{"id":7327,"date":"2020-03-19T10:13:25","date_gmt":"2020-03-19T08:13:25","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7327"},"modified":"2020-03-19T10:13:26","modified_gmt":"2020-03-19T08:13:26","slug":"protest-durch-arbeitsniederlegung-im-fiat-chrysler-lkw-werk-warren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7327","title":{"rendered":"Protest durch Arbeitsniederlegung im Fiat-Chrysler-Lkw-Werk Warren"},"content":{"rendered":"<p><em>Jerry White. <\/em>Immer mehr Autoarbeiter in Nordamerika fordern die Schlie\u00dfung ihrer Werke, um die Ausbreitung des t\u00f6dlichen Coronavirus einzud\u00e4mmen. Am Montag legten 17 Arbeiter in der Lackiererei des Fiat-Chrysler-Lastwagenwerks in Warren,<!--more--> einem Vorort von Detroit, die Arbeit nieder. Zuvor hatten kanadische Fiat-Chrysler-Arbeiter in Windsor (Ontario) auf der anderen Seite des Detroit River einen \u00e4hnlichen Ausstand organisiert. Dort war ein Kollege mit einer Person in Kontakt gekommen, die positiv auf COVID-19 getestet wurde und danach freiwillig in Quarant\u00e4ne gegangen war.<\/p>\n<p>Laut Vertretern des Unternehmens wurde die Lackiererei des Lkw-Werks, in dem 2.613 Arbeiter in zwei Schichten t\u00e4tig sind, am Montagnachmittag wieder in Betrieb genommen, und \u201edie Produktion des Werks wurde nicht beeintr\u00e4chtigt\u201c. Die Gewerkschaft United Auto Workers hat sich nicht zu dem Ausstand ge\u00e4u\u00dfert und ist weiterhin entschlossen, den Betrieb trotz der Gefahr f\u00fcr die Arbeiter und ihre Familien am Laufen zu halten.<\/p>\n<p>Diese Aktionen sind die ersten Anzeichen, dass die Welle von spontanen Streiks gegen die Fortsetzung der Produktion w\u00e4hrend der Pandemie, die in Italien begann, auch die USA erreicht. Fiat Chrysler und andere Arbeitgeber in Italien hatten die Arbeiter zun\u00e4chst gezwungen, trotz der landesweiten Abriegelung weiter zur Arbeit zu erscheinen. Letzte Woche mussten sie jedoch aufgrund der Streikwelle den Betrieb einstellen. Genau wie in den USA hatten Versammlungsverbote die Arbeitspl\u00e4tze, an denen Telearbeit nicht m\u00f6glich ist, ausgenommen.<\/p>\n<p>Am Montag erreichte die Streikwelle auch Spanien. In Vitoria im Baskenland legten 5.000 Arbeiter des Mercedes-Benz-Werks, dem weltweit zweitgr\u00f6\u00dften Lieferwagenwerk des Unternehmens, die Arbeit nieder. Die Produktion dort war fortgesetzt worden, obwohl das Baskenland bereits am 10. M\u00e4rz von der Regierung unter Quarant\u00e4ne gestellt wurde. Laut Twitter-Posts war bereits ein Arbeiter des Werks positiv auf das Virus getestet worden, 20 weitere befanden sich in Quarant\u00e4ne. Auf Twitter wurden Videos des Ausstands viele zehntausendmal angesehen.<\/p>\n<p>Nachdem Fiat Chrysler zun\u00e4chst eine Aussetzung der Produktion f\u00fcr einige Tage angek\u00fcndigt hatte, erkl\u00e4rte das Unternehmen am Montag, seine sechs Werke in Italien, ein Werk in Serbien und ein weiteres in Polen w\u00fcrden bis zum 27. M\u00e4rz geschlossen bleiben. Als Grund f\u00fcr diese Ank\u00fcndigung nannte das Unternehmen nicht die akute Gesundheitskrise, sondern \u201eMarktbedingungen\u201c. Der franz\u00f6sische Autobauer PSA, mit dem Fiat Chrysler fusionieren will, erkl\u00e4rte, seine Werke in Madrid und Mulhouse, im Osten Frankreichs, w\u00fcrden ab Montag und die restlichen europ\u00e4ischen Werke sp\u00e4testens bis Donnerstag geschlossen.<\/p>\n<p>Am Montag erkl\u00e4rte Ford gegen\u00fcber dem\u00a0<em>Wall Street Journal<\/em>, es werde einen zuvor geplanten dreit\u00e4gigen Produktionsstopp in seinem Werk im spanischen Valencia auf die ganze Woche ausdehnen und vor der Wiederaufnahme der Produktion die Lage neu bewerten. Das Unternehmen erkl\u00e4rte, innerhalb von 24 Stunden seien drei F\u00e4lle von Coronavirus-Erkrankungen best\u00e4tigt worden.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"329\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/uswork.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7328\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/uswork.jpg 640w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/uswork-300x154.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption> <strong>Arbeiter des Lkw-Werks in Warren bei Detroit (Michigan)<\/strong> <\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Arbeiter des Lastwagenwerks Warren erkl\u00e4rte gegen\u00fcber dem\u00a0<em>Autoworker Newsletter<\/em>\u00a0der WSWS: \u201eAlle aus dem Management arbeiten von zu Hause aus. Aber was ist mit unseren Familien?<\/p>\n<p>Viele andere denken auch, dass die Industrie jetzt stillgelegt werden sollte. Die Arbeiter machen die Gewerkschaft daf\u00fcr verantwortlich und sagen: \u201eWir haben keine Vertretung. Soweit wir wissen, haben sie in Europa alles stillgelegt. Warum wird das hier nicht gemacht?\u201c<\/p>\n<p>Ein anderer Arbeiter des Lkw-Werks in Warren erkl\u00e4rte: \u201eWir leben in extremer Angst. Ich bin zur Gewerkschaft gegangen und habe gefragt, warum wir nicht zumachen, wenn wir 2.000 Leute haben, w\u00e4hrend alle Gesch\u00e4fte geschlossen und Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern verboten werden. Darauf haben sie keine Antwort.<\/p>\n<p>Jemand da drin wird alle anstecken. Wenn sie das Werk schlie\u00dfen, m\u00fcssten die Leute nicht krank zur Arbeit kommen. Stattdessen wollen sie, dass wir Leute verpfeifen, die krank aussehen. Sie sagen uns, wir sollen uns die H\u00e4nde waschen und desinfizieren, aber es gibt hier Waschr\u00e4ume, in denen gibt es nur kaltes Wasser oder \u00fcberhaupt kein flie\u00dfendes Wasser.<\/p>\n<p>Ihnen geht es nur um die Lastwagen, obwohl sie nicht einmal verschifft werden. Das ist Kapitalismus pur. Wir sollten die Arbeit niederlegen oder einen Sitzstreik machen. Ich fragte die Aufseher, ob sie keine Angst um sich selbst haben. Sie antworteten: \u201aSolange ihr zur Arbeit kommt, m\u00fcssen wir auch arbeiten.\u2018 Sie warten darauf, dass wir aktiv werden.\u201c<\/p>\n<p>Die UAW macht sich mitschuldig an etwas, was man nur als verbrecherische Gef\u00e4hrdung der Autoarbeiter und ihrer Familien bezeichnen kann. Die Gouverneure von Industriestaaten wie Michigan und Ohio haben bereits die Schlie\u00dfung von Fitnessstudios, Theatern, Restaurants und Schulen angeordnet, um die Ausbreitung des t\u00f6dlichen Virus einzuschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Obwohl letzte Woche in einem Fiat-Chrysler-Werk in Kokomo (Indiana) der erste Arbeiter positiv auf COVID-19 getestet wurde und aus Detroit und anderen St\u00e4dten von vielen weiteren potenziellen F\u00e4llen berichtet wird, geht die Produktion in den Autowerken weiter, u.a. im S\u00fcdosten von Michigan, das mit 115.000 Besch\u00e4ftigten noch immer die gr\u00f6\u00dfte Konzentration der Autoproduktion in den USA aufweist.<\/p>\n<p>Beispielhaft f\u00fcr die Verachtung der Autobosse gegen\u00fcber dem Leben der Arbeiter ist Ford-Vorstandschef Jim Hackett, der letzten Freitag in einem Brief an die Besch\u00e4ftigten erkl\u00e4rte, das Unternehmen werde ein Werk f\u00fcr 24 Stunden schlie\u00dfen, wenn bei einem Arbeiter das Coronavirus diagnostiziert werde. Allerdings ist es dann bereits zu sp\u00e4t! Die Krankheit hat eine Inkubationszeit von bis zu zwei Wochen, bevor die ersten Symptome auftreten. In der Zwischenzeit kann sie jedoch an Arbeitspl\u00e4tzen, \u00fcber Werkzeuge, Fahrzeugkomponenten, Drehkreuze, Kantinen und Pausenr\u00e4ume verbreitet werden.<\/p>\n<p>Die Arbeiter haben in den letzten Tagen durch ihre Arbeitsverweigerung bereits mit den F\u00fc\u00dfen abgestimmt. So erschienen mehr als 500 Besch\u00e4ftigte des Jefferson-North-Fertigungswerks in Detroit am Samstag nicht zur Arbeit. Die Unternehmen haben sie, mit voller Unterst\u00fctzung der UAW, durch Leiharbeiter ersetzt, die jederzeit wieder entlassen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Angesichts des weit verbreiteten Widerstands in den Betrieben haben die UAW und die Autokonzerne eine gemeinsame Taskforce aus den Vorstandschefs von GM, Ford und Fiat Chrysler und drei Vizepr\u00e4sidenten der UAW gegr\u00fcndet. Die Gewerkschaftsfunktion\u00e4re verheimlichen bewusst die Gefahren, in denen sich die Arbeiter befinden, und behaupten wahrheitswidrig, die Konzerne hielten sich an die Richtlinien der Zentren f\u00fcr Seuchenkontrolle und der Weltgesundheitsorganisation. Tats\u00e4chlich folgen die Konzerne und die UAW nur einer \u201eRichtlinie\u201c: Die Produktion aufrechterhalten, um die Profite und Eink\u00fcnfte der Aktion\u00e4re zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Wenn die Arbeiter Ma\u00dfnahmen zu ihrem Schutz und dem Schutz ihrer Familien wollen, m\u00fcssen sie die Initiative selbst \u00fcbernehmen. Notwendig sind Aktionskomitees, die unabh\u00e4ngig von der korrupten UAW organisiert sind, und die eine sofortige Stilllegung der Autowerke und aller nicht wesentlichen Produktionen durchsetzen. Gleichzeitig m\u00fcssen diese Komitees eine vollst\u00e4ndige Entsch\u00e4digung f\u00fcr alle entgangenen L\u00f6hne und die Abschaffung aller Eigenbeteiligungen und Abz\u00fcge fordern, damit f\u00fcr alle Arbeiter die qualitativ hochwertigste Gesundheitsversorgung gew\u00e4hrleistet ist.<\/p>\n<p>Dies sollte verbunden werden mit der Forderung nach sofortigen und kostenlosen Tests und einer massiven Bereitstellung von Mitteln f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheitsversorgung, statt den Aktienmarkt zu st\u00e4rken, wie auch mit der Forderung nach gleichem Zugang zu Gesundheitsversorgung und allen Sozialleistungen. Alle wegen der Pandemie entlassenen Arbeiter m\u00fcssen wieder eingestellt werden.<\/p>\n<p>Angesichts des weltweiten Absturzes der Aktienm\u00e4rkte, zunehmender Anzeichen f\u00fcr einen weiteren globalen Wirtschaftszusammenbruch und der stockenden Lieferungen von Autozubeh\u00f6r aus China wegen der Pandemie sind die Autokonzerne dabei, so viel Profit wie m\u00f6glich herauszupressen, bevor sie ihre Werke in den USA schlie\u00dfen m\u00fcssen. Alle Fahrzeuge, die irgendwie in die Autoh\u00e4user geliefert werden k\u00f6nnen, werden in den Quartalsberichten der Autobauer als Verk\u00e4ufe gebucht. Sie sollen einen weiteren Ausverkauf der Aktien verhindern.<\/p>\n<p>Derweil st\u00fcrzen die Aktienwerte der Autobauer an den B\u00f6rsen ab. Am Montag fiel der Kurs von Fiat Chrysler bis zum Ende des Handelstags um fast 22 Prozent, der von General Motors um 15 Prozent, der von Ford um 11 Prozent. Laut dem Center for Automotive Research verlieren die Konzerne Einnahmen in H\u00f6he von 7,3 Milliarden Dollar, wenn nur eine Woche lang keine Autos verkauft werden.<\/p>\n<p>Ein Autoarbeiter eines GM-Werks im Raum Detroit sagte der\u00a0<em>WSWS<\/em>: \u201eDie gro\u00dfen Drei und die UAW m\u00fcssen aufh\u00f6ren Spielchen zu spielen. Das einzig Richtige ist: diese Werke und Lagerh\u00e4user zu schlie\u00dfen! Der Gouverneur von Michigan hat alle Versammlungen von mehr als 50 Menschen verboten, der Pr\u00e4sident der Vereinigten Staaten hat diese Grenze auf zehn noch einmal herabgesetzt. Der Justizminister hat heute gesagt, Verst\u00f6\u00dfe dagegen w\u00fcrden als Verbrechen gelten. Wie k\u00f6nnen die gro\u00dfen Drei und die UAW Taskforce damit durchkommen, dass sie sich \u00fcber die Regierung hinwegsetzen? Ich glaube nicht, dass unsere Jobs f\u00fcr die Grundversorgung wichtig sind! Es ist die reine Gier. Keine R\u00fccksicht auf Gesundheit und Sicherheit!\u201c<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/03\/19\/auto-m19-1.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 19. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jerry White. Immer mehr Autoarbeiter in Nordamerika fordern die Schlie\u00dfung ihrer Werke, um die Ausbreitung des t\u00f6dlichen Coronavirus einzud\u00e4mmen. 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