{"id":7032,"date":"2020-02-12T17:32:27","date_gmt":"2020-02-12T15:32:27","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7032"},"modified":"2020-02-12T17:37:27","modified_gmt":"2020-02-12T15:37:27","slug":"ahv-doppelt-so-reich-wie-im-jahr-2000","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7032","title":{"rendered":"AHV: Doppelt so reich wie im Jahr 2000"},"content":{"rendered":"<p><em>Gery Schwager. <\/em><strong>2019 schrieb die AHV rund 1,5 Milliarden \u00adFranken Gewinn. Ihr Verm\u00f6gen ist riesig. Und ab\u00a0Januar wurden die Beitr\u00e4ge noch erh\u00f6ht. \u00adTrotzdem verstummen die Schwarzmaler nicht. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Man darf von einem \u00adSuperjahr sprechen: 2019 betrug die Rendite auf dem Anlage\u00adver\u00adm\u00f6gen des AHV-Fonds 9,62\u00a0Prozent. Das ist der h\u00f6chste Wert, seit die Ausgleichsfonds f\u00fcr die \u00adSo\u00adzialwerke AHV, Inva\u00adlidenversicherung (IV) und Erwerbsersatzordnung (EO) Anfang 2011 getrennt wurden \u00ad(<a href=\"https:\/\/www.ktipp.ch\/artikel\/artikeldetail\/ahv-doppelt-so-reich-wie-im-jahr-2000\/?type=1505214798&amp;tx_updkonsuminfo_konsuminfofe%5Bpdf%5D=fileadmin%2Fcontent%2Fmagazine%2Fktipp%2F2020%2F03%2FPDFs%2F06_ahv.pdf&amp;cHash=23a7828d976d93da06a55aab453a362\">siehe Grafik im PDF<\/a>).<\/p>\n<p>Die positiven Anlage\u00adrenditen der vergangenen Jahre halfen kr\u00e4ftig mit, das Verm\u00f6gen der AHV in die H\u00f6he zu treiben. Aktuell bel\u00e4uft es sich auf rund 45\u00a0Milliarden\u00a0Franken. Die AHV ist damit etwa doppelt so reich wie im Jahr 2000. Schon damals beliefen sich ihre Reserven auf 22,7 Milliarden Franken.<\/p>\n<p>Die positiven Kapital\u00adertr\u00e4ge entsch\u00e4rften auch das Problem der Umlagedefizite: Ab 2014 gab die AHV zwar in jedem Jahr mehr Geld f\u00fcr Renten aus, als sie an Beitr\u00e4gen einnahm. Doch das daraus resultierende Minus konnte sie in vier der sechs Jahre dank den Ertr\u00e4gen aus der Verm\u00f6gensanlage in ein stattliches Plus verwandeln. 2019 betrug dieses wohl rund 1,5 Milliarden Franken \u2013 genaue Zahlen werden Anfang April bekannt gegeben.<\/p>\n<p>Hohes Verm\u00f6gen, gute Renditen \u2013 der AHV geht es nach wie vor blendend. Trotzdem prophezeien \u00adPolitiker und Wirtschafts\u00advertreter der AHV fast im Wochentakt eine rabenschwarze Zukunft. Sie st\u00fctzen sich meist auf die stets pessimistischen Prognosen des Bundes, die jedoch auf wackligen F\u00fcssen stehen (<a href=\"https:\/\/www.ktipp.ch\/artikel\/artikeldetail\/grundsolide-ahv-panikmache-fehl-am-platz\/\">K-Tipp 13\/2019<\/a>).<\/p>\n<p>Im Februar 2013 etwa \u00adsagte der damalige Di\u00adrektor des Arbeitgeber\u00adverbands, Thomas Daum, im Schweizer Fernsehen: \u00abDas gute Anlageergebnis der AHV im Jahr 2012 ist nur ein Tropfen auf den heis\u00adsen Stein.\u00bb\u00a0<\/p>\n<p>\u00c4hnliches war auch in den Folgejahren regelm\u00e4ssig zu h\u00f6ren, erg\u00e4nzt durch den Verweis auf die angeblich immer \u00e4lter werdende Bev\u00f6lkerung. In den Me\u00addien lautete der Tenor fast unisono: \u00abDie Sa\u00adnierung der AHV ertr\u00e4gt \u00adkeinen Aufschub.\u00bb<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"638\" height=\"447\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/7_tabelle_ahv.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7033\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/7_tabelle_ahv.png 638w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/7_tabelle_ahv-300x210.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 638px) 100vw, 638px\" \/><\/figure>\n<p><strong>Lamentieren trotz Milliardengewinn<\/strong><\/p>\n<p>Besonders laut ert\u00f6nten \u00addiese Stimmen jeweils nach der Pr\u00e4sentation der Anlage\u00adresultate durch die Compenswiss, die die Verm\u00f6gen von AHV, IV und EO verwaltet. So prognostizierte Compenswiss-Pr\u00e4sident Marco Netzer Anfang 2016, dass das AHV-Fonds-Verm\u00f6gen innert acht Jahren um 10 Milliarden Franken schrumpfen werde. Und sein Nachfolger Manuel Leuthold meinte zwei \u00adJahre sp\u00e4ter, nachdem das Verm\u00f6gen allen Unkenrufen zum Trotz um 1,5 Milliarden Franken angestiegen war: \u00abNach zehn Jahren des ununterbrochenen Wachstums ist es schwierig zu denken, dass der Trend ewig so weitergeht.\u00bb<\/p>\n<p>Auch dieses Jahr sieht Leut\u00adhold wieder dunkle Wolken am Horizont. Trotz Milliardengewinn im vergangenen Jahr. Und obwohl der AHV nach dem Ja des Stimmvolks zur Pr\u00e4mien\u00aderh\u00f6hung im Mai 2019 jetzt j\u00e4hrlich zwei zus\u00e4tz\u00adliche Milliarden zufliessen. Leuthold meinte j\u00fcngst in \u00adeinem Interview: \u00abDer AHV-Ausgleichsfonds wird deswegen nicht 2030 leer sein, sondern erst 2035.\u00bb<\/p>\n<p>Allerdings: Diese zeit\u00ad\u00adliche Verschiebung ist alles an\u00addere als unbedeutend. Denn ein Blick auf die \u00adBev\u00f6lkerungsentwicklung zeigt, dass es im Laufe der 2030er-Jahre zu einer sp\u00fcrbaren Entlastung der AHV kommt. Grund ist der Pillen\u00adknick, der die Geburtenzahl in den Jahren 1964 bis 1978 um fast 40 Prozent sinken liess. Entsprechend wird die Zahl der Neurentner ab 2030 stark zur\u00fcckgehen. Der geburten\u00adst\u00e4rkste Jahrgang der Babyboom-Generation, die 1964 Geborenen, erreicht 2028\/2029 das Pensions\u00adalter.<\/p>\n<p><strong>Sinkende Ausgaben, steigende Einnahmen<\/strong><\/p>\n<p>Und der n\u00e4chste Babyboom ist bereits Tatsache: Ab 2005 stiegen die Ge\u00adbur\u00adten\u00adzahlen wieder deutlich. In den 30er-Jahren \u00adkommen die neuen Babyboomer mit Jahrg\u00e4ngen ab 2015 ins \u00adErwerbsalter, werden also zu AHV-Beitragszahlern. F\u00fcr die AHV bedeutet dies unter dem Strich: Sie darf im Laufe der 2030er-Jahre mit sinkenden Ausgaben und steigenden Einnahmen rechnen. Es gibt gute \u00adGr\u00fcnde, ihre finanziellen Aussichten optimistischer zu beurteilen, als es die \u00adnotorischen Schwarzmaler tun.<\/p>\n<p><strong>Bund nahm 13 Mrd. aus der AHV-Kasse<\/strong><\/p>\n<p>Mit einem Verm\u00f6gen von rund 45 Milliarden Franken verf\u00fcgt die AHV \u00fcber ein solides Fundament. Sie st\u00fcnde noch besser da, wenn ihr der Bund in der Vergangenheit nicht mindestens zweimal viel Geld entzogen h\u00e4tte:<\/p>\n<p>Von 1999 bis 2019 floss ein Teil der Einnahmen aus dem Mehrwertsteuer-Demografieprozent in die Kasse des Bundes, obwohl die Einnahmen laut Verfassung voll und ganz der AHV h\u00e4tten zukommen m\u00fcssen (\u00abSaldo\u00bb 19\/2017). Der AHV blieben so \u00fcber 8 Milliarden Franken vorenthalten.<\/p>\n<p>Im Zusammenhang mit der Sanierung der Invalidenversicherung liess der Bund Anfang 2011 als Startkapital 5\u00a0Milliarden Franken in den neu geschaffenen IV-Fonds fliessen. Das Geld entnahm er dem AHV-Verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Verglichen mit diesen Milliardenbetr\u00e4gen fallen die 2015 von der Nationalbank eingef\u00fchrten Negativzinsen bescheiden ins Gewicht (<a href=\"https:\/\/www.ktipp.ch\/artikel\/artikeldetail\/auch-ahv-und-pensionskassen-muessen-negativzinsen-zahlen\/\">K-Tipp 5\/2019<\/a>). Sie kosteten die AHV nach eigenen Angaben bis Ende 2019 rund 7 Millionen Franken.\u00a0<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.ktipp.ch\/artikel\/artikeldetail\/ahv-doppelt-so-reich-wie-im-jahr-2000\/\"><em>K-Tipp 03\/2020&#8230;<\/em><\/a><em> vom 12. Februar 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gery Schwager. 2019 schrieb die AHV rund 1,5 Milliarden \u00adFranken Gewinn. Ihr Verm\u00f6gen ist riesig. 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