{"id":7249,"date":"2020-03-12T09:55:23","date_gmt":"2020-03-12T07:55:23","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7249"},"modified":"2020-03-12T09:55:25","modified_gmt":"2020-03-12T07:55:25","slug":"frauen-und-krise-great-crisis-rises-up","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7249","title":{"rendered":"Frauen und Krise \u2013 Great crisis rises up"},"content":{"rendered":"<p><em>Leonie Schmidt. <\/em>Die Welt ist in Aufruhr. In vielen L\u00e4ndern wie zum Beispiel in Chile, im Libanon oder im Irak existieren Volksbewegungen, die sich Angriffen auf die Arbeiter_Innenklasse oder korrupten Regierungen widersetzen. Das Wachstum<!--more--> der Weltwirtschaft verlangsamt sich und die Angst vor einer erneuten weltweiten Rezession steigt an. Des Weiteren steigen die Spannungen zwischen gro\u00dfen imperialistischen M\u00e4chten wie, besonders zwischen den USA und China, und dr\u00fccken sich durch Schutzz\u00f6lle auf Stahlteile und Einzelteile f\u00fcr Smartphones etc. aus.<\/p>\n<p><strong>\u00a0Politisch-\u00f6konomische Weltlage<\/strong><\/p>\n<p>2019 befand sich die Weltwirtschaft kurz vor einer Phase der Rezession. R\u00fcckgang bzw. Stagnation des Profits im Vergleich zu vorherigen Jahren waren allgegenw\u00e4rtig. Nur wenige Branchen schafften es, eine Profitsteigerung zu erzielen. 11 Jahre seit Ende des letzten globalen Wirtschaftsabschwungs 2008 deutet eine Kombination von Faktoren wie stagnierende oder sinkende Profite, schwache oder r\u00fcckl\u00e4ufige Investitionst\u00e4tigkeit in Kapitalausr\u00fcstung, zunehmende Firmenverschuldung, Protektionismus und Handelskriege darauf hin, dass ein erneuter Konjunktureinbruch nicht mehr fern ist.<\/p>\n<p>Besonders hart traf es das verarbeitende Gewerbe (Baugewerbe, Industrie und Handwerk) deren Gesch\u00e4ftsmanagerindex (PMI) weltweit unter 50 fiel. Dieser gilt als Schwellenwert zwischen Expansion und Kontraktion. In Deutschland lag dieser bei 40, in den USA und China knapp \u00fcber 50. Der Dienstleistungssektor hingegen schaffte es, weiterhin seinen Profit zu steigern. So verhalf dieser Griechenland, das BIP immerhin um 2\u00a0% zu steigern. Laut Analyst_Innen von JP Morgan verlangsamte sich das gesamte Wachstum der Weltwirtschaft in 2019 aber stark, alle 10 Wirtschaftssektoren waren davon betroffen. Des Weiteren sank die Mehrwertrate, da die Lohnkosten nicht durch Gewinne kompensiert werden konnten.<\/p>\n<p>Das Wachstum der Industriel\u00e4nder als Gruppe d\u00fcrfte bis 2020 auf 1,4\u00a0% sinken, was auch auf die anhaltende Schw\u00e4che des verarbeitenden Gewerbes zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Das Wachstum in Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4ndern d\u00fcrfte sich in diesem Jahr auf 4,1\u00a0% beschleunigen. Es wird aber nur von einer verbesserten Leistung einer kleinen Gruppe gro\u00dfer Volkswirtschaften ausgegangen, von denen einige aus einer Phase erheblicher Schw\u00e4che hervorgehen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"800\" height=\"433\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/faz2020Cover2-800x433-1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7250\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/faz2020Cover2-800x433-1.jpg 800w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/faz2020Cover2-800x433-1-300x162.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/faz2020Cover2-800x433-1-768x416.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/figure>\n<p>Etwa ein Drittel der Schwellen- und Entwicklungsl\u00e4nder (wir bezeichnen diese als Halbkolonien) wird in diesem Jahr voraussichtlich zur\u00fcckfallen, da sich Exporte und Investitionen schw\u00e4cher entwickeln. Es wird erwartet, dass sich das US-Wachstum in diesem Jahr auf 1,8\u00a0% verlangsamt, was die negativen Auswirkungen fr\u00fcherer Zollerh\u00f6hungen und der erh\u00f6hten Unsicherheit widerspiegelt.\u00a0Das Wachstum des Euroraums d\u00fcrfte im Jahr 2020 aufgrund der schwachen industriellen Produktivit\u00e4t auf 1\u00a0% nach unten fallen. Die Erwerbslosenzahlen 2019 in der EU liegen bei 16 Millionen (6,3\u00a0%) und haben damit erst gerade das Vorkrisenniveau 2007 (7,1\u00a0%) unterschritten Die BRD weist zwar das h\u00f6chste Erwerbst\u00e4tigkeitsniveau seit der Wiedervereinigung auf), doch diese Jobs werden immer unsicherer und prek\u00e4rer.<\/p>\n<p>Allerdings beruhen diese Zahlen auf ungewissen Faktoren und k\u00f6nnen sich auch noch verschlechtern, besonders relevant sind hier Wirtschaftskriege und Spannungen oder ein st\u00e4rkerer Einbruch des Profits in den bedeutenden Volkswirtschaften, der auf andere \u00fcberschwappt.<\/p>\n<p><strong>Vorhersagen<\/strong><\/p>\n<p>Die Vorhersagen der gro\u00dfen Wirtschaftsanalyst_Innen f\u00fcr 2020 fallen aber allesamt recht positiv aus. Zumindest soll sich die Weltwirtschaft stabilisieren und etwas erholen, Risiken bleiben aber weiterhin vorhanden. Es wird vom IMF mit einem Weltwirtschaftswachstum von 3,5\u00a0% gerechnet, also einem leichten Anstieg im Gegensatz zu 2019, welcher mit 3,2\u00a0% vorhergesagt wurde. Die Weltbank hingegen geht nur von einem Wachstum bis 2,5 \u00a0% aus.<\/p>\n<p>Die mild optimistischen Vorhersagen der Analyseinstitute f\u00fcr 2020 berufen sich auf der negativen Entwicklungskurve der Weltwirtschaft entgegenwirkende Faktoren. So konnte ein rezessiver Einbruch der gr\u00f6\u00dften Volkswirtschaften bei Produktion und Investitionen 2019 vermieden werden \u2013 zum Preis niedrigen BIP- und Produktivit\u00e4tswachstums. Die globalen Finanzierungskosten befinden sich auf historischem Tiefstand teils aufgrund der Zentralbankpolitik des \u201ebilligen Geldes\u201c (Nullzins, Quantitative Easing), aber auch aufgrund geringer Kreditnachfrage durch Staat und Kapital als Folge ausbleibenden Investments. Aktien- und Wertpapierm\u00e4rkte erreichen dagegen ein ungeahntes Hoch. Die Arbeitslosenzahlen bleiben im Gegensatz zur Gro\u00dfen Depression der 1930er Jahre niedrig.<\/p>\n<p>Der zugrunde liegende tendenzielle Fall der Profitrate muss \u00fcber kurz oder lang die entgegenwirkenden Ursachen \u00fcbertrumpfen. Der Ausbruch einer neuen Krise wird umso sicherer erfolgen, weil die Geldpolitik darin versagt hat, die Wachstumsraten von vor 2007 wiederherzustellen. Die letzte Dekade sah die l\u00e4ngste Zeit ohne Rezession, aber auch die mit dem schw\u00e4chsten Wirtschaftsaufschwung nach einer solchen. Keynesianisches Gegensteuern durch gesteigerte Staatsinvestitionen (und \u2013schulden) hatte bereits in den Konjunkturkrisen zuvor versagt und wird diesmal auf die Barriere der schwindelerregend gestiegenen Budgetverschuldung sto\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Handelskrieg USA-China<\/strong><\/p>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Sorgen bereitet den Analyst_Innen der Handelskrieg zwischen den USA und China. Dieser war 2019 stark eskaliert und f\u00fchrte zu Abst\u00fcrzen auf beiden Seiten. China haben die Sanktionen und Strafz\u00f6lle auf Importwaren in die USA bereits 35 Milliarden US-Dollar gekostet. F\u00fcr die USA erh\u00f6hten sich die Produktionskosten massiv und es wurden zwar neue Jobs in der Stahlindustrie erschaffen, wie von Trump versprochen, allerdings zu viel schlechteren Bedingungen und f\u00fcr viel weniger Lohn.<\/p>\n<p>Trumps Ziel war also nie, die US-amerikanische Stahlproduktion zu st\u00e4rken, sondern von Anfang an, der Konkurrenz eine Warnung zu verpassen. Denn Chinas Wirtschaft ist in den letzten Jahren massiv gewachsen und stellt die gr\u00f6\u00dfte Gefahr dar. Gerade im Bereich von IT und Hochtechnologien ist es Vorreiter und mit vielen anderen Wirtschaften vernetzt. So lag Chinas Wirtschaftswachstum 2018 bei 6, 57\u00a0%, das der USA nur bei 2,93\u00a0%. Berichten zufolge hatte China zugestimmt, landwirtschaftliche Waren der USA im Wert von 50 Mrd. USD zu kaufen, w\u00e4hrend die USA anboten, die bestehenden Z\u00f6lle f\u00fcr chinesische Waren um bis zu 50\u00a0% zu senken. Der Konflikt ist somit also keinesfalls beigelegt, allerh\u00f6chstens kurzzeitig entsch\u00e4rft. Eine erneute Versch\u00e4rfung kann aber zu massiven Einst\u00fcrzen im Welthandel f\u00fchren.<\/p>\n<p><strong>Kampf um die Neuaufteilung der Welt<\/strong><\/p>\n<p>Der Handelskrieg zwischen den USA und China tr\u00e4gt allerdings auch noch ein geopolitisches, milit\u00e4risches Markenzeichen, denn als neu wachsender Imperialist muss China nat\u00fcrlich die Vormachtstellung des US-Imperialismus global angreifen. Die chinesische Armee hat sich in einen R\u00fcstungswettlauf mit den USA gest\u00fcrzt. Die Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran, einer zunehmend selbstsicheren Regionalmacht, verk\u00f6rpert eine weitere drohende Gefahr.<\/p>\n<p>Beide h\u00e4ngen miteinander zusammen, denn der Iran und China f\u00fchren eine gute Handelsbeziehung. So gingen 27,4\u00a0% der Exporte des Irans nach China, 27,8\u00a0% der Einfuhren kommen daher. \u00d6l, Gas und auch die Relevanz des Irans in Chinas \u201eSeidenstra\u00dfenprojekt\u201c spielen dabei eine entscheidende Rolle.<\/p>\n<p>Der R\u00fcckgang des Welthandels und der Investitionst\u00e4tigkeit hat besonders die sog. aufstrebenden \u00d6konomien getroffen. Deren Wachstum war in den letzten 6 Jahren fast \u00fcberall niedriger als in den 6 Jahren vor Ausbruch der letzten Rezession. In Brasilien, Russland, Argentinien, S\u00fcdafrika und der Ukraine gab es gar keines.<\/p>\n<p>Von 2010\u20132018 nahm das Verh\u00e4ltnis von Auslandsverschuldung zum BIP der Entwicklungsl\u00e4nder um mehr als die H\u00e4lfte auf 168\u00a0% zu \u2013 ein schnellerer j\u00e4hrlicher Anstieg als w\u00e4hrend der Schuldenkrise Lateinamerikas. Laut Schuldenreport der Weltbank 2020 befinden sich 124 von 154 erfassten L\u00e4ndern im kritischen Bereich kurz vor der Staatspleite, 2 mehr als im Vorjahr. 60\u00a0% dieser L\u00e4nder stehen vor einer schlimmeren Situation als 2014.<\/p>\n<p>Entscheidend f\u00fcr die Weltordnung wird also die Konkurrenz zwischen der aufstrebenden imperialistischen Gro\u00dfmacht China und den USA um die Weltherrschaft werden. Ihr Ringen wird den regionalen Auseinandersetzungen immer mehr ihren Stempel aufdr\u00fccken. Die Gefahr des Ausbruchs eines III. Weltkriegs w\u00e4chst.<\/p>\n<p><strong>Wen trifft es besonders hart?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist \u201enat\u00fcrliche\u201c kapitalistische Logik, dass in Zeiten der Rezession die sinkenden Profite durch Entlassungen, K\u00fcrzungen von Arbeitszeit und Lohn und andere Angriffe auf die Arbeiter_Innenklasse wie beispielsweise Rentenreformen aufgefangen werden sollen. So zum Beispiel aktuell in Frankreich, wo Macron mit seinen neoliberalen Reformen das Renteneintrittsalter auf 64 anheben m\u00f6chte oder in Chile, wo die Regierung eine Erh\u00f6hung der Preise f\u00fcr \u00f6ffentliche Verkehrsmittel durchsetzen wollte, aber daraufhin mit Massenprotesten konfrontiert wurde.<\/p>\n<p>Die Krise wird auf dem R\u00fccken der Arbeiter_Innenklasse ausgetragen. Jedoch trifft es hier besonders Frauen. Mit der Krise 2007\/08 wurden Teilzeitjobs und Leiharbeit stark ausgebaut, damit die Kapitalist_Innen ihren Profit dennoch weiter vermehren k\u00f6nnen und zur Not ohne viel Aufwand die Arbeiter_Innen entlassen k\u00f6nnen, wenn die n\u00e4chste Rezession einsetzt.<\/p>\n<p>In den imperialistischen L\u00e4ndern sind sie h\u00e4ufig von Arbeitslosigkeit und unsicheren, prek\u00e4ren Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnissen geplagt. So arbeiten in Deutschland 2019 30,5\u00a0% Frauen in solchen \u201eatypischen\u201c Verh\u00e4ltnissen, aber nur 12,2\u00a0% der M\u00e4nner. Das wird als freiwillige Entscheidung f\u00fcr mehr Familien- oder Freizeit beispielsweise vom Bundesamt f\u00fcr politische Bildung gewertet, ist aber reine Ideologie, denn die unentgeltliche Reproduktionsarbeit f\u00e4llt \u00fcberwiegend den Frauen zu. So wird auch ausschlie\u00dflich von Frauen erwartet, Job und Familie zu verbinden, und sie sind gezwungen, Teilzeit oder unsichere Jobs zu akzeptieren, wenn sie Kinder gro\u00dfziehen.<\/p>\n<p>Auch Frauen in Halbkolonien (wie bspw. Indien oder Pakistan) sind oft im prek\u00e4ren Bereich besch\u00e4ftigt. Hier variieren die Zahlen je nach Land zwischen 45\u00a0%-76\u00a0%. Die Besch\u00e4ftigung findet hier auch oft im informellen Bereich statt, wo angemessene Bezahlung, Schwangerschaftsurlaub, eine sichere Arbeitsumgebung oder gar gewerkschaftliche Organisierung zurzeit undenkbar sind. Viele dieser Frauen arbeiten in Textilfabriken (in welchen f\u00fcr H&amp;M, Primark und Co produziert wird), in sogenannten Sonderwirtschaftszonen, in denen sie f\u00fcr einen Hungerlohn ausgebeutet, teilweise eingesperrt und zur Arbeit gezwungen werden. Auf Sicherheit wird kaum geachtet. Oftmals kommt es zu Geb\u00e4udeeinst\u00fcrzen oder Fabrikbr\u00e4nden neben dem Umgang mit gef\u00e4hrlichen Chemikalien ohne wirkliche Schutzkleidung.<\/p>\n<p>Weltweit sind Frauen besonders von Armut betroffen. Demnach leben 5 Millionen mehr Frauen als M\u00e4nner in extremer Armut. Des Weiteren sind mehr Frauen von Altersarmut betroffen. In Deutschland sind es 20\u00a0% der Frauen, aber nur 15\u00a0% der M\u00e4nner. Das erkl\u00e4rt sich durch geringeren Lohn w\u00e4hrend der Arbeitszeit und Unterbrechungen zum Gro\u00dfziehen der Kinder.<\/p>\n<p>Noch immer ist es Frauen laut UNO in 104 L\u00e4ndern nicht erlaubt, bestimmte Berufe auszu\u00fcben. In 18 L\u00e4ndern k\u00f6nnen M\u00e4nner ihren Ehefrauen grunds\u00e4tzlich verbieten zu arbeiten. So m\u00fcssen Frauen in Saudi-Arabien beispielsweise f\u00fcr die Aus\u00fcbung bezahlter Arbeit generell die Erlaubnis eines m\u00e4nnlichen Vormunds einholen. So spiegelt sich auch die finanzielle Abh\u00e4ngigkeit der Frauen wider, da sie sowohl in imperialistischen als auch in halbkolonialen L\u00e4ndern nach wie vor weniger Lohn erhalten als M\u00e4nner. In Deutschland sind es beispielsweise 21\u00a0%, 17,3\u00a0% in Gro\u00dfbritannien, in Pakistan hingegen 34\u00a0%.<\/p>\n<p>Der Kampf um finanzielle Gleichstellung ist also weltweit keineswegs abgeschlossen. Aber selbstverst\u00e4ndlich gibt es auch andere Bereiche, in denen Frauen strukturell benachteiligt werden. So kam es mit der Krise 2007\/08 auch zu einem Anstieg nationalistischer Gef\u00fchle, da die Mittelschichten der imperialistischen L\u00e4nder sich vor einem sozialen Absturz und dem Verlust ihrer Privilegien f\u00fcrchteten. Um reaktion\u00e4re Angriffe und die St\u00e4rkung der nationalen Wirtschaft zu f\u00f6rdern, wurden fremdenfeindliche und chauvinistische Ideologien gesch\u00fcrt.<\/p>\n<p>Diese sorgten auch f\u00fcr ein Rollback bei Frauen- und LGTBIA-Rechten. So beispielsweise der Versuch der weiteren Illegalisierung von Abtreibungen, aber auch das Aufbegehren der Rechten gegen das \u201eGendermainstreaming\u201c (die Integration der Gendergleichstellungsperspektive in politische Prozesse, wie von der Weltfrauenkonferenz in Nairobi 1985 festgelegt).<\/p>\n<p>Dadurch kam es auch zu vermehrten gewaltt\u00e4tigen und sexualisierten Angriffen auf Frauen sowie auch auf die k\u00f6rperliche und sexuelle Selbstbestimmung. So erleben auch mehr Frauen Gewalt in Beziehungen als M\u00e4nner und werden auch h\u00e4ufiger von ihrem (Ex-)Partner ermordet. Voruntersuchungen zu einer Studie der\u00a0WHO\u00a0zeigen, dass 35\u00a0% der weltweiten Morde an Frauen von Intimpartnern begangen werden, aber nur 5\u00a0% aller Morde an M\u00e4nnern von ihren Partnerinnen. Gemeinsamer Kampf gegen Ausbeutung und f\u00fcr Frauenbefreiung<\/p>\n<p><strong>Gemeinsamer Kampf gegen Ausbeutung und f\u00fcr Frauenbefreiung<\/strong><\/p>\n<p>Die Auswirkung der Krise, die Ausbeutung der Arbeiter_Innenklasse und die Unterdr\u00fcckung der Frau stehen also in einem engen Verh\u00e4ltnis zueinander und bedingen sich teils gegenseitig. Um genug Widerstand aufbauen zu k\u00f6nnen, ist es daher wichtig, auch die m\u00e4nnlichen Proletarier f\u00fcr den Kampf zur vollst\u00e4ndigen Frauenbefreiung zu gewinnen. Gegen die kommende Krise muss sich die Gesamtklasse in Stellung bringen, ein revolution\u00e4res Antikrisenprogramm annehmen. Um unsere St\u00e4rke und F\u00e4higkeit zu steigern, m\u00fcssen wir in alle \u00f6konomischen und sozialen K\u00e4mpfe intervenieren, um ihre Vorhut f\u00fcr unsere Reihen zu gewinnen. Dieses Aktionsprogramm muss auch Antworten auf das Rollback gegen die Rechte der arbeitenden Frauen geben.<\/p>\n<p>Gleichzeitig muss es aber eigene Strukturen (sog. Caucuses) innerhalb der Arbeiter_Innenbewegung (z.\u00a0B. in Gewerkschaften) f\u00fcr Frauen geben, da sie einer doppelten Unterdr\u00fcckung und spezifischen Formen sexistischer Diskriminierung unterliegen Das Gleiche trifft auf ebenso auf andere Unterdr\u00fcckte (Jugendliche, MigrantInnen usw.) zu. Denn so revolution\u00e4r eine Bewegung oder eine Partei auch sein mag, niemand ist frei von im Kapitalismus erlernten Unterdr\u00fcckungsmechanismen und auch in den eigenen Strukturen m\u00fcssen diese diskutiert und bek\u00e4mpft werden.<\/p>\n<p>\u00a0Dennoch kann aber nur ein gemeinsamer internationaler Kampf der gesamten Arbeiter_Innenklasse f\u00fcr eine Befreiung aller Unterdr\u00fcckten sorgen, der sich gegen den Kapitalismus stellt und f\u00fcr eine sozialistische Revolution eintritt, da die Abschaffung der unbezahlten Reproduktionsarbeit, welche un\u00fcberwindbar mit dem Kapitalismus vereint ist, ihre vollst\u00e4ndige Sozialisierung und Aufteilung auf alle Geschlechter im Interesse der gesamten ArbeiterInnenschaft liegt, auch wenn unterm Kapitalismus ihr weiblicher Teil jene weit \u00fcberwiegend verrichtet.<\/p>\n<p>Wir als Marxist_Innen treten daher f\u00fcr eine internationale multi-ethnische, proletarische Frauenbewegung ein mit dem Recht auf gesonderte Treffen in Arbeiter_Innenorganisationen wie Gewerkschaften. Deshalb m\u00fcssen diese auch massiv unter den prek\u00e4r Besch\u00e4ftigten rekrutieren und d\u00fcrfen sich nicht auf die Verteidigung der relativ privilegierten, ausgebildeten und sicherer besch\u00e4ftigten (arbeiter_innenaristokratischen) Schichten beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Daher fordern wir:<\/p>\n<ul>\n<li>Gleiche Rechte f\u00fcr Frauen bei Wahlen, auf dem Arbeitsmarkt, im Bildungswesen, an allen \u00f6ffentlichen und gesellschaftlichen Aktivit\u00e4ten teilzunehmen!<\/li>\n<li>F\u00fcr ein Programm gemeinn\u00fctziger \u00f6ffentlicher Arbeiten mit Vollzeitstellen und ausk\u00f6mmlichen Tarifl\u00f6hnen f\u00fcr Frauen, bezahlt aus Unternehmerprofiten und Verm\u00f6gensbesitz!<\/li>\n<li>Gleicher Lohn f\u00fcr gleiche Arbeit! Mindestlohn f\u00fcr alle Frauen, um ein Mindesteinkommen zu sichern, das die Reproduktionskosten deckt und ein Leben ohne Abh\u00e4ngigkeit vom (m\u00e4nnlichen) Partner erlaubt!<\/li>\n<li>Arbeitsschutz in allen Produktionsst\u00e4tten! F\u00fcr das Recht auf gewerkschaftliche Organisierung, wo es bisher verboten ist!<\/li>\n<li>My Body, my Choice: F\u00fcr das vollst\u00e4ndige Recht auf Abtreibung ohne Fristen und Mindestalter, sexuelle Selbstbestimmung und das Prinzip des sexuellen Konsenses! Zugang zu kostenlosen Verh\u00fctungsmitteln!<\/li>\n<li>Kostenloser Zugang zu Gesundheitsversorgung, Pflegeeinrichtungen, Krankenversorgung und gesicherte Renten f\u00fcr alle Frauen! Wir fordern kostenlose und bedarfsorientierte Kinderbetreuung, \u00f6ffentliche Kantinen und W\u00e4schereien \u2013 um eine gesellschaftliche Gleichverteilung der Reproduktionsarbeiten auf alle Geschlechter sicherzustellen!<\/li>\n<li>Um Frauen aufgrund ihrer Doppelbelastung durch Erwerbst\u00e4tigkeit und Reproduktionsarbeit eine politische Teilnahme zu erleichtern, treten wir zudem f\u00fcr eine Vergesellschaftung s\u00e4mtlicher Haushalts-, Sorge- und Reproduktionsarbeiten ein!<\/li>\n<li>Recht auf Scheidung auf Wunsch! Ausbau und Sicherstellung von Schutzr\u00e4umen f\u00fcr Frauen (wie z.\u00a0B. Frauenh\u00e4user)!<\/li>\n<li>Kostenlose, kollektive Selbstverteidigungsstrukturen, um es Frauen zu erm\u00f6glichen, sich selbst vor \u00dcbergriffen zu sch\u00fctzen, unterst\u00fctzt von Frauen- und Arbeiter_Innenbewegung!<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/arbeiterinnenmacht.de\/2020\/03\/05\/frauen-und-krise-great-crisis-rises-up\/\"><em>Fight, Revolution\u00e4re Frauenzeitung Nr. 8&#8230;<\/em><\/a><em> vom 12. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leonie Schmidt. Die Welt ist in Aufruhr. In vielen L\u00e4ndern wie zum Beispiel in Chile, im Libanon oder im Irak existieren Volksbewegungen, die sich Angriffen auf die Arbeiter_Innenklasse oder korrupten Regierungen widersetzen. 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