{"id":7162,"date":"2020-03-02T12:52:54","date_gmt":"2020-03-02T10:52:54","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7162"},"modified":"2020-03-02T15:47:57","modified_gmt":"2020-03-02T13:47:57","slug":"das-gaeren-im-volksbauch-warum-die-rechte-immer-staerker-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7162","title":{"rendered":"Das G\u00e4ren im Volksbauch. Warum die Rechte immer st\u00e4rker wird"},"content":{"rendered":"<p><em>Walter Hollstein. <\/em><strong>Auf welche Entwicklungen antwortet die Rechtsbewegung? Und wie begr\u00fcnden ihre Anh\u00e4nger ihre Anh\u00e4ngerschaft? Nicht zuletzt jene, die sich einmal als links, b\u00fcrgerlich oder liberal eingeordnet hatten.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die Motive sind unterschiedlich und betreffen auch sehr unterschiedliche Lebensbereiche. Eine grunds\u00e4tzliche Kritik betrifft das \u00abSystem\u00bb. Auf Facebook schreibt ein junger Schweizer: \u00abDer Vertrauensverlust in den Staat darf nicht verwundern. Die Legislative und die Exekutive handeln immer eigenm\u00e4chtiger und oft gegen den Willen des Souver\u00e4ns. Die Stimme des Volkes wird ignoriert. Wir stimmen ab, und der Bundesrat oder die kantonalen Regierungen tun es trotzdem. Beispiele sind EU, Einwanderung, Geb\u00fchrenerh\u00f6hungen, etc. Es gibt genug davon. Vertrauen schafft man durch Zuverl\u00e4ssigkeit und Stetigkeit. Und genau das haben wir nicht mehr.\u00bb<\/p>\n<p>Das wird von Experten best\u00e4tigt. Zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung hat Peter M. Huber, Richter am Bundesverfassungsgericht, vor einer \u00abzunehmenden Selbstreferenzialit\u00e4t des politischen Systems in Deutschland\u00bb gewarnt. Das Wahlrecht, die Ausgestaltung der Politikfinanzierung, das Fehlen direkter Demokratie auf Bundesebene und die Organisationsstrukturen der politischen Parteien verst\u00e4rkten die Sprachlosigkeit zwischen B\u00fcrgern und Politik. Dazu passt der Befund einer Untersuchung an den Universit\u00e4ten von Z\u00fcrich und Basel, dass die Schweizer Parteien \u00abeinheitlicher und disziplinierter\u00bb geworden sind. Zugenommen habe der Fraktionszwang: Parlamentarier, die nicht auf Parteilinie abstimmen, w\u00fcrden mit disziplinarischen Massnahmen zurechtgewiesen.<\/p>\n<p>So nimmt die Politikverdrossenheit vor allem unter jungen Menschen dramatisch zu. Laut einer Studie der gewerkschaftsnahen Otto Brenner Stiftung glauben \u00fcber 60 Prozent aller Befragten, dass sie \u00abkeinen Einfluss darauf haben, was die Regierung macht\u00bb. \u00abEuropa ist ein Projekt der M\u00e4chtigen\u00bb, heisst es in einem Tweet. \u00abOb Euro oder Osterweiterung \u2013 die Menschen wurden nicht gefragt. Das ging gut in Zeiten der Prosperit\u00e4t. In der Krise erweist sich Europa als hohl und schwach.\u00bb Im Internet ist vor allem die Kritik an der EU-B\u00fcrokratie massiv. \u00abUnsere Politlandschaft verkommt zu einem Kindergarten. Kein Anstand, kein Stolz, kein Herzblut und kein Engagement f\u00fcr die Sache; es wird nur noch um Macht- und Geldwillen geboxt. Ich weiss nicht, wie es den anderen geht, aber mir h\u00e4ngt diese Art von Politik zum Hals raus.\u00bb Bem\u00e4ngelt wird, dass die \u00abOberen\u00bb, die \u00abM\u00e4chtigen\u00bb, diejenigen, \u00abdie sich f\u00fcr gescheiter halten\u00bb, die \u00abElite\u00bb, die Bed\u00fcrfnisse des \u00abVolkes\u00bb nicht mehr ernst nehmen. Als ein Beispiel wird das Buch&nbsp;<em>Eure Heimat ist unser Albtraum<\/em>&nbsp;angef\u00fchrt \u2013 herausgegeben von Fatma Aydemir und Hengameh Yaghoobifarah.<\/p>\n<p>Folgt man den beiden Autorinnen, dann ist \u00abHeimat\u00bb etwas Ausschliessendes, etwas \u00abV\u00f6lkisches\u00bb. \u00abVon uns aus k\u00f6nnen wir den Heimatbegriff gerne den Rechten \u00fcberlassen.\u00bb Das ist dreist gegen\u00fcber allen, denen Heimat wichtig ist, und \u00fcberdies dumm. Dazu passt die Forderung des Bildungsexperten Thomas Strothotte, dass nicht nur Fl\u00fcchtlingskinder aus dem Nahen Osten Deutsch lernen sollten, sondern deutsche Kinder im Gegenzug Arabisch: \u00abWir w\u00fcrden damit anerkennen, ein Einwanderungsland und eine mehrsprachige Gesellschaft zu sein.\u00bb Sibel Arslan ist die erste Kurdin im Nationalrat und gesteht sogleich: \u00abIch glaube, als Schweizerin f\u00fchle ich mich nicht.\u00bb Ein Kollege im Schweizer Rat gratuliert ihr auf T\u00fcrkisch.<\/p>\n<p>Die NZZ berichtet am 7.8.2019 aus Essen: \u00abDie Stadt hat einen Strukturwandel erlebt, von dem sie sich nicht erholt hat.\u201c Nach der sukzessiven Erosion des Bergbaus in den 1960er-Jahren verlor Essen fast 200 000 Einwohner. DIE Arbeitslosenquote liegt gegenw\u00e4rtig bei 10 Prozent. \u201eEssens Stadtkern wird von heruntergekommenen Bauten aus den 1960er-Jahren dominiert. Im ausserhalb gelegenen Stadtteil Altendorf reihen sich Wettb\u00fcros an Shisha-Bars. Ein junger Polizist sagt w\u00e4hrend einer Streifenfahrt durch Altendorf: \u2039Hier ist nicht mehr viel deutsch.\u203a\u00bb Am11.9.2016 heisst es auf Facebook: \u00abDie Menschen haben es satt, dass ihre Heimat verwahrlost. Sie haben es satt, sich Schuldgef\u00fchle einimpfen zu lassen. Sie haben es satt, sich von Politik und Medien ihre Alltagserfahrungen ausreden zu lassen. Sie haben den Rassismus der Antirassisten und die Intoleranz der Toleranten satt. Sie haben es satt, dass ihre Nationalkulturen abger\u00e4umt werden.\u00bb In Duisburg sagt ein ehemaliger Stahlkocher: \u00abIch bin deutsch, bin deutsch aufgewachsen und m\u00f6chte auch deutsch bleiben.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte auch im Wesentlichen mit meiner deutschen Familie, meinen deutschen Bekannten und meinen deutschen Freunden zusammen sein und nicht weiter erleben, wie meine Wohngegend muslimisch wird, arabisch oder was auch immer, jedenfalls nicht mehr deutsch ist.\u00bb Das muss man gewiss nicht teilen, aber wohl ernst nehmen, da immer mehr so denken und f\u00fchlen. Vertraute Lebenswelten von vielen Menschen haben sich in den letzten Jahren zum Teil demografisch so sehr ver\u00e4ndert, dass das einem Umsturz gleicht; die Betroffenen sprechen inzwischen von Spiessrutenlauf, \u00abVerbannung in der eigenen Stadt\u00bb oder \u00abMuslimzoo\u00bb. Dar\u00fcber kann sich multikulturell erheben, wer selbst im grossb\u00fcrgerlichen Vorort wohnt; doch wer das nicht ernst nimmt, es zum Schaden der Betroffenen auch noch ironisiert oder kleinredet, leitet Wasser auf die M\u00fchlen der Rechten.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"912\" height=\"340\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pegida-Demonstration_Dezember_2018_3_1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7163\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pegida-Demonstration_Dezember_2018_3_1.jpg 912w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pegida-Demonstration_Dezember_2018_3_1-300x112.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Pegida-Demonstration_Dezember_2018_3_1-768x286.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 912px) 100vw, 912px\" \/><figcaption>Bild: PEGIDA \u201eWeihnachtssingen\u201c in Dresden am 16.12.2018 auf dem Theaterplatz. Transparent \u00abDresdner Christen gr\u00fcssen die PEGIDA\u00bb. \/&nbsp;<a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:Pegida-Demonstration_16._Dezember_2018_(3).jpg\">Derbrauni<\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/deed.en\">(CC BY-SA 4.0 cropped)<\/a> <\/figcaption><\/figure>\n<p>Heftiger wird die Kritik an der doppelten Moral der \u00abM\u00e4chtigen\u00bb. Harvey Weinstein zum Beispiel, der keine Frauen respektieren kann, st\u00e4ndig \u00fcbergriffig ist, aber in Parka und Pudelm\u00fctze f\u00fcr Frauenrechte demonstriert und einen Lehrstuhl zu Ehren der Frauenrechtlerin Gloria Steinem finanziert. Oder Siemens-Chef Kaeser, der in Deutschland Werke schliesst und daf\u00fcr in den USA investiert. Oder die Bosse der Deutschen Bank: \u00abChefs lassen sich Anz\u00fcge schneidern \u2013 w\u00e4hrend Tausende entlassen werden.\u00bb \u00abDer Anstand ist im Arsch\u00bb, heisst es auf Twitter. Oder die S\u00fcddeutsche am 7.2.2017: \u00abDass Volkswagen-Manager \u2039nur noch\u203a maximal zehn Millionen verdienen sollen, meinen sie in Wolfsburg v\u00f6llig ernst. Und das sagt eigentlich alles.\u00bb Oder: Als Familienministerin propagierte die Sozialdemokratin Manuela Schwesig die \u00f6ffentliche Ganztagsschule; ihren Sohn hingegen schickt sie auf eine Privatschule.<\/p>\n<p>Der Sohn der einstigen Regierungschefin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, besucht ein Gymnasium, obwohl seine Mutter sich stets f\u00fcr die demokratischere Gemeinschaftsschule eingesetzt hatte. Oder: Nach einem eint\u00e4gigen Privatbesuch liess sich Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier per Flugzeug nach Berlin abholen: f\u00fcr 80 Kilometer. Oder: Altkanzler Gerhard Schr\u00f6der erh\u00e4lt in diesem Jahr 561 000 Euro aus der Staatskasse f\u00fcr ein B\u00fcro in Berlin. Im Tagesspiegel heisst es am 16.8.2017 zum Air-Berlin-Chef Mehdorn: \u00abWeshalb hat er die Insolvenz nicht verhindert, als er noch Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer war? Weshalb hat er das Hauptbahnhofsdach an beiden Seiten beschnippelt und das Untergeschoss optisch und l\u00e4rmm\u00e4ssig verunstaltet? Weshalb hat er den BER nicht er\u00f6ffnet? Weshalb hat er die Berliner S-Bahn versaut? Weshalb hat er die DB-Bahnqualit\u00e4t vermiest? Hat der Mann jemals was Sinnvolles gemacht, ausser sich selbst auf Kosten der Steuerzahler die Taschen vollgestopft?\u00bb Ein Magdeburger Taxifahrer vor dem Zeitungskiosk am Bahnhof fragt: \u00abWie erkl\u00e4rt man das jemanden, der 40 bis 50 Jahre im Niedriglohnsektor regelm\u00e4ssig und hart gearbeitet hat und nun von seiner kleinen Rente nicht mal leben kann?\u00bb.<\/p>\n<p>Sein Schwiegervater muss mit 73 noch zus\u00e4tzlich Zeitungen austragen. \u00abWenn er dann fr\u00fchmorgens nach Hause kommt, geht meine Schwiegermutter in einem Imbiss aushelfen.\u00bb \u201eDer B\u00fcrger bezahlt Steuern, und er bekommt vom Staat etwas daf\u00fcr\u201c, notiert Titus Gebel in der NZZ vom 1o.12. 2o19: \u201eSicherheit, Vorsorge, Schutz von Freiheit und Leben. wenn er pl\u00f6tzlich sieht, dass er nur noch zahlt, ohne daf\u00fcr das versprochene zu erhalten, beginnt er an den Institutionen zu zweifeln.\u201c Und zu den Folgen der sog. Fl\u00fcchtlingskrise: \u201eDie Verk\u00e4uferin fragt sich, was genau ihre schuld sein soll und ob die Neuank\u00f6mmlinge tats\u00e4chlich Wirtschaft und Rente stabilisieren. nach ihrer Beobachtung arbeiten viele nicht, sondern beziehen Sozialleistungen. sie hat zeitlebens in die sozialen Sicherungssysteme einbezahlt und kann sich nun leicht ausrechnen, dass bei einer immer gr\u00f6sseren Zahl von Nutzniessern, die nicht einbezahlen, f\u00fcr sie am Ende weniger \u00fcbrig bleibt.\u201c Solche \u00c4ngste und Bedenken ignorieren die Politiker, mit absehbaren Folgen der Rechtsentwicklung.<\/p>\n<p>\u00abAls Angela Merkel sagte, \u2039wir schaffen das\u203a, k\u00f6nnten viele der befragten Menschen gedacht haben, \u2039aber ich schaffe das nicht\u203a\u00bb, heisst es in der schon erw\u00e4hnten Untersuchung des Progressiven Zentrums Berlin. \u00abDenn die Menschen sehen sich selbst als gesellschaftliche Abstiegskandidaten.\u00bb Die Studie zeigt, dass oftmals die konkreten Lebensumst\u00e4nde Grund f\u00fcr den Unmut und die Zukunfts\u00e4ngste sind. Es gehe um allt\u00e4gliche Sorgen: Der Bus f\u00e4hrt nicht mehr, der Lohn ist zu knapp, die Miete zu hoch. \u00abEs herrscht ein Gef\u00fchl des Verlassenseins. Ein Gef\u00fchl, vom Staat im Stich gelassen worden zu sein.\u00bb<\/p>\n<p>Die Menschen emp\u00f6rt auch, dass Geld in ihrer Optik f\u00fcr \u00abUnsinn\u00bb verschwendet wird, statt damit Bed\u00fcrftige zu unterst\u00fctzen. So in Hannover, wo die Stadtverwaltung auf den Velostreifen in einer teuren Aktion bei den Fahrr\u00e4dern die \u00abm\u00e4nnlichen\u00bb Querverstrebungen \u00fcbermalen l\u00e4sst, weil sie angeblich sexistisch sind; Damenfahrr\u00e4der sind das offensichtlich nicht. Die vom Steuerzahler finanzierte Deutsche Forschungsgemeinschaft hat das Forschungsprojekt \u00abDas Anna und ihr Hund. Weibliche Rufnamen im Neutrum. Soziopragmatische vs. semantische Genuszuweisung in Dialekten des Deutschen und Luxemburgischen\u00bb 2018 mit 71 000 Euro unterst\u00fctzt. Seit 2015 flossen 500 000 Euro in das Vorhaben der Sprachwissenschaftlerin Damaris N\u00fcbling an der Johannes Gutenberg-Universit\u00e4t in Mainz. Das berichtet die Junge Freiheit.<\/p>\n<p>N\u00fcbling kassierte auch zum Thema \u00abTransgressive Selbstbenennungspraktiken: Differenzmarkierung durch freien Rufnamenwechsel in Schweden\u00bb rund 108 000 Euro an F\u00f6rdermitteln. An der theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t in K\u00f6ln widmet sich Saskia Wendel dem Projekt \u00abLeib Christi \u2013 Gendersensible Rekonstruktion einer theologischen Metapher\u00bb. Hierf\u00fcr trieb sie 2018 rund 98 000 Euro an F\u00f6rdermitteln auf, seit 2013 erhielt die katholische Theologin 582 000 Euro. Ist die Vernunft inzwischen auf der Rechten angekommen? Angesichts restriktiver Sprachregeln im Z\u00fcrcher Parlament spricht die SVP von Z\u00fcrichs \u00abGenderpolizei\u00bb und hat damit nicht ganz unrecht, wie die NZZ am 5.7.2019 anmerkt. Parlamentarier sollten ihre Vorst\u00f6sse so formulieren d\u00fcrfen, wie sie wollen, solange sie keine Gesetze verletzen. \u00abDas B\u00fcro des Gemeinderats sollte ihnen keine weiblichen Endungen aufzwingen.\u00bb<\/p>\n<p>Es gibt schliesslich \u00abSinngr\u00fcnde\u00bb f\u00fcr die Rechtsentwicklung. Wenn Zukunftsentw\u00fcrfe und damit Orientierungen fehlen, r\u00fccken die Menschen nach rechts und suchen Halt in Althergebrachtem. Das war schon immer so. Die Menschen wollen an dem festhalten, was ihnen noch vertraut ist. Ein Beispiel ist das brandenburgische Hirschfeld im Elbe-Elster-Kreis. Dort w\u00e4hlten am 1. September 2019 mehr als 50 Prozent der Wahlberechtigten die AfD. Bei genauer Betrachtung entfallen daf\u00fcr s\u00e4mtliche Gr\u00fcnde, die allgemeinhin f\u00fcr die Pr\u00e4ferenz der AfD genannt werden. Hirschfeld hat keine Fl\u00fcchtlinge, keine Asylbewerber, auch kein Problem mit Arbeitslosigkeit oder sozialer Not.<\/p>\n<p>Der Ort wird zum Beispiel vom Tagesspiegel so beschrieben: \u00abWer das Dorf ein Wochenende lang besucht, ist \u00fcberrascht von seinem Erscheinungsbild. Den gepflegten Grundst\u00fccken, den bunten, makellosen H\u00e4userfassaden, \u00fcberall aufw\u00e4ndig dekorierte Vorg\u00e4rten mit Schaukeln und Steinbrunnen und vielen kleinen Windm\u00fchlen.\u00bb Niemand f\u00fchlt sich hier abgeh\u00e4ngt, diskriminiert, \u00abvon der Politik verlassen\u00bb. Die Infrastruktur ist intakt, es gibt zureichend Verkehrswege und -anbindungen, Kindertagesst\u00e4tte, Schule, Apotheke, \u00c4rztehaus usw. Was also ist es? Offenbar die Angst vor unkontrollierter Ver\u00e4nderung. Ein Ortsans\u00e4ssiger: \u00ab\u00dcberfremdungsangst. Die Furcht, bald endg\u00fcltig von Muslimen, Dunkelh\u00e4utigen oder allem irgendwie Nichtdeutschen \u00fcberrannt zu werden.\u00bb Analytisch besehen ist das eine diffuse Angst, f\u00fcr die Betroffenen allerdings scheint sie sehr konkret zu sein. Das best\u00e4tigen auch viele Gespr\u00e4che und Interviews. Dagegen gilt die AfD mit ihrer Ideologie als Garant der Bewahrenden.<\/p>\n<p>Die rechten Gruppierungen und Parteien bieten geschlossene und stringente Weltbilder an, die zwar zumeist als Zeitdiagnose \u00fcberholt sind, aber den Vorteil haben, einfaches und verst\u00e4ndliches R\u00fcstzeug f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung des Alltags zu sein. Auch in diesem Sinn sind Rechte eben Kompensationsverb\u00e4nde f\u00fcr die Menschen. Die Entwicklung nach rechts muss im Kontext gesehen werden, mit der zunehmenden Komplexit\u00e4t und Intransparenz der Gesellschaft \u00fcberfordert zu sein; sie ist ein Mittel der \u00abRealit\u00e4tsreduktion\u00bb. Das belegt auch eine Studie des Instituts f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Konflikt- und Gewaltforschung an der Universit\u00e4t Bielefeld.<\/p>\n<p><em>Auszug aus dem Buch &#8222;Das G\u00e4ren im Volksbauch. Warum die Rechte immer st\u00e4rker wird&#8220;. NZZ Libro, Basel 2019. 208 S. ca. 25.00 SFr. ISBN: 978-3-03810-477-3<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.xn--untergrund-blttle-2qb.ch\/politik\/europa\/gruende-fuer-die-rechtsentwicklung-2323.html\"><em>untergrund-bl\u00e4ttle.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 2. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Walter Hollstein. Auf welche Entwicklungen antwortet die Rechtsbewegung? Und wie begr\u00fcnden ihre Anh\u00e4nger ihre Anh\u00e4ngerschaft? 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