{"id":7354,"date":"2020-03-20T15:43:46","date_gmt":"2020-03-20T13:43:46","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7354"},"modified":"2020-03-20T15:43:47","modified_gmt":"2020-03-20T13:43:47","slug":"der-bankrott-der-britischen-neoliberalen-z-b-im-gesundheitswesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7354","title":{"rendered":"Der Bankrott der britischen Neoliberalen, z.B. im Gesundheitswesen"},"content":{"rendered":"<p>In den letzten 10 Jahren sind in Gro\u00dfbritannien jedes Jahr mehr als 1.500 Betten in NHS-Krankenh\u00e4usern abgebaut worden. Obwohl die Bertelsmann-Stiftung ihr wenig segensreiches Wirken in Gro\u00dfbritannien nicht betreibt, gibt es auch hier neoliberale<!--more--> Ideologen und Schreibtischt\u00e4ter zuhauf, die ein Gesundheitswesen nach betriebswirtschaftlichen Grunds\u00e4tzen haben wollen \u2013 und Regierungen, die diese Orientierung massiv umsetzen. Im Angesicht der Corona-Epidemie m\u00fcssen diese Verteidiger von Profit und Privileg jetzt kapitulieren: Die fehlenden Betten m\u00fcssen angemietet werden (die Alternative \u201eBeschlagnahmung\u201c kann eine Rechtsregierung heute nicht wagen). F\u00fcr sage und schreibe 300 Pfund \u2013 pro Nacht. Und die nicht besonders profitable Produktion von Beatmungsger\u00e4ten per Appell an Produktkonversion ankurbeln: Autokonzerne sollen das machen. Zur Entwicklung der Situation in Gro\u00dfbritannien drei aktuelle Beitr\u00e4ge und zwei Hintergrundbeitr\u00e4ge \u00fcber die soziale Entwicklung in Gro\u00dfbritannien und dabei insbesondere zur jahrelangen Demontage des NHS:<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/london-nhs.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7355\" width=\"570\" height=\"380\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/london-nhs.jpg 450w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/london-nhs-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 570px) 100vw, 570px\" \/><\/figure>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/publicservices.international\/resources\/news\/spain-nationalises-all-private-hospitals-uk-rents-hospital-beds?id=10645&amp;lang=en\">\u201eBeds for profit in the UK\u201c am 17. M\u00e4rz 2020 bei Public Services International<\/a>ist ein Beitrag, der die Aktionen der Regierungen in Spanien und Gro\u00dfbritannien miteinander vergleicht. Dabei wird f\u00fcr Gro\u00dfbritannien der Protest der Gewerkschaften im \u00f6ffentlichen Dienst dokumentiert, gegen die Anmietung von Betten privater Krankenh\u00e4user durch die Rechtsregierung, wof\u00fcr diese t\u00e4glich 2,4 Millionen Pfund bezahlt \u2013 f\u00fcr 8.000 Betten in 570 Einrichtungen. Dies wird kontrastiert mit der Abschaffung von 17.000 \u00f6ffentlichen Krankenhausbetten, die eine wesentlich geringere t\u00e4gliche \u201eEinsparung\u201c erbracht haben\u2026<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/europe.autonews.com\/automakers\/ford-jaguar-land-rover-asked-make-ventilators-fight-coronavirus\">\u201eFord, Jaguar Land Rover asked to make ventilators to fight coronavirus\u201c von Nick Gibbs am 16. M\u00e4rz 2020 bei den Automotive News<\/a>berichtet von den Gespr\u00e4chen der britischen Rechtsregierung mit Autoherstellern, ob sie Beatmungsger\u00e4te produzieren k\u00f6nnten \u2013 unabh\u00e4ngig vom Ausgang dieser Verhandlungen ein Eingest\u00e4ndnis der neoliberalen Hardcore-Ideologen, dass sie verloren haben\u2026 Die Idee ist aber nat\u00fcrlich nicht schlecht<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.change.org\/p\/boris-johnson-6-demands-from-nhs-staff-to-help-us-tackle-coronavirus\">\u201e6 Demands from NHS staff to help us tackle Coronavirus\u201c seit dem 17. M\u00e4rz 2020 bei Change.org<\/a>ist eine Petition von Besch\u00e4ftigten des NHS (bereits von weit \u00fcber 20.000 Menschen unterzeichnet), in der die britische Rechtsregierung aufgefordert wird, allen Zugang zu medizinischer Versorgung zu sichern und daf\u00fcr auch private Gesundheitsunternehmen heranzuziehen \u2013 die, so wird unter anderem darin argumentiert, einen guten Teil ihrer Ums\u00e4tze deswegen machen, weil Menschen viel zu lange auf den Wartelisten des NHS stehen m\u00fcssten, nachdem dieser so lange Jahre immer weiter gek\u00fcrzt worden sei.<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/373568.ungleichheit-austerit%C3%A4t-t%C3%B6tet.html\">\u201eAusterit\u00e4t t\u00f6tet\u201c von Christian Bunke am 29. Februar 2020 in der jungen welt<\/a>zur Situation des britischen Gesundheitswesen vor den aktuellen Notma\u00dfnahmen der Rechtsregierung: \u201e\u2026\u00a0<em>Es ist ein akademischer Bericht, in dem jeder Satz wie ein Faustschlag in die Magengrube wirkt: \u00bbDie Reichen werden reicher und damit ges\u00fcnder, w\u00e4hrend die Armen \u00e4rmer und somit kr\u00e4nker werden\u00ab, ist so ein Satz. Die von der britischen \u00bbHealth Foundation\u00ab am Dienstag unter dem Titel \u00bbHealth Equity in England\u00ab ver\u00f6ffentlichte Studie zur Entwicklung des Gesundheitswesens ist eine der detailreichsten Publikationen \u00fcber den Klassenkampf von oben im Gro\u00dfbritannien in den vergangenen zehn Jahren. Ein Kernergebnis der Untersuchung ist, dass die Lebenserwartung in England seit Beginn der konservativen Austerit\u00e4tspolitik von 2010 stagniert, beziehungsweise r\u00fcckl\u00e4ufig ist. Diese Absenkung sei nicht mit harten Winterperioden oder anderen Wettereinfl\u00fcssen erkl\u00e4rbar. Vielmehr sei die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung eng mit den Bedingungen, \u00bbin denen Menschen geboren werden, aufwachsen, leben, arbeiten und altern\u00ab, verkn\u00fcpft. Entsprechend halten die Wissenschaftler fest, dass die gr\u00f6\u00dfte Senkung der Lebenserwartung f\u00fcr Frauen und M\u00e4nner in den zehn Prozent der Wohngegenden mit der \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerung in Nordostengland zu beobachten sei, w\u00e4hrend die Lebenserwartung in den zehn Prozent der Nachbarschaften Londons mit den reichsten Bewohnern am st\u00e4rksten gestiegen sei. (\u2026) Eine Ursache f\u00fcr diese Entwicklung machen die Autoren der Studie in der britischen K\u00fcrzungspolitik aus. Einsparungen h\u00e4tten vor allem soziale Dienstleistungen sowie Gesundheitseinrichtungen in Gegenden getroffen, \u00bbin denen sie am meisten gebraucht werden und in denen die Lebensbedingungen generell schlechter sind als anderswo\u00ab. Die von der Regierung zur Verf\u00fcgung gestellten Mittel f\u00fcr Kommunen und Gemeinden seien zwischen 2009 und 2019 um 77 Prozent zur\u00fcckgegangen. Am meisten sei bei der sozialen Sicherheit und der Bildung gespart worden, beides sei f\u00fcr die Gesundheit \u00bbessentiell\u00ab<\/em>\u2026\u201c<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7338\">\u201eGrossbritannien &amp; COVID-19: Die Politik der Pandemie\u201c von Neil Faulkner am 19. M\u00e4rz 2020 bei den Maulw\u00fcrfen<\/a>(in deutscher \u00dcbersetzung, urspr\u00fcnglich im australischen Links) zur Entwicklung des NHS und der \u201eGesundheitspolitik\u201c insgesamt unter anderem: \u201e\u2026\u00a0<em>Nehmen Sie, was die Tories in den letzten zehn Jahren mit dem NHS [Nationl Health Service; \u00f6ffentliches Gesundheitssystem in Grossbritannien; Anm. d. \u00dc] gemacht haben. Gegenw\u00e4rtig gibt es im NHS 4.000 Betten f\u00fcr die Intensivpflege, die zu 90% belegt sind. In Deutschland sind es viermal so viele. Eine aktuelle Sch\u00e4tzung geht davon aus, dass die Coronavirus-Pandemie sieben Mal so viele Betten ben\u00f6tigt. Alles andere ist \u00e4hnlich heruntergekommen und knapp. Insgesamt wurden seit 2010 17.000 NHS-Betten abgebaut. Der derzeitige Mangel an \u00c4rzten und Krankenschwestern bel\u00e4uft sich auf 100.000. Nat\u00fcrlich gibt es einen verzweifelten Mangel an Beatmungsger\u00e4ten \u2013 und so haben wir das erb\u00e4rmliche Schauspiel, dass der Tory-Gesundheitsminister Hancock, der an private Unternehmen appelliert, die Produktion umzustellen, um den Mangel auszugleichen, nichts tut. Sie kannten die Risiken. Sie wussten, dass das System neue Viren z\u00fcchtet. Sie wussten, dass eine Legion von Spezialisten seit Jahrzehnten eine Pandemie vorhersagte. Aber dennoch setzten sie ihr Programm der Unterfinanzierung und der \u00dcbernahme des NHS durch Unternehmen fort. Die Situation im globalen S\u00fcden ist nat\u00fcrlich noch viel schlimmer, denn dort wurde die \u00f6ffentliche Gesundheitsversorgung durch 40 Jahre Neoliberalismus verw\u00fcstet, oft im Zusammenhang mit l\u00e4cherlich falsch benannten \u201eStrukturanpassungsprogrammen\u201c \u2013 was dazu f\u00fchrte, dass die Armen des globalen S\u00fcdens in die Pfanne gehauen wurden, um die Bankiers des globalen Nordens zu bezahlen. Big Pharma \u2013 die pharmazeutischen Megakonzerne, die die Weltwirtschaft umspannen \u2013 sind von zentraler Bedeutung f\u00fcr diese globale Gesundheitskrise. Sie blockieren die Produktion von billigen Medikamenten. Sie weigern sich, in die pr\u00e4ventive Impfstoffforschung zugunsten lukrativerer \u201eBehandlungen\u201c zu investieren. Sie weigern sich, ihr Wissen mit internationalen und staatlichen Stellen zu teilen. Sie weigern sich, bei der B\u00fcndelung von Forschung und Entwicklung zusammenzuarbeiten. Patente und Profite stehen an erster Stelle, nicht die \u00f6ffentliche Gesundheit<\/em>\u2026\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/grossbritannien\/gewerkschaften-grossbritannien\/der-bankrott-der-britischen-neoliberalen-17-000-betten-weniger-im-nationalen-gesundheitsdienst-jetzt-muessen-sie-bei-privaten-krankenhaeusern-betten-mieten-und-die-autokonzerne-bi\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 20. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den letzten 10 Jahren sind in Gro\u00dfbritannien jedes Jahr mehr als 1.500 Betten in NHS-Krankenh\u00e4usern abgebaut worden. 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