{"id":6908,"date":"2020-01-23T12:43:58","date_gmt":"2020-01-23T10:43:58","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6908"},"modified":"2020-01-23T12:44:00","modified_gmt":"2020-01-23T10:44:00","slug":"eine-basisbewegung-fuer-eine-klassenkaempferische-gewerkschaftspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=6908","title":{"rendered":"Eine Basisbewegung f\u00fcr eine klassenk\u00e4mpferische Gewerkschaftspolitik!"},"content":{"rendered":"<p><em>Flugblatt der Gruppe ArbeiterInnenmacht zur\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.vernetzung.org\/event\/strategiekonferenz-fuer-kaempferische-gewerkschaften\/\"><em>\u201eStrategiekonferenz f\u00fcr k\u00e4mpferische Gewerkschaften\u201c<\/em><\/a><em>. <\/em>Die n\u00e4chste gro\u00dfe Krise der Weltwirtschaft steht vor der T\u00fcr. Die Vorboten der Krise zeichnen sich schon jetzt weltweit ab, insbesondere in den L\u00e4ndern<!--more--> der sog. \u201eDritten Welt\u201c, den von den kapitalistischen Zentren wirtschaftlich und politisch beherrschten Halb-Kolonien.<\/p>\n<p>Aber auch in der EU und in Deutschland kippt die Entwicklung Richtung Rezession. Besonders betroffen werden diesmal auch die Auto- und Zulieferindustrie sein, das Flaggschiff der deutschen Industrie und des Exports. Zehntausende Stellen wurden schon gestrichen, die Arbeitspl\u00e4tze nicht wieder besetzt und Tausende sollen in den n\u00e4chsten Monaten noch entlassen werden. Unvermeidlich werden die verschiedenen Krisenherde sich gegenseitig verst\u00e4rken. Versch\u00e4rfte Konkurrenz und mehr oder weniger offen gef\u00fchrte Handelskriege schr\u00e4nken den Spielraum f\u00fcr eine konzertierte \u201eAnti-Krisenpolitik\u201c der wirtschaftlichen Gro\u00dfm\u00e4chte und Bl\u00f6cke massiv ein, ja verunm\u00f6glichen sie tendenziell. Der deutsche Imperialismus m\u00f6chte in diesem Kampf um die Neuaufteilung der Welt bestehen \u2013 daher sollen die Lohnabh\u00e4ngigen hier wie weltweit die Kosten tragen, sei es durch versch\u00e4rfte Ausbeutung oder durch weitere K\u00fcrzungen.<\/p>\n<p>\u201eWirtschaft\u201c und die \u201ePolitik\u201c, also Regierung und Kapital, erweisen sich als in dieser Situation als unf\u00e4hig auch nur eine der dringenden gesellschaftlichen Fragen im Interesse der Massen zu l\u00f6sen: Pflegenotstand und medizinische Unterversorgung; wachsende Armut, insbesondere bei Alten und Kindern, und an vorderster Stelle die drohende Klimakatastrophe und die anderen Umweltprobleme. Eisern halten sie trotz wachsender Proteste daran fest, die Unternehmen zu schonen und die arbeitende Bev\u00f6lkerung und Jugend zahlen zu lassen. Zu kosmetischen Zwecken verabschiedet die Regierung \u201ePakete\u201c und die Unternehmen stellen die Produkt-Werbung auf gr\u00fcn.<\/p>\n<p><strong>Krise der Gewerkschaften<\/strong><\/p>\n<p>In allen diesen Fragen k\u00f6nnten die Gewerkschaften eine wichtige Rolle als Sammelpunkte des Widerstandes spielen, ja sie m\u00fcssten es. Niemand kann den KapitalistInnen besser entgegentreten als die Besch\u00e4ftigten, die dort arbeiten, wo die Unternehmen Umweltgift auf sch\u00e4dliche Weise produzieren, wo sie die Entscheidungen im Interesse ihres Profits gegen die arbeitenden Menschen f\u00e4llen: f\u00fcr Entlassungen, Arbeitszeitverl\u00e4ngerung, Lohneinsparungen oder K\u00fcrzungen im Bereich der \u00f6ffentlichen Daseinsvorsorge.<\/p>\n<p>Die Gewerkschaften k\u00f6nnten, ja m\u00fcssten in dieser Situation die ArbeiterInnenklasse nicht nur gegen die Willk\u00fcr der Unternehmen, sondern auch \u00fcber den einzelnen Betrieb hinaus branchenweit mobilisieren. Sie m\u00fcssten in dieser kommenden Krise den Angriffen des Kapitals in allen Bereichen eine gemeinsame, organisierte politische Gegenwehr entgegensetzen, indem sie das wirksamste Kampfmittel einsetzen, das die arbeitenden Menschen in diesem System haben: den Streik, also die Weigerung, das Kapital weiter zu vermehren. \u00dcber Proteste hinaus k\u00f6nnen damit andere Entscheidungen durchgesetzt werden, wenn der Streik nicht blo\u00df als \u201eletztes Mittel\u201c betrachtet w\u00fcrde, das tunlichst nur beschr\u00e4nkt und rein tariflich einzusetzen sei, sondern als politisches Kampfmittel in Form des Massenstreiks bis hin zum Generalstreik.<\/p>\n<p>Ver.di und IG Metall haben ihre Gewerkschaftstage abgehalten und dabei so getan, als ginge sie die Krise nichts an: wo sie herkommt, welche Gefahren es gibt, wie verhindert werden kann, dass wieder die ArbeiterInnenklasse mit Arbeitspl\u00e4tzen, Reallohnverlust und weiterer Prekarisierung bezahlt \u2013 keine Themen. Digitalisierung ist zwar ein Problem, das die Gewerkschaftsf\u00fchrungen benennen, sie fordern aber lediglich eine sozialvertr\u00e4gliche Umstellung und tun so, als ob diese \u201epartnerschaftlich\u201c m\u00f6glich w\u00e4re. Auch wenn es auf dem ver.di-Gewerkschaftstag im Gegensatz zu dem der IG Metall zu mehren Fragen wie der kollektiven Arbeitszeitverk\u00fcrzung, des Mindestlohns, des politischen Streiks, der Leiharbeit zu heftigen Diskussionen und Kampfabstimmungen kam, \u00e4ndert das an dieser Tatsache nichts.<\/p>\n<p>Diese \u201ePartnerschaft\u201c, die in den Betrieben, aber auch in Tarifrunden und in allen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen praktiziert wird, wird nur vordergr\u00fcndig und mit dem beschr\u00e4nkten Blick auf einzelne Betriebe ausreichen, die Interessen zumindest eines Teil der (Stamm)-Belegschaften zu sichern. Sie wird angesichts des Generalangriffs des Kapitals v\u00f6llig wertlos und hat noch nie erlaubt, eine wirkliche Wende durchzusetzen. Denn sie geht immer damit einher, dem Kapital zu erlauben, seine Profitinteressen auf Kosten der Konkurrenz, anderer Unternehmens- oder Belegschaftsteile, der prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten und\/oder der Umwelt durchzusetzen.<\/p>\n<p>Die (Irre-)F\u00fchrung der Gewerkschaften f\u00e4llt aber nicht vom Himmel. Sie hat ihre Ursache in der politischen Unterordnung unter die Anforderungen der KapitalistInnen und ihrer Regierung, ja der Fesselung an das kapitalistische System mitsamt seinen Krisen. In den letzten Jahrzehnten f\u00fchrte das zu mehreren politisch verheerenden Resultaten:<\/p>\n<ol>\n<li>Die Gewerkschaften organisieren einen immer kleiner werdenden Teil der Lohnabh\u00e4ngigen. Sie konzentrieren sich immer mehr auf Organisierte in der Gro\u00dfindustrie oder in schon organisierten Bereichen des \u00f6ffentlichen Dienstes und des Dienstleistungssektors.<\/li>\n<li>Trotz wichtiger einzelner Gegenbeispiele wie z. B. im Gesundheitssektor blieben gr\u00f6\u00dfere Abwehrk\u00e4mpfe aus. Die Vorherrschaft der B\u00fcrokratie, die Dominanz des Apparates und der Betriebsr\u00e4te der Gro\u00dfbetriebe nahmen eher zu.<\/li>\n<li>Ein monstr\u00f6ses System der Klassenzusammenarbeit und die Ideologie der \u201eSozialpartnerschaft\u201c bestimmen die Politik der Gewerkschaften und jene der meisten Betriebsr\u00e4te. Die DGB-Gewerkschaften stellen eine soziale Hauptst\u00fctze der Gro\u00dfen Koalition dar \u2013 und agieren dementsprechend auf allen Politikfeldern.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die B\u00fcrokratie hofft, die n\u00e4chste kapitalistische Krise durch noch mehr Zusammenarbeit mit dem Kapital, noch mehr \u201ePartnerschaft\u201c bei der Sicherung der Interessen des deutschen Exports und des Gro\u00dfkapitals insgesamt zu \u00fcberstehen. Kein Wunder, dass immer gr\u00f6\u00dfere Teile der ArbeiterInnenklasse von diesen \u201eInteressenvertretungen\u201c entfremdet, ganze Sektoren wenig oder gar nicht organisiert sind.<\/p>\n<p>Die klassenk\u00e4mpferischen und linken Kr\u00e4fte in den Gewerkschaften wurden in den letzten Jahren schw\u00e4cher, nicht st\u00e4rker. Daf\u00fcr gibt es mehrere Ursachen: Erstens die Niederlagen durch Hartz- und Agenda-Gesetze sowie die sozialpartnerschaftliche Politik in der Rezession, die die B\u00fcrokratie (v. a. in IG Metall und IG BCE) st\u00e4rkten. Zweitens die \u00dcbernahme und Z\u00e4hmung von Ans\u00e4tzen einer gr\u00f6\u00dferen Gewerkschaftslinken durch die Linkspartei. Drittens die weitgehende Ausblendung des politischen und \u00f6konomischen Gesamtzusammenhangs aus der Aktivit\u00e4t der gewerkschaftlichen und betrieblichen Oppositionsans\u00e4tze.<\/p>\n<p>Gerade die aktuelle Krisenperiode erfordert aber eine politische, nicht blo\u00df eine gewerkschaftliche Strategie, wenn wir eine klassenk\u00e4mpferische Basisbewegung, eine echte Opposition gegen die B\u00fcrokratie bundesweit aufbauen wollen.<\/p>\n<p>Angesichts der fundamentalen Krise der Gewerkschaften kann es nicht nur darum gehen, Forderungen zu einzelnen Missst\u00e4nden zu b\u00fcndeln, sondern wir brauchen eine zusammenh\u00e4ngende Strategie, Konzeption und letztlich ein Aktionsprogramm mit dem Ziel, eine klassenk\u00e4mpferische Basisbewegung, eine organisierte Opposition nicht nur gegen rechte B\u00fcrokratInnen, sondern das gesamte System der B\u00fcrokratie aufzubauen, um breite Teile der ArbeiterInnenklasse gegen die Angriffe des Kapitals zu vereinen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"600\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/d.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6909\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/d.jpg 800w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/d-300x225.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/d-768x576.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n<p><strong>Aktionsprogramm<\/strong><\/p>\n<p>Ein solches Programm muss die zentralen Angriffe und Antworten im Interesse der ArbeiterInnenklasse zum Ausgangspunkt nehmen. Es darf sich aber nicht auf reine Lohnfragen und betriebliche Probleme beschr\u00e4nken, sondern muss versuchen, gewerkschaftliche und betriebliche Forderungen in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext zu stellen und mit allen wichtigen Fragen des Klassenkampfes zu verbinden. Nur so kann der gewerkschaftliche Kampf zu einem Kampf gegen das Kapital werden.<\/p>\n<p>Angesichts der Entlassungen und Streichung zehntausender Arbeitspl\u00e4tze ist es unabdingbar, f\u00fcr eine allgemeine Arbeitszeitverk\u00fcrzung f\u00fcr alle zu k\u00e4mpfen. Es geht dabei nicht darum, die Arbeitszeit an die Auftragsschwankungen der Unternehmen oder individuelle Bed\u00fcrfnisse anzupassen (so berechtigt letztere auch sein k\u00f6nnen), wie zuletzt in den Tarifen von IG Metall oder EVG vereinbart. Es geht um eine kollektive Waffe gegen die Strategie des Kapitals, einen Teil der arbeitenden Bev\u00f6lkerung mit immer mehr Arbeit zu \u00fcberlasten und andere aufs Abstellgleis zu schieben und insgesamt die L\u00f6hne zu senken.<\/p>\n<ul>\n<li>Kampf gegen alle Entlassungen! F\u00fcr die 30-Stunden-Woche in Ost und West bei vollem Lohn- und Personalausgleich!<\/li>\n<li>Die Arbeitszeitverk\u00fcrzung darf nicht zu einer weiteren Verdichtung der Arbeit f\u00fchren, deshalb muss sie sofort mit Neueinstellungen verbunden werden. Die Entscheidung dar\u00fcber muss bei den Besch\u00e4ftigten, den Vertrauensleuten und Betriebs-\/Personalr\u00e4ten liegen.<\/li>\n<li>Kampf zur Verk\u00fcrzung der Arbeitszeit muss europaweit koordiniert werden! In der EU sind die Arbeitslosenzahlen noch immer auf einem H\u00f6chststand. In internationalen Konzernen muss dieser Kampf von Beginn an \u00fcbergreifend gef\u00fchrt werden!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Als Antwort auf konkrete Schlie\u00dfungspl\u00e4ne reicht es nicht, auf eine verk\u00fcrzte Arbeitszeit zu warten. Die Antwort auf alle Angriffe auf die Arbeitspl\u00e4tze muss sein:<\/p>\n<ul>\n<li>Streiks und Besetzungen!<\/li>\n<li>Dazu sind Aktionskomitees n\u00f6tig, die auf Vollversammlungen gew\u00e4hlt werden. Mitglieder der Aktionskomitees m\u00fcssen jederzeit abw\u00e4hlbar sein, wenn sie nicht nach dem Willen der Mehrheit handeln.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gegen\u00fcber den Firmen, die mit Stilllegung und Entlassungen drohen, fordern wir:<\/p>\n<ul>\n<li>Entsch\u00e4digungslose Verstaatlichung und Fortf\u00fchrung\/Umstellung der Produktion solcher Firmen unter der Kontrolle der Belegschaften und gewerkschaftlichen Vertrauensleute!<\/li>\n<li>Umstellung\/Konversion der Produktion vor allem da, wo umwelt- oder gesundheitssch\u00e4dliche Produkte hergestellt oder solche Verfahren angewendet werden \u2013 kontrolliert von den Besch\u00e4ftigten, Gewerkschaften und Aussch\u00fcssen aller lohnabh\u00e4ngigen KonsumentInnen!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Arbeit muss auf alle verteilt werden und niemand, vor allem die Besch\u00e4ftigten im Niedriglohnsektor, darf deswegen an Einkommen verlieren. Im Gegenteil, dort m\u00fcssen sie sofort nachhaltig erh\u00f6ht und gesellschaftliche Einrichtungen ausgebaut werden, die der Masse zugutekommen!<\/p>\n<ul>\n<li>Sp\u00fcrbare Erh\u00f6hung der Einkommen \u2013 nach den Bed\u00fcrfnissen der arbeitenden Menschen, nicht nach dem \u201eSpielraum der Wirtschaft\u201c, d. h. des Kapitals!<\/li>\n<li>Festgeldzuwachs f\u00fcr alle, um Einkommensverluste wettzumachen! Angleichung der\u00a0 L\u00f6hne und der Arbeitszeit im Osten auf Westniveau!<\/li>\n<li>Gegen Billigjobs und Lohndr\u00fcckerei! F\u00fcr einen steuerfreien Mindeststundenlohn von 12 Euro netto (ca. 1.600 Euro\/Monat)!<\/li>\n<li>Verbindung der Tarifk\u00e4mpfe mit den K\u00e4mpfen gegen Entlassungen!<\/li>\n<li>Nein zur Rente mit 67 oder noch sp\u00e4terem Einrittsalter! Einf\u00fchrung der Rente ab 60 f\u00fcr alle bei vollen Bez\u00fcgen!<\/li>\n<li>F\u00fcr eine Altersteilzeit, die die in Rente gehenden KollegInnen tats\u00e4chlich durch BerufseinsteigerInnen ersetzt \u2013 unter Kontrolle der Besch\u00e4ftigten und finanziert aus den Unternehmensgewinnen!<\/li>\n<li>F\u00fcr Arbeitslose, Studierende, RentnerInnen, Sch\u00fclerInnen ab 16, chronisch Kranke, Schwerstbehinderte k\u00e4mpfen wir f\u00fcr ein monatliches Mindesteinkommen von 1.100 Euro plus Warmmiete!<\/li>\n<li>F\u00fcr ein Programm gesellschaftlich n\u00fctzlicher Arbeiten zum Ausbau des \u00f6ffentlichen Verkehrs, Wohnungsbaus, im Gesundheits- und Bildungswesen unter Kontrolle der Besch\u00e4ftigten und der Gewerkschaften! Finanziert durch die Wiedereinf\u00fchrung der Verm\u00f6genssteuer und massive Erh\u00f6hung der Kapitalsteuern!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um der Erniedrigung durch die Arbeitslosenverwaltung und den Drohungen des sozialen Absturzes zu begegnen, sofort:<\/p>\n<ul>\n<li>Abschaffung von Hartz IV! F\u00fcr ein Existenz sicherndes Mindesteinkommen von 1100,- Euro plus Warmmiete und Mindestrenten in dieser H\u00f6he!<\/li>\n<li>Keine Zwangsjobs, keine Leih- und Zeitarbeit! Als Schritt in diese Richtung: gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit, gleiche Bedingungen und Rechte f\u00fcr LeiharbeiterInnen wie f\u00fcr die Stammbelegschaften! Unbefristete \u00dcbernahme der LeiharbeiterInnen in tariflich gesicherte Arbeitsverh\u00e4ltnisse! Nein zu allen Formen des Kombilohns, von B\u00fcrgergeld inkl. seiner \u201elinken\u201c Spielart, des bedingungslosen Grundeinkommens!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Um gegen die Angriffe von Seiten des Kapitals gewinnen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen die K\u00e4mpfe politisch gef\u00fchrt werden! Die Trennung von gewerkschaftlichem und politischem Kampf muss \u00fcberwunden werden!<\/p>\n<p><strong>Schulterschluss mit der Umweltbewegung!<\/strong><\/p>\n<p>Die Proteste gegen die Klimazerst\u00f6rung und andere Sch\u00e4digungen der Umwelt haben deutlich vorgef\u00fchrt, wie peinlich Betriebsr\u00e4te, die zust\u00e4ndigen Gewerkschaften und auch die Mehrheit der Belegschaften jede Umwelts\u00fcnde abdecken. Sie haben der Erpressung mit Arbeitsplatzverlust nichts entgegengesetzt, weil die F\u00fchrungen der Gewerkschaften sich immer dem Diktat des Kapitals und seinen Bed\u00fcrfnissen untergeordnet haben. Je anti-kapitalistischer die Gewerkschaften und die Umweltbewegung vorgehen, desto mehr k\u00f6nnen sie kooperieren!<\/p>\n<ul>\n<li>Bezahlung des \u00f6kologischen Umbaus durch die Besteuerung der Reichen und die Enteignung der gesamten Energiewirtschaft unter Kontrolle der ArbeiterInnenklasse!<\/li>\n<li>Umweltsch\u00e4dliche Produktion stoppen, den schnellstm\u00f6glichen Ausstieg aus dem Braunkohletagebau durchsetzen und die Besch\u00e4ftigten ohne Einkommensverlust umschulen! Wirtschaftliche Entwicklungsprogramme f\u00fcr die betroffenen Regionen unter Kontrolle der Besch\u00e4ftigten und der Gewerkschaften!<\/li>\n<li>Die Ergebnisse von Forschung und Entwicklung offenlegen und betrieblich und gesellschaftlich durch die lohnabh\u00e4ngigen Besch\u00e4ftigten und KonsumentInnen kontrollieren!<\/li>\n<li>Eine Konversion durchsetzen, die nicht auf Kosten der Arbeitspl\u00e4tze geht, sondern die Besch\u00e4ftigten einbezieht! Denn sie verf\u00fcgen \u00fcber das Know-how, wie zuk\u00fcnftige umweltfreundliche Arbeitspl\u00e4tze aussehen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Die gro\u00dfen Konzerne unter Kontrolle der Besch\u00e4ftigten enteignen, um einen demokratischen Plan zum \u00f6kologischen Umbau der Produktion und der Infrastruktur durchzusetzen!<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Faschismus, Rassismus, Nationalismus bek\u00e4mpfen!<\/strong><\/p>\n<p>In den Zeiten der weltweiten Krise des Kapitalismus gehen auch Teile der ArbeiterInnenklasse nach rechts und suchen ihr Heil in der Sicherung ihrer Arbeitspl\u00e4tze und sozialen Standards gegen andere. Forderungen nach Abschottung und versch\u00e4rften Grenzkontrollen, Rassismus und Nationalismus nehmen zu. Die Logik der Standortsicherungen und die ganze Ideologie des \u201eStandortes Deutschland\u201c, also die Sicherung der wirtschaftlichen Dominanz auf Kosten anderer f\u00f6rdert Einstellungen, die Wasser auf die M\u00fchlen von AfD oder sogar faschistischen Organisationen sind. Sie wollen die Gewerkschaften im Grunde zerschlagen und haben das auch schon getan \u2013 nicht nur in Deutschland, aber da am radikalsten. Dagegen hilft keine Anpassung sondern die klare Alternative:<\/p>\n<ul>\n<li>Volle Staatsb\u00fcrgerInnenrechte f\u00fcr alle Gefl\u00fcchteten und MigrantInnen, Aufnahme der Gefl\u00fcchteten in die Gewerkschaften!<\/li>\n<li>Offene Grenzen, keine Abschiebungen! Recht auf Arbeit f\u00fcr alle Gefl\u00fcchteten und MigrantInnen \u2013 bezahlt zu tariflichen L\u00f6hnen!<\/li>\n<li>Nazis und Rechten entgegentreten! Keine Propagandafreiheit f\u00fcr FaschistInnen, aktiver Kampf gegen rassistische und rechte Gruppierungen in den Betrieben! Aufbau einer ArbeiterInneneinheitsfront, betrieblicher und gewerkschaftlicher Selbstverteidigungsstrukturen!<\/li>\n<li>Kampf allen Einschr\u00e4nkungen demokratischer Rechte, der Militarisierung, wirtschaftlichen und politischen Sanktionen sowie der Aufr\u00fcstung in Deutschland und der EU! Politische Streiks und Aktionen gegen Milit\u00e4rinterventionen (wie z. B. gegen den Iran)!<\/li>\n<li>Internationale Koordinierung der gewerkschaftlichen, sozialen und politischen K\u00e4mpfe \u2013 f\u00fcr eine europaweite Aktionskonferenz gegen die Krise zur Diskussion und Koordinierung des gemeinsamen Abwehrkampfes!<\/li>\n<\/ul>\n<p>Durch eine solche Offensive k\u00f6nnen die Gewerkschaften f\u00fcr die Masse der Besch\u00e4ftigten ein effektives Kampforgan zur Verteidigung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen werden, die in den letzten Jahren das Vertrauen verloren hatten oder die \u2013 wie gro\u00dfe Teile der j\u00fcngeren Generationen und der prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten \u2013 noch nie positive Erfahrungen mit kollektiver Gegenwehr und Organisation machen konnten. Mit der Anbiederung an Kapital und Regierung, mit der Unterst\u00fctzung von Leiharbeit und Niedrigl\u00f6hnen und der Ignoranz gegen\u00fcber der Basis und gegen\u00fcber neuen und unorganisierten Betrieben haben die Gewerkschaftsf\u00fchrungen die Mitgliederzahlen der DGB-Gewerkschaften auf einen historischen Tiefstand gefahren.<\/p>\n<ul>\n<li>Abschaffung aller Einschr\u00e4nkungen des Streikrechts, insbesondere politischer Streiks!<\/li>\n<li>Organisierung der Unorganisierten! Dies erfordert, einen zentralen Fokus auf die Gewinnung von prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten zu richten, verbunden mit Kampagnen zur Arbeitszeitverk\u00fcrzung und zum gesetzlichen Mindestlohn! Das trifft insbesondere auch auf die Branchen zu, in denen \u00fcberwiegend Frauen arbeiten, die generell schlechter bezahlt werden!<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Andere Methoden, andere Ziele<\/strong><\/p>\n<p>Solche Forderungen m\u00fcssen von aktiven und oppositionellen GewerkschafterInnen in Betriebsgruppen, Vertrauensleutek\u00f6rpern oder auf Delegiertenkonferenzen eingebracht werden, um die B\u00fcrokratie unter Druck zu setzen und k\u00e4mpferische Kr\u00e4fte zu gruppieren.<\/p>\n<p>Um die Allmacht der Apparate zu brechen, braucht es auch einen systematischen Kampf. Dieser muss mit der Demokratisierung der Gewerkschaften beginnen. Wir m\u00fcssen uns vor allem daf\u00fcr einsetzen, dass die Mitglieder, ja die Belegschaften allgemein \u00fcber Forderungen und Kampfmethoden entscheiden. Nur wenn sie ins Spiel kommen, k\u00f6nnen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse so ge\u00e4ndert werden, dass andere Entscheidungen m\u00f6glich werden. Eine Handvoll Leute mit Resolutionen erreicht das nicht.<\/p>\n<p>Verbunden werden muss das mit dem Kampf gegen die Einschr\u00e4nkung der politischen T\u00e4tigkeit in den Gewerkschaften selbst. Das gegenw\u00e4rtige System der \u201eEinheitsgewerkschaft\u201c kommt einem politischen Maulkorb f\u00fcr jede oppositionelle, nicht-sozialdemokratische Str\u00f6mung gleich. Wir treten daher f\u00fcr das Recht auf Bildung politischer Fraktionen in den Gewerkschaften und Betrieben ein.<\/p>\n<p><strong>Basisbewegung<\/strong><\/p>\n<p>Das erfordert, dass programmatische Diskussionen, wie sie eine zuk\u00fcnftige Gewerkschaftslinke braucht, helfen m\u00fcssen, die bestehenden Differenzen demokratisch zu bearbeiten und zugleich neuen AktivistInnen einen Zugriff auf diese zu erlauben. Also die besten Traditionen der gewerkschaftlichen Bildung wieder aufzugreifen bei gleichzeitiger Erarbeitung eines Aktionsprogramms f\u00fcr eine klassenk\u00e4mpferische Basisbewegung, eine organisierte anti-b\u00fcrokratische Opposition.<\/p>\n<p>Am Aufbau einer Opposition k\u00f6nnen auch Funktion\u00e4rInnen und Hauptamtliche teilnehmen. Das Ziel kann und darf jedoch nicht darin bestehen, im Rahmen der bestehenden b\u00fcrokratischen Struktur einfach nur mehr Posten zu gewinnen oder Linke besser zu vernetzen \u2013 es geht darum, das existierende b\u00fcrokratische System zu zerbrechen und durch ein arbeiterInnendemokratisches zu ersetzen. Alle Funktionstr\u00e4gerInnen auf gewerkschaftlicher und betrieblicher Ebene m\u00fcssen ihrer Basis rechenschaftspflichtig, von ihr gew\u00e4hlt und abw\u00e4hlbar sein. Kein\/e Funktion\u00e4rIn darf mehr als ein durchschnittliches FacharbeiterInnengehalt verdienen.<\/p>\n<p>Heute haben Hauptamtliche noch weniger Spielraum als fr\u00fcher und vielen, die als Linke einen solchen Job haben, fehlt das politische R\u00fcstzeug, um dem Druck des Reformismus und der Sozialpartnerschaft standzuhalten. Das hei\u00dft nicht, dass die Krise der Gewerkschaften nicht Risse im Apparat produzieren kann, die eine unabh\u00e4ngig strukturierte Opposition auszunutzen vermag.<\/p>\n<p>Vor allem aber darf sich eine oppositionelle, klassenk\u00e4mpferische Bewegung in Betrieb und Gewerkschaften nicht von \u201elinken\u201c Teilen des Apparates abh\u00e4ngig machen oder zu deren Zutr\u00e4gerInnen verkommen.<\/p>\n<p><strong>Politische Ausrichtung<\/strong><\/p>\n<p>Der systematische Kampf gegen die B\u00fcrokratie und ihren W\u00fcrgegriff, in dem sie die Gewerkschaftsbewegung festh\u00e4lt, muss also im Aufbau einer klassenk\u00e4mpferischen Basisbewegung m\u00fcnden, die f\u00fcr eine andere F\u00fchrung und eine andere Struktur der Gewerkschaften k\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Auch wenn sie eine Bewegung zur Erneuerung der Gewerkschaften darstellt, ist dieser Kampf letztlich ein politischer: Er muss nicht nur f\u00fcr k\u00e4mpferische Methoden eintreten, sondern auch f\u00fcr ein wirkliches Verst\u00e4ndnis des kapitalistischen Systems und seiner Krise, seines Staates und seiner Herrschaftsmechanismen bei den Kolleginnen und Kollegen.<\/p>\n<p>Eine Wende der Gewerkschaften muss mit einer Wende der Linken einhergehen: Die Gewerkschaften m\u00fcssen sich freimachen von der Fessel an die SPD. Die Linkspartei darf sich nicht l\u00e4nger diesem Diktat unterordnen. Die linken Kr\u00e4fte m\u00fcssen auch mit der Illusion brechen, dass die Linkspartei insgesamt eine substantielle politische Alternative darstelle. Auch sie zielt nicht auf die Abschaffung des Kapitalismus, sondern auf dessen Reform, dessen angeblich \u201egerechtere\u201c Ausgestaltung.<\/p>\n<p>Die Politik des Reformismus hat sich als Illusion erwiesen. Alle wichtigen Verbesserungen und Reformen k\u00f6nnen in der gegenw\u00e4rtigen Situation nur mit den Mitteln des Klassenkampfes durchgesetzt werden. Reformen und Teilerfolge k\u00f6nnen die Angriffe vielleicht stoppen und zur\u00fcckwerfen \u2013 sie werden aber kein \u201eneues\u201c Modell mit sich bringen, sondern rasch zu noch h\u00e4rteren Angriffen der herrschenden Klasse f\u00fchren. Die K\u00e4mpfe in Griechenland, in Frankreich oder in Chile, die Putschbewegungen in Bolivien oder Brasilien verdeutlichen das. Die kommenden Auseinandersetzungen \u2013 seien es drohenden Massenentlassungen, Rassismus, Militarismus oder Umweltkatastrophe, verdeutlichen, dass es um die Systemfrage geht. Wir brauchen daher eine Opposition, eine klassenk\u00e4mpferische Basisbewegung, die nicht nur die Symptome bek\u00e4mpft, sondern auch das Problem an der Wurzel packt, die den Kapitalismus nicht z\u00e4hmen, sondern ihn \u00fcberwinden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2020\/01\/22\/antibuerokratisch-organisiert-antikapitalistisch-basisbewegung-fuer-eine-klassenkaempferische-gewerkschaftspolitik\/\"><em>arbeiterinnenmacht.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 23. Januar 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Flugblatt der Gruppe ArbeiterInnenmacht zur\u00a0\u201eStrategiekonferenz f\u00fcr k\u00e4mpferische Gewerkschaften\u201c. Die n\u00e4chste gro\u00dfe Krise der Weltwirtschaft steht vor der T\u00fcr. 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