{"id":7213,"date":"2020-03-09T12:34:38","date_gmt":"2020-03-09T10:34:38","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7213"},"modified":"2020-03-09T12:34:39","modified_gmt":"2020-03-09T10:34:39","slug":"ukraine-neue-leaks-vor-dem-mh-17-prozess","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7213","title":{"rendered":"Ukraine: Neue Leaks vor dem MH-17-Prozess"},"content":{"rendered":"<p><em>Florian R\u00f6tzer. <\/em><strong>Bonanza Media hat Protokolle von JIT-Treffen ver\u00f6ffentlicht, die Einblick in die Vorgehensweise des Teams geben; der Prozess beginnt ohne die Angeklagten.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Der MH-17-Prozess beginnt heute vor einem niederl\u00e4ndischen Hochsicherheitsgericht in Amsterdam. Erwartet wird ein Mammutprozess, der sich wom\u00f6glich Jahre hinziehen kann. Das Gemeinsame Ermittlungsteam (JIT) hat vier Personen angeklagt, als Teil der Befehlskette am behaupteten Transport des Buk-Systems von der 53. Luftabwehrbrigade aus Russland zum Abschussort und zur\u00fcck beteiligt gewesen zu sein. Angeklagt werden sie auch des Mords an den MH17-Passagieren. Erwartet wird, dass die Russen Igor Girkin, Sergei Dubinsky und Oleg Pulatow und der Ukrainer Leonid Kharchenko nicht vor Gericht erscheinen werden, zumal weder Russland noch die Ukraine eigene B\u00fcrger ausliefert. Dass f\u00fchrende Angeh\u00f6rige der Volksrepublik Donezk mit russischen Regierungsangeh\u00f6rigen regelm\u00e4\u00dfig telefoniert hatten, soll den Verdacht auf eine Mitwirkung der russischen Regierung nach dem JIT st\u00e4rken. Die niederl\u00e4ndische und die australische Regierung hatten offiziell die russische Regierung f\u00fcr den Abschuss verantwortlich gemacht.<\/p>\n<p>Es war die angeblich gr\u00f6\u00dfte Ermittlung in der niederl\u00e4ndischen Geschichte. Das JIT wurde von der niederl\u00e4ndischen Staatsanwaltschaft geleitet, beteiligt sind neben der Niederlande Australien, Belgien, Malaysia und die Ukraine. Letzteres hatte von Anfang an f\u00fcr Kritik gesorgt, da die Ukraine beschuldigt wurde, den Flugraum nicht gesperrt zu haben, zudem stammen viele Beweismittel wie die abgeh\u00f6rten Telefonanrufe vom ukrainischen Geheimdienst SBU. Weitere Beweismittel wie Bilder vom angeblichen Transport des Buk-Systems hat das JIT von der Gruppe Bellingcat \u00fcbernommen. Nach einem k\u00fcrzlich ver\u00f6ffentlichten Leak wurde einige von der australischen Polizei untersuchten Bilder als beweisuntauglich angesehen, weil es sich nicht um Originale handelte und Metadaten ver\u00e4ndert worden seien (<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/MH17-JIT-will-einen-Zeugen-fuer-den-Abschuss-der-Buk-Rakete-haben-4668027.html\">Australische Polizei mit Zweifeln an von Bellingcat pr\u00e4sentierten Bildern<\/a><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"700\" height=\"394\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/mh17-ba11e8e8a888e220.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7214\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/mh17-ba11e8e8a888e220.jpg 700w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/mh17-ba11e8e8a888e220-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><\/figure>\n<p>Die von der ehemaligen RT-Reporterin Yana Yerlashova gegr\u00fcndete Bonanza Media, f\u00fcr die auch der Niederl\u00e4nder Max van der Werff arbeitet, hat in letzter Zeit einige Leaks ver\u00f6ffentlicht, die die vom JIT bislang ver\u00f6ffentlichten Ermittlungsergebnisse teilweise in Frage stellen k\u00f6nnen. Nach einem Dokument des niederl\u00e4ndischen Geheimdienstes, der sich auch auf Angaben befreundeter Geheimdienste st\u00fctzte, gab es in der N\u00e4he der Abschussstelle kein russisches oder ukrainisches Buk-System mit ausreichender Reichweite. Ein Buk-System wurde bei den Separatisten ausgemacht, aber als funktionsunf\u00e4hig bezeichnet und mit Fotos dokumentiert (<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/MH17-Geleakte-Dokumente-naehren-Zweifel-am-JIT-4665623.html\">Geleakte Dokumente n\u00e4hren Zweifel am JIT<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Immer wieder Milit\u00e4rmaschinen von Zeugen gesehen<\/strong><\/p>\n<p>Weder dieser Bericht noch Zeugenaussagen, die auch gegen\u00fcber niederl\u00e4ndischen Ermittlern von der Anwesenheit von Milit\u00e4rmaschinen zur Zeit des Abschusses sprachen, wurden in den\u00a0<a href=\"https:\/\/www.politie.nl\/themas\/flight-mh17\/witness-appeal-crash-mh17.html\">JIT-Ver\u00f6ffentlichungen<\/a>\u00a0erw\u00e4hnt. Gestern wurde von den JIT-Mitgliedsl\u00e4ndern\u00a0<a href=\"https:\/\/www.prosecutionservice.nl\/topics\/mh17-plane-crash\/news\/2020\/03\/08\/jit-countries-continue-collaboration-on-mh17-investigation\">vereinbart<\/a>, die Ermittlungen auch w\u00e4hrend des Prozesses weiterzuf\u00fchren. Man wird sehen m\u00fcssen, welche weiteren Beweismittel das JIT vor dem Gericht pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Bonanza Media hat gerade weitere Leaks und ein Video mit einem Zeugen vorgelegt, der seine\u00a0<a href=\"https:\/\/2002.filemail.com\/api\/file\/get?filekey=CVVVvy5zDZ0ZsuFEm7WH3rmCM8wM5qbFuEBgPO6Ocq-xjsbD89p5v-_5vhYp5YDRF-obPdOGvZOzk7vWnwxRqA\">Aussage auch bereits vor dem JIT gemacht hat<\/a>\u00a0und noch einmal bekr\u00e4ftigt, zwei Flugzeuge gesehen zu haben. Yana Yerlashova und Max van der Werff waren zu ihm gereist, um ihn noch einmal zu befragen.<\/p>\n<p>Die beiden sagen, es ginge ihnen nicht um das Herausfinden, wer schuldig ist und um den Tathergang, sondern darum, einen unvoreingenommene Untersuchung zu erm\u00f6glichen, die alle Informationen ber\u00fccksichtigt. Gefragt, warum sie nur das JIT-Narrativ hinterfragen und nicht etwa das russische, antwortete van der Werff, es gebe aus Russland keine Version des Tathergangs, sondern nur ein Konglomerat unterschiedlicher und sich teils widersprechender Positionen von Beh\u00f6rden und Organisationen, das man nicht ernst nehmen k\u00f6nne.<\/p>\n<p><strong>Radar- und Satellitendaten<\/strong><\/p>\n<p>Bonanza Media legte das\u00a0<a href=\"https:\/\/2002.filemail.com\/api\/file\/get?filekey=Qtkj0doWwyaWEo7NKOu8uIeaOWm7Ete48_tQszRn5HMa4ZvLg9U6reQ4DixpPGlGPi1QIAjTGWKaN5ws3DMO5rxAxg\">Protokoll eines JIT-Treffens<\/a>\u00a0am 12. Februar 2016 vor. Von der Seite der niederl\u00e4ndischen Vertreter wird hier berichtet, dass in Medien und im Parlament der Niederlande nachgefragt w\u00fcrde, warum es keine ukrainischen und russischen Radar-Prim\u00e4rdaten gegeben habe. Medien w\u00fcrden suggerieren, die USA h\u00e4tten mehr Informationen: &#8222;Wir haben von ihnen nichts erhalten&#8220;, so die Auskunft. Dabei geht es vermutlich um die Satellitenbilder, von denen der damalige US-Au\u00dfenminister Kerry gleich nach dem Abschuss gesprochen hatte. Auf ihnen k\u00f6nne man sehen, sagte er, wer die Tat begangen habe.<\/p>\n<p>Man werde Mitte M\u00e4rz einen offiziellen Bericht des niederl\u00e4ndischen Milit\u00e4rs \u00fcber die US-Daten erhalten. Es gebe auch noch Anfragen wegen Radar- und Satellitenbilder bei anderen L\u00e4ndern, auch mit EU-Beh\u00f6rden wolle man sprechen. Bislang sind keine Informationen dar\u00fcber bekannt. Wom\u00f6glich werden sie vor Gericht vorgelegt. Wenn das JIT \u00fcberhaupt diese Daten erhalten hat &#8211; geliefert hat allerdings nur Russland (<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/MH-17-Weiter-Streit-um-russische-Primaer-Radardaten-3813574.html\">Weiter Streit um russische Prim\u00e4r-Radardaten<\/a>) -, dann scheinen sie f\u00fcr das JIT-Narrativ nicht wirklich brauchbar zu sein, weil man sonst vermutlich bereits darauf hingewiesen h\u00e4tte. Aus den USA hie\u00df es:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/MH17-Die-US-Geheimdienste-werden-ihre-ueberzeugenden-Beweise-nicht-vorlegen-3815035.html\">Die US-Geheimdienste werden ihre &#8222;\u00fcberzeugenden&#8220; Beweise nicht vorlegen<\/a>.<\/p>\n<p>Interessanter, immer vorausgesetzt, dass es sich um authentische offizielle Dokumente handelt, ist ein\u00a0<a href=\"https:\/\/t.co\/2fccvQsEzm?amp=1\">Protokoll eines JIT-Treffens<\/a>\u00a0vom 25. Januar 2018. Klarer wird hier die Arbeitsweise des JIT. Hier wurde \u00fcberlegt, ob die Separatisten das Passagierflugzeug mit einer Milit\u00e4rmaschine verwechselt haben k\u00f6nnten und ob sie wissen h\u00e4tten m\u00fcssen, dass es eine Passagiermaschine war. Manon Ridderbecks von der niederl\u00e4ndischen Staatsanwaltschaft wies nach dem Protokoll darauf hin, dass die Separatisten gedacht h\u00e4tten, &#8222;dass Milit\u00e4rmaschinen nahe von Passagierflugzeugen flogen, um sicher zu sein&#8220;. Gerrit Thiery sagt zu den Ermittlungen, dass alternative Szenarien ausgeschlossen worden seien.<\/p>\n<p>Moniert wurde, dass der SBU mit der Vernehmung der Zeugen nicht vorankommt &#8211; und \u00fcberhaupt scheint der Geheimdienst nicht mehr mitzuwirken. Der Vertreter der Ukraine berichtete, man sei in Kontakt mit einem Zeugen, der an der Abschussstelle gewesen sei: &#8222;Wir versuchen, ihn auf unsere Seite zu ziehen.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Verschleppen von Zeugen<\/strong><\/p>\n<p>Das Finden von Zeugen war Anfang 2018 eines der gr\u00f6\u00dften Probleme &#8211; und scheint es weiterhin zu sein. Man \u00fcberlegte jedenfalls, wie man an Zeugen herankommen k\u00f6nnte, die in Russland leben. Es sei nicht schwer, sie anzulocken, sagte der belgische Vertreter. Der australische Vertreter fand &#8222;verdeckte Operationen&#8220; bei Zeugen f\u00fcr m\u00f6glich, der ukrainische sah dabei keine Probleme, so lange das die Niederlande macht. Das sei auch eine ganz normale Geheimdienstpraxis. (Gemacht wurde dies zumindest einmal, n\u00e4mlich mit der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/MH17-Spektakulaere-Geheimdienstaktion-4465730.html\">Verschleppung von Zemak nach Kiew<\/a>\u00a0im Sommer 2019, aber der Zeuge, den man wohl unter Druck setzen oder mit Versprechungen k\u00f6dern wollte, wurde dann in einem Gefangenenaustausch\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Niederlande-verlangt-von-Russland-die-Auslieferung-von-Tsemakh-4516446.html\">gegen den Willen der niederl\u00e4ndischen Staatsanwaltschaft und Regierung<\/a>\u00a0wieder freigelassen.)<\/p>\n<p>Bei einem Treffen am 26. Januar ging es um die Prim\u00e4rradardaten, die Russland \u00fcbergeben hat, wo bei es Schwierigkeiten mit dem Format gegeben hatte. Es seien keine Manipulationen erkennbar, aber auch keine anderen Objekt in der N\u00e4he von MH17. Die Interpretation war bekanntlich, dass eine mit \u00dcberschall fliegende Rakete nicht erfasst werden k\u00f6nne, dass ein Objekt zu klein sei, dass ein fliegendes Objekt ausgefiltert oder h\u00e4ndisch aus den Bildern entfernt worden sein k\u00f6nnte. Offenbar gebe es aber Probleme mit drei Radardiagrammen (plots) nach dem Abschuss. Vorgeschlagen wurde, die als Teile des Flugzeugs oder der Rakete zu erkl\u00e4ren, &#8222;um Fragen oder Verschw\u00f6rungstheorien zu sp\u00e4terer Zeit zu vermeiden&#8220;. Vorgeschlagen wurde auch, man k\u00f6nne die Radarerkenntnisse &#8222;zu unserem Vorteil durch Nutzung der Medien&#8220; verwenden.\u00a0<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Neue-Leaks-vor-dem-MH-17-Prozess-4678566.html\"><em>Telepolis&#8230;<\/em><\/a><em> vom 9. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Florian R\u00f6tzer. 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