{"id":7062,"date":"2020-02-17T15:27:44","date_gmt":"2020-02-17T13:27:44","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7062"},"modified":"2020-02-17T15:27:46","modified_gmt":"2020-02-17T13:27:46","slug":"polizeigewalt-in-frankreich-kann-nicht-mehr-totgeschwiegen-werden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7062","title":{"rendered":"Polizeigewalt in Frankreich: Kann nicht mehr totgeschwiegen werden"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201e\u2026\u00a0Die heutige franz\u00f6sische Polizei ist von der Brutalit\u00e4t ihrer eigenen Geschichte gepr\u00e4gt. Viele ihrer \u00dcberwachungs- und Repressionsmethoden fanden ihren Weg in die franz\u00f6sische Heimat \u00fcber das Repertoire der Kr\u00e4fte, die f\u00fcr die<!--more--> \u201eindigenen Nordafrikaner\u201c in den ehemaligen franz\u00f6sischen Kolonien zust\u00e4ndig waren. In der gesamten Kolonialzeit haben Polizeibeamte und -angestellte ihre Erfahrungen z.B. aus Algerien mit nachhause genommen und sie bei der Polizeiarbeit in Arbeitervierteln und der Niederschlagung von Aufst\u00e4nden auf dem franz\u00f6sischen Kernland genutzt. Die Ermittlungs-, Festnahme- und W\u00fcrgetechniken, die k\u00fcrzlich Adama Traor\u00e9 oder eben Chouviat get\u00f6tet haben, oder auch die Anwendung von sexueller Gewalt zur Dem\u00fctigung \u2013 wie im Fall von Th\u00e9o Luhaka im Jahr 2017 \u2013 sind konsequentes Ergebnis dieser langen unaufgearbeiteten Geschichte. Mit der Geschichte der Polizeigewalt gehen jedoch zugleich die Bem\u00fchungen einher, die \u00dcbergriffe einer breiteren \u00d6ffentlichkeit vor Augen zu f\u00fchren. In den fr\u00fchen 1970er Jahren begannen Organisationen wie die arabische Arbeiterbewegung damit, \u201erassistische Polizeiverbrechen\u201c zu kritisieren. Sie reagierten damit auf Versuche der Polizei, die Opfer zu kriminalisieren, indem sie die get\u00f6teten Personen in den Medien als \u201eWiederholungst\u00e4ter\u201c oder \u201eDrogenabh\u00e4ngige\u201c diffamierte, die f\u00fcr die erlittene Gewalt selbst verantwortlich sind. Dort wurde das brutale, rassistische Verhalten der franz\u00f6sischen Polizei so gut wie nie als solches dargestellt. Begriffe wie \u201eIrrtum\u201c oder \u201eFehler\u201c werden noch heute h\u00e4ufig f\u00fcr Zusammenst\u00f6\u00dfe mit der Polizei verwendet, die t\u00f6dlich enden. Seit Anfang der 2000er Jahre bieten jedoch neue Arten unabh\u00e4ngiger Medien den Familien und Anh\u00e4ngern der Opfer eine M\u00f6glichkeit, sich Geh\u00f6r zu verschaffen<\/em>\u2026\u201c \u2013 aus dem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/the-guardian\/niemand-kann-mehr-wegschauen\">Beitrag \u201eNiemand kann mehr wegschauen\u201c von Mathieu Rigouste am 14. Februar 2020 im Freitag<\/a>\u00a0(Ausgabe 7\/2020) \u2013 urspr\u00fcnglich im britischen Guardian, hier in deutscher \u00dcbersetzung (von Jan Jasper Kosok).<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"820\" height=\"547\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/ratp3fev20-820x547.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7063\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/ratp3fev20-820x547.jpg 820w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/ratp3fev20-820x547-300x200.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/ratp3fev20-820x547-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 820px) 100vw, 820px\" \/><\/figure>\n<p>Siehe dazu auch einen weiteren aktuellen Beitrag und unseren letzten dazu:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/jungle.world\/artikel\/2020\/06\/hand-ab-auge-raus\">\u201eHand ab, Auge raus\u201c von B. Schmid am 06. Februar 2020 in der jungle world<\/a>zu einer Art Zwischenbilanz der extrem Polizeigewalt gegen jeglichen Protest in Frankreich: \u201e\u2026\u00a0<em>Neue Vorf\u00e4lle lie\u00dfen die Polemik in den vergangenen Wochen wieder auf\u00adleben. Bei den Protesten gegen die Rentenreform am 9. Januar etwa hatten Polizisten eine Demonstrantin, die in der N\u00e4he des Polizeispaliers ihr Handy vom Boden aufheben wollte, geschlagen; sie geh\u00f6rt der als moderat geltenden Gewerkschaft UNSA bei der Bahngesellschaft RATP an. Ein Video von diesem Vorfall gingen durch die Medien. Um auf die aufflammende Debatte zu reagieren, k\u00fcndigte Innenminister Castaner am 27. Januar an, er werde die umstrittene Polizeigranate GLIF4 aus dem Verkehr ziehen. Diese enth\u00e4lt den Strengstoff TNT, beim Aufplatzen verstr\u00f6mt sie Tr\u00e4nengas und entfaltet eine Blendschockwirkung. Bei den Protesten der Gelben Westen war f\u00fcnf Demonstranten eine Hand abgerissen worden, das ging teils auf den Einsatz der GLIF4 zur\u00fcck. Als im Jahr 2014 ein Lohnabh\u00e4ngiger der Fabrik Alsetex, wo die Geschosse hergestellt wurden, bei einem Arbeitsunfall zu Tode kam, wurde die Produktion vor\u00fcbergehend eingestellt. Im selben Jahr kam ein Untersuchungsbericht der Dienstinspektion IGPN zu dem Ergebnis, es k\u00f6nne ein T\u00f6tungsrisiko bestehen, wenn diese Granate auf H\u00f6he des Oberk\u00f6rpers explodiere. 2017 hatte die Regierung ihren Entschluss verk\u00fcndet, die Herstellung der GLIF4 endg\u00fcltig einzustellen. \u00adAllerdings sollten die vorhandenen Best\u00e4nde noch genutzt werden, bis diese aufgebraucht seien, \u00bbbis zum Zeithorizont 2020 bis 2022\u00ab\u00a0\u2013 der nun erreicht sein d\u00fcrfte. Aber die GLIF4 wird umgehend durch eine andere Granate, die GM2L, ersetzt; die enth\u00e4lt zwar kein TNT, hat aber eine vergleichbare Sprengkraft<\/em>\u2026\u201c<\/li>\n<li>Siehe zuletzt ausdr\u00fccklich zur Polizeigewalt in Frankreich am 22. Januar 2020:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/soziale_konflikte-frankreich\/nach-der-neuerlichen-extremen-gewalt-gegen-die-gelbwesten-waechst-in-frankreich-die-kritik-an-der-polizeirepression\/\">Nach der neuerlichen extremen Gewalt gegen die Gelbwesten w\u00e4chst in Frankreich die Kritik an der Polizeirepression<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/frankreich\/politik-frankreich\/polizeigewalt-in-frankreich-kann-so-langsam-nicht-mehr-totgeschwiegen-werden\/\">labournet.de&#8230;<\/a> vom 17. Februar 2020<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u2026\u00a0Die heutige franz\u00f6sische Polizei ist von der Brutalit\u00e4t ihrer eigenen Geschichte gepr\u00e4gt. 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