{"id":7134,"date":"2020-02-26T16:25:55","date_gmt":"2020-02-26T14:25:55","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7134"},"modified":"2020-02-26T16:25:56","modified_gmt":"2020-02-26T14:25:56","slug":"arm-in-der-schweiz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7134","title":{"rendered":"Arm. In der Schweiz"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201e\u2026\u00a0Die Spirale in die Armut beginnt oft mit einer K\u00fcndigung. Der Gang auf die Regionale Arbeitsvermittlung (RAV), das Anmelden bei der Arbeitslosenkasse und die damit verbundene K\u00fcrzung des Einkommens um mindestens 30% trifft viele hart. Zu Beginn<!--more--> denkt die betroffene Person, dass die Aussicht auf eine neue Besch\u00e4ftigung gut sei. Entsprechend motiviert schreibt er\/sie seine Bewerbungen, besucht Kurse des RAV (bspw. wie man sich im heutigen Zeitalter bewirbt) und setzt das Gelernte um. Hat er\/sie Gl\u00fcck, dann kann die Person in zumutbarer Zeit eine neue Anstellung finden. Das ersparte Geld ist zwischenzeitlich geschrumpft um den Lebensstandard zu halten. Oder schlimmer, es ist aufgebraucht! Die Taggelder der Arbeitslosenversicherung sind sp\u00e4testens nach 400 Tagen aufgebraucht. Hat die arbeitslose Person keine neue Stelle gefunden, droht der Gang auf den Sozialdienst der Gemeinde. Konnte bisher auf mindestens 70% des versicherten Verdienstes gez\u00e4hlt werden, zahlt die Sozialhilfe viel weniger. Kann die Person damit umgehen, dass sie mit weniger als CHF 1000.\u2014 pro Monat leben muss? Der t\u00e4gliche Kampf ums (\u00fcber)Leben hat begonnen<\/em>\u2026\u201c aus dem Beitrag\u00a0<a href=\"https:\/\/armutinfo.ch\/blog\/2020\/02\/25\/die-reiche-schweiz-und-die-armut\/\">\u201eDie reiche Schweiz und die Armut\u201c von Yvonne Feri am 25. Februar 2020 im Armutsinfo Schweiz<\/a>\u00a0der mit einem Aufruf schlie\u00dft, sich zur Wehr zu setzen. Siehe dazu weitere Grundinformationen zum Thema:<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/working-poor-schweiz.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-7135\" width=\"552\" height=\"230\"\/><\/figure>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.caritas.ch\/de\/was-wir-sagen\/publikationen\/handbuch-armut.html\">\u201eHandbuch Armut\u201c von der Caritas Schweiz wurde im Jahr 2014<\/a>ver\u00f6ffentlicht und mit folgenden Ausf\u00fchrungen vorgestellt: \u201e\u2026\u00a0<em>Armut in der Schweiz ist kein Randph\u00e4nomen. \u00dcber eine Million Menschen in der Schweiz leben in Armut oder knapp \u00fcber der Armutsgrenze. Mehr als jede f\u00fcnfte Person ist nicht in der Lage, eine unerwartete Rechnung von 2500 Franken \u2013 beispielsweise eine Zahnarztrechnung \u2013 zu bezahlen. Armut ist mehr als eine finanzielle Notlage. Es kann bedeuten: lange eine Arbeit zu suchen, keine zu finden und ausgesteuert zu werden; trotz Schmerzen nicht zum Arzt zu gehen, um Kosten zu sparen; keine Ausbildung, keine Perspektive oder einen ungesicherten Aufenthaltsstatus zu haben; ein Leben unter dem Existenzminimum zu f\u00fchren. Und es bedeutet vor allem, nicht an der Gesellschaft teilhaben zu k\u00f6nnen<\/em>\u2026\u201c<\/li>\n<li>Siehe zur Armut in der Schweiz auch:\u00a0<strong>SGB-Analyse beweist, was wir schon immer ahnten: Rechte Politik macht Menschen arm.<\/strong>\u201c<em>Eine neue Studie des Gewerkschaftsbundes zeigt, wie verheerend rechte Politik f\u00fcr Lohnabh\u00e4ngige und Rentner und Rentnerinnen in diesem Land ist<\/em>\u2026\u201d\u00a0<a href=\"https:\/\/www.workzeitung.ch\/2020\/01\/rechte-politik-macht-menschen-arm\/\">Artikel von Clemens Studer vom 17. Januar 2020 in der UNIA-Zeitung work<\/a>\u00a0\u00a0sowie\u00a0<a href=\"http:\/\/rebrand.ly\/sgb-studie\">die Studie<\/a>\u00a0<\/li>\n<li><strong>Widerstand leisten mit offenem Herzen und neuer Sprache<br \/><\/strong>\u201c<em>Den Angriff auf Armutsbetroffene von oben kann nur eine breite solidarische Bewegung stoppen. Die neusten Versch\u00e4rfungen bieten genug Anlass daf\u00fcr. Das neue Jahr begann, das oberste Gericht des Landes trat zusammen, und der Bundesrat traf sich zu einer Sitzung. Beiden kam nichts Dringenderes und auch nichts Gescheiteres in den Sinn, als die Rechte und Anspr\u00fcche der \u00e4rmsten Menschen in diesem Land zu beschneiden. Am 14.\u00a0Januar 2020 entschied das Bundesgericht, dass Sozialhilfebez\u00fcgerInnen nicht mehr gegen beh\u00f6rdliche Weisungen rekurrieren d\u00fcrfen, etwa gegen die Zuweisung einer billigeren Wohnung (siehe\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2003\/kommentar-zum-sozialhilfe-urteil-des-bundesgericht\/ueber-die-rote-linie\"><em>WOZ Nr. 3\/2020<\/em><\/a><em>). Damit wird ihnen ein elementares Grundrecht verwehrt, mehr noch: Sie werden f\u00f6rmlich dazu gezwungen, sich renitent zu verhalten. Denn nur wer sich einer Anordnung widersetzt, kann auch eine anfechtbare Verf\u00fcgung provozieren. Der Entscheid des Bundesgerichts fiel knapp, mit drei zu zwei Stimmen. Initiiert hatte die neue Regel urspr\u00fcnglich die SVP im Z\u00fcrcher Kantonsrat. Die Partei hetzt in ihren primitiven Kampagnen seit Jahren gegen \u00abSozialschmarotzer\u00bb. Am 15.\u00a0Januar, nur einen Tag nach dem Urteil des Bundesgerichts, beschloss der Bundesrat neue Massnahmen im Migrationsrecht. Damit will er mehr Druck auf Sozialhilfebez\u00fcgerInnen aus\u00fcben, die aus Drittstaaten in die Schweiz gekommen sind. Ihnen sollen die Beh\u00f6rden das Aufenthaltsrecht k\u00fcnftig noch einfacher entziehen k\u00f6nnen, wenn sie in die Sozialhilfe abrutschen oder es l\u00e4ngerfristig nicht aus der Armut herausschaffen. Zudem soll die finanzielle Unterst\u00fctzung eingeschr\u00e4nkt werden. (\u2026) ExpertInnen weisen schon lange darauf hin, dass die prek\u00e4re und perspektivlose Situation vor allem in der vorl\u00e4ufigen Aufnahme dazu beitr\u00e4gt, dass Menschen keinen Ausweg aus der Armut mehr finden. Zudem ist Armut \u00fcber Generationen vererbbar, weil die Kinder von ihren Auswirkungen zumeist am st\u00e4rksten betroffen sind: von der gesellschaftlichen Scham etwa, als arm wahrgenommen zu werden. Der Bundesrat hat mit der Integrationsagenda, die den Eintritt von Sozialhilfebez\u00fcgerInnen in den Arbeitsmarkt verbessern soll, auf solche Erkenntnisse reagiert. Mit den jetzigen Beschl\u00fcssen torpediert er seine eigenen Bem\u00fchungen. Die Absicherung in der Not ist ein verfassungsm\u00e4ssiges Grundrecht, unabh\u00e4ngig vom Aufenthaltsstatus. Es ist deshalb dringend, den Angriff von oben auf die Sozialhilfe endlich zu stoppen. Daf\u00fcr braucht es einen Widerstand in der Breite. Alle, die sich einen Rest an Anstand bewahrt haben, sollten sich daf\u00fcr ein Herz fassen. Die Beschl\u00fcsse des Bundesrats kommen als Gesetze ins Parlament. Sie k\u00f6nnen per Referendum zur Abstimmung gebracht werden. (\u2026) Wer sich durch die b\u00fcrokratischen Papiere zum Thema und ihre distanzierten, unpers\u00f6nlichen Begriffe liest, bemerkt noch etwas Letztes: F\u00fcr eine Wende in der Debatte ist auch eine neue Sprache n\u00f6tig. Sozialhilfebez\u00fcgerInnen m\u00fcssen endlich wieder als das verstanden werden, was in den Jahren der Hetze h\u00e4ufig vergessen ging: als armutsbetroffene Menschen in einem der reichsten L\u00e4nder der Welt.<\/em>\u201d\u00a0<a href=\"https:\/\/www.woz.ch\/2004\/kommentar-zum-angriff-auf-armutsbetroffene\/widerstand-leisten-mit-offenem-herzen-und-neuer\">Kommentar von Kaspar Surber in der WOZ vom 23.01.2020<\/a>zum Angriff auf Armutsbetroffene<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/schweiz\/lebensbedingungen-schweiz\/arm-in-der-schweiz\/\">labournet.de&#8230;<\/a> vom 26. Februar 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u2026\u00a0Die Spirale in die Armut beginnt oft mit einer K\u00fcndigung. 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