{"id":7071,"date":"2020-02-18T11:15:50","date_gmt":"2020-02-18T09:15:50","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7071"},"modified":"2020-02-18T11:16:26","modified_gmt":"2020-02-18T09:16:26","slug":"greenpeace-fordert-gruenen-militarismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7071","title":{"rendered":"Greenpeace fordert gr\u00fcnen Militarismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Robert M\u00fcller. <\/em><strong>Bei der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz war auch die Chefin der Umweltorganisation Greenpeace anwesend, um mehr milit\u00e4risches Engagement in Sachen Klimaschutz zu fordern.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Ein bisschen muss man an die Peacekeeper aus der Serie&nbsp;<em>Farscape<\/em>&nbsp;denken. Die waren auch, obwohl sie wie Greenpeace das Wort Peace (f\u00fcr Frieden) in sich tragen, wenig friedlich. Zur Zeit des Kalten Krieges befand sich auch eine Interkontinentalrakete mit dem Namen Friedensh\u00fcter (Peacekeeper) im Arsenal der US-Armee. Diese Art von Frieden ist in etwa so, wie jemandem eine Waffe an den Kopf zu halten, um dann ganz in Ruhe die Bank ausrauben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Bankr\u00e4uber im gro\u00dfen Stil, beziehungsweise ihr sicherheitspolitisches Personal, trafen sich am Wochenende am bayrischen Hof, um sich in gem\u00fctlicher Runde \u00fcber ihre n\u00e4chsten Beutez\u00fcge auszutauschen, w\u00e4hrend drau\u00dfen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/5-000-demonstrieren-in-muenchen-gegen-krieg-und-imperialismus\/\"><strong>mehrere tausend Menschen gegen die sogenannte M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz protestierten<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>Mit dabei war in diesem Jahr auch die Nichtregierungsorganisation (NGO) Greenpeace, um das sicherheitspolitische Personal der Bankr\u00e4uber (besser bekannt als Bourgeoisie oder zu deutsch: Kapitalist*innen) von der Bedeutung des Klimaschutzes f\u00fcr die zuk\u00fcnftige sicherheitspolitische Ordnung zu \u00fcberzeugen. Dabei ging es nicht um niedrigere Feinstaubwerte von Panzern, sondern darum, eine&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/gruene-erneuerung-findet-mit-dem-panzer-statt\/\"><strong>Klimapolitik im Interesse der Banken und Konzerne mit milit\u00e4rischen Mitteln<\/strong><\/a>&nbsp;durchzusetzen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"890\" height=\"550\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/1024px-Jennifer_Morgan_MSC_2020_1-890x550.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7072\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/1024px-Jennifer_Morgan_MSC_2020_1-890x550.jpg 890w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/1024px-Jennifer_Morgan_MSC_2020_1-890x550-300x185.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/1024px-Jennifer_Morgan_MSC_2020_1-890x550-768x475.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 890px) 100vw, 890px\" \/><figcaption><em>Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan bei der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz 2020, Bild: Kuhlmann \/ MSC<\/em><\/figcaption><\/figure>\n<p>In einem Interview mit der&nbsp;<a href=\"https:\/\/taz.de\/Greenpeace-Chefin-ueber-Muenchner-Siko\/!5661207\/\"><strong>TAZ<\/strong><\/a>&nbsp;sagte die Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan:<\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r f\u00fchrt Kriege um \u00d6l. Jetzt muss das Milit\u00e4r genau das Gegenteil tun: Daf\u00fcr sorgen, dass das \u00d6l, das Gas, diese CO2-Bomben, im Boden bleiben.<\/p>\n<p>Der Aufruf von Greenpeace, auch mit milit\u00e4rischen Mitteln umweltpolitische Interessen durchzusetzen, ist dabei ein kaum verhohlener Versuch, eine die gr\u00fcne kapitalistische \u201cErneuerung\u201d im Zweifel auf milit\u00e4rischem Weg zu erzwingen. Zwar ist Milit\u00e4r und Krieg selbst einer gr\u00f6\u00dften Umweltverschmutzer, aber im Rahmen einer zynischen Kalkulation kapitalistischer Umweltpolitik k\u00f6nnten sich die Umweltkosten durch die Verringerung der globalen CO2-Emmission wieder amortisieren.<\/p>\n<p>Wie eng Umweltfragen mit militaristischen und imperialistischen Interessen verbunden sind, kann man am Beispiel von&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/bundesregierung-und-deutsche-wirtschaft-unterstuetzen-den-putsch-in-bolivien\/\"><strong>Bolivien<\/strong><\/a>&nbsp;sehen. In dem armen s\u00fcdamerikanischen Land fand ein zivil-milit\u00e4rischer Putsch mit Unterst\u00fctzung der deutschen Regierung statt. Die Motivation der Bundesregierung war schnell ausgemacht: Lithium. Der als das wei\u00dfe Gold bezeichnete Rohstoff spielt in der Batterieproduktion eine Schl\u00fcsselrolle. Kurz vor dem Milit\u00e4rputsch hatte die Regierung unter Evo Morales die Kooperation mit einem deutschen Unternehmen zur Lithium-F\u00f6rderung im Salzsee Salar de Uyuni per Dekret gestoppt. Mit dem Regierungswechsel in dem Andenland wuchs die Hoffnung, doch noch direkten Zugang zu dem begehrten Rohstoff zu bekommen.<\/p>\n<p>Bisher h\u00e4lt China das weltweite Monopol auf den Lithium-Handel und ist gleichzeitig der gr\u00f6\u00dfte Markt f\u00fcr Elektromobilit\u00e4t. Nirgendwo sonst werden mehr Elektroautos verkauft. Dabei verpflichtet die chinesische Regierung die Autobauer dazu in China gefertigte Batterien zu verbauen. Der Anteil ostasiatischer Unternehmen bei den Batterien f\u00fcr Elektroautos betr\u00e4gt 80 Prozent. Dieser Wirtschaftsraum spielt auch in den&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/usa-vom-krieg-gegen-den-terror-zur-vorbereitung-auf-einen-konflikt-zwischen-den-weltmaechten\/\"><strong>sicherheitspolitischen Erw\u00e4gungen der US-Regierung unter Donald Trump<\/strong><\/a>&nbsp;eine wichtige Rolle, vor allem mit dem aufsteigenden China. Besonders im s\u00fcdchinesischen Meer zeigt die Trump-Administration immer st\u00e4rker Pr\u00e4senz, unter dem Vorwand, seine Verb\u00fcndeten vor der chinesischen Aggression zu sch\u00fctzen. Gleichzeitig gilt US-Pr\u00e4sident Trump nicht als gro\u00dfer Fan von Umweltpolitik. Nicht zuletzt scheiterten klimapolitische Entscheidungen der gro\u00dfen Staaten an seiner Verweigerungshaltung.<\/p>\n<p>Das wahrscheinliche Anliegen von Green\u201cpeace\u201c ist es, die deutsche Politik und das Kapital sowie ihr sicherheitspolitisches Personal von einem B\u00fcndnis mit China in Sachen Umweltschutz und Zukunftstechnologien zu \u00fcberzeugen, w\u00e4hrend sie in Trump eine Hassfigur sehen. Das kommt nicht von ungef\u00e4hr. Trump ist ein Vertreter der klassischen, ressourcenfressenden Kapitalfraktion an der Ostk\u00fcste, allen voran der Baubranche und der Stahlproduktion, w\u00e4hrenddessen sich an der Westk\u00fcste im sogenannten \u201eSilicon Valley\u201c die Unternehmen der Hightech-Branche niedergelassen haben, allen voran Tesla und Google.<\/p>\n<p>Allerdings hat die Arbeiter*innenklasse gar kein Interesse daran, die Kosten f\u00fcr die Umweltzerst\u00f6rung zu tragen. Schon heute sind steigende R\u00fcstungsausgaben angesichts drastischer Sparpolitik in der \u00f6ffentlichen Versorgung (Rente, Gesundheit, Verkehr und Bildung) denkbar unbeliebt. Schon heute gibt es Proteste gegen Fahrverbote und steigende Abgaben. Das alles sind Versuche, die Kosten f\u00fcr die drohende Klimakatastrophe auf dem R\u00fccken der Massen abzuw\u00e4lzen.<\/p>\n<p>Viele Menschen setzen dabei auch ihr Vertrauen in Vereine und NGOs wie Greenpeace und spenden ihnen Geld oder geben ihre Zeit als Freiwillige. Die F\u00fchrung von Greenpeace zeigt allerdings mit der Kooperation mit Kriegstreibenden, wie weit sie von den Motivationen von Spender*innen und Ehrenamtlichen entfernt ist, die sich eine \u00f6kologischere, bessere und auch friedlichere Welt w\u00fcnschen. Das liegt nicht nur an einer einzelnen Figur, sondern an der Logik einer NGO, die immer darauf zielt, mit den herrschenden Regierungen und Institutionen einen \u201cDeal\u201d zu machen oder sie zu beraten, damit sie bessere Politik machen \u2013 denn sie hat keine eigene Macht im R\u00fccken. Daher sagte Greenpeace-Chefin Morgan im taz-Interview \u00fcber die sogenannte Sicherheitskonferenz, hier gebe es schlie\u00dflich Macht und Ressourcen. Und daher sa\u00df sie auch schon als Beraterin mit der Bundesregierung am Tisch, deren \u00f6kologiefeindliche Politik sie so legitimiert, als Feigenblatt.<\/p>\n<p>Dass Sicherheits- und Umweltpolitik miteinander verbunden sind, trotz der Skepsis bei f\u00fchrenden Milit\u00e4rs, ist nicht blo\u00df ein Fantasiegebilde von \u00d6koaktivist*innen. Was wir daher brauchen, ist \u2013 wie auch auf der Demo gegen die Sicherheitskonferenz deutlich gemacht wurde \u2013 ein Programm, welches die imperialistischen und militaristischen Interessen konfrontiert, um Umweltzerst\u00f6rung und Klimakatastrophe zu verhindern. Wir m\u00fcssen die wahren Verantwortlichen an den Pranger stellen, die gro\u00dfen Bankr\u00e4uber (Kapitalist*innen), die auf Kosten der Umwelt jahrzehntelang fette Profite gemacht haben und nun f\u00fcrchten, ihre Pfr\u00fcnde k\u00f6nnten ihnen im wahrsten Sinne des Wortes davonschwimmen und nun uns daf\u00fcr zahlen lassen wollen, um uns in Zukunft das Geld \u00f6kologisch-nachhaltig aus der Tasche ziehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/greenpeace-fordert-gruenen-militarismus\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 18. Februar 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert M\u00fcller. 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