{"id":7385,"date":"2020-03-23T10:06:25","date_gmt":"2020-03-23T08:06:25","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7385"},"modified":"2020-03-23T10:06:26","modified_gmt":"2020-03-23T08:06:26","slug":"der-chinesische-weg-die-einzige-alternative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7385","title":{"rendered":"Der chinesische Weg, die einzige Alternative?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Coronavirus, deutsche Gesundheitsvorsorge und Repression. Ein Kommentar von Mark Turm.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>\u201eWir fahren das \u00f6ffentliche Leben nahezu vollst\u00e4ndig herunter\u201d , k\u00fcndigte der bayerische Ministerpr\u00e4sident Markus S\u00f6der (CSU) am Freitag auf einer Pressekonferenz in M\u00fcnchen an. \u201eManche Menschen m\u00fcssen wir vor sich selbst sch\u00fctzen\u201c, f\u00fcgte er heuchlerisch hinzu. Diejenigen, die Einschnitte im Gesundheitswesen vornehmen und dann verk\u00fcnden, dass die Privatisierung des Gesundheitswesens wegen der Ineffizienz des \u00f6ffentlichen Gesundheitswesens notwendig sei, pr\u00e4sentieren sich als Retter in der Not in diesen unheilvollen Tagen. Stunden sp\u00e4ter trat das Saarland im S\u00fcdwesten in die Fu\u00dfstapfen Bayerns. Auch in anderen Bundesl\u00e4ndern\u00a0sind\u00a0\u00e4hnliche Regelungen auf dem Weg.<\/p>\n<p>Die neuen Regeln gelten zun\u00e4chst f\u00fcr zwei Wochen. S\u00f6der sagte diese Worte einen Tag, nachdem die chinesischen Beh\u00f6rden neue F\u00e4lle von Covid-19-Coronavirus au\u00dferhalb der Provinz Hubei gemeldet hatten, wo der Ausbruch der Epidemie bisher 3.119 Menschen get\u00f6tet hat.<\/p>\n<p>Wie es beim neoliberalen Dogma der Fall war und ist, scheint es f\u00fcr die Machthaber*innen und die von ihnen gef\u00fchrten \u00fcberstaatlichen Organisationen keine andere m\u00f6gliche Alternative zur Bek\u00e4mpfung der Ausbreitung von Covid-19 zu geben, als zu repressiven Ma\u00dfnahmen zu greifen, die einer Diktatur und nicht einer Gesellschaft, die den Anspruch auf Demokratie erhebt, w\u00fcrdig sind. Diejenigen, die daf\u00fcr verantwortlich sind, dass sich die Gesundheit heute in einem kritischen Zustand befindet, wollen uns aus der Gefahrenzone bringen.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"890\" height=\"550\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/wuhan.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7386\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/wuhan.jpg 890w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/wuhan-300x185.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/wuhan-768x475.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 890px) 100vw, 890px\" \/><\/figure>\n<p>Dem Rat von Expert*innen\u00a0<a href=\"https:\/\/www.redaccionmedica.com\/tags\/organizacion-mundial-de-la-salud-oms\"><strong>der Weltgesundheitsorganisation\u00a0(WHO)<\/strong><\/a>\u00a0folgend, die nach China reisten, um den Kampf gegen Covid-19 zu \u00fcberwachen, ist es notwendig, \u201cdas, was einige als grundlegende und alte Standards der \u00f6ffentlichen Gesundheit betrachten, mit einer Strenge anzuwenden, die in der Geschichte noch nie zuvor gesehen wurde\u201d. Im Grunde genommen haben sie die F\u00e4lle von Ansteckung ausgemacht, sie isoliert und die Bewegungsfreiheit eingeschr\u00e4nkt. Die WHO-Expert*innen nennen f\u00fcnf Ma\u00dfnahmen, die ihrer Meinung nach im Kampf gegen die Ausbreitung von Covid-19 entscheidend w\u00e4ren: darunter ein Verbot von Bewegungen, die Schlie\u00dfung von Fabriken und die geordnete Wiederaufnahme der Produktion, die Triangulation von Daten zur Feststellung jedes Ausbruchs, eine sehr schnelle wissenschaftliche Reaktion und der Bau von spezialisierten Krankenh\u00e4usern. Das ist der chinesische Weg.<\/p>\n<p>Es gibt jedoch andere L\u00e4nder, denen es gelungen ist,\u00a0der\u00a0Coronavirus-Krise bisher erfolgreich zu widerstehen, ohne die von Peking umgesetzten drakonischen Ma\u00dfnahmen anzuwenden. Taiwan, Hongkong, Singapur und S\u00fcdkorea gelang es, die Kontrolle \u00fcber die Coronavirus-Krise aufrechtzuerhalten, ohne ihre B\u00fcrger*innen f\u00fcr Wochen oder Monate in heimische Gefangenschaft zu zwingen.<\/p>\n<p>Der Unterschied zwischen den oben genannten L\u00e4ndern und dem brutalen Vorgehen der chinesischen Beh\u00f6rden ist relativ einfach: Information der Bev\u00f6lkerung, viele Tests und schnelle Entscheidungen. In Taiwan zum Beispiel, das aufgrund des politischen Drucks aus China kein Mitglied der WHO ist, haben die Beh\u00f6rden eine Notfallbotschaft an alle B\u00fcrger*innen geschickt, eine Warnung, wie sie normalerweise nur im Falle eines Tsunamis ausgesprochen wird \u2014 aber das Meer war ruhig. Die Nachricht enthielt einen Link zu einer Google Maps-Karte und die Frage: \u201cHaben Sie sich am 31. Januar an einem dieser Orte aufgehalten?\u201c Die meisten der aufgef\u00fchrten Orte waren Orte, die von einem mit dem\u00a0Corona-Virus infizierten Wuhan-Touristen besucht wurden. Anschlie\u00dfend wurden die Daten der nationalen Krankenversicherung in die Einwanderungs- und Zolldaten integriert, was dem medizinischen Personal an der Front erm\u00f6glichte, potenzielle Patient*innen auf der Grundlage ihrer Reiset\u00e4tigkeit zu identifizieren.<\/p>\n<p>Alarmismus? \u00dcberhaupt nicht! Genau diese Botschaft und die darauf folgenden Ma\u00dfnahmen haben Taiwan gleich zu Beginn des Seuchenausbruchs verschont (bisherige Bilanz: 59 Infizierte, ein Toter. Die Schulen sind offen\u2026), sodass sie trotz der geographischen N\u00e4he zu China kaum unter den Folgen gelitten haben, mit denen die Bev\u00f6lkerung im \u201eentwickelten Westen\u201c heute leben muss. In Taiwan gelang es, die Herausforderung fast ohne L\u00e4hmung des gesellschaftlichen Lebens zu bew\u00e4ltigen. Der erste Schritt war die Inspektion der Fl\u00fcge aus Wuhan, die Anfang Januar stattfand. Ab dem 6. Februar durften nur noch Taiwaner*innen oder Personen mit Aufenthaltsgenehmigung ins Land einreisen, mussten aber zu Hause eine Quarant\u00e4ne einhalten, die durch die Auswertung der Daten von Mobiltelefonen \u00fcberwacht wurde.\u00a0Diese\u00a0Ma\u00dfnahmen\u00a0gen\u00fcgten, um die Bev\u00f6lkerung, insbesondere \u00e4ltere Menschen und Menschen mit chronischen Gesundheitsproblemen, zu sch\u00fctzen. Ein\u00a0gro\u00dfes\u00a0Beispiel daf\u00fcr, wie Technologie in den Dienst der Planung gestellt werden kann, was aber\u00a0zugleich\u00a0eine beispiellose St\u00e4rkung des Staates und der polizeilichen Ma\u00dfnahmen mit sich bringt.<\/p>\n<p>Im \u201cfortschrittlichen\u201d Europa, dem Europa von Merkel und Macron, von Conte und S\u00e1nchez, wurde die Verbreitung des Virus in den ersten Wochen jedoch mit krimineller Gleichg\u00fcltigkeit beobachtet. Anstatt alle Karten auf den Tisch zu legen, tendierten die Beh\u00f6rden der f\u00fchrenden europ\u00e4ischen Wirtschaft dazu, beruhigende Botschaften zu senden, indem sie \u2013 nicht ohne eine Last rassistischer Vorurteile \u2013 darauf hinwiesen, dass das Gesundheitssystem in Deutschland anders sei, dass dies hier nicht passieren k\u00f6nne, usw. Ende Februar bezeichnete das Robert-Koch-Institut, eine zentrale Einrichtung der Bundesregierung im Bereich der Krankheits\u00fcberwachung und \u2011pr\u00e4vention, die von Covid-19 ausgehende Gefahr als \u201cmoderat\u201d. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn seinerseits versuchte bei \u201eMaybrit Illner\u201c zu beruhigen: \u201eWir haben mit der Ehec-Infektion schon einmal erfolgreich einen Stresstest bestritten.\u201c<\/p>\n<p>Erst am 11. M\u00e4rz sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel von der wachsenden Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Menschen. EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen gab am 18. M\u00e4rz zu, dass sie, die b\u00fcrgerlichen Politiker*innen und ihre Sprecher*innen, Covid-19 untersch\u00e4tzt h\u00e4tten: \u201eIch glaube, wir alle, die wir nicht die Experten sind, haben am Anfang das Coronavirus untersch\u00e4tzt.\u201c<\/p>\n<p>Eine Sache ist es,\u00a0gesundheitliche Barrieren und eine systematische \u00dcberwachung m\u00f6glicher Infektionen auf der Grundlage zuverl\u00e4ssiger \u00fcberpr\u00fcfbarer Daten zu\u00a0etablieren, die jede*r nachpr\u00fcfen kann. Doch es ist eine v\u00f6llig andere, erst zu beschwichtigen und dann die demokratischen Freiheiten und die Versammlungsfreiheit au\u00dfer Kraft zu setzen,\u00a0und nebenbei\u00a0die Repression auf den Stra\u00dfen zu normalisieren. Es gab keinen Plan der Regierung, Vorr\u00e4te an medizinischen und sanit\u00e4ren Produkten bereitzustellen, obwohl \u00c4rzt*innen und Beh\u00f6rden in mehreren asiatischen L\u00e4ndern\u00a0die\u00a0dringende Notwendigkeit der Vorbereitung\u00a0angemahnt\u00a0hatten.<\/p>\n<p>Hinzu kommt die Spar- und Gesundheitspolitik, die seit den 1990er Jahren durch die deutsche Krankenhauslandschaft fegte und in dessen Zuge selbst eine gro\u00dfe Zahl von Universit\u00e4tskliniken privatisiert wurden. Die Kosten werden von Patient*innen und medizinischem Personal getragen, die ihren Arbeitsplatz verlieren oder unter schlechteren Bedingungen arbeiten m\u00fcssen. So ist die Situation der Krankenh\u00e4user in Deutschland katastrophal: Heute werden fast 5.000 Pflegekr\u00e4fte auf der Intensivstation ben\u00f6tigt. Laut Statistik plant jede*r dritte von ihnen,\u00a0den\u00a0Arbeitsplatz in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren aufzugeben. Dies\u00a0\u00fcbersetzt sich in\u00a0einen Mangel an insgesamt mehr als 100.000 Krankenpfleger*innen \u2013\u00a0und wenn die Situation so weitergeht wie bisher, wird sich diese Zahl in den n\u00e4chsten 15 Jahren sch\u00e4tzungsweise verdoppeln. Doch nicht nur Krankenpfleger*innen\u00a0sind knapp. Nach Angaben des Chefs der Kassen\u00e4rztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, \u201cfehlen in Praxen und Krankenh\u00e4usern schon insgesamt 10.000 \u00c4rzte in Deutschland. Das entspricht einem kompletten Studienjahrgang\u201c (Die Zeit, 21.07.2018). Nat\u00fcrlich gibt es auch diejenigen, die von dieser Situation profitieren. In Deutschland sind die Gewinner vier gro\u00dfe Klinikketten: Asklepios, Rh\u00f6n, Helios und Sana, die ihren Marktanteil von 15,5 % (1992) auf 37,1 % (2017) steigern konnten, d.h. er hat sich mehr als verdoppelt.<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/der-chinesische-weg-die-einzige-alternative\/#sdfootnote1sym\"><strong>1<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Unterdessen beginnt die Zahl der verf\u00fcgbaren Schutzausr\u00fcstungen zu sinken. Walter Plassmann, Pr\u00e4sident der Hamburger \u00c4rztekammer, beklagt die eklatanten M\u00e4ngel in der Ausstattung des medizinischen Personals: \u201eWir versuchen seit drei Wochen, Druck aufzubauen, werden aber andauernd vertr\u00f6stet\u201c, sagte er und f\u00fcgte hinzu: \u201cWenn den Hamburger \u00c4rzten die Schutzausr\u00fcstung ausgeht, sind wir verloren\u201c. (Die Zeit, 19.03.2020) Daf\u00fcr erntet Gesundheitsminister Jens Spahn seitens Lieferanten und \u00c4rztevertreter*innen heftige Kritik. Immerhin wurden in Deutschland \u201eim Vergleich zu vielen anderen L\u00e4ndern\u00a0<a href=\"https:\/\/mobil.stern.de\/gesundheit\/covid-19--so-oft-wird-wirklich-auf-das-coronavirus-getestet-9189186.html\"><strong>schon mehr Tests durchgef\u00fchrt<\/strong><\/a>, jedoch weit weniger als beispielsweise S\u00fcdkorea, wo die Pandemie mithilfe massiver Tests einged\u00e4mmt wurde. In Deutschland sind wir noch weit entfernt von Massentests f\u00fcr die gesamte Bev\u00f6lkerung, wie sie selbst die WHO fordert. Stattdessen werden wir darauf vorbereitet \u2013 ohne zu wissen, wo und wie sich das Virus ausbreitet \u2013,\u00a0verallgemeinerte\u00a0Isolierungsma\u00dfnahmen zu ergreifen.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/der-chinesische-weg-die-einzige-alternative\/#sdfootnote2sym\"><strong>2<\/strong><\/a><\/p>\n<p>Die Situation ist zunehmend dramatisch, die Menschen sind in ihren H\u00e4usern eingesperrt, die Polizei patrouilliert auf den Stra\u00dfen, b\u00fcrgerliche Politiker*innen appellieren an die Solidarit\u00e4t der Bev\u00f6lkerung, zwingen uns, in unseren H\u00e4usern zu bleiben, sagen aber nichts dar\u00fcber, dass ein gro\u00dfer Teil der Bev\u00f6lkerung weiterhin gezwungen ist, \u00fcberf\u00fcllte Busse oder U\u2011Bahnen zu nehmen, um zu ihren Arbeitspl\u00e4tzen zu gelangen, und kritisieren \u2014 heuchlerisch \u2014 die Jugend, weil sie den Ernst der Lage nicht verstanden hat, obwohl\u00a0die Regierenden\u00a0die Pflicht hatten, alle notwendigen Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, um die Verbreitung des Virus zu verhindern. Sie sagen nichts \u00fcber die K\u00fcrzungen im Gesundheitswesen, die dazu gef\u00fchrt haben, dass die Krankenh\u00e4user an ihren Grenzen operieren und angesichts der ersten Wellen dieses gro\u00dfen sozialen Tsunamis, zu dem sie uns f\u00fchren, zusammenbrechen. Bereits jetzt mussten mehrere Krankenh\u00e4user den Betrieb einstellen oder radikal runterfahren, weil es bereits zu viele angesteckte Mitarbeiter*innen gibt. Im Saarland ist die Situation besonders schwerwiegend. Dort mussten u.a. aufgrund des Mangels an fl\u00e4chendeckenden Covid-19 Tests bereits drei Krankenh\u00e4user den Betrieb einstellen: das Marienkrankenhaus in St. Wendel, das Diakonie-Krankenhaus in Neunkirchen und dem Evangelischen Stadtkrankenhaus in Saarbr\u00fccken.. In den saarl\u00e4ndischen Krankenh\u00e4usern gibt es au\u00dferdem bereits jetzt einen Engpass bei Schutzmasken.<\/p>\n<p>Die Regierung wollte den Ernst der Lage nicht erkennen oder, falls doch, k\u00fcmmerte es sie nicht, obwohl die chinesischen Expert*innen sie vor der Gef\u00e4hrlichkeit des Virus gewarnt hatten, obwohl die S\u00fcdkoreaner*innen oder Taiwanes*innen\u00a0weniger repressive, aber dennoch wirksame Ma\u00dfnahmen gegen die Verbreitung des Virus ergriffen. Wie Eric Feigl-Ding, ein hochrangiges Mitglied der Federation of American Scientists in Washington, D.C. und Epidemiologe an der Chan School of Public Health in Harvard \u00fcber den Erfolg S\u00fcdkoreas im Kampf gegen das Coronavirus es ausdr\u00fcckte: \u201eEs ist viel besser, eine bestimmte Person zu testen und dann unter Quarant\u00e4ne zu stellen, als eine stadt- oder provinzweite Abriegelung vorzunehmen, die in gewisser Weise verhindert, dass das Virus die Provinz verl\u00e4sst, aber die Wahrscheinlichkeit einer hohen Infektionsrate in der Provinz nicht wirklich geringer macht.\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/der-chinesische-weg-die-einzige-alternative\/#sdfootnote3sym\"><strong>3<\/strong><\/a>\u00a0Eine wahllose Quarant\u00e4ne, wie sie uns auferlegt\u00a0wird, wird immer mehr Lecks haben, die die Ausbreitung des Virus nicht aufhalten werden. Tats\u00e4chlich sind Busse, \u00fcberf\u00fcllte U\u2011Bahnen oder Produktionszentren, wie die Werke\u00a0von Amazon, in denen die minimalen Gesundheitsma\u00dfnahmen nicht eingehalten werden,\u00a0gro\u00dfe Ansteckungsherde. Deshalb sind jetzt massive Tests notwendig, egal was es kostet, einschlie\u00dflich aller Menschen, die irgendwelche Symptome haben, wie gering auch immer. Damit w\u00e4re es m\u00f6glich, die Orte mit Seuchenausbr\u00fcchen und eine Reaktion entsprechend der Gefahr zu lokalisieren.<\/p>\n<p>Eine weitere Strategie, wie sie von den Regierungen Englands oder der Niederlande vorgeschlagen wird, ist die der Herdenimmunit\u00e4t, d.h. die M\u00f6glichkeit, eine gro\u00dfe Anzahl gesunder Menschen zu infizieren, so dass sie als Firewall fungieren und den Erreger daran hindern, diejenigen zu erreichen, die nicht gesch\u00fctzt sind.\u00a0Das\u00a0ist aus zwei Gr\u00fcnden keine brauchbare Alternative:\u00a0Die britische und niederl\u00e4ndische Regierung sind nicht bereit, in Massentests zu investieren, und zweitens wegen der hohen Kosten an Menschenleben, die diese Schockstrategie mit sich bringen w\u00fcrde: Laut Wissenschaftler*innen w\u00e4ren die Auswirkungen f\u00fcr Gro\u00dfbritannien inmens: \u201eWenn die Herdenimmunit\u00e4t auf nat\u00fcrliche Weise auftreten w\u00fcrde, w\u00e4ren sch\u00e4tzungsweise acht (8) Millionen F\u00e4lle schwerwiegend, und die Sterblichkeit w\u00fcrde bei etwa einer Million Menschen liegen. Selbst wenn die \u00e4lteren Menschen aufgrund besonderer Schutzma\u00dfnahmen\u00a0isoliert\u00a0w\u00fcrden, w\u00fcrde die Zahl der Todesf\u00e4lle auf fast 250.000 steigen\u201c<a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/der-chinesische-weg-die-einzige-alternative\/#sdfootnote4sym\"><strong>4<\/strong><\/a>.<\/p>\n<p>Es bleibt also die Frage, wie wir aus dieser Zwickm\u00fchle herauskommen. Die Antwort der Herrschenden ist, dass wir hier nicht herauskommen werden, ohne demokratische und Arbeitsrechte aufzugeben, ohne dass unsere Eltern, Onkel und Gro\u00dfeltern sterben, allein und ohne sie von ihren Angeh\u00f6rigen begraben zu k\u00f6nnen. Das k\u00f6nnen wir nicht zulassen!<\/p>\n<p>Wir brauchen eine ganz andere Antwort: Die Wirtschaft muss neu organisiert werden. Wir k\u00f6nnen nicht zulassen, dass\u00a0die Bosse\u00a0weiterhin\u00a0mit\u00a0Gesundheit, Bildung und Leben\u00a0Profit machen. Es ist notwendig, Antworten auf die Gesundheitsbed\u00fcrfnisse der Bev\u00f6lkerung zu geben, daf\u00fcr m\u00fcssen wir Massentests, f\u00fcr alle Personen, fordern, die bereits Atemwegssymptome aufweist. Es ist notwendig, Entlassungen zu verbieten und den notwendigen Schutz f\u00fcr Arbeitspl\u00e4tze wie bei Amazon, in Superm\u00e4rkten und vielen anderen zu gew\u00e4hrleisten. Es ist notwendig, denjenigen, die auf der Stra\u00dfe leben und keinen Zugang zu einer grundlegenden Hygiene haben, Wohnraum und Gesundheitsversorgung zu bieten.<\/p>\n<p>Transparenz in der Kommunikation, detaillierte Erkl\u00e4rungen zu den Infektionsquellen, der Menge der verf\u00fcgbaren Mittel und den Ma\u00dfnahmen, die ergriffen werden, um den Mangel an diesen zu beheben, denn die andauernde Unsicherheit wird die heimische Quar\u00e4ntene zum Scheitern bringen.<\/p>\n<p>Dies kann nat\u00fcrlich nicht von denen geleistet, die den gesetzlichen Rahmen geschaffen und die \u00f6ffentliche Gesundheit unterfinanziert haben, damit private Gesundheitskonsortien mit unserem Leben Gesch\u00e4fte machen k\u00f6nnen. Die Einheitsmeinung, die die Beschneidung der demokratischen und individuellen Freiheiten rechtfertigt, die Repression rechtfertigt, ist gef\u00e4hrlich. Sie bringt uns dem Abgrund n\u00e4her,\u00a0sie\u00a0naturalisiert den Totalitarismus,\u00a0den\u00a0Gedanken, dass es keine Alternative zu den Vorschl\u00e4gen der Herrschenden gibt.<\/p>\n<p>Dazu ist es notwendig, dass die Besch\u00e4ftigten im Gesundheitswesen, in der Produktion und im Vertrieb, von ihren Arbeitspl\u00e4tzen aus, zusammen mit der Gemeinschaft den Kampf gegen das Virus und die kriminelle Politik des Sozialabbaus organisieren, die uns in diese Situation der Wehrlosigkeit gef\u00fchrt haben. Dies erfordert, dass sich die Besch\u00e4ftigten \u00fcber die nationalen Grenzen hinaus organisieren. Es ist nicht m\u00f6glich, diese Epidemie in Deutschland wirksam zu bek\u00e4mpfen, solange Ihre Nachbar*innen sich weiterhin infizieren.<\/p>\n<p>Kurz gesagt, nur durch die Beendigung dieses Systems und den Aufbau der sozialistischen Gesellschaft kann die Menschheit gerettet werden und ein Leben frei von jeglicher Ausbeutung, Unterdr\u00fcckung und Gewalt f\u00fchren.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/der-chinesische-weg-die-einzige-alternative\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 23. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Coronavirus, deutsche Gesundheitsvorsorge und Repression. 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