{"id":7267,"date":"2020-03-14T10:15:40","date_gmt":"2020-03-14T08:15:40","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7267"},"modified":"2020-03-14T10:15:41","modified_gmt":"2020-03-14T08:15:41","slug":"100-jahre-kapp-putsch-wie-die-spd-die-rechtsextremen-unterstuetzte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7267","title":{"rendered":"100 Jahre Kapp-Putsch: Wie die SPD die Rechtsextremen unterst\u00fctzte"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schwarz. <\/em>Am 13. M\u00e4rz 1920 ersch\u00fctterte ein Milit\u00e4rputsch die eineinhalb Jahre alte Weimarer Republik. Er wurde von General Walther von L\u00fcttwitz, dem Oberbefehlshaber der Reichswehr in Berlin, angef\u00fchrt. L\u00fcttwitz hatte in der Nacht die wegen<!--more--> ihrer Grausamkeit ber\u00fcchtigte Brigade Erhardt in die Hauptstadt beordert, um die gew\u00e4hlte Reichsregierung zu st\u00fcrzen. Reichspr\u00e4sident und Regierung ergriffen am fr\u00fchen Morgen in Panik die Flucht. Darauf ernannten die Putschisten Wolfgang Kapp, ein Repr\u00e4sentant der erzreaktion\u00e4ren ostelbischen Grundbesitzer, zum neuen Reichskanzler.<\/p>\n<p>Kapp konnte sich nur vier Tage lang halten. Er scheiterte am gr\u00f6\u00dften Generalstreik, den Deutschland je erlebt hat. Millionen Arbeiter legten die Arbeit nieder, l\u00e4hmten das gesamte Land, besorgten sich Waffen und lieferten konterrevolution\u00e4ren Milit\u00e4reinheiten erbitterte Gefechte.<\/p>\n<p>Der Kapp-Putsch ist nicht nur von historischem Interesse. In einer Zeit, in der sich die deutsche Bourgeoisie wieder dem Militarismus zuwendet, eine rechtsextreme Partei im Bundestag und allen Landesparlamenten sitzt und rechtsextreme Terrornetzwerke im Staatsapparat und der Bundeswehr von oben gedeckt werden, ist er von brennender politischer Aktualit\u00e4t. Er zertr\u00fcmmert den Mythos, dass sich die deutsche Bourgeoisie mit der Gr\u00fcndung der Weimarer Republik der Demokratie und den Werten der Aufkl\u00e4rung zugewandt habe.<\/p>\n<p>Der Kapp-Putsch war das Ergebnis einer Verschw\u00f6rung, die von faschistischen Gruppen \u00fcber die Reichswehr bis tief in die etablierten Parteien hinein reichte. Es gibt unz\u00e4hlige organisatorische, politische und pers\u00f6nliche F\u00e4den der Kontinuit\u00e4t, die von der blutigen Niederschlagung der Revolution der Arbeiter und Soldaten 1918\/19 \u00fcber den Kapp-Putsch bis zur Macht\u00fcbernahme Hitlers im Januar 1933 f\u00fchren.<\/p>\n<p>Diese Verschw\u00f6rung beschr\u00e4nkte sich nicht auf die rechten und konservativen Parteien, die die Republik erkl\u00e4rterma\u00dfen ablehnten. Beteiligt waren auch die gem\u00e4\u00dfigteren b\u00fcrgerlichen Parteien sowie die Sozialdemokratie. Diese arbeiteten eng mit der Reichswehr und den faschistischen Freikorps zusammen, um die K\u00e4mpfe der Arbeiterklasse zu unterdr\u00fccken. So setzte die SPD, kaum hatte der Generalstreik sie vor den Putschisten gerettet, dieselben Putschisten ein, um den Generalstreik gewaltsam zu beenden.<\/p>\n<p>Die F\u00e4den der Kontinuit\u00e4t rissen auch nach dem Untergang des Dritten Reichs nicht ab. Sie wurden lediglich mit demokratischer T\u00fcnche \u00fcbermalt. Die alten Seilschaften bestanden fort. Zahlreiche Beamten, Offiziere, Juristen, Professoren und Polizisten, die Kapitalverbrechen begangen oder unterst\u00fctzt hatten, setzten ihre Karriere unbeschadet fort. Nun, da der deutsche Imperialismus zu einer Gro\u00dfmachtpolitik zur\u00fcckkehrt und sich die Klassengegens\u00e4tze versch\u00e4rfen, bl\u00e4ttert die demokratische T\u00fcnche ab.<\/p>\n<p>Wer sich Illusionen dar\u00fcber hingibt, zu welchen Verschw\u00f6rungen, Intrigen und Verbrechen die deutsche Bourgeoisie f\u00e4hig ist, sollte den Kapp-Putsch und die Geschichte der Weimarer Republik genau studieren.<\/p>\n<p><strong>Der Kapp-Putsch<\/strong><\/p>\n<p>Unmittelbarer Anlass des Putsches war die Begrenzung der Reichswehr von 400.000 auf 100.000 Mann, zu welcher der im Juni 1919 unterzeichnete Versailler Vertrag Deutschland verpflichtet hatte. Das schloss die Aufl\u00f6sung der konterrevolution\u00e4ren Freikorps mit ein, die nach Kriegsende gebildet und in die Reichswehr integriert worden waren.<\/p>\n<p>Als sich die Regierung \u2013 eine von Gustav Bauer (SPD) gef\u00fchrte Koalition aus Mehrheitssozialdemokraten, katholischem Zentrum und Liberaldemokraten (DDP) \u2013 unter dem Druck der Alliierten anschickte, eine Reihe von Freikorps, darunter die Brigade Erhardt, aufzul\u00f6sen, leistete General von L\u00fcttwitz Widerstand. Als er daraufhin entlassen wurde, entschloss er sich zum Umsturz und lie\u00df die Brigade Erhardt nach Berlin marschieren.<\/p>\n<p>Der Putsch war seit langem vorbereitet worden und genoss breite Unterst\u00fctzung im Milit\u00e4r. Als Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) den rangh\u00f6chsten General Hans von Seeckt auffordert, die Regierung gegen die anr\u00fcckenden Putschisten zu verteidigen, verweigert dieser den Befehl mit den Worten: \u201eTruppe schie\u00dft nicht auf Truppe.\u201c Die Regierung und Reichspr\u00e4sident Friedrich Ebert (SPD) fliehen darauf nach Dresden, wo sie General Georg Maercker um Schutz bitten. Doch dieser hat aus Berlin bereits den telegrafischen Befehl erhalten, die Regierung in \u201eSchutzhaft\u201c zu nehmen, und l\u00e4sst sich nur mit M\u00fche davon abbringen. Die Flucht geht weiter nach Stuttgart.<\/p>\n<p>\u201eDie Verschw\u00f6rer besa\u00dfen die Sympathie schwerindustrieller und gro\u00dfagrarischer Kreise und fanden die offene Unterst\u00fctzung der deutschnationalen und v\u00f6lkischen Rechten\u201c, schreibt Hans Mommsen.[1] Sie alle lehnten den von der Regierung Bauer unterzeichneten Versailler Vertrag ab und bem\u00fchten sich um die Errichtung eines autorit\u00e4ren Regimes, das nach innen eine Diktatur errichten und nach au\u00dfen eine aktive Revisionspolitik betreiben sollte.<\/p>\n<p>Zu den treibenden Kr\u00e4ften des Putsches geh\u00f6rte neben L\u00fcttwitz und Kapp auch Hauptmann Waldemar Pabst, der im Januar 1919 die Ermordung der KPD-F\u00fchrer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht angeordnet hatte. \u201eDie Schaltstelle der Umsturzbewegung war die im Oktober 1919 unter dem Patronat Ludendorffs gegr\u00fcndete Nationale Vereinigung in Berlin\u201c, schreibt Heinrich Winkler.[2] Erich Ludendorff war in der Endphase des Ersten Weltkriegs neben Paul von Hindenburg der einflussreichste deutsche General. Zwei Jahre nach dem Kapp-Putsch sollte er gemeinsam mit Adolf Hitler den B\u00fcrgerbr\u00e4u-Putsch in M\u00fcnchen anf\u00fchren.<\/p>\n<p>Auch Kapp hatte Verbindungen zu Hitler. Der ostpreussische Regierungspr\u00e4sident hatte im September 1917, als die Kriegsunterst\u00fctzung der SPD-Fraktion zu br\u00f6ckeln begann und Forderungen nach einem Frieden ohne Annexionen laut wurden, die Deutsche Vaterlandspartei gegr\u00fcndet. Ihr Ziel: Den \u201eBurgfrieden\u201c mit SPD und Gewerkschaften durch ein \u201er\u00fccksichtsloses milit\u00e4risches Eingreifen\u201c gegen Protestdemonstrationen, Streiks und Versammlungen der Arbeiterklasse abl\u00f6sen und mithilfe von Antisemitismus, Nationalismus und v\u00f6lkischer Ideologie eine antiparlamentarische Massenbewegung als Basis f\u00fcr eine Diktatur aufbauen.<\/p>\n<p>Massenunterst\u00fctzung gewann Kapps Partei zwar nie, und sie wurde nach einem Jahr wieder aufgel\u00f6st. Doch sie genoss massiven R\u00fcckhalt in Milit\u00e4r und Wirtschaft. Vorsitzender war neben Kapp auch Gro\u00dfadmiral Alfred von Tirpitz, Ehrenvorsitzender war Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg. Der neuen Partei geh\u00f6rte eine gro\u00dfe Zahl f\u00fchrender Industrieller an, die auch ihre wichtigsten Geldgeber waren: Max Roetger (ehemals Krupp, dann Interessenvertreter der Industrie), Carl Duisberg (Bayer AG, IG Farben), Wilhelm von Siemens, Carl Ziese (Werftindustrie), Ernst von Borsig (Metallindustrie), Hugo Stinnes (Bergbau- und Elektroindustrie), Emil Kirdorf (Montanindustrie), Alfred Hugenberg (Medien), Freiherr von Wangenheim (Landwirtschafts- und Gutsbesitzervertreter), Johann Christian Eberle (Sparkassen) und Hermann R\u00f6chling (V\u00f6lklinger H\u00fctte).<\/p>\n<p>Zu Kapps engsten Vertrauten z\u00e4hlte Karl Mayr, der Hitler als V-Mann f\u00fcr den Nachrichtendienst der Reichswehr rekrutiert, in antibolschewistischer Agitation geschult und als politisches Talent entdeckt hatte. Hitler selbst, der kurz davor die noch weitgehend unbekannte NSDAP gegr\u00fcndet hatte, flog drei Tage nach dem Kapp-Putsch pers\u00f6nlich nach Berlin, kehrte aber schnell wieder um, als er merkte, dass der Putsch zum Scheitern verurteilt war.<\/p>\n<p>Noch im September 1920, als Kapp l\u00e4ngst nach Schweden geflohen war, berichtete Mayr seinem Freund stolz: \u201eIch habe sehr t\u00fcchtige junge Leute auf die Beine gebracht. Ein Herr Hitler z.B. ist eine bewegende Kraft geworden, ein Volksredner 1. Ranges. In der Ortsgruppe M\u00fcnchen haben wir \u00fcber 2000 Mitglieder, w\u00e4hrend es im Sommer 1919 noch keine 100 waren.\u201c [3]<\/p>\n<p><strong>Unterst\u00fctzung aus dem Regierungslager<\/strong><\/p>\n<p>Die Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Putschisten \u2013 oder die Bereitschaft, sich mit ihnen zu arrangieren \u2013 reichte bis weit ins Regierungslager hinein. Hans Mommsen gelangt zum Schluss: \u201eOhne den Generalstreik w\u00e4re es zu einem autorit\u00e4r gepr\u00e4gten Kompromiss zwischen den Gruppen, die hinter dem Putsch standen, und den parlamentarischen Kr\u00e4ften gekommen.\u201c [4]<\/p>\n<p>Es entbehrt nicht der historischen Ironie, dass sich ausgerechnet Reichspr\u00e4sident Friedrich Ebert und Reichswehrminister Gustav Noske vor den Putschisten in Sicherheit bringen mussten. Die beiden Sozialdemokraten hatten das Monster selbst gez\u00fcchtet, das nun gegen sie aufbegehrte.<\/p>\n<p>Im November 1918 hatten sich Arbeiter und Soldaten in Massen gegen das kaiserliche Regime, das reaktion\u00e4re Offizierskorps und die Wirtschaftsbarone erhoben. Ausgehend vom Matrosenaufstand in Kiel verbreiteten sich Arbeiter- und Soldatenr\u00e4te wie ein Lauffeuer \u00fcber das ganze Land. Doch anstatt aus den Hunderttausenden bewaffneten Revolution\u00e4ren eine neue republikanische Garde zu formen und die St\u00fctzen der alten Ordnung zu entmachten, verb\u00fcndeten sich Ebert und Noske mit den Gener\u00e4len und mobilisierten den Abschaum der Gesellschaft, um die kapitalistische Ordnung zu verteidigen und die revolution\u00e4re Bewegung blutig zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Die SPD-Parteizeitung\u00a0<em>Vorw\u00e4rts<\/em>\u00a0ver\u00f6ffentlichte seitenweise Anzeigen, die entwurzelte Frontsoldaten und heruntergekommene Elemente aufriefen, Freikorps beizutreten, deren wichtigste Aufgabe die Einsch\u00fcchterung und Ermordung revolution\u00e4rer Arbeiter war. Noske \u00fcbernahm die Rolle des \u201eBluthunds\u201c, lie\u00df die rechtsextreme Soldateska auf Demonstranten schie\u00dfen und ihre revolution\u00e4ren F\u00fchrer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermorden. Putschgeneral von L\u00fcttwitz verdankte seinen Posten Ebert und Noske, die ihn 1918 zum Oberbefehlshaber der Vorl\u00e4ufigen Reichswehr in Berlin und Umgebung ernannt hatten. Im Januar 1919 leitete L\u00fcttwitz die Niederschlagung des Spartakusaufstandes.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich Ebert und Noske vor dem Kapp-Putsch in Sicherheit brachten, blieben andere Regierungsmitglieder in Berlin, um mit den Putschisten einen Deal zu vereinbaren. Vizekanzler und Justizminister Eugen Schiffer (DDP) bot ihnen in Anwesenheit der beiden sozialdemokratischen preu\u00dfischen Minister Wolfgang Heine und Albert S\u00fcdekum weitgehende Zugest\u00e4ndnisse an, darunter die Bildung einer neuen Koalitionsregierung und baldige Neuwahlen.<\/p>\n<p>Auch die nationalliberale Deutsche Volkspartei (DVP) Gustav Stresemanns solidarisierte sich weitgehend mit Kapp und machte die \u201ebisherige Regierung\u201c daf\u00fcr verantwortlich, \u201edass der Weg der organischen Entwicklung, zu dem wir uns bekennen, durchbrochen worden\u201c sei.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"468\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Ruhrarmee.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7268\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Ruhrarmee.jpg 640w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Ruhrarmee-300x219.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption><strong>Mitglieder der Roten Ruhrarmee in Dortmund<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Generalstreik<\/strong><\/p>\n<p>Doch keiner der Putschisten und Verschw\u00f6rer hatte mit der Reaktion der Arbeiterklasse gerechnet, die mit einem deutschlandweiten Generalstreik auf den Putsch reagierte. W\u00e4hrend die Regierung feige das Weite suchte und sich um einen Kompromiss mit den Putschisten bem\u00fchte, k\u00e4mpften Arbeiter unter Einsatz ihres Lebens gegen den rechten Umsturz. Sie lie\u00dfen sich auch nicht einsch\u00fcchtern, als die schwer bewaffnete Sicherheitspolizei Bomben aus Flugzeugen und schwere Maschinengewehre gegen Streikende einsetzte und unbewaffnete Demonstranten \u00fcber den Haufen schoss.<\/p>\n<p>Den ersten Aufruf zum Generalstreik erlie\u00df Regierungssprecher Ulrich Rauscher (SPD) im Namen von Pr\u00e4sident Ebert und dem SPD-Vorsitzenden Otto Wels, als sich die Regierung auf der Flucht nach Dresden befand. In Dresden angekommen, distanzierte sich Ebert sofort von dem Aufruf, und auch Reichskanzle Bauer denunzierte den Streikaufruf als \u201eMystifikation\u201c, f\u00fcr die er keine Verantwortung trage. Doch der Generalstreik lie\u00df sich nicht mehr aufhalten. Angesichts des Tempos, in dem er sich ausbreitete, ist es fraglich, ob Rauschers Aufruf dabei \u00fcberhaupt eine Rolle spielte.<\/p>\n<p>Ungeachtet der bitteren politischen Auseinandersetzungen der vorangegangenen Zeit k\u00e4mpften Mitglieder der SPD, der USPD, der KPD sowie christlicher und anarchistischer Str\u00f6mungen gemeinsam gegen die rechte Gefahr. \u201eDie Streikenden erblickten im Kapp-Putsch ein Symptom daf\u00fcr, dass es der Revolution nicht gelungen war, die der Republik feindselig gegen\u00fcberstehenden milit\u00e4rischen und b\u00fcrokratischen Apparate zu zerschlagen\u201c, bemerkt Mommsen. [5]<\/p>\n<p>Das zwang auch den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund und seinen stockkonservativen sozialdemokratischen F\u00fchrer Carl Legien, sich hinter den Generalstreik zu stellen. \u201eDie breite Solidarisierung, die christliche und liberale Gruppen einschloss, zwang den ADGB, aus seiner gewohnten Zur\u00fcckhaltung herauszutreten, wenn er bei den arbeitenden Massen nicht vollends als unglaubw\u00fcrdig erscheinen wollte\u201c, kommentiert dies Mommsen.<\/p>\n<p>Einen Eindruck, wie erbittert vor Ort gek\u00e4mpft wurde, vermitteln die Erinnerungen von Oskar Hippe, eines Gr\u00fcndungsmitglieds des Spartakusbundes und der KPD und sp\u00e4teren f\u00fchrenden deutschen Trotzkisten, der zur Zeit des Generalstreiks in der Industrieregion Halle-Merseburg arbeitete.<\/p>\n<p>Am 13. M\u00e4rz 1920, in den fr\u00fchen Nachmittagsstunden, kam die Nachricht durch, dass die Reichsregierung gest\u00fcrzt worden sei und Freikorps sowie Reichswehrverb\u00e4nde in Berlin einmarschiert seien\u2026<\/p>\n<p>Noch am Abend kamen Betriebsr\u00e4te der USPD und der KPD unter der Leitung des Genossen Scheibner zusammen, um zu beraten, was zu tun sei. Viele der Anwesenden waren der Auffassung, dass die Mehrheitssozialdemokraten die verdiente Quittung f\u00fcr ihren Verrat erhalten h\u00e4tten. Die Mehrheit aber war der Meinung, dass es jetzt darum ginge, den Putsch der Generale abzuwehren, der sich gegen die gesamte Arbeiterklasse richte. \u2026<\/p>\n<p>An diesem Abend wurde beschlossen, zum Streik aufzurufen. Noch in der Nacht gingen Genossen und Kollegen der Gewerkschaften zusammen mit den Betriebsr\u00e4ten in die Fabriken, um die Aktion einzuleiten.<\/p>\n<p>Hippe schildert dann, wie die Arbeiter Milit\u00e4reinheiten, die sich den Putschisten angeschlossen hatten, bek\u00e4mpften und entwaffneten:<\/p>\n<p>Ich befand mich zusammen mit meinem Schwager in einer Hundertschaft. Etwa 15.000 Arbeiter hatten die Kaserne umzingelt. Wir hatten nur wenige Waffen \u2013 ein paar Karabiner und Jagdgewehre, die wir bei Bauern beschlagnahmt hatten, sonst nichts. Die Aufforderung der Kampfleitung an die eingeschlossenen Soldaten, die Waffen niederzulegen, wurde von den Offizieren des Bataillons abgelehnt. Erst als wir ihnen das Wasser abgegraben hatten, gaben sie auf, nachdem ihnen die Kampfleitung zugesichert hatte, dass sie ohne Waffen abziehen d\u00fcrften. \u2026<\/p>\n<p>Mit den in Merseburg erbeuteten Waffen wurden vier Hundertschaften ausger\u00fcstet. Es handelte sich um junge Arbeiter, die im Weltkrieg waffentechnische Kenntnisse erworben hatten. In unserer Hundertschaft waren zum gr\u00f6\u00dften Teil Bergarbeiter aus den Gruben \u201eCecilie\u201c, \u201eElisabeth\u201c und \u201eLeonhard\u201c, die sich untereinander kannten. \u2026 [Von der Kaserne] wurden wir mit 7,5-cm-Gesch\u00fctzen beschossen, unsere Verluste waren betr\u00e4chtlich. Neben mir wurde ein Genosse des Kommunistischen Jugendverbandes, der als Presser auf der Grube \u201eCecilie\u201c gearbeitet hatte, schwer verwundet. Ein Granatsplitter riss ihm einen Teil des Kinns weg. [6]<\/p>\n<p>Die heftigsten K\u00e4mpfe finden im Ruhrgebiet statt. Nirgendwo wird der Generalstreik konsequenter durchgef\u00fchrt, als in den Stahlwerken und Kohlegruben des Reviers. Und er weitet sich zum Aufstand aus. Die Arbeiter bewaffnen sich, um die Reichswehr und die Freikorps zu verjagen. Es bildet sich eine \u201eRote Ruhrarmee\u201c mit \u00fcber 50.000 Mitgliedern, die den Putschisten empfindliche Verluste zuf\u00fcgt. Ihre Vollzugsr\u00e4te \u00fcbernehmen faktisch die Macht. Die Rote Ruhrarmee hat keine zentrale F\u00fchrung oder Perspektive. Syndikalisten, Kommunisten, Unabh\u00e4ngige Sozialdemokraten und auch einige Sozialdemokraten geben in unterschiedlichen Zusammensetzungen den Ton an.<\/p>\n<p><strong>R\u00fcckkehr zur\u00a0\u201eOrdnung\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Der Generalstreik isolierte die Putschisten. Es gibt keinen Bahnverkehr, keine Telefonvermittlung, keine Post und keine Zeitungen mehr. Die Fabriken stehen still und in der Hauptstadt sind selbst Wasser, Gas und Strom abgestellt. Die gro\u00dfe Mehrheit der Milit\u00e4rmachthaber sympathisiert zwar mit Kapp, nimmt aber angesichts des ungewissen Ausgangs eine abwartende Haltung ein. Die h\u00f6heren Staatsbeamten z\u00f6gern, sich hinter die neuen Machthaber zu stellen.<\/p>\n<p>Am 17. M\u00e4rz, vier Tage nach dem Putsch, flieht Kapp in einem Doppeldecker nach Schweden. L\u00fcttwitz \u00fcbernimmt als Milit\u00e4rdiktator die Regierung. Am Abend tritt auch er zur\u00fcck, nachdem ihm Justizminister Schiffer eine Amnestie versprochen hat. Begleitet von Ludendorff verl\u00e4sst er die Reichskanzlei. Auch die Brigade Erhardt zieht ab und richtet auf dem R\u00fcckzug aus Berlin ein weiteres Blutbad unter Demonstranten an.<\/p>\n<p>Die alte Regierung kehrt zur\u00fcck, doch die streikenden Arbeiter geben sich damit nicht zufrieden. Sie wollen Garantien, dass die konterrevolution\u00e4ren milit\u00e4rischen und b\u00fcrokratischen Apparate zerschlagen werden. Um sie zum Abbruch des Generalstreiks zu bewegen, legt ADGB-Chef Karl Legien der Regierung ein Neun-Punkte-Programm vor. Es verlangt den R\u00fccktritt von Reichswehrminister Noske, die Aufl\u00f6sung der mit dem Putsch sympathisierenden Truppenverb\u00e4nde, die Bestrafung der Putschisten, die Bildung republikanischer Sicherheitswehren, umfassende soziale Reformen, die Vergesellschaftung des Kohlebergbaus und die Bildung einer \u201eArbeiterregierung\u201c \u2013 womit eine Beteiligung der Gewerkschaften an der Regierung gemeint ist.<\/p>\n<p>Legiens Initiative ist, so Mommsen, \u201eausschlie\u00dflich taktisch motiviert und von der Absicht bestimmt, den Streik nicht in die H\u00e4nde der Linksradikalen abgleiten zu lassen\u201c. Die Regierung macht einige unverbindliche Zusagen, und das von den Gewerkschaften gef\u00fchrte Streikkomitee ruft am 20. M\u00e4rz zum Streikabbruch auf. Doch viele Streikenden folgen dem Aufruf nicht.<\/p>\n<p>Der verhasste Noske tritt am 20. M\u00e4rz zur\u00fcck, und am 26. M\u00e4rz folgt ihm Bauers gesamtes Kabinett. Eine neue Regierung aus denselben Parteien wird gebildet, mit dem Sozialdemokraten Hermann M\u00fcller als Reichskanzler. M\u00fcller ernennt Hans von Seeckt, der sich geweigert hatte, die Regierung gegen den Kapp-Putsch zu verteidigen, zum neuen Chef der Heeresleitung. Seeckt erh\u00e4lt die Aufgabe, die Arbeiter, die sich dem Streikabbruch der Gewerkschaften nicht gef\u00fcgt haben, blutig zu unterdr\u00fccken. Er wird in den kommenden Jahren immer wieder blutige Massaker unter revolution\u00e4ren Arbeitern anrichten und die Reichswehr zu einem unkontrollierbaren \u201eStaat im Staat\u201c ausbauen.<\/p>\n<p>Im Kabinett ist statt Noske nun der DDP-Politiker Otto Ge\u00dfler f\u00fcr die Reichswehr zust\u00e4ndig. Er bleibt unter verschiedenen Kanzlern fast acht Jahre lang in diesem Amt und dient Seeckt, der ihn als \u201eblo\u00dfen Zivilisten\u201c kaum respektiert, als Feigenblatt.<\/p>\n<p><strong>Zerschlagung der Roten Ruhrarmee<\/strong><\/p>\n<p>Am hartn\u00e4ckigsten wehrt sich die Rote Ruhrarmee gegen den Abbruch des Generalstreiks. Sie f\u00e4hrt fort, Reichswehr und Freikorps aus dem Revier zu vertreiben. Ein Offizier, der aus Duisburg geflohen ist, berichtet sp\u00e4ter: \u201eAuch kriegserfahrene Offiziere hatten dergleichen noch nicht mitgemacht. Auf die Truppen wurde andauernd aus H\u00e4usern und Kellerluken, von Halden und Baumst\u00e4mmen, ja selbst aus Kessel- und Maschinenh\u00e4usern geschossen.\u201c<\/p>\n<p>Auch hier schickt die Regierung erst einen Sozialdemokraten vor, um die Bewegung zu spalten, bevor sie zu roher Gewalt greift. Der Reichskommissar f\u00fcr das Ruhrgebiet und sp\u00e4tere preu\u00dfische Innenminister Carl Severing vereinbart am 24. M\u00e4rz in Bielefeld mit den Arbeiterparteien ein Abkommen, das die Regierung in Berlin nur zum Schein akzeptiert. Es verpflichtet die k\u00e4mpfenden Arbeiter, unter gemeinsamer Aufsicht von Vollzugsr\u00e4ten und Gemeindebeh\u00f6rden ihre Waffen abzugeben. W\u00e4hrend die gem\u00e4\u00dfigteren Kr\u00e4fte zustimmen, setzen die radikaleren den Kampf fort.<\/p>\n<p>Oskar Hippe berichtet \u00fcber die Auswirkungen des Bielefelder Abkommens:<\/p>\n<p>Inzwischen erreichte uns die Meldung, dass in Bielefeld ein Abkommen geschlossen worden sei, worin die Reichsregierung zugesichert hatte, dass die Putschisten den Gerichten \u00fcbergeben w\u00fcrden und dass die Arbeiter durch ihre Gewerkschaften entscheidenden Einfluss auf Wirtschafts- und Sozialpolitik erhalten sollten. Voraussetzung daf\u00fcr war allerdings der Abbruch des Generalstreiks.<\/p>\n<p>Sowohl in den Kampfleitungen wie in dem politischen Ausschuss von KPD und USPD, in dem auch die Betriebsr\u00e4te vertreten waren, wurde dar\u00fcber beraten, ob man sich den Forderungen des Bielefelder Abkommens unterwerfen oder den Kampf bis zum siegreichen Ende durchf\u00fchren sollte. Der politische Ausschuss, in dem die USPD mit gro\u00dfer Mehrheit dominierte, entschied sich f\u00fcr die Annahme des Abkommens.<\/p>\n<p>In der Kampfleitung war die Meinung geteilt. Neunzig Prozent der Arbeiter an der Front hatten erkl\u00e4rt, dass sie nicht bereit seien, die Waffen niederzulegen und wehrlos in ihre Reviere zur\u00fcckzukehren. Doch die USPD setzte sich mit ihrer Auffassung durch: schlie\u00dflich k\u00f6nne die Regierung nicht wortbr\u00fcchig werden. Die Vertreter der KPD verlie\u00dfen unter Protest die Sitzung und erkl\u00e4rten den Arbeitern an der Front und den Streikversammlungen im Revier, dass sie sich im politischen Ausschuss mit ihren Argumenten nicht hatte durchsetzen k\u00f6nnen. [7]<\/p>\n<p>Kaum sind die radikaleren Elemente isoliert, setzen die Reichsregierung und von Seeckt dieselben Reichswehr- und Freikorpsverb\u00e4nde gegen sie in Bewegung, die zuvor Kapp und L\u00fcttwitz unterst\u00fctzt haben. Nun nehmen sie blutige Rache. Es kommt wiederholt zu Massenerschie\u00dfungen und illegalen Standgerichtsverfahren. Die genaue Zahl der Toten wird nie ermittelt. Laut Winkler lag sie \u201ebei den Ruhrbergarbeitern weit \u00fcber 1000; die Reichswehr z\u00e4hlte 208 Tote und 123 Vermisste, die Sicherheitspolizei 41 Tote\u201c. [8]<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Arbeiter, die den Putsch unter Einsatz ihres Lebens zum Scheitern gebracht haben, verfolgt, hart bestraft und get\u00f6tet werden, gehen die Putschisten weitgehend straffrei aus. Am 2. August 1920 stellt eine Amnestie alle Putschteilnehmer straffrei, die nicht aus \u201eRohheit\u201c oder \u201eEigennutz\u201c gehandelt haben. Die Freikorpsoffiziere, die den Putsch unterst\u00fctzt haben, werden in die Reichswehr \u00fcbernommen. In der Reichswehr werden die Verfahren gegen die Putschteilnehmer mit wenigen Ausnahmen eingestellt oder enden mit einem Freispruch.<\/p>\n<p>F\u00fchrende Putschteilnehmer setzen sich nach Bayern ab, wo der oberbayrische Regierungspr\u00e4sident Ritter von Kahr am 14. M\u00e4rz ebenfalls geputscht und die sozialdemokratisch gef\u00fchrte Regierung zum R\u00fccktritt gezwungen hat. Bayern entwickelt sich in der Folge zu einer Brutst\u00e4tte rechtsradikaler und faschistischer Kr\u00e4fte, in der auch Hitlers NSDAP heranw\u00e4chst.<\/p>\n<p>Herrmann Erhardt, der Kommandeur der nach ihm benannten Brigade, gr\u00fcndet nun in M\u00fcnchen die Organisation Consul, eine paramilit\u00e4rische Terrororganisation, die auf rund 5000 Mitglieder zur\u00fcckgreifen kann und vom M\u00fcnchner Polizeipr\u00e4sidenten Ernst P\u00f6hner stillschweigend geduldet wird. Die Organisation Consul ist f\u00fcr zahleiche Morde verantwortlich \u2013 unter anderem 1921 am Zentrumspolitiker Matthias Erzberger und 1922 am deutschen Au\u00dfenminister Walther Rathenau \u2013 und spielt eine bedeutende Rolle bei der Herausbildung von Hitlers SA.<\/p>\n<p>Wolfgang Kapp, der nach Schweden geflohen ist, stellt sich schlie\u00dflich todkrank dem Reichsgericht und stirbt vor Prozessbeginn in der Untersuchungshaft. Als einziger Putschteilnehmer wird der fr\u00fchere Berliner Polizeipr\u00e4sident Traugott von Jagow zur Mindeststrafe von f\u00fcnf Jahren verurteilt. Das Gericht billigt ihm mildernde Umst\u00e4nde zu, weil er \u201eunter dem Bann selbstloser Vaterlandsliebe und eines verf\u00fchrerischen Augenblicks dem Rufe von Kapp gefolgt\u201c sei.<\/p>\n<p>Auch die sozialen Zusagen, die die Reichsregierung den Streikenden gemacht hat, werden nicht eingel\u00f6st. Es wird zwar eine Sozialisierungskommission einberufen, aber sie bleibt folgenlos.<\/p>\n<p><strong>Eine\u00a0Kette der konterrevolution\u00e4ren Verschiebungen<\/strong><\/p>\n<p>In einem Artikel, den er kurz nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler schrieb, bezeichnet Leo Trotzki die Geschichte der Weimarer Republik als \u201eKette konterrevolution\u00e4rer Verschiebungen\u201c:<\/p>\n<p>Die Novemberrevolution 1918, die die Macht den Arbeiter- und Soldatenr\u00e4ten \u00fcbergab, war in ihrer Grundtendenz proletarisch. Doch die an der Spitze der Arbeiterschaft stehende Partei gab die Macht dem B\u00fcrgertum zur\u00fcck. In diesem Sinne er\u00f6ffnete die Sozialdemokratie die \u00c4ra der Konterrevolution, ehe es der Revolution gelang, ihr Werk zu vollenden. Solange die Bourgeoisie von der Sozialdemokratie und folglich von den Arbeitern abh\u00e4ngig war, enthielt das Regime aber immer noch Elemente des Kompromisses. Bald lie\u00df die internationale und die innere Lage des deutschen Kapitalismus keinen Raum mehr f\u00fcr Zugest\u00e4ndnisse. Rettete die Sozialdemokratie die Bourgeoisie vor der proletarischen Revolution, so hatte der Faschismus seinerseits die Bourgeoisie vor der Sozialdemokratie zu retten. Hitlers Umsturz ist nur das Schlussglied in der Kette der konterrevolution\u00e4ren Verschiebungen. [9]<\/p>\n<p>Der Kapp-Putsch und die anschlie\u00dfende Niederschlagung des Generalstreiks waren ein wichtiges Glied in dieser Kette. Die anschlie\u00dfende Reichstagswahl vom 6. Juni f\u00fchrte zu einem Rechtsruck im b\u00fcrgerlichen Lager, wo die rechtsliberale DVP und die nationalkonservative DNVP auf Kosten der DDP deutlich hinzugewannen. Die Arbeiterklasse r\u00fcckte dagegen nach links. Die SPD verlor 16 Prozentpunkte und lag mit 21,3 Prozent nur noch knapp vor der USPD, die sich von 7,6 auf 17,9 Prozent steigerte. Die KPD, die erstmals zur Wahl antrat, erhielt 1,7 Prozent. Im folgenden Jahr schloss sich die Mehrheit der USPD mit der KPD zusammen, deren Mitgliederzahl sich dadurch von 78.000 auf 450.000 erh\u00f6hte.<\/p>\n<p>Doch je mehr sich die Arbeiterklasse radikalisierte, desto enger r\u00fcckte die Verschw\u00f6rung von SPD und b\u00fcrgerlichen Parteien zusammen. Im M\u00e4rz 1921 verh\u00e4ngte Reichspr\u00e4sident Friedrich Ebert (SPD) den Ausnahmezustand \u00fcber Sachsen, um einen Generalstreik und Aufstand im mitteldeutschen Industriegebiet zu unterdr\u00fccken. Von Seeckts Truppen leisteten gr\u00fcndliche Arbeit. Sie beschossen die besetzten Leuna-Werke mit Artillerie und t\u00f6teten insgesamt rund 150 Arbeiter. 6000 am Streik Beteiligte wurden verhaftet, 4000 zu insgesamt 2000 Jahren Gef\u00e4ngnis und vier zum Tode verurteilt.<\/p>\n<p>1923, als die Besetzung des Ruhrgebiets durch franz\u00f6sische Truppen und die galoppierende Inflation ganz Deutschland in eine revolution\u00e4re Krise trieben, \u00fcbertrug Ebert die Exekutivgewalt im Reich an General von Seeckt. Dieser setzte die Regierungen von Sachsen und Th\u00fcringen \u2013 beides Koalitionen von SPD und KPD \u2013 gewaltsam ab, verfolgte revolution\u00e4re Arbeiter und unterdr\u00fcckte blutig den Aufstand in Hamburg. Eine siegreiche sozialistische Revolution war m\u00f6glich, scheiterte aber, weil die KPD den vorbereiteten Aufstand in letzter Minute absagte. (Siehe dazu: \u201e<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2008\/10\/okt1-o22.html\"><strong>1923: Die verpasste Revolution<\/strong><\/a>\u201c) Von Seeckts brutales Vorgehen gegen die Arbeiter ermutigte Hitler und Ludendorff zu ihrem faschistischen Putschversuch am 8. und 9. November in M\u00fcnchen.<\/p>\n<p>Wie Trotzki korrekt bemerkt, f\u00fchrt eine gerade Linie von diesen Ereignissen zur Macht\u00fcbergabe an Hitler im Januar 1933. Die SPD, die die Kr\u00e4fte gen\u00e4hrt und unterst\u00fctzt hatte, die Hitler zur Macht verhalfen, wurde jetzt nicht mehr gebraucht und verboten.<\/p>\n<p>Gelernt hat die SPD aus diesen Erfahrungen nichts, im Gegenteil. Sie verehrt Friedrich Ebert nach wie vor als Vorbild. Er ist Namenspatron ihrer Parteistiftung und unz\u00e4hlige Stra\u00dfen und Pl\u00e4tze in deutschen St\u00e4dten sind nach ihm benannt. Die SPD hat jede Verbindung zur Arbeiterklasse gekappt und unterscheidet sich in Nichts mehr von den anderen b\u00fcrgerlichen Parteien. Sieben Jahre lang hat sie im B\u00fcndnis mit den Gr\u00fcnen und elf Jahre lang im B\u00fcndnis mit der CDU\/CSU den Sozialabbau vorangetrieben, den Militarismus gef\u00f6rdert und der rechtsextremen AfD den Boden bereitet.<\/p>\n<p>Angesichts wachsender Klassengegens\u00e4tze und zunehmender internationaler Spannungen bereitet sich die herrschende Klasse wieder darauf vor, eine Diktatur zu errichten. Die Kette der konterrevolution\u00e4ren Verschiebungen kann nur unterbrochen werden, indem sich die Arbeiterklasse unabh\u00e4ngig organisiert und \u2013 gest\u00fctzt auf die Lehren und Erfahrungen aus dem vergangenen Jahrhundert \u2013 eine internationale, sozialistische Partei aufbaut, das Internationale Komitee der Vierten Internationale und seine Sektionen, die Sozialistischen Gleichheitsparteien.<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>1) Hans Mommsen,\u00a0<em>Aufstieg und Untergang der Weimarer Republik<\/em>, Ullstein 2004, S. 112<\/p>\n<p>2) Heinrich Winkler,\u00a0<em>Der lange Weg nach Westen<\/em>, Band 1, M\u00fcnchen 2002, S. 409<\/p>\n<p>3) Zitiert nach Ian Kershaw,\u00a0<em>Hitler 1889-1936<\/em>, Stuttgart 1998, S. 166<\/p>\n<p>4) Hans Mommsen, op.cit., S. 111-112<\/p>\n<p>5) Hans Mommsen, op.cit., S. 113<\/p>\n<p>6) Oskar Hippe,\u00a0<em>\u2026 und unsere Fahn\u2018 ist rot<\/em>, Hamburg 1979, S. 45-46<\/p>\n<p>7) Oskar Hippe, op.cit., S. 47<\/p>\n<p>8) Henrich Winkler, op.cit., S. 414<\/p>\n<p>9) Leo Trotzki,\u00a0<em>Portr\u00e4t des Nationalsozialismus<\/em>, Essen 1999, S. 303-304<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/03\/14\/kapp-m14.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 14. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schwarz. Am 13. M\u00e4rz 1920 ersch\u00fctterte ein Milit\u00e4rputsch die eineinhalb Jahre alte Weimarer Republik. Er wurde von General Walther von L\u00fcttwitz, dem Oberbefehlshaber der Reichswehr in Berlin, angef\u00fchrt. 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