{"id":7183,"date":"2020-03-05T11:13:07","date_gmt":"2020-03-05T09:13:07","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7183"},"modified":"2020-03-12T09:28:53","modified_gmt":"2020-03-12T07:28:53","slug":"die-empfindlichkeit-des-kapitalismus-gegenueber-krisen-katastrophen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7183","title":{"rendered":"Die Empfindlichkeit des Kapitalismus gegen\u00fcber Krisen &#038; Katastrophen"},"content":{"rendered":"<p><em>Olek W\u00f3jcik.<\/em> <strong>Der Corona-Virus zeigt wieder einmal, wie empfindlich das derzeitige kapitalistische System ist. Die B\u00f6rsen st\u00fcrzen ab, die klinische Versorgung bricht bei Streik zusammen und m\u00f6glicherweise ist auch noch die allgemeine Infrastruktur<!--more--> in Gefahr. Was ist die Alternative?<\/strong><\/p>\n<p>Die Ausbreitung des Corona-Virus hat schon in China Teile der Produktion zum Erliegen gebracht. Nun breitet er sich auch in Europa aus. Der Dax f\u00e4llt und es werden Engp\u00e4sse bef\u00fcrchtet. Grund daf\u00fcr ist die fragile weltweite Produktion. Da die Lieferketten auch noch aus Kostengr\u00fcnden international aufgebaut sind, brechen diese schnell bei gr\u00f6\u00dferen Krisensituationen zusammen. Das betrifft in Europa auch gro\u00dfe Teile der Versorgung mit medizinischen Wirkstoffen, da diese die zu gro\u00dfen Teilen in China produziert werden, wo derzeit der Corona-Ausbruch gro\u00dfe Teile der Industrieproduktion lahmlegt.<\/p>\n<p>W\u00fcrden alle unverzichtbaren Produkte nach Bedarf vor Ort produziert, wobei die Rohstoffversorgung weltweit gesichert sein muss, w\u00e4re das krisenfester. Auch Krankenh\u00e4user geh\u00f6ren zur allgemeinen Daseinsvorsorge und auch hier sieht man wieder, was die so hoch gelobte Privatisierung angerichtet hat. Schon ein Streik in einer Tochterfirma gef\u00e4hrdet angeblich die Patientenversorgung. Das liegt jedoch nicht an den angeblich \u00fcberzogenen Forderungen der Kolleg*innen oder an ihrer \u201cVerantwortungslosigkeit\u201d; sondern im Gegenteil daran, dass die Privatisierung in Krankenh\u00e4usern und selbst die konsequente Profitmaximierungslogik der \u00f6ffentlichen Krankenh\u00e4user wie der Charit\u00e9 den grundlegenden Bed\u00fcrfnissen der Bev\u00f6lkerung vollst\u00e4ndig entgegengesetzt sind. Unter dem Stichwort \u201cUnternehmerische Freiheit\u201d ist alles erlaubt: Alles was den freien M\u00e4rkten ausgeliefert wird ist zwangsl\u00e4ufig den Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten des Profitstrebens unterworfen, mit anderen Worten, die medizinische Daseinsvorsorge wurde an die M\u00e4rkte verkauft.<\/p>\n<p>Auch sehr viele andere Bereiche der Daseinsvorsorge wurden privatisiert, wie zum Beispiel die Wasserversorgung in Berlin, die dann aufwendig von der \u00f6ffentlichen Hand zur\u00fcckgef\u00fchrt wurde (woran sich die ehemaligen Besitzer ein zweites Mal eine goldene Nase verdiente). Nun soll der \u00d6ffentliche Nahverkehr, die S\u2011Bahn, neu ausgeschrieben und in mehrere Teilbetriebe zerst\u00fcckelt werden. Das soll Geld einsparen und die Qualit\u00e4t erh\u00f6hen. Wie so etwas effektiv und krisenfest zu organisieren sein soll, erschlie\u00dft sich hier aber nicht, denn es hat in den letzten Jahrzehnten lediglich an Investitionen zur rechten Zeit gefehlt. Da die Aufgaben doch die gleichen bleiben, wie sollen es da Fremdfirmen besser ausf\u00fchren? \u00dcberf\u00fcllte Z\u00fcge sind jetzt schon ein gewaltiges Problem und bieten Viren ideale Bedingungen, um sich auszubreiten, zumal von P\u00fcnktlichkeit und Zuverl\u00e4ssigkeit oft keine Rede sein kann. Was geschieht erst bei richtig gro\u00dfen Krisen, etwa Totalstillstand?<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"890\" height=\"550\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/corona-4881364_1920-890x550-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7184\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/corona-4881364_1920-890x550-1.jpg 890w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/corona-4881364_1920-890x550-1-300x185.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/corona-4881364_1920-890x550-1-768x475.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 890px) 100vw, 890px\" \/><\/figure>\n<p>Zusammengefasst ist klar: Der kapitalistische<br \/>\nMarkt kann es eben nicht regeln, und eine grunds\u00e4tzlich andere Alternative ist<br \/>\nn\u00f6tig. Um eine Gesundheitsversorgung, einen \u00f6ffentlichen Transport, gute<br \/>\nBildung und insgesamt gute Lebens- und Arbeitsbedingungen f\u00fcr alle unabh\u00e4ngig<br \/>\nvon ihrem Geldbeutel zu gew\u00e4hrleisten, ist eine sozialisierte Wirtschaft n\u00f6tig,<br \/>\norganisiert mittels einer R\u00e4testruktur mit guter Expertise.B Eine solche<br \/>\nsozialistische Planwirtschaft, die nicht von den Profitinteressen der Bossen<br \/>\nund den \u201cM\u00e4rkten\u201d abh\u00e4ngig ist, sondern ausschlie\u00dflich dem Bedarf dient, w\u00e4re<br \/>\nzugleich demokratischer und krisenfester zu organisieren.<\/p>\n<p>In einer sozialistischen Gesellschaft, die nicht<br \/>\nden Gesetzen des Marktes und der Profite unterworfen w\u00e4re, k\u00f6nnten wir eine<br \/>\nInfektionswelle einfach aussitzen und die Produktion so weit wie m\u00f6glich ruhen<br \/>\nlassen. Im Kapitalismus bricht deswegen gleich die Weltwirtschaft zusammen.<br \/>\nAber warum nicht einfach gleich pr\u00e4ventiv zu Hause zu bleiben, anstatt w\u00e4hrend<br \/>\nder Inkubationszeit zur Arbeit zu gehen und wom\u00f6glich seine Kolleg*innen<br \/>\nanzustecken? Volle U\u2011Bahnen w\u00e4hrend der<br \/>\nSto\u00dfzeiten sind perfekte Umgebungen f\u00fcr Viren und Keime. Wenn weite Teile der<br \/>\nProduktion ruhen, gibt es weniger M\u00f6glichkeiten, dass sich Krankheiten<br \/>\nausbreiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Aber nicht nur Privatisierung und Sparpolitik in<br \/>\nder \u00f6ffentlichen Daseinsvorsorge haben uns anf\u00e4llig gemacht, auch die<br \/>\nWeltwirtschaft ist bereits angeschlagen. Vor allem der Handelskrieg zwischen<br \/>\nden USA und China beunruhigt die M\u00e4rkte. Der Corona-Virus ist der perfekte<br \/>\nAnlass daf\u00fcr, dass sich die Situation zuspitzt. Deshalb purzeln an der B\u00f6rse<br \/>\ngerade die Kurse. Vor allem der Deutsche Aktienindex ist betroffen. Innerhalb<br \/>\nvon f\u00fcnf Tages ist er um 12 Prozent gefallen. Weltweit hat sich an den B\u00f6rsen<br \/>\nein Verlust von 12 Billionen Dollar angeh\u00e4uft. Das alles allein wegen einem<br \/>\nkleinen Virus. Man spricht gar von dem schlimmsten B\u00f6rseneinbruch seit der<br \/>\nWeltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren. Allerdings kann der B\u00f6rsenabsturz<br \/>\nauch als Korrektur f\u00fcr die weltweit angespannte Konkurrenzsituation gesehen<br \/>\nwerden, wo in vielen Bereichen haupts\u00e4chlich Konsumartikel auch viel zu viel<br \/>\nauf Halde produziert wird (\u00dcberproduktionskrise). Artikel und Dienstleistungen,<br \/>\ndie nur dem privatem Konsum dienen, sind pr\u00e4destiniert daf\u00fcr, in<br \/>\nKrisensituationen weniger oder gar nicht nachgefragt zu werden, da diese die<br \/>\nKrisensituationen oft nicht einmal abmildern k\u00f6nnen. Die Gebrauchsg\u00fcter und<br \/>\nDienstleistungen zur Grundversorgung sind nun oft Mangelware und wir werden oft<br \/>\ndazu angehalten, selber Sicherheiten durch Vorr\u00e4te und andere Ma\u00dfnahmen<br \/>\naufzubauen. Um dieses Thema der Krisen ist nun auch die Prepper-Szene auf dem<br \/>\nVormarsch, in dem jeder letztendlich nur f\u00fcr sich und oder der eigenen Familie<br \/>\nvorsorgt. Dabei w\u00e4re eine gemeinschaftliche Absicherung wesentlich effizienter.<br \/>\nWer will sich schon den Rest seines Lebens von Konserven ern\u00e4hren, nur um den<br \/>\neigenen Bestand auf dem Laufenden zu halten?<\/p>\n<p>Eine Gesellschaft, deren Wirtschaft nicht den<br \/>\nGesetzen des Profits unterworfen w\u00e4re, in der es also kein Privateigentum an<br \/>\nden Produktionsmitteln g\u00e4be, k\u00f6nnte viel besser mit so etwas umgehen. Schon<br \/>\nallein Kurseinst\u00fcrze wie in den letzten Tagen w\u00e4ren gar nicht m\u00f6glich. Zudem<br \/>\nk\u00f6nnte eine Ausbreitung des Corona-Virus viel effizienter verhindert werden,<br \/>\nzudem lassen sich Notvorr\u00e4te viel effizienter aufbauen und durch eine bessere<br \/>\nExpertise auf einem noch besseren technischen Level auf dem Laufenden halten.<br \/>\nDie meisten heutigen Krisen lie\u00dfen sich von vornherein ganz abwenden.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/die-empfindlichkeit-des-kapitalismus-gegenueber-krisen-katastrophen-situationen\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em><br \/>\nvom 5. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Olek W\u00f3jcik. Der Corona-Virus zeigt wieder einmal, wie empfindlich das derzeitige kapitalistische System ist. 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