{"id":7409,"date":"2020-03-23T18:00:22","date_gmt":"2020-03-23T16:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7409"},"modified":"2020-03-23T18:00:58","modified_gmt":"2020-03-23T16:00:58","slug":"die-neue-weltwirtschaftskrise-und-die-covid-19-pandemie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7409","title":{"rendered":"Die neue Weltwirtschaftskrise und die Covid-19 Pandemie"},"content":{"rendered":"<p><em>Winfried Wolf. <\/em>Die Ausweitung des Corona-Virus hat zur fl\u00e4chendeckenden Beseitigung von Grundrechten und Bewegungsfreiheit gef\u00fchrt. Vieles spricht daf\u00fcr, dass dies in der gegebenen Situation angebracht, unvermeidlich, ist. Wobei es auch<!--more--> Mitte M\u00e4rz noch ernst zu nehmende Stimmen \u2013 so vom Welt\u00e4rztebund-Pr\u00e4sidenten Frank Ulrich Montgomery \u2013 gibt, die dies in Frage stellen. Unbestreitbar ist, dass die Zuspitzung der Corona-Pandemie dazu gef\u00fchrt hat, dass das Versagen der Beh\u00f6rden nicht thematisiert wird. Dass der aktive Beitrag, den die Bundesregierung und ausdr\u00fccklich auch CDU-Gesundheitsminister Jens Spahn und der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach beim Kaputtsanieren der Krankenh\u00e4user geleistet haben, kein Thema in der \u00f6ffentlichen Debatte ist. Nicht zuletzt dienen die Corona-Epidemie und die panischen und widerspr\u00fcchlichen Ma\u00dfnahmen zu deren Eind\u00e4mmung dazu, die im Hintergrund ablaufenden massiven weltwirtschaftlichen Verwerfungen \u2013 und die Gefahr einer neuen Weltwirtschaftskrise \u2013 als das von einem Virus ausgel\u00f6ste Resultat zu pr\u00e4sentieren. Was grundfalsch ist.<\/p>\n<p>Einiges spricht daf\u00fcr, dass das Elend und die Zahl der Get\u00f6teten, die mit der Wirtschaftskrise geschaffen werden, nochmals deutlich das \u00fcbersteigt, was vom Corona-Virus erzeugt werden kann.<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Es ist soweit. Nein \u2013 nicht die Corona-Krise ist gemeint. Zun\u00e4chst zumindest nicht. Es ist vielmehr seit einem Vierteljahr \u2013 seit Ende 2019 \u2013 soweit: Wir stehen inmitten einer neuen weltweiten Krise. Die vorausgegangene hatte, so hei\u00dft es, ihren \u201eSchwarzen Schwan\u201c in Gestalt der Pleite des Finanzinstituts Lehman Brothers am 15. September 2008. Die gegenw\u00e4rtige hat, so hei\u00dft es, ihren \u201eSchwarzen Schwan\u201c in Gestalt des neuen Corona-Virus (Covid-19), \u00fcber dessen Existenz zum ersten Mal am 7. Januar 2020 informiert wurde.<\/p>\n<p>Doch in&nbsp;<em>beiden<\/em>&nbsp;F\u00e4llen schwammen diese \u201eSchwarzen Schw\u00e4ne\u201c deutlich dem Ereignis Krise hinterher. Die letzte Weltwirtschaftskrise hatte im Sommer 2007 mit dem Platzen der Subprime-Kredite in den USA und dem Zusammenbruch der deutschen IKB-Bank am 29. Juli 2007 begonnen. Die aktuelle Krise begann 2019 in der Weltautoindustrie und in China. Die deutsche Industrie war im gesamten Jahr 2019 gegen\u00fcber dem Vorjahr um vier Prozent abgeschmiert. Und auch der industrielle Sektor der Weltwirtschaft hatte sich im Dezember 2019 der Null-Linie angen\u00e4hert. Damit war die Krise Anfang 2020 bereits da. Und sie war vorhergesagt und damals bereits analysiert worden.[1] Die \u201eSchwarzen Schw\u00e4ne\u201c dienen nur im Nachhinein der falschen Etikettierung der jeweiligen Krise als \u201eLehman-Krise\u201c und als \u201eCorona-Krise\u201c.<\/p>\n<p><strong><em>Krise Anfang 2020<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u201eWirtschaft steht unter Corona-Schock\u201c, so lautete bereits am 28. Februar die \u00dcberschrift \u00fcber einem halbseitigen Artikel in der&nbsp;<em>Frankfurter Allgemeinen Zeitung<\/em>. Am 1. M\u00e4rz hatte&nbsp;<em>Bild<\/em>&nbsp;die Schlagzeile: \u201eWirtschaft schon jetzt in der Corona-Krise\u201c. Am 12. M\u00e4rz ver\u00f6ffentlichte das Kieler Institut f\u00fcr Weltwirtschaft eine Analyse, wonach die Weltwirtschaft und die deutsche Wirtschaft 2020 \u201eeinen harten Konjunktureinbruch\u201c erleben w\u00fcrden. Nat\u00fcrlich als \u201eErgebnis des Corona-Schocks\u201c.<\/p>\n<p>Doch sehen wir uns zwei Grunddaten der \u00d6konomie mit verl\u00e4sslichen Zahlen bis Ende 2019 an. Erstens diejenigen der industriellen Produktion auf Weltebene und in Deutschland. Zweitens diejenigen der Weltautoproduktion, untersetzt mit der Fertigung in den vier gr\u00f6\u00dften Autoproduktionsl\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Die&nbsp;<em>Industrieproduktion<\/em>&nbsp;stellt den Kern der kapitalistischen Wirtschaft dar. Sie entspricht am ehesten dem produktiven Sektor. Unter anderem sind hier der Dienstleistungssektor und die Finanzwirtschaft \u2013 Sektoren, die die Gesamtentwicklung teilweise relativieren teilweise akzentuieren \u2013 nicht enthalten. Die US-Bank JP Morgan ver\u00f6ffentlicht regelm\u00e4\u00dfig einen Indikator mit der Bezeichnung Global Manufacturing PMI. Dazu schrieb das Finanzinstitut, der entsprechende Index sei im Dezember gegen\u00fcber dem Vormonat nochmals gefallen und zwar auf eine Linie, die \u201edie Wasserscheide zwischen Expansion und Kontraktion\u201c darstellen w\u00fcrde.[2]<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/OIP.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7410\" width=\"560\" height=\"346\"\/><\/figure>\n<p>F\u00fcr die deutsche Industrie liegen bis einschlie\u00dflich Dezember 2019 die Zahlen des Statistischen Bundesamts f\u00fcr die Zeit&nbsp;<em>vor<\/em>&nbsp;dem Ausbruch des Corona-Virus vor. Sie sind in Tabelle 1 f\u00fcr den gesamten Zeitraum seit der vorausgegangenen Krise zusammengefasst.<\/p>\n<p><em>Tabelle 1: Industrielle Produktion in Deutschland 2008-2019 (verarbeitendes Gewerbe einschl. Bergbau); Index 2015 = 100; Wachstum gegen\u00fcber dem Vorjahr in Prozent<\/em><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"64\">\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>08<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>09<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>10<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>11<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>12<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>13<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>14<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>15<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>16<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>17<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>18<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"48\">\n<p><strong>19<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"66\">\n<p><strong>Industrielle&nbsp;Produktion<\/strong>&nbsp;<strong>2015=100<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>98,3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>81,3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>90,9<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>98,4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>97,3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>97,1<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>99<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>100<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>101,4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>104,4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>105,5<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"48\">\n<p>100,4<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"66\">\n<p><strong>Wachstum&nbsp;In %<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>0,8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>-17,3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>11,8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>8,3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>-1,2<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>-0,2<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>1,9<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>1,0<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>1,4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>3,0<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>1,0<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"48\">\n<p>-4,8<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Deutlich ist der massive Einbruch, den es 2008\/2009 gab. Ab 2010 bewegt sich das deutsche verarbeitende Gewerbe im Plus. Die Wachstumsraten nach der 2008\/09er Krise waren \u2013 au\u00dfer derjenigen 2011 \u2013 niedrig. 2012 gab es sogar einen leichten Einbruch. 2018 war ein H\u00f6hepunkt erreicht. Der R\u00fcckgang im gesamten Jahr 2019 mit knapp 5 Prozent ist erheblich.<\/p>\n<p>Tabelle 2 dokumentiert die Autoproduktion im gleichen Zeitraum \u2013 und zwar auf Weltebene (unterste Zeile) und die Pkw-Fertigungen in China, in den USA, in Japan und in Deutschland. Auf Weltebene und bei der Autoherstellung in China und in Deutschland gibt es seit 2018 einen absoluten R\u00fcckgang. In den USA trifft dies auf 2019 zu.<\/p>\n<p>Da die Autoindustrie weltweit die Funktion einer Leitbranche hat und da sie in den hier aufgef\u00fchrten L\u00e4ndern den jeweils wichtigsten Industriezweig darstellt, bestimmt dieser R\u00fcckgang auch in erheblichem Ma\u00df die jeweilige gesamte Industrie.<\/p>\n<p><em>Tabelle 2: Pkw-Produktion weltweit und in China, USA, Japan und Deutschland 2008-2019 (Angaben in Millionen Einheiten)&nbsp;[3]<\/em><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"64\">\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>2007<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>08<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>09<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>2010<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>11<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>12<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>13<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>14<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>2015<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>16<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>17<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>18<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"48\">\n<p><strong>2019<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>China<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>6,4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>6,7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>10,4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>13,9<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>14,5<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>15,5<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>18,0<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>19,9<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>21,1<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>24,4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>24,8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>23,5<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"48\">\n<p>21,4<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>USA<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>10,8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>8,7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>7,7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>8,7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>10,3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>11,1<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>11,7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>12,1<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>12,2<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>11,2<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>11,3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"48\">\n<p>10,9<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>Japan<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>9,9<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>9,2<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>6,8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>8,3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>7,2<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>8,6<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>8,2<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>8,3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>7,8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>7,9<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>8,4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>8,4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"48\">\n<p>8,2<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>BRD<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,5<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,0<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,5<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,9<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,6<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,6<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>5,1<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"48\">\n<p>4,7<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"64\">\n<p><strong>Welt<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>53,2<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>52,8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>47,8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>58,2<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>59,9<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>63,0<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>65,7<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>67,8<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>68,5<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>72,1<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>73,4<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"64\">\n<p>70,5<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"48\">\n<p>67,0<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Es ergibt sich ein vergleichbares Bild wie im Fall der Industrieproduktion: Es gab den massiven Einbruch 2009. Danach ein fast ungest\u00fcmes Wachstum bis 2016. 2017 wurde bereits der H\u00f6hepunkt erreicht. Seither gab es zwei Jahre mit einem absoluten R\u00fcckgang der Weltautofertigung, wobei bereits 2018 der Fahrzeugbau in Deutschland und dann 2019 die Autoindustrie in Deutschland und in der VR China eine wichtige Rolle spielten.<\/p>\n<p>Die Entwicklung in der aktuellen Weltwirtschaftskrise wird sich aber von der in den Jahren 2007 bis 2009 unterscheiden. Damals brach die Autofertigung in Japan, in den USA und in Deutschland addiert um 8,9 Millionen Einheiten ein. Im gleichen Zeitraum konnte jedoch die Autoproduktion in der VR China um 4 Millionen Einheiten gesteigert \u2013 ja bis 2010 sogar verdoppelt \u2013 werden. Dadurch wurde die Delle, die in den klassischen Autoherstellerl\u00e4ndern entstand, nochmals massiv gemildert.<\/p>\n<p>2020 wird dies nicht mehr der Fall sein. Hier d\u00fcrfte es zu einem sich selbst verst\u00e4rkenden Effekt kommen: Alle Autoherstellerl\u00e4nder werden eine massive Branchenkrise erleben. Und diese Branchenkrise d\u00fcrfte erneut einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dass es eine umfassende und weltweite Krise gibt.<\/p>\n<p><strong><em>Der Zyklus, der alte Schlawiner[4]<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Wir haben also \u2013 ohne jeden Einfluss von Corona &amp; Co. \u2013 sp\u00e4testens seit Anfang 2020 die Situation eines zu Ende gehenden Konjunkturzyklus, einer Stagnation der Weltindustrieproduktion und des industriellen Sektors in der Eurozone, eines R\u00fcckgangs der Industrie im wichtigen Industrieland Deutschland (und schon l\u00e4ngst in Italien) und eines Einbruchs bei der f\u00fchrenden Industrie, im weltweiten Fahrzeugbau.<\/p>\n<p>Damit verblasst auch das \u201eBesondere\u201c, das f\u00fcr den vergangenen Zyklus immer wieder behauptet wurde. Jahrelang hie\u00df es, wir erlebten einen \u201ehistorisch einmalig langen Konjunkturaufschwung\u201c. Zyklus? Den g\u00e4be es \u2013 so eine Reihe von Feststellungen \u2013 so nicht mehr. Was irgendwie durch Nullzinspolitik und Helikoptergeld m\u00f6glich geworden sei.<\/p>\n<p>Alles falsch. Die neue Krise begann im Herbst 2019 \u2013 nach einem neun Jahren w\u00e4hrenden schwachen Wirtschaftswachstum. Die L\u00e4nge des Zyklus 2009-2019 ist weitgehend identisch mit der L\u00e4nge der Zyklen 1982-1990 und 1990-2000. Unsere Grundaussage, wonach die kapitalistische Weltwirtschaft sp\u00e4testens seit 1974\/75 ihren typisch zyklischen Verlauf nimmt, wonach es diese zyklische Bewegungsform seit Anfang des 19. Jahrhunderts \u2013 also nunmehr seit mehr als zweihundert Jahren \u2013 gibt und wonach es lediglich Kriege und gro\u00dfe Krisen waren, die diesen zyklischen Verlauf ab\u00e4nderten, best\u00e4tigt sich ein weiteres Mal.<\/p>\n<p>Dennoch gibt es immer aufs Neue ein Verwirrspiel bei der Bezeichnung der Krise \u2013 und auf diesem Weg eine Infragestellung der Zyklizit\u00e4t. So auch in der neuen Krise, bei der nur noch von einer Corona-Krise die Rede ist. Doch Vergleichbares gab es allzu oft \u2013 beispielsweise 1974\/75. Damals erlebten wir die erste gro\u00dfe Weltrezession seit der Weltwirtschaftskrise 1929-33. Da nicht sein durfte, was tats\u00e4chlich stattfand, da eine Wiederkehr ordin\u00e4rer kapitalistischer Krisen von den seit 1948 vorherrschenden Wirtschaftswissenschaften geleugnet wurde, war bald der B\u00f6sewicht identifiziert: Es waren der \u00d6lpreis respektive die \u201eScheichs\u201c, die die Welt ins Chaos gest\u00fcrzt und die Arbeitslosenzahl allein in Westdeutschland von 250.000 im Jahresdurchschnitt 1973 auf mehr als eine Million 1975 hatte hochschnellen lassen. Tats\u00e4chlich hatte das OPEC-Kartell als Reaktion auf den Nahostkrieg die \u00d6llieferungen an den Westen drastisch verknappt; der \u00d6lpreis hatte sich verdreifacht. Doch bereits damals handelte es sich beim \u00d6lpreis ebenso wie heute beim Corona-Virus in erster Linie um den&nbsp;<em>Trigger-Effekt&nbsp;<\/em>im ansonsten ordin\u00e4ren Wirtschaftsgeschehen. F\u00fcr das Publikum aber war der Begriff \u201e\u00d6lkrise\u201c ideal. Sp\u00e4ter bem\u00fchten sich Wirtschaftswissenschaft und Medien bei buchst\u00e4blich jeder Krise, f\u00fcr diese eine jeweils spezifische Erkl\u00e4rung zu drechseln. Da gab es eine \u201eAsien-Krise\u201c, eine \u201eRubel-Krise\u201c, eine \u201eTequila-Krise\u201c, eine \u201eIT-Krise\u201c und eine \u201eSubprime-\u201c oder auch \u201eLehman-Krise\u201c.<\/p>\n<p><strong><em>Epidemien und Krise<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Nun also eine Krise, bei der eine Epidemie die Ursache sein soll. Eine Kombination, die es in der kapitalistischen Wirtschaftsgeschichte so noch nie gab.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich kam es in den letzten einhundert Jahren zu einem Dutzend Epidemien und einigen Pandemien, die jedoch alle keine gr\u00f6\u00dferen R\u00fcckwirkungen auf die \u00d6konomie hatten. Die \u201eSpanische Grippe\u201c 1918\/19 mit mehr als 25 Millionen Toten und die \u201eAsiatische Grippe\u201c 1957\/58 mit bis zu zwei Millionen Toten richteten Verheerungen bei den Menschen an \u2013 hatten jedoch keine vergleichbaren Konsequenzen f\u00fcr die Weltwirtschaft. Tabelle 3 liefert einen \u00dcberblick.<\/p>\n<p><em>Tabelle 3: Einige (entsprechend der jeweils relativ hohen Zahl an Todesf\u00e4llen ausgew\u00e4hlte) Epidemien im Abgleich mit dem Wirtschaftswachstum 1918 bis 2020[5]<\/em><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"77\">\n<\/td>\n<td width=\"81\">\n<p><strong>1918-20<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"78\">\n<p><strong>1957\/58<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"77\">\n<p><strong>1968-70<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"72\">\n<p><strong>1977\/78<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p><strong>1995\/96<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p><strong>2004\/05<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p><strong>2009\/10<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"96\">\n<p><strong>2019\/20<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"77\">\n<p><strong>Epidemie<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"81\">\n<p>Spanische Grippe<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"78\">\n<p>Asiatische Grippe<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"78\">\n<p>Hongkong Grippe<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"74\">\n<p>Russische Grippe<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p>Weltweite Grippe<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p>Weltweite Grippe<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p>Schweine-grippe<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"106\">\n<p>Corona\/ Covid-19<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"79\">\n<p><strong>Folgen:<\/strong>&nbsp;<strong>Erkrankungen&nbsp;(Infizierte) und Todesf\u00e4lle<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"83\">\n<p>50 Mio Todesf\u00e4lle weltweit \u2013 davon 600.000 in Deutschland<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"78\">\n<p>1-2 Mio Todesf\u00e4lle Weltweit \u2013 davon 30.000 in BRD<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"79\">\n<p>1 Mio Todesf\u00e4lle weltweit \/ davon in BRD:30.000<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"74\">\n<p>700.000 Todesf\u00e4lle weltweit<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"78\">\n<p>BRD: 8,5 Mio Erkrankte und 30.000 Todesf\u00e4lle<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"78\">\n<p>BRD: 6 Mio Erkrankte und 20.000 Todesf\u00e4lle<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"83\">\n<p>Weltweit 440.000 Infizierte und 15.174 Todesf\u00e4lle (bis 31.1.10)<\/p>\n<p>BRD: 226.000 Infizierte und 250 Todesf\u00e4lle<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"106\">\n<p>Bis 20. M\u00e4rz 2020: Weltweit: 244.602 Infizierte; 10.031 Todesf\u00e4lle BRD bis zum 20.3.: 15.320 Infizierte \u2013 43 Todesf\u00e4lle [Angaben nach Johns Hopkins University]<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"79\">\n<p><strong>Entwicklung der<\/strong>&nbsp;<strong>Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<\/td>\n<td width=\"81\">\n<p>1918: letztes Kriegsjahr 1919 + 20: deutliches Wachstum<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"78\">\n<p>BRD*: 57:5,4% 58:2,9% 59:7,3%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"77\">\n<p>BRD*: 68: 11,8% 69:13,0% 70: 6,1%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"72\">\n<p>BRD*: 77:1,1% 78: 2,4% 79: 4,9%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p>BRD*: 95:3,2% 96:0,2% 97: 3,6%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"76\">\n<p>BRD*: 04:3,8% 05:2,4% 06:5,5%<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"82\">\n<p>BRD*: 2009:-17,3 2010: 11,8 2011: 8,3<\/p>\n<\/td>\n<td width=\"96\">\n<p>BRD*: 2019:-4,8% 2020: -9-10 % (Prognose) 2021: ?<\/p>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><em>* Angaben jeweils f\u00fcr das Wachstum der (west-) deutschen Industrieproduktion gegen\u00fcber dem Vorjahr<\/em><\/p>\n<p>Die vorausgegangenen Epidemien bzw. Pandemien \u2013 die Schweinegrippe 2009\/10 wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als&nbsp;<em>Pandemie<\/em>&nbsp;eingestuft \u2013 waren trotz der sehr hohen Zahl an Todesf\u00e4llen und trotz einer vergleichbar schnellen und weltweiten Verbreitung \u2013 auch nicht ann\u00e4hernd mit derart drastischen Ma\u00dfnahmen begleitet wie wir sie aktuell im Fall der Corona-Epidemie erleben.<\/p>\n<p><strong><em>Unterschiedliche Reaktionen auf Epidemien \u2013 was sind die Gr\u00fcnde?<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Fragt man nach den Gr\u00fcnden f\u00fcr die Vehemenz, mit der aktuell auf die Corona-Epidemie reagiert wird, dann erh\u00e4lt man die Antwort: Das Virus breite sich wesentlich schneller aus als die Erreger der vorausgegangenen Epidemien. In einigen Regionen verdoppelt sich die Zahl der Infizierten alle sechs bis sieben Tage, in Deutschland am 20. M\u00e4rz alle 2,5 Tage. Die aktuellen Versuche laufen darauf hinaus, die Ausbreitung zu strecken. Dabei verl\u00e4uft die Erkrankung in rund f\u00fcnf Prozent der F\u00e4lle so heftig, dass die Betroffenen ins Krankenhaus m\u00fcssen. Dabei muss mehr als ein Drittel aller Corona-Krankenhauspatienten muss beatmet werden. Die Krankenh\u00e4user, die Betten in den Kliniken und dann insbesondere die Intensivbetten mit Beatmungsger\u00e4ten \u2013 das ist der Flaschenhals, der die Pandemie zu einer ernsten Gefahr hat heranreifen lassen.<\/p>\n<p>Das Corona-Virus kam zuerst nach Deutschland, weil der Autozulieferer Webasto Ende Januar 2020 eine Schulung mit einigen Dutzend Besch\u00e4ftigten durchf\u00fchrte, zu der eine Chinesin \u2013 mehr als drei Wochen&nbsp;<em>nach<\/em>&nbsp;dem Ausbruch der Epidemie in China \u2013 eingeflogen wurde. Mehr als ein Dutzend Besch\u00e4ftigte infizierten sich. Wurde der Ort, an dem die Schulung stattfand und die Infizierten lebten, Gauting, isoliert? Wurden Schulen geschlossen? Nichts von alledem. Seither gab es zwei Monate lang ein widerspr\u00fcchliches Nebeneinander von grober Fahrl\u00e4ssigkeit (Fu\u00dfballspiele mit Zehntausenden Zuschauern fanden bis Mitte M\u00e4rz statt) und unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigen Ma\u00dfnahmen (am 1., 4. und 6. M\u00e4rz wurden drei ICE- Z\u00fcge wegen eines einzelnen Corona-VERDACHTSFALLS gestoppt und teilweise evakuiert \u2013 es handelte sich jeweils um einen Fehlalarm). Als ein H\u00f6hepunkt der krass widerspr\u00fcchlichen amtlichen Verhaltensweise muss empfunden werden, dass am 15. M\u00e4rz in Bayern und in Frankreich Kommunalwahlen durchgef\u00fchrt wurden, ein Akt, bei dem addiert mehr als 40 Millionen Menschen sich \u2013 dazu aufgerufen von staatlichen Beh\u00f6rden! \u2013 in Tausenden Wahllokalen, frequentiert immer von Dutzenden zusammengew\u00fcrfelten Personen \u2013 zeitweilig versammelten. Die Sicherheitsma\u00dfnahmen bestanden darin, dass dazu aufgefordert wurde, ein jeder m\u00f6ge \u201eseinen eigenen Stift\u201c mitbringen. Tags darauf \u2013 tats\u00e4chlich am 16. M\u00e4rz \u2013 wurde dann in Bayern der \u201eKatastrophenalarm\u201c ausgerufen. Fast zeitgleich beschlossen die Beh\u00f6rden in Frankreich noch drastischere Einschr\u00e4nkungen der Bewegungsfreiheit. Und wie ist zu erkl\u00e4ren, dass der Senat von Berlin am 17. M\u00e4rz kundtat, man werde JETZT ein Notfallkrankenhaus f\u00fcr Corona-F\u00e4lle mit mehr als 1000 Betten auf dem Berliner Messegel\u00e4nde \u2013 \u201ein Kooperation mit der Bundeswehr\u201c \u2013 errichten \u2013 zehn Wochen&nbsp;<em>nach<\/em>&nbsp;Ausbruch der Epidemie in Wuhan, neun Wochen, nachdem dort eine solche Spezialklinik errichtet worden war?<\/p>\n<p>Die drastischen Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung des Corona-Virus sind auch Folge einer Politik, die soziale Verantwortung an private Investoren verkauft hat und die zu keiner rechtzeitigen konsequenten Politik der Eind\u00e4mmung der Epidemie in der Lage war.<\/p>\n<p><strong><em>Nicht thematisiert und ABGELENKT wird vom Krankschrumpfen des Krankenhauswesens<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Corona-Epidemie st\u00f6\u00dft weltweit \u2013 und dabei auch in erheblichem Ma\u00df in Deutschland, wohl auch exponiert in Italien \u2013 auf einen ausgepowerten und kaputtgesparten Gesundheitssektor. Die hektischen Ma\u00dfnahmen zur Eind\u00e4mmung der Epidemie sind geeignet, \u00fcber diese Tatsache hinwegzut\u00e4uschen. Das scheint durchaus auch auf China zuzutreffen, wo die medizinische Versorgung in den letzten zwei Jahrzehnten mit der sprunghaften wirtschaftlichen e Entwicklung nicht Schritt gehalten zu haben scheint. So haben laut offizieller nationaler Sch\u00e4tzung nur 22 Prozent der Wanderarbeitskr\u00e4fte eine grundlegende Krankenversicherung.[6] In der EU kam es in den vergangenen 15 Jahren zu massiven Prozessen der Privatisierung und Kommerzialisierung in der Gesundheitsversorgung und im Krankenhauswesen. Das Personal wurde fl\u00e4chendeckend um meist mehr als 30 Prozent abgebaut. In Deutschland wurde seit 1992 die Zahl der Krankenhausbetten um gut 30 Prozent reduziert. Es kam buchst\u00e4blich zu einem Krankenhaus-Sterben (siehe dazu weiter unten). Parallel erfolgte eine umfassende Kommerzialisierung des Krankenhauswesens, bei dem die Fallpauschalen-Orientierung im Zentrum steht. Laut Angaben der Gewerkschaft Verdi fehlen aktuell in Deutschland 162.000 Besch\u00e4ftigte, um eine zufriedenstellende Versorgung der Patienten zu erm\u00f6glichen. 63.000 Fachkr\u00e4fte m\u00fcssten zus\u00e4tzlich im Bereich der station\u00e4ren Altenpflege eingestellt werden. Und wir reden hier von normalen Zeiten, noch nicht von Zeiten der Epidemie.[7] Die Ausbildungsstandards wurden aufgeweicht. Die Arbeitsintensit\u00e4t des Krankenhauspersonals nahm enorm zu \u2013 bei parallelem Abbau der Realeneinkommen. Massenhaft werden \u00c4rztinnen und \u00c4rzte und Krankenhauspersonal aus Drittl\u00e4ndern abgeworben und nach Deutschland gebracht. Warum? Weil sie dort nicht gebraucht werden? Nein! Im Gegenteil! Wehe die Corona-Epidemie bricht in massivem Umfang dort \u2013 in Griechenland, in Kroatien, in Serbien, in Bosnien-Herzegowina, auf den Philippinen \u2013 aus, wo Tausende unserer \u00c4rztinnen, \u00c4rzte und Pflegekr\u00e4fte herkommen! Sie wurden abgeworben, weil sich unsere Gesellschaft auf diese Weise die Ausbildungskosten spart und weil die Arbeitskraft dieser Menschen so gut wie immer deutlich weniger kostet als die einheimischer Lohnabh\u00e4ngiger, weil sie also in diesem Umfang die Profite der privaten Krankenhausmaschinerie steigert.<\/p>\n<p>Der Flaschenhals in den Krankenh\u00e4usern selbst sind die mit ausgebildetem Pflegepersonal und \u00c4rzten besetzten Intensivbetten. Dazu kommen auf der technischen Seite Beatmungsger\u00e4te, die zu knapp sind. Die Kliniken in Deutschland verf\u00fcgen \u00fcber rund 28.000 Intensivbetten, wobei gleichzeitig 4.700 Intensivpflegekr\u00e4fte fehlen. Tats\u00e4chlich d\u00fcrften nur rund 27.000 der Betten ad hoc bereitstehen. Diese sind allerdings im Durchschnitt bereits zu 80 Prozent ausgelastet. Damit sind tats\u00e4chlich etwa 5.400 Betten frei.<\/p>\n<p>All das ist seit einem Vierteljahr bekannt \u2013 ohne dass es irgendwelche relevanten Aktivit\u00e4ten gegeben h\u00e4tte, die Bettenzahl aufzustocken, zus\u00e4tzliches Pflegepersonal auszubilden und einzustellen und in den Ruhestand getretene \u00c4rztinnen und \u00c4rzte zu reaktivieren. Die Filmemacherin Leslie Franke und der Filmemacher Herdolor Lorenz fassten in einem Rundschreiben am 17. M\u00e4rz 2020 unter Bezugnahme auf ihren Film zur dramatischen Lage in den Kliniken die Situation wie folgt zusammen:<\/p>\n<p>\u201eWir haben in dem Film \u201e<a href=\"http:\/\/der-marktgerechte-patient.org\/index.php\/de\/\">Der marktgerechte Patient<\/a>\u201c gezeigt, dass schon im normalen Tagesgesch\u00e4ft die Intensivstationen aus pflegerischer Sicht Tag f\u00fcr Tag bereits \u00fcberfordert sind. Keine einzige im Film untersuchte Intensivstation konnte mehr als 60 Prozent ihrer Intensivbett-Kapazit\u00e4ten betreuen auf Grund des Pflegemangels. Schuld daran ist eindeutig die Profit orientierte Finanzierung durch Fallpauschalen. Pflegekr\u00e4fte sind dadurch vor allem l\u00e4stige Kosten. Seit Einf\u00fchrung der sog. DRGs [Diagnosis Related Groups \u2013 Fallpauschalen; W.W] wurden 50.000 Pflegekr\u00e4fte abgebaut!.\u201c[8]<\/p>\n<p>Doch all das ist aktuell kein Thema. Mehr noch: Der Mit-Verantwortliche f\u00fcr dieses Desaster, Gesundheitsminister Jens Spahn, geb\u00e4rdet sich aktuell als Corona-Krisen-Zampano. Dabei trug der Mann seit \u00dcbernahme des Amtes im M\u00e4rz 2018 wesentlich zur fortgesetzten Aush\u00f6hlung des Gesundheitswesens bei. Noch im Juli 2019 legte die Bertelsmann-Stiftung eine Studie vor, wonach \u201ejede zweite Klinik in Deutschland\u201c schlie\u00dfen sollte. Widersprach dem der Gesundheitsminister? Etwa mit Verweis auf Notzeiten und Epidemien? Mitnichten! Der Mann erkl\u00e4rte: \u201eNicht jedes Krankenhaus muss alles machen.\u201c Erforderlich sei ein \u201eMix\u201c aus Abbau von Klinken und Konzentration auf \u201edas Notwendige\u201c.[9]<\/p>\n<p><strong><em>Notstands\u00fcbung anstelle der Beseitigung von Notstand<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die staatlichen Instanzen haben wochenlang praktisch nicht gehandelt. Dabei zeichneten sie bereits Mitte Februar das Bild einer kommenden Epidemie und Pandemie \u2013 bei Beibehaltung der beschriebenen widerspr\u00fcchlichen Praktiken. Dieses Nicht-Handeln hat erst zur aktuellen dramatischen Situation gef\u00fchrt \u2013 und dazu, dass nunmehr Notstandma\u00dfnahmen so gut wie unausweichlich wurden. Fast schlagartig werden jetzt eine ganze Reihe von Grundrechten und elementare Formen des sozialen Zusammenlebens au\u00dfer Kraft gesetzt \u2013 Grundrechte f\u00fcr die Masse der Bev\u00f6lkerung, wohlgemerkt, keineswegs f\u00fcr die M\u00e4chtigen in Wirtschaft und Staat und f\u00fcr diejenigen, die f\u00fcr das Desaster eines ausgehungerten Gesundheitssektors verantwortlich zeichnen. Ren\u00e9 Schlott schrieb dazu in der&nbsp;<em>S\u00fcddeutschen Zeitung<\/em>&nbsp;vom 17. M\u00e4rz 2020 wie folgt: \u201eAristoteles definierte den Menschen als \u201czoon politikon\u201d als ein gemeinschaftsbildendes, gemeinschaftssuchendes Wesen, das ohne sein Gegen\u00fcber nicht existieren k\u00f6nne. Gut 2300 Jahre sp\u00e4ter versuchen Regierungen weltweit unter Berufung auf Virologen, diese Grundtatsache au\u00dfer Kraft zu setzen. Nicht anders ist der Aufruf der Bundeskanzlerin zu verstehen, jeder solle seine sozialen Kontakte \u00b4weitestgehend einstellen\u00b4. Diese Empfehlung ist ungef\u00e4hr so sinnvoll, wie die Fische zu bitten, das Wasser zu verlassen, um ihr \u00dcberleben zu sichern [\u2026] Mit atemberaubender Geschwindigkeit [\u2026] werden Rechte au\u00dfer Kraft gesetzt, die in Jahrhunderten m\u00fchsam erk\u00e4mpft worden sind. So etwa das Recht auf Versammlungsfreiheit, das Recht auf Bildung als auch die Reisefreiheit. Wer jetzt nichts absagt, gilt als asozial. [\u2026] Nicht das Virus ist jedoch f\u00fcr diese Entwicklungen verantwortlich, sie sind menschengemacht. Es sind Entscheidungen von Verantwortungstr\u00e4gern im Umgang mit dem Virus, die zum Shutdown f\u00fchren. Es ist alarmierend, wie rasch Wissenschaft, Kunst und Kultur, Sport, ja sogar die Bildung der Kinder f\u00fcr verzichtbar erkl\u00e4rt werden. Nichts offenbart das wahre Gesicht unseres Gemeinwesens besser als die Tatsache, dass einzig Wirtschaft, Konsum und B\u00f6rsen aufrecht erhalten werden sollen. Als sei dies der einzige Daseinszweck unserer fortschrittlich geglaubten Gemeinschaft. [\u2026] Die Dinge sind ins Rutschen geraten. Denn viele der Ma\u00dfnahmen sind nicht einmal zeitlich begrenzt. Was, wenn alle Einschr\u00e4nkungen nicht fruchten? \u2026Dieses Gemeinwesen braucht einen Verst\u00e4ndigungsprozess dar\u00fcber, ob es wirklich jeden Preis um die Eind\u00e4mmung eines Virus zu zahlen bereit ist.\u201c<\/p>\n<p>K\u00f6nnte es nicht sein, dass der Mensch als gemeinschaftssuchendes Wesen eher in der Lage w\u00e4re, selbst\u00e4ndig und kreativ Wege zur Eind\u00e4mmung des Virus zu beschreiten als wenn diese als Zwang verordnet werden von denen, die ihre Unglaubw\u00fcrdigkeit seit Jahren bewiesen haben und in der Krise weiter Tag f\u00fcr Tag unter Beweis stellen? Wenn in dieser Situation sich der Welt\u00e4rztepr\u00e4sident Frank Ulrich Montgomery kritisch zu Notstandsma\u00dfnahmen wie Schulschlie\u00dfungen und Ausgangsverbote \u00e4u\u00dfert und darauf hinweist, dass diese Ma\u00dfnahmen in Italien nichts bewirkt, eher im Gegenteil Panik produziert h\u00e4tten, dann gehen solch mahnende Worte im allgemeinen Klima gesch\u00fcrter Panik eher unter.[10]<\/p>\n<p><strong><em>Die neue Krise \u2013 und wie die \u201ereinigenden Kr\u00e4fte\u201c in der Krise vor dem Hintergrund der Epidemie im Sinne des Kapitals effizient wirken k\u00f6nnten<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Einiges spricht daf\u00fcr, dass sich die aktuelle Krise zu einer neuen Weltwirtschaftskrise entwickelt. Alle wichtigen B\u00f6rsenindizes liegen \u2013 Stand: 20. M\u00e4rz 2020 \u2013 um knapp 50 Prozent unter ihrem H\u00f6chststand, auf den sie sich noch im Februar, Wochen&nbsp;<em>nach&nbsp;<\/em>Ausbruch der Corona-Epidemie, hochgeschwungen hatten. Gab es so etwas jemals zuvor? Es \u00fcbersteigt zumindest das, was wir 2008\/2009 erlebt haben. Es gab \u201eso etwas\u201c nur in der gro\u00dfen Krise, die 1929 einsetzte, und die in gewaltige wirtschaftliche und soziale Verwerfungen, in Chaos, Gewalt und Krieg, m\u00fcndete.<\/p>\n<p>Gleichzeitig k\u00f6nnten es jedoch ausgerechnet die Corona-Krise und die Art und Weise, wie diese Pandemie instrumentalisiert wird, sein, dass der normale Gang der Krise verk\u00fcrzt und die Profitinteressen der Ganz-Gro\u00dfen in dieser Krise weniger als im Normalfall negativ beeinflusst werden. Was im Umkehrschluss aber auch hei\u00dfen k\u00f6nnte, dass die Schwachen in der Gesellschaft noch weit mehr in dieser Krise leiden \u2013 und Zehntausende in den banalen Tod durch Hunger und ordin\u00e4re Krankheiten gesto\u00dfen werden.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist festzuhalten: In diese Krise lassen sich&nbsp;<em>vier verschiedene Schaupl\u00e4tze<\/em>&nbsp;identifizieren, die sich in Wechselwirkung zueinander befinden, und die die gesamte Weltwirtschaft in eine Abw\u00e4rtsspiraler treiben k\u00f6nnen. Da ist zun\u00e4chst die zweitgr\u00f6\u00dfte \u00d6konomie der Welt. Zum ersten Mal wird China in dieser weltweiten Krise nicht mehr als \u201eKrisend\u00e4mpfer\u201c wirken. Diese zweitgr\u00f6\u00dfte kapitalistische \u00d6konomie \u2013 zugleich der weltweit gr\u00f6\u00dfte Exporteur \u2013 ist dieses Mal selbst Zentrum der Krise. 2020 d\u00fcrfte das erste Jahr sein, in dem das Wachstum der chinesischen Wirtschaft nahe Null absinkt. Wobei eine Wachstumsrate unter sechs Prozent bislang als brandgef\u00e4hrlich galt \u2013 unter anderem aufgrund des st\u00e4ndigen Zustroms neuer Arbeitskr\u00e4fte vom Land in die st\u00e4dtischen und industriellen Zentren. Selbst wenn sich die Lage in China nicht zur offenen Krise mit dem Zusammenbruch gro\u00dfer Unternehmen und einer schnell ansteigenden Massenarbeitslosigkeit entwickelt, so wird es f\u00fcr die Weltwirtschaft nicht mehr, wie 2008\/2009 der Fall, eine positive R\u00fcckwirkung Chinas auf die Weltwirtschaft und ein entsprechendes Einebnen der weltweiten Krise geben.<\/p>\n<p>Als zweites ist die&nbsp;<em>Weltautobranche<\/em>&nbsp;von der neuen Krise besonders betroffen. F\u00fchrende Konzerne in dieser Weltindustrie waren bereits mit \u201eDieselgate\u201c belastet. Die Branche als Ganzes befindet sich als Resultat der Klimakrise und des Versuchs einer teilweisen Umstrukturierung hin zu Elektroautos in einer Umbruchphase. Es gab 2018 und 2019 den beschriebenen deutlichen Einbruch der Weltautofertigung. F\u00fcr 2020 droht ein R\u00fcckgang um mehr als 15 Prozent. Das muss Folgen f\u00fcr die verbliebenen Konzerne haben. In Japan werden die sechs noch unabh\u00e4ngigen Autohersteller (Toyota, Honda, Mazda, Suzuki, Nissan und Subaru) einen Konsolidierungsprozess erleben. Im neuen gigantisch aufgebl\u00e4hten Konglomerat PSA (mit Peugeot, Citroen, Opel, Fiat, Chrysler und Alfa Romeo) wird es einen Kahlschlag geben. Insgesamt sind allein in dieser Branche aktuell mehr als eine Million Arbeitspl\u00e4tze bedroht.<\/p>\n<p>Drittens droht eine neue&nbsp;<em>EU-Krise<\/em>&nbsp;und eine neue&nbsp;<em>Euro-Krise<\/em>. Die Entwicklung in Italien d\u00fcrfte hier entscheidend werden. Dieses Land befindet sich seit 20 Jahren im Krisenmodus; die Staatsschuld lag bereits 2019 mit 130 Prozent auf Rekordniveau. In der aktuellen Corona-Virus-Krise steigen die Staatsausgaben in Italien, w\u00e4hrend gleichzeitig das Bruttoinlandsprodukt r\u00fcckl\u00e4ufig sein wird. Damit aber m\u00fcssen \u2013 siehe die Entwicklung in Griechenland 2012-2018 \u2013 die Schulden gemessen am BIP nochmals massiv auf 150 und mehr Prozent ansteigen. Das wird die Ratingagenturen auf den Plan rufen und zu neuen Herabstufungen der Kreditw\u00fcrdigkeit des Landes f\u00fchren. Was wiederum die Bedienung der gigantischen Staatsschulden massiv verteuern muss. Wie wird dann die EU, wie wird die EZB reagieren, wenn Italien in einer Kombination von medizinischem und \u00f6konomischem Notstand dringend der solidarischen Hilfe bedarf? Die EZB-Chefin Christine Lagarde antwortete am 13. M\u00e4rz auf die Frage, wie man der italienischen Regierung helfen k\u00f6nne, deren Kreditzinsen im Vergleich zu Deutschland deutlich in die H\u00f6he geschossen sind \u2013 der \u201espread\u201c sich also ausweitete: \u201eWir sind nicht daf\u00fcr da, diese Zinsunterschiede einzuebnen.\u201c[11]<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich \u2013&nbsp;<em>viertens<\/em>&nbsp;\u2013 spricht fast alles daf\u00fcr, dass diese Krise auch den&nbsp;<em>Finanzsektor<\/em>&nbsp;erfassen und beuteln wird. Der Zusammenbruch von gro\u00dfen Finanzinstituten kann nicht mehr ausgeschlossen werden. Wobei im Fall einer solchen Bankenpleite erneut \u2013 wie 2007- 2009 \u2013 gelten d\u00fcrfte: \u201etoo big to fail\u201c; das hei\u00dft, die Steuerzahlenden werden zur Ader gelassen werden.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Finanzcrash kann seinen Ausgang nehmen bei der gewaltigen Immobilienblase in Indien. Oder bei dem aktuell ablaufenden libanesischen Staatsbankrott. Oder bei einer zu erwartenden argentinischen Staatspleite. Oder beim Zusammenbruch des Systems der chinesischen Schattenbanken. Oder im Rahmen einer neuen Russland-Krise, in der sich \u00d6l- und Gaspreisverfall und Bankenkrise b\u00fcndeln. Oder im Rahmen der umfassenden Insolvenzen-Welle, die noch 2020 als Folge der \u201eReduktion aller sozialen Kontakte\u201c und der Schlie\u00dfung hunderttausender Gesch\u00e4fte zu erwarten ist und die sich in Deutschland im Bereich der Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu kritischen Ausf\u00e4llen in H\u00f6he vieler Dutzend Milliarden Euro aufaddieren d\u00fcrfte. Sicher ist, dass heute der Finanzsektor vergleichbar labil ist wie vor der letzten gro\u00dfen Krise. Staatliche Auffangprogramme in der Gr\u00f6\u00dfenordnung, wie es solche 2008\/2009 gab, sind im Rahmen der bestehenden Logik der Wirtschaftspolitiken und der politischen Strukturen kaum mehr zu stemmen. Und auch die Zentralbanken sind ihrer klassischen Waffen beraubt, senkte doch die US-Zentralbank Fed fr\u00fcher in Krisen den Leitzins gern und vier und f\u00fcnf Prozent \u2013 doch heute, nur wenige Wochen nach Eintritt der Stunde X, liegen diese Leitzinsen in New York, Tokio, London und Frankfurt\/M. nahe Null.<\/p>\n<p>Das Ensemble dieser Krisenherde kann dazu f\u00fchren, dass sich diese durch die Weltwirtschaft fressen und dass es zu einer Kernschmelze der Welt\u00f6konomie kommt.<\/p>\n<p>Schlimm? Ja, schlimm f\u00fcr die Erwerbslosen, f\u00fcr die Noch-Besch\u00e4ftigten, f\u00fcr Millionen Kleingewerbetreibende und f\u00fcr den Durchschnitt der Bev\u00f6lkerung. Doch im Fall der gro\u00dfen Konzerne gibt es einerseits die Direktprofiteure und andererseits m\u00f6glicherweise eine gro\u00dfe Zahl von Langzeitprofiteuren. Direkt von der Krise profitieren die Pharmakonzerne, viele PC-und Softwarehersteller (die Umstellung des Schulunterrichts auf home-schools wird umfassend vorbereitet) und die Logistiker. Amazon k\u00fcndigte am 16. M\u00e4rz an, 100.000 neue Stellen zu schaffen \u2013 allein in den USA!<\/p>\n<p>Die Langfrist-Profiteure k\u00f6nnten f\u00fchrende Finanz- und Industriekonzerne sein. Dies h\u00e4ngt damit zusammen, dass aktuell eine Schockpolitik l\u00e4uft, mit der der normale Gang einer Krise radikal verk\u00fcrzt, wenn auch zugleich vertieft werden k\u00f6nnte. Normalerweise dauert eine Krise ein Jahr und mehr, bis die \u201ereinigenden Kr\u00e4fte\u201c der Krise ausreichend gewirkt, sprich: gew\u00fctet haben. 2008\/2009 gab es eine fast zwei Jahre w\u00e4hrende Kontraktion der wirtschaftlichen T\u00e4tigkeiten. In dieser Zeit mussten die Unternehmen die aufgebauten \u00dcberkapazit\u00e4ten Schritt um Schritt reduzieren, Belegschaften abbauen \u2013 in Deutschland oft verbunden mit teuren Sozialpl\u00e4nen \u2013 die Preise senken und Rabattschlachten durchf\u00fchren, abwarten, bis sich die Nachfrage wieder einpendelte und bis staatliche Unterst\u00fctzungsma\u00dfnahmen wieder griffen. V\u00f6llig undenkbar war damals, dass funktionierende Unternehmen ihre Produktion schlicht von heute auf morgen einstellen.<\/p>\n<p>Doch just das passiert in diesen Tagen. So im Fall des weltweit gr\u00f6\u00dften Autobauers: VW wird am 20. M\u00e4rz alle seine Werke in Deutschland schlie\u00dfen. Und warum? Gibt es einen Abriss in den Lieferketten? Mitnichten! In China wird die Produktion von VW gerade hochgefahren. VW-Boss Herbert Diess erkl\u00e4rt, dass es \u201ebislang keine Lieferketten-Unterbrechung\u201c gegeben h\u00e4tte. Stattdessen verweist der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh auf \u201eInfektionsketten\u201c. Dieser Co-Manager erkl\u00e4rt, es gelte die \u201eZwei-Klassen-Gesellschaft\u201c zwischen VW-B\u00fcroarbeit und VW-Produktionsarbeit zu beenden; schlie\u00dflich arbeiteten die Kollegen \u201eSchulter an Schulter\u201c in den Fertigung, was die Gefahr einer Infektion erh\u00f6he. Tats\u00e4chlich gibt es in erster Linie einen massiven Einbruch der Nachfrage. Und der Volkswagenkonzern nutzt die Gunst der Stunde und schlie\u00dft schlicht den gr\u00f6\u00dften Teil der Fertigungsst\u00e4tten, um sich einen gro\u00dfen Teil der L\u00f6hne und Geh\u00e4lter vom Staat bezahlen zu lassen. Vergleichbares machte Ford in der Weltwirtschaftskrise. Doch bislang hie\u00df es: das war US-amerikanischer Manchester-Kapitalismus. Jetzt gibt es exakt dies im Land, das sich einst r\u00fchmte mit einem \u201eRheinischen Kapitalismus\u201c einen anderen Weg zu gehen.<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeit, auf Steuergelder-Kosten den Laden zu aschlie\u00dfen, haben allerdings nur wenige gro\u00dfe Unternehmen. Grunds\u00e4tzlich gibt es in der gegenw\u00e4rtigen Situation einen krassen Widerspruch, der da lautet: Die medizinisch optimale Reaktion auf die Krise \u2013 maximale Reduktion aller sozialen Kontakte, also auch Einstellung jeglicher nicht absolut lebensnotwendiger Produktion \u2013 hat mittelfristig \u00e4u\u00dferst negative Folgen f\u00fcr die Profite und kann bei Tausenden vor allem mittelst\u00e4ndischen und kleineren Betrieben die Existenzfrage stellen. Und kaum jemand wird behaupten, das RKI sei m\u00e4chtiger als der BDI: das Robert Koch-Institut ist letzten Endes eine Au\u00dfenstelle des Gesundheitsministeriums und dessen Chef untergeordnet. Jens Spahn wiederum betrieb in den Jahren 2006 bis 2010 eine Lobbyagentur f\u00fcr Pharmaklienten (Politas) und forcierte die Liberalisierung des Apotheken-Markts ; sein Partner und Mann war f\u00fcr die Versandapotheke DocMorris und den Pharmagro\u00dfh\u00e4ndler Celesio, inzwischen McKesson, aktiv. Womit wir bereits im Umfeld des eigentlichen Zentrums von Politik und Wirtschaft angelangt sind: beim Bundesverband der Deutschen Industrie, dem BDI.<\/p>\n<p>Wof\u00fcr, blo\u00df, gibt es diese Vernetzungen von Politik, Macht und Profit? Doch just f\u00fcr Krisensituationen wie die aktuelle. In diesen werden sie in besonderer Weise aktiviert. Hier kann der Krisenschock zur Durchsetzung schockierend inhumaner Interessen f\u00fchren. Naomi Klein schrieb \u00fcber die aktuelle Krise: \u201eDiese Kombination von Krisen-Kr\u00e4ften [ausgepowerter Gesundheitssektor und beginnende Wirtschaftskrise; W.W.] produziert den maximalen Schock. Dieser wird jetzt dazu ausgenutzt, um Branchen herauszuhauen, die im Zentrum der extremsten Krise stehen, die wir kennen \u2013 und das ist die Klimakrise: Herausgehauen werden die Branche der Airlines, die Gas- und \u00d6l-Industrie, die Kreuzfahrtschiff-Branche. Die werden jetzt vollgestopft mit Dollars.\u201c[12] Am 16. M\u00e4rz verk\u00fcndete US-Pr\u00e4sident Trump, er werde die ins Straucheln geratenen US-Airlines \u201ezu 100 Prozent unterst\u00fctzen\u201c. Die Rede ist von einem 50 Milliarden US-Dollar-Hilfsprogramm. Worauf die Aktienkurse von Delta und United und Southwest einen Freudensprung nach oben absolvierten.<\/p>\n<p>Erinnern wir uns: Im Juni 2009 ging General Motors in Folge der letzten Weltwirtschaftskrise pleite. Damals gab es zwei grunds\u00e4tzliche Positionen, wie es weitergehen k\u00f6nnte. Die eine hatte der Filmemacher und politische Aktivist Michal Moore vertreten. Er forderte, GM umzubauen zu einem Konzern, der Busse und andere Produkte f\u00fcr den \u00f6ffentlichen Verkehr herstellt. Diese umweltfreundliche und klimapolitisch sinnvolle Perspektive konkretisierte Mr. Moore in einem eindrucksvollen Manifest.[13] Die andere Perspektive wurde von US-Pr\u00e4sident Barack Obama vertreten \u2013 und letzten Endes durchgesetzt. Der US-Staat \u00fcbernahm GM. Bis zu 50 Milliarden US-Dollar flossen in den Konzern. Zehntausende Besch\u00e4ftigte wurden entlassen; die L\u00f6hne massiv gek\u00fcrzt. Ausdr\u00fccklich erkl\u00e4rte Obama, die Regierung werde sich nicht in die Unternehmenspolitik einmischen. Er sei \u201cabsolut zuversichtlich\u201d, dass GM bei gutem Management \u201ceiner neuen Generation von Amerikanern helfen wird, ihre Tr\u00e4ume zu verwirklichen\u201d.[14] Die Folge war: GM baute nochmals gr\u00f6\u00dfere SUVs, die nochmals klimasch\u00e4digender waren. Und wenn GM nun in der neuen Krise erneut an den Rand einer Insolvenz gelangen sollte \u2013 die Hilfe von Mr. Trump d\u00fcrfte den Klimas\u00fcndern im GM-Top-Management sicher sein.<\/p>\n<p><strong><em>Neue Solidarit\u00e4t, Corona-Krise und neue Klimabewegung<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Doppelkrise \u2013 ordin\u00e4re kapitalistische Krise und die Corona-Virus-Krise \u2013 die wir im Augenblick erleben, stellt eine au\u00dferordentliche politische Herausforderung f\u00fcr die Linke dar. Die Gefahr, dass wir von den sich \u00fcberschlagenden Ereignissen in eine absolute Defensive gedr\u00e4ngt werden \u2013 zumal sich auch rein physisch die Bewegungsspielr\u00e4ume einengen \u2013 ist enorm. Gleichzeitig sind die aktuell gro\u00dfen Akteure keineswegs neutrale Instanzen, die das Wohl und Wehe der Gesellschaft im Auge haben. Ganz im Gegenteil. Die Akteure in Washington, Peking, Tokio, London, Br\u00fcssel, Berlin oder Wien \u2013 einschlie\u00dflich des gro\u00dfen Teils der Gesundheitsbeh\u00f6rden und beratenden Institute \u2013 verfolgen einerseits \u00fcberwiegend die Interessen, die sich aus der Bestimmung des Gesellschaftssystems durch Kapital und Profit ergeben. Andererseits sind sie erg\u00e4nzend \u2013 was die Sache verschlimmert \u2013 von engstirnigen nationalen Interessen \u2013 denen des jeweiligen ideellen Gesamtkapitals auf nationaler Ebene \u2013 bestimmt.<\/p>\n<p>Ganz praktisch: Am 5. M\u00e4rz erkl\u00e4rte die Regierung in Reykjavik den \u00f6sterreichischen Skiurlaubsort Ischgl zum \u201eRisikogebiet\u201c, weil sich mehrere Isl\u00e4nder, die dort Skifahren waren und die von dort bereits Ende Februar nach Island zur\u00fcckgekehrt waren, mit dem Corona-Virus infiziert haben. Reykjavik informierte am gleichen Tag Wien. Nichts passierte. Zehntausende zus\u00e4tzliche Skiurlauber fuhren mehr als zehn Tage lang weiter nach Ischgl \u2013 die Lifts liefen noch eineinhalb Wochen lang Tag f\u00fcr Tag. Hunderte Neuinfizierte aus Dutzenden europ\u00e4ischer St\u00e4dte fuhren dort Ski, trafen sich abends beim \u201eBallermann in den Alpen\u201c zum Apr\u00e8s-Ski und kamen \u2013 relativ schnell erkennbar \u2013 als Infizierte zur\u00fcck. Das traf zum Beispiel zu auf mehr als 100 D\u00e4ninnen und D\u00e4nen und auf gut 80 Personen mit Wohnsitz Hamburg. In S\u00fcddeutschland entwickelte sich so ein besonders krasser Corona-Hotspot: Am Samstag, dem 7. M\u00e4rz, fuhren sechs Omnibusse mit 200 Skifahrern aus dem Ostalbkreis (Stadt Aalen) nach Ischgl. Am Sonntag, dem 8. M\u00e4rz, kehrten sie abends bereits zur\u00fcck. Eine Woche sp\u00e4ter gab es die ersten Verdachtsf\u00e4lle. Bis 15. M\u00e4rz wu\u00dfte man, dass 50 Personen (!) im Landkreis sich infiziert haben. Am 16.3. waren es bereits 109 identifizierte, infizierte Personen. Doch am 18.3. standen hunderte Testergebnisse noch aus. Laut Landesregierung in Stuttgart k\u00e4men die Labore \u201emit der Arbeit nicht hinterher\u201c. Wurde eine Taskforce nach Aalen geschickt? Quarant\u00e4ne verh\u00e4ngt? Gab es eine Abriegelung? Nichts dergleichen! Sechs Wochen nach den skandal\u00f6sen Vorkommnissen in Gauting in Bayern, wo es auch prim\u00e4r um das Wohl und Wehe des Autozulieferers Webasto ging, nun exakt dasselbe Verhalten in den Nachbarl\u00e4ndern Baden-W\u00fcrttemberg und Tirol.[15] In Ischgl selbst wurde die Saison am 16. M\u00e4rz \u201evorzeitig beendet\u201c. Tats\u00e4chlich hat man, so ein treffender Kommentar von Thomas Mayer in die \u00f6sterreichischen Tageszeitung&nbsp;<em>Der Standard<\/em>, die \u201eletzte starke Ski-Woche mitnehmen wollen, auf dass die Kassen der Liftbetreiber und Hoteliers klingeln. [\u2026] Gier hat die Verantwortung f\u00fcr die Gesundheit der B\u00fcrger und G\u00e4ste besiegt.\u201c[16]<\/p>\n<p>Es gibt triftige Gr\u00fcnde anzunehmen, dass es Vorf\u00e4lle vergleichbarer Art zu Tausenden in ganz Europa gab \u2013 zehn Wochen nach dem Ausbruch der Epidemie in Wuhan, China. Sechs Wochen, nachdem die Weltgesundheitsbeh\u00f6rde WHO Corona als Epidemie erkannte. Vier Wochen, nachdem Corona als Pandemie identifiziert wurde. Und 12 Tage, nachdem eine europ\u00e4ische Regierung eine andere Regierung in Europa ausdr\u00fccklich warnte und den eigenen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern einen Ischgl-Besuch untersagte. Es ist ebenso skandal\u00f6s aus medizinischer Sicht wie charakteristisch f\u00fcr die Grundaussage: Der Profit, nicht die Gesundheit, sind der Ma\u00dfstab.<\/p>\n<p>Alles, was jetzt getan werden muss, sollte unter der Leitlinie laufen: raus aus der Profitorientierung im Allgemeinen und der Profitwirtschaft im Krankenhaus- und Gesundheitssektor im Besondern. Mensch statt Profit \u2013 Solidarit\u00e4t anstelle von Kapitallogik. Das m\u00fcndet in ein 12-Punkte-Programm.<\/p>\n<p><em>Krankenhaussektor allgemein st\u00e4rken: Stopp aller Privatisierungstendenzen in diesem Bereich<\/em><\/p>\n<p>Notwendig ist ein Sofortprogramm zur St\u00e4rkung des Gesundheitssektors. Das erfordert auch, dass jede Privatisierungstendenz auf diesem Gebiet gestoppt werden muss (siehe die zitierte j\u00fcngste Bertelsmann-Studie) und dass \u2013 analog zu der Kampagne \u201eDeutsche Wohnen &amp; Co. enteignen\u201c als Ziel gelten sollte: der gesamte Gesundheitssektor muss wieder unter \u00f6ffentlicher Kontrolle gestellt werden. Private Konzerne, die ein Gesch\u00e4ft mit Krankheit und Gesundheit machen, haben in diesem Sektor nichts zu suchen. Sie sind auf der Basis der Grundgesetzartikel 14 und 15 zu enteignen. V\u00f6llig inakzeptabel ist jede weitere Schlie\u00dfung eines Krankenhauses. Siehe dazu den Aufruf der Nichtregierungsorganisation Gemeingut in B\u00fcrgerInnenhand (GiB)[17]<\/p>\n<p><em>Krankenhausbetten um mindestens 50 Prozent ausbauen, Intensivbettenzahl verdoppeln \u2013 aufgelassene Krankenh\u00e4user wieder \u201einstandsetzen\u201c und in Betrieb nehmen<\/em><\/p>\n<p>Seit 1991 wurden mehr als 32 Prozent der Krankenhausbetten in Deutschland abgebaut. Die Zahl der Krankenh\u00e4user wurde drastisch reduziert. Allein im Zeitraum 2003 bis 2012 wurden 74 Krankenh\u00e4user mit 5200 Betten geschlossen. Die Gro\u00dfe Koalition hat sich das Ziel von weiteren Krankenh\u00e4usern-Schlie\u00dfungen gesetzt \u2013 unterst\u00fctzt von dem f\u00fchrenden SPD-Gesundheitspolitiker Lauternach.[18] Diese Politik r\u00e4cht sich seither Tag f\u00fcr Tag \u2013 siehe die \u201eblutigen Entlassungen\u201c. Das r\u00e4cht sich jetzt in der Corona-Krise in besonderem Ma\u00df. Die Gesamtzahl der Betten muss wieder deutlich erh\u00f6ht werden. Die Orientierung auf Fallpauschalen ist aufzugeben \u2013 womit davon auszugehen ist, dass die durchschnittliche Verweildauer der Patientinnen und Patienten in den Krankenh\u00e4usern erneut deutlich steigt. Insbesondere muss die Zahl der Intensivbetten mit entsprechender Notfallausr\u00fcstung massiv erh\u00f6ht und damit auf mehr als 50.000 rund verdoppelt werden.<\/p>\n<p>Viele der in j\u00fcngerer Zeit geschlossenen Krankenh\u00e4user gibt es noch; viele stehen leer. Andere werden f\u00fcr andere Zwecke genutzt. Es sollte gepr\u00fcft werden, eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von ihnen wieder in ihre alte Funktion zu versetzen. Auswertungen der WHO im Zusammenhang mit Ebola haben gezeigt, dass zur Eind\u00e4mmung einer Epidemie eine gute regionale Gesundheitsversorgung geh\u00f6rt. Die absolute Zahl der Betten allein reicht nicht aus, wenn etwa Kliniken zu weit entfernt liegen.<\/p>\n<p><em>Sonderfonds f\u00fcr Krankenhausbelegschaften, Geh\u00e4lter aufstocken; Besch\u00e4ftigtenzahl ausbauen.<\/em><\/p>\n<p>Die Belegschaften in den Krankenh\u00e4usern sind bereits beim Auftakt der Corona-Krise ausgebrannt und ausgepowert. Schuld daran hat die auf Kommerzialisierung ausgerichtete Gesundheitspolitik, die die Bundesregierungen seit mehr als eineinhalb Jahrzehnte betreiben. Notwendig ist eine St\u00e4rkung des bestehenden Personals u.a. durch eine Erh\u00f6hung der L\u00f6hne und Geh\u00e4lter. Die Gesellschaft zollt diesen Menschen Anerkennung; sie wird in den n\u00e4chsten Wochen auf die aufopferungsvolle T\u00e4tigkeit dieser Belegschaften angewiesen sein. Daher muss auch jetzt bereits alles getan werden, die Personalst\u00e4rke deutlich erh\u00f6hen. Das von Spahn angek\u00fcndigte \u201ebefristete Aussetzung\u201c der Personalschl\u00fcssel ist fragw\u00fcrdig.<\/p>\n<p><em>Bundeswehrkapazit\u00e4ten heranziehen und auf ziviler Basis im Kampf gegen Corona einsetzen; Bundeswehr entmilitarisieren<\/em><\/p>\n<p>Die Bundeswehr unterh\u00e4lt einen gro\u00dfen Sanit\u00e4tsbereich, in dem nach Angaben der Bundeswehr aktuell 19.945 Soldatinnen und Soldaten aktiv sind. Diese sind als erstes in G\u00e4nze dem Kampf gegen Corona zur Verf\u00fcgung zu stellen. Dies sollte umgehend und au\u00dferhalb der milit\u00e4rischen Strukturen \u2013 in der Form einer Zuordnung zum allgemeinen Gesundheitssektor \u2013 erfolgen. Auf alle F\u00e4lle muss es das Ziel sein, eine Entmilitarisierung des Bundeswehr-Sanit\u00e4tswesens zu erreichen.<\/p>\n<p>Es ist zu pr\u00fcfen, inwieweit die \u00fcbrigen mehr als 150.000 Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr in den Kampf gegen die Corona-Krise eingesetzt werden k\u00f6nnen. Dies muss jedoch strikt auf Bereiche beschr\u00e4nkt sein, die zivilen Charakter haben.<\/p>\n<p>Es handelt sich bei der Bundeswehr um ein riesiges Potential von oft gut ausgebildeten Personen, deren Geh\u00e4lter zu 100 Prozent von den Steuerzahlenden finanziert werden, die also ohne gr\u00f6\u00dfere zus\u00e4tzliche Kosten im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus eingesetzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Alle Bundeswehr-Kontingente im Ausland sind unverz\u00fcglich abzuziehen. Die damit freiwerdenden Mittel sind den Gesundheitssektoren der L\u00e4nder (Mali, Afghanistan, Bosnien, Kosovo usw.), in denen die Einheiten stationiert waren, als Schenkung zur Verf\u00fcgung zu stellen.<\/p>\n<p><em>Umstellung der Produktion in unterschiedlichen Sektoren auf die Herstellung von Materialien, Ger\u00e4ten usw. f\u00fcr Gesundheitsschutz und f\u00fcr die Corona-Krisen-Vorsorge. Insbesondere Konversion der Autoindustrie. Jetzt gilt: \u201eAutos zu Atemger\u00e4ten\u201c<\/em><\/p>\n<p>Unser hochindustrialisiertes Land verf\u00fcgt \u00fcber gewaltige Produktionskapazit\u00e4ten, die unterschiedliche Produkte f\u00fcr unterschiedliche Zwecke herstellen k\u00f6nnen und die aufgrund des hohen Automatisierungsgrads und vielfachen Robotereinsatzes auch enorm flexibel sind. Aktuell liegen riesige dieser Produktionskapazit\u00e4ten brach \u2013 selten wegen Corona-Infizierten, in der Regel, weil die Unternehmenszentralen keine ausreichende Nachfrage f\u00fcr ihre Produkte sehen oder weil Lieferketten unterbrochen wurden. Inzwischen haben die Autokonzerne ihre Produktion fast komplett eingestellt. Diese Kapazit\u00e4ten liegen also brach \u2013 das kostet riesige Summen, nicht zuletzt solche, die die Steuerzahlenden aufzubringen haben (Kurzarbeitergeld).<\/p>\n<p>Notwendig ist, dass ein gro\u00dfer Teil des produktiven Kapitals \u2013 insbesondere die brachliegenden Kapazit\u00e4ten \u2013 daf\u00fcr eingesetzt werden, Produkte des dringenden Bedarfs im Kampf gegen die Corona-Epidemie herzustellen. Viele dieser Unternehmen beziehen bereits im Produktionsalltag gro\u00dfe Summen an Subventionen \u2013 also an Steuergeldern \u2013 beispielsweise f\u00fcr \u201eElektromobilit\u00e4t\u201c. Es ist also auch aus diesem Grund nachvollziehbar, dass diese Kapazit\u00e4ten im Kampf gegen Corona einzusetzen sind. Da die Autoindustrie ohnehin unter anderem aufgrund der Klimakrise eine ungewisse Zukunft vor sich hat, ist dies die richtige Zeitpunkt, um eine Konversion der Autoindustrie-Produktionskapazit\u00e4ten in Angriff zu nehmen \u2013 weg vom Auto, hin zu Produkten der Verkehrswende und der Gesundheitsvorsorge. Analog zu dem Slogan \u201eSchwerter zu Pflugscharen\u201c sollte gelten: \u201eAutos zu Atemger\u00e4ten\u201c.<\/p>\n<p>Dass eine solche Zielsetzung z\u00fcgig umsetzbar ist, zeigte sich in der VR China im Januar und Februar 2020. Nachdem dort der Verkauf von GM-Autos um bis zu 90 Prozent sank, stellte der Konzern \u2013 auf Anforderung der Zentralregierung in Peking \u2013 die Produktion in seinen chinesischen Werken zum gr\u00f6\u00dften Teil auf die Fertigung von Mund-Nase-Masken um.[19] In Frankreich hat der Luxuskonzern LVMH Mitte M\u00e4rz damit begonnen, seine Parfum-Produktion auf die Herstellung von Desinfektionsmitteln umzustellen. Auch deutsche Chemieunternehmen k\u00fcndigten an, ihre Kapazit\u00e4ten in eine vergleichbare Richtung neu auszurichten.<\/p>\n<p><em>Konversion der R\u00fcstungsindustrie<\/em><\/p>\n<p>Die R\u00fcstungsproduktion geh\u00f6rt zu den hochindustrialisierten Bereichen des Landes. Sie finanziert sich zu 98 Prozent auf Steuergeldern \u2013 darunter zu rund zwei Drittel aus deutschen Steuergeldern. R\u00fcstungsexporte unterliegen zu 100 Prozent staatlicher Kontrolle. Das Ergebnis von R\u00fcstungsproduktion und R\u00fcstungsexporten sind Vernichtung, Zerst\u00f6rung, Kriege, Fl\u00fcchtlinge und nicht zuletzt auch Freisetzung riesiger CO-2-Emissionen und damit ein massiver Beitrag zur Klimaerw\u00e4rmung.<\/p>\n<p>Die gesamte R\u00fcstungsproduktion (und damit auch alle R\u00fcstungsexporte) ist einzustellen; die gesamte Fertigung auf sinnvolle Produkte im Kampf gegen Corona und f\u00fcr andere sinnvolle Produkte und Dienstleistungen z.B. auf den Gebieten der Energiewende und Verkehrswende umzustellen.<\/p>\n<p><em>Sonderprogramm f\u00fcr Hilfs- und Schutzbed\u00fcrftige in Deutschland: Wohnungslose und Behinderte sch\u00fctzen<\/em><\/p>\n<p>In Deutschland leben Millionen Menschen von Hartz IV und Sozialhilfe. 2018 hatten laut Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe 678.000 Menschen keine Wohnung \u2013 das war Nachkriegsrekord.[20] Corona macht nicht vor den Zelten und \u00fcbrigen Schlafst\u00e4tten der Wohnungslosen Halt. Nat\u00fcrlich gebieten bereits Menschlichkeit und christliche N\u00e4chstenliebe, diesen Gestrandeten und vom kapitalistischen Betrieb Ausgesto\u00dfenen Hilfe zukommen zu lassen. In der gegebenen Situation der Corona-Krise bildet diese gro\u00dfe Gruppe von Menschen dar\u00fcber hinaus ein erhebliches Risikopotential f\u00fcr die Ausbreitung der Epidemie.<\/p>\n<p>Ein Sonderprogramm mit den Zielen Schaffung menschenw\u00fcrdiger Unterk\u00fcnfte und Garantien f\u00fcr ein menschenw\u00fcrdiges Leben ist f\u00fcr diese Gruppe in Zusammenarbeit mit den in diesem Bereich aktiven sozialen Verb\u00e4nden aufzulegen.<\/p>\n<p><em>Hilfsprogramm f\u00fcr die osteurop\u00e4ischen Hilfsarbeiter in den Fleischfabriken, in der Landwirtschaft und bei den Zustelldiensten<\/em><\/p>\n<p>In Deutschland leben zwischen drei und vier Millionen Arbeitskr\u00e4fte aus osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern \u2013 vor allem aus Rum\u00e4nien, Bulgarien und Polen \u2013 die auf der Basis von Werksvertr\u00e4gen besch\u00e4ftigt sind. Sie bilden das Subproletariat unserer Gesellschaft. Sie sind in den Bereichen der Fleischindustrie (\u201eSystem T\u00f6nnies\u201c), der Landwirtschaft, der h\u00e4uslichen Pflege und der Zustelldienste besch\u00e4ftigt. Diese Menschen arbeiten unter unmenschlichen Bedingungen. Und vor allem leben sie in extrem prek\u00e4ren Wohnverh\u00e4ltnissen, was die Ausbreitung des Corona-Virus enorm beg\u00fcnstigt. Pfarrer Peter Kossen, der seit Jahren auf die Situation dieser Menschengruppe aufmerksam macht und \u2013 soweit dies in seinen Kr\u00e4ften steht \u2013 viele von ihnen betreut, erkl\u00e4rte in einem aktuellen Appell: \u201eWenn jetzt die Pandemie auf diese ausgelaugten, angeschlagenen und gedem\u00fctigten Menschen aus Ost- und S\u00fcdeuropa trifft, dann wird dies zahlreiche Opfer fordern. [\u2026] Die Totalersch\u00f6pfung dieser Menschen ist der Normalzustand. Hinzu kommen [insbesondere im Fleischgewerbe; W.W.] zahlreiche Schnittverletzungen, aber auch wiederholte und hartn\u00e4ckige Infekte durch mangelhafte hygienische Zust\u00e4nde in den Unterk\u00fcnften und durch gesundheitswidrige Bedingungen an den Arbeitspl\u00e4tzen.[\u2026] Wenn nicht wirklich schnell gehandelt wird, ist eine massenhafte Ansteckung mit zahlreichen schweren und auch t\u00f6dlichen Verl\u00e4ufen nicht mehr aufzuhalten.\u201c[21] Zu fordern sind von den Unternehmen und den Beh\u00f6rden umfassende und wirksame Ma\u00dfnahmen zum Schutz der Arbeitsmigranten in der aktuellen Corona-Krise.<\/p>\n<p><em>Hilfsprogramm f\u00fcr das kleine Gewerbe, f\u00fcr K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler und Projekte solidarischer Hilfe<\/em><\/p>\n<p>In den Bereichen Kunst und Kultur sind laut Angaben des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in Verdi 1,4 Millionen Menschen, darunter rund 500.000 \u201eSoloselbst\u00e4ndige\u201c besch\u00e4ftigt. 90 Prozent dieser Menschen leben von Einkommen, die deutlich unterhalb des Durchschnitts und bei netto 1000 Euro monatlich liegen. Einem gro\u00dfen Teil dieser Menschen bricht mit der Corona-Epidemie die Existenzgrundlage zusammen, da Veranstaltungen nicht mehr stattfinden und der Kulturbetrieb faktisch f\u00fcr Monate einen kompletten Shutdown erlebt. Der VS hat einen Forderungskatalog entwickelt (u.a. zur Bildung einer Notfallkasse f\u00fcr existentiell bedrohte Kulturschaffende und -Betriebe; die kurzfristige und bez\u00fcglich Beitragszahlungen prozentual an das Einkommen gekn\u00fcpfte Einrichtung einer Arbeitslosenversicherung f\u00fcr selbst\u00e4ndige K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler), dem die \u00f6ffentliche Hand gerecht werden muss.[22]<\/p>\n<p><em>Hilfsprogramm f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge auf den griechischen Inseln und an der t\u00fcrkisch-griechischen Grenze<\/em><\/p>\n<p>Die Lage auf den griechischen Inseln mit gro\u00dfen Ansammlungen von Gefl\u00fcchteten hatte sich in den ersten Wochen des Jahres 2020 bereits enorm zugespitzt. Mit der Corona-Epidemie werden die Verh\u00e4ltnisse dort nochmals kritischer. Es ist verantwortungslos in genau dieser Situation die nationalen Grenzen hochzuziehen und die Menschen dort \u2013 und nicht zuletzt das EU-Mitgliedsland und Euroland Griechenland \u2013 im Corona-Regen stehen zu lassen. Die Bundestagsabgeordnete Heike H\u00e4nsel: \u201eDie Bundesregierung und die Europ\u00e4ische Union sind hier in der Pflicht, gemeinsam mit internationalen Hilfsorganisationen sofort Abhilfe zu schaffen. Durch die katastrophale Situation der Menschen in dem Lager geh\u00f6ren viele zu einer Risikogruppe. Eine massive Verbreitung des Corona-Virus auf den griechischen Inseln muss verhindert werden. DIE LINKE teilt den dringenden Appell von \u201a\u00c4rzte ohne Grenzen\u2018, die EU-Fl\u00fcchtlingslager auf den griechischen Inseln zu evakuieren, sobald es die Corona-Eind\u00e4mmung zul\u00e4sst, damit es nicht zu noch mehr Opfern unter den 42.000 Asylsuchenden auf den griechischen Inseln kommt. Dar\u00fcber hinaus muss endlich eine gesamteurop\u00e4ische humane Fl\u00fcchtlingspolitik umgesetzt werden, die gro\u00dfz\u00fcgige Resettlement-Programme, rechtsstaatliche Asylverfahren und humanit\u00e4re L\u00f6sungen beinhaltet.\u201c[23]<\/p>\n<p><em>Direkthilfe f\u00fcr Italien<\/em><\/p>\n<p>Es war \u00fcberraschenderweise der langj\u00e4hrige, ehemalige Chef des M\u00fcnchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, der am 19. M\u00e4rz in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, mehrmals von einem \u00fcberraschten Interviewer unterbrochen, forderte: Deutschland m\u00f6ge eine Soforthilfe \u201eals Geschenk\u201c in H\u00f6he von zun\u00e4chst 20 Milliarden Euro an Italien gew\u00e4hren. Das Land befinde sich \u201ein gro\u00dfer Not\u201c. Auf die Zwischenfrage des Interviewers, ob denn so etwas \u201ef\u00fcr die Steuerzahler vermittelbar\u201c w\u00e4re, antwortete Sinn: \u201eDas ist sehr wohl vermittelbar und jetzt dringend notwendig.\u201c[24]<\/p>\n<p>Es ist hier nicht der Ort, \u00fcber die zersetzenden neoliberalen Politikvorschl\u00e4ge zu debattieren, die derselbe Mann viele Jahre lang vorgetragen hat. In der aktuellen Stunde hat er mit seinen zitierten Forderungen absolut Recht. Wobei es sicherlich noch weit mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine direkte Hilfe f\u00fcr Italien gibt. Frankreich nahm beispielsweise bereits Patienten aus Italien in eigene Krankenh\u00e4user auf. Noch haben wir in Deutschland freie Bettenkapazit\u00e4ten. Wenn diese bei uns knapp sind, k\u00f6nnte es sein, dass wir froh sind, wenn andere L\u00e4nder uns zu Hilfe kommen.<\/p>\n<p>Eine deutsche Soforthilfe f\u00fcr Italien ist auch in finanzieller Hinsicht angebracht \u2013 und der von Sinn genannte Betrag w\u00e4re nur eine bescheidene R\u00fcck\u00fcberweisung angesichts der Gewinne, die die deutsche Wirtschaft im Rahmen des Euro-Regimes und als Resultat der Export\u00fcbersch\u00fcsse aus Italien bezogen hat.<\/p>\n<p>Im \u00dcbrigen kann sich im Rahmen der sich weiter zuspitzenden Krise auch die Frage stellen, ob Italien auf eigenen Wunsch die Eurozone verl\u00e4sst. Kommt es zu einer solchen Entscheidung der italienischen Regierung, dann darf sich die erpresserische Politik der EU und der Berliner Regierung, wie sie 2015 gegen\u00fcber Griechenland praktiziert wurde, nicht wiederholen. Vielmehr muss dann eine einvernehmliche, gemeinsam getragene L\u00f6sung f\u00fcr eine solchen Eurozonen-Austritt geschaffen werden. Das mag zum aktuellen Zeitpunkt \u00fcberraschend erscheinen. Doch eine solche Thematik kann sich bereits in kurzer Zeit konkret stellen. Schlie\u00dflich gab es die Euro-Krise 2012 bis 2015 in einer Zeit mit wirtschaftlichem Wachstum. Wir befinden uns aktuell am Rand einer neuen Euro-Krise. Und diese findet in der Zeit einer neuen schweren Wirtschaftskrise statt.[25]<\/p>\n<p><em>Finanzierung eines Teils Wirtschafts- und Corona-Krise durch ein 250-Milliarden-Programm mit Sondersteuern auf hohe Einkommen, auf Gewinne und auf Verm\u00f6gen \u2013 Aufhebung der \u201eSchuldenbremse<\/em><\/p>\n<p>Die neue Krise, die wir in Deutschland auf wirtschaftlichem und medizinischem, gesundheitspolitischen Gebiet erleben, ist mit erheblichen finanziellen Kosten verbunden. Dass in diesem Rahmen bereits nach wenigen Wochen die \u201eSchuldenbremse\u201c von den Regierenden grunds\u00e4tzlich in Frage gestellt wurde, ist grunds\u00e4tzlich positiv zu bewerten. Es dokumentiert nat\u00fcrlich auch, dass es sich bei der Schuldenbremse und der \u201eschwarzen Null\u201c, wie dies unter anderem auf den NachDenkSeiten wiederholt ausgef\u00fchrt wurde, um ein rein ideologisch begr\u00fcndetes Konstrukt handelt. Immerhin wurde die Schuldenbremse in die Verfassung aufgenommen; sie sollte ja&nbsp;<em>gerade f\u00fcr Krisenzeiten&nbsp;<\/em>gelten. Nun wird sie ausgerechnet am Beginn einer Krise zur Verhandlungsmasse erkl\u00e4rt. Bislang wirkte die Schuldenbremse als Mittel, um den Sozialstaat weiter zu demontieren. Jetzt wird sie quasi \u00fcber Nacht in Frage gestellt, um massive Unterst\u00fctzungsprogramme f\u00fcr die Konzerne und Banken zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Aktuell besteht die gro\u00dfe Gefahr, dass die Kosten der neuen Krise erneut, wie 2008\/2009, zu einem gro\u00dfen Teil von den kleinen Leuten bezahlt werden sollen \u2013 in Form schnell steigender Arbeitslosigkeit, Einkommenseinbu\u00dfen und Sozialabbau und vermittelt \u00fcber h\u00f6here Staatsschulden. Tats\u00e4chlich muss alles getan werden, damit die Krisenkosten von denen gestemmt werden, die in den vergangenen Jahrzehnten auf Kosten der Allgemeinheit riesige Gewinne gemacht und Reichtum angeh\u00e4uft haben.<\/p>\n<p>Notwendig sind in diesen Zeiten der Wirtschafts- und Corona-Krise Sondersteuergesetze auf Verm\u00f6gen, hohe Einkommen und Gewinne in einem Volumen von 250 Milliarden Euro. Angesichts der Tatsache, dass allein die Gewinne der 100 gr\u00f6\u00dften b\u00f6rsennotierten deutschen Unternehmen 2019 bei 81 Milliarden Euro (bei einem addierten Umsatz von 1.300 Milliarden Euro) lagen und dass sich die Zahl der Euro-Million\u00e4re im Zeitraum 2000 bis 2018 auf eine Million verdoppelt hat, erscheint ein Programm einer 250-Milliarden-Euro-Corona-Krisen-Steuer f\u00fcr diejenigen, die die Profiteure der Steuerreformen seit Ende der 1990er Jahre sind, mehr als angebracht. [26]<\/p>\n<p>***<\/p>\n<p>Die neue Wirtschaftskrise und die Corona-Epidemie stellen einen tiefen Einschnitt in unserer Geschichte dar \u2013 vielleicht ist es der tiefste seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Damals waren sich die Parteien der b\u00fcrgerlichen Mitte und alle Parteien auf der Linken, SPD und KPD, einig: Nur ein Wirtschaftsmodell, das auf Demokratie und Planung basiert, hat Zukunft und verhindert eine Wiederholung des Gangs in Weltwirtschaftskrise, Faschismus, Krieg und Elend. Oder, in den Worten des CDU-Programms von Ahlen: \u201eDas kapitalistische Wirtschaftssystem ist den [\u2026] sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden.[\u2026] Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der W\u00fcrde des Menschen entspricht.\u201c[27] Diese Feststellungen im Programm der Partei der b\u00fcrgerlichen Mitte \u2013 also im Gr\u00fcndungsprogramm der Partei von Angela Merkel \u2013 trugen erheblich dazu bei, dass es im Grundgesetz die zitierten Artikel 14 und 15 gibt, die eine Enteignung gro\u00dfer Unternehmen und deren \u00dcberf\u00fchrung in Gemeineigentum als M\u00f6glichkeit vorsehen.<\/p>\n<p>Aktuell erleben wir ein weiteres Mal wie die kapitalistische Grundordnung versagt \u2013 auf \u00f6konomischem Gebiet und auf dem Gebiet des Kampfes gegen die Epidemie. Die einzig wirksamen Ma\u00dfnahmen, die in diesen Wochen ergriffen werden, sind fast ausschlie\u00dflich solche, die in Widerspruch zum \u201eWirken der freien Kr\u00e4ften des Marktes\u201c stehen \u2013 es sind planwirtschaftliche. Diejenigen, die den freien Markt zum G\u00f6tzen erkl\u00e4rt hatten, betteln bereits nach wenigen Wochen Krise um Staatshilfen. Aktuell werden diese planwirtschaftlichen Ma\u00dfnahmen von einer Regierung ergriffen, die sich bislang den neoliberalen Gesetzen, also dem \u201efreien Wirken des Marktes\u201c verschrieben hat. Und zweifellos werden sie von diesen Personen nicht aus innerer \u00dcberzeugung ergriffen, sondern als Resultat von Not und \u00e4u\u00dferem Zwang, wobei diese Personen aufs Engste mit den Kapitalinteressen und den Privatisierungsprojekten verbunden sind. Wenn es also einen wirksamen Kampf gegen den Strudel der neuen Krise und gegen die Corona-Epidemie geben soll, dann wird es darauf ankommen, dass solche Ma\u00dfnahmen auf demokratischer Grundlage, getragen von einer breiten Mehrheit in der Bev\u00f6lkerung, durchgesetzt werden.<\/p>\n<p>Das w\u00fcrde im \u00dcbrigen durchaus der Grundstimmung in der deutschen Bev\u00f6lkerung entsprechen. Am 25. Februar 2020 \u2013 von Corona-Krise war damals noch kaum die Rede \u2013 konnte man in der&nbsp;<em>Frankfurter Allgeneinen Zeitung<\/em>&nbsp;auf einer kompletten Seite unter der \u00dcberschrift \u201eKapitalismus am Pranger\u201c lesen: \u201eDie L\u00f6hne sind hoch, die Arbeitslosigkeit ist niedrig, der Sozialstaat w\u00e4chst. Trotzdem glaubt mehr als jeder zweite Deutsche, dass der Kapitalismus mehr schadet als nutzt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Anmerkungen<\/strong><\/p>\n<p>[1] Siehe. Z.B. das Interview mit Robert Shiller \u201eDie Rezession wird kommen\u201c, in: Handelsblatt vom 4. Dezember 2019. Siehe Lunapark21, Heft 44, Dezember 2018, \u201eWarten auf den gro\u00dfen Knall \u2013 Die Weltwirtschaft Anfang 2019 \u2013 ein gewaltiges Krisenpotential\u201c, Seiten 28-35; und Heft 47, Herbst 2019, \u201eDie Weltwirtschaft vor der Krise. China wird es nicht nochmals richten\u201c, Seiten 20-33.<\/p>\n<p>[2] \u201eThe JP Morgan Global Manufacturing PMI [\u2026] fell to 50,1 in December, from 50,3 in November, to remain only marginally above the 50.0 waterline that separates expansion from contraction. PMI reading signalled contractions in the intermediate and investment good sectors, with rates of deterioration accelerating in both cases. This reflected ongoing downturns in output and new orders in these industries.\u201c Nach: JP Morgan, 2 January 2020.<\/p>\n<p>[3] Quellen: Organisation International des Constructeurs d\u00b4Automobiles (OICA); f\u00fcr 2019 = aktuelle Berichte (Stand: 18.3.2020). Es wurden die Angaben f\u00fcr die Pkw-Produktion \u2013 anstelle der Kfz-Fertigung \u2013 gew\u00e4hlt (in den USA = \u201eLight Vehicles Production\u201c (was die SUV, die dort als Lkw gewertet werden, einschlie\u00dft). Bei Einschluss der Nutzfahrzeuge ist die zyklische Bewegung \u2013 nach oben und unten \u2013 abgeschw\u00e4cht. In China stieg z.B. der Absatz von Nutzfahrzeugen 2019 nochmals an, was den zyklischen Abschwung des gesamten Fahrzeugbaus abmildert.<\/p>\n<p>[4] Im Nachgang zur letzten Weltwirtschaftskrise gab es im Kulturbetrieb ein kleines Aufblitzen von radikaler Kapitalismuskritik, als der \u201egesichtslose\u201c S\u00e4nger und Liedermacher Peter Licht durch Talkshows geisterte \u2013 unter anderem mit dem \u201eLied vom Ende des Kapitalismus\u201c. Darin hei\u00dft es: \u201eDer Kapitalismus \/ Der alte Schlawiner \/ is uns lange genug auf der Tasche gelegen \/ Vorbei vorhorbei vorbei vorbei \/ Jetzt isser endlich vorbei [\u2026] Is auch lang genug gewesen \/ Is auch lang genug gewesen \/ Hast du schon geh\u00f6rt jetzt isser \/ endlich vorbei.\u201c CD \u201eEnde des Kapitalismus\u201c.<\/p>\n<p>[5] Angaben zu den Epidemien zusammenfassend nach Wikipedia; Angaben zu 1918-1920: Die Welt vom 6.6.2018 und J\u00fcrgen Kuczynski, Die Lage der Arbeiterklasse 1917-1933, Berlin (Akademie-Verlag) 1966, S.4ff. Angaben zu 1957\/58: swr Archiv-Radio Sendung vom 16.10.1957. Angaben zur wirtschaftlichen Entwicklung nach den Statistischen Jahrb\u00fcchern der Bundesrepublik Deutschland.<\/p>\n<p>[6] In einem aktuellen, interessanten und faktenreichen, aus dem Chinesischen \u00fcbersetzten Text werden die Erfolge in China u.a. auf Basis eines Heeres von \u201eBarfu\u00df\u00e4rzten\u201c und auf den Gebieten der Gesundheitsversorgung und Entwicklung der Lebenserwartung bis Ende der 1990er Jahre hervorgehoben. Um dann fortzufahren wie folgt: \u201eSeitdem haben Nachl\u00e4ssigkeit und Privatisierung dieses System erheblich verschlechtert, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als die rasche Verst\u00e4dterung und die unregulierte industrielle Produktion von Lebensmitteln eine umfassende Gesundheitsf\u00fcrsorge erst recht notwendig gemacht h\u00e4tten. [\u2026] Heute gibt China nach Angaben der WHO 323 USD pro Kopf f\u00fcr \u00f6ffentliche Gesundheitsversorgung aus. Diese Zahl ist selbst im Vergleich zu anderen L\u00e4ndern mit \u00bboberem mittlerem Einkommen\u00ab niedrig: ungef\u00e4hr die H\u00e4lfte von dem, was Brasilien, Belarus und Bulgarien ausgeben. [\u2026] Die Folgen bekommen dabei vor allem die Hunderte von Millionen von WanderarbeiterInnen zu sp\u00fcren, die jedes Recht auf eine medizinische Grundversorgung verwirken, wenn sie ihr Heimatdorf verlassen.\u201c Siehe: Soziale Ansteckung. Mikrobiologischer Klassenkampf in China, in: <a href=\"https:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html\">https:\/\/www.wildcat-www.de\/aktuell\/a112_socialcontagion.html<\/a><\/p>\n<p>[7] Lunapark21 widmete ein komplettes Heft diesem Thema (LP21 Heft 22, Sommer 2013) mit wichtigen Beitr\u00e4gen von Daniel Behruzi. In Heft 40 gingen Patrick Schreiner und Kai Eicker-Wolf im Rahmen des 2M\u00e4rchen des Neoliberalismus\u201c auf diesen zerst\u00f6rerischen Prozess mit den \u201eblutigen Entlassungen (aus dem Krankenhaus)\u201c ein. D. Behruzi ging in einem weiteren Beitrag in Heft 43 (Herbst 2018) auf die Misere im Gesundheitssektor ein. Volker L\u00f6sch inszenierte zusammen mit Besch\u00e4ftigten der Berliner Charit\u00e9 am 13. September 2018 ein \u201eGesundheitstribunal\u201c. Hier\u00fcber berichte Urs-Bonifaz Kohler in LP21 Heft 43, Herbst 2018.<\/p>\n<p>[8] Rundschreiben der beiden genannten Filmemacher vom 17. M\u00e4rz 2020. Siehe:&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.der-marktgerechte-patient.org\/\">www.der-marktgerechte-patient.org<\/a>&nbsp;|&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.kernfilm.de\/\">www.kernfilm.de<\/a><\/p>\n<p>[9] Mehr als jede zweite Klinik sollte schlie\u00dfen, Bericht in: Manager Magazin vom 15. Juli 2019.<a href=\"https:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/artikel\/bertelsmann-jedes-zweite-krankenhaus-sollte-schliessen-a-1277356.html\">https:\/\/www.manager-magazin.de\/unternehmen\/artikel\/bertelsmann-jedes-zweite-krankenhaus-sollte-schliessen-a-1277356.html<\/a>&nbsp;Antwort Spahn nach: \u00c4rzteblatt vom 16. Juli 2019. Siehe: <a href=\"https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/104668\/Debatte-um-Studie-zu-Krankenhausschliessungen-geht-weiter\">https:\/\/www.aerzteblatt.de\/nachrichten\/104668\/Debatte-um-Studie-zu-Krankenhausschliessungen-geht-weiter<\/a><\/p>\n<p>[10] \u201cIch bin kein Freund des Lockdown. Wer so etwas verh\u00e4ngt, muss auch sagen, wann und wie er es wieder aufhebt\u201d, sagte Montgomery im Interview mit der der D\u00fcsseldorfer \u201cRheinischen Post\u201d am 18. M\u00e4rz 20230. Weiter: \u201eDa wir ja davon ausgehen m\u00fcssen, dass uns das Virus noch lange begleiten wird, frage ich mich, wann wir zur Normalit\u00e4t zur\u00fcckkehren?\u201d Man k\u00f6nne doch nicht Schulen und Kitas bis Jahresende geschlossen halten. Denn so lange werde es mindestens dauern, bis man \u00fcber einen Impfstoff verf\u00fcge, betonte Montgomery. Italien habe ein Lockdown verh\u00e4ngt und habe einen gegenteiligen Effekt erzielt. \u201cDie waren ganz schnell an ihren Kapazit\u00e4tsgrenzen, haben aber die Virusausbreitung innerhalb des Lockdowns \u00fcberhaupt nicht verlangsamt.\u201d Ein Lockdown sei eine politische Verzweiflungsma\u00dfnahme, weil man mit Zwangsma\u00dfnahmen meint, weiter zu kommen, als man mit der Erzeugung von Vernunft k\u00e4me. Kritisch \u00e4u\u00dferte sich Montgomery zu den von der Bundesregierung angeordneten Grenzschlie\u00dfungen. \u201cIch glaube nicht, dass die Grenzschlie\u00dfungen das Virus aufhalten k\u00f6nnen. Das ist politischer Aktionismus.\u201d<\/p>\n<p>[11] Zitiert in: S\u00fcddeutsche Zeitung vom 14. M\u00e4rz 2020. Die EZB hat am 19. M\u00e4rz ein neues \u201eNotkaufprogramm\u201c in H\u00f6he von 750 Milliarden Euro zum Aufkauf von staatlichen und kommerziellen Papieren angek\u00fcndigt und aufgelegt. Sie scheint damit ihren Kurs zu revidieren. Explizit sollen \u201eauch griechische Papiere\u201c aufgekauft werden \u2013 was nat\u00fcrlich vor allem hei\u00dft, dass nun auch St\u00fctzungsk\u00e4ufe f\u00fcr italienische Anleihen stattfinden. Diese Korrektur erfolgt sehr sp\u00e4t. Man wird sehen, ob die EZB diesen neuen Kurs dann durchh\u00e4lt, wenn es zum Sturm der Finanzm\u00e4rkte auf die Papiere einzelner \u201eschwacher\u201c L\u00e4nder, vor allem zur Spekulation gegen Italien, kommt.<\/p>\n<p>[12] Naomi Klein, Coronavirus is the perfect disaster for \u201edisaster capitalism\u201c, 13. M\u00e4rz 2020 (<a href=\"http:\/\/www.vice.com\/\">www.vice.com\/<\/a>\u2026)<\/p>\n<p>[13] Michael Moore damals, 2009: \u201eDie Produkte, die in den Fabriken von GM, Ford und Chrysler hergestellt werden, geh\u00f6ren zu den gr\u00f6\u00dften Massenvernichtungswaffen. Sie sind verantwortlich f\u00fcr die globale Erw\u00e4rmung und das Abschmelzen der Polkappen. Was wir \u201eAutos\u201c nennen, macht sicher Spa\u00df beim Fahren, aber sie sind wie eine Million Dolche ins Herz von Mutter Natur. Sie weiter zu bauen bedeutet den Untergang unserer Art und eines gro\u00dfen Teils dieses Planeten.\u201c Hier nach: Die Welt vom 3. Juni 2009.<\/p>\n<p>[14] Der Spiegel vom 1. Juni 2009.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/gm-insolvenz-obama-verteidigt-den-massiven-staatseingriff-a-627965.html\">https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/gm-insolvenz-obama-verteidigt-den-massiven-staatseingriff-a-627965.html<\/a><\/p>\n<p>[15] Das zust\u00e4ndige baden-w\u00fcrttembergische Sozialministerium r\u00e4umt ein, dass die Laboruntersuchungen \u00b4teilweise mehrere Tage in Anspruch nehmen\u00b4. Viele Labore im Land seien \u00b4an der Kapazit\u00e4tsgrenze angelangt\u00b4\u201c. Bericht S\u00fcddeutsche Zeitung vom 19. M\u00e4rz 2020.<\/p>\n<p>[16] Der Standard vom 16. M\u00e4rz 2020. <a href=\"https:\/\/www.derstandard.de\/story\/2000115776404\/hotspot-ischgl-gier-und-versagen-in-tirol\">https:\/\/www.derstandard.de\/story\/2000115776404\/hotspot-ischgl-gier-und-versagen-in-tirol<\/a><\/p>\n<p>[17]&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.gemeingut.org\/gib-aufruf-keine-krankenhausschliessungen\/\">https:\/\/www.gemeingut.org\/gib-aufruf-keine-krankenhausschliessungen\/<\/a>.<\/p>\n<p>[18] \u201eProf. Lauterbach, Gesundheits\u00f6konom und sp\u00e4terer SPD-Sprecher im Gesundheitsausschuss des Bundestags, hat bereits 2003 in seinem Buch \u00b4DRG in deutschen Krankenh\u00e4usern vorgerechnet, dass 1410 der damals 2242 Krankenh\u00e4usern und 194.000 der damals 523.114 Beten in allgemeinen Krankenh\u00e4usern \u00fcberfl\u00fcssig seien.\u201c Nadja Rakjowitz, Zur Frage der Schlie\u00dfung von kleinen Krankenh\u00e4usern, in: Krankenhaus statt Krankenfabrik, M\u00e4rz 2018. Siehe: file:\/\/\/C:\/Users\/WINFRI~1\/AppData\/Local\/Temp\/fact_sheet_kap14.pdf<\/p>\n<p>[19] GM: \u201eWe produce about 1,7 million masks daily\u201c;&nbsp;<a href=\"http:\/\/www.gmauthority.com\/\">www.gmauthority.com<\/a>&nbsp;vom 7. Februar 2020.<\/p>\n<p>[20] Bericht in: ARD-Tagesschau vom 11. November 2019.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/wohnungslose-anstieg-deutschland-101.html\">https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/wohnungslose-anstieg-deutschland-101.html<\/a><\/p>\n<p>[21] Das Werksvertragssystem \u2013 das im \u00dcbrigen Basis der Billigstfleischangebote ist \u2013 ist einzustellen. Siehe die Erkl\u00e4rung Peter Kossen vom 17. M\u00e4rz 2020;<\/p>\n<p>[22]&nbsp;<a href=\"https:\/\/vs.verdi.de\/themen\/nachrichten\/++co++4e085142-660f-11ea-9bec-001a4a160100\">https:\/\/vs.verdi.de\/themen\/nachrichten\/++co++4e085142-660f-11ea-9bec-001a4a160100<\/a><\/p>\n<p>[23] Erkl\u00e4rung von Heike H\u00e4nsel, MdB DIE LINKE vom 16. M\u00e4rz 2020; <a href=\"https:\/\/www.heike-haensel.de\/2020\/03\/16\/griechische-fluechtlingslager-medizinisch-gegen-corona-ausbreitung-schuetzen-und-mittelfristig-evakuieren\/\">https:\/\/www.heike-haensel.de\/2020\/03\/16\/griechische-fluechtlingslager-medizinisch-gegen-corona-ausbreitung-schuetzen-und-mittelfristig-evakuieren\/<\/a><\/p>\n<p>[24] Sinn: \u201eDie Italiener brauchen sicher Unterst\u00fctzung. Ich habe auch vorgeschlagen, dass Deutschland zum Beispiel unilateral [\u2026] ein Geschenk von 20 Milliarden Euro f\u00fcr Italien auf den Tisch legt, um ihnen unsere Solidarit\u00e4t zu zeigen.[\u2026] Das bisschen Geld, was diese medizinischen Ma\u00dfnahmen kosten, ist doch ein Klacks. Da [\u2026] darf man an gar nichts sparen. Bevor wir jetzt Banken retten mit riesigen Geldsummen, k\u00f6nnen wir mit Bruchteilen erst mal in die Medizintechnik investieren, damit wir wirklich die Krise bek\u00e4mpfen, die Corona-Krise, [\u2026] Die Priorit\u00e4ten muss man einfach richtig setzen.\u201c Interview im Deutschlandfunk am 19. M\u00e4rz 2020. <a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/notkaufprogramm-der-ezb-sinn-ueberhaupt-keine-massnahme.694.de.html?dram:article_id=472876\">https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/notkaufprogramm-der-ezb-sinn-ueberhaupt-keine-massnahme.694.de.html?dram:article_id=472876<\/a><\/p>\n<p>[25] Siehe zu den Export\u00fcbersch\u00fcssen im Rahmen der Eurozone ausf\u00fchrlich: Nikos Chilas \/ Winfried Wolf, Die griechische Trag\u00f6die. Rebellion. Kapitulation. Ausverkauf, Wien, 3. erw. Aufl. 2019, Seiten 96ff.<\/p>\n<p>[26] Angaben zu den Unternehmensgewinnen 2019: Bericht auf ntv. Vom 3. Januar 2020 auf Basis von Berechnungen des Bewertungs- und Pr\u00fcfungsunternehmens EY; nach: <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Deutsche-Top-Konzerne-duempeln-durch-2019-article21487478.html\">https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Deutsche-Top-Konzerne-duempeln-durch-2019-article21487478.html<\/a> W\u00fcrde die gut eine Millionen Euro-Million\u00e4re in Deutschland im Durchschnitt mit 100.000 Euro Soli-Steuer belastet, erbr\u00e4chte dies bereits 100 Milliarden Euro.<\/p>\n<p>[27] Das Ahlener Wirtschafts- und Sozialprogramm der CDU, 1. und 3. Februar 1949.<\/p>\n<p>Winfried Wolf ist verantwortlicher Redakteur von Lunapark21 \u2013 Zeitschrift zur Kritik der globalen \u00d6konomie. J\u00fcngste Publikationen: \u201eAbgefahren. Warum wir eine neue Bahnpolitik brauchen\u201c (K\u00f6ln 2019, PapyRossa; zusammen mit Bernhard Knierim) und \u201eVerkehrswende. Das Manifest\u201c (K\u00f6ln April 2020; PapyRossa; zusammen mit Carl Wa\u00dfmuth).<\/p>\n<p>Zuerst ver\u00f6ffentlicht unter&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59459\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=59459<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.lunapark21.net\/die-neue-weltwirtschaftskrise-das-corona-virus-und-ein-kaputt-gesparter-gesundheitssektor-oder-die-solidaritaet-in-den-zeiten-von-corona\/\"><em>lunapark21.net&#8230;<\/em><\/a><em> vom 23. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Winfried Wolf. Die Ausweitung des Corona-Virus hat zur fl\u00e4chendeckenden Beseitigung von Grundrechten und Bewegungsfreiheit gef\u00fchrt. Vieles spricht daf\u00fcr, dass dies in der gegebenen Situation angebracht, unvermeidlich, ist. Wobei es auch<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[87,121,39,75,22],"class_list":["post-7409","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-arbeitswelt","tag-covid-19","tag-deutschland","tag-italien","tag-politische-oekonomie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7409"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7409\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7412,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7409\/revisions\/7412"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}