{"id":7460,"date":"2020-03-28T10:26:28","date_gmt":"2020-03-28T08:26:28","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7460"},"modified":"2020-03-28T10:26:30","modified_gmt":"2020-03-28T08:26:30","slug":"coronakrise-der-kommende-absturz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7460","title":{"rendered":"Coronakrise: Der kommende Absturz"},"content":{"rendered":"<p><em>Tomasz Konicz. <\/em><strong>Das kapitalistische Weltsystem tritt in die schwerste Krise seiner Geschichte ein, deren Folgen \u2013 sollte sie nicht schnell \u00fcberwunden werden \u2013 selbst die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts in den Schatten stellen k\u00f6nnten.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Es ist mal wieder so weit \u2013 die Zeit des ganz gro\u00dfen \u201cWir\u201d ist angebrochen. Wenn der von inneren Widerspr\u00fcchen zerfressene Sp\u00e4tkapitalismus von einem abermaligen Krisenschub erfasst wird, dann bricht der Moment der gro\u00dfen Appelle an den Gemeinsinn, an den Zusammenhalt und die Opferbereitschaft an. Alle Insassen einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft werden gleicherma\u00dfen aufgerufen Opfer zu bringen \u2013 vom Milliard\u00e4r, \u00fcber den Lohnabh\u00e4ngigen, bis zum Obdachlosen. Es geht ja ums gro\u00dfe falsche Ganze, wenn unz\u00e4hlige Milliarden zur St\u00fctzung eines zerst\u00f6rerischen und irrationalen Systems verfeuert werden m\u00fcssen. Doch diesmal scheint der Opfergang f\u00fcr den Mammon buchst\u00e4blich Blut zu fordern. Der Kapitalismus wird dadurch als die s\u00e4kularisierte Religion demaskiert,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Prophezeiung-3363149.html?seite=all\">die Walter Benjamin schon 1921<\/a>\u00a0beschrieb.<\/p>\n<p><strong>Blood for the Blood God<\/strong><\/p>\n<p>Wie w\u00e4re es also mit dem Opfer des Lebens? Es ist ja f\u00fcr eine gute Sache, f\u00fcr die Wirtschaft! So wird inzwischen tats\u00e4chlich argumentiert. Alle m\u00fcssten Opfer bringen, forderte j\u00fcngst etwa Dan Patrick, seines Zeichens Vize-Gouverneur des US-Bundesstaates Texas, von seinen B\u00fcrgern. Die Wirtschaft m\u00fcsse schlie\u00dflich weiter laufen. Die Lohnabh\u00e4ngigen sollten folglich trotz Pandemie zur Arbeit gehen, man m\u00fcsse die Alten, die \u00fcberdurchschnittlich oft an Corona sterben, einfach opfern, damit die Enkel weiterarbeiten k\u00f6nnen \u2013 so die Forderung des Vize-Gouverneurs. Er selber sei bereit, sein Leben f\u00fcr die Wirtschaft zu geben, behauptete der 70-j\u00e4hrige Patrick. \u00c4hnlich argumentiert auch Trump selber, der sein Land \u201cnicht daf\u00fcr gemacht\u201d sieht, \u201cgeschlossen zu bleiben\u201d. Der US-Pr\u00e4sident sprich inzwischen davon, die USA bis Ostern wieder \u201caufzumachen\u201d.<\/p>\n<p>Doch auch in der Bundesrepublik werden Forderungen laut, sich die Wirtschaft nicht von einer dahergelaufenen Pandemie ruinieren zu lassen. Das\u00a0<a href=\"https:\/\/www.handelsblatt.com\/finanzen\/anlagestrategie\/trends\/interview-investor-dibelius-shutdown-der-wirtschaft-macht-mir-mehr-angst-als-das-virus\/25671192.html\">Handelsblatt<\/a>\u00a0hat beispielsweise zuletzt die Absonderungen des Investors Alexander Dibelius (McKinsey, Goldman Sachs) in Artikelform gegossen, der ebenfalls daf\u00fcr pl\u00e4dierte, dass die R\u00e4der wieder rollen m\u00fcssen: \u201cBesser eine Grippe als eine kaputte Wirtschaft.\u201d Gerade in zynischen S\u00e4tzen wie diesen, die es eigentlich nur in Krisenzeiten bis zum Rampenlicht der ver\u00f6ffentlichten Meinung schaffen, kommt der zivilisationsbedrohende Irrationalismus der kapitalistischen Produktionsweise klar zum Vorschein. Das Kapital ist der amoklaufende, fetischistische Selbstzweck einer uferlosen Verwertungsbewegung, ein Selbstzweck, dem wirklich alles geopfert werden kann.<\/p>\n<p>Solche Aufrufe zum regelrechten Blutopfer f\u00fcr das Kapital machen deutlich, wie dramatisch die Lage ist. Der gegenw\u00e4rtige Krisenschub ist viel st\u00e4rker als die Krise von 2008\/09. Es scheint, als ob das System aufgrund seiner zunehmenden inneren Widerspr\u00fcche bei einer l\u00e4nger anhaltenden Pandemie tats\u00e4chlich kollabieren k\u00f6nnte \u2013 obwohl die Politik aus einer binnenkapitalistischen Perspektive blo\u00dfer Krisenbek\u00e4mpfung alles \u201crichtig\u201d macht. Der Corona-Virus ist nur der Trigger, der ein labiles System zum Einsturz zu bringen droht.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/Krise.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7461\" width=\"544\" height=\"387\"\/><\/figure>\n<p><strong>Wirtschaft im freien Fall<\/strong><\/p>\n<p>Es stellt sich inzwischen nur noch die Frage, ob die kommenden Rezessionen schlimmer ausfallen werden, als der gewaltige Einbruch von 2009. Damals ging die Weltwirtschaft nach dem Platzen der Immobilienblasen in den USA und der EU in einen Sturzflug \u00fcber, der nur um durch gigantische Konjunkturprogramme und massive Gelddruckerei abgefangen werden konnte. Diesmal geht der prim\u00e4re Schock von dem raschen Einbruch der Nachfrage, den Produktionsstilllegungen und der\u00a0<a href=\"https:\/\/finance.yahoo.com\/news\/covid-19-supply-chain-shock-100000918.html\">Disruption der bestehenden globalen Lieferketten<\/a>\u00a0aus \u2013 und er hat das Potenzial, eine historisch einmalige Kontraktion des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der L\u00e4nder im Zentrum des sp\u00e4tkapitalistischen Weltsystems auszul\u00f6sen.<\/p>\n<p>Mory Obstfeld, ehemaliger Chef des IWF, verglich j\u00fcngst die sich derzeit entfaltende Kontraktion der Wirtschaft mit den Folgen der\u00a0<a href=\"https:\/\/finance.yahoo.com\/news\/top-economists-see-echoes-depression-110000038.html\">Gro\u00dfen Depression in den 30er Jahren<\/a>\u00a0des 20. Jahrhunderts. Die Heftigkeit des konjunkturellen Absturzes l\u00e4sst die entsprechenden Prognosen im Rekordtempo zur Makulatur werden. Das zweite Quartal 2020 k\u00f6nnte in den USA den schlimmsten Einbruch seit 1947 verzeichnen; laut JPMorgan Chase &amp; Co. droht eine Kontraktion von 14 Prozent gegen\u00fcber dem Vorjahreszeitraum, die Bank of America prognostiziert inzwischen einen Einbruch von 12 Prozent, w\u00e4hrend\u00a0<a href=\"https:\/\/finance.yahoo.com\/video\/goldman-sachs-issues-grim-growth-200114141.html\">Goldman Sachs<\/a>\u00a0gar einen katastrophalen Absturz von 24 Prozent f\u00fcr die kommenden drei Monate erwartet.<\/p>\n<p>Die krasseste Warnung sprach der Pr\u00e4sident der Federal Reserve Bank of St. Louis, James Bullard, aus, der einen Einbruch des BIP von zu bis zu 50 Prozent am Ende des zweiten Quartals gegen\u00fcber dem ersten Quartal 2020 bef\u00fcrchtet. Das h\u00e4tte ein Hochschnellen der Arbeitslosenquote auf bis zu 30 Prozent zur Folge und entspr\u00e4che einem R\u00fcckgang der Wirtschaftsleistung um 25 Prozent. Zum Verglich: in der Gro\u00dfen Depression von 1929-33, die einen Absturz breiter Bev\u00f6lkerungsschichten in extreme Armut ausl\u00f6ste, sank das US-BIP insgesamt um 25 Prozent.<\/p>\n<p>Entscheidend ist hier der Faktor Zeit: je l\u00e4nger die Bek\u00e4mpfung der Pandemie dauert, je l\u00e4nger der Verwertungsprozess des Kapitals in der warenproduzierenden Industrie weitgehend lahmgelegt ist, desto gr\u00f6\u00dfer die Wahrscheinlichkeit einer lang anhaltenden Depression, die eine gro\u00dfe Schicht von Lohnabh\u00e4ngigen \u00f6konomisch \u201c\u00fcberfl\u00fcssig\u201d machen w\u00fcrde \u2013 um sie in existenzbedrohendes Elend zu sto\u00dfen. Sollte der Virus nicht \u201cdurch eine wunderbare Wendung binnen der kommenden Monate verschwinden\u201d , so der Harvard-Professor James Stock gegen\u00fcber Medienvertretern, dann werde es \u201cwie die Gro\u00dfe Depression\u201d sein. In Kalifornien sind schon die Vorboten dieser drohenden sozialen Katastrophe zu sp\u00fcren: seit dem 13. M\u00e4rz, also binnen einer Woche, haben sich dort rund\u00a0<a href=\"https:\/\/sacramento.cbslocal.com\/2020\/03\/25\/gavin-newsom-california-unemployment-coronavirus-pandemic\/\">eine Million Lohnabh\u00e4ngiger<\/a>\u00a0arbeitslos gemeldet.<\/p>\n<p>Die eingangs erw\u00e4hnten, absurd anmutenden Aufrufe, trotz Pandemie wieder Lohnarbeit zu verrichten, und sich um des Geldgottes willen zu opfern, sind gerade von dieser Einsicht in den fetischistischen Sachzwang uferloser Kapitalverwertung getragen. Ansonsten droht der Kollaps einer kapitalistischen Gesellschaft, die sich nur bei gelingenden Akkumulationsprozessen auch sozial reproduzieren kann. Die aus der sich schubweise entfaltenden\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Kapitalismus-kaputt-4684452.html\">Systemkrise des Kapitals<\/a>\u00a0resultierende Produktion einer \u00f6konomisch \u00fcberfl\u00fcssigen Menschheit, die bislang im Verlauf der Krisenkonkurrenz weitgehend auf die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Freihandel-und-Fluechtlinge-3336741.htm\">Lohnabh\u00e4ngigen der Peripherie abgew\u00e4lzt<\/a>\u00a0werden konnte, w\u00fcrde bei l\u00e4ngerfristiger Pandemiebek\u00e4mpfung folglich auch die Zentren mit voller Wucht erfassen. \u201cWir\u201d k\u00f6nnen uns den Schutz vor der Pandemie im Rahmen der kapitalistischen Sachzw\u00e4nge einfach nicht leisten.<\/p>\n<p>Auch in der EU hat inzwischen das gro\u00dfe Kleinrechnen der Konjunkturaussichten eingesetzt. Die EU-Kommission ging anfangs davon aus, dass das BIP in der Europ\u00e4ischen Union um 1,0 Prozent zur\u00fcckgehen w\u00fcrde. Doch nun werden auch in Br\u00fcssel Parallelen zum Jahr 2009 gezogen. Die Wirtschaft der EU d\u00fcrfte demnach\u00a0<a href=\"https:\/\/www.finanzen.net\/nachricht\/aktien\/dickes-minus-droht-eu-rezession-in-2020-koennte-mit-der-jahr-2009-vergleichbar-sein-8654765\">2020 \u00e4hnlich stark schrumpfen<\/a>\u00a0wie nach dem Platzen der Immobilienblasen beim letzten Krisenschub, der die nicht enden wollende Eurokrise zur Folge hatte: damals betrug die Kontraktion der Wirtschaftsleistung 4,5 Prozent in der Eurozone und 4,3 Prozent in der EU. Die abermalige Ersch\u00fctterung der ohnehin erodierenden europ\u00e4ischen Staatenallianz d\u00fcrfte den nationalistischen Zentrifugalkr\u00e4ften insbesondere im W\u00e4hrungsraum weiteren Auftrieb verschaffen. Schon h\u00e4lt eine regelrechte Wegelagerermentalit\u00e4t Einzug in die europ\u00e4ische \u201cUnion\u201d, wo f\u00fcr Italien bestimmte OP-Masken\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/china-hilft-italien-in-der-corona-krise\/a-52858981\">in Deutschland<\/a>\u00a0pl\u00f6tzlich \u201cverschwinden\u201d oder von Polen und Tschechien schlicht in einem\u00a0<a href=\"https:\/\/kurier.at\/politik\/ausland\/corona-lieferung-fuer-italien-polen-und-tschechien-kassieren-masken-und-beatmungsgeraete-ein\/400789163\">staatsr\u00e4uberischen Akt beschlagnahmt<\/a>\u00a0werden.<\/p>\n<p>Das Worst-Case-Szenario f\u00fcr die BRD geht von einem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/soziales\/coronakrise-koennte-deutschland-laut-ifo-hunderte-milliarden-euro-kosten-a-449ac7f9-f0a1-4798-a93d-c68ff2130e43\">Einbruch der Wirtschaftsleistung<\/a>\u00a0von 20 Prozent aus, der den Anstieg der Arbeitslosigkeit um eine Million Lohnabh\u00e4ngige zufolge h\u00e4tte. Die Prognose des ber\u00fcchtigten M\u00fcnchener Ifo-Instituts sieht im g\u00fcnstigsten Fall einen heftigen R\u00fcckgang des BIP um 7,2 Prozent 2020. \u201cDie Kosten werden voraussichtlich alles \u00fcbersteigen, was aus Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen der letzten Jahrzehnte in Deutschland bekannt ist\u201d, warnte Ifo-Chef Fuest. Je nach Szenario w\u00fcrde die Krise zwischen 255 und 729 Milliarden Euro kosten. \u00c4hnlich argumentierte Bundesbank-Chef Weidmann, der ein Abdriften \u201cin eine ausgepr\u00e4gte Rezession\u201d als unvermeidlich ansieht. Die Folgen dieser kommenden konjunkturellen Einbr\u00fcche sind f\u00fcr die Lohnabh\u00e4ngigen oft schon jetzt zu sp\u00fcren: VW schickte aufgrund einbrechender Nachfrage und gest\u00f6rter Lieferketten\u00a0<a href=\"https:\/\/boerse.ard.de\/aktien\/vw-schickt-80000-beschaeftigte-in-kurzarbeit100.html\">rund 80 000 Arbeiter<\/a>\u00a0in Kurzarbeit.<\/p>\n<p>Auch global wird die Konjunkturentwicklung in ersten Prognosen, etwa von IWF, ebenfalls negativ beurteilt, wobei auch hier Parallelen zum\u00a0<a href=\"https:\/\/www.salzburg24.at\/news\/welt\/iwf-chefin-warnt-vor-schlimmerer-rezession-als-2008-85295830\">Crash von 2008<\/a>\u00a0gezogen werden. Die globale Konjunktur h\u00e4ngt allerdings wesentlich von China ab, wo die Produktion ersten Berichten zufolge schon wieder hochgefahren wird. Das k\u00f6nnte den globalen Absturz mindern, wobei aber der chinesische Kommandokapitalismus staatsoligarchischer Pr\u00e4gung nicht die Rolle der globalen Konjunkturlokomotive spielen kann, da China ebenfalls unter der Last\u00a0<a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-china-economy-debt\/chinas-debt-tops-300-of-gdp-now-15-of-global-total-iif-idUSKCN1UD0KD\">hoher Schuldenberge<\/a>\u00a0leidet. Die Abh\u00e4ngigkeiten der \u201cVolksrepublik\u201d von den Exportm\u00e4rkten sind dar\u00fcber hinaus trotz aller partiellen Erfolge bei der St\u00e4rkung der Binnennachfrage immer noch sehr stark.<\/p>\n<p><strong>Im maroden Land der Fantastzillionen<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts dieses drohenden Zusammenbruchs der Wirtschaftsleistung in den Kernl\u00e4ndern des kapitalistischen Weltsystems wundert es nicht, dass die Politik nun sehr freim\u00fctig mit Billionenbetr\u00e4gen hantiert. Die werden in einem Irrsinnstempo in das System gepumpt, als ob es kein Morgen g\u00e4be. Es geht den politischen Funktionseliten tats\u00e4chlich darum, den Kollaps zu verhindern. Dabei bleibt es v\u00f6llig offen, ob diese Anstrengungen auch diesmal, wie beim Platzen der Immobilienblasen 2008\/09, die Agonie des Kapitals durch abermalige Blasenbildung verl\u00e4ngern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Dimensionen der St\u00fctzungsma\u00dfnahmen sind historisch einmalig \u2013 vor allem in den USA. Am Mittwoch einigten sich die Demokraten und Republikaner im Kongress auf ein Konjunkturprogramm mit einem Umfang von zwei Billionen US-Dollar (das sind 2 000 Milliarden!). Das zuvor bel\u00e4chelte Helikoptergeld, also die Auszahlung von Geld an B\u00fcrger zwecks Stimulierung der Nachfrage, ist in den USA Realit\u00e4t geworden. Jeder US-B\u00fcrger mit einem Jahreseinkommen unter 75.000 US-Dollar erh\u00e4lt ein Geldgeschenk von 1.200 US-Dollar, jedes Kind bringt noch zus\u00e4tzlich 500 Dollar ein. F\u00fcr die dysfunktionale, private \u201cGesundheitsindustrie\u201d werden 100 Milliarden f\u00e4llig, Kleinunternehmer k\u00f6nnen mit 350 Milliarden rechnen, der Gro\u00dfindustrie werden 500 Milliarden nachgeworfen, um sie noch am Leben zu halten, f\u00fcr St\u00e4dte und Kommunen sind 150 Milliarden vorgesehen, etc., pp.<\/p>\n<p>In der EU und in der BRD werden alle von Sch\u00e4uble &amp; co. dem W\u00e4hrungsraum aufgen\u00f6tigten Austerit\u00e4tsma\u00dfnahmen aufgehoben, w\u00e4hrend die EZB ein gigantisches Aufkaufprogramm f\u00fcr Anleihen im\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/ezb-pumpt-750-milliarden-in-die-maerkte-droht-europa-bald-die-hyperinflation\/25661774.html\">Umfang von 750 Milliarden Euro<\/a>\u00a0ank\u00fcndigte, um so indirekt, \u00fcber den Umweg des Kapitalmarktes, eigentlich verbotene Staatsfinanzierung der ehemaligen \u2013 und k\u00fcnftigen \u2013 Krisenl\u00e4nder in der Eurozone zu betreiben. Die EU hat inzwischen die Haushaltsregeln der Eurostaaten aufgeweicht, um die kreditfinanzierten Staatsinvestitionen zu f\u00f6rdern, die dank der Geldflut der EZB m\u00f6glich werden. Die sch\u00e4ublerischen Schuldenbremsen werden in der EU wie in der BRD ausgesetzt. Derweil erkl\u00e4rte sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier bereit, \u00fcber \u201cunkonventionelle Ma\u00dfnahmen\u201d wie Konsumschecks nachzudenken, nachdem er j\u00fcngst die Verstaatlichung von Betrieben ank\u00fcndigte, um sie vor ausl\u00e4ndischen \u00dcbernahmen zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die Bundesrepublik ist tats\u00e4chlich in der Lage, aufgrund jahrelanger Export\u00fcbersch\u00fcsse im Rahmen der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Der-Aufstieg-des-deutschen-Europa-3370752.html?seite=all\">deutschen Begger-thy-Neighbor-Politik<\/a>, massive Konjunkturprogramme aufzulegen, die \u2013 in Relation zur Wirtschaftsleistung \u2013 durchaus mit der amerikanischen Gigantomanie\u00a0<a href=\"https:\/\/www.yahoo.com\/news\/germany-approves-800-billion-package-114149515.html\">mithalten<\/a>\u00a0k\u00f6nnen. Berlin mobilisiert insgesamt rund 750 Milliarden Euro, um den konjunkturellen Aufprall abzufedern, einhergehend mit einer Neuverschuldung von rund 156 Milliarden. Mit dieser\u00a0<a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/inland\/corona-paket-altmaier-scholz-101.html\">zus\u00e4tzlichen Verschuldung<\/a>\u00a0sollen alle Sozialma\u00dfnahmen, zus\u00e4tzliche Finanzspritzen f\u00fcr die marode Infrastruktur, etwa das kaputtgeschlagene Gesundheitswesen, und Hilfen f\u00fcr Unternehmen und Selbstst\u00e4ndige finanziert werden. Rund\u00a0<a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/600-Milliarden-Euro-Fonds-soll-Firmen-retten-article21659650.html\">600 Milliarden<\/a>\u00a0sind f\u00fcr die Sicherung der deutschen Konzerne und Exportindustrie vorgesehen, um sie vor Bankrott oder feindlicher \u00dcbernahme durch Verstaatlichung oder Staatskredite zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Diese Milliardenbetr\u00e4ge verblassen in Relation zu den in Billionen zu quantifizierenden Summen, die die Notenbanken in die schwinds\u00fcchtigen Finanzm\u00e4rkte pumpen m\u00fcssen, um eine Kernschmelze des Weltfinanzsystems zu verhindern. Dabei geht es vor allem darum, das Platzen der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Die-Urspruenge-der-gegenwaertigen-Wirtschaftskrise-4285127.html\">Liquidit\u00e4tsblase<\/a>\u00a0zu verhindern, die selbst durch die Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung der Folgen der geplatzten Immobilienblasen 2008\/09 initiiert wurde. Es sind gerade diese seit der zweiten H\u00e4lfte der 90er Jahre aufsteigenden, an Umfang best\u00e4ndig zunehmenden Finanzmarktblasen (Dot-Com-Blase, Immobilienblase, gegenw\u00e4rtige Liquidit\u00e4tsblase), die den best\u00e4ndig wachsenden Schuldenberg von inzwischen 322 Prozent der Weltwirtschaftsleistung generieren, unter dem das hyperproduktive, auf kreditgetriebene Nachfrage angewiesene Weltsystem zusammenzubrechen droht.<\/p>\n<p>Die panischen Billionenma\u00dfnahmen der Notenbanken dienen dazu, diesen gigantischen Schuldendturm vor dem Einsturz zu bewahren. Hierzu z\u00e4hlen etwa die besagten 750 Milliarden an neuen Anleihek\u00e4ufen seitens der EZB genauso, wie die sich auf 1,5 Billionen Dollar summierenden Ma\u00dfnahmen, die die US-Notenbank Fed im Bem\u00fchen aufgebracht hat, den Absturz der US-B\u00f6rsen zu revidieren. Letztendlich handelt es sich hierbei um Gelddruckerei, genannt \u201equantitative Lockerungen\u201c, die in der Finanzsph\u00e4re betrieben wird, indem Anleihen und \u201cWertpapiere\u201d von den Notenbanken aufgekauft werden, um das System \u201cliquide\u201d zu halten (der Anstieg der Wertpapierpreise bildet den daraus resultierenden, inflation\u00e4ren Effekt). Inzwischen gibt es bei der Fed keine offiziellen Grenzen mehr: es seien \u201caggressive Aktionen\u201d notwendig, man werde quantitative Lockerungen \u2013 also Gelddruckerei \u2013\u00a0<a href=\"https:\/\/www.cnbc.com\/2020\/03\/23\/dow-futures-reverse-higher-after-fed-pledges-no-limit-support.html\">ohne Limit<\/a>\u00a0betreiben, hie\u00df von dort am 23. M\u00e4rz.<\/p>\n<p>The syk is the limit \u2013 bis zum gro\u00dfen Entwertungsschub, der in Wechselwirkung mit dem Absturz der Konjunktur einsetzen k\u00f6nnte. Das Problem besteht eben darin, dass ein gro\u00dfer Teil dieses wachsenden Schuldenbergs nicht mehr bedient werden kann, sobald die Rezession l\u00e4nger dauert \u2013 insbesondere bei den Unternehmenskrediten. Das labile sp\u00e4tkapitalistische Kartenhaus auf den Finanzm\u00e4rkten w\u00fcrde dann einst\u00fcrzen, was katastrophale Folgen nach sich z\u00f6ge. Bei ersten entsprechenden Modellrechnungen wurden die Unternehmensschulden von acht L\u00e4ndern \u2013 China, USA, Japan, Gro\u00dfbritannien, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland \u2013 ber\u00fccksichtigt. Bei einem \u00f6konomischen Schock, der nur halb so stark ausfiele wie die globale Finanzkrise von 2008, w\u00fcrden Verbindlichkeiten im Umfang von 19 Billionen US-Dollar (19.000 Milliarden) nicht mehr bedient werden k\u00f6nnen. Das w\u00e4ren 40 Prozent der gesamten Unternehmensschulden in den besagten L\u00e4ndern. Die Krise droht aber, in vielen Regionen dem Einbruch des Jahres 2009 zu \u00e4hneln.<\/p>\n<p>Somit drohen die konjunkturellen Einbr\u00fcche, die nun mit Billionenbetr\u00e4gen gemildert werden sollen, in Wechselwirkung mit dem Finanzschrott im aufgebl\u00e4hten Weltfinanzsystem zu treten, was dessen Entwertung und einen irreversiblen Crash zufolge h\u00e4tte. Das ist die eigentliche Gefahr der gegenw\u00e4rtigen Krisendynamik: Der Zusammenbruch des globalen Schuldenberges w\u00fcrde einen regelrechten Kollaps ausl\u00f6sen. Das hat die Politkaste auch richtig erkannt, weshalb nun die Schleusen von Fed und EZB bis zum Anschlag ge\u00f6ffnet werden.<\/p>\n<p>Die eingangs erw\u00e4hnte archaische Forderung nach Opfern, um die M\u00e4rkte wieder zu bes\u00e4nftigen, hat also tats\u00e4chlich einen wahren Kern im objektiven kapitalistischen Sachzwang. Trump hat recht. Sollte die notwendige Pandemiebek\u00e4mpfung \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum aufrecht erhalten werden, droht buchst\u00e4blich der Kollaps der Zentren des kapitalistischen Weltsystems. Die Ank\u00fcndigung Trumps, schon nach Ostern die USA wieder zum Normalbetrieb hochzufahren, sorgte \u00fcbrigens gemeinsam mit dem beschlossenen \u201cKonjunkturprogramm\u201d an den US-Finanzm\u00e4rkten f\u00fcr den h\u00f6chsten Kurssprung seit 1933. Der Baal des Geldes nimmt die angek\u00fcndigten Menschnopfer g\u00fctig an. Auch wenn Hunderttausende elendig krepieren m\u00f6gen, es muss wieder Kapital per Lohnarbeit verwertet werden. Das irrationale Wesen des Kapitalismus als eine \u201cirre Selbstmordsekte\u201d (Robert Kurz), als ein im blinden Wachstumszwang wild wuchernder Todeskult, wird in solchen Krisenmomenten evident.<\/p>\n<p>Evident wird aber auch die Notwendigkeit der emanzipatorischen \u00dcberwindung dieses in Aufl\u00f6sung und Barbarei versinkenden Systems, dessen Apologeten zu Hohepriestern dieses Todeskults mutieren. Letztendlich ist es eine blanke \u00dcberlebensnotwendigkeit, Wege gesellschaftlicher Reproduktion jenseits der totalit\u00e4ren Wertvergesellschaftung zu finden. Das ist die einzig vern\u00fcnftige politische Forderung, die nun in Reaktion auf das sich entfaltende Desaster formuliert werden muss.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/lowerclassmag.com\/2020\/03\/26\/coronakrise-der-kommende-absturz\/\"><em>lowerclassmag.com&#8230;<\/em><\/a><em> vom 28. M\u00e4rz 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tomasz Konicz. Das kapitalistische Weltsystem tritt in die schwerste Krise seiner Geschichte ein, deren Folgen \u2013 sollte sie nicht schnell \u00fcberwunden werden \u2013 selbst die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts in den Schatten stellen k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7],"tags":[121,22],"class_list":["post-7460","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-international","tag-covid-19","tag-politische-oekonomie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7460","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=7460"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7460\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7462,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/7460\/revisions\/7462"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=7460"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=7460"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=7460"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}