{"id":680,"date":"2015-08-29T11:11:46","date_gmt":"2015-08-29T09:11:46","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=680"},"modified":"2015-08-29T11:11:46","modified_gmt":"2015-08-29T09:11:46","slug":"einkreisung-und-eskalation-mit-neuen-nato-stuetzpunkten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=680","title":{"rendered":"Einkreisung und Eskalation mit neuen NATO-St\u00fctzpunkten"},"content":{"rendered":"<p><em>Reinhard Lauterbach. <\/em>Was regt ihr euch auf, werden NATO-Parteig\u00e4nger sagen. Kleine Kern-Hauptquartiere in den drei baltischen Staaten, Polen, Rum\u00e4nien und Bulgarien, jedes mit 40 Mann Besatzung? Und das soll eine Bedrohung Russlands sein?<!--more--> Und ein NATO-\u00dcbungsgel\u00e4nde in Georgien? Ist doch nur ein \u00dcbungsplatz, der kann doch nicht fliegen.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich wird die NATO nicht mit 120 Stabsoffizieren eine Offensive auf St. Petersburg starten. Dazu sind dann doch realere Kr\u00e4fte erforderlich. Kr\u00e4fte, wie sie die NATO im Rahmen ihrer \u00bbSpeerspitze\u00ab genannten superschnellen Eingreiftruppe gerade aufstellt und in Permanenz in Osteuropa \u00fcben l\u00e4sst. Die sollen in 48 Stunden nach \u00bbvorn\u00ab verlegt werden k\u00f6nnen \u2013 offiziell nat\u00fcrlich nur, wenn Russland sich einfallen lassen sollte, im Baltikum einzufallen. Nur: Die Soldaten der \u00bbSpeerspitze\u00ab sind durch die Man\u00f6ver praktisch st\u00e4ndig da, auch ohne dass Russland die Balten angegriffen h\u00e4tte. Damit dreht sich das Bedrohungsszenario um.<\/p>\n<p>Sicherheitspolitik handelt davon, Potentiale einzusch\u00e4tzen, und erst in zweiter Linie ge\u00e4u\u00dferte Absichten. Die k\u00f6nnen sich \u00e4ndern oder auch einfach gelogen sein. Die Vorwarnzeiten f\u00fcr einen konventionellen Krieg in Osteuropa werden um ein Vielfaches k\u00fcrzer, wenn der observierbare Transport der schweren Waffen \u00fcber den Atlantik oder aus deutschen Kasernen nicht mehr erforderlich ist, weil das Kriegsger\u00e4t schon da steht, wo es potentiell eingesetzt werden soll. \u00dcberraschungsangriffe werden technisch leichter m\u00f6glich, wenn der politische Wille dazu besteht. Und umgekehrt: Vorhandene Mittel befl\u00fcgeln den politischen Willen, wenn das materielle Tr\u00e4gheitsmoment der Logistik entf\u00e4llt.<\/p>\n<p>Daneben haben die frontnahen NATO-Objekte ein eingebautes Eskalationsmoment: Sollte es zu einem milit\u00e4rischen Konflikt kommen, und eine Granate schl\u00e4gt auf dem georgischen NATO-\u00dcbungsplatz ein \u2013 sie muss ja gar nicht aus Russland kommen, es soll ja auch Provokationen geben \u2013, ist die Wahrscheinlichkeit gr\u00f6\u00dfer, dass auch gerade anwesende NATO-Soldaten getroffen werden. Nat\u00fcrlich dient dies alles offiziell der Abschreckung. Man kann aber auch sagen: Die NATO bereitet sich den Casus Belli selbst vor. Undenkbar? Der \u00bbTonkin-Zwischenfall\u00ab von 1964, der Auftakt zum Vietnamkrieg, war eine solche Provokation der USA.<\/p>\n<p>Noch eine andere Ank\u00fcndigung kam dieser Tage aus Washington: Die USA erw\u00f6gen, Kampfflugzeuge vom Typ F-22 in Osteuropa zu stationieren. Diese Flugzeuge haben Tarnkappeneigenschaften. Indem der Gegner sie auf seinem Radar nicht sieht, sind sie klassische Angriffswaffen. Die NATO schafft sich durch ihre Stationierung in Europa das Potential f\u00fcr einen \u00dcberraschungsangriff. Will sie Russland zum Pr\u00e4ventivschlag provozieren? Der amerikanische Thinktank Stratfor schrieb k\u00fcrzlich, mittelfristig schwinde der heutige Vorsprung der USA beim Ausbildungsstand des Milit\u00e4rs. Russland und China h\u00e4tten ihre milit\u00e4rische Leistungskraft zuletzt deutlich erh\u00f6ht. \u00c4hnliche Vorstellungen \u00fcber die schwindende eigene \u00dcberlegenheit haben vor 1914 bei der deutschen Milit\u00e4rf\u00fchrung den Gedanken an einen Pr\u00e4ventivschlag popul\u00e4r gemacht.<\/p>\n<p><em>Quelle: Junge Welt vom 29. August 2015<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Reinhard Lauterbach. Was regt ihr euch auf, werden NATO-Parteig\u00e4nger sagen. Kleine Kern-Hauptquartiere in den drei baltischen Staaten, Polen, Rum\u00e4nien und Bulgarien, jedes mit 40 Mann Besatzung? 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