fchrung der gesamten neuen Generation der Arbeiter*innenklasse, die die derzeitigen K\u00e4mpfe anf\u00fchrt, auf die Fahnen schreibt.<\/p>\n<p>In einem ganz anderen Szenario, wie im Falle Chiles, mit knapp zwei Monaten intensiven Kampfes unter verschiedenen Umst\u00e4nden, intervenieren unsere Genoss*innen der Revolution\u00e4ren Arbeiter*innenpartei (PTR) aktiv in Santiago, Antofagasta, Valpara\u00edso, Arica, Temuco, Puerto Montt, Rancagua und anderen St\u00e4dten des Landes. Dabei k\u00e4mpfen sie f\u00fcr den Aufbau von Organen der Selbstorganisation, die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/von-der-fragmentierung-zur-hegemonie-scheidewege-des-heutigen-klassenkampfes\/\"><strong>f\u00fcr die Artikulation der verschiedenen Sektoren<\/strong><\/a>\u00a0der Bewegung (prek\u00e4r Besch\u00e4ftigte und Festangestellte, Studierende, die Frauenbewegung usw.) von grundlegender Bedeutung sind. Dabei f\u00f6rdern sie Initiativen, die eine besondere Bedeutung erlangt haben, wie das Komitee f\u00fcr Notf\u00e4lle und Schutz in Antofagasta oder um das Krankenhaus Barros Luco in Santiago, usw. Dabei \u00fcben sie eine systematische politische Agitation angesichts der Repression f\u00fcr ein \u00dcbergangsprogramm in jeder Fabrik, jedem Unternehmen, Krankenhaus, jeder Schule, jeder Universit\u00e4t, in der sie intervenieren, und mittels der Website von\u00a0<a href=\"http:\/\/www.laizquierdadiario.cl\/Chile\"><strong>Izquierda Diario Chile<\/strong><\/a>, die in weniger als zwei Monaten 4 Millionen Besuche \u00fcberschritten hat. Sie k\u00e4mpfen f\u00fcr eine wirklich freie und souver\u00e4ne Verfassungsgebende Versammlung, die auf den Ruinen des Regimes aufgebaut werden soll, und sie fordern den R\u00fccktritt von Pi\u00f1era. Aus diesen Gr\u00fcnden wird Dauno T\u00f3toro, Anf\u00fchrer der PTR und Kandidat in Santiago bei den Kommunalwahlen 2017, von der Regierung nach dem Staatssicherheitsgesetz beschuldigt, \u201esubversive Bestrebungen anzuregen\u201c. Pi\u00f1era versucht, in Daunos politischer Verfolgung die Verfolgung Tausender Jugendlicher und Arbeiter*innen zu symbolisieren, die f\u00fcr die gleiche Perspektive k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Als am vergangenem 12. November in Chile die Arbeiter*innenbewegung den seit dem Fall der Diktatur wichtigsten nationalen Streik anf\u00fchrte, der einen revolution\u00e4ren Sprung in der Situation aufwarf, nutzte das Regime entgegen jeder verk\u00fcrzten Analyse die Hilfe von Reformismus und B\u00fcrokratie, um diese Perspektive zu bek\u00e4mpfen. Es begann mit dem betr\u00fcgerischen \u201eAbkommen \u00fcber den sozialen Frieden und die neue Verfassung\u201c, zu dem sich einen Teil der Frente Amplio (FA)<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>\u00a0als Protagonisten gesellte, mit dem Ziel einen Teil der Bewegung von den Stra\u00dfen zu bringen. Es ging bis zum Anti-Protest-Gesetz, das von der Mehrheit der FA bei weitgehender Enthaltung der KP verabschiedet wurde, \u00fcber den skandal\u00f6sen Waffenstillstand, den die CUT (Dachverband der Gewerkschaften Chiles) und Mesa de Unidad Social (Sozialer B\u00fcndnis) derzeit mit der Regierung halten. All dies zeigt die Dringlichkeit des Kampfes um die Gr\u00fcndung einer revolution\u00e4ren Partei in Chile, die von der PTR vorangetrieben wird.<\/p>\n<p><strong>Lateinamerika und das breite Theater des internationalen Kampfes<\/strong><\/p>\n<p>Lateinamerika, wo die FT-CI ihre gr\u00f6\u00dfte Mitgliederzahl aufweist, ist eine der Regionen, in denen der Zyklus der Aufst\u00e4nde am weitesten verbreitet ist, aber wo auch unterschiedliche Tendenzen zum Ausdruck kommen. Auf der einen Seite steht das Aufflammen des Klassenkampfes, den wir in Chile gesehen haben, der wiederum in Kolumbien, Haiti, Honduras, Ecuador, Puerto Rico und dem Widerstand in Bolivien zum Ausdruck kommt und\/oder kam. Auf der anderen Seite stehen aber auch die reaktion\u00e4ren und bonapartistischen Tendenzen, die ihre j\u00fcngsten Vertreter*innen im Staatsstreich in Bolivien haben, und ihre wichtigste Bastion in der Regierung Bolsonaros in Brasilien, die eine Gro\u00dfoffensive gegen die Arbeiter*innen und das Volk (Renten- und Arbeitsreform, Privatisierungen usw.) vorantreibt. Die Tendenz zeigt sich auch in der wachsenden Intervention von Armeen in verschiedenen L\u00e4ndern, um der Massenbewegung Einhalt zu gebieten.<\/p>\n<p>In diesem Szenario besteht die Agitation reformistischer und \u201elinksnationalistischer\u201c Str\u00f6mungen sowie der Gewerkschaftsb\u00fcrokratien darin, sich dem \u201ekleineren \u00dcbel\u201c anzupassen, indem sie behaupten, dass es notwendig ist, Konfrontation und Klassenkampf zu vermeiden, weil sonst die Rechte voranschreitet, obwohl die j\u00fcngste Geschichte der Region das genaue Gegenteil zeigt. Brasilien ist ein klares Beispiel daf\u00fcr. Die brasilianische PT regierte jahrelang zum Wohle des Kapitals, indem sie seine Methoden \u00fcbernahm. Angesichts der Krise und des Ausbruchs der Massenproteste im Juni 2013 \u2013 dem unmittelbaren Vorl\u00e4ufer des aktuellen Zyklus \u2013 reagierte sie mit neuen Angriffen auf die Werkt\u00e4tigen, trug so zur Demoralisierung der eigenen sozialen Basis bei und ebnete den Weg f\u00fcr die Rechte, ohne einen Kampf gegen den institutionellen Putsch und nicht einmal gegen die Inhaftierung Lulas zu f\u00fchren, die letztendlich den Weg f\u00fcr den Aufstieg Bolsonaros ebneten.<\/p>\n<p>So k\u00e4mpfen die Genoss*innen der Movimento Revolucion\u00e1rio de Trabalhadores (MRT \u2013 Revolution\u00e4re Arbeiter*innenbewegung) in Brasilien seit Jahren f\u00fcr eine unabh\u00e4ngige Linke, die eine echte Alternative darstellt, da sich w\u00e4hrend dieses gesamten Prozesses ein Teil davon (PSTU) im Lager des Putschismus befand, w\u00e4hrend die Hauptpartei der Linken (PSOL) weiterhin ein Anh\u00e4ngsel der PT blieb. Mit diesem Ziel forderte die MRT damals \u00f6ffentlich den Eintritt in die PSOL und erkl\u00e4rte offen, dass sie in ihren Reihen f\u00fcr ein revolution\u00e4res Programm und eine revolution\u00e4re Strategie k\u00e4mpfen wolle, weswegen sie von der Mehrheitsf\u00fchrung nicht zugelassen wurde. Aus dieser Perspektive interveniert die MRT, indem sie den Kampf gegen die Angriffe von Bolsonaro vorantreibt und die v\u00f6llige Passivit\u00e4t der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie (CUT, CTB) sowie der Studierendenb\u00fcrokratie (UNE) an jedem Ort bek\u00e4mpft, an dem sie sich befindet: in S\u00e3o Paulo, Rio de Janeiro, Minas Gerais, Rio Grande do Sul, Brasilia, Rio Grande do Norte, Para\u00edba, in jeder Gewerkschaft, in jedem Studierendenzentrum usw.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. Auch mit der digitalen Zeitung\u00a0<a href=\"https:\/\/www.esquerdadiario.com.br\/\"><strong>Esquerda Di\u00e1rio<\/strong><\/a>, die heute die Hauptpublikation der brasilianischen Linken ist und w\u00e4hrend der Krise, die den Aufstieg von Bolsonaro begleitete, 6,5 Millionen Besucher*innen in einem Monat erreichte.<\/p>\n<p>Bolivien stellt ein weiteres deutliches Beispiel daf\u00fcr, wie die Logik des \u201eKleineren \u00dcbels\u201c die Massenbewegung passiviert und demoralisiert und den Aufstieg der Rechten erm\u00f6glicht. Unser Genosse Javo Ferreira zeigt in seinem Buch\u00a0<em>Comunidad, indigenismo y marxismo<\/em>\u00a0(\u201cGemeinde, Indigenismus und Marxismus\u201d) die Vitalit\u00e4t und Mobilisierungskraft, die die nationalen Forderungen der indigenen Bev\u00f6lkerung besitzen, als Antwort auf den Hass der wei\u00dfen Elite auf die indigenen V\u00f6lker. Der Verrat der ehemaligen Regierungspartei MAS, der die De-facto-Regierung von \u00c1\u00f1ez legitimierte, war der Schl\u00fcssel zur Niederlage des Kampfes gegen den Putsch, zu dem auch der \u00dcbergang der F\u00fchrung der Gewerkschaftszentrale COB auf die Seite des Putsches hinzukam.<\/p>\n<p>Der heroische Kampf von El Alto, die Blockade der Erd\u00f6lraffinerie von Senkata, zeigte den Kampfeswillen. Die Genoss*innen der LOR-CI, der boliivianischen Sektion der FT, nahmen im Rahmen ihrer Kr\u00e4fte daran teil und f\u00fchrten einen harten Kampf auch in den Sektoren der Arbeiter*innenbewegung, die den Putsch mit guten Augen sahen, und versuchten, zur Organisation der Jugend von El Alto beizutragen, die sich weigerte, \u201emit unseren Toten zu verhandeln\u201c. Dabei intervenieren sie mit<strong>\u00a0<\/strong><a href=\"http:\/\/www.laizquierdadiario.com.bo\/Bolivia\"><strong>La Izquierda Diario Bolivien<\/strong><\/a>, vielleicht das einzige Medium, das \u00fcber den Kampf von El Alto dauerhaft berichtete und reflektierte. Gleichzeitig fand der vollst\u00e4ndige politische Bankrott der POR statt, der historischen Partei der bolivianischen Linken, die sich den Putschist*innen anbiederte. Der derzeitige Widerstand gegen die Putschregierung, Repression und Verfolgung geht Hand in Hand mit der immer dringenderen Notwendigkeit, eine neue revolution\u00e4re Organisation in Bolivien aufzubauen.<\/p>\n<p>In Argentinien kann man seit\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/argentinien-massenhafter-widerstand-gegen-rentenreform-regierung-in-der-krise\/\"><strong>den Aufst\u00e4nden der Dezembertage 2017<\/strong><\/a>\u00a0eine Strategie der Passivierung beobachten. Das Handeln der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie und des Kirchnerismus war der Schl\u00fcssel zur Aufl\u00f6sung der Perspektive des Klassenkampfes, der es Macri erm\u00f6glichte, die Angriffe (Schulden, Abwertung, Entlassungen, Armut, Preiserh\u00f6hungen usw.) zu vertiefen.<\/p>\n<p>Dieses Erbe nimmt der neue Pr\u00e4sident Alberto Fern\u00e1ndez als Ausgangspunkt f\u00fcr seine Regierung. Er versucht ein Gleichgewicht zwischen den tiefen Tendenzen in der Region herzustellen, ohne dass die wahren Gewinner*innen der Krise (die Banken, das Gro\u00dfkapital und der Gro\u00dfgrundbesitz) zum Zahlen ihrer Schuld gerufen werden, um die Auspl\u00fcnderung des Landes wirklich zu verhindern.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich auf internationaler Ebene viele linke Organisationen an \u201eantirechte\u201c oder \u201eantineoliberale Fronten\u201c anbiedern, oder hinter irgendeinem kapitalistisches Lager herlaufen, bringt die\u00a0<em>Front der Linken \u2013 Einheit<\/em>\u00a0(Frente de Izquierda-Unidad) ein bescheidenes, aber wichtiges Beispiel, das bereits seit acht Jahren besteht, f\u00fcr das Gegenteil zum Ausdruck. Es handelt sich um ein prinzipientreues Wahlb\u00fcndnis mit einem klaren Programm der Unabh\u00e4ngigkeit der Arbeiter*iinnenklasse, des Antiimperialismus (wie z.B. die Positionierung der FIT gegen den Putsch in Venezuela) und des Kampfes f\u00fcr eine Arbeiter*innenregierung. Als B\u00fcndnis aus verschiedenen Parteien wird die FIT nat\u00fcrlich auch von Diskussionen durchkreuzt \u2013 in jenen F\u00e4llen, in denen wichtige Unterschiede entstanden sind, wie z.B. in Bezug auf den politischen Prozess in Venezuela oder Brasilien, unter anderem, sowie durch \u00f6ffentliche Differenzen \u00fcber die Praxis jeder Partei.<\/p>\n<p>Angesichts der vor uns liegenden Aufgaben wird es umso dringender, im Rahmen des neuen Zyklus des internationalen Klassenkampfes den Vorschlag, den wir aus der PTS heraus gemacht haben, mehr denn je zu verfolgen \u2013 n\u00e4mlich den Aufbau einer einheitlichen Partei der Linken, der Arbeiter*innen und Sozialist*innen, die sich klar vom Reformismus und vom \u201eAntikapitalismus\u201c im Allgemeinen abgrenzt; eine Partei f\u00fcr den Klassenkampf mit einem revolution\u00e4ren Programm und einer revolution\u00e4ren Strategie. Sie kann als Ausgangspunkt ausschlie\u00dflich den Kampf f\u00fcr den Aufbau einer Internationale der sozialistischen Revolution haben.<\/p>\n<p><strong>Netzwerk von Zeitungen und Internationalismus<\/strong><\/p>\n<p>Lenin schloss sein Pamphlet \u201eWas Tun?\u201c mit dem Ziel einer Zeitung, die \u201eregelm\u00e4\u00dfig in Zehntausenden Exemplaren \u00fcber ganz Ru\u00dfland verbreitet wird\u201c, um ein Mittel zu haben, um durch eine breite und systematische Agitation zu \u201eVolkstribunen\u201c zu werden. Als Lenin das sagte, h\u00e4tte er sich nicht vorstellen k\u00f6nnen, welche M\u00f6glichkeiten wir heute haben, Zeitungen nicht nur f\u00fcr ein ganzes Land, sondern f\u00fcr mehrere L\u00e4nder und in verschiedenen Sprachen gleichzeitig herauszugeben.<\/p>\n<p>Die neuen Technologien haben diesen Leninismus und damit auch die M\u00f6glichkeiten des Internationalismus gest\u00e4rkt. Die Entwicklung des Internets, der sozialen Netzwerke und der digitalen Plattformen \u2013 selbst mit den Hindernissen, die durch ihre kapitalistische Kontrolle und die Tyrannei der \u201eAlgorithmen\u201c auferlegt werden \u2013 stellen neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr revolution\u00e4re politische Agitation dar, f\u00fcr ihre Massivit\u00e4t, ihre Entwicklung \u201ein Echtzeit\u201c und ihren nationalen und internationalen Einsatz. Das erm\u00f6glicht es, Ideen vor den \u201eParteiapparat\u201c zu stellen, um militante Str\u00f6mungen zu entwickeln, die einen st\u00e4ndigen politischen Dialog mit Sektoren der Massen suchen.<\/p>\n<p>Mit dem Zeitungsnetz\u00a0<em>La Izquierda Diario<\/em>\u00a0\u2013 von denen mehrere Seiten Millionen oder Hunderttausende monatliche Besuche haben \u2013 versuchen wir im Rahmen unserer Kr\u00e4fte, diese \u201eleninistische\u201c Methode unter diesen neuen Bedingungen wieder aufzunehmen. Das Netzwerk verf\u00fcgt derzeit \u00fcber 12 nationale Ausgaben und 8 Sprachen (Spanisch, Katalanisch, Portugiesisch, Deutsch, Englisch, Franz\u00f6sisch, Italienisch und eine Rubrik auf T\u00fcrkisch). Dies erm\u00f6glicht es einerseits, der Praxis entgegenzuwirken, politische Agitation auf ein zeitweiliges und ausschlie\u00dflich \u201evon oben\u201c stattfindendes Ph\u00e4nomen bei Wahlen alle zwei Jahre zu reduzieren.<\/p>\n<p>Andererseits erm\u00f6glicht der internationale und t\u00e4gliche Charakter des Zeitungsnetzerks eine gemeinsame internationale Praxis, die weit \u00fcber die \u2013 in linken Sektoren sehr verbreitete \u2014 Methode der internationalen diplomatischen Vereinbarungen zwischen den Str\u00f6mungen hinausgeht, die keine wirkliche politische \u00dcbereinstimmung bei der Intervention im Klassenkampf widerspiegeln.<\/p>\n<p>Gegenw\u00e4rtig gibt es in verschiedenen L\u00e4ndern mehrere Str\u00f6mungen, die in ihrem Selbstverst\u00e4ndnis revolution\u00e4re Sozialist*innen sind, die \u00fcber Militanz, Kader, Intellektuelle und Ressourcen (auch aus parlamentarischer T\u00e4tigkeit) verf\u00fcgen, die sich durchaus vornehmen k\u00f6nnten, t\u00e4gliche Publikationen \u2013 nationale und internationale \u2013 zu entwickeln, um Millionen mit revolution\u00e4rer Agitation zu erreichen. Die Routine aus Wahlkampf und Gewerkschaftspolitik vertr\u00e4gt sich jedoch nicht damit, ebenso nicht mit dem daraus resultierenden Internationalismus, der sich nicht auf das rein Diskursive beschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Dies ist besonders akut in L\u00e4ndern wie Argentinien, wo die Linke mehr Gewicht und Verantwortung hat. Nicht zu versuchen, eigene Mittel zu entwickeln, um aus den engen Kreisen der Linken herauszukommen, vom \u201eguten Willen\u201c der Massenmedienunternehmen abh\u00e4ngig zu sein oder die Massenagitation auf eine Praxis einmal alle zwei Jahre zu beschr\u00e4nken, bedeutet letztendlich, in den krassesten Elektoralismus und Bewegungst\u00fcmlertum zu verfallen. Deshalb, wollen wir von der PTS, ausgehend von der Basis dessen, was wir mit dem Zeitungsnetzwerk erobert haben (die Radiosendung El C\u00edrculo Rojo, die Wochenendausgabe Ideas de Izquierda, die w\u00f6chentlichen Sendungen von \u201eReperfilando\u201c, der virtuelle Campus, die Entwicklungen in den verschiedenen sozialen Netzwerken, etc.), diese Initiative in der n\u00e4chsten Zeit verdoppeln und als Teil einer breiten Aktivit\u00e4t von Agitation, Propaganda und Organisation, ein starkea Multimedia-Netzwerk, sowohl national als auch international, mit unseren Genoss*innen der FT-CI, aufzubauen, um mit unseren Ideen Millionen zu erreichen.<\/p>\n<p><strong>Der Kampf f\u00fcr den Wiederaufbau der Vierten Internationale<\/strong><\/p>\n<p>In der Tradition der revolution\u00e4ren Arbeiter*innenbewegung ist der Aufbau revolution\u00e4rer Parteien auf nationaler Ebene untrennbar mit dem Internationalismus verbunden. Um die wichtigsten Schlachten des internationalen Klassenkampfes herum enstanden die Internationale Arbeiterassoziation (IAA, \u201cErste Internationale\u201d); die Zweite Internationale bis zu ihrem nationalistischen Bankrott vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914); die Dritte Internationale, die in der Hitze des Aufstiegs entstand, der 1917 zur Russischen Revolution f\u00fchrte und dann vom Stalinismus b\u00fcrokratisiert und endg\u00fcltig liquidiert wurde, als sie den Kampf gegen den Aufstieg Hitlers aufgab. Im Kampf gegen die stalinistische B\u00fcrokratie, gegen ihre Fronten der Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie, f\u00fcr die Regeneration der Macht der Sowjets und f\u00fcr die Internationalisierung der Revolution gegen die nationalistische \u201eTheorie\u201c, dass der Sozialismus \u201ein einem Land\u201c aufgebaut werden k\u00f6nnte, wurde 1938 die von Trotzki gef\u00fchrte IV. Internationale gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Der Kampf f\u00fcr eine\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/manifest-fur-eine-bewegung-fur-eine-internationale-der-sozialistischen-revolution\/\"><strong>Internationale der sozialistischen Revolution<\/strong><\/a>\u00a0heute bedeutet f\u00fcr uns, diese Fahnen aufzunehmen und die Vierte Internationale in einer Weltsituation wieder aufzubauen, die sich seitdem grundlegend ver\u00e4ndert hat. Keine der heute existierenden Organisationen, die sich revolution\u00e4r nennen, kann diese Aufgabe von historischer Tragweite alleine bew\u00e4ltigen. Sie wird notwendigerweise das Ergebnis der Fusion sein, nicht nur der linken Fl\u00fcgel der revolution\u00e4ren marxistischen Organisationen, sondern vor allem der Sektoren der Arbeiter*innen- und Jugendavantgarde, die sich in der sich versch\u00e4rfenden Krise und dem Klassenkampf an der sozialen Revolution orientieren.<\/p>\n<p>Die FT-CI hat schon immer auf diese Art von Zusammenkunft gesetzt. Zu diesem Zweck greifen wir die von Trotzki auf dem Weg zur Gr\u00fcndung der Vierten Internationale angewandte Methode wieder auf und suchen nach Vereinbarungen \u00fcber die gro\u00dfen strategischen und programmatischen Fragen, die die kapitalistische Krise und die neuen Prozesse des Klassenkampfes in die Debatte der globalen Linken auf die Tagesordnung setzt, sowie \u00fcber die Pr\u00fcfung der politischen Praxis und des Klassenkampfes.<\/p>\n<p>Wir betrachten, wie Trotzki geraten hat, nicht einfach \u201edie gro\u00dfen K\u00e4mpfe des Proletariats nur als objektive Vorg\u00e4nge, als ein Ausdruck der \u2018allgemeinen Krise des Kapitalismus\u2019\u201c, sondern \u201eals strategische Versuche des Proletariats zur Machtergreifung.\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>\u00a0Es geht gerade darum, Vereinbarungen zu erreichen, die nicht diplomatisch, nicht formal sind, sondern auf diesen Lehren beruhen und dem gemeinsamen Handeln dienen<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass diese zum Handeln dienen m\u00fcssen, ist nicht willk\u00fcrlich, sondern es gerade um die Notwendigkeit, in verschiedene K\u00e4mpfe und Situationen einzugreifen, wie wir sie beschrieben haben, ohne die es keinen praktischen Internationalismus gibt. Gleichzeitig gibt es keine revolution\u00e4re Praxis, ohne st\u00e4ndig die revolution\u00e4re Theorie zu erneuern, weshalb die theoretische Ausarbeitung eine grundlegende Rolle in der T\u00e4tigkeit der FT-CI spielt und in jeder Organisation erfolgen sollte, die den Anspruch hat, revolution\u00e4r-sozialistisch zu sein. Dies ist eine Frage, die wir in einem zuk\u00fcnftigen Artikel entwickeln werden.<\/p>\n<p>Drei\u00dfig Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer nimmt ein neues internationales Szenario Gestalt an. Die historische Krise des Kapitalismus, die R\u00fcckkehr des Nationalismus der Gro\u00dfm\u00e4chte und der Zyklus des Klassenkampfes, der die Welt durchzieht, bieten die Aussicht auf viel tiefere Konfrontationen und damit die Notwendigkeit einer revolution\u00e4ren Internationalen, die den Umst\u00e4nden entsprechend f\u00fcr eine neue sozialistische Ordnung k\u00e4mpfen muss. Der aktuelle Zyklus bietet aber auch neue und bessere Bedingungen f\u00fcr den Kampf f\u00fcr den Wiederaufbau der Vierten Internationale. Es geht darum, sie von nun an voll auszusch\u00f6pfen, bevor es zu sp\u00e4t ist.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien in einer leicht ver\u00e4nderten Fassung zuerst am 15. <\/em><em>Dezember 2019 bei\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.laizquierdadiario.com\/La-globalizacion-de-la-lucha-de-clases-y-la-utopia-del-partido-revolucionario-en-un-solo-pais\"><strong><em>Ideas de Izquierda<\/em><\/strong><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-globalisierung-des-klassenkampfes-und-die-utopie-der-revolutionaeren-partei-in-einem-land\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. Januar 2020<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Die FT-CI besteht aus: Partido de los Trabajadores Socialistas (PTS), Argentinien \/ Revolution\u00e4re Internationalistische Organisation (RIO), Deutschland \/ Movimento Revolucion\u00e1rio de Trabalhadores (MRT), Brasilien \/ Partido de Trabajadores Revolucionario (PTR), Chile \/ Movimiento de los Trabajadores Socialistas (MTS), Mexiko \/ Liga Obrera Revolucionaria (LOR-CI), Bolivien \/ Corriente Revolucionaria de las y los Trabajadores (CRT), Spanischer Staat \/ Courant Communiste R\u00e9volutionnaire (CCR), Teil der NPA (Nouveau Parti Anticapitaliste), Frankreich \/ Genoss*innen von Left Voce, USA \/ Liga de Trabajadores por el Socialismo (LTS), Venezuela \/ Corriente de Trabajadores Socialistas (CTS), Uruguay. Und als sympathisierende Organisationen: Frazione Internazionalista Rivoluzionaria (FIR), Italien \/ Corriente Socialistas de las y los Trabajadores (CST), Peru \/ Organizaci\u00f3n Socialista, Costa Rica.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Europa wird neben Frankreich von der Reaktivierung des massiven Unabh\u00e4ngigkeitskampfes in Katalonien gegen das reaktion\u00e4re spanische monarchische Regime durchzogen, in das unsere Genoss*innen der Str\u00f6mung Revolution\u00e4rer Arbeiter*innen (CRT) sowohl in Katalonien selbst als auch in Madrid, Saragossa, Vigo, Burgos und anderen St\u00e4dten intervenieren, wie es in\u00a0<a href=\"http:\/\/www.izquierdadiario.es\/ES\"><strong>Izquierdadiario.es<\/strong><\/a>\u00a0sowie in der katalanischen Ausgabe\u00a0<a href=\"http:\/\/www.esquerradiari.cat\/\"><strong>Esquerra Diari<\/strong><\/a>\u00a0zu lesen ist. Und andererseits gibt es rechtsgerichtete Ph\u00e4nomene, wie wir mit dem durchschlagenden Wahlsieg von Boris Johnson erlebt haben. Oder in Deutschland, wo die Revolution\u00e4re Internationalistische Organisation (RIO) der FT-CI in einer Situation interveniert, die durch die St\u00e4rkung der extremen Rechten von AfD (Alternative f\u00fcr Deutschland) gekennzeichnet ist.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> \u201cGelbe Westen. Der Aufstand (als der Thron taumelte).\u201d<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Der Frente Amplio (FA) ist eine Anfang 2017 gegr\u00fcndete chilenische politische Koalition, die sich aus linken und Mitte-Links- und Linksau\u00dfen-Parteien und \u2011Bewegungen zusammensetzt. Ihr erster Wahlkampf war die chilenische Parlamentswahl 2017, bei der ihre Pr\u00e4sidentschaftskandidatin Beatriz S\u00e1nchez im ersten Wahlgang mit 20% der Stimmen den dritten Platz belegte (sie verpasste die Stichwahl im zweiten Wahlgang nur um 3%). Auch die FA erweiterte ihre Wahlvertretung auf 20 Abgeordnete (von 155), 1 Senatorin (von 43) und 21 von 278 Regionalr\u00e4ten und festigte damit die Bewegung als \u201cdritte Kraft\u201d in der chilenischen Politik.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vor kurzem wurde eine wichtige Vertretung im Delegiertengremium der Gewerkschaft der Arbeiter*innen der Universit\u00e4t von S\u00e3o Paulo ratifiziert und die akademischen Zentren f\u00fcr Literatur und Bildung dieser Universit\u00e4t f\u00fcr diesen Kampf gewonnen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Leo Trotzki: Die Internationale Revolution und die Kommunistische Internationale.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/deutsch\/archiv\/trotzki\/1928\/kritik\/teil2a.htm#s3\"><strong>Zweiter Teil: Die Strategie und Taktik in der imperialistischen Epoche<\/strong><\/a>. 1928.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Mit dieser Logik sind wir in den letzten Jahren mit der italienischen Gruppe FIR, deren K\u00e4mpfer*innen aus der Jugend der PCL kommen, sowie mit der CST von Peru und der Sozialistischen Organisation von Costa Rica zusammengekommen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matias Maiello. In vorherigen Artikeln haben wir im Rahmen der aktuellen Prozesse die Beziehung zwischen Revolte und Revolution aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet. Im vorliegenden Artikel werden wir uns dem Verh\u00e4ltnis zwischen<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[25,10,26,18,45,22,4],"class_list":["post-6763","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-arbeiterbewegung","tag-breite-parteien","tag-gewerkschaften","tag-imperialismus","tag-neoliberalismus","tag-politische-oekonomie","tag-strategie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6763","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6763"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6763\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6765,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6763\/revisions\/6765"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}