{"id":6848,"date":"2020-01-15T18:03:49","date_gmt":"2020-01-15T16:03:49","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6848"},"modified":"2020-01-15T18:03:50","modified_gmt":"2020-01-15T16:03:50","slug":"frankreich-zwischen-spaltungsversuchen-der-bewegung-und-polizeigewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6848","title":{"rendered":"Frankreich zwischen Spaltungsversuchen der Bewegung und Polizeigewalt"},"content":{"rendered":"<p><em>Bernard Schmid.<\/em> <strong>Spaltung zwischen, aber auch innerhalb unterschiedlich orientierter Gewerkschaften vertieft sich nach Regierungs-Man\u00f6ver * Attacken vom UNSA-Chef * Der jetzige \u201eR\u00fcckzieher\u201c der Regierung ist keiner\u2026 und nicht einmal, wie<!--more--> angek\u00fcndigt, ein halber * Die Debatte um Polizeigewalt nimmt an Fahrt auf * Scharfer Angriff von Marine Le Pen, als angeblicher Unterst\u00fctzerin der Protestfront, auf die CGT * Auch Anw\u00e4lte- und Anw\u00e4ltinnen-Streik geht weiter * Unterdessen treten 1.500 F\u00fchrungskr\u00e4fte im \u00f6ffentlichen Krankenhauswesen kollektiv zur\u00fcck, um auf die katastrophalen Zust\u00e4nde im Gesundheitsdienst aufmerksam zu machen.<\/strong><\/p>\n<p>Das Man\u00f6ver der franz\u00f6sischen Regierungsspitze hat zwar in den letzten Tagen weder die laufenden Streiks gestoppt, die insbesondere bei den Transportbetrieben SNCF und RATP auch nach 38 Tagen durch Teile des Personals fortgesetzt werden, noch den Demonstrationen ein Ende gesetzt. Doch hat es zumindest ein Ziel erreicht, n\u00e4mlich einen Keil zwischen Gewerkschaften unterschiedlicher Orientierung zu trieben. Dies war allerdings voraussehbar und h\u00e4ngt auch mit der Selbstpositionierung v.a. des rechtssozialdemokratischen Apparats der CFDT (zweitst\u00e4rkster Gewerkschaftsdachverband in Frankreich von der Mitgliederzahl her, st\u00e4rkster seit 2017 von den Stimmenzahlen her) zusammen.<\/p>\n<p>Aufmerksame Labournet-Leser\/innen wussten es bereits: Am Samstag, den 11. Januar 20 hat Premierminister Edouard Philippe \u2013 wie sich angesichts der Mediendebatte, und angesichts der Verhandlungen zwischen Regierungslager und CFDT in den Tagen zuvor l\u00e4ngst ank\u00fcndigte \u2013 bekannt gegeben, er ziehe einen Punkt der Renten\u201ereform\u201cpl\u00e4ne zur\u00fcck, n\u00e4mlich das so genannte\u00a0<em>\u00e2ge pivot\u00a0<\/em>(Scharnier- oder Gleichgewichts-Alter). Jedenfalls behaupteten dies die b\u00fcrgerlichen Leitmedien umgehend, nachdem bekannt geworden war, Philippe habe an die Vorst\u00e4nde der wichtigsten Gewerkschaftsdachverb\u00e4nde einen Brief abgesandt, dessen Inhalt in dieselben Medien durchsickerte. (Vgl. den betreffenden Brief im Original:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/fr150120Dokument1.pdf\">DOKUMENT 1<\/a>)<\/p>\n<p>Dies w\u00e4re bereits ein schwaches Zugest\u00e4ndnis, insofern, als die geplante Altersma\u00dfnahme (Rente vor dem \u201eGleichgewichtsalter\u201c, zun\u00e4chst 64, nur mit finanziellen Strafabz\u00fcgen) ohnehin nicht, zu keinem Zeitpunkt, den Kern der \u201eReform\u201c darstellte.<\/p>\n<p><strong>Eine beschr\u00e4nkte Anwendung (\u2026 vorl\u00e4ufig jedenfalls)<\/strong><\/p>\n<p>Die Altersma\u00dfnahme im engeren Sinne betrifft ohnehin ausschlie\u00dflich jene Lohnabh\u00e4ngigen, die eine \u201evolle Berufslaufbahn\u201c beisammen haben (derzeit mindestens 41,5 Beitragsjahre, doch ab der Mitte des kommenden Jahrzehnts mindestens 43 Beitragsjahre \u2013 dank der bislang letzten Renten\u201ereform\u201c unter dem Sozialdemokraten Fran\u00e7ois Hollande und seiner \u201eSozial\u201cministerin Marisol Touraine vom Januar 2014), jedoch das \u201eScharnieralter\u201c noch Das ist h\u00e4sslich f\u00fcr die Betroffenen und deswegen auch unzweideutig bek\u00e4mpfenswert. Es betrifft jedoch (sofern es bei 64 festgelegt wird) nur eine begrenzte, und k\u00fcnftig wohl immer kleinere, Gruppe von Lohnabh\u00e4ngigen \u00fcberhaupt. Denn in Anbetracht heute existierender Ausbildungs-, Schul- und Studienzeiten, Perioden von Prekarit\u00e4t, \u201el\u00fcckenhaften Erwerbsbiographien\u201c usw. werden immer weniger Lohnabh\u00e4ngige vor dem Alter von 64 bereits 43 volle Beitragsjahre zusammen haben. Deswegen ist die Altersma\u00dfnahme ein zu bek\u00e4mpfender Unterpunkt der Renten\u201ereform\u201c, jedoch nicht jene Einzelma\u00dfnahme, die den gr\u00f6\u00dften Betroffenenkreis unter den Lohnabh\u00e4ngigen aufweist \u2013 und darum auch nicht der Kern der Ansichten von Regierungslager und Bourgeoisie. (Dazu nun aber sofort eine Einschr\u00e4nkung, die jetzt gleich kommt.)<\/p>\n<p>Den harten Kern der Regierungspl\u00e4ne bildet die Absenkung ALLER oder so gut wie s\u00e4mtlicher k\u00fcnftiger Renten durch die neuen Berechnungsgrundlagen; Stichwort: Durchschnittswerte alter 43 Beitragsjahre statt nur der 25 finanziell besten Berufsjahre in der Privatwirtschaft (vor dem Gesetz vom 22. Juli 1993 waren es zehn!), bzw. statt der letzten sechs Monate der Laufbahn f\u00fcr die \u00f6ffentlich Bediensteten. Das finanzielle Kalk\u00fcl kann f\u00fcr alle Lohnabh\u00e4ngigen einschlie\u00dflich der Staatsbediensteten (mit Ausnahme der lt. J\u00fcngsten Ank\u00fcndigungen verschonten Gruppen: Milit\u00e4rs; TEILE der Polizei, jedoch nicht die Spurensicherung; Piloten; Opernt\u00e4nzerinnen\u2026) nur finanziell schlechter ausfallen. Denn ihnen wird es nun unm\u00f6glich, die finanziell schwachen Jahre herauszurechnen. Dies ist des Pudels wahrer Kern.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Altersma\u00dfnahme.. Dieses \u201eScharnieralter\u201c unterscheidet sich dabei vom gesetzlichen Renten-Mindestalter (derzeit 62, theoretisch bleibt es unver\u00e4ndert), das \u2013 mit Ausnahme bestimmter Berufsgruppen oder bei Erwerbsunf\u00e4higkeit \u2013 einen vorherigen Renten-Antritt rechtlich verhindert, also unm\u00f6glich macht, verbietet.<\/p>\n<p>Dieses immer \u201etheoretischer\u201c werdende, also immer mehr nur auf dem Papier stehende, Mindestalter von 62 sollte und soll i.\u00dc. durch die \u201eReform\u201cpl\u00e4ne gar nicht angetastet werden. Zwischen 62 und dem \u201eScharnieralter\u201c gibt es \u201elediglich\u201c, hihi, finanzielle Strafen. (Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye behauptete zun\u00e4chst in der \u00d6ffentlichkeit: \u201enur zwischen 62 und 64\u201c, bevor sie wiederum \u00f6ffentlich korrigierte musste: Nein nein, wer zu fr\u00fch in Rente geht, den bestraft das Leben bzw. eher die Altersma\u00dfnahme\u2026 und zwar dauerhaft!)<\/p>\n<p>Einen praktischen Nebeneffekt hat diese Unterscheidung zwischen gesetzlich fixiertem Renten-Mindestalter (es bleibt bei 62, auf dem Papier) und einem \u201eScharnier\u201c- oder \u201eGleichgewichtsalter\u201c, das nicht gesetzlich festgelegt ist, sondern \u2013 je nach \u201efinanziellem Gleichgewicht\u201c, daher r\u00fchrt auch der Name \u2013 k\u00fcnftig durch die Regierung nachjustiert wird, auch noch. Es kann n\u00e4mlich noch anwachsen, dieses \u201eGleichgewichtsalter\u201c, ohne dass es dazu einer Gesetzes\u00e4nderung bed\u00fcrfte. Nur vorl\u00e4ufig sollte das erste \u201eGleichgewichtsalter\u201c, ab 2022 mit progressiver Anhebung (von 62 auf 64) bis 2027, auf 64 Jahre festgelegt werden.<\/p>\n<p>Die \u201eProjektionen\u201c (Vorhersagen auf Grundlage einer Graphik) des vormaligen Renten-Sonderbeauftragten der Regierung, des mittlerweile geschassten Jean-Paul Delevoye \u2013 Labournet berichtete \u00fcber ihn \u2013 sehen demnach auch andere \u201eGleichgewichtsalter\u201c vor. N\u00e4mlich beispielsweise 65,4 Jahre f\u00fcr die 1980 Geborenen, und 66 Jahre f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen des Jahrgangs 1990, usw. (Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.francetvinfo.fr\/economie\/retraite\/reforme-des-retraites\/reforme-des-retraites-ce-qu-il-faut-savoir-sur-l-age-pivot-fixe-a-64-ans-par-le-gouvernement_3740059.html\">francetvinfo.fr&#8230;<\/a>) Diese Altersbestimmungen sind freilich derzeit noch nicht festgelegt, sondern berufen auf \u201eVoraussagen\u201c, konkret sollen sie k\u00fcnftig durch die dann amtierenden Regierungen eingestellt werden.<\/p>\n<p>Und hier wird es dann sowohl f\u00fcr die Lohnabh\u00e4ngigen als auch f\u00fcr Kapital und Regierungslager interessanter bzw. brisanter. Denn je h\u00f6her das \u201eGleichgewichtsalter\u201c (unterhalb dessen ein theoretisch m\u00f6glicher Renten-Antritt mit substanziellen Strafabz\u00fcgen verbunden sein wird) liegt, desto mehr Lohnabh\u00e4ngige wird es nat\u00fcrlich betreffen.<\/p>\n<p>Nun lautet die Frage: Worauf hat die Regierung \u00fcberhaupt, nach bisherigem Stand der Dinge, verzichtet?<\/p>\n<p><strong>Ein R\u00fcckzug\u2026 der gar keiner ist!<\/strong><\/p>\n<p>Und die Antwort lautet, nach vollzogener Lekt\u00fcre des Briefs von Premierminister Edouard Philippe an die Gewerkschaftsdachverb\u00e4nde \u2013 wir erinnern an unser\u00a0<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/fr150120Dokument1.pdf\">Dokument Nummer 1<\/a>\u00a0\u00a0-:<\/p>\n<ul>\n<li>Verzichtet hat die Regierung bislang \u00fcberhaupt nur auf das\u00a0<u>erste\u00a0<\/u>\u201eScharnieralter\u201c, das f\u00fcr die Jahre ab 2022 bereits jetzt regierungsamtlich festgelegt werden sollte (mit progressiver Erreichung des Alters 64 bis im Jahr 2027, also zur sp\u00e4ten Mitte des Jahrzehnts).<\/li>\n<li>Und dies auch NUR unter der Bedingung, dass sich Gewerkschaften und Arbeit\u201egeber\u201cvereinigungen bis Ende 2021 auf einen \u201ealternativen Finanzierungsmodus\u201c einigen, d.h. auf Spar- oder Finanzierungsma\u00dfnahmen, die gleich viel Einsparungseffekte f\u00fcr die Rentensysteme einbringen wie die geplante Altersma\u00dfnahme. Dabei w\u00e4re prinzipiell etwa an Beitragserh\u00f6hungen f\u00fcr die Unternehmen zu denken, die CGT spricht bisweilen auch von der M\u00f6glichkeit einer arbeit\u201enehmer\u201cseitigen Erh\u00f6hung um zehn Euro. Nur kommt dies, jedenfalls eine Erh\u00f6hung auf Arbeit\u201egeber\u201c\/Kapitalseite, f\u00fcr deren Verb\u00e4nde wohl sicherlich nicht in Betracht, jedenfalls im Leben nicht freiwillig; ebenso wenig f\u00fcr das Regierungslager. \u2013 Die CGT zeigte sich ihrerseits in einer Antwort ihres Generalsekret\u00e4rs offen daf\u00fcr, \u00fcber Finanzierungsmechanismen zu reden, jedoch nicht einseitig die Lohnabh\u00e4ngigen zu belasten (vgl. unser\u00a0<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/fr150120Dokument3.pdf\">DOKUMENT NUMMER 3<\/a> Antwortbrief von Philippe Martinez, CGT, auf das Schreiben des Premierministers).<\/li>\n<li>Keineswegs verzichtet hat Regierungschef Edouard Philippe laut seinem Schreiben unterdessen auf alle k\u00fcnftigen \u201eGleichgewichts\u201c-Altersfestlegungen durch die dann amtierende Regierung ab dem Jahr 2027. Letztere M\u00f6glichkeit hat Philippe und hat das Regierungslager, im Gegenteil, in der laufenden Debatte explizit als\u00a0<em>\u201enicht verhandelbar\u201c\u00a0<\/em>(non n\u00e9gociable) bezeichnet. Dies bedeutet, dass die zu erwartenden h\u00f6heren \u201eScharnieralter\u201c nach dem Jahr 2027 \u2013 vgl. oben \u2013 keineswegs aus den Regierungspl\u00e4nen herausgenommen, sondern im Gegenteil auch nach den j\u00fcngsten \u201eZugest\u00e4ndnissen\u201c in ihnen festgeschrieben wurden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Es handelt sich also selbst bei dem einzelnen Unterpunkt des \u201eScharnieralters\u201c \u00fcberhaupt nicht um einen wirklichen R\u00fcckzug, sondern lediglich um einen Aufschub f\u00fcr die Jahre 2022 bis 27!<\/p>\n<p>Um den Bluff der Regierung zu demaskieren, beruft die CGT ihrerseits sich \u00fcbrigens darauf, es gebe in Wirklichkeit ohnehin keine Debatte um ein Scharnieralter, weil \u2013 so lautet ihre Argumentation \u2013 es ein solches ohnehin gebe. (Vgl. anbei\u00a0<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/fr150120Dokument2.pdf\">Dokument Nr. 2\u00a0<\/a>: ein entsprechendes Flugblatt der CGT) Die Debatte sei also hei\u00dfe Luft. Dies ist halbrichtig, jedoch nicht v\u00f6llig korrekt. Die CGT beruft sich darauf, das derzeitige Renten-Mindestalter (lt. Gesetz) betrage 62 Jahre, das durchschnittliche reale Eintrittsalter der franz\u00f6sischen Erwerbsbev\u00f6lkerung in die Rente liege hingegen aktuell bei 63,4 Jahren. Dies belege, dass es ohnehin heute schon ein \u201eScharnieralter\u201c gebe, ein solches also ohnehin nichts ge\u00e4ndert h\u00e4tte. Das ist ein bisschen eilig: Diejenigen Einwohner\/innen Frankreichs, die heute sp\u00e4ter als gesetzlich m\u00f6glich und\/oder sp\u00e4ter als gew\u00fcnscht und nach dem Alter von 62 in Rente gehen, tun dies deswegen, weil ihnen Beitragsjahre fehlen und ihnen aus diesem Grund Abz\u00fcge drohen. Das derzeit debattierte \u201eScharnieralter\u201c \u00e4ndert schon noch etwas, weil es den aufgrund fehlender Beitragsjahre (vor 67) drohenden Abz\u00fcgen noch einen zus\u00e4tzlichen (!) Grund f\u00fcr Abz\u00fcge hinzuf\u00fcgt. Was, trotz des derzeitigen Bluffs, bei Inkrafttreten der geplanten \u201eReform\u201c nach 2027 wohl auch f\u00fcr viele Lohnabh\u00e4ngige der Fall sein d\u00fcrfte\u2026\u00a0<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"667\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/fr120120bs6-1024x667.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6849\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/fr120120bs6-1024x667.jpg 1024w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/fr120120bs6-300x196.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/fr120120bs6-768x501.jpg 768w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/fr120120bs6.jpg 1074w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Auf der vollen Breite liefen zeitweilig \u00fcber 50, ja 70 Personen nebeneinander auf der Pariser Demo (am Samstag, den 11. Januar 20) \u2013 hier v.a. Bildungswesen unterwegs. Foto: Bernard Schmid<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die CFDT ruft lauthals \u201egewonnen\u201c\u2026 um jegliche Opposition gegen die \u201eReform\u201c abzublasen<\/strong><\/p>\n<p>\u201eSieg\u201c (<em>Victoire!<\/em>) rief es einem bereits am Samstag, den 11. Januar aus einem Kommuniqu\u00e9 der CFDT, das in den sozialen Medien kursierte, entgegen. Mittlerweile hat der Dachverband CFDT diese Devise auch etwa auf Flugbl\u00e4ttern (vgl.:\u00a0<a href=\"https:\/\/interco.cfdt.fr\/portail\/interco\/actualite\/l-actu\/tract-retrait-de-l-age-pivot-une-victoire-pour-toutes-et-tous-srv1_1086937\">cfdt.fr&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p>Selbst bei dem, im Ansatz wirtschaftsliberalen TV-Sender BFM TV (B f\u00fcr\u00a0<em>business<\/em>\u00a0und FM f\u00fcr \u201eMittelfrequenz\u201c) wurde daraufhin ein CFDT-Mitglied portraitiert, das nunmehr seinen Mitgliedsausweis daraufhin zur\u00fcckgibt\u2026 (<a href=\"https:\/\/rmc.bfmtv.com\/emission\/il-rend-sa-carte-de-la-cfdt-je-n-arrive-plus-a-comprendre-ce-qui-se-passe-en-haut-1839733.html\">bfmtv.com&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p>\u00c4hnlich positioniert sich die UNSA, ein sich als \u201eunpolitisch\u201c verstehender Gewerkschaftszusammenschluss, dessen Positionen in der Praxis oftmals denen der CFDT nahe kommen. Bislang ist die UNSA \u00fcbrigens nur in einigen Branchen, jedoch nicht landesweit als\u00a0<em>repr\u00e9sentatif, repr\u00e9sentative<\/em>\u00a0(entspricht im deutschen: \u201etariff\u00e4higer Verband\u201c) staatlich anerkannt\u2026 und findet durch ihre Profilierung in der derzeitigen Auseinandersetzung vielleicht die Gelegenheit, es da k\u00fcnftig leichter haben\u2026(Allerdings m\u00fcssen seit dem Gesetz von 2008 zum Gewerkschaftsrecht dazu zwingend Wahlergebnisse in H\u00f6he von mindestens acht Prozent auf Branchen- oder zehn Prozent auf Unternehmensebene vorliegen.)<\/p>\n<p>Am gestrigen Dienstag (14.01.20) h\u00f6hnte UNSA-Chef Laurent Escur \u00f6ffentlich \u00fcber andere Gewerkschafter sowie \u00fcber politische Unterst\u00fctzer\/innen der derzeitigen Sozialprotestbewegung (wie immer man deren Positionierung auch ansonsten bewerten mag):\u00a0<em>\u201eEs ist nicht Jean-Luc M\u00e9lenchon, der den K\u00fchlschrank am Monatsende auff\u00fcllt!\u201c,\u00a0<\/em>in Anspielung auf die Streikunterst\u00fctzung des etablierten Linkspolitikers (er war bislang auch beim Verf. dieser Zeilen noch nicht zu Besuch, um in seinem K\u00fchlschrank nachzusehen). Und: Die CGT, FO (drittst\u00e4rkster Dachverband hinter CGT und CFDT) und M\u00e9lenchon h\u00e4tten die streikenden Lohnabh\u00e4ngigen manipuliert, ihnen falsche Aussichten vorgespiegelt und diese\u00a0<em>\u201ein die Sackgasse gef\u00fchrt\u201c.(<\/em>\u00a0Vgl. dazu:\u00a0<a href=\"https:\/\/rmc.bfmtv.com\/emission\/il-rend-sa-carte-de-la-cfdt-je-n-arrive-plus-a-comprendre-ce-qui-se-passe-en-haut-1839733.html\">bfmtv.com&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p>Unterdessen brechen jedoch die Widerspr\u00fcche innerhalb der UNSA auf. Diese Gewerkschaftsvereinigung bildet derzeit von ihrem Stimmenanteil her die zweitst\u00e4rkste Einzelgewerkschaft bei der Eisenbahngesellschaft SNCF (wo sie jedoch in den streikenden Teilen des Personals relativ schwach, und erheblich st\u00e4rker unter B\u00fcroangestellten und F\u00fchrungskr\u00e4ften verankert ist); und die st\u00e4rkste Einzelgewerkschaft bei den Pariser M\u00e9tro, RER- und Bus-Betrieben, also bei der RATP, wo die UNSA auch st\u00e4rker am Streik teilnimmt als bei der SNCF.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die UNSA bei der SNCF auf Linie ihrer Dachorganisation liegt, erkl\u00e4rte die UNSA RATP ihrerseits, diese Positionierung abzulehnen und ihre Streikbeteiligung fortzusetzen. (Vgl. in einer b\u00fcrgerlichen Quelle:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.francetvinfo.fr\/economie\/retraite\/reforme-des-retraites\/retraites-l-unsa-ratp-syndicat-majoritaire-appelle-a-poursuivre-la-greve-dans-les-transports-parisiens_3781501.html\">francetvinfo.fr&#8230;<\/a> und bei einer Quelle aus der radikalen Linken:\u00a0<a href=\"https:\/\/revolutionpermanente.fr\/Apres-la-trahison-d-Escure-l-UNSA-RATP-Pole-Traction-les-salaries-RATP-sont-mobilises-pour-le\">revolutionpermanente.fr&#8230;<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Marine Le Pen stinkt gegen die CGT an<\/strong><\/p>\n<p>Unqualifizierte Angriffe insbesondere auf die CGT kamen unterdessen aus einer v\u00f6llig anderen Ecke, wo die Neofaschistin Marine Le Pen bislang in der \u00d6ffentlichkeit als angebliche Unterst\u00fctzerin der Sozialprotestbewegung auftritt \u2013 Labournet berichtete ausf\u00fchrlich -, ohne jedoch selbst einen Finger zu kr\u00fcmmen, und ohne durch die Gewerkschaften ihrerseits wohlgelitten zu werden. Am gestrigen Dienstag (14.01.20) startete gestern einen scharfen Angriff auf die CGT und ihren Vorsitzenden Philippe Martinez \u2013 man habe\u00a0<em>\u201ealle guten Gr\u00fcnde, ihn zu verachten<\/em>\u201c, er sei\u00a0<em>\u201eSektierer\u201c<\/em>\u00a0und\u00a0<em>\u201everweigert die Demokratie<\/em>\u201c. (Vgl. dazu\u00a0<a href=\"https:\/\/www.lefigaro.fr\/politique\/pour-marine-le-pen-on-a-toutes-les-raisons-de-detester-la-cgt-et-philippe-martinez-20200114\">lefigaro.fr&#8230;<\/a>\u00a0(AFP-Meldung) und\u00a0<a href=\"https:\/\/actu.orange.fr\/politique\/philippe-martinez-est-bien-souvent-imbuvable-deplore-marine-le-pen-magic-CNT000001mQIjD.html\">orange.fr&#8230;<\/a>) \u2013 Doch immerhin, immerhin: Lob aus jener Ecke w\u00e4re ohnehin nur ungut\u2026<\/p>\n<p><strong>Krise im Krankenhauswesen spitzt sich zu<\/strong><\/p>\n<p>Unterdessen kam es zu einer neuen Zuspitzung im \u00f6ffentlichen Krankenhauswesen, das aufgrund mangelnder Mittel- und Personalausstattung in allen N\u00e4hten kracht. Seit M\u00e4rz 2019 finden dort in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden Protesttage, urspr\u00fcnglich von den Notaufnahmen ausgehend, statt. Zuletzt demonstrierten am 14. November 19 Abertausende von Krankenhausbesch\u00e4ftigten in Paris.<\/p>\n<p>Nun treten am heutigen Mittwoch, den 15. Januar 20, wie zuvor angek\u00fcndigt, 1.000 \u00c4rztinnen\/\u00c4rzte und F\u00fchrungskr\u00e4fte in den \u00f6ffentlichen Krankenh\u00e4usern in einer Aufsehen erregenden kollektiven Ma\u00dfnahme von ihren administrativen Funktionen zur\u00fcck. (Vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/actu.orange.fr\/france\/hopital-rebellion-symbolique-et-inedite-de-plus-de-1-000-medecins-CNT000001mQPpL\/photos\/la-ministre-de-la-sante-agnes-buzyn-le-14-janvier-2020-a-paris-9221630a8ba0c3bbb0ecd82904cc1d95.html\">orange.fr&#8230;<\/a>) \u2013 Dabei pr\u00e4zisierten die Betreffenden, sie g\u00e4ben nicht ihre medizinischen Funktionen auf, doch tr\u00e4ten von allen administrativen und insbesondere finanziellen Aufgaben zur\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>Ansonsten:<\/strong><\/p>\n<p>Der ber\u00fchmte franz\u00f6sische Kletterer, der unter dem K\u00fcnstlernamen Spiderman bekannt wurde, verkn\u00fcpfte seine j\u00fcngste Hochhaus-Besteigungsaktion mit einem expliziten Protest gegen die Renten\u201ereform\u201c (vgl.\u00a0<a href=\"http:\/\/www.leparisien.fr\/video\/video-spider-man-grimpe-la-tour-total-contre-la-reforme-des-retraites-13-01-2020-8235264.php\">leparisien.fr&#8230;<\/a>).<\/p>\n<p>Und mittlerweile existiert auch bereits ein Videospiel zur Unterst\u00fctzung der Streik- und Protestbewegung (vgl.\u00a0<a href=\"https:\/\/actu.orange.fr\/france\/retraites-le-jeu-video-pour-soutenir-la-greve-CNT000001mScee.html\">orange.fr&#8230;<\/a>).<\/p>\n<p>Auch der am 06. Januar 20 begonnen Streik der Anw\u00e4lte und Anw\u00e4ltinnen \u2013 von denen einige in einer spektakul\u00e4ren Geste Justizministerin Nicole Belloubet ihre Roben zu F\u00fc\u00dfen warfen, und andere sich im Pariser Justizpalast ein Handgemenge mit der Gendamerie lieferten \u2013 wird fortgesetzt. Die Pariser Anwaltskammer verl\u00e4ngerte ihren Aufruf zum \u201eharten Streik\u201c bis zum 21. Januar 20. Auch dabei geht es um die Renten\u201ereform\u201c. Ausf\u00fchrlicheres dazu vom Autor dieser Zeilen, selbst Anwalt, in den kommenden 24 bis 48 Stunden\u2026<\/p>\n<p><strong><em>Artikel von Bernard Schmid vom 15.1.2020 mit einigen Fotos \u2013 wir danken!<\/em><\/strong><em>\u00a0<\/em>Er wurde urspr\u00fcnglich f\u00fcr Montag am Abend des Tages angek\u00fcndigt, doch aufgrund des hohen Aktualit\u00e4tsdrucks nochmals bis Mittwoch fr\u00fch \u00fcberarbeitet.<\/p>\n<ul>\n<li><em> auch das Interview des freien Radiosenders RDL Freiburg mit ihm, das am Montagmittag (13.01.20) ausgestrahlt wurde, mit einer ersten Reaktion auf die angeblichen Zugest\u00e4ndnisse der franz\u00f6s. Regierung:\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/rdl.de\/beitrag\/mit-ihrem-angeblichen-kompromiss-verzichtet-die-franz-sische-regierung-nicht-einmal-auf-die\"><em>https:\/\/rdl.de\/beitrag\/mit-ihrem-angeblichen-kompromiss-verzichtet-die-franz-sische-regierung-nicht-einmal-auf-die<\/em><\/a><\/li>\n<li><em>Siehe auch:\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=160886\"><em>Das angebliche Zugest\u00e4ndnis der franz\u00f6sischen Regierung verhindert nicht die Armutsrente \u2013 der Kampf geht weiter, trotz Polizeigewalt, Propagandakampagnen und gewerkschaftlicher Spaltungspolitik<\/em><\/a><\/li>\n<li><em>Siehe zuletzt: Zum Widerstand gegen die Einf\u00fchrung der Armutsrente zuletzt: \u201e<\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=160471\"><em>Frankreich: Mobilisierungserfolg beim gewerkschaftlichen Aktionstag am 09. Januar \u2013 weitere folgen am Samstag, den 11. und Dienstag, den 14. und\u2026<\/em><\/a><em>\u201c am 11. Januar 2020 im LabourNet Germany<\/em><\/li>\n<li><em>Siehe in seinem letzten Artikel die\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=160471\"><em>Bildergalerie mit Fotos und Kommentaren von Bernard Schmid der Demo gegen Renten\u201dreform\u201d am 9.1. in Paris<\/em><\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/gewerkschaften-frankreich\/frankreich-zwischen-spaltungsversuchen-der-bewegung-polizeigewalt-und-konflikten-im-oeffentlichen-krankenhauswesen\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 15. Januar 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bernard Schmid. Spaltung zwischen, aber auch innerhalb unterschiedlich orientierter Gewerkschaften vertieft sich nach Regierungs-Man\u00f6ver * Attacken vom UNSA-Chef * Der jetzige \u201eR\u00fcckzieher\u201c der Regierung ist keiner\u2026 und nicht einmal, wie<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,5],"tags":[8,25,61,26,45,49,17],"class_list":["post-6848","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-kampagnen","tag-altersvorsorge","tag-arbeiterbewegung","tag-frankreich","tag-gewerkschaften","tag-neoliberalismus","tag-repression","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6848","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6848"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6848\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6850,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6848\/revisions\/6850"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6848"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6848"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6848"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}