{"id":6819,"date":"2020-01-11T10:38:26","date_gmt":"2020-01-11T08:38:26","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6819"},"modified":"2020-01-11T10:38:27","modified_gmt":"2020-01-11T08:38:27","slug":"australien-verbrannte-erde-ein-kontinent-in-aufruhr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6819","title":{"rendered":"Australien: Verbrannte Erde &#8211; ein Kontinent in Aufruhr"},"content":{"rendered":"<p><em>Susanne Aigner. <\/em><strong>Nicht nur D\u00fcrre, hei\u00dfe Temperaturen und starke Winde sind schuld an der Feuerkatastrophe in Australien. Auch der jahrzehntelange Raubbau an der Natur l\u00e4sst das Land austrocknen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die Buschbr\u00e4nde in Australien sind eine Katastrophe (<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/news\/Australien-in-Flammen-Suendenboecke-4631560.html\">Australien in Flammen: S\u00fcndenb\u00f6cke<\/a>). Feuertornados rei\u00dfen in einem gewaltigen Sog alles in die Flammen. Um anr\u00fcckenden Flammen die Nahrung zu nehmen, setzen Feuerwehrleute die verdorrte Vegetation gleich\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lifehacker.com.au\/2020\/01\/hazard-reduction-vs-back-burning-whats-the-difference\">selbst in Brand<\/a>.<\/p>\n<p>Der Rauch beeintr\u00e4chtigt nicht nur die Atemluft in den australischen St\u00e4dten und Gemeinden, er zieht auch Tausende Kilometer hinaus auf den Pazifik. Mittlerweile umkreist er den\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/australien-feuer-155.html\">gesamten Planeten<\/a>. Zudem vergiften chemische R\u00fcckst\u00e4nde aus verbrannten Kunststoffen und Kohlenmonoxid die Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p>Seit Beginn der Br\u00e4nde im Oktober 2019 kamen bis Anfang Januar 2020 landesweit 25 Menschen ums Leben. Die Br\u00e4nde zerst\u00f6rten Tausende H\u00e4user und mehr als 10,3 Millionen Hektar Land &#8211; eine Fl\u00e4che von der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/australien-katastrophenalarm-101.html\">Gr\u00f6\u00dfe Bulgariens<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Niederschlagsmenge deutlich verringert<\/strong><\/p>\n<p>Extremtemperaturen einhergehend mit Trockenheit &#8211; dieses Wetterph\u00e4nomen ist den Meteorologen seit Jahrzehnten bekannt. Die Niederschlagsmenge habe sich w\u00e4hrend der letzten hundert Jahre im S\u00fcden und im S\u00fcdwesten des Landes deutlich verringert, erkl\u00e4rt\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/australien-waldbraende-klimawandel-interview-1.4689379\">Katrin Meissner im Interview<\/a>. Ein \u00e4hnlicher Trend sei in den letzten 30 Jahren im Osten zu erkennen.<\/p>\n<p>Die Waldbrandsaison werde k\u00fcnftig im Fr\u00fchling beginnen und insgesamt l\u00e4nger dauern. Inzwischen erzeugen die Feuer ihr eigenes Wetter, indem sie so genannte Pyrocumulwolken bilden, die Gewitter verursachen und durch einschlagende Blitze\u00a0<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/ungluecke\/australien-in-flammen-ein-kontinent-brennt-16561115-p2.html\">ihrerseits Feuer entz\u00fcnden<\/a>.<\/p>\n<p>Dass Eukalyptus-W\u00e4lder brennen, sei normal, sagt die Leiterin des Climate Change Research Centre an der Uni von New South Wales im November 2019\u00a0<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/klimaforscherin-zu-buschfeuern-auf-einmal-brennen-auch-die.694.de.html?dram:article_id=464197\">gegen\u00fcber dem Deutschlandfunk<\/a>. Doch inzwischen brennen auch die tropischen Regenw\u00e4lder im Norden von New South Wales, in Queensland sowie die kalt-gem\u00e4\u00dfigten Regenw\u00e4lder in Tasmanien und weiter h\u00f6her oben in den Bergen. Diese W\u00e4lder werden sich auch nicht mehr erholen, bef\u00fcrchtet Katrin Meissner. Und das gibt wirklich Anlass zur Sorge.<\/p>\n<p>Auch Kirsten Thonicke vom Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung (PIK) glaubt, mit Zunahme extremer D\u00fcrren das Risiko f\u00fcr Br\u00e4nde mit 50 bis 60 Meter hohen Flammen k\u00fcnftig zur Regel werden k\u00f6nnten. In vorindustrieller Zeit habe es etwa einmal in 500 Jahren eine extreme D\u00fcrre gegeben, erkl\u00e4rt die Wissenschaftlerin. Steige die mittlere Erdtemperatur um ein Grad an, werde das k\u00fcnftig etwa\u00a0<a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/news\/2020-01\/09\/ausnahmezustand-auf-dem-feuerkontinent-bald-normalitaet\">alle 50 Jahre passieren<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Wald und Tiere<\/strong><\/p>\n<p>Prof. Chris Dickman von der University Sydney sch\u00e4tzt, dass rund 500 Millionen Tiere seit Beginn der Buschbr\u00e4nde allein in New South Wales (NSW)\u00a0<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/ungluecke\/feuer-in-australien-massensterben-der-tiere-16563266.html\">ums Leben kamen<\/a>. Wenn die Tiere nicht verbrennen, dann verhungern sie oder werden von eingef\u00fchrten Wildtieren erlegt. Im Interview mit der BBC r\u00e4umte der Wissenschaftler ein, dass K\u00e4ngurus, Emus und V\u00f6gel sich von den n\u00e4her r\u00fcckenden Feuern in Sicherheit bringen k\u00f6nnen, wobei auch diese Arten sp\u00e4ter wegen mangelnder Nahrung oder Obdach\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/50986293\">vom Tode bedroht sind<\/a>.<\/p>\n<p>Weil sich die Br\u00e4nde inzwischen von in New South Wales auf Victoria ausgeweitet haben, d\u00fcrften deutlich mehr Tiere betroffen sein, sch\u00e4tzt der \u00d6kologe Colin Beale von der Universit\u00e4t von York. Z\u00e4hlt man gr\u00f6\u00dfere Insekten wie Schmetterlinge hinzu, geht die Zahl der get\u00f6teten Tiere in die Milliarden,\u00a0<a href=\"https:\/\/researchers.mq.edu.au\/en\/persons\/andrew-beattie\">glaubt Andrew Beattie<\/a>\u00a0von der Macquarie Universit\u00e4t bei Sydney.<\/p>\n<p>Ein wenig Anlass zur Hoffnung geben die von den Flammen unber\u00fchrten &#8222;Inseln&#8220; mitten in den Brandgebieten, auf die sich viele Tiere fl\u00fcchten. Gebe es genug davon und konnten sich gen\u00fcgend Tiere dorthin retten, glaubt der Wissenschaftler, k\u00f6nnten sich W\u00e4lder und Buschgebiete eventuell wieder erholen. Allerdings h\u00e4ngt dies auch von der Niederschlagmenge der kommenden Monaten ab. Auch k\u00f6nnten grabende Reptilien auch bei starken Br\u00e4ndeim Boden \u00fcberleben, weil der Boden ein guter W\u00e4rmeisolator ist.<\/p>\n<p><strong>Beeindruckende Vielfalt an S\u00e4ugetieren<\/strong><\/p>\n<p>Mit mehr als 300 einheimischen Arten verf\u00fcgt Australien \u00fcber eine beeindruckende Vielfalt an S\u00e4ugetieren,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.das-tierlexikon.de\/saeugetiere\/beuteltiere\/\">allen voran die Beuteltiere<\/a>. 244 Arten existieren nur auf dem Kontinent. Innerhalb der letzten 200 Jahre allerdings sind mehr als 30 Arten und Unterarten der einheimischen S\u00e4ugetiere\u00a0<a href=\"https:\/\/sydney.edu.au\/news-opinion\/news\/2020\/01\/03\/a-statement-about-the-480-million-animals-killed-in-nsw-bushfire.html\">ausgestorben<\/a>. Wie sich die Tierpopulationen weiter entwickeln, wenn die Br\u00e4nde irgendwann gel\u00f6scht sind, ist unklar. Bis zu 40 Jahre k\u00f6nnte es dauern, bis die Habitate wiederhergestellt sind,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.neues-deutschland.de\/artikel\/1130915.waldbraende-in-australien-entnervte-feuerwehrleute-und-umherirrende-kaengurus.html\">sch\u00e4tzt<\/a>\u00a0Beattie.<\/p>\n<p>Unter anderem starben rund 8.400 Koala-B\u00e4ren in den Feuern, ein knappes Drittel der Koala-Population in New South Wales. Doch nicht nur die dir Klimaerw\u00e4rmung ausgel\u00f6sten Buschbr\u00e4nde, sondern auch die fl\u00e4chendeckende Abholzung von B\u00e4umen zerst\u00f6ren den Lebensraum der Koalas. So werden allein in Ostaustralien jedes Jahr 500.000 Hektar B\u00e4ume abgeholzt und damit immer mehr Lebensraum der Koalas zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Von urspr\u00fcnglich mehr als eine Million Koalas d\u00fcrften auf dem ganzen Kontinent inzwischen nur noch\u00a0<a href=\"https:\/\/jedertag.lpages.co\/petition-koalas\/\">rund 50.000 Tiere \u00fcbrig sein<\/a>. Die Umweltorganisation WWF bef\u00fcrchtet, dass in den n\u00e4chsten 30 Jahren die Koalas in Ostaustralien in freier Wildbahn\u00a0<a href=\"https:\/\/www.wwf.de\/themen-projekte\/bedrohte-tier-und-pflanzenarten\/koala\/\">ganz ausgestorben sein k\u00f6nnten<\/a>.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"394\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Australien.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6820\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Australien.jpg 700w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/Australien-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption> <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Bells_Line_of_Road_Bushfire_Damage_JAN2020.jpg\">Bild<\/a>\u00a0(2020): Classy Melissa\/gemeinfrei <\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wachsende Einbu\u00dfen in der Landwirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>In Australien eingewanderte Siedler haben innerhalb von zwei Jahrhunderten eine gewinnbringende Agrarindustrie aufgebaut. Ihre Produkte werden in alle Welt exportiert. W\u00e4lder wurden gerodet und D\u00e4mme gebaut, um Wasser zu speichern. Zufl\u00fcsse wurden umgeleitet, um Ackerfl\u00e4chen zu bew\u00e4ssern.<\/p>\n<p>Jedes Jahr werden Hunderttausende Hektar Wald gef\u00e4llt, um Platz f\u00fcr Viehweiden zu machen. Grenzenloses Wirtschaftswachstum geht zu Lasten der Natur: Weniger Wald bedeutet h\u00f6here Temperaturen und mehr Wind. Das wiederum f\u00f6rdert die Ausbreitung der Buschfeuer. Gleichzeit f\u00e4llt immer weniger Regen.<\/p>\n<p>Wegen anhaltender D\u00fcrre ist die landwirtschaftliche Erzeugung innerhalb eines Jahrzehnts auf den niedrigsten Stand gefallen, konstatieren Analysten aus Canberra. Ernteausf\u00e4lle, abnehmende Tier- und Planzenproduktion sind verantwortlich f\u00fcr sinkende Exporterl\u00f6se. So fiel der landwirtschaftliche Produktionswert 2019\/20 gegen\u00fcber dem Vorjahr um 4,6 Prozent auf knapp 59,4 Milliarden Australische Dollar (entspricht 36,4 Milliarden Euro) &#8211; auf den tiefsten Stand seit vier Jahren.<\/p>\n<p>Sinkende Agrarproduktion bei steigenden Kosten &#8211; das wirkt sich auch\u00a0<a href=\"https:\/\/www.topagrar.com\/markt\/news\/einbussen-fuer-australiens-landwirtschaft-11845366.html\">negativ auf die Einkommen der Farmen<\/a>\u00a0aus.<\/p>\n<p><strong>Wasserknappheit zwingt zu Notverk\u00e4ufen, D\u00fcrreperioden dauern jetzt l\u00e4nger<\/strong><\/p>\n<p>Auf den verdorrten Weiden fanden Rinder und Schafe schon vor Einsetzen der Brandsaison kein Futter mehr. Ohne Wasser w\u00e4chst auch kein Getreide. Tierfutter ist teuer geworden &#8211; das zwingt die Farmer dazu, ihre Herden weiter auszud\u00fcnnen. So wie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.3sat.de\/wissen\/nano\/191127-australien-trocknet-aus-nano-100.html\">Adrian Worrell<\/a>, der seit drei Jahren seine Tiere zuf\u00fcttert. Der Viehz\u00fcchter verkauft ein Rinder nach dem anderen. So lange die Rinder gut gen\u00e4hrt sind, bringen sie noch etwas Geld in die Kasse. Andererseits werden die Herden immer kleiner.<\/p>\n<p>Dennoch halten Farmer wie Worrell den Klimawandel immernoch f\u00fcr reine Panikmache. Vor 100 Jahren habe es auch schon Trockenperioden gegeben, argumentiert er. Das ist nicht falsch. Was die neuen D\u00fcrreperioden von den fr\u00fcheren unterscheidet, sind ihre l\u00e4ngere Dauer und die gigantischen Dimensionen der Br\u00e4nde.<\/p>\n<p>Die Schafz\u00fcchter Jane und Charlie Pye hatten auf ihrer 25.000 Hektar gro\u00dfen Farm in New South Wales bis vor kurzem noch Zugang zu unbegrenztem Wasser. Vor hundert Jahren schon haben ihre Vorfahren das\u00a0<a href=\"http:\/\/www.rainer-olzem.de\/255.html\">Gro\u00dfe Artesische Becken<\/a>\u00a0ein gigantisches unterirdisches Wasserreservoir, angebohrt und Rohre verlegt.<\/p>\n<p>Ohne diese Wasserquellen w\u00e4re Schafzucht hier unm\u00f6glich. Innerhalb von sieben Jahren soll es im Osten des Kontinents nur ein einziges Mal ausreichend geregnet haben. An den Sommertagen wird es bis zu 46 Grad Celsius hei\u00df, hinzu kommen Sandst\u00fcrme und Trockenheit.<\/p>\n<p>Seit Monaten versiegen die Fl\u00fcsse und trocknen die B\u00f6den aus. Stauseen, die eigentlich die Bev\u00f6lkerung mit Trinkwasser versorgen sollen, sind auf T\u00fcmpelgr\u00f6\u00dfe zusammengeschrumpft. Laut Verwaltungschef Roger Bailey enthielt der Stausee\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Coonabarabran\">nahe der Stadt Coonabarabran<\/a>\u00a0im November 2019 noch 200.000 Kubikmeter Wasser &#8211; von urspr\u00fcnglich 1,4 Millionen. In Privathaushalten ist der Wasserverbrauch reglementiert, die Bew\u00e4sserung von G\u00e4rten untersagt.<\/p>\n<p>Weil der Regen ausbleibt, soll nun das Grundwasser die St\u00e4dte mit Wasser versorgen. Daf\u00fcr werden immer\u00a0<a href=\"https:\/\/taz.de\/Australien-streitet-ums-Wasser\/!5606949\/\">mehr unterirdische Wasseradern angezapft<\/a>. Fragt sich, wie lange das Wasser unter der Erde noch reichen wird. Mancherorts ist der Grundwasserspiegel ist so tief gesunken, dass f\u00fcr einige St\u00e4dten im S\u00fcdosten die Wasserversorgung nicht garantiert ist. Auch wurden, um ein Massensterben von Fischen zu vermeiden, Fische aus dem Darling River in gro\u00dfe Speichertanks\u00a0<a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wissen\/Australien-Vier-Jahre-Trockenheit-in-Folge-article21273541.html\">umgesiedelt<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Baumwollplantagen verbrauchen gigantische Wassermengen<\/strong><\/p>\n<p>Das m\u00e4chtige\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Murray-Darling-Becken\">Murray-Darling-Becken<\/a>\u00a0ist mit \u00fcber einer Million Quadratkilometern die gr\u00f6\u00dfte fruchtbare Region im S\u00fcdosten. Im n\u00f6rdlichen Bundesstaat Queensland entspringend, durchqueren die Fl\u00fcsse \u00fcber eine L\u00e4nge von 1.400 Kilometer New South Wales und Victoria in Richtung S\u00fcden, bevor sie ins Meer m\u00fcnden.<\/p>\n<p>Die Flie\u00dfgew\u00e4sser sind nicht nur \u00f6kologisch von Bedeutung, sie sind auch die Voraussetzung f\u00fcr Rinder- und Schafzucht, f\u00fcr Gem\u00fcse- und Obstanbau. 40 Prozent der landwirtschaftlichen Produkte des Landes stammen aus dieser Region. Davon leben zwei Millionen Menschen, inklusive der Menschen und Tiere auf abgelegenen Farmen.<\/p>\n<p>Das meiste Wasser verbrauchen allerdings Baumwollplantagen wie Cubbie Station &#8211; mit 96.000 Hektar eine der gr\u00f6\u00dften Baumwollfarmen der Welt. Die Farm kann bereits im zweite Jahr wegen Wassermangel keine Baumwolle mehr produzieren. Allerdings sieht der Gesch\u00e4ftsplan des Unternehmens ohnehin vor, dass Baumwolle nur in sechs von zehn Jahren\u00a0<a href=\"https:\/\/www.abc.net.au\/news\/rural\/2019-10-29\/councillors-tour-controversial-cotton-farm-cubbie-station\/11649426\">geerntet wird<\/a>.<\/p>\n<p>Bei der Baumwollproduktion werde ein Gro\u00dfteil des Wasserbedarfs mit Regenwasser abgedeckt, behauptet der Dachverband australischer Baumwollz\u00fcchter\u00a0<a href=\"https:\/\/cottonaustralia.com.au\/\">Cotton Australia<\/a>. Fakt ist aber, dass in langen D\u00fcrrezeiten das Wasser auch den Fl\u00fcssen entnommen wird. Zudem haben Unternehmen wie Cubbie Station das Recht, gro\u00dfe Mengen Wasser in Staubecken zu lagern. Auch dann, wenn weiter flussabw\u00e4rts immer weniger Wasser ankommt.<\/p>\n<p>Denn die gro\u00dfen Investoren erhalten Wassernutzungsrechte im Wert von Hunderten Millionen Dollar. Wenn der Preis am h\u00f6chsten ist, werden die Lizenzen verkauft. So wird Wasser zum\u00a0<a href=\"https:\/\/taz.de\/Australien-streitet-ums-Wasser\/!5606949\/\">lukrativen Handelsgut<\/a>.<\/p>\n<p>Eine weitere Gefahr ist die Versalzung der landwirtschaftlichen B\u00f6den. Unter vielen \u00c4ckern in zehn bis 20 Metern Tiefe liegen salzhaltige Gesteinshorizonte. Wegen ungeeigneter Bew\u00e4sserungsmethoden l\u00f6st sich das Sallz vom Grundwasser und wird an die Oberfl\u00e4che transportiert. Darunter leidet vor allem die Bodenfruchtbarkeit. Nur der\u00a0<a href=\"https:\/\/prezi.com\/p\/efbk9tb1araw\/landwirtschaft-am-murray-darling-becken\/\">Anbau salztoleranter Pflanzen<\/a>, k\u00f6nnte helfen, diesen Trend umzukehren.<\/p>\n<p><strong>Premierminister Morissons Kohle-Politik<\/strong><\/p>\n<p>Ungeachtet dessen betreibt Premierminister Morisson weiter seine ehrgeizige Kohle-Politik. Der wirtschaftliche Aufschwung Australiens gr\u00fcnde sich auf dem Abbau von Bodensch\u00e4tzen, wird er nicht m\u00fcde zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Dabei verweist er auf den scheinbar geringen Anteil von 1,3 Prozent Treibhausgas-Emissionen. Doch ber\u00fccksichtigt man die Emissionen der exportierten Kohle, liegt Australiens globale CO2-Bilanz einer Analyse der Umweltorganisation\u00a0<a href=\"https:\/\/www.acf.org.au\/\">Australian Conservation Foundation<\/a>\u00a0zufolge bei f\u00fcnf Prozent.<\/p>\n<p>Dieser CO2-Fu\u00dfabdruck entspricht dem Russlands, das weltweit an\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eurotopics.net\/de\/232797\/buschfeuer-welche-verantwortung-traegt-australien\">f\u00fcnfter Stelle der CO2-Emissionen steht<\/a>. Laut\u00a0<a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/167877\/umfrage\/co-emissionen-nach-laendern-je-einwohner\/\">Statista<\/a>\u00a0waren die Pro-Kopf-Emissionen 2017 auf dem Kontinent nahezu doppelt so hoch wie in Deutschland.<\/p>\n<p>Nun will der indische Konzern Adani eine gigantische Kohlegrube in Queensland im Nordosten des Landes in Betrieb nehmen, denn dort liegt das potenziell gr\u00f6\u00dfte Kohlevorkommen der Welt. Die Kohle soll per Zug zu einem Hafen gebracht und dann \u00fcber das darunter sterbende Great Barrier Reef hinweg verschifft werden. Seit Kurzem ist es dem Konzern sogar erlaubt, f\u00fcr den Bau der Mine Wasser\u00a0<a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/gesellschaft\/ungluecke\/australien-in-flammen-ein-kontinent-brennt-16561115-p3.html\">aus dem Artesischen Becken pumpen<\/a>.<\/p>\n<p>Der Kohle-Abbau wird das stark ausgeblichene Great Barrier Reef &#8211; Lebensraum f\u00fcr Delfine, Wale, Seek\u00fche, Meeresschildkr\u00f6ten, Krokodile, Rochen, Stachelschnecken, Seefedern, viele exotische Fischarten sowie Wei\u00dfbauchseeadler &#8211; weiter\u00a0<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/australiens-klimakonflikt-am-great-barrier-reef.979.de.html?dram:article_id=456887\">unter Druck setzen<\/a>. Dar\u00fcber hinaus bedrohen die Gas- und \u00d6lf\u00f6rderung die exotische Tier- und Pflanzenwelt in marinen Schutzgebieten wie dem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.greenpeace-magazin.ch\/2019\/02\/08\/die-wundersamen-bewohner-der-great-australian-bight\/\">Great Australian Bight Marine Park<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Kohle-Hysterie im Endstadium?<\/strong><\/p>\n<p>Vor kurzem tat Morrison den Klimawandel noch als Erfindung irregeleiteter Umweltsch\u00fctzer ab. Inzwischen d\u00fcrfte dem Mann das Lachen vergangen sein. Wenn auch seine &#8222;Gebete um Regen&#8220; die Feuer kaum l\u00f6schen werden, so genehmigte er doch immerhin mehr Geld zur Feuerbek\u00e4mpfung und mobilisierte 3.000 Reservisten der Streitkr\u00e4fte. Dar\u00fcber hinaus\u00a0<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/buschbraende-australien-loeschflugzeuge-kriegsschiffe-reservisten-1.4745308\">versprach er<\/a>\u00a0den am schwersten betroffenen Bezirken 60 Millionen Australische Dollar Soforthilfe.<\/p>\n<p>Ansonsten wird der alte Kurs vorl\u00e4ufig beibehalten. Denn Morrisons gr\u00f6\u00dfte Sorge sind offenbar die Arbeitspl\u00e4tze, die verloren gehen, falls die Kohle im Boden bleibt. Doch der Kohle-Sektor bietet schon lange keine sicheren Arbeitspl\u00e4tze mehr. Bald wird er seine eigenen Investionsruinen verwalten m\u00fcssen. Angesichts immer extremer D\u00fcrreperioden wird sich die Politik der fossilen Energietr\u00e4ger\u00a0<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/feuer-in-australien-die-regierung-wirkt-als.720.de.html?dram:article_id=467154\">kaum lange durchhalten lassen<\/a>.<\/p>\n<p>Es k\u00f6nnte sein, dass die Feuersbr\u00fcnste das Ende der Kohlepolitik bereits einl\u00e4uten. Denn die Stimmung in der Bev\u00f6lkerung kippt. Die Begeisterung f\u00fcr die Kohle l\u00e4sst sp\u00fcrbar nach. Der Zusammenhang von Klimawandel, Trockenheit und verbrannten Landschaften wird den meisten Australiern immer offensichtlicher. Die Proteste nehmen zu, nicht nur bei Sch\u00fclern und Umweltsch\u00fctzern, auch Unternehmenschefs fordern die Regierung zur Kehrtwende in ihrer Klimapolitik auf.<\/p>\n<p>Selbst Feuerwehrleute mit langj\u00e4hrier Berufserfahrung weisen darauf hin, dass die Br\u00e4nde von Jahr zu Jahr schlimmer werden. Zudem bef\u00fcrchten sie, dass dem Land\u00a0<a href=\"https:\/\/www.swr.de\/swr2\/wissen\/Waldbraende-Australien-Proteste-gegen-die-Klimapolitik-der-Regierung,australien-proteste-gegen-die-klimapolitik-der-regierung-100.html\">das Wasser ausgeht<\/a>.<\/p>\n<p>Wir Menschen wollen nicht gerne f\u00fcr unser Tun verantwortlich gemacht werden,\u00a0<a href=\"http:\/\/bio.mq.edu.au\/research\/groups\/piccel\/lhughes.html\">erkl\u00e4rt<\/a>\u00a0Leslie Hughes von der Universit\u00e4t Sydney. Solange Australien auf fossile Energietr\u00e4ger setze, \u00e4ndert sich am Klimawandel nichts, erkl\u00e4rt die Klimaforscherin.<\/p>\n<p>Einige Unternehmer haben das schon vor Jahren erkannt. Sie nutzen, was die Natur in rauen Mengen zu bieten hat: Wind und Sonne. So rigoros, wie die Politik auf der einen Seite fossile Energietr\u00e4ger f\u00f6rdert, so rasant werden auf der andern Seite die Erneuerbaren Energien ausgebaut. Bei anhaltendem Trend k\u00f6nnte sich der Kontinent in zw\u00f6lf Jahren zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Quellen versorgen, sch\u00e4tzen optimistische Wissenschaftler.<\/p>\n<p>Hohe Sonneneinstrahlung, kr\u00e4ftige Winde und jede Menge Platz &#8211; die Bedingungen k\u00f6nnten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/energiewende-australien-wird-voraussichtlich-vorzeitig-pariser-klimaziele-erreichen\/23966062.html\">nirgends besser sein<\/a>. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich Sonne und Wind in Australien als Energiequellen durchsetzen werden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Verbrannte-Erde-ein-Kontinent-in-Aufruhr-4632933.html?seite=all\"><em>Telepolis&#8230;<\/em><\/a><em> vom 11. Januar 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Susanne Aigner. Nicht nur D\u00fcrre, hei\u00dfe Temperaturen und starke Winde sind schuld an der Feuerkatastrophe in Australien. Auch der jahrzehntelange Raubbau an der Natur l\u00e4sst das Land austrocknen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,5],"tags":[102,45,76,55,22],"class_list":["post-6819","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-kampagnen","tag-australien","tag-neoliberalismus","tag-neue-rechte","tag-oekologie","tag-politische-oekonomie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6819","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6819"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6819\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6821,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6819\/revisions\/6821"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6819"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6819"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6819"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}