{"id":6871,"date":"2020-01-20T09:40:24","date_gmt":"2020-01-20T07:40:24","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6871"},"modified":"2020-01-20T09:50:37","modified_gmt":"2020-01-20T07:50:37","slug":"frankreich-streikende-besetzen-den-sitz-des-gewerkschaftsbundes-cfdt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6871","title":{"rendered":"Frankreich: Streikende besetzen den Sitz des Gewerkschaftsbundes CFDT"},"content":{"rendered":"<p><em>Gloria Grinberg.<\/em> <strong>Am 44. Tag des Streiks besetzten Arbeiter*innen der franz\u00f6sischen Transport- und Bahngesellschaften am Freitag den Sitz der CFDT, um sie zu warnen: &#8222;Verhandelt nicht in unserem Namen!&#8220; Die CFDT rief die Polizei, <!--more-->die die Streikenden am Ausgang erwartete.<\/strong><\/p>\n<p>Am Freitagmittag drangen mehrere Dutzend Mitglieder der Streikkoordination der RATP (U\u2011Bahn und Busse) und der SNCF (Eisenbahnen) friedlich in den Sitz der CFDT (Franz\u00f6sische Demokratische Konf\u00f6deration der Arbeit) ein und sangen:&nbsp;<em>\u201c\u2026auch wenn Berger nicht will, sind wir hier!\u201d<\/em>&nbsp;Sie prangerten an, dass Berger, der Vorsitzende des Gewerkschaftsbundes, nie zum Streik aufgerufen hat und dennoch im Namen der Streikenden mit der Regierung \u00fcber die Rentenreform verhandelt, welche die Streikenden als sozialen R\u00fcckschritt betrachten.<\/p>\n<p>Diese symbolische Aktion hatte den ganzen Tag \u00fcber eine enorme Wirkung. Zuerst verurteilte Berger selbst in einem Tweet die Aktion mit den Worten, es habe \u201cverbale und physische Aggressionen der Besch\u00e4ftigten\u201d gegeben, wobei er die \u201cKoordination SNCF-RATP\u201d anprangerte.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"653\" height=\"436\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/fr-2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6872\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/fr-2.jpg 653w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/fr-2-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 653px) 100vw, 653px\" \/><\/figure>\n<p>Anasse Kazib, einer der herausragenden Anf\u00fchrer des Streiks, dr\u00fcckte mit dem Megafon in der Hand&nbsp;<em>\u201cunsere ganze Solidarit\u00e4t mit den gewerkschaftlich organisierten CFDT-Bahnbesch\u00e4ftigten aus, die immer noch streiken und die vollst\u00e4ndige R\u00fccknahme der Rentenreform fordern\u201d<\/em>. Der bekannte Aktivist erkl\u00e4rte, dass die Streikenden&nbsp;<em>\u201cnicht gekommen sind, um die CFDT anzuprangern, denn es gibt Mitglieder, die militant sind und Teil des Streiks sind, wir sind nicht gegen sie; wir sind gekommen, um diese B\u00fcrokraten und ihren Champion Laurent Berger anzuprangern\u201d.<\/em><\/p>\n<p><em>\u201cWir sind nicht gegen die Mitglieder der @CFDT, sondern gegen die B\u00fcrokratie, die hier den Namen Laurent Berger tr\u00e4gt und dabei ist, den sozialen R\u00fcckschritt auszuhandeln\u201d, erkl\u00e4rt @AnasseKazib vor dem Hauptsitz der #CFDT. @CfdtBerger #greve17janvier<\/em><\/p>\n<p>Obwohl die CFDT bei den Verhandlungen einen besonders wichtigen Platz einnahm, betonten die Streikenden, dass die CFDT in den beiden Hochburgen des Streiks keine Legitimit\u00e4t besitzt, um mit der Regierung zu verhandeln: In der RATP ist die Gewerkschaft CFDT nicht repr\u00e4sentativ, w\u00e4hrend die CFDT-Mitglieder in der SNCF die vollst\u00e4ndige R\u00fccknahme der Rentenreform ohne Verhandlungen fordern \u2013 eine Position, die weit von der des Sekret\u00e4rs des Gewerkschaftsbundes entfernt ist.<\/p>\n<p>Aber die Frage der Verhandlungen mit der Regierung war nicht die einzige Sorge der Streikenden. Nach anderthalb Monaten Streik stand auch die Frage der Streikkasse im Mittelpunkt ihrer Reden: \u201cSie haben 126 Millionen Euro in der Kasse. Diese 126 Millionen m\u00fcssen den Streikenden, ob gewerkschaftlich organisiert oder nicht, gegeben werden, damit sie Widerstand leisten k\u00f6nnen\u201d, rief Anasse Kazib am Mikrofon und prangerte an, dass bisher kein Gewerkschaftsbund eine wirkliche finanzielle Solidarit\u00e4t mit den Streikenden aufgebaut hat.<\/p>\n<p>Gegen\u00fcber den Streikenden war die Reaktion der anwesenden Gewerkschaftsfunktion\u00e4r*innen besonders heftig: \u201cGeht wieder an die Arbeit\u201d, schrie sie einer von ihnen sogar an. Sie wagten es sogar, die Polizei zu rufen, um sie zu vertreiben. Dass eine Organisation, die behauptet, Teil der Arbeiter*innenbewegung zu sein, die Polizei ruft, ist ein klares Zeichen f\u00fcr die Politik der Gewerkschaftsf\u00fchrung, die, wie die Streikenden sagten, \u201cdas Gewicht der Ketten\u201d aushandelt, die die Arbeiter*innen niederhalten sollen.<\/p>\n<p>Am Nachmittag trat das gesamte franz\u00f6sische Regime an die \u00d6ffentlichkeit, um den \u201cSoldaten\u201d Berger zu verteidigen, einschlie\u00dflich der Anf\u00fchrer*innen der Gewerkschaftszentralen CGT und FO, die sich von der Aktion der Streikenden distanzierten. So auch der ehemalige Pr\u00e4sident Hollande (Sozialistische Partei), der die Bedeutung des \u201cRespektierens der Gewerkschaften\u201d hervorhob.&nbsp;<em>\u201cIn einer Demokratie m\u00fcssen wir uns gegenseitig respektieren. Wir m\u00fcssen die Gewerkschaften respektieren: ob sie protestieren, ob sie auf der Stra\u00dfe sind oder ob sie verhandeln und Kompromisse eingehen.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Emmanuel Macron seinerseits, der gestern keinen guten Tag hatte, sagte den Medien:&nbsp;<em>\u201cIch verurteile aufs Sch\u00e4rfste, was heute Nachmittag passiert ist. Diese Gewalt ist eine Schande f\u00fcr unsere Demokratie und nicht hinnehmbar\u201d.<\/em>&nbsp;Kurz darauf wurde er bei einem Besuch eines Theaterst\u00fccks in Paris von den Leuten so sehr ausgepfiffen, dass er zu seiner Sicherheit entfernt werden musste.<\/p>\n<p>Am selben Freitag f\u00fchrten die k\u00e4mpferischsten Sektoren der Bewegung eine dritte Kampfaktion durch, diesmal im ber\u00fchmten Louvre-Museum, wo sie an den T\u00fcren standen und den Eintritt blockierten, um den historischen Angriff auf die Errungenschaften der Arbeiter*innen, den Macron durchsetzen will, sichtbar zu machen.<\/p>\n<p>Diese Sektoren der k\u00e4mpferischen Streikenden haben sich \u00fcber ein Koordinationsgremium organisiert, um die vollst\u00e4ndige R\u00fccknahme der Rentenreform zu erreichen und die Hindernisse zu \u00fcberwinden, die von der Gewerkschaftsf\u00fchrung auferlegt wurden. Denn diese versucht, hinter dem R\u00fccken der streikenden Sektoren, die weiter k\u00e4mpfen wollen, mit der Regierung zu verhandeln.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst am 18. Januar 2020 bei&nbsp;<\/em><a href=\"http:\/\/www.laizquierdadiario.com\/Huelguistas-ocuparon-la-Confederacion-del-Trabajo-Francesa-No-van-a-negociar-en-nuestro-nombre\"><strong><em>La Izquierda Diario<\/em><\/strong><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/frankreich-streikende-besetzen-den-sitz-des-gewerkschaftsbundes-cfdt-verhandelt-nicht-in-unserem-namen\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 20. Januar 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gloria Grinberg. Am 44. 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