{"id":7264,"date":"2020-03-13T19:43:43","date_gmt":"2020-03-13T17:43:43","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7264"},"modified":"2020-03-13T19:43:45","modified_gmt":"2020-03-13T17:43:45","slug":"mikrobiologischer-klassenkampf-in-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7264","title":{"rendered":"Mikrobiologischer Klassenkampf in China"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wir haben diesen Text von Ende Februar vom Blog der Zeitschrift\u00a0Chuang\u00a0schnell \u00fcbersetzt und online gestellt, um der ganzen Panik etwas Fundierteres entgegenzusetzen. Ein erster Kritikpunkt w\u00e4re, dass die Autoren die Industrialisierung<!--more--> als eine einzige Apokalypse beschreiben. Eine gute Grundlage f\u00fcr weitere Diskussionen ist der Text allemal!<\/strong><\/p>\n<p><em>Im englischen Original sind an vielen Stellen Links eingef\u00fcgt, um Aussagen zu belegen. Wir haben sie nicht \u00fcbernommen, ihr findet sie\u00a0<\/em><a href=\"http:\/\/chuangcn.org\/2020\/02\/social-contagion\/\"><em>im Originaltext.<\/em><\/a><\/p>\n<p><strong>Der Hochofen<\/strong><\/p>\n<p>Umgangssprachlich gilt Wuhan als einer der \u00bbvier Hoch\u00f6fen\u00ab Chinas. Den bedr\u00fcckend feuchthei\u00dfen Sommer teilt es mit Chongqing, Nanjing und Nanchang (andere z\u00e4hlen Changsha auf), quirlige St\u00e4dte mit einer langen Geschichte, am Yangtse gelegen oder nah an seinem Flusstal. Unter den Vieren gl\u00e4nzt Wuhan aber mit echten Hoch\u00f6fen. Der massige urbane Komplex bildet so etwas wie einen Kern der Stahl-, Beton- und bauorientierten Industrie Chinas, sein Stadtbild gesprenkelt mit den langsam k\u00fchlenden Gebl\u00e4sehoch\u00f6fen der verbleibenden Stahl- und Eisenschmelzen im Staatseigentum, die geplagt von \u00dcberproduktion in eine weitere umstrittene Phase von R\u00fcckbau, Privatisierung und Umstrukturierung gezwungen werden \u2013 dies allein schon Ursache f\u00fcr mehrere gro\u00dfe Streiks und Proteste in den letzten f\u00fcnf Jahren. Auf den Punkt gebracht ist Wuhan die Hauptstadt der chinesischen Bauindustrie. Als solche hatte die Stadt eine besonders hervorgehobene Rolle in der Phase nach der (letzten) \u00f6konomischen Krise, denn in dieser Zeit wurde das Wachstum durch Immobilien- und Infrastruktur-Projekte aufgebl\u00e4ht. Die Blase hat Wuhan nicht nur mithilfe seines \u00dcberangebots an Baumaterialien und Ingenieuren im Staatsdienst vergr\u00f6\u00dfert, sondern wurde selbst zu einem Produkt des Immobilienbooms. Nach unseren Berechnungen hatten in den Jahren 2018-2019 die Baugrundst\u00fccke in Wuhan nach ihrem Umfang die Gesamtfl\u00e4che der Insel Hongkong.<\/p>\n<p>Inzwischen scheint dieser Antriebsofen der chinesischen Nach-Krisen-\u00d6konomie abzuk\u00fchlen, ganz \u00e4hnlich denen der Stahl- und Eisenkocher. Obwohl der Vorgang schon seit einer Weile lief, stimmt das Bild neuerdings nicht nur im einfachen \u00f6konomischen Sinn. Seit mehr als einem Monat ist die einst hektische Stadt abgeriegelt, sind ihre Stra\u00dfen auf Regierungsanweisung entleert. \u00bbDer wichtigste Beitrag, den Sie leisten k\u00f6nnen, lautet: Versammeln Sie sich nicht, verursachen Sie kein Chaos\u00ab \u2013 so stand es gro\u00df gedruckt in der Guangmin-Tageszeitung, die unter der Leitung der Propaganda-Abteilung der KP Chinas steht. Die glitzernden Stahl- und Glasbauten in den neuen Prachtstra\u00dfen Wuhans liegen nun kalt und leer, w\u00e4hrend der Winter \u00fcbers Neujahrsfest vergeht und die Stadt unter den Beschr\u00e4nkungen der Quarant\u00e4ne stagniert. Sich zu vereinzeln ist ein kluger Ratschlag in China, wo das Ausbrechen des neuen Corona-Virus (k\u00fcrzlich umbenannt in \u00bbSARS-CoV-2\u00ab und die von ihm ausgel\u00f6ste Krankheit in \u00bbCOVID-19\u00ab) bereits mehr als zweitausend Menschen das Leben gekostet hat \u2013 mehr als die SARS-Epidemie von 2003. Das ganze Land steht unter Ausgangssperre, wie schon bei SARS. Die Schulen sind geschlossen, und \u00fcberall bleiben die Leute zusammengepfercht in ihren Wohnungen. Fast die gesamte Wirtschaftst\u00e4tigkeit kam zum Neujahrsfest am 25. Januar zum Erliegen. Die Unterbrechung wurde auf einen Monat verl\u00e4ngert, um die Ausbreitung der Epidemie zu behindern. Es scheint, als h\u00e4tten die Hoch\u00f6fen Chinas aufgeh\u00f6rt zu brennen, oder als w\u00fcrden sie nur noch schwach gl\u00fchen. In einem anderen Sinn ist die Stadt selbst zu einem Ofen geworden, denn das Coronavirus brennt sich durch die Masse der Bev\u00f6lkerung wie ein heftiges Fieber.<\/p>\n<p>Das Ausbrechen der Krankheit ist f\u00e4lschlich allem M\u00f6glichen zugeschrieben worden: vom verschw\u00f6rerischen und\/oder zuf\u00e4lligen Freisetzen einer Virengeneration aus dem Institut f\u00fcr Virologie in Wuhan \u2013 eine zweifelhafte Unterstellung, die durch soziale Netze, vor allem \u00fcber paranoide Facebook-Posts aus Hongkong und Taiwan verbreitet, aber inzwischen von konservativen Pressestellen und milit\u00e4rischen Nutznie\u00dfern aufgebl\u00e4ht wird \u2013 bis hin zur (angeblichen) Neigung der chinesischen Bev\u00f6lkerung \u00bbunsaubere\u00ab oder \u00bbabartige\u00ab Nahrungsmittel zu verzehren. Dies Letztere, weil die Virenausbreitung auf Flederm\u00e4use oder Schlangen zur\u00fcckgef\u00fchrt wird, die auf halblegalen, auf Wild und seltene Tiere spezialisierten\u00a0<em>wet markets<\/em><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn1\"><sup>1<\/sup><\/a>\u00a0angeboten werden (obwohl das nicht der tats\u00e4chliche Ursprungsort ist<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn2\"><sup>2<\/sup><\/a>). Diese beiden Themen r\u00fccken die offensichtliche Kriegstreiberei und den Orientalismus ins Blickfeld, die die Berichterstattung \u00fcber China kennzeichnen, das haben schon einige kritische Medienartikel dargelegt. Doch auch diese Reaktionen tendieren zur Verengung auf die kulturellen Zusammenh\u00e4nge des Virus \u2013 und besch\u00e4ftigen sich weniger mit den weit brutaleren Kr\u00e4ften, die unterhalb des Medienzirkus im Verborgenen wirken.<\/p>\n<p>Eine leicht abgewandelte Variante begreift wenigstens die \u00f6konomischen Folgewirkungen, auch wenn die m\u00f6glichen politischen Effekte in rhetorischer Absicht \u00fcbertrieben werden. Hier begegnen uns die \u00fcblichen Verd\u00e4chtigen, von den bekannten drachent\u00f6tenden Kriegsfalken bis hin zu aufgeregten reichen Liberalen: Pressefirmen vom\u00a0<em>National Review<\/em>\u00a0bis hin zur\u00a0<em>New York Times<\/em>\u00a0orakeln bereits dar\u00fcber, wie der Virenausbruch zur Legitimit\u00e4tskrise der KP Chinas f\u00fchren k\u00f6nnte, obwohl bisher kaum ein Hauch von Aufstand zu sp\u00fcren ist. Doch der wahre Kern solcher Voraussagen liegt da, wo sie die wirtschaftlichen Dimensionen der Quarant\u00e4ne erfassen \u2013 ein Aspekt, dem Journalisten mit einem Aktien-Portfolio dicker als ihr Kopf schwerlich entgehen k\u00f6nnen. Denn offenbar ist, dass die Leute trotz der Regierungsappelle zum Abstandhalten bald gezwungen sein werden, sich zu \u00bbversammeln\u00ab, um sich der Produktion zu widmen. Den letzten Sch\u00e4tzungen zufolge wird die Epidemie Chinas Wirtschaftswachstum auf f\u00fcnf Prozent verlangsamen, unterhalb der bereits alarmierenden Wachstumsziffer von sechs Prozent im vergangenen Jahr, der niedrigsten in drei Jahrzehnten. Einige Analysten haben prognostiziert, das Wachstum im ersten Quartal k\u00f6nnte auf vier Prozent oder noch tiefer sinken, und es k\u00f6nnte hieraus eine weltweite Rezession entstehen. Eine bislang undenkbare Frage wurde gestellt: Was kommt eigentlich auf die Weltwirtschaft zu, wenn der chinesische Hochofen erkaltet?<\/p>\n<p>In China selbst ist der Verlauf dieser Ereignisse schwer vorauszusagen, doch hat der Augenblick bereits einen raren Prozess des gemeinschaftlichen Fragens und der Besinnung auf die Gesellschaft ausgel\u00f6st. Die Epidemie hat (nach den vorsichtigsten Sch\u00e4tzungen) nahezu 80\u00a0000 Menschen direkt infiziert. Doch 1,4 Milliarden hat sie einen Schock vermittelt, der ihren Alltag unter dem Kapitalismus grell beleuchtete und sie in einem Augenblick der Verunsicherung zur Selbstbesinnung zwang. Zeitgleich stellten sich Alle eine Reihe tiefgreifender Fragen: Was wird mit mir? Mit meinen Kindern, meiner Familie, meinen Freunden? Wird es f\u00fcr uns genug zu essen geben? Wird mein Einkommen gezahlt? Wird mein Gesch\u00e4ft sich rentieren? Wer tr\u00e4gt hier f\u00fcr alles die Verantwortung? Auf ungewohnte Weise entspricht die Einzelerfahrung der eines Massenstreiks \u2013 aber eines solchen, der in seiner nicht-spontanen, von oben verordneten und insbesondere unfreiwilligen Total-Atomisierung die Grundr\u00e4tsel unserer strangulierten politischen Gegenwart ebenso klar hervortreten l\u00e4sst, wie die Massenstreiks des letzten Jahrhunderts die Widerspr\u00fcche ihrer \u00c4ra erhellten. Die \u00bbQuarant\u00e4ne\u00ab erscheint somit wie ein Streik, der seiner gemeinschaftsbezogenen Charakteristika beraubt aber gleichwohl geeignet ist, sowohl der Psyche als auch der Volkswirtschaft einen tiefgreifenden Schock zu versetzen. Schon dieser Umstand allein macht sie bedenkenswert.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich handelt es sich bei Spekulationen \u00fcber den bevorstehenden Sturz der KPCh, ein beliebter Zeitvertreib des &#8218;New Yorker&#8216; und des &#8218;Economist&#8216;, um vorhersehbaren Unsinn. Inzwischen rollen die normalen Medienunterdr\u00fcckungsrituale ab, in denen offenkundig rassistische Leitartikel in den Massenmedien gekontert werden von Kommentaren auf Web-Plattformen, die gegen Orientalismus und andere Ideologie-Facetten polemisieren. Doch fast die gesamte Diskussion bleibt auf dem Niveau der Abbildung \u2015 oder bestenfalls dem der Eind\u00e4mmungspolitik und der wirtschaftlichen Folgen der Epidemie \u2015 ohne Auseinandersetzung mit den Fragen, wie solche Krankheiten produziert, noch weniger, wie sie verbreitet werden. Nicht einmal dies w\u00e4re jedoch genug. \u00dcberfl\u00fcssig ist der \u00bbeins-zwei-drei\u00ab-Marxismus, der dem Schurken die Maske abrei\u00dft, um festzustellen: ja, es war wirklich der Kapitalismus, der das Coronavirus hervorgebracht hat. Das w\u00e4re auch nicht scharfsinniger als die Auslandskommentatoren, die hinter dem Regime-Wechsel herschn\u00fcffeln. Selbstverst\u00e4ndlich ist der Kapitalismus schuld, aber wie, und zwar: genau wie findet die Verzahnung der sozial-\u00f6konomischen Sph\u00e4re mit der biologischen statt, und welche Lehren sind im Einzelnen aus der Gesamterfahrung zu ziehen?<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/1024px-\u8521\u7e3d\u7d71\u8996\u5c0e33\u5316\u5b78\u5175\u7fa4_02.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7265\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/1024px-\u8521\u7e3d\u7d71\u8996\u5c0e33\u5316\u5b78\u5175\u7fa4_02.jpg 1024w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/1024px-\u8521\u7e3d\u7d71\u8996\u5c0e33\u5316\u5b78\u5175\u7fa4_02-300x200.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/1024px-\u8521\u7e3d\u7d71\u8996\u5c0e33\u5316\u5b78\u5175\u7fa4_02-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<p>In diesem Sinn verstanden, bietet das Ausbrechen der Epidemie zwei g\u00fcnstige Anl\u00e4sse f\u00fcr das Nachdenken: Zun\u00e4chst \u00f6ffnet sich ein lehrreicher Durchblick, in dem wir substanzielle Fragen hinsichtlich der kapitalistischen Produktion in ihrem Verh\u00e4ltnis zur nicht-menschlichen Welt auf einem grundlegenden Niveau neu bewerten k\u00f6nnen, weil n\u00e4mlich, kurz gesagt, die \u00bbnat\u00fcrliche Welt\u00ab unter Einschluss ihrer mikrobiologischen Unterschichten ohne Bezug zur gesellschaftlichen Organisierung der Produktion unverst\u00e4ndlich bleibt (da die beiden n\u00e4mlich nicht getrennt voneinander existieren). Zugleich werden wir daran erinnert, dass der einzige Kommunismus, der den Namen wert ist, das Potenzial f\u00fcr einen voll politisierten Naturalismus enth\u00e4lt. Zum Zweiten k\u00f6nnen wir diesen Augenblick der Isolation f\u00fcr unsere eigenen \u00dcberlegungen zum gegenw\u00e4rtigen Zustand der chinesischen Gesellschaft nutzen. Manche Dinge werden erst deutlich, wenn Alles auf einen unvorhergesehenen Halt heruntergebremst wird. Eine Verlangsamung hilft zwangsl\u00e4ufig dazu, vorher verborgene Spannungen sichtbar zu machen. Weiter unten werden wir diesen beiden Fragen nachgehen und nicht nur zeigen, wie die kapitalistische Akkumulation solche Plagen hervorruft, sondern auch wie der Augenblick der Pandemie selbst ein widerspr\u00fcchlicher Zustand politischer Krise bildet, die den Menschen die vorher ungesehenen Potenziale und Abh\u00e4ngigkeiten in der sie umgebenden Welt erkennbar macht, w\u00e4hrend sie zugleich einen weiteren Vorwand f\u00fcr die Ausdehnung der Kontrollsysteme in die Alltagsabl\u00e4ufe bietet.<\/p>\n<p><strong>Seuchenproduktion<\/strong><\/p>\n<p>Wie ihre Vorl\u00e4ufer Vogelgrippe und Schweinegrippe ist das Virus, welches die gegenw\u00e4rtige Epidemie bestimmt (SARS-CoV-2), an einem Verkn\u00fcpfungspunkt zwischen \u00d6konomie und Epidemiologie entstanden. Nicht zuf\u00e4llig f\u00fchren so viele dieser Viren Tiernamen in ihren Bezeichnungen: Die Ausbreitung neuer Krankheiten auf die Humanbev\u00f6lkerung ist fast durchweg das Ergebnis sogenannter \u201azoonotischer \u00dcbertragung\u2018, eine fachsprachliche Ausdrucksweise f\u00fcr das Springen solcher Infektionen von Tieren auf Menschen. Das \u00dcber-Springen von einer Spezies auf die n\u00e4chste ereignet sich unter bestimmten Bedingungen von N\u00e4he und regelm\u00e4\u00dfigem Kontakt. Zusammengefasst bilden diese Faktoren die Umgebung, in der sich die Krankheit entwickeln muss. \u00c4ndert sich diese Schnittstelle zwischen humaner und animalischer Welt, so \u00e4ndern sich auch die Bedingungen, unter denen die Krankheit sich fortentwickelt. Unter den vier Hoch\u00f6fen (am Yang-Tse) erhitzt sich ein tiefer gelegener Ofen, der die industriellen Zentren der Welt unterf\u00fcttert: der evolution\u00e4re Dampfkochtopf der kapitalistischen Agrikultur und Urbanisierung. Er stellt das ideale Medium dar, in dem immer verheerendere Seuchen erzeugt, ver\u00e4ndert und zu zoonotischen Spr\u00fcngen veranlasst werden, die dann auf aggressive Weise auf die Menschen \u00fcbertragen werden. Hinzu kommen \u00e4hnlich tiefgreifende Abl\u00e4ufe in den Randzonen der \u00d6konomie, wo \u00bbWildgebiete\u00ab dem Druck von Menschen ausgesetzt sind, die gezwungenerma\u00dfen immer umfangreichere agro\u00f6konomische Eingriffe in lokale \u00d6kosysteme vornehmen. Mit seiner \u00bbwilden\u00ab Ursprungslegende und seiner blitzschnellen Verbreitung inmitten eines hochindustrialisierten, verst\u00e4dterten Kernbereichs der Weltwirtschaft demonstriert das j\u00fcngste Coronavirus beide Dimensionen unserer neuen \u00c4ra politisch-\u00f6konomischer Seuchen.<\/p>\n<p>Der dargelegte Grundgedanke wurde am gr\u00fcndlichsten von linksgerichteten Biologen wie Robert G. Wallace entwickelt, dessen 2016 erschienenes Buch\u00a0<em>Big Farms Make Big Flu<\/em>\u00a0(\u00bbGro\u00dfe Farmen bringen gro\u00dfe Grippe\u00ab) das Thema der Verbindung zwischen kapitalistischer Landwirtschaft und der Ursachenkette vorausgehender Epidemien von SARS bis Ebola ersch\u00f6pfend behandelt.<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn3\"><sup>3<\/sup><\/a>\u00a0Diese Epidemien lassen sich vorl\u00e4ufig in zwei Gruppen unterteilen. Die erste umfasst solche, die sich in Kernbereichen der agro\u00f6konomischen Wertsch\u00f6pfung entwickeln, die zweite in deren \u00bbHinterland\u00ab. Im Nachweis der Ausbreitung von H5N5, bekannt als \u00bbVogelgrippe\u00ab, fasst er bestimmte geografische Schl\u00fcsselfaktoren von Epidemien zusammen, die in produktiven Kernzonen entstehen:<\/p>\n<p>L\u00e4ndliche Fl\u00e4chen in vielen der \u00e4rmsten L\u00e4nder tragen inzwischen die Kennzeichen von ungeregelter Agro\u00f6konomie, unmittelbar neben weitr\u00e4umigen st\u00e4dtischen Slums. Die un\u00fcberwachte \u00dcbertragung in anf\u00e4lligen Gegenden erh\u00f6ht die genetische Variationsbereitschaft, unter der H5N5 humanspezifische Eigenschaften entwickeln kann. Bei seiner Verbreitung \u00fcber drei Kontinente tritt H5N5 in Ber\u00fchrung mit einer wachsenden Anzahl sozio\u00f6konomischer Umfelder einschlie\u00dflich ortstypischer Verbindungen von vorherrschenden Wirtsformen, Varianten der Massengefl\u00fcgelhaltung und Ma\u00dfnahmen der Veterin\u00e4rmedizin.<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn4\"><sup>4<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Solche Verbreitung folgt selbstverst\u00e4ndlich den weltweiten Warenkreisl\u00e4ufen und den \u00fcblichen Wanderungsbewegungen der Arbeitskraft, welche die Geographie der kapitalistischen \u00d6konomie bestimmen. Als Ergebnis erscheint \u00bbein Typus von eskalierender breiteninfekti\u00f6ser Selektion\u00ab \u00fcber welche das Virus sich auf einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl evolution\u00e4rer Pfade in k\u00fcrzerer Zeit positioniert, was die erfolgreichsten Varianten bef\u00e4higt, die anderen im Wettbewerb zu verdr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Dies jedoch l\u00e4sst sich leicht beweisen und ist bereits Alltagsweisheit in der Berichterstattung: der Umstand, dass die \u00bbGlobalisierung\u00ab die Ausbreitung solcher Krankheiten beschleunigt, wenn auch hier mit dem bedeutenden Zusatz, dass diese Verbreitung selbst das Virus zu lebhafterer Mutation anregt. Die entscheidende Frage stellt sich allerdings schon fr\u00fcher: Vor der Ausbreitung, welche die Vitalit\u00e4t solcher Krankheit(skeime) erh\u00f6ht, intensiviert die kapitalistische Grundlogik die Tendenz, vorher abgeschottete oder harmlose Virenst\u00e4mme in extrem selektionsf\u00f6rdernde Umfelder zu versetzen. Hier finden diese St\u00e4mme Bedingungen, die f\u00fcr epidemische Formen g\u00fcnstig sind: schnelle virale Lebenszyklen, die Spannkraft f\u00fcr zoonotische Spr\u00fcnge zwischen Tr\u00e4ger-Arten und die F\u00e4higkeit, neue \u00dcbertragungshilfen zu generieren. Diese Virenst\u00e4mme treten gerade wegen ihrer Virulenz hervor. Rein rechnerisch scheint es, als m\u00fcsste die Entwicklung virulenterer St\u00e4mme die entgegengesetzte Wirkung haben, weil der schnelle Tod des Wirtes dem Virus weniger Zeit f\u00fcr die Verbreitung l\u00e4sst. Die Alltagserk\u00e4ltung bietet ein gutes Beispiel f\u00fcr dieses Prinzip. Ihre niedrige Intensit\u00e4t erleichtert die Verbreitung in der Bev\u00f6lkerung. Doch in bestimmten Umfeldern gewinnt die entgegengesetzte Logik an Wahrscheinlichkeit: Findet ein Virus zahlreiche Wirte in der nahen Umgebung vor, und besonders, falls solche Wirte bereits unter verk\u00fcrzter Lebenserwartung stehen, so verwandelt sich die h\u00f6here Virulenz in einen Evolutionsvorteil.<\/p>\n<p>Die Vogelgrippe liefert wiederum ein gutes Beispiel. Wallace erl\u00e4utert Untersuchungsergebnisse: \u00bb&#8230;keine endemischen hoch pathogenen St\u00e4mme [von Grippe] bei Wildvogel-Populationen, dem absoluten Ursprungsreservoir nahezu s\u00e4mtlicher Grippe-Unterarten.\u00ab<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn5\"><sup>5<\/sup><\/a>\u00a0Domestizierte Populationen hingegen, dicht gedr\u00e4ngt bei industrieller Haltung, scheinen in deutlicher Verbindung mit Ausbr\u00fcchen vorzukommen \u2013 und dies aus naheliegenden Gr\u00fcnden:<\/p>\n<p>Aufzucht genetischer Monokulturen von Haustieren beseitigt jede Art von immunologischer \u00bbBrandmauer\u00ab, die Krankheits\u00fcbertragung verlangsamen k\u00f6nnte. Gr\u00f6\u00dfere Populationen und h\u00f6here Belegungsdichte f\u00f6rdern wachsende \u00dcbertragungsquoten. Die Lebensbedingungen bei erh\u00f6hter Belegung vermindern Immunreaktionen. Hoher Durchsatz, wie er zu jeder industriellen Produktion geh\u00f6rt, stellt unabl\u00e4ssig neue Infektionskandidaten bereit, Brennstoff f\u00fcr die Evolution der Virulenz.<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn6\"><sup>6<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Selbstredend entsteht jedes dieser Merkmale aus der Logik des industriellen Wettbewerbs. Insbesondere hat der hohe Durchsatz in diesen Kontexten erhebliche biologische Dimensionen: \u00bbSobald Tiere aus industrieller Haltung das richtige Gewicht erreichen, werden sie get\u00f6tet. Vorhandene Grippeinfektionen m\u00fcssen bei jedem Einzeltier den Schwellenwert f\u00fcr die \u00dcbertragung schnell erreichen [&#8230;] Je schneller die Viren entstehen, desto gr\u00f6\u00dfer der Schaden f\u00fcr das Tier.\u00ab<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn7\"><sup>7<\/sup><\/a>\u00a0Ironischerweise k\u00f6nnen Versuche, derartige Ausbr\u00fcche durch Massenschlachtung zu unterdr\u00fccken, eine unbeabsichtigte Folge haben. Sie versch\u00e4rfen den Selektionsdruck weiter und verursachen die Evolution hypervirulenter St\u00e4mme. So war es jedenfalls bei der k\u00fcrzlich aufgetretenen Schweinepest, die zum Verlust von ungef\u00e4hr einem Viertel des Weltangebots an Schweinefleisch f\u00fchrte. Obwohl sich in der Geschichte solche (epidemischen) Ausbr\u00fcche bei domestizierten Tierarten oft nach Kriegszeiten oder Umweltkatastrophen ereignet haben, die vermehrte Forderungen an den Viehbestand zur Folge hatten, so gehen doch anschwellende Intensit\u00e4t und Virulenz derartiger Krankheiten unbestreitbar mit der Ausbreitung der kapitalistischen Produktionsweise einher.<\/p>\n<p><strong>Geschichte und Entstehen von Krankheiten<\/strong><\/p>\n<p>Seuchen stellen in hohem Ma\u00dfe den Schlagschatten der kapitalistischen Industrialisierung dar und sind gleichzeitig deren Vorboten. Die offensichtlichen F\u00e4lle von Pocken und anderen Pandemien, die nach Nordamerika eingeschleppt wurden, sind ein zu einfaches Beispiel, da ihre Intensit\u00e4t durch die langfristige Separierung von Bev\u00f6lkerungen durch die Geographie verst\u00e4rkt wurde &#8211; und diese Krankheiten hatten ihre Virulenz ohnehin schon durch vorkapitalistische Handelsnetze und die fr\u00fche Urbanisierung in Asien und Europa erlangt. Wenn wir stattdessen nach England schauen, wo der Kapitalismus zuerst auf dem Land durch das massenhafte Abr\u00e4umen der Bauern entstand, die durch monokulturelle Massentierhaltung ersetzt wurden, sehen wir die fr\u00fchesten Beispiele f\u00fcr diese ausgesprochen kapitalistischen Seuchen. Im England des 18. Jahrhunderts traten drei verschiedene Pandemien auf, die von 1709-1720, 1742-1760 und 1768-1786 w\u00fcteten. Der Ursprung jeder dieser Pandemien war importiertes Vieh aus Europa, das von den normalen vorkapitalistischen Pandemien, die auf Kriege folgten, infiziert war. Aber in England wurde das Vieh bereits in neuen Haltungsarten konzentriert; die Einf\u00fchrung des infizierten Viehs konnte daher auf die Bev\u00f6lkerung viel aggressiver durchschlagen als in Europa. Es ist also kein Zufall, dass sich die Ausbr\u00fcche auf die gro\u00dfen Londoner Molkereien konzentrierten, die ein ideales Umfeld f\u00fcr die Verst\u00e4rkung des Virus boten.<\/p>\n<p>Letztendlich wurden die Ausbr\u00fcche jeweils durch selektive, kleinere, fr\u00fchzeitige Schlachtungen in Verbindung mit der Anwendung moderner medizinischer und wissenschaftlicher Praktiken einged\u00e4mmt \u2013 im Wesentlichen \u00e4hnlich wie bei der Bek\u00e4mpfung solcher Epidemien heute. Hier zeigt sich zum ersten Mal das, was sich zu einem klaren Muster entwickelte und eine Wirtschaftskrise imitiert: immer intensivere Zusammenbr\u00fcche, die das gesamte System an den Abgrund zu bringen scheinen, die aber letztlich durch eine Kombination aus Massen-Opferung, die den Markt \/ die Bev\u00f6lkerung r\u00e4umt, und einer Intensivierung des technologischen Fortschritts \u00fcberwunden werden. In diesem Fall moderne medizinische Techniken und neue Impfstoffe, die oft in zu geringen Mengen und zu sp\u00e4t eintreffen, aber nichtsdestotrotz dabei helfen, in der Nachfolge der Verw\u00fcstungen die Dinge wieder zu bereinigen.<\/p>\n<p>Aber dieses Beispiel aus der Heimat des Kapitalismus sagt nichts ohne eine Erkl\u00e4rung der Auswirkungen kapitalistischer landwirtschaftlicher Praktiken an der Peripherie. W\u00e4hrend die Rinderpandemien im fr\u00fchkapitalistischen England einged\u00e4mmt wurden, waren ihre Folgen in anderen L\u00e4ndern weitaus verheerender. Die gr\u00f6\u00dften Auswirkungen hatte wohl der Ausbruch der Rinderpest in Afrika in den 1890er Jahren. Der Zeitpunkt des Ausbruchs ist kein Zufall: Die Rinderpest hatte Europa mit einer Intensit\u00e4t geplagt, die dem Wachstum der gro\u00dffl\u00e4chigen Landwirtschaft direkt entsprach; die Seuche wurde nur durch den wissenschaftlichen Fortschritt in Schach gehalten. Doch das Ende des 19. Jahrhunderts sah den H\u00f6hepunkt des europ\u00e4ischen Imperialismus, versinnbildlicht durch die Kolonisierung Afrikas. Die Rinderpest kam mit den Italienern nach Ostafrika, die durch die Kolonisierung des Horns von Afrika zu anderen imperialen M\u00e4chten aufzuschlie\u00dfen versuchten. Die milit\u00e4rischen Kampagnen zur Kolonisierung endeten meist mit einem Misserfolg. Aber die Seuche verbreitete sich \u00fcber die einheimischen Rinderherden und fand schlie\u00dflich ihren Weg nach S\u00fcdafrika. Dort verw\u00fcstete die Seuche die fr\u00fche kapitalistische Agrarwirtschaft der britischen Kolonie und t\u00f6tete sogar die Herde des ber\u00fcchtigten wei\u00dfen Rassisten Cecil Rhodes.<\/p>\n<p>Der bedeutende historische Effekt war unbestreitbar: Die Pest, bei der bis zu 80-90 Prozent des Viehs get\u00f6tet wurden, f\u00fchrte zu einer beispiellosen Hungersnot in den \u00fcberwiegend von Viehzucht gepr\u00e4gten Gesellschaften in Subsahara-Afrika. Auf diese Entv\u00f6lkerung folgte dann die invasive Besiedlung der Strauchlandschaften durch Dornenb\u00fcsche. Diese wiederum boten der Tsetsefliege passenden Lebensraum, die sowohl die Schlafkrankheit mit sich bringt als auch das Weiden des Viehs verhindert. Dadurch wurde die Wiederansiedlung in der Region nach der Hungersnot eingeschr\u00e4nkt \u2013 freie Bahn f\u00fcr die europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte auf dem Kontinent.<\/p>\n<p>Neben ihren Folgen wie periodischen Agrarkrisen und apokalyptischen Bedingungen, die dem Kapitalismus \u00fcber seine fr\u00fchen Grenzen hinaus zu expandieren halfen, haben solche Seuchen auch das Proletariat im industriellen Kern selbst getroffen. Zuerst sei noch einmal darauf hingewiesen, dass der Ausbruch des Coronavirus nichts einzigartig Chinesisches an sich hat. Warum so viele Epidemien in China zu entstehen scheinen, hat keine kulturellen Ursachen, sondern ist eine Frage der Wirtschaftsgeographie. Das wird \u00fcberdeutlich, wenn wir China mit den USA oder Europa vergleichen, als diese Zentren der globalen Produktion und der massenhaften Industriearbeiterschaft waren.<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn8\"><sup>8<\/sup><\/a>\u00a0Das Ergebnis ist grunds\u00e4tzlich identisch, mit allen Merkmalen: Dem Aussterben des Viehbestands auf dem Land entsprach in der Stadt schlechte Hygiene und weit verbreitete Verschmutzung. Die fr\u00fchen liberal-progressiven Reformbem\u00fchungen in Arbeitergegenden nahmen diese Zust\u00e4nde in den Fokus \u2013 wie es auch die Rezeption von Upton Sinclairs Roman \u00bbDer Dschungel\u00ab zeigt: Urspr\u00fcnglich geschrieben, um das Leiden der eingewanderten Arbeiter in der Fleischindustrie zu dokumentieren, wurde der Roman von reicheren Liberalen aufgegriffen, die sich \u00fcber die Vorst\u00f6\u00dfe gegen sanit\u00e4re Vorschriften und die allgemein unhygienischen Bedingungen Sorgen machten, unter denen ihre eigenen Lebensmittel hergestellt wurden.<\/p>\n<p>Diese liberale Emp\u00f6rung \u00fcber die \u00bbUnreinlichkeit\u00ab mit all ihrem impliziten Rassismus d\u00fcrfte immer noch die fast schon automatische Reaktion der meisten Menschen beschreiben, wenn sie mit den politischen Dimensionen von Coronavirus oder SARS konfrontiert werden. Aber die Arbeiter haben wenig Kontrolle \u00fcber die Bedingungen, unter denen sie arbeiten. Mehr noch: Zwar dringen unhygienische Bedingungen durch die Kontamination von Nahrungsmitteln auch aus der Fabrik heraus, aber dies ist wirklich nur die Spitze des Eisbergs. Solche Bedingungen sind die Norm f\u00fcr diejenigen, die in solchen Umgebungen arbeiten oder in nahe gelegenen Arbeitersiedlungen leben. Diese Bedingungen verschlechtern den Gesundheitszustand der Bev\u00f6lkerung, wodurch noch bessere Bedingungen f\u00fcr die Verbreitung der vielen Seuchen des Kapitalismus geschaffen werden.<\/p>\n<p>Ein ber\u00fchmtes Beispiel: die Spanische Grippe, eine der t\u00f6dlichsten Pandemien der Geschichte. Es war einer der fr\u00fchesten Ausbr\u00fcche der H1N1-Grippe (\u00e4hnlich wie neuere Ausbr\u00fcche der Schweine- und Vogelgrippe). Lange ging man davon aus, dass die Spanische Grippe sich aufgrund der hohen Zahl der Todesopfer qualitativ von anderen Grippevarianten irgendwie unterscheidet. Dies scheint zwar zum Teil zu stimmen (aufgrund der F\u00e4higkeit der Spanischen Grippe, eine \u00dcberreaktion des Immunsystems hervorzurufen). Aber aufgrund sp\u00e4terer Recherchen zu Analysen und epidemiologischen Untersuchungen ergab sich, dass die Spanische Grippe m\u00f6glicherweise nicht viel virulenter war als andere Grippe-Viren. Stattdessen sorgten wohl in erster Linie die weit verbreitete Unterern\u00e4hrung, die \u00dcberbev\u00f6lkerung der St\u00e4dte und die allgemein unhygienischen Lebensbedingungen in den betroffenen Gebieten f\u00fcr die hohe Todesrate. Diese Bedingungen beg\u00fcnstigten zudem nicht nur die Ausbreitung der Spanischen Grippe selbst, sondern auch bakterielle Superinfektionen \u00fcber die zugrundeliegende virale Infektion hinaus.<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn9\"><sup>9<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Anders gesagt: Die Zahl der Todesopfer durch die Spanische Grippe wurde zwar als eine unvorhersehbare Abweichung im Charakter des Virus gesehen, sie erhielt aber durch die sozialen Bedingungen einen besonderen Auftrieb. Erm\u00f6glicht wurde die rasche Ausbreitung der Grippe durch den globalen Handel und die globale Kriegsf\u00fchrung der sich damals schnell ver\u00e4ndernden Imperialismen, die den ersten Weltkrieg \u00fcberlebt hatten. Und erneut ist es die bereits bekannte Geschichte, wie ein solch t\u00f6dlicher Grippestamm \u00fcberhaupt entstehen konnte: Obwohl der genaue Ursprung noch immer etwas unklar ist, nimmt man heute an, dass der Virus wahrscheinlich von domestizierten Schweinen oder Gefl\u00fcgel aus Kansas stammt. Zeit und Ort sind in diesem Fall bemerkenswert, da die Jahre nach dem Krieg ein Wendepunkt f\u00fcr die amerikanische Landwirtschaft waren. Mechanisierte, fabrik\u00e4hnliche Produktionsmethoden verbreiteten sich zunehmend. Diese Trends verst\u00e4rkten sich in den 1920er Jahren nochmals; die massenhafte Anwendung von Techniken wie dem M\u00e4hdrescher f\u00fchrte sowohl zu einer allm\u00e4hlichen Monopolisierung als auch zu einer \u00f6kologischen Katastrophe, die die Dust-Bowl-Krise<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn10\"><sup>10<\/sup><\/a>\u00a0und die darauf folgende Massenmigration ausl\u00f6ste. Die Konzentration des Viehbestands, die die sp\u00e4teren Fabrikbetriebe ausmachte, war noch nicht umgesetzt, aber die einfacheren Formen der Konzentration und intensiver Bewirtschaftung, die bereits zu Tierseuchen in ganz Europa gef\u00fchrt hatten, waren nun die Norm. Wenn die englischen Rinderepidemien des 18. Jahrhunderts der erste Fall einer eindeutig kapitalistischen Viehseuche waren und die Rinderpest im Afrika der 1890er Jahre der gr\u00f6\u00dfte epidemiologische Genozid des Imperialismus, dann kann die Spanische Grippe als die erste kapitalistische Seuche f\u00fcr das Proletariat verstanden werden.<\/p>\n<p><strong>Vergoldetes Zeitalter<\/strong><\/p>\n<p>Die Parallelen zum aktuellen chinesischen Fall sind auffallend. Um COVID-19 zu verstehen, m\u00fcssen wir uns ansehen, wie Chinas Entwicklung der letzten Jahrzehnte in und durch das globale kapitalistische System das Gesundheitssystem des Landes und den Zustand der \u00f6ffentlichen Gesundheit im Allgemeinen gepr\u00e4gt hat. Die Epidemie mag neu sein, \u00e4hnelt aber anderen Gesundheitskrisen vor ihr. Sie werden mit fast derselben Regelm\u00e4\u00dfigkeit wie Wirtschaftskrisen produziert und in der Publikumspresse ganz \u00e4hnlich behandelt: als w\u00e4ren sie zuf\u00e4llige \u00bbSchwarzer-Schwan\u00ab-Ereignisse<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn11\"><sup>11<\/sup><\/a>, v\u00f6llig unvorhersehbar und beispiellos. In Wirklichkeit aber folgen diese Gesundheitskrisen ihren eigenen chaotischen, zyklisch und mit steigender Wahrscheinlichkeit wiederkehrenden Mustern, denn dahinter stehen strukturelle, dem Wesen der Produktion und dem proletarischen Leben im Kapitalismus innewohnende Widerspr\u00fcche. \u00c4hnlich wie die Spanische Grippe konnte sich das Coronavirus urspr\u00fcnglich durch eine allgemeine Verschlechterung der medizinischen Grundversorgung in der breiten Bev\u00f6lkerung rasch durchsetzen und ausbreiten. Aber gerade, weil diese Verschlechterung inmitten eines spektakul\u00e4ren Wirtschaftswachstums stattfand, wurde sie verdeckt vom Prunk der glitzernden St\u00e4dte und gewaltigen Fabriken. In Wirklichkeit sind die Ausgaben f\u00fcr \u00f6ffentliche G\u00fcter wie Gesundheitsversorgung und Bildung in China nach wie vor extrem niedrig, w\u00e4hrend der Gro\u00dfteil der \u00f6ffentlichen Ausgaben in die konventionelle Infrastruktur (Br\u00fccken, Stra\u00dfen und billige Elektrizit\u00e4t f\u00fcr die Produktion) geflossen ist.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist die Qualit\u00e4t der Produkte auf den einheimischen M\u00e4rkten oft gef\u00e4hrlich schlecht. Seit Jahrzehnten produziert die chinesische Industrie hochwertige Exporte, die nach den h\u00f6chsten globalen Standards f\u00fcr den Weltmarkt hergestellt werden. Dazu geh\u00f6ren beispielsweise fertige Ger\u00e4te wie iPhones, aber auch Zulieferteile wie Computerchips. Die Waren jedoch, die f\u00fcr den Verbrauch auf dem heimischen Markt vorgesehen sind, sind von miserabler Qualit\u00e4t und rufen regelm\u00e4\u00dfig Skandale sowie tiefes \u00f6ffentliches Misstrauen hervor. Die vielen F\u00e4lle sind ein deutliches Echo auf Sinclairs \u00bbDer Dschungel\u00ab und andere Geschichten aus dem Amerika des Vergoldeten Zeitalters<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn12\"><sup>12<\/sup><\/a>. Der gr\u00f6\u00dfte Fall aus j\u00fcngster Zeit, der Melamin-Milch-Skandal von 2008, hinterlie\u00df ein Dutzend tote und Zehntausende kranker, in Krankenh\u00e4user eingewiesene Kinder (obwohl m\u00f6glicherweise Hunderttausende davon betroffen waren). Seitdem ersch\u00fctterten eine Reihe von Skandalen die \u00d6ffentlichkeit: 2011, als in Restaurants im ganzen Land Abfall-\u00d6l aus Fettabscheidern gefunden wurde, oder 2018, als fehlerhafte Impfstoffe mehrere Kinder t\u00f6teten, und dann ein Jahr sp\u00e4ter, als Dutzende ins Krankenhaus eingeliefert wurden, weil gef\u00e4lschte Impfstoffe gegen humane Papillomviren verabreicht worden waren. Weniger krasse Geschichten passieren noch viel h\u00e4ufiger und bilden eine vertraute Kulisse f\u00fcr jeden, der in China lebt: aus Kostengr\u00fcnden mit Seife verschnittene T\u00fctensuppen; Unternehmer, die an mysteri\u00f6sen Ursachen verendete Schweine in Nachbard\u00f6rfer verkaufen; detaillierte Klatschgeschichten dar\u00fcber, in welchen Imbissen man am ehesten krank wird.<\/p>\n<p>Bevor das Land St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck ins kapitalistische Weltsystem integriert wurde, wurden Dienste wie die Gesundheitsversorgung in China \u00fcber das\u00a0<em>danwei<\/em>-System betrieblicher Sozialleistungen (vor allem in den St\u00e4dten) oder von lokalen Gesundheitszentren mit ihren zahlreichen \u00bbBarfu\u00dfmedizinern\u00ab (vor allem, aber nicht nur auf dem Land) kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt. Die Erfolge der sozialistischen Gesundheitsf\u00fcrsorge wie auch die Erfolge im Bereich der Bildung und Alphabetisierung waren so gro\u00df, dass selbst die sch\u00e4rfsten Kritiker des Landes sie anerkennen mussten. Die Wurmerkrankung Schistosomiasis, die das Land jahrhundertelang geplagt hat, war in Kernchina praktisch vollst\u00e4ndig ausgemerzt, und kam mit Nachdruck zur\u00fcck, als das sozialistische Gesundheitssystem abgebaut wurde. Die Kindersterblichkeit ging stark zur\u00fcck, und trotz der mit dem \u00bbGro\u00dfen Sprung nach vorn\u00ab verbundenen Hungersnot stieg die Lebenserwartung zwischen 1950 und den fr\u00fchen 1980er Jahren von 45 auf 68 Jahre. Impfungen und allgemeine Hygienema\u00dfnahmen setzten sich durch, grundlegende Informationen \u00fcber Ern\u00e4hrung und Gesundheit sowie der Zugang zu elementaren Medikamenten waren kostenlos und f\u00fcr alle zug\u00e4nglich. Gleichzeitig vermittelten die Barfu\u00df-Mediziner einem gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung grundlegendes, wenn auch begrenztes medizinisches Wissen; sie trugen so zum Aufbau eines robusten, von unten nach oben aufgebauten Gesundheitssystems unter Bedingungen materieller Armut bei. Wir sollten nicht vergessen, dass China damals pro Kopf \u00e4rmer war als das durchschnittliche Land im subsaharischen Afrika heute.<\/p>\n<p>Seitdem haben Nachl\u00e4ssigkeit und Privatisierung dieses System erheblich verschlechtert, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als die rasche Verst\u00e4dterung und die unregulierte industrielle Produktion von Haushaltsgegenst\u00e4nden und Lebensmitteln eine umfassende Gesundheitsf\u00fcrsorge erst recht notwendig gemacht h\u00e4tten \u2013 ganz zu schweigen von Lebensmittel-, Drogen- und Sicherheitsvorschriften. Heute gibt China nach Angaben der WHO 323 USD pro Kopf f\u00fcr \u00f6ffentliche Gesundheitsversorgung aus. Diese Zahl ist selbst im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern mit \u00bboberem mittlerem Einkommen\u00ab niedrig: ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte von dem, was Brasilien, Belarus und Bulgarien ausgeben. Kontrollen gibt es praktisch keine, was zu den vielen Skandalen wie den oben erw\u00e4hnten f\u00fchrt. Die Folgen bekommen dabei vor allem die Hunderte von Millionen von WanderarbeiterInnen zu sp\u00fcren, die jedes Recht auf eine medizinische Grundversorgung verwirken, wenn sie ihr Heimatdorf verlassen \u2013 dort sind sie im Rahmen des Hukou-Systems<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn13\"><sup>13<\/sup><\/a>\u00a0unabh\u00e4ngig von ihrem tats\u00e4chlichen Aufenthaltsort gemeldet, \u00f6ffentliche Ressourcen sind anderswo nicht zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Angeblich wurde die \u00f6ffentliche Gesundheitsversorgung Ende der 1990er Jahre durch ein st\u00e4rker privatisiertes (aber vom Staat verwaltetes) System ersetzt, in dem Gesundheitsversorgung, Renten und Wohnraumversicherung durch Beitr\u00e4ge sowohl von Arbeitgebern wie von Arbeitnehmern bezahlt werden. Dieses Sozialversicherungssystem leidet aber an systematischem Geldmangel, so sehr, dass die Arbeitgeber ihre \u00bbPflichtbeitr\u00e4ge\u00ab oft einfach ignorieren und die allermeisten ArbeiterInnen den Arzt aus eigener Tasche zahlen m\u00fcssen. Laut der j\u00fcngsten verf\u00fcgbaren nationalen Sch\u00e4tzung haben nur 22 Prozent der WanderarbeiterInnen eine grundlegende Krankenversicherung. Dass die Beitr\u00e4ge zur Sozialversicherung nicht gezahlt werden, liegt aber nicht einfach daran, dass individuelle korrupte Chefs sich um ihre Verpflichtungen dr\u00fccken, sondern vor allem daran, dass die Profitmargen d\u00fcnn sind und keinen Raum f\u00fcr Sozialleistungen lassen. Laut unseren Berechnungen<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn14\"><sup>14<\/sup><\/a>\u00a0w\u00fcrde die Nachzahlung von unbezahlten Sozialversicherungsbeitr\u00e4gen in einem Industriezentrum wie Dongguan die Profite in der Industrie um die H\u00e4lfte reduzieren und viele Firmen in den Konkurs treiben. Um die riesigen L\u00fccken auszugleichen, hat China eine aufs Allern\u00f6tigste reduzierte Krankenversicherung f\u00fcr Rentner und Selbst\u00e4ndige eingef\u00fchrt, die durchschnittlich nur Krankheitskosten von ein paar hundert Yuan pro Kopf und Jahr abdeckt.<\/p>\n<p>Dieses belagerte Gesundheitssystem produziert selbst wiederum erschreckende soziale Spannungen. Jedes Jahr werden mehrere Krankenhausbesch\u00e4ftigte get\u00f6tet und Dutzende verletzt, wenn sie von w\u00fctenden Patienten oder \u00f6fter noch von Angeh\u00f6rigen von Patienten, die in ihrer Obhut gestorben sind, angegriffen werden. Der j\u00fcngste Angriff fand am Weihnachtsabend statt: In Peking wurde ein Arzt vom Sohn einer Patientin erstochen, der glaubte, seine Mutter sei an der schlechten Pflege in dem Krankenhaus gestorben. Laut einer Umfrage hatten 85 Prozent der \u00c4rztInnen schon Gewalt am Arbeitsplatz erlebt. Laut einer anderen Umfrage von 2015 waren 13 Prozent der chinesischen \u00c4rztInnen im Laufe des letzten Jahres k\u00f6rperlich angegriffen worden. Chinesische \u00c4rztInnen behandeln viermal so viele Patienten pro Jahr wie US-\u00c4rztInnen, verdienen aber mit 15.000 USD im Jahr weniger als das Durchschnittseinkommen (16.760 USD). Dagegen verdient eine durchschnittliche \u00c4rztIn in den USA mit 300.000 USD im Jahr fast f\u00fcnfmal so viel wie das Durchschnittseinkommen (60.200 USD). Bevor das Blog-Projekt von Lu Yuyu und Li Tingyu zur Dokumentation von Unruhen geschlossen und seine Betreiber festgenommen wurden, verzeichnete es jeden Monat mindestens ein paar Streiks und Proteste von Krankenhausbesch\u00e4ftigten<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn15\"><sup>15<\/sup><\/a>. 2015, im letzten vollen Jahr ihrer akribischen Datensammlung, gab es 43 derartige Vorf\u00e4lle. Au\u00dferdem gab es jeden Monat Dutzende von \u00bbProtesten gegen medizinische Behandlungen\u00ab durch Angeh\u00f6rige von Patienten. 2015 wurden 368 solcher Vorf\u00e4lle dokumentiert.<\/p>\n<p>Angesichts eines derartig massiven R\u00fcckzugs des Staats aus dem Gesundheitssystem ist es kein Wunder, dass COVID-19 sich so schnell ausbreiten konnte. Zusammen mit der Tatsache, dass alle ein, zwei Jahre in China eine neue ansteckende Krankheit ausbricht, sorgt er daf\u00fcr, dass die Epidemien weitergehen. Wie bei der Spanischen Grippe hat der allgemeine schlechte Zustand des \u00f6ffentlichen Gesundheitswesens f\u00fcr die proletarische Bev\u00f6lkerung dazu beigetragen, dass das Virus Fu\u00df fassen und sich schnell ausbreiten konnte. Das ist aber wie gesagt nicht nur eine Frage der Verteilung. Wir m\u00fcssen auch verstehen, wie das Virus selbst produziert wurde.<\/p>\n<p><strong>Es gibt keine Wildnis<\/strong><\/p>\n<p>Im Fall des j\u00fcngsten Ausbruchs verl\u00e4uft die Geschichte weniger geradlinig als bei der Schweine- oder Vogelgrippe, die so klar mit dem Kern des agrarindustriellen Systems in Zusammenhang gebracht werden. Einerseits ist noch nicht v\u00f6llig klar, wo das Virus herkommt. Es ist m\u00f6glich, dass er von Schweinen stammt, die eine von vielen domestizierten und wilden Tierarten sind, die auf dem Wuhaner\u00a0<em>wet market<\/em>\u00a0gehandelt werden, der das Epizentrum des Ausbruchs zu sein scheint. In diesem Fall w\u00e4re der Kausalzusammenhang den obigen F\u00e4llen \u00e4hnlicher, als es sonst erscheinen mag. Wahrscheinlicher ist jedoch wohl, dass das Virus in Flederm\u00e4usen entstand oder m\u00f6glicherweise in Schlangen, die beide gew\u00f6hnlich als Wildtiere gefangen werden. Selbst hier besteht jedoch ein Zusammenhang, da die abnehmende Verf\u00fcgbarkeit und Sicherheit von Schweinefleisch durch den Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest bedeutet, dass die steigende Nachfrage nach Fleisch oft durch diese\u00a0<em>wet markets<\/em>\u00a0gedeckt wird, die Fleisch vom \u00bbWild\u00ab verkaufen. Aber kann denn ohne direkten Zusammenhang zur Agrarfabrik demselben \u00f6konomischen Prozess eine Mitverantwortung f\u00fcr den aktuellen Ausbruch zugesprochen werden?<\/p>\n<p>Die Antwort lautet ja, aber auf andere Weise. Wiederum verweist Wallace nicht auf eine, sondern auf zwei Hauptrouten, \u00fcber die der Kapitalismus dazu beitr\u00e4gt, immer t\u00f6dlichere Epidemien auszubr\u00fcten und zu entfesseln: die erste und oben ausgef\u00fchrte ist der direkte industrielle Fall, wo sich Viren in einem industriellen Ambiente entwickeln, das der kapitalistischen Logik vollst\u00e4ndig unterworfen ist. Aber der zweite Fall ist der indirekte, \u00fcber die kapitalistische Expansion und Extraktion im Hinterland, wo bis dahin unbekannte Viren im Wesentlichen aus Wildbest\u00e4nden geerntet und entlang weltweiter Kapitalkreisl\u00e4ufe verteilt werden. Die beiden Routen verlaufen nat\u00fcrlich nicht v\u00f6llig voneinander getrennt, doch scheint es, als beschreibe der zweite Fall das Entstehen der aktuellen Epidemie am besten. Hierbei schafft die erh\u00f6hte Nachfrage nach den K\u00f6rpern wilder Tiere f\u00fcr Konsum, medizinischen Gebrauch oder (wie im Fall der Kamele und MERS<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn16\"><sup>16<\/sup><\/a>) eine Vielfalt von Zwecken mit kultureller Bedeutung neue weltweite Lieferketten von \u00bbWild\u00ab-Waren.<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn17\"><sup>17<\/sup><\/a>\u00a0In anderen F\u00e4llen weiten sich bereits bestehende agrar\u00f6kologische Wertsch\u00f6pfungsketten einfach in bis dahin \u00bbwilde\u00ab Bereiche aus. Dabei ver\u00e4ndern sich die \u00f6rtliche \u00d6kologie und die Schnittstelle zwischen dem Menschlichen und dem Nichtmenschlichen.<\/p>\n<p>Wallace selbst ist da ganz deutlich, indem er verschiedene Dynamiken erkl\u00e4rt, die schlimmere Seuchen schaffen, obwohl die Viren schon l\u00e4ngst in \u00bbnat\u00fcrlicher\u00ab Umgebung existieren. Die Ausweitung der Industrieproduktion selbst \u00bbkann zunehmend kapitalisierte Wildtiere in die letzten Reste der urspr\u00fcnglichen Landschaft treiben, wobei eine gr\u00f6\u00dfere Bandbreite an Krankheitserregern mit Seuchenpotential erschlossen wird.\u00ab Anders gesagt werden Tiere, w\u00e4hrend die Kapitalakkumulation neue Gebiete erfasst, in schwerer zug\u00e4ngliche Gegenden gedr\u00e4ngt, wo sie mit vorher isolierten Seuchenerregern in Kontakt kommen. Wobei die Tiere selbst zu Waren werden, da \u00bbsogar die wildesten Gattungen in die landwirtschaftlichen Verwertungsketten hineingezogen werden.\u00ab Gleicherma\u00dfen dr\u00e4ngt diese Expansion Menschen n\u00e4her zu diesen Tieren und Umgebungen hin, was \u00bbdie Schnittstelle (und \u00dcbertragung) zwischen wilden nichtmenschlichen Populationen und erst k\u00fcrzlich urbanisiertem Landleben verbreitern kann.\u00ab Dies gibt dem Virus mehr Gelegenheiten und M\u00f6glichkeiten, auf eine Weise zu mutieren, die ihm erlaubt, Menschen zu infizieren, was eine \u00dcbertragung zwischen den Arten viel wahrscheinlicher macht. Und sowieso ist die Geographie der Industrie selbst nie so ganz sauber in st\u00e4dtisch und l\u00e4ndlich getrennt, wie etwa die monopolisierte industrielle Landwirtschaft sich sowohl riesiger Farmen als auch b\u00e4uerlicher Kleinbetriebe bedient: \u00bbEin Nutztier kann sich auf einem am Waldrand gelegenen Kleinbetrieb, der als Sub f\u00fcr einen Gro\u00dfbetrieb arbeitet, einen pathogenen Keim einfangen, bevor es in eine fleischverarbeitende Fabrik am Rand einer Gro\u00dfstadt geliefert wird.\u00ab Tatsache ist, dass die Sph\u00e4re der \u00bbNatur\u00ab bereits von einem die ganze Welt umfassenden kapitalistischen System erfasst ist, dem es gelang, grundlegende klimatische Bedingungen zu ver\u00e4ndern und derma\u00dfen viele vorkapitalistische<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn18\"><sup>18<\/sup><\/a>\u00a0\u00d6kosysteme zugrunde zu richten, dass die verbliebenen nicht l\u00e4nger so funktionieren, wie sie es in der Vergangenheit vielleicht getan haben. Hier liegt ein weiterer Kausalfaktor, denn laut Wallace verringern all diese Prozesse \u00f6kologischer Verheerung \u00bbdie Art von Vielfalt in der Umwelt, mit der der Wald \u00dcbertragungsketten unterbricht.\u00ab In Wirklichkeit ist es also unzutreffend, sich solche Gebiete als die nat\u00fcrliche \u00bbPeripherie\u00ab eines kapitalistischen Systems vorzustellen. Der Kapitalismus ist bereits global und allumfassend. Er hat keinen Rand mehr oder eine Grenze mit einer nat\u00fcrlichen, nichtkapitalistischen Sph\u00e4re jenseits seiner selbst. Und daher gibt es auch keine gro\u00dfe Kette der Entwicklung, in der \u00bbr\u00fcckst\u00e4ndige\u00ab L\u00e4nder ihren Vorreitern beim Aufstieg in der Wertkette folgen, und keine wirkliche Wildnis, die man in einer Art reinen, unber\u00fchrten Zustands erhalten k\u00f6nnte. Stattdessen hat das Kapital nur ein untergeordnetes Hinterland, das vollst\u00e4ndig von weltweiten Wertketten erfasst ist. Die daraus entstehenden gesellschaftlichen Systeme \u2013 vom Tribalismus bis zu Neuauflagen antimoderner fundamentalistischer Religionen \u2013 sind vollst\u00e4ndig Produkte der modernen Zeit. Und fast immer sind sie de facto an globale M\u00e4rkte angeschlossen, oft ganz direkt. Dasselbe gilt f\u00fcr die daraus resultierenden biologisch-\u00f6kologischen Systeme, da die \u00bbwilden\u00ab Gebiete dieser globalen \u00d6konomie tats\u00e4chlich immanent sind. Und zwar sowohl im abstrakten Sinn einer Abh\u00e4ngigkeit vom Klima und damit verbundenen \u00d6kosystemen als auch im direkten Sinn eines Anschlusses an diese selben globalen Wertsch\u00f6pfungsketten.<\/p>\n<p>Diese Tatsache schafft die notwendigen Voraussetzungen daf\u00fcr, \u00bbwilde\u00ab Virenst\u00e4mme in weltweite Pandemien zu verwandeln. Doch COVID-19 ist kaum deren schlimmste. Eine ideale Veranschaulichung f\u00fcr dieses grundlegende Prinzip \u2013 und die weltweite Gefahr \u2013 findet sich stattdessen in Ebola. Das Ebola-Virus<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn19\"><sup>19<\/sup><\/a>\u00a0ist ein klares Beispiel f\u00fcr ein bestehendes Reservoir an Viren, das sich in die menschliche Bev\u00f6lkerung \u00fcbertr\u00e4gt. Aktuelle Befunde legen nahe, dass seine urspr\u00fcnglichen Wirte verschiedene Arten von Flederm\u00e4usen sind, die in West- und Zentralafrika vorkommen und als Tr\u00e4ger fungieren, selbst aber durch das Virus nicht beeintr\u00e4chtigt werden. Dies gilt aber nicht f\u00fcr die anderen wilden S\u00e4ugetiere wie etwa Primaten und Antilopen, die sich das Virus periodisch einfangen und rasche Ausbr\u00fcche mit hohen Sterberaten erleiden. Jenseits seiner Wirtsarten hat Ebola einen besonders aggressiven Lebenszyklus. Durch Kontakt mit diesen wildlebenden Wirten k\u00f6nnen sich Menschen ebenfalls infizieren, mit verheerenden Ergebnissen. Es kam zu mehreren gr\u00f6\u00dferen Epidemien, und bei den meisten war die Sterblichkeitsrate au\u00dferordentlich hoch, fast immer \u00fcber 50 Prozent. Der gr\u00f6\u00dfte dokumentierte Ausbruch, der sich von 2013 bis 2016 sporadisch in mehreren westafrikanischen L\u00e4ndern vollzog, verzeichnete 11 000 Tote. Bei Patienten, die es in ein Krankenhaus schafften, lag die Sterblichkeitsrate hier bei 57 bis 59 Prozent, und bei denen, die keinen Zugang hatten, lag sie noch wesentlich h\u00f6her. In den letzten Jahren haben private Firmen verschiedene Impfstoffe entwickelt, aber langsame Zulassungsverfahren und strenge Gesetzgebungen zum Schutz geistigen Eigentums haben zusammen mit einer weitgehend mangelhaften Infrastruktur im Gesundheitswesen eine Situation geschaffen, in der Impfstoffe wenig dazu beitrugen, die j\u00fcngste Epidemie mit Schwerpunkt in der Demokratischen Republik Kongo zu stoppen, die jetzt der am l\u00e4ngsten andauernde Ausbruch ist.<\/p>\n<p>Oft wird die Seuche als eine Art Naturkatastrophe dargestellt \u2013 im besten Fall als Ungl\u00fcck, im schlimmsten als Folge \u00bbunreiner\u00ab kultureller Praktiken der im Wald siedelnden Armen. Doch der Zeitpunkt dieser beiden gr\u00f6\u00dferen Ausbr\u00fcche (2013-16 in Westafrika und 2018 bis heute in der DRK) ist kein Zufall. Beide traten genau dann auf, als die Expansion von Grundstoffindustrien im Wald siedelnde Bev\u00f6lkerungen weiter vertrieb und \u00f6rtliche \u00d6kosysteme zum Erliegen brachte. Und tats\u00e4chlich scheint dies f\u00fcr mehr als nur die j\u00fcngsten F\u00e4lle zuzutreffen. Denn, wie Wallace erkl\u00e4rt, \u00bbjeder Ausbruch von Ebola scheint mit kapitalgetriebenen Verschiebungen bei der Nutzung von Land zusammenzuh\u00e4ngen, einschlie\u00dflich des ersten Ausbruchs 1976 in Nzara im Sudan, wo eine aus Gro\u00dfbritannien finanzierte Fabrik regionale Baumwolle spann und verwob.\u00ab \u00c4hnlich geschahen die Ausbr\u00fcche in Guinea 2013 kurz nachdem eine neue Regierung begonnen hatte, das Land f\u00fcr die Weltm\u00e4rkte zu \u00f6ffnen und riesige Gebiete an internationale Agrarkonzerne zu verkaufen. Eine besondere Verantwortung scheint der f\u00fcr ihre Rolle bei der weltweiten Entwaldung und \u00f6kologischen Zerst\u00f6rung ber\u00fcchtigten Palm\u00f6lindustrie zuzukommen. Denn deren Monokulturen zerst\u00f6ren zum einen die robusten \u00f6kologischen Redundanzen, die dabei helfen, \u00dcbertragungsketten zu unterbrechen, zum anderen ziehen sie buchst\u00e4blich gerade die Fledermausarten an, die den Viren als nat\u00fcrliche Umgebung dienen.<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn20\"><sup>20<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Derweil zieht der Verkauf von Land an Agroforstwirtschaftskonzerne sowohl die Enteignung der im Wald siedelnden Anwohner nach sich als auch die Zerr\u00fcttung ihrer von ihrem \u00d6kosystem abh\u00e4ngigen \u00f6rtlichen Formen von Produktion und Ernte. Oft bleibt den Landarmen dann keine andere Wahl, als noch tiefer in den Wald vorzudringen, w\u00e4hrend gleichzeitig ihre traditionelle Beziehung mit diesem \u00d6kosystem unterbrochen wurde. Als Ergebnis h\u00e4ngt das \u00dcberleben zunehmend von der Jagd auf Wild ab oder von der Ernte \u00f6rtlicher Pflanzen und von Holz, um es auf dem Weltmarkt zu verkaufen. Derartige Bev\u00f6lkerungsgruppen werden dann zu den S\u00fcndenb\u00f6cken f\u00fcr den Zorn globaler Umweltschutzorganisationen, die sie als \u00bbWilddiebe\u00ab und \u00bbWaldfrevler\u00ab (illegale Holzf\u00e4ller) anprangern und just f\u00fcr die Entwaldung und die \u00f6kologische Zerst\u00f6rung verantwortlich machen, die sie erst in solche Gewerbe getrieben hatten. Oft nimmt dieser Prozess dann eine noch dunklere Wendung, wie in Guatemala, wo vom B\u00fcrgerkrieg im Land \u00fcbrig gebliebene antikommunistische Paramilit\u00e4rs zu \u00bbgr\u00fcnen\u00ab Sicherheitskr\u00e4ften gemacht wurden. Sie sollten den Wald \u00bbsch\u00fctzen\u00ab vor illegalem Holzeinschlag, Wilderei und Drogenhandel, was die einzigen Gewerbe waren, die den indigenen Einwohnern zug\u00e4nglich waren \u2013 die in solche Aktivit\u00e4ten durch eben die gewaltsame Repression getrieben worden waren, die sie vonseiten derselben Paramilit\u00e4rs w\u00e4hrend des Kriegs erfahren hatten.<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn21\"><sup>21<\/sup><\/a>\u00a0Dieses Muster wiederholt sich seither auf der ganzen Welt, angefeuert durch Beitr\u00e4ge aus Hochlohnl\u00e4ndern in den sozialen Medien, in denen die (oft buchst\u00e4blich live gefilmte) Exekution von \u00bbWilderern\u00ab durch angeblich \u00bbgr\u00fcne\u00ab Sicherheitskr\u00e4fte gefeiert wird.<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn22\"><sup>22<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Eind\u00e4mmung: \u00dcbung in der Kunst der Staatsf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>COVID-19 hat wie nichts vorher globale Aufmerksamkeit erregt. Bei Ebola, Vogelgrippe und SARS gab es nat\u00fcrlich auch Aufregung in den Medien. Aber irgendwas an dieser neuen Epidemie zieht alle Augen weiter auf sich. Zum Teil liegt das h\u00f6chstwahrscheinlich an der spektakul\u00e4ren Reaktion der chinesischen Regierung, die zu ebenso spektakul\u00e4ren Bildern von leergefegten Megast\u00e4dten f\u00fchrt. Sie stehen in starkem Gegensatz zu den \u00fcblichen Medienbildern von China als \u00fcberf\u00fcllt und verdreckt. Diese Reaktion war eine reiche Quelle f\u00fcr Spekulationen \u00fcber den unmittelbar bevorstehenden politischen oder wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes \u2013 auch angesichts der zus\u00e4tzlichen Spannungen durch den Handelskrieg mit den USA, der sich noch auf einer fr\u00fchen Entwicklungsstufe bewegt. Zusammen mit der schnellen Ausbreitung des Virus entstand so das Bild einer unmittelbaren globalen Bedrohung, trotz seiner niedrigen Sterblichkeitsrate.<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn23\"><sup>23<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Wenn man tiefer geht, ist das Faszinierendste an der staatlichen Reaktion, wie sie \u00fcber die Medien als melodramatische Generalprobe f\u00fcr eine weitreichende innenpolitische Aufstandsbek\u00e4mpfung inszeniert wurde. Wir erfahren dabei einiges \u00fcber die repressiven M\u00f6glichkeiten des chinesischen Staates, aber auch \u00fcber seine Unf\u00e4higkeit, die sich in seiner Abh\u00e4ngigkeit von Propagandama\u00dfnahmen in allen Medien zeigt und in der freiwilligen Mobilisierung von Leuten vor Ort, die dazu eigentlich nicht verpflichtet sind. Die chinesische und die westliche Propaganda hat den tats\u00e4chlich repressiven Charakter der Quarant\u00e4ne betont, die erste als effektive Regierungsma\u00dfnahme in einer Notlage, die zweite als weiterer Fall totalit\u00e4rer \u00dcberreaktion des dystopisch wirkenden chinesischen Staates. Die unausgesprochene Wahrheit ist aber, dass sein aggressives Durchgreifen eine tiefergehende Unf\u00e4higkeit des Staates zeigt, der sich selbst noch im Aufbau befindet.<\/p>\n<p>Er entwickelt neue und innovative Techniken sozialer Kontrolle und Krisenreaktion, die auch dann eingesetzt werden k\u00f6nnen, wenn es nur wenige oder gar keine grundlegenden Staatsfunktionen gibt. Es ist interessant zu \u00fcberlegen (wenn auch spekulativ), wie Regierungen egal in welchem Land reagieren w\u00fcrden, wenn Krise und Aufstand zu einem \u00e4hnlichen Zusammenbruch f\u00fchren. Der Ausbruch des Virus ist in jeder Hinsicht durch die schlechte Verbindung der unterschiedlichen Regierungsebenen verschlimmert worden: Repression von \u00bbWhistleblower\u00ab-\u00c4rzten durch Funktion\u00e4re vor Ort entgegen der Interessen der Zentralregierung, ineffiziente Berichtssysteme in Krankenh\u00e4usern und sehr schlechte medizinische Grundversorgung sind nur einige Beispiele. In der Zwischenzeit sind Regionalregierungen in unterschiedlicher Geschwindigkeit zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckgekehrt, fast v\u00f6llig au\u00dferhalb der Kontrolle des Zentralstaats (abgesehen von Hubei, dem Epizentrum). Im Moment scheint es fast komplett zuf\u00e4llig, welche H\u00e4fen und Betriebe wieder laufen. Dieses Quarant\u00e4ne-Puzzle f\u00fchrt dazu, dass Logistiknetzwerke unterbrochen bleiben, weil wohl jede Lokalregierung Z\u00fcge und LKW durch ihr Gebiet stoppen kann.<\/p>\n<p>Diese grundlegende Unf\u00e4higkeit des Staates hat ihn gezwungen, mit dem Virus wie mit einem Aufstand umzugehen, er spielt B\u00fcrgerkrieg mit einem unsichtbaren Gegner.<\/p>\n<p>Die Staatsmaschinerie begann am 22. Januar so richtig zu laufen, als die Beh\u00f6rden die Notfallma\u00dfnahmen auf ganz Hubei ausweiteten und der \u00d6ffentlichkeit mitteilten, dass sie das Recht h\u00e4tte, Quarant\u00e4ne-Einrichtungen aufzubauen und sich Personal, Fahrzeuge und Einrichtungen f\u00fcr die Eind\u00e4mmung der Krankheit oder die Errichtung von Blockaden und Verkehrskontrollen anzueignen (und damit das legitimierte, was ohnehin passieren w\u00fcrde). Der volle Einsatz staatlicher Ressourcen begann also mit dem Aufruf zum freiwilligen Engagement der Menschen vor Ort. Einerseits wird ein derartiger Katastrophenalarm jeden Staat an die Grenzen seiner M\u00f6glichkeiten bringen (was man auch bei Hurricanes in den USA sieht). Andererseits ist das ein \u00fcbliches Muster der chinesischen Staatsf\u00fchrung: Dem Zentralstaat fehlen effiziente Kommandostrukturen, die bis vor Ort reichen. Daher nutzt er auf eine Kombination von breit ver\u00f6ffentlichten Aufrufen an Funktion\u00e4re und B\u00fcrgerInnen zum freiwilligen Einsatz vor Ort und Bestrafung f\u00fcr die, die schlecht reagiert haben (ausgegeben als Bek\u00e4mpfung von Korruption). Die einzig effiziente Reaktion gibt es in bestimmten Gebieten, wo der Zentralstaat seine ganze Macht und Aufmerksamkeit konzentriert, in diesem Fall Hubei allgemein und vor allem Wuhan. Am Morgen des 24. Januar war die Stadt bereits vollst\u00e4ndig abgesperrt, ohne jeglichen Zugverkehr, fast einen Monat, nachdem das Virus entdeckt worden war. Gesundheitsbeamte erkl\u00e4rten, dass die Gesundheits\u00e4mter jeden untersuchen und in Quarant\u00e4ne schicken k\u00f6nnen. Dutzende andere St\u00e4dte in ganz China, einschlie\u00dflich Beijing, Guangzhou, Nanjing und Shanghai, haben auf unterschiedliche Art die Bewegung von G\u00fctern und Menschen eingeschr\u00e4nkt.<\/p>\n<p>Auf die staatlichen Aufrufe hin sind an manchen Orten seltsame, strenge Ma\u00dfnahmen getroffen worden. Am erschreckendsten davon war die Ausgabe lokaler P\u00e4sse an 30 Mio. Bewohner von vier St\u00e4dten in Zhejiang, wo nur eine Person pro Haushalt alle zwei Tage die Wohnung verlassen durfte. St\u00e4dte wie Shenzhen und Chengdu haben die einzelnen Viertel abgeriegelt, und Hochh\u00e4user f\u00fcr 14 Tage unter Quarant\u00e4ne gesetzt, wenn es dort einen Krankheitsfalls gab. Hunderte wurden wegen der Verbreitung von \u00bbGer\u00fcchten\u00ab \u00fcber die Krankheit festgenommen oder bestraft, und manche, die der Quarant\u00e4ne entflohen, wurden zu langen Gef\u00e4ngnisstrafen verurteilt. In den Gef\u00e4ngnissen selbst gibt es gerade einen starken Ausbruch der Krankheit, weil die Aufseher unf\u00e4hig sind, in einer f\u00fcr die Isolierung gemachten Umgebung kranke Gefangene zu isolieren.<\/p>\n<p>Diese aggressiven, verzweifelten Ma\u00dfnahmen spiegeln extreme F\u00e4lle von Aufstandsbek\u00e4mpfung und erinnern an die milit\u00e4risch-koloniale Besetzung etwa von Algerien und Pal\u00e4stina. Nie zuvor wurden sie in solch einem Ausma\u00df durchgef\u00fchrt, schon gar nicht in den Megast\u00e4dten, in denen ein Gro\u00dfteil der Weltbev\u00f6lkerung heute lebt.<\/p>\n<p>Wie der Staat hier durchgegriffen hat, ist eine Lehrstunde f\u00fcr alle, die sich f\u00fcr eine globale Revolution interessieren, weil es ein Probelauf der vom Staat angef\u00fchrten Reaktion ist.<\/p>\n<p><strong>Unf\u00e4higkeit<\/strong><\/p>\n<p>Das staatliche Durchgreifen profitiert an dieser Stelle von seinem scheinbar humanit\u00e4ren Charakter, deshalb kann eine gro\u00dfe Zahl Freiwilliger f\u00fcr die Bek\u00e4mpfung des Virus rekrutiert werden. Aber wie zu erwarten geht eine solche Aktion auch nach hinten los. Aufstandsbek\u00e4mpfung ist ein verzweifelter Krieg, zu dem es erst kommt, wenn stabilere Formen von Eroberung, Beschwichtigung oder wirtschaftlicher Unterwerfung unm\u00f6glich geworden sind. In einem teuren, gef\u00e4hrlichen R\u00fcckzugsgefecht demonstriert die jeweilige Macht ihre Unf\u00e4higkeit \u2013 sei es der franz\u00f6sische Kolonialstaat, das niedergehende amerikanische Imperium, oder andere. Das Ergebnis ist fast immer ein zweiter Aufstand, blutig gezeichnet von der Niederschlagung des ersten und noch verzweifelter. Hier endet die Parallele zwischen Quarant\u00e4ne, B\u00fcrgerkrieg und Aufstandsbek\u00e4mpfung. Aber auch dabei ging die Aktion zum Teil nach hinten los. Obwohl der Staat viel Aufwand mit der Kontrolle der Informationen und st\u00e4ndiger Propaganda \u00fcber alle m\u00f6glichen Medien betrieb, dr\u00fcckte sich \u00fcber dieselben Kan\u00e4le Unmut aus.<\/p>\n<p>Der Tod von Dr. Li Wenliang, ein fr\u00fcher Whistleblower des Virus, am 7.2.20 hat die in ihren Wohnungen eingeigelten B\u00fcrgerInnen im ganzen Land ersch\u00fcttert. Li war einer der acht \u00c4rzte, die Anfang Januar wegen der Verbreitung \u00bbfalscher Informationen\u00ab verhaftet worden waren, sp\u00e4ter zog er sich das Virus selbst zu. Im Netz \u00e4u\u00dferten Leute ihre Wut dar\u00fcber, die Regierung von Wuhan \u00e4u\u00dferte ihr Bedauern. Die Leute fangen an zu sehen, dass der Staat aus st\u00fcmperhaften Funktion\u00e4ren und B\u00fcrokraten besteht, die keine Ahnung haben, was sie tun, aber dennoch auf stark machen m\u00fcssen.<a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fn24\"><sup>24<\/sup><\/a>\u00a0Das wurde besonders deutlich, als der B\u00fcrgermeister von Wuhan, Zhou Xianwang, im Fernsehen zugeben musste, dass seine Regierung die Ver\u00f6ffentlichung wichtiger Informationen \u00fcber das Virus verz\u00f6gert hatte. Die durch das Virus erzeugte Spannung und die totale Mobilisierung durch den Staat beginnen, den Leuten die Risse im Bild zu zeigen, das die Regierung auf hauchd\u00fcnnem Papier von sich zeichnet. Die aktuelle Lage hat eine wachsende Zahl von Menschen, die bisher der Propaganda geglaubt haben, auf die grundlegende Unf\u00e4higkeit des chinesischen Staates gesto\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref1\">[1]<\/a>\u00a0<em>Wet market<\/em>: Markt f\u00fcr frische Lebensmittel, zum Teil werden Tiere lebend gehandelt bzw. frisch geschlachtet [A.d.\u00dc.]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref2\">[2]<\/a>\u00a0siehe\u00a0<a href=\"http:\/\/www.china.org.cn\/china\/2020-02\/23\/content_75735781.htm\">\u00bbResearch excludes Wuhan seafood market as origin of SARS-CoV-2: CAS\u00ab<\/a>, China.org.cn, 23.2.2020;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref3\">[3]<\/a>\u00a0Vieles, was wir hier erkl\u00e4ren, ist einfach eine zugespitzte Zusammenfassung von Wallace\u2018 Argumenten, f\u00fcr eine allgemeinere LeserInnenschaft formuliert und ohne die Notwendigkeit, andere Biologen durch penible Argumentation und ausf\u00fchrliche Belege zu \u00fcberzeugen. Wir verweisen diejenigen, die das zugrundeliegende Material in Frage stellen, auf die Arbeit von Wallace und seiner Landsleute.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref4\">[4]<\/a>\u00a0Robert G. Wallace, \u00bbBig Farms Make Big Flu: Dispatches on Infectious Disease, Agribusiness, and the Nature of Science\u00ab. Monthly Review Press, 2016. p.52<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref5\">[5]<\/a>\u00a0Ebd., S.56<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref6\">[6]<\/a>\u00a0Ebd., S. 56-57<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref7\">[7]<\/a>\u00a0Ebd., S. 57<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref8\">[8]<\/a>\u00a0Das soll nicht bedeuten, Vergleiche zwischen den USA und China heute seien nicht informativ. Da die USA einen eigenen riesigen Agroindustrie-Sektor haben, tragen sie selbst zur Produktion gef\u00e4hrlicher neuer Viren bei, von antibiotikaresistenten Bakterien ganz zu schweigen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref9\">[9]<\/a>\u00a0S. J.F. Brundage, G.D. Shanks, What really happened during the 1918 influenza pandemic? The importance of bacterial secondary infections\u201d. The Journal of Infectious Diseases Bd. 196, Nr. 11, December 2007, S. 1717\u20131718, Antwort des Autors S.\u00a01718-1719; und D.M. Morens, A.S. Fauci, \u00bbThe 1918 influenza pandemic: Insights for the 21st century\u00ab. The Journal of Infectious Diseases. Bd. 195, Nr. 7, April 2007, S.\u00a01018-1028.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref10\">[10]<\/a>\u00a0<em>Dust Bowl<\/em>: versteppte, von Sandst\u00fcrmen heimgesuchte Landschaften in den\u00a0<em>Great Plains<\/em>\u00a0w\u00e4hrend der Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren [A.d.\u00dc.]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref11\">[11]<\/a>\u00a0Sehr seltenes, unwahrscheinliches und unvorhersehbares Ereignis [A.d.\u00dc.]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref12\">[12]<\/a>\u00a0Vergoldetes Zeitalter: von Mark Twain gepr\u00e4gter Ausdruck f\u00fcr die Zeit ca. 1877-1900 in den USA, eine Zeit des Aufschwungs und Fortschritts verbunden mit Armut und Korruption. [A. d. \u00dc.]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref13\">[13]<\/a>\u00a0Hukou: offizielle staatliche Wohnsitzkontrolle in der VR China [A.d.\u00dc.]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref14\">[14]<\/a>\u00a0siehe\u00a0<a href=\"http:\/\/chuangcn.org\/journal\/two\/picking-quarrels\">\u00bbPicking Quarrels\u00ab<\/a>\u00a0in der zweiten Ausgabe unserer Zeitschrift<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref15\">[15]<\/a>\u00a0siehe\u00a0<a href=\"http:\/\/chuangcn.org\/journal\/two\/picking-quarrels\">\u00bbPicking Quarrels\u00ab<\/a>\u00a0in der zweiten Ausgabe unserer Zeitschrift<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref16\">[16]<\/a>\u00a0<em>Middle East Respiratory Syndrom<\/em>, durch das MERS-Coronavirus \u00fcbertragene Erkrankung der Atemwege<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref17\">[17]<\/a>\u00a0Auf ihr Art sind die zwei Arten der Produktion von Pandemien ein Spiegel davon, was Marx die \u00bbreelle\u00ab und \u00bbformelle\u00ab Subsumtion in der Produktion nennt. Bei der reellen Subsumtion wird der Produktionsprozess selbst durch die Einf\u00fchrung neuer Technologien ver\u00e4ndert, die Geschwindigkeit und Umfang der Produktion intensivieren \u2013 so wie die Industrie die Bedingungen f\u00fcr die Evolution von Viren ver\u00e4ndert, was dazu f\u00fchrt, dass neue Mutationen schneller entstehen und durchsetzungsf\u00e4higer sind. Bei der formellen Subsumtion, die der reellen vorausgeht, gibt es diese Technologien noch nicht. Stattdessen werden Produktionsarten an neuen Orten zusammengebracht, wo sie eine Schnittstelle zum Weltmarkt haben. So war es, als die WeberInnen in Betriebe gebracht wurden, die ihre Produkte verkauften. Und das \u00e4hnelt der Art, wie in einer \u00bbnat\u00fcrlichen\u00ab Umgebung entstandene Viren von wilden Populationen \u00fcber den globalen Markt auf domestizierte Populationen \u00fcbertragen werden.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref18\">[18]<\/a>\u00a0Es ist nicht richtig, diese \u00d6kosysteme mit der vormenschlichen Welt gleichzusetzen. China ist das beste Beispiel, weil viele seiner scheinbar urzeitlichen Landschaften tats\u00e4chlich das Ergebnis sehr viel fr\u00fcherer Phasen menschlicher Expansion sind, die zum Aussterben von vorher in Ostasien verbreiteten Arten wie Elefanten f\u00fchrte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref19\">[19]<\/a>\u00a0Technisch ist das nur eine allgemeine Bezeichnung f\u00fcr ca. f\u00fcnf unterschiedliche Viren, von denen der t\u00f6dlichste selbst einfach Ebola-Virus hei\u00dft, fr\u00fcher Zaire-Virus.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref20\">[20]<\/a>\u00a0Zu Westafrika, s. R.G. Wallace, R. Kock, L. Bergmann, M. Gilbert, L. Hogerwerf, C. Pittiglio, R. Mattioli, R. Wallace, \u00bbDid Neoliberalizing West African Forests Produce a New Niche for Ebola\u00ab, International Journal of Health Services, Bd. 46, Nr. 1, 2016; einen \u00dcberblick \u00fcber die Verbindung zwischen \u00f6konomischen Bedingungen und Ebola findet sich im Buch von Robert G. Wallace und Rodrick Wallace (Hg.); Neoliberal Ebola: Modelling Disease Emergence from Finance to Forest and Farm, Springer, 2016; die deutlichsten, aber weniger akademischen Aussagen zum Fall finden sich im Artikel von R.G. Wallace,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.counterpunch.org\/2015\/07\/29\/neoliberal-ebola-the-agroeconomic-origins-of-the-ebola-outbreak\/\">\u00bbNeoliberal Ebola: the Agroeconomic Origins of the Ebola Outbreak\u00ab<\/a>, Counterpunch, 29 July 2015.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref21\">[21]<\/a>\u00a0Siehe Megan Ybarra \u00bbGreen Wars, Conservation and Decolonization in the Maya Forest\u00ab, University of California Press, 2017.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref22\">[22]<\/a>\u00a0Es ist sicherlich falsch zu implizieren, dass jede Wilderei von der armen l\u00e4ndlichen Bev\u00f6lkerung betrieben wird, oder dass alle Ranger in den W\u00e4ldern der verschiedenen L\u00e4nder fr\u00fchere antikommunistische Paramilit\u00e4rs sind, aber die gewaltt\u00e4tigsten Zusammenst\u00f6\u00dfe und die aggressivste Militarisierung von Wald scheinen im Grunde diesem Muster zu folgen. Einen weitgefassten \u00dcberblick \u00fcber das Ph\u00e4nomen gibt es in der Sonderausgabe von Geoforum (69) zum Thema, das Vorwort ist online zu finden: Alice B. Kelly, Megan Ybarra,\u00a0<a href=\"http:\/\/gawsmith.ucdavis.edu\/uploads\/2\/0\/1\/6\/20161677\/kelly_ybarra_2016_green_security_and_pas.pdf\">\u00bbIntroduction to the med issue: \u2018Green security in protected areas\u2019\u00ab<\/a>, Geoforum, Volume 69, 2016. S.171-175.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref23\">[23]<\/a>\u00a0COVID-19 hat die niedrigste Todesrate aller hier erw\u00e4hnten Krankheiten; die relativ vielen Toten gehen vor allem auf die rasche Ausbreitung auf viele Menschen zur\u00fcck, die zu h\u00f6heren Todeszahlen f\u00fchrt, als ihrer Todesrate entspricht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html#fnref24\">[24]<\/a>\u00a0In einem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.thedigradio.com\/podcast\/hong-kong-with-au-loong-yu\/\">Podcast-Interview<\/a>\u00a0zitiert Au Loong Yu Freunde vom chinesischen Festland mit der Aussage, dass die Regierung von Wuhan durch die Epidemie gel\u00e4hmt sei. Sie meint die Krise zerrei\u00dfe nicht nur die Gesellschaft, sondern auch die b\u00fcrokratische Maschinerie der KPCh. Mit der Verbreitung des Virus werde das zu einer Krise lokaler Regierungen im ganzen Land.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"http:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html\"><em>wildcat.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 13. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir haben diesen Text von Ende Februar vom Blog der Zeitschrift\u00a0Chuang\u00a0schnell \u00fcbersetzt und online gestellt, um der ganzen Panik etwas Fundierteres entgegenzusetzen. 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