{"id":7491,"date":"2020-04-01T16:32:02","date_gmt":"2020-04-01T14:32:02","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7491"},"modified":"2020-04-01T16:32:03","modified_gmt":"2020-04-01T14:32:03","slug":"immer-schaerferer-klassenkampf-um-die-reaktion-auf-corona-in-den-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=7491","title":{"rendered":"Immer sch\u00e4rferer Klassenkampf um die Reaktion auf Corona in den USA"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201e\u2026\u00a0In dem Amazon-Lager im New Yorker Stadtteil Staten Island hatte der Management-Assistent Chris Smalls einen Streik organisiert, dem sich rund 50 Mitarbeiter angeschlossen hatten. Die Protestierenden kritisierten die bestehenden Schutzma\u00dfnahmen<!--more--> gegen das Coronavirus. Derartige Proteste wurden auch schon in anderen Lagern, unter anderem in Deutschland und Spanien, laut. Die Arbeiter in Staten Island fordern au\u00dferdem die Schlie\u00dfung des Amazon-Lagers, weil es bereits einen Coronafall vor Ort gegeben habe. Amazon hat den Streikf\u00fchrer daraufhin gefeuert \u2013 kurioserweise, weil er die Schutzma\u00dfnahmen des Unternehmens nicht eingehalten habe. Smalls habe \u201emehrere Verwarnungen wegen Verletzung der Richtlinien zur sozialen Distanzierung erhalten\u201c, hei\u00dft es von Amazon. Er habe sich sich geweigert, in Quarant\u00e4ne zu bleiben, nachdem er engen Kontakt mit einem infizierten Mitarbeiter hatte. \u201eIch bin emp\u00f6rt und entt\u00e4uscht, aber ich bin nicht schockiert. Wie \u00fcblich w\u00fcrde Amazon ein Problem lieber unter den Teppich kehren, als f\u00fcr die Sicherheit der Arbeiter und der Teams zu sorgen\u201c, sagt Smalls selbst. Amazon w\u00fcrde lieber Arbeiter entlassen als sich dem v\u00f6lligen Versagen zu stellen. Selbst Letitia James, die Generalstaatsanw\u00e4ltin des Staates New York, schaltete sich ein und bezeichnet die Entlassung von Smalls als \u201eeine Schande\u201c. Sie will rechtliche Schritte pr\u00fcfen, auch das National Labor Relations Board will den Vorfall untersuchen..<\/em>.\u201c \u2013 aus dem\u00a0<a href=\"https:\/\/www.amazon-watchblog.de\/kritik\/2107-protest-corona-amazon-streikfuehrer-raus.html\">Bericht \u201eProtest wegen Corona: Amazon schmei\u00dft Streikf\u00fchrer raus\u201c von Markus G\u00e4rtner am 31. M\u00e4rz 2020 im Amazon-Watchblog<\/a>\u00a0aus dem ja bereits die sich anbahnende \u201ejuristische Aufarbeitung\u201c von Amazons ach so altmodischem Vorgehen hervorgeht. \u00a0Siehe dazu einige weitere aktuelle Beitr\u00e4ge zur aktuellen Streikbewegung in den USA, ein beispielhaftes Dokument der Forderungen zahlreicher Basis-GewerkschaftsaktivistInnen und einen Bericht \u00fcber die Entlassungswelle der Unternehmen:<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/Streik-bei-US-Versandhaendlern\/!5675748\/\">\u201eCorona-Protest bei Amazon &amp; Co\u201c von Dorothea Hahn am 31. M\u00e4rz 2020 in der taz online<\/a>\u00a0berichtet \u00fcber den Amazon-Streik und dar\u00fcber hinaus gehend: \u201e\u2026\u00a0<em>In der Lagerhalle im New Yorker Bezirk Staten Island sind beinahe 5.000 Menschen mit dem Verpacken und Verschicken von Waren f\u00fcr Amazon besch\u00e4ftigt. Seit dem Ausbruch der Coronaepidemie in den USA explodieren ihr Arbeitsvolumen und -rhythmus. Zugleich w\u00e4chst in der Halle die Angst vor Ansteckung. Der Konzern gibt zu, dass zwei Besch\u00e4ftigte aus der Lagerhalle das Virus haben. Doch die Besch\u00e4ftigten in Staten Island wissen von zehn Infizierten in ihren Reihen. Und sie bef\u00fcrchten, dass es zahlreiche weitere und bislang unerkannte Infizierte gibt. Sie alle ber\u00fchren dieselben T\u00fcrklinken, Wasserh\u00e4hne und Gel\u00e4nder. Seit Tagen sprechen sie \u00fcber unzureichende Sicherheitsvorkehrungen und mangelnde Transparenz. \u201eIch ber\u00fchre mindestens 2.000 Dinge pro Stunde, und ich habe keinen Schutz\u201c, sagt der Besch\u00e4ftigte Terrell Worm bei dem Protest am Montag, zu dem sich nur knapp 50 Besch\u00e4ftigte trauten. \u201eDas hat keinen Einfluss auf die Produktion\u201c, verlautete aus dem Unternehmen. Amazon besch\u00e4ftigt rund 800.000 Menschen in den USA. Nach dem Beginn der Epidemie hat der Konzern angek\u00fcndigt, mehrere Hunderttausend weitere anzuheuern. Mindestens eine seiner Lagerhallen in Kentucky musste bereits wegen des Virus geschlossen werden. Auch bei Instacart streikten Besch\u00e4ftigte am Montag wegen der Arbeitsbedingungen und der Ansteckungsgefahr. Das Unternehmen l\u00e4sst seine Mitarbeiter bei verschiedenen Superm\u00e4rkten einkaufen, die Waren werden den KundInnen an die Haust\u00fcr geliefert. Weil sie potenziell infizierte Einkaufswagen und Lebensmittel ber\u00fchren m\u00fcssen, verlangen die Besch\u00e4ftigten Desinfektionsmittel und Handschuhe, wollen eine Gefahrenzulage und ein Mindesttrinkgeld von 5 Dollar pro Auftrag. Auch das Gesch\u00e4ftsvolumen von Instacart ist seit dem Ausbruch der Epidemie explodiert. Der Konzern spricht von 250.000 Menschen, die sich gemeldet haben, um f\u00fcr ihn zu arbeiten. Auch in anderen Bereichen der krisengeplagten Wirtschaft rumort es. In einem Call-Center in Arizona, wo Menschen in 15-Personen-Gruppen zusammensitzen, obwohl selbst das Wei\u00dfe Haus 10 Leute f\u00fcr die maximal vertretbare Gr\u00f6\u00dfe h\u00e4lt, sprechen Besch\u00e4ftigte von einem \u201egro\u00dfen Viruspool\u201c. Und bei der Fastfood-Kette Chipotle skandierten Besch\u00e4ftigte auf der 6th Avenue in New York: \u201eWenn wir krank sind und arbeiten, werdet ihr krank.\u201c Bei General Electrics, das Tausende entlassen will, weil die D\u00fcsentriebwerksproduktion gegenw\u00e4rtig nicht funktioniert, sind Besch\u00e4ftigte in Massachusetts am Montag mit einem anderen Slogan auf die Stra\u00dfe gegangen. Sie verlangen, die Produktion auf die Herstellung von dringend ben\u00f6tigten Beatmungsger\u00e4ten umzustellen..<\/em>.\u201c<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/amazon-streik-usa.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7492\" width=\"579\" height=\"290\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/amazon-streik-usa.jpg 400w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/amazon-streik-usa-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 579px) 100vw, 579px\" \/><\/figure>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2020\/04\/01\/pers-a01.html\">\u201eUnterst\u00fctzt die streikenden Arbeiter von Instacart, Amazon und Whole Foods!\u201c am 01. April 2020 bei wsws<\/a>\u00a0ist ein Aufruf der SEP, aus dem unter anderem auch einiges \u00fcber das hierzulande wohl weitgehend unbekannte Instacart hervor geht: \u201e\u2026\u00a0<em>Am Montag begannen die Besch\u00e4ftigten bei Instacart einen Streik, weil sie gezwungen sind, ohne angemessene Schutzkleidung wie Masken und Handschuhe sowie Handdesinfektionsmittel zu arbeiten. Die Coronavirus-Pandemie breitet sich aus und derweil gef\u00e4hrden die unsicheren Arbeitsbedingungen nicht nur das Leben der Besch\u00e4ftigten, sondern auch das der Kunden, die sie bedienen. Diese Arbeiterinnen und Arbeiter leisten einen h\u00f6chst wichtigen Dienst an der Gesellschaft. Die USA sind jetzt ein Epizentrum der Krise, mit 180.000 Infizierten und mehr als 3.500 Todesf\u00e4llen. Unter Bedingungen der Ausgangssperre, der fast 250 Millionen Menschen in den USA unterliegen, ist die Lieferung von Lebensmitteln, Medikamenten und anderen lebensnotwendigen G\u00fctern f\u00fcr Menschen, die ihre Wohnung nicht verlassen k\u00f6nnen oder sollen, wichtiger denn je. Die 150.000 Mitarbeiter von Instacart, die \u201eshoppers\u201c hei\u00dfen, holen und liefern Lebensmittel bei Kroger, Aldi, Sam\u2019s Club und anderen gro\u00dfen Lebensmitteleinzelh\u00e4ndlern. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Hauslieferungen plant das Unternehmen mit Sitz in San Francisco die Einstellung von weiteren 300.000 Mitarbeitern. Aber das Unternehmen widersetzt sich Forderungen, den Arbeitnehmern die einfachsten Schutzvorkehrungen zu bieten. W\u00e4hrend Instacart-CEO Apoorva Mehta, ein 34-j\u00e4hriger ehemaliger Lieferkettenoptimierer bei Amazon, auf einem Privatverm\u00f6gen von 400 Millionen Dollar sitzt, verdienen die Mitarbeiter von Instacart durchschnittlich sieben Dollar pro Lieferung. Wie andere Besch\u00e4ftigte in der Gig-Economy werden sie als \u201eselbstst\u00e4ndige\u201c Auftragnehmer eingestuft, damit das Unternehmen ihnen nicht den Mindestlohn, Urlaub und Arbeitslosengeld zahlen muss. Die Arbeiter wollen ihr M\u00f6glichstes tun, um die Coronavirus-Pandemie zu bek\u00e4mpfen. Besch\u00e4ftigte bei General Electric haben gestern Proteste begonnen und fordern, dass das Unternehmen endlich mit der Produktion dringend ben\u00f6tigter Beatmungsger\u00e4te beginnt. Aber die Besch\u00e4ftigten wollen nicht sich und andere gef\u00e4hrden, damit die Konzernchefs ihre Milliarden einstreichen<\/em>\u2026\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.commondreams.org\/news\/2020\/03\/30\/strike-wave-full-swing-amazon-whole-foods-workers-walk-job-protest-unjust-and-unsafe\">\u201e\u2019The Strike Wave Is in Full Swing\u2019: Amazon, Whole Foods Workers Walk Off Job to Protest Unjust and Unsafe Labor Practices\u201c von Julia Conley am 30. M\u00e4rz 2020 bei Common Dreams<\/a>\u00a0berichtet zudem auch \u00fcber den begonnenen Streik bei Amazons (Bio)Tochterunternehmen Whole Foods, der seinen Anfang von einer spontanen Krankmeldungsaktion nahm.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/labornotes.org\/blogs\/2020\/03\/detroit-bus-drivers-win-protections-against-virus-through-strike\">\u201eDetroit Bus Drivers Win Protections Against Virus Through Strike\u201c von Jane Slaughter am 18. M\u00e4rz 2020 bei den Labornotes<\/a>\u00a0war einer der ersten Berichte \u00fcber die beginnende Streikwelle \u2013 \u00fcber den (erfolgreichen) Streik der Detroiter Busfahrer f\u00fcr bessere Sicherheitsvorkehrungen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/paydayreport.com\/memphis-teamsters-wildcat-strike-at-krogers-massive-southern-warehouse\/\">\u201eMemphis Teamsters Wildcat Strike at Kroger\u2019s Crucial Southern Warehouse\u201c von Mike Elk am 27. M\u00e4rz 2020 beim Payday Report<\/a>\u00a0berichtet vom (ebenfalls erfolgreichen) spontanen Streik der (meist afroamerikanischen) Belegschaft eines Lagerhauses der Kroger-Kette in Memphis, die ebenfalls bessere Arbeitsbedingungen forderten \u2013 nachdem die ersten Infizierten unter der Belegschaft festgestellt wurden verlie\u00df weit \u00fcber die H\u00e4lfte der Belegschaft schlichtweg ihren Arbeitsplatz.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/static1.squarespace.com\/static\/505b96a8c4aa40a37a143c49\/t\/5e744fa9cf55615fdbccb76b\/1584680875261\/RWU+Resolution+on+Coronavirus+and+the+Railroad+on+Letterhead.pdf\">\u201eRWU Resolution on Coronavirus and the Railroad\u201c am 19. M\u00e4rz 2020 bei den Railway Workers United<\/a>\u00a0ist die Resolution des gewerkschafts\u00fcbergreifenden Basis-Netzwerks der EisenbahnerInnen mit der sie unter anderem volle Bezahlung von Ausfallstunden und Krankengeld f\u00fcr unter Quarant\u00e4ne stehende fordern \u2013 und steht damit auch als Beispiel f\u00fcr eine ganze Reihe gleicher Forderungen von anderen gewerkschaftlichen Basis-Zusammenschl\u00fcssen in den USA.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/groups\/MENASOLIDARITY\/permalink\/2962360747183082\/\">\u201eMajor companies signaled a new wave of economic distress\u201c von Abha Bhattarai, Rachel Siegel und Jeff Stein am 30. M\u00e4rz 2020 bei Global Workers Solidarity<\/a>\u00a0(Facebook) dokumentiert, ist ein Beitrag, der einen \u00dcberblick \u00fcber die Aktivit\u00e4ten der anderen Seite gibt: Eine Entlassungswelle\u2026<\/p>\n<ul>\n<li>Siehe bei Twitter #AmazonStrike und #ProtectAmazonWorkers<\/li>\n<li>Siehe auch unser Dossier:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/?p=164793\">\u201eHaltet das Maul und arbeitet mehr\u201c \u2013 die r\u00fccksichtslose Politik von Amazon ruft immer mehr Widerstand hervor: Weltweit<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.labournet.de\/internationales\/usa\/arbeitskaempfe-usa\/der-streik-bei-amazon-in-new-york-und-die-illegale-reaktion-des-unternehmens-sind-teil-eines-immer-schaerferen-klassenkampfes-um-die-reaktion-auf-corona-in-den-usa-auch-in-anderen\/\"><em>labournet.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 1. April 2020<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201e\u2026\u00a0In dem Amazon-Lager im New Yorker Stadtteil Staten Island hatte der Management-Assistent Chris Smalls einen Streik organisiert, dem sich rund 50 Mitarbeiter angeschlossen hatten. 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