{"id":7257,"date":"2020-03-13T09:42:09","date_gmt":"2020-03-13T07:42:09","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7257"},"modified":"2020-03-13T09:42:10","modified_gmt":"2020-03-13T07:42:10","slug":"italien-wut-und-spontane-streiks-wegen-des-coronavirus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7257","title":{"rendered":"Italien: Wut und spontane Streiks wegen des Coronavirus"},"content":{"rendered":"<p><em>Diego Lotito.<\/em> <strong>Eine Welle der Unzufriedenheit unter den Arbeiter*innen und spontane Streiks \u00fcberrollen Italien: Sie lehnen die Notfallma\u00dfnahmen der Regierung und die Entscheidung ab, die Fabriken offen zu halten, w\u00e4hrend die Gesch\u00e4fte geschlossen bleiben.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die Entscheidung, Gesch\u00e4fte und L\u00e4den in Italien zu schlie\u00dfen, aber Fabriken und Produktionsaktivit\u00e4ten offen zu lassen, hat starke Auswirkungen auf die italienischen Fabriken. Von Brescia bis Mantua und in den Provinzen Asti, Vercelli und Cuneo in Norditalien \u2014 dem am st\u00e4rksten industrialisierten Gebiet \u2014 wird von spontanen Streiks mit sehr hoher Beteiligung berichtet. Die Gewerkschaften sind in Alarmbereitschaft, um das Niveau der Gesundheitssicherheit der Belegschaft zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n<p>Die m\u00e4chtige Gewerkschaft Fiom (F\u00f6deration der Metallarbeiter*innen) hat auf die neue Notverordnung gegen das Coronavirus heftig reagiert. In einer Erkl\u00e4rung hat sie die Notwendigkeit des Schutzes sowohl der Arbeit als auch der Gesundheit der Arbeiter*innen angesprochen. Die Generalsekret\u00e4rin der Fiom, Francesca Re David, hat als \u201cinakzeptabel\u201d definiert, dass \u201cim neuen Dekret des Pr\u00e4sidenten des Ministerrats Ma\u00dfnahmen und Initiativen zum Schutz von Arbeiter*innen, die die wirtschaftliche Lebensf\u00e4higkeit des Landes in einer ernsten Notlage gew\u00e4hrleisten, fehlen\u201d, und fordert \u201cdie Regierung auf, dringend eine Sitzung einzuberufen, um die Notsituation der Metallarbeiter*innen zu behandeln\u201d.<\/p>\n<p>Das Fiom fordert \u201cdie sofortige Mobilisierung f\u00fcr Initiativen, die darauf abzielen, zu \u00fcberpr\u00fcfen, dass die Unternehmen die Gesundheits- und Sicherheitsbedingungen der Arbeiter*innen auch durch Stilllegungen f\u00fcr eine programmierte Reduzierung der Produktion garantieren\u201d.<\/p>\n<p><strong>Proteste und Streiks f\u00fcr die Sicherheit vervielfachen sich<\/strong><\/p>\n<p>Im ganzen Land gibt es Ausbr\u00fcche von Wut und Unzufriedenheit von Arrbeiter*innen, die sich \u00fcber die mangelnde Aufmerksamkeit der Arbeitgeber beklagen und spontan in den Streik treten.<\/p>\n<p>In der AST-Fabrik in Terni wurde am Donnerstagmorgen um 6 Uhr morgens f\u00fcr jede Arbeitsschicht bis einschlie\u00dflich 13. M\u00e4rz ein achtst\u00fcndiger Streik ausgerufen. Bei der Firma Fincantieri in Marghera haben die Gewerkschaften den Beginn des Protests \u00fcber den Sicherheitsnotstand best\u00e4tigt. \u201cEs ist unm\u00f6glich, die Regeln zu respektieren \u2014 zum Beispiel kann man mit drei Leiharbeiter*innen diese Arbeit nicht in einem Abstand von einem Meter voneinander durchf\u00fchren, es w\u00e4re besser, alles abzuschalten. Dieses Virus ist eine Katastrophe, und wir f\u00fchlen uns nicht gesch\u00fctzt.\u201d<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"890\" height=\"550\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cor.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7258\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cor.jpg 890w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cor-300x185.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/cor-768x475.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 890px) 100vw, 890px\" \/><\/figure>\n<p><strong>\u201cWir sind kein Schlachthof-Fleisch\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Die Gegend um Brescia wurde auch von einer Welle spontaner Streiks in einigen Fabriken getroffen, die die Produktion nicht eingestellt haben. \u201cWir sind kein Schlachthof-Fleisch\u201d, sagten die Besch\u00e4ftigten einiger Unternehmen in der Provinz, die die Einstellung der T\u00e4tigkeit f\u00fcr 15 Tage fordern. \u201cWir diskutieren mit den Unternehmen, wie wir mit dieser Situation umgehen k\u00f6nnen. Wir registrieren Streiks in vier oder f\u00fcnf Sektoren\u201d, sagte der Sekret\u00e4r der Gewerkschaft Cgil von Brescias, Francesco Bertoli.<\/p>\n<p>Ein anderer Fall ist der der Arbeiter*innen von Corneliani in Mantua, der Fabrik der historischen M\u00e4nnermode-Marke, die beschlossen haben, \u201czum Schutz ihrer Gesundheit\u201d zu streiken. Es handelt sich um 450 Arbeiter*innen, die heute Morgen spontan die Arme verschr\u00e4nkt haben, \u201cum zu fordern, dass es keine B\u00fcrger*innen zweiter Klasse gibt: Gesundheit ist eine Sache, und sie geh\u00f6rt allen\u201d.<\/p>\n<p>Die USB (Unione Sindacale di Base) hat einen 32-st\u00fcndigen Streik in nicht wesentlichen Industriesektoren proklamiert und \u201cdrastische Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Gesundheit und der L\u00f6hne der Besch\u00e4ftigten\u201d gefordert.<\/p>\n<p>Auch aus Tarnato ist eine Beschwerde eingegangen, in der die Gewerkschaft Fim Cisl das Verhalten des Unternehmens Leonardo in Grottaglie und den mangelnden Schutz der Arbeiter*innen anprangert.<\/p>\n<p><strong>\u201cGegen die Bosse und das Coronavirus: Unsere Gesundheit kommt vor ihrem Profit\u201d<\/strong><\/p>\n<p>Die Delegierten der Gewerkschaft USB prangern an, dass die meisten Arbeiter*innen keine Schutzmasken haben und dass auch die Handschuhe nicht ausreichend sind. \u201cWir bekommen nur ein Paar pro Tag\u201d, sagen die Arbeiter*innen. Und das Alkohol-Gel wurde eine Zeit lang nicht gesehen. Die Besch\u00e4ftigten des Logistikunternehmens Bartolini in Caorso, Provinz Piacenza, prangern Arbeitsbedingungen an, die bei weitem nicht die Sicherheit aller Mitarbeiter*innen gew\u00e4hrleisten. Deshalb streiken sie und fordern, dass sie unter anderen Bedingungen arbeiten k\u00f6nnen, mit \u201cSicherheit\u201d f\u00fcr ihre Gesundheit.<\/p>\n<p>Deshalb haben die Arbeiter*innen sich mit der Parole \u201cgegen die Bosse und das Coronavirus\u201d mobilisiert, und zwar mit der Parole \u201cGesundheit vor Leistung\u201d. \u201cDas Lager wird nicht desinfiziert, die Werkzeuge werden nicht desinfiziert\u201d, sagt der Sicherheitsdelegierte von Usb Logistics in einer Video\u00fcbertragung auf seiner Facebook-Seite.<\/p>\n<p>Die Delegierten prangern an, dass die Logistiker*innen seit Wochen in ganz Italien Waren und Pakete ausliefern, sogar an Menschen in Quarant\u00e4ne, die theoretisch nicht einmal ihre T\u00fcren \u00f6ffnen sollten, wodurch sie sich dem Risiko einer Coronavirus-Infektion aussetzen, und zwar unter der v\u00f6lligen Gleichg\u00fcltigkeit der politischen, administrativen und Gesundheitsbeh\u00f6rden.<\/p>\n<p><strong>Proteste auch bei IKEA und im Hafen von Genua<\/strong><\/p>\n<p>Vor einigen Tagen wurde der Protest von den IKEA Anagnina-Mitarbeiter*innen in Rom angef\u00fchrt. Sie stellten ihre Arbeit ein und behaupteten, dass sie dies nicht sicher tun k\u00f6nnten, da die erforderlichen Abst\u00e4nde zwischen den Menschen nicht garantiert seien. Das Unternehmen sagte, dass es die Empfehlungen der europ\u00e4ischen Beh\u00f6rden befolge.<\/p>\n<p>Auch die Besch\u00e4ftigten des PSA-Terminals Genova Pra\u2019 streikten am 11. M\u00e4rz mit der Begr\u00fcndung, dass Ma\u00dfnahmen wie die Desinfektion von Arbeitsger\u00e4ten wie Kr\u00e4nen und anderen Maschinen nicht ergriffen worden seien.<\/p>\n<p><strong>Die Kapitalist*innen sollen f\u00fcr die Krise zahlen<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts einer durch das Coronavirus ausgel\u00f6sten Krise von gro\u00dfem Ausma\u00df in Italien, die die gesamte Bev\u00f6lkerung betrifft, die fast vollst\u00e4ndig \u201cunter Quarant\u00e4ne\u201d steht, sind Millionen von Arbeiter*innen in Italien ungesunden Arbeitsbedingungen ausgesetzt, ohne elementare Gesundheitsgarantien, und das alles nur, weil sie den Profiten der kapitalistischen Bosse den Vorrang geben.<\/p>\n<p>Betriebliche Proteste, Streiks und Selbstorganisation sind eine notwendige Reaktion, um der Arroganz der Bosse entgegenzutreten und die Diskussion \u00fcber die zur Bew\u00e4ltigung dieser Krise notwendigen Ma\u00dfnahmen zu beginnen, indem unter anderem ein gr\u00f6\u00dferes Budget f\u00fcr das \u00f6ffentliche Gesundheitssystem bereitgestellt wird, Labors, Privatkliniken und Pharmaunternehmen enteignet werden, um der Bev\u00f6lkerung alle notwendigen Mittel zur Verf\u00fcgung zu stellen, und Urlaub ohne Lohnk\u00fcrzungen f\u00fcr alle von Ansteckungsgefahr bedrohten Arbeiter*innen eingef\u00fchrt wird, wobei das Verbot von Entlassungen w\u00e4hrend dieser Zeit garantiert wird. Denn, wie die Arbeiter*innen selbst sagen, unser Leben kommt vor ihren Profiten.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel erschien zuerst bei\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/www.laizquierdadiario.com\/Estallidos-de-rabia-y-huelgas-espontaneas-en-Italia-por-el-coronavirus-nuestra-salud-antes-que-sus\"><strong><em>La Izquierda Diario<\/em><\/strong><\/a><em>.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle. <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/italien-wut-und-spontane-streiks-wegen-des-coronavirus\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 13. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diego Lotito. 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