{"id":7152,"date":"2020-02-28T09:12:07","date_gmt":"2020-02-28T07:12:07","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7152"},"modified":"2020-02-28T09:12:45","modified_gmt":"2020-02-28T07:12:45","slug":"wie-2006-millionen-menschen-in-den-usa-gegen-rassismus-streikten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7152","title":{"rendered":"Wie 2006 Millionen Menschen in den USA gegen Rassismus streikten"},"content":{"rendered":"<p><em>Nathaniel Flakin.<\/em> <strong>Nach dem rechten Terroranschlag in Hanau wird \u00fcber einen Streik gegen Rassismus diskutiert. So eine Aktion hat es schonmal gegeben: Am 1. Mai 2006 fand in den USA ein &#8222;Generalstreik der Migranten&#8220; statt. Millionen Menschen legten die Arbeit nieder.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Nach dem rechten Terroranschlag in Hanau wird \u00fcber einen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/erste-gewerkschaftliche-aktionsaufrufe-nach-hanau-vorbereitung-auf-tag-des-widerstands\/\"><strong>Streik gegen Rassismus<\/strong><\/a>\u00a0diskutiert. Ein Aufruf pl\u00e4diert f\u00fcr einen richtigen Streik am 8. Mai. Das mag wie ein linkes Hirngespenst klingen. Doch so eine Aktion hat es schonmal gegeben. Am 1. Mai 2006 fand ein \u201cGeneralstreik der Migranten\u201d in den USA statt. Millionen Menschen legten die Arbeit nieder, um gegen die rassistischen Einwanderungsgesetze zu protestieren.<\/p>\n<p>Damals wie heute leben \u00fcber zehn Millionen Menschen in den USA in einem Zustand dauerhafter Illegalisierung. Da ihnen etliche Rechte verweigert werden, leben und arbeiten sie unter besonders harten Bedingungen. Das senkt auch die L\u00f6hne der gesamten Arbeiter*innenklasse. Ganze Sektoren der US-Wirtschaft sind von dieser entrechteten Arbeit abh\u00e4ngig, darunter die Fleischindustrie, der Bau, und viele Servicebereiche.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/loginFailed.php?ref=\/artikel\/66668.f%C3%BCr-die-rechte-von-einwanderern.html\"><strong>Wie ich damals in einem Artikel f\u00fcr die\u00a0<em>junge Welt<\/em>\u00a0schrieb<\/strong><\/a>:<\/p>\n<p><em>die B\u00e4nder in Fleischfabriken [standen] still, Restaurants und L\u00e4den waren geschlossen, M\u00e4rkte blieben leer. In manchen Schulen in Los Angeles war nicht mal ein F\u00fcnftel der Sch\u00fcler erschienen. Insgesamt beteiligten sich mehrere Millionen Latinos am \u2018Generalstreik der Migranten\u2019. Laut Organisatoren fanden in 70 St\u00e4dten Proteste gegen die rassistischen USA-Einwanderungsgesetze statt. In Chicago demonstrierten eine halbe Million Menschen. Bei zwei Protestz\u00fcgen in Los Angeles marschierten 600.000. Auch in Denver im Bundesstaat Colorado waren 75.000 auf die Stra\u00dfe gegangen \u2013 rund ein Sechstel der gesamten Stadtbev\u00f6lkerung.<\/em><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"890\" height=\"550\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/usa.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7153\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/usa.jpg 890w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/usa-300x185.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/usa-768x475.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 890px) 100vw, 890px\" \/><\/figure>\n<p>Doch diese machtvolle Bewegung konnte ihre Ziele nicht erreichen. Die rassistischen Gesetzte wurden nicht gelockert \u2014 im Gegenteil, fast 15 Jahre sp\u00e4ter ist die Situation noch schlimmer geworden. Die Bewegung hatte n\u00e4mlich zwei entscheidende Schw\u00e4chen:<\/p>\n<ol>\n<li>Sie vertraute auf die Demokratische Partei. Nach den Protesten traten b\u00fcrgerliche Politiker*innen hervor, die Verbesserungen versprachen, sobald man sie ins Amt gew\u00e4hlt h\u00e4tte \u2013 allen voran Barack Obama, der eine Parole migrantischer Arbeiter*innen (\u201cSi se puede\u201d) als Wahlkampfslogan umdeutete. Als Pr\u00e4sident hat Obama dann drei Millionen Menschen abgeschoben \u2013 mehr als alle fr\u00fchere US-Pr\u00e4sidenten zusammen. Obama hat zum ersten Mal Kinder in K\u00e4figen eingesperrt \u2013 er hat jenen Abschiebungsapparat hochger\u00fcstet, der Trump nun einsetzen kann.<\/li>\n<li>Sie hat die offiziellen Gewerkschaftsf\u00fchrungen nicht herausgefordert. Die konservativen B\u00fcrokrat*innen, die in den Gewerkschaften den Ton angeben und eng mit der Demokratischen Partei verbunden sind, haben nat\u00fcrlich kein Interesse daran, einen Kampf gegen Rassismus zu f\u00fchren. Der Streik wurde deswegen von NGOs und Basisaktivist*innen organisiert, an den Gewerkschaften vorbei. Es nahmen sehr viele Lohnabh\u00e4ngige, und darunter nicht wenige Gewerkschaftsmitglieder, an den Aktionen teil. Aber ohne die R\u00fcckendeckung der Gewerkschaften konnten die Aktionen kaum die schweren Bataillone der Klasse und die Schl\u00fcsselsektoren der Wirtschaft erreichen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Daraus m\u00fcssen Lehren f\u00fcr eine solche Aktion in Deutschland gezogen werden. Das Vertrauen in die Versprechen einer \u201cprogressiven\u201d b\u00fcrgerlichen Partei hat die Bewegung in eine Sackgasse gef\u00fchrt und demoralisiert. Proteste gegen Rassismus m\u00fcssen von daher unabh\u00e4ngig von den Parteien des kapitalistischen Regimes organisiert werden. Nicht eine Wahl f\u00fcr eine weniger rassistische b\u00fcrgerliche Partei, sondern nur schlagkr\u00e4ftige Proteste k\u00f6nnen die herrschende Klasse dazu dr\u00e4ngen, uns mehr Rechte zu gestehen.<\/p>\n<p>Und damit solche Aktionen den Kapitalist*innen Angst einjagen, m\u00fcssen auch Schl\u00fcsselsektoren der Arbeiter*innenklasse eingebunden werden \u2013 in Deutschland etwa die Autoindustrie, die Krankenh\u00e4user, den Transport. Das wird nur m\u00f6glich sein, wenn wir die Gewerkschaftsspitzen \u2013 hierzulande eng mit der Regierungspartei SPD verbunden \u2013 unter Druck setzen. Basismitglieder der Gewerkschaften m\u00fcssen hier aktiv werden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/perspektiven-nach-hanau-wie-millionen-menschen-in-den-usa-gegen-rassismus-streikten\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 28. Februar 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nathaniel Flakin. Nach dem rechten Terroranschlag in Hanau wird \u00fcber einen Streik gegen Rassismus diskutiert. So eine Aktion hat es schonmal gegeben: Am 1. 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