{"id":6803,"date":"2020-01-10T11:09:09","date_gmt":"2020-01-10T09:09:09","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6803"},"modified":"2020-01-10T11:09:10","modified_gmt":"2020-01-10T09:09:10","slug":"frankreich-erneut-anschwellende-kampfbereitschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6803","title":{"rendered":"Frankreich: Erneut anschwellende Kampfbereitschaft?"},"content":{"rendered":"<p><em>Bernard Schmid.<\/em> <strong>Echter Mobilisierungserfolg beim ersten gewerkschaftlichen Aktionstag im Jahr 2020 am gestrigen 09. Januar\u2026 den die b\u00fcrgerlichen Leitmedien jedoch wegzuwischen suchen * Weitere folgen am Samstag, den 11. Januar und<!--more--> Dienstag, den 14. Januar mit noch n\u00e4her zu definierenden Aktionsterminen auch am 15. und 16. Januar (lt. gestrigem Beschluss des Aktionsb\u00fcndnisses mehrerer Gewerkschaften: <em>intersyndicale<\/em>).<\/strong><\/p>\n<p>Der Verfasser dieser Zeilen ist nicht daf\u00fcr bekannt, dass er es unterst\u00fctzen w\u00fcrde, wenn Leute in propagandistischer Absicht (und triumphalistischem Tonfall) Zahlen und Fakten zurechtl\u00fcgen oder gar Misserfolge bzw. Niederlagen in Erfolge umzuschreiben versuchen. Der Verfasser dieser Zeilen ist wohl auch nicht f\u00fcr einen leichtfertigen Umgang mit Begriffen bekannt; er warnte etwa stets davor, in der Berichterstattung einen \u201eGeneralstreik\u201c anzuk\u00fcndigen, dort, wo real keiner ist (es aber einen br\u00e4uchte!).<\/p>\n<p>Kurz: Es ist nicht von leichter Hand locker heruntergeschrieben, wenn der Verfasser dieser Zeilen behauptet, der erste Aktionstag der franz\u00f6sischen Gewerkschaften im neuen Jahr 2020 &#8211; am gestrigen Dienstag, 09. Januar 20 \u2013 sei ein realer Mobilisierungserfolg. So war es tats\u00e4chlich. Es ist ebenfalls wohl nicht politischem Wunschdenken und propagandistischer Absicht geschuldet, wenn der Autor feststellt, dass ma\u00dfgebliche b\u00fcrgerliche Medien <strong><u>l\u00fcgen<\/u><\/strong>, wenn sie seit gestern Abend bereits behaupten, die Mobilisierung ginge gegen\u00fcber Dezember 2019 zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Im Hinblick auf die Hauptstadt Paris, wo der Autor zu einer \u00dcberpr\u00fcfung anhand der beobachtbaren Realit\u00e4t in der Lage ist, sehen die Dinge so aus: Der Demonstrationszug von der <strong><em>place de la R\u00e9publique<\/em><\/strong> \u00fcber die <strong><em>gare du Nord<\/em><\/strong> den Nordbahnhof) bis in den Bereich der <strong><em>gare Saint-Lazaire<\/em><\/strong> (eines anderen Bahnhofs im Nordwesten von Paris) ben\u00f6tigte an der Ecke boulevard Maganta \/ rue Lafayette, wo er in Richtung Westen umbog, ziemlich genau zwei Stunden und 45 Minuten zum Vorbeiziehen. Es begann an jener Ecke um 15 Uhr und endete um 17.45 Uhr, als die Nacht bereits hereinbrach. Auf einer Stra\u00dfenbreite liefen meist circa drei\u00dfig Menschen nebeneinander her, im Rhythmus von 25 bis 30 Reihen pro Minute. Dabei gab es d\u00fcnnere Stellen, vor allem in hinteren Teil des Demonstrationszugs, jedoch auch kompaktere Momente (in denen Menschen auf beiden Trottoirs am Protestzug vorbeigingen oder auf Fahrr\u00e4dern neben ihm herfuhren).<\/p>\n<p>2 Stunden und 45 Minuten, das sind 165 Minuten. Rechnet man auf einer Basis von drei\u00dfig mal drei\u00dfig vorbeiziehenden Menschen pro Minute, dann k\u00e4me man also auf eine Gesamtzahl von \u201e148.500\u201c. Aufgrund notwendiger Vorsicht bei der Berechnung muss man davon ausgehen, dass man 20 bis 25 Prozent abziehen k\u00f6nnte, weil die Demonstration nicht immer gleich dicht war und gleich schnell voranging. In jedem Falle kommt man einer realen (nicht propagandistischen) Zahl von \u00fcber 100.000 heraus \u2013 in Bezug auf Paris, nicht auf ganz Frankreich, wo in insgesamt 216 St\u00e4dten unterschiedlicher Gr\u00f6\u00dfe demonstriert wurde.<\/p>\n<p>Es kann demzufolge mathematisch nicht stimmen, wenn gleich am fr\u00fchen Abend \u2013 p\u00fcnktlich zum Abschluss der Demonstration \u2013 \u00f6ffentlich behauptet, geschrieben und ausgestrahlt wurde, es seien \u201e44.000\u201c Teilnehmer\/innen in Paris gewesen und die Mobilisierung gehe erkennbar zur\u00fcck. Diese Angabe stammt von dem redaktions\u00fcbergreifend mit dem Z\u00e4hlung f\u00fcr mehrere Medien beauftragten Beraterb\u00fcro <strong><em>Occurrence<\/em><\/strong>, das seit nunmehr drei Jahren ( vgl. <a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Occurrence_(cabinet_d%27%C3%A9tudes_et_de_conseil)\">wikipedia.org&#8230;<\/a> ) \u2013 konkret seit 2017 und den massiven Protesten gegen die damalige zweite Stufe der Arbeitsrechts\u201ereform\u201c von 2016\/17 \u2013 in dieser Sache aktiv ist. Es wird t\u00e4tig, um, so wird behauptet, \u201eunabh\u00e4ngige Zahlen\u201c zur Demonstrationsbeteiligung f\u00fcr die Medien zu liefern. Diese liegen, so wird erwartet, dann zwischen oft zu niedrig angesetzten Polizeizahlen und zu hoch angesetzten Veranstalterangaben (dieses traditionelle Spiel zwischen Innenministerium und Veranstalter\/inne\/n ist altbekannt und existiert tats\u00e4chlich). Allerdings sind bereits seit 2017 die zumindest politischen Verbindungen zwischen diesem Beraterb\u00fcro und der Regierungspartei LREM (<strong><em>La R\u00e9publique en marche<\/em><\/strong>) in der Debatte; vgl. <a href=\"https:\/\/www.francetvinfo.fr\/replay-radio\/le-vrai-du-faux\/comptage-des-manifestants-le-cabinet-occurrence-est-il-lie-a-lrem_3648743.html\">francetvinfo.fr&#8230;<\/a><\/p>\n<p>In der j\u00fcngeren Vergangenheit lieferte <strong><em>Occurrence<\/em><\/strong> oft Zahlen, die tats\u00e4chlich irgendwo zwischen Veranstalter\/innen- und innenministeriellen Angaben liegen.<\/p>\n<p>Nun ist im augenblicklichen Zeitpunkt jedoch bemerkenswert, dass die Angaben dieses angeblich unabh\u00e4ngigen Beobachters im Auftrag der Medien derzeit sogar noch <strong><u>unterhalb<\/u><\/strong> von jenen der Pariser Polizeipr\u00e4fektur (also der Beh\u00f6rde, die die Einsatzleitung innehat) liegen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Am gestrigen Donnerstag, den 09. Januar 20 schrieb das franz\u00f6sische Innenministerium n\u00e4mlich von <strong><em>\u201e56.000\u201c<\/em><\/strong> Demonstrierenden in Paris. <strong><em>Occurrence <\/em><\/strong>behauptete, es seien <strong><em>\u201e44.000\u201c<\/em><\/strong> gewesen. Diese Zahl schrie einen dann auch bereits am fr\u00fchen Abend von den Fernsehbildschirmen, wo vielerorts der Rund-Um-die-Uhr-Sender <strong><em>BFM TV<\/em><\/strong> eingeschaltet war (das \u201eB\u201c steht f\u00fcr <strong><em>business<\/em><\/strong>, es handelte sich urspr\u00fcnglich um einen Fernsehkanal zu Wirtschaftsthemen und erst sp\u00e4ter zur Allgemeinberichterstattung; er l\u00e4uft in vielen Caf\u00e9s und Gastst\u00e4tten \u00fcber die Bildschirme), entgegen. Vgl. <a href=\"https:\/\/www.bfmtv.com\/societe\/direct-greve-du-9-janvier-reforme-des-retraites-manifestations-paris-lyon-marseille-trafic-sncf-ratp-metro-rer-tgv\/\">bfmtv.com&#8230;<\/a><\/p>\n<p>Bei dem Sender wurde dann auch beharrlich wiederholt, die Mobilisierung sei<strong><em> \u201er\u00fcckl\u00e4ufig\u201c (en baisse)<\/em><\/strong> gegen\u00fcber Dezember 19. Beim Informationsportal Orange.fr \u2013 einem vielgenutzten Internetportal, das Orange, also der privatisierten franz\u00f6sischen Telekom, und damit einem der wichtigsten Anbieter von Internetzugang in Frankreich geh\u00f6rt \u2013 machte die Startseite dann am fr\u00fchen Abend ebenfalls mit der Information <strong><em>\u201eMobilisierung \u00fcberall im R\u00fcckgang\u201c<\/em><\/strong> auf. Klickte man dann dazugeh\u00f6rigen Artikel an, dann trug dieser bereits eine andere, neutralere \u00dcberschrift (<strong><em>\u201eHunderttausende gehen f\u00fcr den R\u00fcckzug der Reform auf die Stra\u00dfe\u201c; <\/em><\/strong>vgl. <a href=\"https:\/\/finance.orange.fr\/actualite-eco\/article\/retraites-des-centaines-de-milliers-de-personnes-dans-la-rue-pour-le-retrait-de-la-reforme-CNT000001mINQ5\/photos\/manifestation-contre-la-reforme-des-retraites-a-paris-le-9-janvier-2020-9d6dcc5183ce66b9e75c5f2377ede519.html\">orange.fr&#8230;<\/a> ), und der Inhalt selbst war erheblich ausgewogener. Doch f\u00fcr ein eiliges Publikum unserer Zeit, das nicht in der Tiefe liest, sondern blo\u00df anklickt, d\u00fcrfte es wohl erheblich auf die \u00dcberschrift ankommen, gelle?<\/p>\n<p>Am Abend sprach die CGT \u2013 die erst zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt mit eigenen Zahlen herauskam \u2013 ihrerseits von <strong><em>\u201e370.000\u201c<\/em><\/strong>; was wohl auch eine politische Zahl ist, die herausgegeben wurde, um oberhalb ihrer eigenen Angabe vom letzten zentralen Aktionstag am 17.12.19 (damals <strong><em>\u201e350.000\u201c<\/em><\/strong>; vgl. <a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/politik-frankreich\/frankreich-im-kampf-gegen-rentenpolitik-bis-weihnachten-und-darueber-hinaus\/\">labournet.de&#8230;<\/a> ) zu liegen. Aber auch der Autor geht davon aus, dass in realen \u2013 nicht politisch behandelten \u2013 Zahlen die Mobilisierung in Paris am gestrigen 09. Januar 20 <strong><u>real etwas gr\u00f6\u00dfer<\/u><\/strong> ausfiel als die letzte vergleichbare vom 17. Dezember 19. Damals ben\u00f6tigte der Protestzug ziemlich genau zwei Stunden zum Vorbeiziehen; die Stra\u00dfe (damals: der Boulevard zwischen <strong><em>place de la R\u00e9publique<\/em><\/strong> und <strong><em>place de la Bastille<\/em><\/strong>) war jedoch noch einmal breiter als die gestern benutzte, der Demonstrationsfluss allerdings auch zeitweilig stockender. Die reale Gr\u00f6\u00dfenordnung der Pariser Demonstration vom gestrigen Tag (09.01.20) d\u00fcrfte bei rund 125.000 liegen und knapp oberhalb jener vom 17.12.2019. Frankreichweit d\u00fcrfte die Mobilisierung insgesamt bei rund einer Million, reale Zahl, liegen.<\/p>\n<p>Seinerseits behauptete das Innenministerium, in ganz Frankreich sei am gestrigen Tag <strong><em>\u201e452.000\u201c<\/em><\/strong> Menschen gleichzeitig (in 216 St\u00e4dten und Orten) auf die Stra\u00dfe gegangen; am 17. Dezember 19 hatte dieselbe Quelle von insgesamt <strong><em>\u201e615.000\u201c<\/em><\/strong> gesprochen. Die CGT ihrerseits sprach im Laufe des Abends von <strong><em>\u201e1,7 Millionen\u201c<\/em><\/strong> Menschen auf Demonstrationen in ganz Frankreich; am Abend des 17.12.19 hatte der Gewerkschaftsdachverband von 1,8 Millionen gesprochen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"512\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Paris-1024x512.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6804\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Paris.jpg 1024w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Paris-300x150.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Paris-768x384.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Gestern in Paris. Quelle:  <a href=\"https:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/Apres-le-9-janvier-pas-de-negociations-a-Matignon-L-urgence-est-de-generaliser-la-greve\">revolutionpermanente.fr&#8230;<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Unter dem Strich d\u00fcrfen wir festhalten: Auch am 36. Streiktag, der mit der (zum Gro\u00dfteil unbefristeten) Arbeitsniederlegung von relevanten Teilen des Personals v.a. in den Transportbetrieben SNCF und RATP sowie in Teilen des Schuldiensts und bei Teilen des Raffineriepersonals \u2013 jedoch nicht oder nur unzureichend in anderen Branchen \u2013 einhergeht, bleibt die Mobilisierung m\u00e4chtig. Nach dem unvermeidbaren Einschnitt durch die Feiertagsperiode zwischen Weihnachten 19 und Neujahr 20 darf und muss man dies als neuen Schwung bezeichnen. Jedenfalls in Paris ist die Demonstrationsbeteiligung definitiv nicht r\u00fcckl\u00e4ufig. Das streikgegnerische Lager, das sich in Teilen der franz\u00f6sischen Gesellschaft nun deutlicher zu Wort melden (auf der einen Seite die ohnehin gegen Streik eingestellten Milieus, auf der anderen Seite nun auch vermehrt streik- respektive transportm\u00fcde Lohnabh\u00e4ngige), hat sich jedoch zur propagandistischen Volloffensive formiert. <\/strong><\/p>\n<p>Es versucht nun, mit allen Mitteln den Eindruck zu vermitteln, es gehe mit der Mobilisierung nur noch bergab. Und da Macron &amp; Co. ohnehin nicht nachgeben w\u00fcrden, k\u00f6nne man sich auf Seiten der Streikenden nur entmutigen. Eine solche Botschaft verf\u00e4ngt jedenfalls auf Seiten der Streikenden und ihrer Unterst\u00fctzer\/innen bislang nicht; Teile der Gesellschaft werden durchaus von ihr beeinflusst.<\/p>\n<p>Da auch ihnen klar ist, dass in gewisser Weise nun die Devise <strong><em>\u201eJetzt oder nie!\u201c<\/em><\/strong> gilt, haben die den Protest organisierenden Verb\u00e4nde (d.h. insbesondere der historisch \u00e4lteste Gewerkschaftsdachverband CGT, der drittst\u00e4rkste Gewerkschaftsdachverband Force Ouvri\u00e8re\/FO, der Zusammenschluss linker Basisgewerkschaften vom Typ SUD \u2013 die <strong><em>Union syndicale Solidaires <\/em><\/strong>\u2013 sowie die Bildungsgewerkschaften-Vereinigung FSU und mehrere Jugend- sowie Studierendenverb\u00e4nde) im Rahmen ihres Aktionsb\u00fcndnisses <strong><em>intersyndicale <\/em><\/strong>bereits neue Termine beschlossen.<\/p>\n<p>Einen Aktionstag am Samstag, den 11. Januar 20 \u2013 welcher auch Nichtstreikenden eine leichtere Teilnahme erm\u00f6glichen soll \u2013 hatten dieselben Organisationen ohnehin bereits zuvor beschlossen. Neu kommt seit dem gestrigen Abend hinzu, dass auch bereits f\u00fcr einen weiteren zentralen Aktionstag am Dienstag, den 14. Januar 20 aufgerufen wird sowie zu weiteren Aktionen <strong><em>\u201ein allen Formen\u201c<\/em><\/strong> am Mittwoch, den 15. und Donnerstag, den 16. Januar 20. Vgl. den Beschluss bzw. Aufruf der <strong><em>intersyndicale<\/em><\/strong> dazu: <a href=\"https:\/\/solidaires.org\/36-jours-sans-treve-on-continue\">solidaires.org&#8230;<\/a> Sowie eine eigene Erkl\u00e4rung dieses Verbands: <a href=\"https:\/\/solidaires.org\/La-greve-du-9-janvier-est-un-succes-la-determination-ne-faiblit-pas\">solidaires.org&#8230;<\/a> Und eine Stellungnahme der CGT: <a href=\"https:\/\/www.cgt.fr\/actualites\/france\/retraite\/mobilisation\/9-janvier-2020-une-mobilisation-historique\">cgt.fr&#8230;<\/a><\/p>\n<p>Ansonsten\u00a0im \u00dcberblick:<\/p>\n<ul>\n<li>Inzwischen befinden sich \u00fcber zwei Millionen Euro in der derzeit \u201eprominentesten\u201c, aus Spendengeldern gef\u00fcllten Streikkasse, jener der CGT; insgesamt befinden sich 2,5 Millionen in Spendenkassen f\u00fcr die Streikenden. <a href=\"https:\/\/www.lemonde.fr\/politique\/article\/2020\/01\/09\/retraites-la-principale-caisse-de-greve-a-recolte-plus-de-deux-millions-d-euros_6025307_823448.html\">lemonde.fr&#8230;<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.bastamag.net\/Caisse-de-greve-cheminots-RATP-raffinerie-CGT-Solidaires-CFDT-Unsa-Force-ouvriere\">bastamag.net&#8230;<\/a> Ihrerseits haben Gewerkschaften aus dem Nachbarland Belgien eine finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Streik in Frankreich angek\u00fcndigt; vgl. : <a href=\"https:\/\/www.rtbf.be\/info\/belgique\/detail_plusieurs-syndicats-belges-soutiendront-financierement-les-greves-en-france?id=10401236\">rtbf.be&#8230;<\/a><\/li>\n<li>Es gab heftige Polizei\u00fcbergriffe am Rande der Pariser Demonstration, bei der die \u201eOrdnungskr\u00e4fte\u201c (f<strong><em>orces de l\u2019ordre<\/em><\/strong>) im vorderen Teil von Anfang an provozierend Spalier liefen (wobei auch die Glasbruchfraktion in der N\u00e4he des Saint Lazare-Bahnhofs aktiv wurde, jedoch nur in geringf\u00fcgigem Umfang). Darauf wird in K\u00fcrze noch n\u00e4her einzugehen sein. Vgl. dazu bereits an dieser Stelle hier: <a href=\"https:\/\/www.revolutionpermanente.fr\/VIDEO-A-Paris-violences-policieres-inouies-contre-des-manifestants-qui-tente-de-venir-en-aide-aux\">fr&#8230;<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/MTGphotographe\/status\/1215303543940317188\">twitter.com&#8230;<\/a> oder <a href=\"https:\/\/twitter.com\/laurentbigotfr\/status\/1215291064065712128\">twitter.com&#8230;<\/a> Sowie zu Polizeigewalt in Rouen: <a href=\"https:\/\/www.20minutes.fr\/societe\/2691235-20200109-oui-manifestant-bien-matraque-tete-police-jeudi-rouen\">20minutes.fr&#8230;<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.ouest-france.fr\/economie\/greve\/rouen-deux-manifestants-blesses-l-intersyndicale-denonce-des-violences-policieres-6682800\">ouest-france.fr&#8230;<\/a><\/li>\n<li>Zum Abschluss der Demo gab\u2019s noch einen kleinen Stromausfall auf der zentral gelegenen<strong><em> place de la R\u00e9publique<\/em><\/strong>, ausgel\u00f6st durch Streikende beim Energieversorgungsunternehmen EDF\u00a0: <a href=\"https:\/\/twitter.com\/AudeDeraedt\/status\/1215309571381657601\">com&#8230;<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Ausblick:<\/strong><\/p>\n<p>Auf diese Weise nun das Tempo zu beschleunigen, d\u00fcrfte auch wirklich das einzige probate Mittel sein, nun die wirkliche Kraftprobe zu suchen und die Protestdynamik nicht verpuffen oder sich verzetteln zu lassen. Dies bedeutet aber auch, dass sich m\u00f6glicherweise innerhalb einiger Tage \u2013 jedenfalls von ein bis anderthalb Wochen &#8211; erweisen wird, ob der Atem ausreicht, um die Kraftprobe zu gewinnen. Zwar ist auch an die Perspektive einer etwas l\u00e4nger schwelenden sozialen Krise zu denken (diese wird auch in TV-Debatten immer wieder beschworen). Allerdings er\u00f6ffnet die Festlegung solcher zeitlich nahe beinahe liegender Aktionstags-Termine nun tats\u00e4chlich einen Abschnitt der expliziten, auf einen k\u00fcrzeren Zeitraum gebrachten Kraftprobe.<\/p>\n<p>Verhandlungen zwischen Regierung und Sozial\u201epartnern\u201c, zwischen Verb\u00e4nden getrennt, werden nun am heutigen Freitag, den 10.01.19 fortgef\u00fchrt; zwischen Regierungslager und rechtssozialdemokratisch gef\u00fchrter CFDT bleibt die Abschaffung eines fixierten Eintrittsalters (64) im Gespr\u00e4ch. Es w\u00e4re ein eher symbolpolitisches Zugest\u00e4ndnis und w\u00fcrde am Rest der \u201eReform\u201c nichts Wesentliches \u00e4ndern, sofern es zugleich bei der erforderlichen Zahl von Beitragsjahren bleibt: derzeit mindestens 41,5, k\u00fcnftig 43 (diese Anhebung wurde bereits durch die Renten\u201ereform\u201c von \u201eSozial\u201cministerin Marisol Touraine unter Pr\u00e4sident Fran\u00e7ois Hollande 2013\/14 festgelegt). Wer weniger als diese Mindestzahl von Beitragsjahren zusammen hat, kann ohnehin nur mit Strafabz\u00fcgen in Rente gehen.<\/p>\n<p>Am gestrigen Tag betonte zwar Emmanuel Macrons Haushaltsminister G\u00e9rald Darmanin noch einmal, die Regierung halte gerade auch an diesem Eintrittsalter 64 fest (vgl. <a href=\"https:\/\/actu.orange.fr\/politique\/reforme-des-retraites-le-gouvernement-continue-de-penser-que-l-age-pivot-est-une-mesure-juste-et-efficace-assure-gerald-darmanin-magic-CNT000001mJ6Vw.html\">orange.fr&#8230;<\/a> ); w\u00e4hrend die CFDT-Spitze ihrerseits just zu dieser Frage polarisiert (vgl. <a href=\"https:\/\/finance.orange.fr\/actualite-eco\/article\/retraites-si-l-age-pivot-reste-dans-la-loi-c-est-non-affirme-berger-CNT000001mIW3Y.html\">orange.fr&#8230;<\/a>). Und zugleich indirekt aber deutlich signalisiert, dass sie quasi alle anderen Aspekte der Reform\u201epl\u00e4ne\u201c schlucken w\u00fcrde\u2026<\/p>\n<p>Eine Reihe von Beobachter\/inne\/n \u2013 viele kritische gewerkschaftliche Stimmen, aber auch die demagogische \u201eUnterst\u00fctzerin\u201c Marine Le Pen (vgl. zu ihrer Position: <a href=\"https:\/\/www.rtl.fr\/actu\/politique\/retraites-l-age-pivot-est-une-vaste-manipulation-selon-marine-le-pen-7799852125\">rtl.fr&#8230;<\/a> und <a href=\"https:\/\/actu.orange.fr\/politique\/retraites-marine-le-pen-salue-une-forte-mobilisation-contre-la-reforme-CNT000001mIPak.html\">orange.fr&#8230;<\/a> ) unterstreichen gleichzeitig, dass es sich um eine eingeplante Verhandlungsmasse handle. Auf welche die Regierung irgendwann verzichten werde. Die Frage, die sich nun stellt, ist die, ob die Regierung dazu einen Kompromiss (unter Opferung von Verhandlungsmasse) mit der CFDT anstrebt \u2013 oder Thatcher-\u00e4hnlich durchregieren m\u00f6chte, also auch ohne R\u00fccksichtnahme auf die CFDT. Aufl\u00f6sung in K\u00fcrze\u2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernard Schmid. Echter Mobilisierungserfolg beim ersten gewerkschaftlichen Aktionstag im Jahr 2020 am gestrigen 09. Januar\u2026 den die b\u00fcrgerlichen Leitmedien jedoch wegzuwischen suchen * Weitere folgen am Samstag, den 11. 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