{"id":7229,"date":"2020-03-11T09:15:33","date_gmt":"2020-03-11T07:15:33","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7229"},"modified":"2020-03-11T09:15:35","modified_gmt":"2020-03-11T07:15:35","slug":"schlimmster-einbruch-der-maerkte-seit-der-krise-2008","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7229","title":{"rendered":"Schlimmster Einbruch der M\u00e4rkte seit der Krise 2008"},"content":{"rendered":"<p><em>Nick Beams. <\/em>Die globalen Aktienm\u00e4rkte erlebten am Montag den schlimmsten Ausverkauf seit der globalen Finanzkrise von 2008. Dabei gibt es Anzeichen daf\u00fcr, dass noch Schlimmeres bevorstehen k\u00f6nnte. Das zeigt der R\u00fcckgang an den asiatischen M\u00e4rkten<!--more--> zu Beginn des darauf folgenden Handelstages.<\/p>\n<p>Nach R\u00fcckg\u00e4ngen im asiatisch-pazifischen Raum, wo die M\u00e4rkte in Tokio und Sydney um rund 7 Prozent nachgaben und \u00e4hnliche Ausverk\u00e4ufe in Europa stattfanden, brach die Wall Street am Montag schon bei der Er\u00f6ffnung des Handels ein. Der R\u00fcckgang war so gro\u00df, dass er einen Stromkreisunterbrecher ausl\u00f6ste, der den Handel f\u00fcr 15 Minuten zwangspausieren lie\u00df, um Panikverk\u00e4ufe zu unterbinden.<\/p>\n<p>Der R\u00fcckgang setzte sich im Laufe des Tages fort, und der Dow schloss mehr als 2.000 Punkte niedriger, was den gr\u00f6\u00dften Ein-Tages-Punkt-R\u00fcckgang in einer Geschichte darstellt. Es gab einen R\u00fcckgang von mehr als 7 Prozent bei allen Marktindizes, wodurch die Wall Street nahe an den Eintritt in eine Baisse &#8211; definiert als ein R\u00fcckgang von 20 Prozent &#8211; seit ihrem Hoch Mitte Februar geriet.<\/p>\n<p>Der Abschwung, der durch die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus ausgel\u00f6st wurde, trat am Wochenende in eine neue Phase ein, als Saudi-Arabien einen \u00d6lpreiskrieg begann. Nach dem Scheitern eines Abkommens mit Russland zur Begrenzung des Angebots und zur Aufrechterhaltung der Preise steigerte Saudi-Arabien die Produktion und bot Preisnachl\u00e4sse an.<\/p>\n<p>Diese Entscheidung lie\u00df die \u00d6lpreise bei der Markt\u00f6ffnung in dieser Woche um 25 bis 30 Prozent fallen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Einbruch der \u00d6lpreise den Aktienausverkauf ausl\u00f6ste, liegt die eigentliche Ursache in der v\u00f6lligen Trennung der Aktienmarktbewertungen &#8211; beg\u00fcnstigt durch das anhaltende Angebot an billigem Geld von der US-Notenbank und anderen Zentralbanken &#8211; von der zugrunde liegenden Realwirtschaft.<\/p>\n<p>In der vergangenen Woche reagierte die US-Notenbank Fed auf den starken R\u00fcckgang der M\u00e4rkte wie in der Vergangenheit, indem sie eine Notfallzinssenkung um 0,5 Prozent ank\u00fcndigte und darauf hinwies, dass noch mehr kommen w\u00fcrde. Aber der Schritt hat den Aktienkursen keinen Auftrieb gegeben. Als ehemaliger stellvertretender Vorsitzender der Fed kommentierte Alan Blinder: \u201eDie M\u00e4rkte waren etwa 15 Minuten lang gl\u00fccklich dar\u00fcber und dann war die Luft wieder raus.\u201c<\/p>\n<p>Die Kollision zwischen der Markteuphorie, die durch den Glauben gen\u00e4hrt wird, dass die Zentralbanken f\u00fcr immer jedem signifikanten Abschwung entgegenwirken k\u00f6nnten, und den zugrunde liegenden rezessiven Tendenzen in den USA und der Weltwirtschaft hat zu Angst und Panik gef\u00fchrt<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"360\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/B\u00f6rse-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7230\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/B\u00f6rse-1.jpg 640w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/B\u00f6rse-1-300x169.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption> <strong>Stacey Cunningham, Pr\u00e4sidentin der New Yorker B\u00f6rse, in Beratung mit Experten Peter Giacchi (links), 9.M\u00e4rz 2020. (AP-Foto\/Alex Brandon)<\/strong> <\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Leiterin der US-Aktienabteilung von Aviva Investors Susan Schmidt sagte der\u00a0<em>Financial Times<\/em>: \u201eDas ist die totale Panik.\u201c<\/p>\n<p>Schroders&#8216; Chef f\u00fcr globale Aktien Alex Tedder sagte der gleichen Zeitung: \u201eDas Mantra im Moment ist, dass man die Kapitalrendite vergessen kann, es geht um den Ertrag der Investition &#8211; bekomme ich mein Geld zur\u00fcck? Das ist alles, was Investoren interessiert\u201c<\/p>\n<p>Paul O&#8217;Connor, ein Portfoliomanager bei Janus Henderson Investors, sagte, dass die Stimmung der Anleger in etwas mehr als zwei Wochen von Selbstgef\u00e4lligkeit in Panik umgeschlagen ist.<\/p>\n<p>\u201eWas als virengesteuertes De-Risking begann, ist nun zu einer breit angelegten, anlagen\u00fcbergreifenden Kapitulation mutiert\u201c, sagte er.<\/p>\n<p>Der Ausverkauf auf dem Markt wird durch die dysfunktionale, man k\u00f6nnte auch sagen: wahnsinnige Reaktion von US-Pr\u00e4sident Trump noch versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Nachdem er jede Gefahr durch die Ausbreitung des Coronavirus abgestritten hatte, behauptete er, der R\u00fcckgang des \u00d6lpreises sei gut f\u00fcr die US-Wirtschaft.<\/p>\n<p>\u201eSaudi-Arabien und Russland streiten sich \u00fcber den Preis und den Fluss des \u00d6ls. Das und die Fake News sind der Grund f\u00fcr den Markteinbruch\u201c, schrieb er auf twitter und noch dazu: \u201eGut f\u00fcr den Verbraucher, die Benzinpreise sinken!\u201c<\/p>\n<p>Inzwischen haben zig Millionen amerikanischer Arbeitnehmer gesehen, wie Milliarden von Dollar aus ihren b\u00f6rsennotierten Rentenpl\u00e4nen verloren gehen. \u00c4hnliche Verluste treffen Millionen Arbeiter auf der ganzen Welt, die von \u00e4hnlichen Systemen abh\u00e4ngig sind.<\/p>\n<p>Die tief verwurzelte Krise in der Realwirtschaft tritt in einer Reihe von Bereichen deutlich zutage.<\/p>\n<p>Der \u00d6lpreiskrieg selbst ist das Ergebnis eines erheblichen Nachfrager\u00fcckgangs, der wiederum direkt mit dem Abschwung in der chinesischen Wirtschaft und der deutlichen Verlangsamung in der Eurozone zusammenh\u00e4ngt. Der Knick in der chinesischen Wirtschaft hatte sich bereits vor dem Ausbruch des Coronavirus bemerkbar gemacht, und Deutschland steht zusammen mit Frankreich und Italien am Rande einer Rezession oder ist bereits in eine Rezession eingetreten.<\/p>\n<p>Es wird auch erwartet, dass Japan ein weiteres Quartal mit negativem Wachstum verzeichnet, nachdem das Land im letzten Quartal 2019 einen R\u00fcckgang von 6,1 Prozent erlebt hat.<\/p>\n<p>Die weltweite Nachfrage nach \u00d6l ist im ersten Quartal dieses Jahres um 2,5 Millionen Barrel pro Tag gesunken, was auf die Kontraktion der chinesischen Wirtschaft, dem gr\u00f6\u00dften Verbraucher weltweit, zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n<p>Die Internationale Energiebeh\u00f6rde hat ihre globale Nachfrageprognose f\u00fcr den Rest des Jahres gesenkt. Sie sagte, es werde einen R\u00fcckgang der t\u00e4glichen Nachfrage um 90.000 Barrel geben, verglichen mit der erst im letzten Monat prognostizierten Zunahme von 825.000 Barrel pro Tag.<\/p>\n<p>Ein weiterer klarer Indikator f\u00fcr zuk\u00fcnftige Trends ist der steile R\u00fcckgang der Rendite von 10- und 30-j\u00e4hrigen US-Staatsanleihen, da Investoren auf der Suche nach einem sicheren Hafen deren Kurs in die H\u00f6he treiben.<\/p>\n<p>Gestern fiel die Rendite der 10-j\u00e4hrigen Anleihe an einem Punkt auf ein Tief von 0,3 Prozent, bevor sie auf 0,5 Prozent stieg. Die Rendite der 30-j\u00e4hrigen Anleihe fiel zum ersten Mal unter 1 Prozent, was bedeutet, dass die Rendite auf dem gesamten Markt unter 1 Prozent liegt.<\/p>\n<p>Der R\u00fcckgang des Anleihenmarktes macht es praktisch sicher, dass die Fed die Zinsen erneut senken wird, wahrscheinlich um 0,5 Prozentpunkte, wenn sie das n\u00e4chste Mal am 17. und 18. M\u00e4rz oder vielleicht sogar schon vorher zusammenkommt. Im April werden sie wahrscheinlich erneut gesenkt.<\/p>\n<p>Wie die Reaktion des Marktes auf die Notfallk\u00fcrzung der letzten Woche zeigt, werden weitere Zinssenkungen jedoch nur sehr begrenzte Auswirkungen haben, da sie nicht zur Ankurbelung der Realwirtschaft beitragen.<\/p>\n<p>Es w\u00e4chst die Einsicht, dass eine Reihe von Mechanismen, die nicht erst seit der globalen Finanzkrise von 2008, sondern bereits seit Ende der 1980er Jahre zum Einsatz kommen, sich aufl\u00f6sen.<\/p>\n<p>Mit dem B\u00f6rsencrash im Oktober 1987 wurde eine Politik umgesetzt, bei der die Fed auf jeden signifikanten R\u00fcckgang der Aktien mit der \u00d6ffnung des Finanzzapfhahns reagierte, um weitere Spekulationen zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Dieser Prozess wurde nach 2008 durch Zinssenkungen und die so genannte quantitative Lockerung beschleunigt. Billionen von Dollar wurden in die Finanzm\u00e4rkte geblasen, um die fortgesetzte Absch\u00f6pfung des Reichtums durch die obersten Prozent der Gesellschaft zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig wurde die Arbeiterklasse durch Sparma\u00dfnahmen bei der sozialen Grundversorgung &#8211; Gesundheit, Bildung und andere Bereiche \u2013 konfrontiert. Stagnierende oder sinkende Reall\u00f6hnen waren und sind f\u00fcr die Arbeiterklasse ebenso an der Tagesordnung wie der Wegfall von Vollzeitarbeitspl\u00e4tzen zugunsten von Teilzeit-, Leiharbeit oder freiberuflicher T\u00e4tigkeit, zum gro\u00dfen Teil in der so genannten Gig-Economy.<\/p>\n<p>Die endlose Bereitstellung billigen Geldes hat nun die Voraussetzungen f\u00fcr eine weitere Finanzkrise geschaffen, die noch schwerwiegender ist als die vor zehn Jahren und die, wie man aus der Geschichte wei\u00df, noch tiefere Angriffe auf die Arbeiterklasse mit sich bringen wird.<\/p>\n<p>Eine der wichtigsten Entwicklungen im Finanzsystem ist die Anh\u00e4ufung von Unternehmensanleihen, die zum gro\u00dfen Teil von geringer Qualit\u00e4t sind. Die Unternehmen haben die Vorteile des extrem billigen Geldes genutzt, um immer risikoreichere Operationen sowie Fusionen, \u00dcbernahmen und Aktienr\u00fcckk\u00e4ufe zu finanzieren.<\/p>\n<p>Das Ergebnis ist, dass etwa 70 Prozent der Unternehmensanleihen, die in den USA auf bis zu 10 Billionen Dollar gesch\u00e4tzt werden, entweder unter Investment Grade, dem so genannten Junk-Status, liegen oder ein BBB-Rating haben, eine Stufe \u00fcber Junk, und im Falle einer Rezession oder einer Finanzkrise auf Junk-Status abgeschrieben werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Verwendung von risikoreichen Schrottanleihen war besonders in der US-Schiefer\u00f6lindustrie verbreitet, die von der Aufrechterhaltung h\u00f6herer \u00d6lpreise und der Erzielung von Einnahmen f\u00fcr Zinszahlungen abh\u00e4ngig ist.<\/p>\n<p>Der Aufstieg dieser Industrie &#8211; finanziert durch risikoreiche Schulden, aber von Trump gepriesen, weil sie die wirtschaftliche Unabh\u00e4ngigkeit der USA vom globalen \u00d6lmarkt erm\u00f6glicht &#8211; wird nun zu einem der \u00dcbertragungsmechanismen f\u00fcr eine finanzielle Kernschmelze.<\/p>\n<p>Wie die\u00a0<em>Financial Times<\/em>\u00a0bemerkte, war der Zugang zu den Anleihem\u00e4rkten f\u00fcr diese Unternehmen bereits angespannt, \u201ewas das Risiko erh\u00f6ht, dass sie nicht in der Lage sein werden, ihre Schulden zu refinanzieren, was sie in den Bankrott treibt\u201c.<\/p>\n<p>Die wachsende Besorgnis ist, dass hochverzinsliche und risikoreiche Unternehmensanleihen insgesamt betroffen sind.<\/p>\n<p>Diese Bedenken spiegeln sich in der sinkenden Bewertung der von Energieunternehmen emittierten Anleihen und den steigenden Kosten f\u00fcr die Versicherung gegen das Risiko des Ausfalls von Schrottanleihen auf breiter Front.<\/p>\n<p>Der Analyst der Deutschen Bank Craig Nichol sagt, der Ausbruch des Konflikts auf dem \u00d6lmarkt h\u00e4tte nicht zu einem schlechteren Zeitpunkt f\u00fcr den gesamten US-Hochertragsmarkt kommen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eDie gro\u00dfe Frage &#8230; ist die Ansteckung der breiteren Hochertragsm\u00e4rkte au\u00dferhalb des Energiebereichs. Unserer Ansicht nach ist das unvermeidlich.\u201c<\/p>\n<p>Wie auch immer die Drehungen der M\u00e4rkte in den n\u00e4chsten Tagen und Wochen aussehen m\u00f6gen, es ist klar, dass ein Wendepunkt erreicht ist. Genau die Prozesse und Mechanismen, die in der vergangenen Zeit zur Aufrechterhaltung der Weltwirtschaft und des Finanzsystems eingesetzt wurden, brechen nun zusammen. Statt ein Mittel zur Sicherung der Stabilit\u00e4t zu sein, haben sie sich als Quelle einer neuen und sich rasch entwickelnden Krise erwiesen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/03\/11\/cras-m11.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 11. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nick Beams. Die globalen Aktienm\u00e4rkte erlebten am Montag den schlimmsten Ausverkauf seit der globalen Finanzkrise von 2008. Dabei gibt es Anzeichen daf\u00fcr, dass noch Schlimmeres bevorstehen k\u00f6nnte. 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